Allorthodoxes Konzil gefährdet? Konflikt in Moskau und mit Konstantinopel

Vom Synaxis 2014 beschlossene Einberufung eines Heiligen und Großen Konzils der Orthodoxie für 2016 scheint gefährdet
Vom Synaxis 2014 beschlossene Einberufung eines Heiligen und Großen Konzils der Orthodoxie für 2016 ist gefährdet

(Mos­kau) Die Römi­sche Kurie gilt seit März 2013 offi­zi­ell als Dau­er­bau­stel­le. Der­zeit wird vor allem der Kom­mu­ni­ka­ti­ons­be­reich neu geord­net. Wäh­rend in Rom umstruk­tu­riert wird, gab es im Kom­mu­ni­ka­ti­ons­be­reich des Mos­kau­er Patri­ar­chats ein regel­rech­tes Erd­be­ben.

In Rom steht der Päpst­li­che Rat für die sozia­len Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mit­tel unter der Lei­tung von Kuri­en­erz­bi­schof Clau­dio Maria Cel­li vor der Auf­lö­sung. Msgr. Cel­li wird in weni­gen Mona­ten 75. Sein bis­he­ri­ger Stell­ver­tre­ter, der iri­sche Kuri­en­bi­schof Paul Tig­he, wur­de von Papst Fran­zis­kus bereits Mit­te Dezem­ber zum bei­geord­ne­ten Sekre­tär des Päpst­li­chen Kul­tur­ra­tes unter der Lei­tung von Kar­di­nal Gian­fran­co Rava­si ernannt. Der ame­ri­ka­ni­sche Jour­na­list Greg Bur­ke ist neu­er Vize-Vati­kan­spre­cher und Stell­ver­tre­ter von P. Fede­r­i­co Lom­bar­di SJ.

In Mos­kau wur­den gleich­zei­tig die bei­den bekann­te­sten Köp­fe des Kom­mu­ni­ka­ti­ons­be­rei­ches vor die Tür gesetzt. Am 24. Dezem­ber, rund zwei Wochen vor dem ortho­do­xen Weih­nachts­fest, erließ das Mos­kau­er Patri­ar­chat die Pres­se­er­klä­rung Nr. 98. Am Ende einer Sit­zung des Hei­li­gen Syn­od wur­de die Zusam­men­le­gung von zwei bis­her getrenn­ten Abtei­lun­gen des Syn­od bekannt­ge­ge­ben. Zusam­men­ge­schlos­sen wur­den die Abtei­lung für die Bezie­hun­gen zwi­schen Kir­che und Gesell­schaft und die Infor­ma­ti­ons­ab­tei­lung.

Die neu­ge­schaf­fe­ne Ein­rich­tung nennt sich Abtei­lung für die Kir­che, die Gesell­schaft und die Medi­en. Gelei­tet wird sie vom Lai­en Wla­di­mir Lego­y­da, der schon bis­her die Infor­ma­ti­ons­ab­tei­lung lei­te­te und Chef­re­dak­teur der ortho­do­xen Zeit­schrift „Tho­mas“ ist.

Vor die Tür gesetzt wur­de hin­ge­gen der Erz­prie­ster Wse­wo­lod Tschap­lin. Seit 2009 war er Lei­ter der Abtei­lung für die Bezie­hun­gen zwi­schen Kir­che und Gesell­schaft. In die­ser Funk­ti­on galt der Archi­man­drit als wich­tig­ster Spre­cher der rus­sisch-ortho­do­xen Kir­che.

Kritiker einer zu engen Anlehnung der Kirche an die Staatsmacht entlassen

Weni­ge Tage vor ihm war bereits Ser­gej Tsch­ap­nin, der Chef­re­dak­teur des offi­zi­el­len Pres­se­or­gans des Mos­kau­er Patri­ar­chen ent­las­sen wor­den. Grund für die Ent­las­sung war der im Novem­ber von ihm auf der ame­ri­ka­ni­schen Inter­net­sei­te First Things ver­öf­fent­lich­te Arti­kel „A Church of Empi­re“. Der Titel könn­te auch mit „Staats­kir­che“ ins Deut­sche über­setzt wer­den. Tsch­ap­nin äußer­te sich dar­in sehr kri­tisch über die enge Anleh­nung der rus­si­schen Kir­che an die Staats­macht.

In einem Inter­view mit dem katho­li­schen Nach­rich­ten­dienst Asia­news wie­der­hol­te Tsch­ap­nin, daß der wich­tig­ste Streit­punkt die Recht­fer­ti­gung der rus­si­schen Mili­tär­in­ter­ven­tio­nen in Syri­en und der Ukrai­ne als von Gott gewoll­tem „Hei­li­gen Krieg“ ist.

Die ortho­do­xen Kir­chen sind bekannt dafür, daß inter­ne Kon­flik­te mit Här­te aus­ge­tra­gen wer­den. Im aktu­el­len Macht­kampf ste­hen Tschap­lin und Tsch­ap­nin gegen Patri­arch Kyrill I. und dem „Außen­mi­ni­ster“ des Mos­kau­er Patri­ar­chats, Metro­po­lit Hil­ari­on von Wolo­ko­lamsk. Tschap­lin sprach in sei­ner Kri­tik auch von einer auto­ri­tä­ren Zurück­drän­gung der Syn­oda­li­tät, die für die ortho­do­xe Kir­che so cha­rak­te­ri­stisch sei, durch den Patri­ar­chen und den „Außen­mi­ni­ster“.

Entlassender Archimandrit Tschaplin, eine der bekanntesten Stimmen der russischen Orthodoxie
Ent­las­sen­der Archi­man­drit Tschap­lin, eine der bekann­te­sten Stim­men der rus­si­schen Ortho­do­xie

Gegenkritik: Zusammenarbeit mit westlichen Interessengruppen

Tsch­ap­nin wie­der­hol­te sei­ne Kri­tik im Mos­kau­er Car­ne­gie-Zen­trum. Dar­in sehen sei­ne Kri­ti­ker den Beleg dafür, daß die bei­den Ent­las­se­nen im neu­en Ost-West-Kon­flikt zwi­schen Mos­kau und Washing­ton mit west­li­chen Inter­es­sen­grup­pen zusam­men­ar­bei­ten. Das Patri­ar­chat begrün­de­te die Ent­las­sung nicht damit, doch in der Les­art unter­ge­be­ner Stel­len, wird die Ent­las­sung als „Selbst­schutz“ der rus­sisch-ortho­do­xen Kir­che gegen eine Art von Fünf­ter Kolon­ne dar­ge­stellt. Das 1994 errich­te­te Car­ne­gie-Zen­trum in Mos­kau ist ein Able­ger des US-ame­ri­ka­ni­schen außen­po­li­ti­schen Think Tank Car­ne­gie Endow­ment for Inter­na­tio­nal Peace. Die rus­si­sche Regie­rung wirft ver­gleich­ba­ren west­li­chen Ein­rich­tun­gen Ein­mi­schung in inner­rus­si­sche Ange­le­gen­hei­ten vor.

Streitpunkte zwischen Moskau und Konstantinopel gefährden Einberufung eines gesamtorthodoxen Konzils

Bei der­sel­ben Ver­samm­lung des Hei­li­gen Syn­od am 24. Dezem­ber berich­te­tet Metro­po­lit Hil­ari­on, daß es beim pan­or­tho­do­xen Tref­fen Mit­te Dezem­ber in Athen zum Bruch gekom­men sei. In der grie­chi­schen Haupt­stadt hat­ten sich Ver­tre­ter aller aner­kann­ten ortho­do­xen Kir­chen für die Vor­be­rei­tung eines pan­or­tho­do­xen Kon­zils ver­sam­melt. Streit herrscht über die Regeln, nach denen das all­o­r­tho­do­xe Kon­zil statt­fin­den soll. Am wei­te­sten von­ein­an­der ent­fernt sind die Posi­tio­nen des Öku­me­ni­schen Patri­ar­chats von Kon­stan­ti­no­pel und des Mos­kau­er Patri­ar­chats. Kon­stan­ti­no­pel bean­sprucht einen Vor­rang, den Mos­kau in die­ser Form nicht aner­kennt.

Die Patri­ar­chen und Ober­häup­ter der ortho­do­xen Kir­chen hat­ten sich im März 2014 nach vie­len Jah­ren dar­auf ver­stän­digt, im Jahr 2016 ein Hei­li­ges und Gro­ßes Kon­zil der gesam­ten Ortho­do­xie nach Kon­stan­ti­no­pel ein­zu­be­ru­fen. Das gesamt­or­tho­do­xe Kon­zil soll in der Ire­nen-Kathe­dra­le von Istan­bul statt­fin­den. Offi­zi­el­ler Grund für die Ein­be­ru­fung ist die Lage der Chri­sten im Nahen Osten und die Ukrai­ne-Fra­ge. Dabei geht es auch um die Aner­ken­nung einer ukrai­nisch-ortho­do­xen Kir­che.

Gleichberechtigung aller orthodoxen Kirchen blockiert seit 50 Jahren die Einberufung eines Konzils

Die Ein­be­ru­fung eines all­o­r­tho­do­xen Kon­zils wird bereits seit einem hal­ben Jahr­hun­dert ver­sucht, schei­ter­te jedoch immer wie­der an inner­or­tho­do­xen Kon­flik­ten. Man­gels einer all­ge­mein aner­kann­ten Auto­ri­tät mach­te der Aus­bruch immer neu­er Kon­flik­te alle bis­he­ri­gen Ver­su­che zunich­te. Im Zen­trum steht dabei der Dis­put über die Fra­ge, wel­che Befug­nis­se dem Öku­me­ni­schen Patri­ar­chen von Kon­stan­ti­no­pel als Pri­mus inter pares zuste­hen. Da alle ortho­do­xen Kir­chen gleich­be­rech­tigt sind und Beschlüs­se nur ein­stim­mig gefaßt wer­den kön­nen, blockie­ren sie gegen­sei­tig ein gemein­sa­mes Vor­ge­hen.

Ohne eine Eini­gung in der aktu­el­len Ver­fah­rens­fra­ge wird es kein gesamt­or­tho­do­xes Kon­zil geben. Beob­ach­ter rech­nen bereits mit einer Ver­schie­bung des Ter­mins um eini­ge Jah­re, wie es bereits seit über einem hal­ben Jahr­hun­dert der Fall ist.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Asia­news

21 Kommentare

  1. Haben denn die Ortho­do­xen nichts vom Vati­ka­num II gelernt? Hof­fent­lich pla­nen wenig­stens sie kei­ne Lit­ur­gie­re­form.

    Der sog. Cäsar­o­pa­pis­mus hat in den Ost­kir­chen eine lan­ge, nega­ti­ve Tra­di­ti­on, da die Zaren schal­te­ten und wal­te­ten wie es ihnen pass­te, wie die Herr­scher von Byzanz vor ihnen auch.
    Gera­de das Papst­tum konn­te seit den gre­go­ria­ni­schen Refor­men ein Gegen­ge­wicht zu der Welt­herr­schaft bil­den und die Unab­hän­gig­keit vom Staat garan­tie­ren. Und daher ende­te jeder Schritt in Rich­tung „weg vom Rom“ in einem mehr oder min­der ver­steck­ten Staats­kir­chen­tum. Eine deutsch-katho­li­sche Staats­kir­che, was natür­lich Öster­reich und die Schweiz eben­so betrifft, ist ja der fac­to vor­han­den. Eben­so ende­te in der Ver­gan­gen­heit der Gal­li­ka­nis­mus und der Febro­nia­nis­mus oder Theresianismus/Josephinismus.

    Deut­sche Bischö­fe sind Staats­be­am­te — ein Skandal,Byzanz bis. Nichts Neu­es unter der Son­ne.…

  2. Ein Kon­zil ohne Betei­li­gung des Bischofs von Rom (oder sei­nes Lega­ten) ist unmög­lich. Des­we­gen wun­dert es mich kei­ne Spur, daß die Ein­be­ru­fung die­ses Pseu­do-Kon­zils erneut geschei­tert ist. Ein Vor­rang des Patri­ar­chen von Kon­stan­ti­no­pel ist auf einer all­o­r­tho­do­xen Syn­ode ange­bracht, auf einem Kon­zil hat der Papst oder der Kai­ser als sein Beauf­trag­ter den Vor­sitz inne.

    • Naja — ob Kon­stan­tin der „Beauf­trag­te“ des Pap­stes war? Das sind lau­ter sol­che Theo­rien, die in der Pra­xis eh nicht funk­tio­nier­ten und im übri­gen zu dem dama­li­gen Zeit­punkt nicht gül­tig waren. Tat­sa­che ist, dass Kon­zils­de­fi­ni­tio­nen erst durch die Unter­schrift des Kai­sers gül­tig wur­den.
      Nun haben wir kei­nen „Kai­ser“ mehr.

      Im übri­gen — bei aller Kri­tik an der Ortho­do­xie — es hat immer auch Regio­nal­syn­oden gege­ben, gera­de in der frü­hen Zeit bis weit ins Früh­mit­tel­al­ter hin­ein, die recht­mä­ßig und prin­zi­pi­ell auch in ihren Ergeb­nis­sen gül­tig waren. Und die Rol­le des Pap­stes war da nicht immer „ast­rein“ geklärt“ (Hm!)
      War­um soll also die Ost­kir­che grund­sätz­lich kei­nes abhal­ten kön­nen?

  3. Ich hat­te vor etwa sie­ben Jah­ren zwei Jahr­gän­ge von First Things selbst abon­niert. Abge­se­hen davon, daß vie­le Bei­trä­ge dort theo­lo­gisch gehalt­voll sind und die offi­zi­el­le Kir­chen­pres­se des deut­schen Sprach­raums bei wei­tem über­tref­fen, ist First Things lupen­rein neo-kon­ser­va­tiv, pro-zio­ni­stisch und US-staats­na­he.

    Daß sich daher aus­ge­rech­net dort jemand aus kirch­li­cher Sicht staats­kri­tisch, näm­lich gegen­über der rus­si­schen Füh­rung, äußert, ent­behrt nicht einer gewis­sen Iro­nie — und belegt natür­lich die oben erwähn­te „Gegen­kri­tik“.

    Ser­gej Tsch­ap­nin schreibt dort gleich am Anfang:

    The Rus­si­an sta­te under­went an iden­ti­ty cri­sis in the 1990s, with a choice eit­her to demo­cra­ti­ze or to beco­me a new empi­re. Its initi­al deci­si­on, in the ear­ly Yelt­sin years, was in favor of demo­cra­cy.

    Wie die­se Art der „Demo­kra­tie“ aus­ge­se­hen hat, müß­te den Lesern von katholisches.info bekannt sein. Trotz­dem ein Stich­wort: Raub des rus­si­schen Eigen­tums durch „Olig­ar­chen“ und Ver­ar­mung der Bevöl­ke­rung. Jel­zin war die wil­li­ge Mario­net­te der Olig­ar­chen. Bei Putin haben sich die­se aller­dings ver­schätzt. Die­ser scheint tat­säch­lich für die legi­ti­men Inter­es­sen der Rus­sen und Ruß­lands ein­zu­tre­ten.

    Auch wenn wir aus katho­li­scher Sicht weder den Sta­tus der mos­ko­wi­ti­schen Kir­che als von Rom getrennt noch deren tat­säch­lich exi­stie­ren­den Cäsar­o­pa­pis­mus gut­hei­ßen kön­nen, so ist eine all­fäl­li­ge Alli­anz ortho­do­xer Krei­se mit den USA gegen die der­zei­ti­ge rus­si­sche Regie­rung noch viel weni­ger gut­zu­hei­ßen. Zu offen­kun­dig ist die geo­stra­te­gi­sche Aggres­si­on der USA, als daß die ortho­do­xe Kir­chen­füh­rung bei die­ser Kol­la­bo­ra­ti­on hier zuschau­en dürf­te.

    Von daher ist der im Arti­kel genann­te „Selbst­schutz“ nicht an den Haa­ren her­bei­ge­zo­gen.

    • Tschap­lin ist eine äußerst unsym­pa­thi­sche Gestalt. Sei­ne unbe­frie­dig­ten Kar­rie­re­wün­sche im Zen­trum des mos­ko­wi­ti­schen Patri­ar­cha­tes haben ihn nun recht zügig sei­ne alten Idea­le schnell über Bord wer­fen las­sen. Er hat sich ja immer als aus­ge­wie­se­ner bei­nah mili­tan­ter Anti­west­ler zu pro­fi­lie­ren ver­sucht und dem­ago­gisch wahr­lich nichts aus­ge­las­sen. Jetzt ins Abseits gestellt dient er sich neu­en Her­ren an, auch wenn es sei­ne wei­land geschol­te­nen Fein­de von gestern sind, „Car­ne­gie-cent­re“ etc. vor ein paar Mona­ten hät­te er noch den Kir­chen­bann für all jene gefor­dert, wel­che mit denen etwas zu schaf­fen haben. Ein Oppur­tu­nist son­der­glei­chen. In der lite­ra­tur­na­ya gaze­ta (Prin­t­aus­ga­be) gab es im Novem­ber ein Por­trät über ihn. Ent­setz­lich, daß man die­sen Mann solan­ge auf die­sen Posten beließ.

  4. Da schwin­gen gleich meh­re­re Kon­flik­te mit… „In einem Inter­view mit dem katho­li­schen Nach­rich­ten­dienst Asia­news wie­der­hol­te Tsch­ap­nin, daß der wich­tig­ste Streit­punkt die Recht­fer­ti­gung der rus­si­schen Mili­tär­in­ter­ven­tio­nen in Syri­en und der Ukrai­ne als von Gott gewoll­tem „Hei­li­gen Krieg“ ist.“ .… So so.

    Wer sich aber ein­bil­det, das Pro­blem wür­de dadurch gelöst, dass man einen abso­lu­ti­sti­schen Herr­scher namens Papst an die Spit­ze stellt, der darf sich das Schau­spiel um unse­ren der­zei­ti­gen Allein­herr­scher nicht ent­ge­hen las­sen.

    Haben wir wirk­lich nur die Wahl zwi­schen Pest und Cho­le­ra?

    Und was ist mit dem Herrn der Kir­che?!

    Denkt einer der bischöf­li­chen Her­ren in Ost und West über­haupt noch an IHN?

    • Die Alter­na­ti­ve, das Syn­oden­sy­stem brach­te auch kei­ne ande­ren Ergeb­nis­se. Beim „abso­lu­ti­sti­schen“ System weiß man wenig­stens, wer das Sagen hat, andern­orts sind es in Wirk­lich­keit Klün­gel, die nicht so durch­schau­bar sind.

      • Genau — am besten ein Füh­rer­staat, eine Füh­rer­kir­che und kei­ne Luft zum Atmen mehr für alle ande­ren.

        Wir hat­ten das doch so „segen­reich“ schon öfters.

        …und wir haben es bei uns in der Kirche…wunderbar! Wir wis­sen auch, wer das Sagen hat. das „Lais­sez-fai­re“ in ein­ge­renz­ten Berei­chen gehört zur „panem-et-circenses“-Taktik Roms.

        Komisch bloß, dass Jesus 12 und nicht bloß einen Apo­stel ein­ge­setzt hat und unter den frü­hen Chri­sten, er — laut Jesus — der „Die­ner“ aller sein soll­te. Sein Auf­trag: nicht sich selbst, son­dern die Brü­der stär­ken, die Läm­mer wei­den. Ein abso­lu­ti­sti­scher Herr­scher wei­det nur sich selbst, weil er der Sinn, das Ziel und der Zweck der Hier­ar­chie ist.

        Klün­ge­lei gehört zur Bos­heit des Men­schen. Auch ein absoul­ti­sti­scher Herr­scher bedarf der Klün­gel, um sich an der Macht zu hal­ten. Und genau das haben wir in unse­rer Kir­che…

        Fragt sich nur, wor­über wir uns dann eigent­lich auf­re­gen. Ist doch alles im grü­nen Bereich mit unse­rem abso­lu­ti­sti­schen Mann an der Spit­ze und wir wis­sen wenig­stens, wer das Sagen hat. Pri­ma.

  5. In der rus­si­schen Kir­che wird die­ses pan­or­tho­do­xe Con­ci­li­um weit­ge­hend abge­lehnt, zumin­dest von den ton­an­ge­ben­den Hier­ar­chen. Die Stim­mung in den kon­ser­va­ti­ven Kir­chen der Oiku­me­ne ist nicht anders.
    Der Patri­arch von Bul­ga­ri­en ist sehr skep­tisch eben­so der­je­ni­ge von Geor­gi­en, wie auch der Metro­po­lit von Athen und Pri­mas Grie­chen­lands. Distan­ziert zeigt sich auch der grie­chisch-ortho­do­xe Patri­arch von Hie­ros­oly­ma.
    Die­ses Kon­zil wür­de nur der öku­me­ni­schen und öko­lo­gi­schen sowie der Eine-Welt-Agen­da von Kon­stan­ti­no­pel und dem Rumä­ner-Patri­ar­chen Dani­el und den klei­nen Kon­stan­ti­no­pel-höri­gen klei­nen Kir­chen nüt­zen. Bereits seit der ersten Hälf­te des XVIII. Jh. hat der Stuhl von Kon­stan­ti­no­pel inten­siv sich mit der (eng­li­schen) Frei­mau­re­rei ver­bün­det. Vie­le Patri­ar­chen waren auch Logen­mit­glie­der. Des­we­gen sind tra­di­tio­nell die Bezie­hun­gen zur „Church of Eng­land“ immer aus­ge­zeich­net gewe­sen. Auch haben vie­le Hier­ar­chen aus dem kon­stan­ti­no­po­li­ta­ni­schen Patri­ar­chat als Kon­se­kra­to­ren für angli­ka­ni­sche Bischö­fe fun­giert, ins­bes. in der Zeit um Apo­sto­li­cae Curae (1896). Nicht zu ver­ges­sen, daß Anfang des 20 Jh. bereits die Patri­ar­chen von Kon­stan­ti­no­pel umfas­sen­de „Refor­men“ in der Lit­ur­gie und Ekkle­sio­lo­gie pro­pa­gier­ten, auch die bycan­ti­ni­schen Patri­ar­chen Alex­an­dri­ens gal­ten als sehr „refor­m­of­fen“ doch dann kam der gro­ße Krieg sowie 1917 und das anti­zi­pier­te Kon­zil konn­te sich glück­li­cher­wei­se nicht mehr kon­sti­tu­ie­ren.

    • Ganz Ihrer Mei­nung. Der „grü­ne“ Patri­arch ist auf NWO-Linie. Er war ja auch Mit­be­ter beim inter­re­li­giö­sen Pfing­ste­vent in den vati­ka­ni­schen Gär­ten. Es ist gar nicht wün­schens­wert, dass er eine Art Pri­mat über die ande­ren öst­li­chen Patri­ar­cha­te aus­übt, die Rus­sen weh­ren sich dage­gen mit Recht. Ins­ge­samt ist das Geran­gel um Vor­rang zu bedau­ern, aber schon die Apo­stel vor Pfing­sten fin­gen damit an, und der Herr hat sie ja mit Wor­ten zurecht­ge­wie­sen, die nichts von ihrer Gül­tig­keit ver­lo­ren haben.

      • …wobei die­ses Geran­gel dar­um, wer der „Größ­te“ ist, bei uns die bizarr­sten Blü­ten getrie­ben hat, oder sehen Sie irgend­wo nach 1870 noch einen Papst, der der „der Die­ner“ aller sein will, und dies nicht in einer gestelz­ten Topos-Laber-Spra­che, son­dern real, echt, wirk­lich? Es geht doch nur dar­um, sich selbst den Vor­rang und die Macht insti­tu­tio­nell bis zur Beton­här­te zu sichern…

        Fast jede Enzy­kli­ka betont seit­her erst mal die Grö­ße des Pap­stes.

        Wirk­lich groß sind die, die es nicht sagen — auch hier ist allei­ne Maria ein Vor­bild, aber auch sie wird von denen, die sich für groß hal­ten, nur wie­der als erpres­se­ri­sches Vor­bild gegen die, die man als „UNter­ge­be­ne“ im Blick hat, ein­ge­setzt.

        Es ist wirk­lich wider­lich, wohin man schaut und so, als hät­ten wir gar kei­nen Herrn.

      • Die Prä­ze­denz-Fra­ge ist zwar sehr kon­tro­vers-publik aber der eigent­li­che Gra­ben in der ortho­do­xen oiku­me­ne liegt zwi­schen kon­ser­va­tiv-behar­ren­den Patri­ar­chen und Metro­po­li­ten sowie ande­ren Hier­ar­chen und jener Rich­tung, für wel­che Kon­stan­ti­no­pel und sei­ne Gefolgs­leu­te ein­ste­hen.
        Die­ses pan­or­tho­do­xe Kon­zil soll unter Auspi­zi­en von Bar­tho­lo­me­os I. die Ein­glie­de­rung der ortho­do­xen oiku­me­ne in das Pro­gramm der NWO sicher­stel­len.

      • Sie fra­gen:

        „sehen Sie irgend­wo nach 1870 noch einen Papst, der der ‚der Die­ner‘ aller sein will, und dies nicht in einer gestelz­ten Topos-Laber-Spra­che, son­dern real, echt, wirk­lich?“

        Das ist eine sehr schwie­ri­ge Fra­ge, die ich nicht hopp­la­hopp beant­wor­ten kann. Statt­des­sen möch­te ich einen Hin­weis geben, der in einem ent­fern­te­ren, aber wesent­li­chen, fun­da­men­ta­len Zusamm­men­hang mit Ihrer Fra­ge steht und den man m.E. berück­sich­ti­gen muss, wenn man Päp­ste beur­tei­len will.
        Es war Papst Gre­gor I., auch der Gro­ße genannt, der nach mei­nem jet­zi­gen Kennt­nis­stand erst­mals in der Geschich­te den Anspruch auf den Titel eines uni­ver­sa­len Bischofs über die Kir­che als b l a s p h e m i s ch und — ja! — a n t i c h r i s t l i ch bezeich­ne­te. Er tat das in Brie­fen an den ehr­gei­zi­gen Patri­ar­chen von Kon­stan­ti­no­pel Johan­nes den Faster (Nesteutes/ Jeju­n­a­tor), der sich die­sen Titel des uni­ver­sa­len Bischofs bzw. öku­me­ni­schen Patri­ar­chen bei­le­gen woll­te, und an den byzan­ti­ni­schen Kai­ser Mau­ri­ki­os, bei dem er sich hier­über beschwer­te. Zugleich war der hl. Gre­gor selbst ein glü­hen­der Ver­tei­di­ger des römi­schen Pri­mats, jedoch wohl nicht in dem Sinn, in wel­chem er spä­ter zum römi­schen Dog­ma wur­de. (Es ist sowie­so bezeich­nend, dass beim Kon­zil von Chal­ze­don der Vor­rang des römi­schen apo­sto­li­schen Stuhls irgend­wie poli­tisch, mit dem Vor­rang Roms als Stadt begrün­det wur­de, und dass Kon­stan­ti­no­pel n a c h Rom, aber von glei­chem Rang mit die­sem, posi­tio­niert wur­de, eine wider­sprüch­li­che, kom­pro­miss­haf­te, kon­flikt­träch­ti­ge For­mu­lie­rung. Kein Wort übri­gens von Mat­thä­us 16,18 oder Johan­nes 21 u.a..) Und nun stel­len wir uns vor: Es war aus­ge­rech­net der Nach­fol­ger Papst Gre­gors des Gro­ßen, Papst Boni­faz III., der von dem Nach­fol­ger und grau­sa­men Mör­der des Kai­sers Mau­ri­ki­os, sei­ner Gemah­lin und Kin­der, dem Scheu­sal Pho­kas, eben die­sen „blas­phe­mi­schen“ und „anti­christ­li­chen“ Titel ver­lie­hen bekam. Papst Boni­faz III. nutz­te sei­ne neue Macht­stel­lung sofort, indem er ein Edikt her­aus­brach­te, womit er alle von ihm nicht geneh­mig­ten Bischofs­er­nen­nun­gen welt­weit für ungül­tig erklär­te.
        Dazu aus­führ­lich und mit Bele­gen: John Dow­ling, The Histo­ry of Roma­nism, New York 1881, in den Kapi­teln V und VI des Ersten Buchs.
        http://pdf.amazingdiscoveries.org/eBooks/History_of_Romanism.pdf

      • Nach­trag.
        Die For­mu­lie­rung Ihrer Fra­ge ent­hält aller­dings schon so viel Groll, dass ich sie sowie­so nicht beant­wor­ten möch­te. Sie müss­ten Sie vor­her umfor­mu­lie­ren.

      • @ Leo Lämm­lein

        Irgend­wie snd Sie fei­ge: Erst stei­gen Sie auf eine Fra­ge ein, ant­wor­ten weit­schwei­fig und ultra­kri­tisch, und dann distan­zie­ren Sie sich, indem Sie mir den schwar­zen Peter wg. angeb­li­chen „Grolls“ zuschie­ben, den Sie doch ein­fach nur sel­ber haben und mich als geeig­ne­te Pro­jek­ti­ons­flä­che miss­brau­chen.
        Wenn Sie nur ein­mal ein ech­ter Mann wären und nicht die­ser fei­ge Adam, der nach began­ge­ner Tat alles auf Eva schiebt. Sie soll­ten end­lich zu dem ste­hen, was in Ihnen vor­geht!
        Mein Fall ist wie­der ein ande­rer!

    • Also kurz gesagt: ein heil­lo­ses Durch­ein­an­der auch dort!
      Kein Grund also, irgend­wel­che infan­ti­len Sehn­süch­te auf die Ortho­do­xen zu pro­ji­zie­ren.

      Staats­hö­rig war man aber in der rus­si­schen Ortho­do­xie schon immer sehr. Man müss­te die­se Pro­ble­ma­tik auch histo­risch ver­ste­hen, denn der Zar hat­te vor 300 Jah­ren das Mos­kau­er Patri­ar­chat abge­schafft und durch den staat­lich beauf­sich­tig­ten „Hei­li­gen Syn­od“ ersetzt. Nach der Okto­ber­re­vo­lu­ti­on wur­de zwar das Patri­ar­chat wie­der gegrün­det, war aber genau­so staats­hö­rig… wis­sen wir ja…
      Ob sich dar­an wirk­lich was geän­dert hat?
      Mal dient man dem Zar, mal den Kom­mu­ni­sten und mal dem hei­li­gen, hei­li­gen Putin? Wem denn noch, wenns drauf ankommt?

      Wir ver­ste­hen ja schon unse­re eige­ne Mise­re hier im West­rö­mi­schen Reich nicht — am besten Zurück­hal­tung, was den Osten betrifft!

      • Die Geschich­te ver­lief auch hier viel­schich­ti­ger. Die Ortho­do­xie hat unter dem Sowjet­re­gime einen hohen Blut­zoll gezahlt. Patri­arch Tichon wider­stand den Kom­mu­ni­sten. Es war sein Nach­fol­ger Patri­arch Ser­gej, der eine Loya­li­täts­er­klä­rung gegen­über der Sowjet­re­gie­rung unter­schrieb. Dar­auf­hin trenn­te sich die rus­si­sche Aus­lands­kir­che vom Mos­kau­er Patri­ar­chat. Ein ande­rer Teil ging in den Unter­grund als soge­nann­te Kata­kom­ben­kir­che.

      • Blut­zoll haben da im wesent­li­chen aller­dings ande­re gezahlt, vor allem frei­kirch­li­che Rus­sen… und drei­mal darf man raten, wie­so die­sel­ben einen so hohen Zulauf erhal­ten hat­ten…

  6. Und wenn’s nach den Lang­na­sen jen­seits des Oze­ans geht, dann wer­den die Ortho­do­xen auch wie­der einer Schnaps­na­se wie Jel­zin oder einem Olig­ar­chen die­nen. Je nach­dem der Wind weht, nicht? Geld stinkt bekannt­lich nicht. Und nur dar­um geht es.

  7. Die wirk­lich zen­tra­le Fra­ge auf einer ortho­do­xen Syn­ode (der Begriff „Kon­zil“ ist eben fest­ge­legt, ein Kon­zil ohne Papst ist unmög­lich, s.o.) wäre die nach der Juris­dik­ti­on. Allein in Deutsch­land gibt es ca ein Dut­zend ver­schie­de­ne ortho­do­xe Bischö­fe, ent­spre­chend auch ver­schie­de­ne ortho­do­xe Gemein­den. Wenn man sich dar­auf eini­gen könn­te, wer eigent­lich in nicht tra­di­tio­nell ortho­do­xen Län­dern „das Sagen“ hat, wäre das schon ein gro­ßer Schritt vor­wärts. Aber dem steht natür­lich das stark aus­ge­präg­te Natio­nal­kir­chen-Den­ken der Ortho­do­xie gegen­über — etwas, das uns auch blüht, wenn die Bischofs­kon­fe­ren­zen tat­säch­lich auf­ge­wer­tet wer­den sol­len.
    Was Putin angeht — der Mann ist so ortho­dox wie Ange­la Mer­kel (oder Joa­chim Gauck) evan­ge­lisch. Zwei­mal im Jahr in die Kir­che zu gehen macht einen noch nicht zum Chri­sten. Und Mor­de zu befeh­len bzw. zu tole­rie­ren, Unzucht mit Frau­en zu betrei­ben, die nicht die eige­ne sind, etc. sind nicht gera­de christ­li­che Tugen­den. Wer also beim Namen Putin feuch­te Augen kriegt, weil das doch der ach­so­christ­li­che Herr­scher Ruß­lands ist, der soll­te mal auf Exer­zi­ti­en gehen und sei­ne Defi­ni­ti­on von Chri­sten­tum über­prü­fen — am besten mit­tels des Evan­ge­li­ums.

    • Na gut — „Kon­zil“ in die­sem zuge­spitz­ten Sinn, den Sie vor­aus­set­zen, geht dann nicht: statt­ge­ge­ben.

      Die „Haec sanc­ta synodus“-Frage ist aller­dings wei­ter­hin unklar, ganz ein­fach weil bei den dama­li­gen drei Päp­sten tat­säch­lich unklar war, wer nun der wah­re Papst ist. Und das war defi­ni­tiv unklar! Die Sache ende­te schließ­lich auch mit der Ver­ab­schie­dung aller drei Päp­ste — ich weiß, dass man­che sich das zurecht­bür­sten wol­len, damit ihre Papst­ideo­lo­gie wie­der stimmt und wol­len anhand geführ­ter Papst­li­sten bewei­sen, wel­cher der drei der Rich­ti­ge war, aber so ein­fach ist es nun mal nicht. Das wur­de im Nach­hin­ein so geführt, war aber den Zeit­ge­nos­sen in der Situa­ti­on sehr wohl unklar. Und wenn in einer Situa­ti­on, in der man kei­nen Papst hat, des­sen man sich sicher sein kann, und auch kei­ne bischöf­li­che unani­mitas mehr, dann dürf­te der ein­ma­li­ge Prä­ze­denz­fall Kon­stanz durch­aus auch häu­fi­ger ange­wen­det wer­den MÜSSEN. Schon damals zer­brach die Kir­che bei­na­he für immer und wäre ohne eine kon­zi­lia­re Auto­ri­tät unter­ge­gan­gen. Auch wenn man das spä­ter wie­der her­un­ter­ge­kocht hat.

      Vie­len Dank aber Ihnen für Ihre kla­ren Wor­te zu Putin — ich ver­su­che das ver­zwei­felt klar­zu­ma­chen, weil jeder, der lesen kann, die­se Fak­ten eigent­lich sehen kön­nen müss­te — aber manch­mal den­ke ich, nie­mand ist ideo­lo­gie­an­fäl­li­ger als Katho­li­ken: die erblin­den noch schlim­mer als das Juden­tum und sehen die Fin­ster­nis nicht, obwohl sie mit Hän­den zu grei­fen ist.

      Und nun kom­me mir bit­te nie­mand mit den bösen USA, die ich angeb­lich ver­harm­lo­se — das tu ich nicht und das muss ich auch nicht, um zu sehen, welch ein eis­kal­ter Mann im kreml herrscht. Es gibt mehr als eine böse mensch­li­che Macht in der Welt…

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