„Zwölf Tugenden der Barmherzigkeit“ — Papst Franziskus an die Römische Kurie

Weihnachtsbotschaft von Papst Franziskus an die Römische Botschaft: Zwölf Tugenden der Barmherzigkeit
Weihnachtsbotschaft von Papst Franziskus an die Römische Botschaft: Zwölf Tugenden der Barmherzigkeit

(Rom) Beim Weih­nachts­emp­fang vor einem Jahr ver­ab­reich­te Papst Fran­zis­kus sei­nen Mit­ar­bei­tern an der Römi­schen Kurie eine regel­rech­te Kopf­wä­sche. 15 „Krank­hei­ten“ hielt er sei­nem Mit­ar­bei­ter­stab vor. Seit­her rumor­te es im Vati­kan. Die Moti­va­ti­on sei erheb­lich gesun­ken, berich­te­ten auf­merk­sa­me Beobachter.
Beim Weih­nachts­emp­fang 2015 folg­te erneut eine Auf­li­stung, dies­mal benann­te der Papst jedoch „zwölf Tugen­den der Barm­her­zig­keit“ und schmei­chel­te zum Abschluß pro­gres­si­ven Kir­chen­krei­sen. Er zitier­te ein „wun­der­schö­nes Gebet“, das Oscar Arnul­fo Rome­ro (1917–1980) zuge­schrie­ben wer­de, jedoch „erst­mals von Kar­di­nal John Daer­den gespro­chen wur­de“, so der Papst.
Kar­di­nal Daer­den (1907–1988) war seit dem Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zil eine der füh­ren­den pro­gres­si­ven Stim­men in den USA. Erz­bi­schof Rome­ro wur­de am 23. Mai 2015 selig­ge­spro­chen. In Euro­pa wur­de er vor allem als poli­ti­sche Iko­ne rezipiert.

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WEIHNACHTSEMPFANG FÜR DIE RÖMISCHE KURIE
ANSPRACHE VON PAPST FRANZISKUS

Cle­men­ti­na-Saal
Mon­tag, 21. Dezem­ber 2015

Lie­be Brü­der und Schwestern,

ich bit­te euch um Ent­schul­di­gung, dass ich nicht ste­hend spre­che, aber seit eini­gen Tagen bin ich unter dem Ein­fluss einer Grip­pe und füh­le mich nicht sehr stark. Mit eurer Erlaub­nis wer­de ich also im Sit­zen sprechen.

Mit Freu­de drücke ich euch mei­ne herz­lich­sten Glück­wün­sche für ein geseg­ne­tes Weih­nachts­fest und ein fro­hes neu­es Jahr aus, in die ich auch alle Mit­ar­bei­ter, die Päpst­li­chen Ver­tre­ter und beson­ders die­je­ni­gen ein­be­zie­he, die in die­sem Jahr wegen Errei­chen der Alters­gren­ze ihren Dienst been­det haben. Den­ken wir auch an die Men­schen, die vor das Ange­sicht Got­tes geru­fen wur­den. Euch allen und euren Ange­hö­ri­gen gel­ten mein Geden­ken und mein Dank.

In mei­ner ersten Begeg­nung mit euch im Jahr 2013 habe ich zwei wich­ti­ge und von­ein­an­der untrenn­ba­re Aspek­te der Kuri­en­ar­beit her­vor­he­ben wol­len: Pro­fes­sio­na­li­tät und Dienst und dabei als nach­zu­ah­men­des Vor­bild auf die Gestalt des hei­li­gen Josefs ver­wie­sen. Im ver­gan­ge­nen Jahr haben wir uns hin­ge­gen in Vor­be­rei­tung auf das Sakra­ment der Ver­söh­nung mit eini­gen Ver­su­chun­gen und „Krank­hei­ten“ aus­ein­an­der­ge­setzt – dem „Kata­log der Kuri­en­krank­hei­ten“; heu­te soll­te ich dage­gen von den „kuria­len Anti­bio­ti­ka“ spre­chen – Krank­hei­ten, die jeden Chri­sten, jede Kurie, Gemein­schaft, Kon­gre­ga­ti­on, Pfar­rei und kirch­li­che Bewe­gung befal­len könn­ten. Krank­hei­ten, die Vor­beu­gung, Über­wa­chung, Pfle­ge und in eini­gen Fäl­len lei­der schmerz­haf­te und lang­wie­ri­ge Ein­grif­fe erfordern.

Eini­ge die­ser Krank­hei­ten sind im Lau­fe die­ses Jah­res auf­ge­tre­ten; sie haben dem gesam­ten Leib nicht uner­heb­li­che Schmer­zen zuge­fügt und vie­le Men­schen inner­lich ver­letzt – auch durch den Skandal…

Ich hal­te es für mei­ne Pflicht zu bekräf­ti­gen, dass dies ein Anlass zu auf­rich­ti­gen Über­le­gun­gen und ent­schei­den­den Maß­nah­men war und wei­ter sein wird. Die Reform wird mit Ent­schlos­sen­heit, kla­rem Ver­stand und Tat­kraft fort­ge­führt wer­den, denn Eccle­sia sem­per refor­man­da.

Den­noch kön­nen die Krank­hei­ten und sogar die Skan­da­le nicht die Effi­zi­enz der Dien­ste über­decken, wel­che die Römi­sche Kurie mühe­voll mit Ver­ant­wor­tung, Enga­ge­ment und Hin­ga­be für den Papst und die gan­ze Kir­che lei­stet, und das ist ein wirk­li­cher Trost. Der hei­li­ge Igna­ti­us lehr­te, dass es „dem bösen Geist eigen [ist], Gewis­sens­äng­ste zu erre­gen, trau­rig zu stim­men und Hin­der­nis­se zu legen, indem er mit fal­schen Grün­den beun­ru­higt, damit man nicht wei­ter vor­an­schrei­te. Dage­gen ist es dem guten Geist eigen, Mut und Kraft, Trö­stun­gen und Trä­nen, Ein­ge­bun­gen und Gelas­sen­heit zu schen­ken, indem er alle Hin­der­nis­se leicht macht und weg­hebt, damit man auf dem Weg des Guten wei­ter fort­schrei­te.“ ((Exer­zi­ti­en, 315.))

Es wäre eine gro­ße Unge­rech­tig­keit, gegen­über all den anstän­di­gen und gewis­sen­haf­ten Per­so­nen, die in der Kurie mit unein­ge­schränk­tem Ein­satz, mit Erge­ben­heit, Treue und Pro­fes­sio­na­li­tät arbei­ten, nicht einen tief emp­fun­de­nen Dank und eine gebüh­ren­de Ermu­ti­gung zum Aus­druck zu brin­gen – sie schen­ken der Kir­che und dem Nach­fol­ger Petri den Trost ihrer Soli­da­ri­tät und ihres Gehor­sams, ganz zu schwei­gen von ihren groß­her­zi­gen Gebeten.

Über­dies sind die Wider­stän­de, die Mühen und das Fal­len der Men­schen und der Amts­trä­ger auch Lek­tio­nen und Chan­cen zum Wach­sen und nie­mals Anlass zur Ent­mu­ti­gung. Sie sind Gele­gen­hei­ten, sich „auf das Wesent­li­che zu besin­nen“, das heißt zu über­prü­fen, wie weit wir uns im Kla­ren sind über uns selbst, über Gott, über den Näch­sten, über den sen­sus Eccle­siae und über den sen­sus fidei.

Über die­ses „sich auf das Wesent­li­che besin­nen“ möch­te ich heu­te zu euch spre­chen, wäh­rend wir am Anfang der Pil­ger­fahrt des Hei­li­gen Jah­res der Barm­her­zig­keit ste­hen, das von der Kir­che vor weni­gen Tagen eröff­net wur­de und das für sie wie für uns alle ein nach­drück­li­cher Auf­ruf zur Dank­bar­keit, zur Umkehr, zur Erneue­rung, zur Buße und zur Ver­söh­nung ist.

Tat­säch­lich ist Weih­nach­ten das Fest der unend­li­chen Barm­her­zig­keit Got­tes, wie der hei­li­ge Augu­sti­nus von Hip­po sagt: „Konn­te es uns Unglück­li­chen gegen­über eine grö­ße­re Barm­her­zig­keit geben als die, wel­che den Schöp­fer des Him­mels dazu beweg­te, vom Him­mel her­ab­zu­stei­gen, und den Schöp­fer der Erde, sich mit einem sterb­li­chen Leib zu beklei­den? Eben­die­se Barm­her­zig­keit ver­an­lass­te den Herrn der Welt, Knechts­ge­stalt anzu­neh­men, so dass er, der doch sel­ber Brot ist, Hun­ger hat­te; er, der doch die voll­kom­me­ne Labung ist, Durst hat­te; er, der die Macht ist, schwach wur­de; er, der das Heil ist, ver­wun­det wur­de; er, der Leben ist, ster­ben konn­te. Und all das, um unse­ren Hun­ger zu stil­len, unse­re Trocken­heit zu lin­dern, unse­re Schwä­che zu stär­ken, unse­re Nie­der­träch­tig­keit aus­zu­lö­schen und in uns die Lie­be zu ent­zün­den.“ ((Serm. 207, 1: PL 38, 1042.))

Im Kon­text die­ses Jah­res der Barm­her­zig­keit und der Vor­be­rei­tung auf Weih­nach­ten, das bereits vor der Tür steht, möch­te ich euch also ein prak­ti­sches Hilfs­mit­tel anbie­ten, um die­se Zeit der Gna­de frucht­brin­gend zu leben. Es han­delt sich um einen uner­schöpf­li­chen „Kata­log der not­wen­di­gen Tugen­den“ für die, wel­che in der Kurie Dienst tun, und für alle, die ihre Wei­he oder ihre Arbeit für die Kir­che frucht­bar machen wollen.

Ich lade die Lei­ter der Dikaste­ri­en und die Vor­ge­setz­ten ein, ihn anzu­rei­chern und zu ver­voll­stän­di­gen. Es ist eine Auf­stel­lung, die von einer akro­sti­chi­schen Ana­ly­se [Es han­delt sich um ein Buch­sta­ben­spiel, das lei­der in der Über­set­zung nicht nach­voll­zieh­bar ist; wir ver­su­chen jedoch, es zumin­dest der Form nach sicht­bar zu machen (Anm. d. Übers.)] – Pater Ric­ci ver­wen­de­te die­se Metho­de in Chi­na – gera­de des Wor­tes „MISERICORDIA – Barm­her­zig­keit“ aus­geht, damit die­se uns lei­te und leuchte:

1. Missio­na­rie­tà  e pasto­ra­li­tà  – Mis­si­ons­geist und pasto­ra­le Grundhaltung

Der Mis­si­ons­geist ist das, was die Kurie schöp­fe­risch und frucht­bar macht und dies auch in Erschei­nung tre­ten lässt; er ist der Beweis für die Wirk­sam­keit, die Effi­zi­enz und die Echt­heit unse­res Schaf­fens. Der Glau­be ist ein Geschenk, aber das Maß unse­res Glau­bens erweist sich auch dar­in, wie weit wir fähig sind, ihn zu ver­mit­teln. ((„Die mis­sio­na­ri­sche Dimen­si­on ist nicht nur eine Fra­ge geo­gra­phi­scher Gebie­te, son­dern eine Fra­ge der Völ­ker und Kul­tu­ren und der ein­zel­nen Men­schen, gera­de weil die Gren­zen des Glau­bens nicht nur durch mensch­li­che Orte und Tra­di­tio­nen ver­lau­fen, son­dern durch das Herz jedes Men­schen. Das Zwei­te Vati­ka­ni­sche Kon­zil hat auf beson­de­re Wei­se her­vor­ge­ho­ben, dass der mis­sio­na­ri­sche Auf­trag, der Auf­trag, die Gren­zen des Glau­bens zu erwei­tern, jeden Getauf­ten und alle christ­li­chen Gemein­schaf­ten betrifft“ (Bot­schaft zum Welt­mis­si­ons­sonn­tag 2013, 2).)) Jeder Getauf­te ist Mis­sio­nar der Fro­hen Bot­schaft, vor allem mit sei­nem Leben, sei­ner  Arbeit und sei­nem fro­hen und über­zeug­ten Zeugnis.

Die gesun­de pasto­ra­le Grund­hal­tung ist eine unent­behr­li­che Tugend vor allem für jeden Prie­ster. Sie ist das täg­li­che Bemü­hen, dem Guten Hir­ten zu fol­gen, der sich um sei­ne Scha­fe küm­mert und sein Leben hin­gibt, um das Leben der ande­ren zu ret­ten. Er ist der Maß­stab für unse­re kuria­le und prie­ster­li­che Akti­vi­tät. Ohne die­se bei­den Flü­gel wer­den wir nie flie­gen kön­nen und auch die Selig­keit des „treu­en Knech­tes“ (vgl. Mt 25,14–30) nicht erreichen.

2. Idon­ei­tà  e saga­ci­tà  – Eig­nung und Scharfsinn

Die Eig­nung ver­langt die per­sön­li­che Anstren­gung, die not­wen­di­gen und gefor­der­ten Vor­aus­set­zun­gen zu erwer­ben, um die eige­nen Auf­ga­ben und Tätig­kei­ten best­mög­lich aus­zu­füh­ren, mit Ver­stand und Intui­ti­on. Sie steht gegen Emp­feh­lungs­schrei­ben und Bestechungsgelder.

Der Scharf­sinn ist die Gei­stes­ge­gen­wart, um die Situa­tio­nen zu ver­ste­hen und mit Weis­heit und Krea­ti­vi­tät in Angriff zu neh­men. Eig­nung und Scharf­sinn sind auch die mensch­li­che Ant­wort auf die gött­li­che Gna­de, wenn jeder von uns jenem berühm­ten Spruch folgt: „Alles tun, als ob es Gott nicht gäbe, und dann alles Gott über­las­sen, als ob es mich nicht gäbe“. Es ist das Ver­hal­ten des Jün­gers, der sich täg­lich an den Herrn wen­det mit die­sen Wor­ten aus dem schö­nen, Papst Cle­mens XI. zuge­schrie­be­nen Gebet: „Lei­te mich mit dei­ner Weis­heit, stüt­ze mich mit dei­ner Gerech­tig­keit […] ermu­ti­ge mich mit dei­ner Güte, schüt­ze mich mit dei­ner Macht. Ich schen­ke dir, Herr, mei­ne Gedan­ken, damit sie auf dich gerich­tet sind; mei­ne Wor­te, damit es die dei­nen sind; mein Tun, damit es dei­nem Wil­len ent­spricht; mei­ne Qua­len, damit sie dir gewid­met sind.“ ((Mis­sa­le Roma­num, Edi­tio typi­ca ter­tia 2002.))

3. Spiri­tua­li­tà  e uma­ni­tà  – Spi­ri­tua­li­tät und Menschlichkeit

Die Spi­ri­tua­li­tät ist das Rück­grat jeg­li­chen Dien­stes in der Kir­che und im christ­li­chen Leben. Sie ist das, was all unser Wir­ken nährt, es stützt und es vor der mensch­li­chen Hin­fäl­lig­keit und den täg­li­chen Ver­su­chun­gen schützt.

Die Mensch­lich­keit ist das, was die Wahr­haf­tig­keit unse­res Glau­bens ver­kör­pert. Wer sei­ne Mensch­lich­keit auf­gibt, der gibt alles auf. Die Mensch­lich­keit ist das, was uns von den Maschi­nen und den Robo­tern unter­schei­det, die nichts emp­fin­den und sich nicht inner­lich anrüh­ren las­sen. Wenn es uns schwer fällt, ernst­lich zu wei­nen oder herz­lich zu lachen – das sind zwei Anzei­chen –, dann hat unser Nie­der­gang und der Pro­zess unse­rer Ver­wand­lung von einem „Men­schen“ in etwas ande­res begon­nen. Die Mensch­lich­keit ist die Fähig­keit, allen mit zärt­li­cher Zunei­gung, Ver­traut­heit und Lie­bens­wür­dig­keit zu begeg­nen (vgl. Phil 4,5). Obwohl Spi­ri­tua­li­tät und Mensch­lich­keit natür­li­che Eigen­schaf­ten sind, sind sie doch auch Mög­lich­kei­ten, die voll­stän­dig zu ver­wirk­li­chen, stän­dig zu erstre­ben und täg­lich zu bewei­sen sind.

4. Esem­pla­ri­tà  e fedel­tà  – Vor­bild­lich­keit und Treue

Der seli­ge Papst Paul VI. erin­ner­te die Römi­sche Kurie im Jahr 1963 an „ihre Beru­fung zur Vor­bild­lich­keit“ ((Anspra­che an die Römi­sche Kurie (21. Sep­tem­ber 1963): AAS 55 (1963), 793–800.)) – Vor­bild­lich­keit, um die Skan­da­le zu ver­mei­den, die die Men­schen inner­lich ver­let­zen und die Glaub­wür­dig­keit unse­res Zeug­nis­ses bedrohen.

Treue gegen­über unse­rer Wei­he, gegen­über unse­rer Beru­fung: Den­ken wir immer an die Wor­te Chri­sti: „Wer in den klein­sten Din­gen zuver­läs­sig ist, der ist es auch in den gro­ßen, und wer bei den klein­sten Din­gen Unrecht tut, der tut es auch bei den gro­ßen“ (Lk 16,10) und „Wer einen von die­sen Klei­nen, die an mich glau­ben, zum Bösen ver­führt, für den wäre es bes­ser, wenn er mit einem Mühl­stein um den Hals im tie­fen Meer ver­senkt wür­de. Wehe der Welt mit ihrer Ver­füh­rung! Es muss zwar Ver­füh­rung geben; doch wehe dem Men­schen, der sie ver­schul­det!“ (Mt 18,6–7).

5. Razio­na­li­tà  e ama­bi­li­tà  – Ver­nünf­tig­keit und Liebenswürdigkeit

Die Ver­nünf­tig­keit dient dazu, über­mä­ßi­ge Gefühls­be­tont­heit zu ver­mei­den, und die Lie­bens­wür­dig­keit dazu, Über­trei­bun­gen in der Büro­kra­tie sowie beim Erstel­len von Pro­gram­men und Plä­nen zu ver­mei­den. Es sind Gaben, die für die Aus­ge­gli­chen­heit der Per­sön­lich­keit erfor­der­lich sind: „Der Feind“ – und ich zitie­re noch ein­mal den hei­li­gen Igna­ti­us; ent­schul­digt mich! – „ach­tet sehr dar­auf, ob eine See­le grob­schläch­tig oder fein­füh­lig ist, und ist sie fein­füh­lig, dann bemüht er sich, sie über­trie­ben fein­füh­lig zu machen, um sie dann noch mehr zu äng­sti­gen und zu ver­wir­ren“. ((Igna­ti­us von Loyo­la, Exer­zi­ti­en, 349.)) Jede Über­trei­bung ist ein Zei­chen irgend­ei­ner Unaus­ge­gli­chen­heit, sowohl die Über­trei­bung der Ver­nünf­tig­keit als auch die der Liebenswürdigkeit.

6. Inno­cui­tà  e deter­mi­na­zio­ne – wohl­wol­len­de Beson­nen­heit und Entschiedenheit

Die wohl­wol­len­de Beson­nen­heit macht uns vor­sich­tig im Urteil und fähig, uns impul­si­ver und über­eil­ter Hand­lun­gen zu ent­hal­ten. Es ist die Fähig­keit, durch acht­sa­mes und ver­ständ­nis­vol­les Han­deln dem Besten, das in uns, in den ande­ren und in den Situa­tio­nen liegt, zum Durch­bruch zu ver­hel­fen. Es besteht dar­in, den ande­ren so zu begeg­nen, wie wir es von ihnen erwar­ten (vgl. Mt 7,12; Lk 6,31).

Die Ent­schie­den­heit ist das Han­deln mit ziel­be­wuss­tem Wil­len, einer kla­ren Per­spek­ti­ve und dem Gehor­sam gegen­über Gott – und allein im Hin­blick auf das ober­ste Gesetz der salus ani­ma­rum (vgl. CIC Can. 1725).

7. Cari­tà  e veri­tà  – Lie­be und Wahrheit

Lie­be und Wahr­heit sind zwei untrenn­bar ver­bun­de­ne Tugen­den des christ­li­chen Lebens: die Wahr­heit in Lie­be tun und die Lie­be in der Wahr­heit leben (vgl. Eph 4,15). ((„Die Lie­be in der Wahr­heit, die Jesus Chri­stus mit sei­nem irdi­schen Leben und vor allem mit sei­nem Tod und sei­ner Auf­er­ste­hung bezeugt hat, ist der haupt­säch­li­che Antrieb für die wirk­li­che Ent­wick­lung eines jeden Men­schen und der gesam­ten Mensch­heit […] Es ist eine Kraft, die ihren Ursprung in Gott hat, der die ewi­ge Lie­be und die abso­lu­te Wahr­heit ist“ (Bene­dikt XVI., Enzy­kli­ka Cari­tas in veri­ta­te [29. Juni 2009], 1: AAS 101 [2009], 641). „Daher ist es not­wen­dig, die Lie­be und die Wahr­heit nicht nur in der vom hei­li­gen Pau­lus ange­ge­be­nen Rich­tung der veri­tas in cari­ta­te (Eph 4, 15) mit­ein­an­der zu ver­bin­den, son­dern auch in der ent­ge­gen­ge­setz­ten und kom­ple­men­tä­ren von cari­tas in veri­ta­te. Die Wahr­heit muss in der Öko­no­mie der Lie­be gesucht, gefun­den und aus­ge­drückt wer­den, aber die Lie­be muss ihrer­seits im Licht der Wahr­heit ver­stan­den, bestä­tigt und prak­ti­ziert wer­den“ (Ebd., 2).)) Die Lie­be ohne Wahr­heit wird näm­lich zur Ideo­lo­gie des destruk­ti­ven „Alles-Gut­hei­ßens“, und die Wahr­heit ohne Lie­be zur blin­den „Buch­sta­ben-Justiz“.

8. Onestà  e matu­ri­tà  – Ehr­lich­keit und Reife

Ehr­lich­keit ist die Recht­schaf­fen­heit, die Kohä­renz und das Han­deln in abso­lu­ter Auf­rich­tig­keit gegen­über uns selbst und gegen­über Gott. Wer ehr­lich ist, han­delt red­lich nicht nur unter dem Blick des Auf­se­hers oder des Vor­ge­setz­ten; der Ehr­li­che fürch­tet nicht, über­rascht zu wer­den, denn er hin­ter­geht nie­mals den, der ihm ver­traut. Der Ehr­li­che spielt sich nie­mals als Herr auf über die Men­schen oder über die Din­ge, die ihm zur Ver­wal­tung anver­traut sind, wie es der „schlech­te Knecht“ (vgl. Mt 24,48) tut. Die Ehr­lich­keit ist das Fun­da­ment, auf dem all die ande­ren Eigen­schaf­ten aufruhen.

Rei­fe ist das Bemü­hen, zur Har­mo­nie zwi­schen unse­ren phy­si­schen, psy­chi­schen und spi­ri­tu­el­len Fähig­kei­ten zu gelan­gen. Sie ist das Ziel und das Ergeb­nis eines Ent­wick­lungs­pro­zes­ses, der nie endet und der nicht von unse­rem Alter abhängt.

9. Rispet­to­si­tà  e umil­tà  – Ach­tung und Demut

Die Ach­tung ist die Gabe edler und fein­füh­li­ger See­len; sie ist den Men­schen eigen, die sich stets dar­um bemü­hen, den ande­ren mit ehr­li­cher Ach­tung zu begeg­nen und gegen­über der eige­nen Rol­le, den Vor­ge­setz­ten und den Unter­ge­be­nen sowie im Umgang mit Akten und Doku­men­ten, mit der Schwei­ge­pflicht und der Ver­trau­lich­keit ein authen­tisch respekt­vol­les Ver­hal­ten zu zei­gen. Es sind Men­schen, die ver­ste­hen, auf­merk­sam zuzu­hö­ren und höf­lich zu sprechen.

Die Demut ist hin­ge­gen die Tugend der Hei­li­gen und der von Gott erfüll­ten Men­schen: Je mehr sie an Bedeu­tung gewin­nen, umso stär­ker wird in ihnen das Bewusst­sein, dass sie nichts sind und ohne die Gna­de Got­tes nichts tun kön­nen (vgl. Joh 15,8).

10. „Dovi­zio­si­tà “ – ich habe das Laster der sprach­li­chen Neu­bil­dun­gen – e atten­zio­ne – Groß­her­zig­keit und Aufmerksamkeit

Je mehr wir auf Gott und sei­ne Vor­se­hung ver­trau­en, umso groß­her­zi­ger und frei­ge­bi­ger sind wir, da wir wis­sen: Je mehr man gibt, umso mehr emp­fängt man. In der Tat ist es nutz­los, alle Hei­li­gen Pfor­ten sämt­li­cher Basi­li­ken der Welt zu öff­nen, wenn die Tür unse­res Her­zens für die Lie­be ver­schlos­sen ist, wenn unse­re Hän­de sich dem Geben ver­schlie­ßen, wenn unse­re Häu­ser der Gast­freund­schaft ver­schlos­sen sind und wenn unse­re Kir­chen sich der Auf­nah­me verschließen.

Die Auf­merk­sam­keit bedeu­tet, auf die Details zu ach­ten, unser Bestes zu geben und in Bezug auf unse­re Laster und Ver­feh­lun­gen nie­mals die Zügel schlei­fen zu las­sen. Der hei­li­ge Vin­zenz von Pao­li bete­te mit die­sen Wor­ten: „Herr, hilf mir, dass ich unver­züg­lich die­je­ni­gen wahr­neh­me, die neben mir ste­hen, die besorgt und ori­en­tie­rungs­los sind, die lei­den, ohne es zu zei­gen, die sich gegen ihren Wil­len iso­liert fühlen.“

11. Impa­vi­di­tà  e pron­tez­za – Uner­schrocken­heit und Regsamkeit

Uner­schrocken sein bedeu­tet, sich – wie Dani­el in der Löwen­gru­be und David gegen­über Goli­ath – ange­sichts von Schwie­rig­kei­ten nicht äng­sti­gen zu las­sen; es bedeu­tet, wage­mu­tig und ent­schlos­sen und ohne Lau­heit zu han­deln, „als guter Sol­dat“ (vgl. 2 Tim 2,3–4); es bedeu­tet, wie Abra­ham und Maria ohne Zögern den ersten Schritt zu tun.

Die Reg­sam­keit ist dage­gen die Fähig­keit, mit inne­rer Frei­heit und Beweg­lich­keit zu han­deln, ohne sich an die mate­ri­el­len Din­ge zu klam­mern, die ver­gäng­lich sind. Im Psalm heißt es: „Wenn der Reich­tum auch wächst, so ver­liert doch nicht euer Herz an ihn!“ (Ps 62,11). Reg­sam sein bedeu­tet, immer unter­wegs zu sein, ohne sich jemals dadurch zu bela­sten, dass man unnö­ti­ge Din­ge anhäuft und sich in die eige­nen Plä­ne ein­schließt, und ohne sich von der Gel­tungs­sucht beherr­schen zu lassen.

12. Und zum Schluss: Affida­bi­li­tà  e sobrie­tà  – Ver­trau­ens­wür­dig­keit und Nüchternheit

Ver­trau­ens­wür­dig ist der­je­ni­ge, der sei­ne Pflich­ten ernst­haft und zuver­läs­sig ein­zu­hal­ten weiß, wenn er beob­ach­tet wird, vor allem aber, wenn er allein ist; der­je­ni­ge, der in sei­ner Umge­bung ein Gefühl der Ruhe ver­brei­tet, weil er nie­mals das Ver­trau­en ent­täuscht, das ihm geschenkt wurde.

Die Nüch­tern­heit – die letz­te Tugend in die­ser Auf­stel­lung, nicht aber die letz­te im Sinn ihrer Bedeu­tung – ist die Fähig­keit, auf Über­flüs­si­ges zu ver­zich­ten und der herr­schen­den Kon­sum-Men­ta­li­tät zu wider­ste­hen. Nüch­tern­heit bedeu­tet Klug­heit, Schlicht­heit, Wesent­lich­keit, Aus­ge­gli­chen­heit und Mäßi­gung. Nüch­tern­heit bedeu­tet, die Welt mit den Augen Got­tes zu betrach­ten – mit dem Blick der Armen und auf der Sei­te der Armen. Die Nüch­tern­heit ist ein Lebens­stil, ((Ein von Nüch­tern­heit gepräg­ter Lebens­stil führt den Men­schen zurück zu „jener unei­gen­nüt­zi­gen, selbst­lo­sen, ästhe­ti­schen Hal­tung, die aus dem Stau­nen über das Sein und über die Schön­heit ent­steht, das in den sicht­ba­ren Din­gen die Bot­schaft des unsicht­ba­ren Schöp­fer­got­tes erken­nen lässt“ (Johan­nes Paul II., Enzy­kli­ka Cen­te­si­mus annus [1. Mai 1991], 37: AAS 83 [1991], 840); vgl. Versch. Autoren, Nuo­vi sti­li di vita nel tem­po del­la glo­ba­liz­za­zio­ne, Fon­daz. Apo­sto­li­cam actuo­si­tatem, Rom 2002.)) der auf die Vor­rang­stel­lung des ande­ren als hier­ar­chi­sches Prin­zip hin­weist und das Leben als Für­sorg­lich­keit und Dienst gegen­über den ande­ren zum Aus­druck bringt. Der nüch­ter­ne Mensch ist in allem kohä­rent und wesent­lich, weil er ver­steht zu beschrän­ken, nutz­bar zu machen, zu recy­celn, zu repa­rie­ren und mit einem Sinn für das Maß zu leben.

Lie­be Brü­der und Schwestern,

die Barm­her­zig­keit ist kein flüch­ti­ges Gefühl, son­dern sie ist die Syn­the­se der Fro­hen Bot­schaft, die Wahl des­sen, der die Gesin­nung des „Her­zens Jesu“ ((„Der Aus­druck Herz Jesu lässt sofort an die Mensch­heit Chri­sti den­ken und unter­streicht den Reich­tum sei­ner Gefüh­le, das Mit­leid mit den Kran­ken; die Vor­lie­be für die Armen; die Barm­her­zig­keit gegen­über den Sün­dern; die Zärt­lich­keit gegen­über den Kin­dern; die Stär­ke in der Anpran­ge­rung von Heu­che­lei, Stolz und Gewalt; die Sanft­mut gegen­über sei­nen Geg­nern; den Eifer für die Ehre des Vaters und den Jubel über sei­ne geheim­nis­vol­len, vor­sorg­li­chen Plä­ne der Gna­de… Er erin­nert außer­dem an die Trau­rig­keit Chri­sti über der Ver­rat durch Judas, an die Trost­lo­sig­keit auf­grund der Ein­sam­keit, an die Angst im Ange­sicht des Todes, an die kind­li­che und gehor­sa­me Hin­ga­be in die Hän­de des Vaters. Und er drückt vor allem die Lie­be aus, die unauf­halt­sam aus sei­nem Innern her­vor­strömt: unend­li­che Lie­be zum Vater und gren­zen­lo­se Lie­be zum Men­schen“ (Johan­nes Paul II., Anspra­che zum Ange­lus-Gebet vom 9. Juli 1989: Inseg­na­men­ti XII, 2 [1989], 60).)) haben und ernst­lich dem Herrn nach­fol­gen will, der uns sagt: »Seid barm­her­zig, wie es auch euer Vater ist!« (Lk 6,36; vgl. Mt 5,48). Pater Ermes Ron­chi bekräf­tigt: »Barm­her­zig­keit – Ärger­nis für die Justiz, Tor­heit für die Intel­li­genz, Trost für die Schuld­ner: Der Preis, den wir schul­dig sind für das Leben und dafür, dass wir geliebt wer­den, kann nur mit der Barm­her­zig­keit bezahlt werden.«

So möge also die Barm­her­zig­keit unse­re Schrit­te len­ken, unse­re Refor­men inspi­rie­ren und unse­re Ent­schei­dun­gen erleuch­ten. Möge sie die tra­gen­de Säu­le unse­res Wir­kens sein. Möge sie uns leh­ren, wann wir vor­an­ge­hen und wann wir einen Schritt zurück tun müs­sen. Möge sie es sein, die uns die Gering­fü­gig­keit unse­rer Hand­lun­gen im gro­ßen Heils­plan Got­tes und in der Erha­ben­heit und geheim­nis­vol­len Wirk­lich­keit sei­nes Wer­kes ver­ste­hen lässt.

Um das zu begrei­fen, wol­len wir uns von dem wun­der­schö­nen Gebet inner­lich anrüh­ren las­sen, das gewöhn­lich dem seli­gen Oscar Arnul­fo Rome­ro zuge­schrie­ben wird, jedoch erst­ma­lig von Kar­di­nal John Dear­den gespro­chen wurde:

Ab und zu hilft es uns, einen Schritt zurückzutreten
und aus der Fer­ne zu schauen.
Das Reich liegt nicht nur jen­seits unse­rer Bemühungen,
son­dern auch jen­seits unse­rer Horizonte.
In unse­rem Leben gelingt es uns nur, einen klei­nen Teil zu vollbringen
von jenem wun­der­ba­ren Unter­fan­gen, das das Werk Got­tes ist.
Nichts von dem, was wir tun, ist vollständig.
Das besagt, dass das Reich weit über uns selbst hinausgeht.
Kei­ne Aus­sa­ge drückt all das aus, was gesagt wer­den kann.
Kein Gebet gibt den Glau­ben voll­stän­dig wieder.
Kein Cre­do führt zur Vollkommenheit.
Kein Pasto­ral­be­such bringt alle Lösun­gen mit sich.
Kein Pro­gramm erfüllt voll und ganz die Sen­dung der Kirche.
Kei­ne Ziel­set­zung erreicht ihre voll­stän­di­ge Verwirklichung.
Es geht um dies:
Wir streu­en Samen aus, die eines Tages auf­ge­hen werden.
Wir begie­ßen bereits aus­ge­sä­te Samen
und wis­sen, dass ande­re sie pfle­gen werden.
Wir legen den Grund für etwas, das sich ent­wickeln wird.
Wir brin­gen den Sauer­teig ein, der unse­re Fähig­kei­ten ver­viel­fa­chen wird.
Wir kön­nen nicht alles tun,
doch es zu begin­nen schenkt ein Gefühl der Befreiung.
Es gibt uns die Kraft, etwas zu tun, und es gut zu tun.
Es kann unvoll­endet blei­ben, doch es ist ein Anfang, ein Schritt auf einem Weg.
Eine Chan­ce, dass die Gna­de Got­tes eintritt
und den Rest tut.
Mag sein, dass wir nie sei­ne Voll­endung sehen,
doch das ist der Unter­schied zwi­schen dem Bau­mei­ster und dem Handlanger.
Wir sind Hand­lan­ger, nicht Baumeister,
Die­ner, nicht Messias.
Wir sind Pro­phe­ten einer Zukunft, die uns nicht gehört.

Mit die­sen Gedan­ken und die­sen Gefüh­len wün­sche ich euch ein fro­hes und geseg­ne­tes Weih­nachts­fest und bit­te euch, für mich zu beten. Dan­ke.

Ein­lei­tung: Giu­sep­pe Nardi
Bild: Vatican.va/Osservatore Roma­no (Screen­shot)

31 Kommentare

  1. Zwölf Tugen­den, wie schön ! Man darf gespannt sein, wie viel Fran­zis­kus davon über-
    nimmt. Durch sei­ne gan­ze Anspra­che geht, wie ein roter Faden sein Lieblingswort
    “ Barm­her­zig­keit „. Von wohl­wol­len­der Beson­nen­heit spricht er und denkt dabei be-
    stimmt an den Orden Fran­zis­ka­ner der Imma­ku­la­ta, dem durch sei­ne Zustim­mung übeles
    ange­tan wur­de und wird. Der Kurie gegen­über war er die­ses mal vor­sich­tig angetan,
    wohl ein­stim­mend auf sei­ne geplan­ten Refor­men. Das Kon­zil hät­te einen neu­en Weg der
    Mis­si­on auf­ge­zeigt, jeder ein­zel­ne ist jetzt Mission.

  2. Das mag ja alles irgend­wie wahr sein, irgend­wie — aber es spricht mich nicht an. Es ist selt­sam unver­bun­den, total abstrakt, unfass­bar und psycho-bürokratisch.
    Arbei­tet man das dann ab?
    Oder was fängt man damit an?

    Und hat denn die Kir­che nicht bereits 7 Wer­ke der leib­li­chen und 7 Wer­ke der geislti­chen Barm­her­zig­keit bereits benannt?

    Info hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Werke_der_Barmherzigkeit

    • In der ame­ri­ka­ni­schen Wirt­schaft war das vor drei­ßig Jah­ren auch mal ganz „in“, man Mit­ar­bei­ter z.B. die „Zie­le“ der Fir­ma in Form von klang­vol­len Akro­ny­men aus­wen­dig ler­nen zu las­sen. Die fühl­ten sich dadurch sehr kom­pe­tent und in die Arbeit des Manage­ment „ein­ge­weiht“. Das Vor­ge­hen des Pap­stes ist doch selbst­ge­fäl­li­ge Spie­le­rei! … oder viel­leicht der Ver­such der Gehirnwäsche.

  3. Ich habe es noch nicht zu Ende gele­sen, aber Wider­sprüch­lich­keit in Allem, denn:

    „Dank­bar­keit, zur Umkehr, zur Erneue­rung, zur Buße und zur Versöhnung“

    Dank­bar kann man für etwas Gutes sein, wenn ja, dann war­um die Umkehr, vom Guten zum Bösen?

    Erneue­rung macht Sinn, wenn etwas ver­al­tet im Sin­ne schlecht ist. Aber seit 1962 wird ja stän­dig erneu­ert, sprich der Destruk­ti­on überlassen. 

    Dann die „Buße“ für die Erneue­rung? Wofür soll man Buße tun? Für das Alte oder das Erneu­er­te? Mit dem soll man sich ver­söh­nen? Mit der Welt wie­der ein­mal? Aber man tut schon Buße. Miteinander?

    Und so geht es wei­ter. Der Teu­fel hasst die Logik und kann kei­ne Logik.

    Außer­dem das neu­mo­di­sche und nicht theo­lo­gi­sche Wort Pro­fes­sio­na­lis­mus. Was ist das? Das man sei­nen Beruf ordent­lich aus­übt? Das ist wohl das Min­de­ste. Ech, Fran­zis­kus, Fran­zis­kus … Beten wir bes­ser für die Kurie, das ist doch kaum aus­zu­hal­ten dort.

    Hier etwas Hier­ar­chi­sches pro domo mea den Kuri­en­mit­ar­bei­tern zum Trost:
    https://traditionundglauben.wordpress.com/2015/12/22/verpflichtung-zur-vervollkommnung-oder-perfektionismus-ist-etwas-gutes/

    • Was darf man sich denn erwar­ten? Ein ver­wirr­ter alter Mann, der stur­brä­sig an „Refor­men“ fest­hält, die min­de­stens seit 20 Jah­ren über­holt sind.
      Aber ver­ste­hen kann man den zitier­ten Text mit der Dank­bar­keit schon. Dazu bin ich in mein Inner­stes gegan­gen, habe die Augen geschlos­sen und mir vor­ge­stellt, wie ich im Stuhl­kreis sit­zend mei­nen Nach­ba­rIn­nen die Hand gebe und die Wor­te höre. Gemeint ist ganz ein­fach eine Dank­bar­keit dar­über, daß man das alles konn­te: Umkehr, Erneue­rung, Buße und Ver­söh­nung. Das ist ganz die moder­ne, sich selbst für super­kri­tisch hal­ten­de Neo­kir­che und ihre (gei­sti­ge) Selbst­be­frie­di­gung. Das ist ein selbst­ge­rech­tes Reden, ein ver­ba­les Sich-die-Schul­ter-klop­fen, pro­to­ty­pisch für das, was man in der Offi­zi­al­kir­che allein noch fin­det — und wes­halb man mich dort nicht mehr trifft. Dort drif­ten Selbst­bild und tat­säch­li­cher Sta­tus längst so weit aus­ein­an­der, daß es patho­lo­gisch ist.

  4. In die­ser lan­gen Anspra­che des Pap­stes fin­det man tat­säch­lich ein­mal das Wort Buße und ein­mal das Wort Umkehr. Von Sün­de, Sün­den­stra­fen, Bekeh­rung, Ret­tung der See­len, vom See­len­heil, Höl­le, Feg­feu­er oder Ablass ist lei­der nichts zu lesen.

  5. Und man ver­misst die Objek­ti­vi­tät des Lebens. Die­se Anspra­che ist äusserst Sup­jek­tiv. Mag ja „gut“ gemeint sein in der Theo­rie. Und dann die Wider­sprü­che. Die­ser Papst will eine arme Kir­che, abeR wie kann eine arme kir­che den Armen denn hel­fen? Und im übri­gen ist es ja so, dass die gro­ssen die­ser Welt die­se Anspra­che doch igno­rie­ren. So nach dem Mot­to: Beim rech­ten Ohr hin­ein und beim lin­kem wie­der hin­aus. Somit bleibt alles beim alten, in der Welt­po­li­tik jeden­falls, für die Kurie und die Kir­che viel­leicht weni­ger oder mehr. Von Lie­be und Zärt­lich­keit kann bekannt­lich nie­mand allein leben, und inzwi­schen sind auch schon 2000 Jah­re ver­gan­gen. Fazit: Lang­at­mi­ge Anspra­che ohne Aus­sicht auf Ver­wirk­li­chung. Irgend­was ist mit der Gene­sis schief gelau­fen, sonst befän­de sich die Welt nicht da, wo sie sich gegen­wär­tig befindet…

  6. Das angeb­lich „wun­der­schö­ne Gebet“ ist gar kein Gebet, son­dern es sind nur gesam­mel­te Gedan­ken von besag­tem Oscar Rome­ro, der zu Leb­zei­ten so wie Papst Fran­zis­kus zu den Ver­tre­tern der Befrei­ungs­theo­lo­gie gehörte.
    Wie­der spricht Papst Fran­zis­kus die angeb­lich 15 Krank­hei­ten der römi­schen Kurie an. Er ver­sucht gleich gar nicht, sich zu ent­schul­di­gen, oder sich zu distan­zie­ren. Ich bekom­me bestän­dig das Gefühl, er will damit sagen, „ent­we­der ihr schwenkt auf mei­ne Linie ein oder ich belei­di­ge euch öffent­lich und las­se es euch schlecht­ge­hen“. Das ist der typi­sche Papst Fran­zis­kus-Ansatz, alle die nicht sei­ner Mei­nung sind und dies öffent­lich kund­tun, zu mob­ben, ihnen Macht weg­zu­neh­men oder sie sprich­wört­lich in die Wüste zu schicken. Die­ses Ver­hal­ten hat mit Sicher­heit Bezug zur Befrei­ungs­theo­lo­gie, die sich im Prin­zip ja gegen Mäch­ti­ge rich­tet und dabei bewusst Gren­zen übertritt.

  7. Hier muß­te ich doch laut lachen:
    bei Frau Fran­ce­s­ca Chaou­qui sticht von den 12 genann­ten Kapa­zi­tä­ten nur die 11.: „impa­vi­di­tá e prontezzá“(Unerschrockenheit und Reg­sam­keit) hervor.
    Von Mis­si­ons­cha­rak­ter (1), Eig­nung (2), Spi­ri­tua­li­tät (3), Vor­bild­lich­keit (4), Ratio­na­li­tät (5), wohl­wol­len­de Beson­nen­heit (6), Lie­be und Wahr­heit (7), Ehr­lich­keit und Rei­fe (8), Ach­tung und Demut (9), Groß­her­zig­keit (10), Ver­trau­ens­wür­dig­keit und Nüch­tern­heit (12) wur­de da nicht viel bemerkt.
    Die genann­te Tugen­den (ohne „Impa­vi­di­tà e Pron­tez­zà) sind übri­gens alle unty­pisch für den Pero­nis­mus- mehr noch: sie ste­hen im kom­plet­ten Gegen­satz dazu.

  8. Eins muss man ihm las­sen, er hat sein Ziel klar vor Augen und ver­folgt es mit Hart­näckig­keit: „Die Reform wird mit Ent­schlos­sen­heit, kla­rem Ver­stand und Tat­kraft fort­ge­führt wer­den, denn Eccle­sia sem­per reformanda!“
    Das lässt nichts Gutes ahnen!

    • Ach herr­je, was Sie hier als gro­ße, end­lich anzu­ge­hen­de Auf­ga­be her­vor­he­ben, ist die alte Lei­er von der „eccle­sia sem­per refor­man­da“, wie sie seit 50 Jah­ren unauf­hör­lich von den Plat­ten­tel­lern der zweit­va­ti­ka­ni­schen Liebs­kir­che dudelt. Und wohin hat uns all das Refor­mie­ren gebracht? Zu was waren all die Räte, Stuhl- und Lai­en­krei­se, all das Aggior­na­men­to und alle „Ori­en­tie­rung am Men­schen“ nüt­ze? Die Kir­chen sind leer, der Glau­be ver­pufft, Mis­si­on wur­de zur Lah­men Ente, alles erscheint abge­stan­den, trist und banal. Umkehr täte not! Und da kommt nun Ber­go­glio daher als Voll­ender der Tri­stesse, der „in aller Demut und Ent­schlos­sen­heit“ die letz­ten Bastio­nen des genu­in Katho­li­schen schlei­fen möch­te. Das ist ange­sichts der Situa­ti­on im Grun­de so sinn­frei wie Ihr letz­ter Satz. Denn die gei­sti­ge Welt, an die sich eine Reli­gi­on rück­zu­bin­den hat, ist ein­zig die gött­li­che. Des­halb darf dem Dienst an Gott nichts vor­ge­zo­gen sein. Eine Reli­gi­on, bei der der Dienst am Men­schen vor­ran­gig wäre, wäre eine Reli­gi­on ohne Gott, mutier­te über kurz oder lang zu einem rein imma­nen­ten Huma­nis­mus. Und genau dar­auf steu­ert die Kir­che unter Ber­go­gli­os Herr­schaft zu.

    • Herr Eisel, Sie rei­tet ja der Teu­fel. Wer­fen Sie ihn ab. Die Welt ist böse und Reli­gi­on dient der Ehre Got­tes. Er ist der Herr. Die unrei­fen und ewig­gest­ri­gen „Refor­mer“ mögen bei sich anfan­gen, sich selbst zu beherr­schen. Ihr Ziel sind immer die Ande­ren, die sich (angeb­lich) ändern müs­sen. Habe oben schon etwas dazu geschrie­ben und der Sta­tus der „Refor­mer“ steht mir offen vor Augen.

    • @ mar­tin eisel
      Der Mensch wird nicht durch Reli­gi­on („Rück­bin­dung an die gei­sti­ge Welt“) geret­tet, son­dern aus Got­tes Gna­de durch Glau­ben an den Herrn Jesus Chri­stus, den Sohn Gottes.

    • Naja, @ Leo Lämm­lein — das eine schließt das ande­re ja nicht aus: Die Ret­tung durch Chri­stus IST die gelun­ge­ne „Rück­bin­dung“ an die „gei­sti­ge Welt“.
      @ Mar­tin Eisel hat hier die ganz all­ge­mei­ne Lexi­kon­de­fi­ni­ti­on von „Reli­gi­on“ referiert.

      Aller­dings, @ Herr Eisel, den­ke ich, dass es nicht zwin­gend „vor­ran­gig“ um den Men­schen erst noch gehen muss.
      Genau­ge­nom­men ging es Gott immer „vor­ran­gig“ um den Men­schen, allei­ne des­we­gen, weil der Mensch Ihm soviel wert war, dass er sich sei­ner gei­sti­gen Gestalt „ent­äu­ßer­te“, und das Kleid eines Men­schen anzog, um uns zu erret­ten an unse­rer Stelle.
      Mehr „Vor­rang“ für den Men­schen ist wirk­lich nicht mehr denkbar!

      Die Kir­che kann nicht auf der Stel­le tre­ten und glau­ben, ihre äuße­re Gestalt sei in der irdi­schen Erschei­nung etwas „Gött­li­ches“ im Sin­ne des „Gei­sti­gen“.
      Die­se irdi­sche Gestalt wird eben­so ver­ge­hen wie alles ande­re, denn nur das Wort selbst bleibt ewig.
      Unse­re Sache soll nicht sein, uns mit­hil­fe einer mäch­ti­gen Kir­che einen irdi­schen Platz an der Son­ne zu sichern. Damt wür­den wir das gesam­te Evan­ge­li­um per­ver­tie­ren und das Opfer Chri­sti schmä­hen. Und ehr­lich gesagt: an dem Punkt sind sich die Kon­ser­va­ti­ven mit den Pro­gres­si­ven in der Inten­ti­on, wenn auch poli­tisch kon­trär gedeu­tet, so einig, dass es beschä­mend ist.
      Wo ist da noch Glau­be, wie ihn Chri­stus gelehrt hat?

      Der Gedan­ke des „sem­per refor­man­da“ ist gewiss rich­tig — nur bean­spruch­te seit 150 Jah­ren ver­stärkt jede Sei­te das Reform­recht für sich und wir haben noch nie so vie­le gewalt­sa­me Refor­mer gehabt wie seither.

      Aller­dings — und das über­se­hen vie­le noto­risch: In die­sem Reform­wahn befan­den sich auch die Reak­tio­nä­re und Konservativen.

      Es ist gera­de­zu atem­be­rau­bend schockie­rend, dass all die­sen Instau­ra­teu­ren und Refor­ma­teu­ren zwar ein teil­wei­se fast blind­wü­ti­ger Aktio­nis­mus eigen war — sei es Pius X., sei es Johan­nes XXIII., sei es Paul VI.…aber eines taten sie alle­samt nicht und tun es bis heu­te nicht:

      Die ein­zi­ge Form der ech­ten Umkehr, die uns mög­lich ist (und das wäre auch die ein­zig recht­mä­ßi­ge „Reform“), ist die Buße.

      Kei­ner von ihnen hat die Buße an die ober­ste Stel­le gesetzt.

      Und das ist auch unser gro­ßes Pro­blem. Es sind ja nicht nur die Pro­gres­si­ven, die die Schuld immer bei den ande­ren sehen. Die Kon­ser­va­ti­ven tun ja genau das­sel­be, und kaum einer ist bereit, ein­mal in sich zu gehen, und man hat den Ein­druck, es wer­den immer weniger.

      Gehen wir zur Hl. Kom­mu­ni­on in dem Bewusst­sein, Ihm fast alles schul­dig blei­ben zu müs­sen? Wie echt ist unser „Domi­ne, non sum dignus“?
      Die­se Fra­ge soll­ten wir uns alle stel­len und uns wan­deln las­sen von Ihm — das soll jeden­falls mein per­sön­li­ches „sem­per refor­man­da“ sein.

  9. Ob es nur mir so geht,wage ich zu bezwei­feln. Das lee­re sinn­lo­se Geplap­per, das Zitie­ren von angeb­li­chen Gebe­ten, die zusam­men­hang­los ein­ge­streut wer­den, um irgend­et­was „Neu­es“ zu recht­fer­ti­gen, sind nicht Wert gele­sen zu wer­den, son­dern rei­ne Zeit­ver­schwen­dung auch inso­weit, als das sie mich vom Gebet abhal­ten. Ein Papst ist kein Geschich­ten­er­zäh­ler, kein Psych­ia­ter und auch kein Phi­lo­soph, son­dern ein Mann Got­tes. Die Her­de erwar­tet, das ihr Hir­te vom wah­ren Gott spricht, dem drei­fal­ti­gen Gott der Lie­be und Barm­her­zig­keit ist und zwar immer dann, wenn der Mensch sei­ne Feh­ler und Sün­den auf­rich­tig bereut, sie im Sakra­ment der Beich­te bekennt und Bes­se­rung durch Buße, Opfer, Süh­ne und Gebet gelobt. Gott ist durch das fleisch­ge­wor­de­ne Wort — Jesus Chri­stus — weder kom­pli­ziert noch „abge­ho­ben“. Chri­stus sprach nicht von irgend­wel­chen Geschich­ten. Er zitier­te kei­ne Zeit­ge­nos­sen, son­dern bezog sich ein­zig auf die Bibel als das Wort Got­tes. Jesus sprach ganz kon­kret von Gott — Sei­nem und unse­rem himm­li­schen Vater. Er lehr­te in den Syn­ago­gen und ver­kün­de­te die fro­he Bot­schaft vom Reich Got­tes. Was die schein­hei­li­gen, hoch­mü­ti­gen und ehr­süch­ti­gen Pha­ri­sä­er und Schrift­ge­lehr­ten, die zu Leb­zei­ten Jesus für das See­len­heil der ihnen anver­trau­ten Juden zustän­dig waren, stän­dig und absicht­lich ver­säum­ten, wur­de den Men­schen durch Jesus erklärt..Jesus pre­dig­te und lehr­te im Tem­pel die Hei­li­ge Schrift, weil die Men­schen — ähn­lich wie in unse­rer Zeit — kaum mehr wirk­lich gute Hir­ten hatten.…Dafür wur­de Jesus gehasst und ver­folgt — ähn­lich den heu­ti­gen tra­di­tio­nel­len Chri­sten. Die Geschich­te beweist: Die Wahr­heit wur­de und wird immer gehasst, geleug­net, ver­folgt, ver­bo­gen, zurecht­ge­bo­gen, gefol­tert und nach Mög­lich­keit aus­ge­löscht (gekreu­zigt, getö­tet). Die Lüge dage­gen hat freie Bahn. Sie wird kaum beach­tet, denn sie kommt getarnt unter dem Deck­man­tel der Frei­mau­rer­prin­zi­pi­en, die da lau­ten : Frei­heit, Gleich­heit und Brü­der­lich­keit daher.
    Tole­ranz und Men­schen­rech­te sind wich­tig — Gott ist egal. Man lässt ihn sprich­wört­lich „einen guten Mann sein“. Gott braucht man nicht — außer viel­leicht in der Not.…Vollkommen blau­äu­gig hofft und ver­traut man dar­auf, das Not nie­mals eintrifft.…

    „Alles tun, als ob es Gott nicht gäbe“…was soll das hei­ßen? Ein Auf­ruf zum sün­di­gen ohne Unter­lass, bei jeder sich bie­ten­den Gele­gen­heit? Und dann heißt es weiter:..„und dann Gott alles über­ge­ben, als ob es mich nicht gäbe..“-??? Was soll das bedeu­ten? Nach­dem ich rich­tig viel und bewusst gesün­digt habe, drücke ich dem „barm­her­zi­gen“ Gott mei­ne Sün­den aufs Auge und ver­schwin­de augen­blick­lich auf Nim­mer-Wie­der­se­hen…? Was für ein total hirn­lo­ser Blöd­sinn! Genau­so denkt und han­delt der Teu­fel, aber kein gläu­bi­ger und ver­nunft­be­gab­ter Christ, der weiß, das er vor Gott stets ein schwa­cher und erlö­sungs­be­dürf­ti­ger Sün­der ist.
    Sor­ry, aber mei­ne Zeit ist viel zu kost­bar, um noch wei­te­ren gei­sti­gen „Dünn­schiss“ zu kommentieren.
    Beten wir für Fran­zis­kus und bit­ten Gott um die Ret­tung sei­ner ver­irr­ten Seele.

    • Also, Regi­na, ich lese gern und viel, aber von die­sem neu­en päpst­li­chen Tugend­spie­gel habe ich absicht­lich nur die Stich­wor­te über­flo­gen. Und das, weil ich fest­ge­stellt habe, dass Papst Fran­zis­kus sogar dann, wenn er etwas nicht Fal­sches sagt, es so sagt, dass irgend­et­was dabei den­noch ver­dor­ben wird, sei es durch Ver­schwei­gen, durch fal­sche Gewich­tung, durch Umdeu­tung — was auch immer. Fast über­all ist der Pfer­de­fuß drin und stinkt es nach Schwe­fel — weni­ge Aus­nah­men bestä­ti­gen die Regel. Dem will ich mich nicht mehr unnö­tig aus­set­zen, auch wenn ich mich eini­ger­ma­ßen auf dem lau­fen­den hal­ten möch­te, was in Rom vor sich geht.

      • Wer­ter @ Leo Laemmlein!
        Für Ihre Ant­wort auf mei­nen letz­ten Kom­men­tar (unter dem schon älte­ren „CO2″‑Strang) zum Blut­ver­zehr­ver­bot dan­ke ich Ihnen sehr herz­lich. Ihr mit­ge­teil­ter wei­te­rer Aspekt, der der „münd­li­chen jüdi­schen Geset­zes­aus­le­gung“, ist für mich sehr wich­tig, da er einen zusätz­li­chen Beleg dar­stellt, dass die Apo­stel­ge­schich­te vor 70 geschrie­ben sein muss, denn ein spä­ter hel­le­ni­sti­scher Gemein­de­theo­lo­ge wäre nach der Tem­pel­zer­stö­rung wohl nie auf die Idee der Erwäh­nung der Spei­se­ge­bo­te des Jeru­sa­le­mer Apo­stel­kon­zils unter Ein­be­zie­hung der jüdi­schen Geset­zes­aus­le­gung gekom­men. Nochmals:Danke!

    • Geehr­te @Regina,
      Der geehr­te @Leo Lämm­lein hat schon vor­treff­lich geantwortet.
      Ich mache es ähn­lich: stich­wort­ar­tig über­le­sen und dann schnell alles in die inzwi­schen schon zwei gro­ße Kar­tonn­schach­teln stecken; spä­ter kann man dann schon das Gesuch­te und/oder Gewünsch­te herauskramen.
      Wie man das übri­gens Theo­lo­gisch struk­tu­rie­ren will, ist mir ein Rätsel.

    • @Regina, Sie stö­ren sich an dem Wort „Alles tun, als ob es Gott nicht gäbe, und dann alles Gott über­las­sen, als ob es mich nicht gäbe“. 
      Nun, es geht auf den Hl. Igna­ti­us von Loya­la zurück — den Grün­der des Jesui­ten­or­dens und besagt, dass man als Christ so han­deln soll, als ob alles aus­schließ­lich und nur von einem selbst abhänge.
      Gleich­zei­tig soll man ein so gro­ßes Gott­ver­trau­en haben, als ob der eige­ne per­sön­li­che Bei­trag gar nicht vor­han­den sei, son­dern alles nur von Gott käme.
      Ich kann dar­an wahr­lich nichts Fal­sches oder Schlech­tes erken­nen wie Sie.
      Sie schei­nen vol­ler Miss­trau­en die­sem Papst gegen­über und beur­tei­len sei­ne Wor­te lieb­los und gera­de­zu gehässig.
      Keh­ren Sie um, gehen Sie in sich und beten Sie lie­ber für ihn, dass ihm der Hl. Geist in sei­nem schwe­ren und ver­ant­wor­tungs­vol­len Amt bei­ste­hen möge.

      • Das war wohl so eine 16. jh-Idee, denn auch Mar­tin Luther ver­brei­te­te einen sol­chen Spruch: „Beten als ob das Arbei­ten nichts nützt und arbei­ten„ als ob das Beten nichts nützt“.

    • „Chri­stus sprach nicht von irgend­wel­chen Geschich­ten…“ sagen Sie.. äh…ja? Stimmt das?

      Jesus erzähl­te sogar sehr vie­le Geschichten…

      Ich fin­de Ihre kri­ti­schen Argu­men­te an F. halt­los. Alles, was Sie ihm vor­wer­fen, ist nicht kri­tik­wür­dig. Er passt Ihrem Stil­emp­fin­den halt nicht. Mei­nem passt es auch nicht, wie ich oben gesagt habe, aber das kann ich nicht zum objek­ti­ven Argu­ment machen.

      Ent­we­der man hat hand­fe­ste Grün­de oder gera­de mal kei­ne… hand­fest ist für mich, war­um er die bereits vor­han­de­nen defi­nier­ten Wer­ke der Barm­her­zig­keit so völ­lig außer Acht lässt.

    • @Regina,
      Sie haben natür­lich recht daß Unser Herr Jesus “ Chri­stus nicht von irgend­wel­chen Geschich­ten sprach“.
      Wenn man de gesam­mel­te Aus­sa­gen Unse­res Herrn Jesus Chri­sti liest und aus­wer­tet, stellt man fest daß etwa ein Drit­tel Ver­mah­nun­gen und Dro­hun­gen sind; sehr häu­fig wird der Impe­ra­tiv benutzt und dies beson­ders in direk­ter Anspra­che zu den Zuhörern.(Bei nor­ma­ler Geschich­ten­er­zäh­lung kaum vorkommend).
      Die aus­sa­gen Unse­res Herrn sind sehr häu­fig Zita­te aus der Hl. Schrift: vor Allem Isai­as, Jere­mi­as und Eze­chi­el, dazu Gene­sis, Deu­te­ro­no­mi­um und Levi­ti­cus, die Psal­men, Job, Jesus Sirach, und nicht sel­ten auch die Bücher der Köni­ge (David/Salomo/ Samuel/Elias)- kurz­um: der Ten­ak’h der from­men Juden.
      Die Para­bel hän­gen nicht in der Luft, son­dern kom­men meist nach den Schriftstellen.
      Ein beson­drs schö­nes Bei­spiel ist der Para­bel des Sama­ri­ta­ners: erst kommt die theo­lo­gisch Fra­ge­stel­lung, dann die Ant­wort aus der Hl. Schrift; dann fragt der jun­ge Mann nach: und dann schreibt der Hl. Lukas aus­drück­lich: „hupo­l­a­bei“- v. hupo­lam­ba­noo: (einem Betrun­ke­nen) unter die Arme grei­fen, jeman­den auf die Sprün­ge helfen.
      Jesus macht mit einem prä­gnan­ten Exem­pel dem Fra­ge­stel­ler klar, wer „der Näch­ste“ ist.
      Wenn man die Evan­ge­li­en liest, fällt auf wie dicht, wie kon­den­siert sie sind:
      im Latein der Vul­ga­ta sowie­so (St.-Hieronymus hat es äusserst kurz und knapp gemacht), aber auch im Grie­chi­schen und beson­ders auch im Ara­mäi­schen in der Peschitta.
      Bei den Selig­spre­chun­gen und der Berg­pre­digt fällt auch das in den alten Hebräi­schen Tex­ten übli­che zwei­glied­ri­ge Sche­ma, teils auch mit zusätz­li­cher Innen­tei­lung, auf.
      Sie haben recht: e Jesus hat nicht „irgend­wel­che Geschich­ten“ erzählt.
      Und Ihre Kri­tik an „…wenn es Gott nicht gäbe…, …wenn es mich nicht gäbe…“ ist natür­lich berechtigt:
      in der alt­jü­di­schen Tra­di­ti­on ist Gott da, „JHWH“, Ich bin Der Ich bin/ Der ist; „die Alpha und die Ome­ga“, Schöp­fer des Him­mels und der Erde, von Allem was sicht­bar und unsicht­bar ist (und also auch von jeder von uns).
      Die­se Irrea­lis­sen ver­dun­keln mehr als sie nütz­lich sind.
      Das ist übri­gens auch eins der Grün­de war­um trotz gro­ßen Wachs­tums sei­nes Ordens Igna­ti­us v. Loyo­la erst ziem­lich spät, und wohl „im Kiel­was­ser“ von Fran­zis­kus Xave­ri­us SI, hei­lig­ge­spro­chen wurde.

      „Le style, c’est l’hom­me“ sag­te der fran­zö­si­sche Schrift­stel­ler Buf­fon einmal.
      Das gilt auch hier.

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