1700 Jahre altes Fragment des Johannesevangeliums für 99 Dollar auf Ebay angeboten

Fragment Johannesevangelium 2
Frag­ment des Johan­nes­evan­ge­li­ums aus der Zeit um 300 n. Chr.

(Rom) Ein Wis­sen­schaft­ler stieß bei Ebay auf das Ver­stei­ge­rungs­an­ge­bot für einen 1700 Jah­re alten Papy­rus. Dabei han­delt es sich um ein Frag­ment des Johan­nes­evan­ge­li­ums. Der Anbie­ter woll­te 99 Dol­lar dafür. Die Echt­heit des Frag­ments steht nach Unter­su­chun­gen außer Zweifel.

Geoff­rey Smith ist Assi­stenz­pro­fes­sor an der Uni­ver­si­ty of Texas in Austen. Sei­ne Schwer­punk­te sind Papy­ro­lo­gie, kop­ti­sche Spra­che und Lite­ra­tur, bibli­sches Grie­chisch, Patri­stik und das frü­he Chri­sten­tum. Er war es, der beim Inter­net-Auk­tio­na­tor Ebay ent­deck­te, daß ein Anbie­ter den Papy­rus ver­stei­gern will.

Das Frag­ment umfaßt sechs Text­zei­len in grie­chi­scher Spra­che. Es han­delt sich um Aus­zü­ge aus den Ver­sen 50 und 51 des ersten Kapi­tels des Johan­nes­evan­ge­li­ums. Für Pro­fes­sor Smith ist es unmög­lich, ein so kost­ba­res Stück auf Ebay zu ver­kau­fen, damit es „in irgend­ei­ner Pri­vat­samm­lung ver­schwin­det“. Auf sei­ne Inter­ven­tio­nen nahm der Ver­käu­fer das Ange­bot zurück und gab Smith die Erlaub­nis, das Frag­ment zu untersuchen.

Fragment stammt aus der Sammlung Willoughbys — Zukunft ungewiß

Das Frag­ment stammt offen­bar aus der Samm­lung von Harold R. Will­ough­by (1890–1962), Pro­fes­sor für Frü­hes Chri­sten­tum an der Uni­ver­si­tät Chi­ca­go. Nach des­sen Tod 1962 wur­de sei­ne Pri­vat­samm­lung, die zahl­rei­che wei­te­re anti­ke Stücke umfaß­te, ein­ge­la­gert. Der Ver­käu­fer des Frag­ments ist ein Nach­kom­me Will­ough­bys. Er war bei Auf­räum­ar­bei­ten zufäl­lig dar­auf gestoßen.

Vor­erst bleibt die Zukunft des Frag­ments unge­wiß. Zahl­rei­che Samm­ler sol­len bereits ihr Inter­es­se ange­mel­det und gro­ße Sum­men dafür gebo­ten haben. Pro­fes­sor Smith wür­de sich wün­schen, daß es Teil einer Uni­ver­si­täts­bi­blio­thek wür­de, wo es der Wis­sen­schaft zur Ver­fü­gung steht.

Wahr­schein­lich aber wird das Frag­ment erneut zur Ver­stei­ge­rung ange­bo­ten wer­den, viel­leicht nicht mehr bei Ebay, aber sicher zu einem deut­lich höhe­ren Ausrufungspreis.

Text: Giu­sep­pe Nardi
Bild: InfoVaticana

2 Kommentare

  1. Da hät­te ich sofort zuge­grif­fen. Und wun­de­re mich, dass der Gelehr­te es nicht getan hat (ohne sich als Exper­te zu erken­nen zu geben). Auf die­se Wei­se hät­te er das Frag­ment unter­su­chen und nach Fest­stel­lung der Echt­heit der wis­sen­schaft­li­chen Welt zugäng­lich machen kön­nen. Hät­te es sich als unecht her­aus­ge­stellt, wäre ja mit $ 99,- auch nichts ver­lo­ren gewesen.

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