Die argentinische Wahlniederlage von Papst Franziskus — Peronistischer Wunschkandidat gescheitert

Mauricio Macri, bedankt sich bei seinen Wählern
Mau­ricio Macri, bedankt sich bei sei­nen Wäh­lern

(Bue­nos Aires) „Was der Papst sagt, ver­än­dert nicht ein­mal das Wahl­ver­hal­ten von zehn Men­schen“. Die­se wenig respekt­vol­len Wor­te äußer­te Jai­me Durán Bar­ba, der wich­tig­ste Wahl­kampf­be­ra­ter des neu­en Staats­prä­si­den­ten von Argen­ti­ni­en. Gegen die Wahl­emp­feh­lung von Papst Fran­zis­kus stimm­ten die Argen­ti­ni­er am Sonn­tag für den Mit­te-rechts-Kan­di­da­ten Mau­ricio Macri und nicht für den links­li­be­ra­len Popu­li­sten Dani­el Scio­li. Nicht Papst Fran­zis­kus stand zur Wahl und den­noch wur­de die Prä­si­den­ten­wahl auch zu einer Wahl­nie­der­la­ge für ihn. Eine per­sön­li­che Wahl­nie­der­la­ge des Jor­ge Mario Ber­go­glio, die jedoch nicht ohne Rück­wir­kun­gen auf die katho­li­sche Kir­che blei­ben dürf­te.

Als Erz­bi­schof von Bue­nos Aires konn­ten der Pri­mas von Argen­ti­ni­en und Staats­prä­si­den­tin Cri­sti­na Kirch­ner nicht mit­ein­an­der. Kirch­ner, die ihrem Mann Nestor Kirch­ner ins Prä­si­den­ten­amt gefolgt war, zeig­te demon­stra­ti­ve Distanz zur katho­li­schen Kir­che. Sie und ihr Mann gehör­ten dem lin­ken Flü­gel des viel­schich­ti­gen argen­ti­ni­schen Pero­nis­mus an.

Trotz Konfrontationskurs mit der Kirche, warb Papst Franziskus für Kirchners Kandidaten

Als Jor­ge Mario Ber­go­glio zum Papst gewählt wur­de, setz­te jedoch ein Tau­wet­ter samt mehr­fa­chen Besu­chen Kirch­ners im Vati­kan ein. Eine poli­ti­sche Rich­tungs­än­de­rung, etwa in Fra­gen der nicht ver­han­del­ba­ren Wer­te, brach­te es kei­ne. An Homo-Ehe und Abtrei­bung hielt „La Pre­si­den­te“ fest, ohne einen Mil­li­me­ter abzu­wei­chen. Papst Fran­zis­kus scheint sie des­we­gen auch nicht geta­delt zu haben, da sie wei­ter­hin nach Rom „pil­ger­te“.

Poli­ti­sche Geg­ner Kirch­ners in Argen­ti­ni­en spot­te­ten bereits vor einem Jahr, das argen­ti­ni­sche Staats­ober­haupt hal­te sich mehr in der Casa San­ta Mar­ta im Vati­kan als in der Casa Ros­a­da, dem Prä­si­den­ten­pa­last in Bue­nos Aires auf. Im Früh­jahr wur­de Papst Fran­zis­kus bei einer inter­na­tio­na­len Tagung links­ra­di­ka­ler Grup­pen in Bue­nos Aires, die von der Regie­rung Kirch­ner gespon­sert wur­de, zum Anfüh­rer einer neu­en Papi­sti­schen Inter­na­tio­na­le aus­ge­ru­fen, die an die Stel­le der Kom­mu­ni­sti­schen Inter­na­tio­na­le tre­ten soll­te. Der am Podi­um anwe­sen­de Papst-Ver­trau­te, Kuri­en­erz­bi­schof San­chez-Soron­do mach­te kei­ne Ein­wän­de.

Der Grund: Kirch­ner zim­mer­te mit ihrem ein­sti­gen „Riva­len“ an ihrer Nach­fol­ge und Papst Fran­zis­kus scheint dies akzep­tiert zu haben. Sei­ne Hin­wei­se vor den bei­den Urnen­gän­gen waren eine deut­li­che Wahl­auf­for­de­rung zugun­sten von Dani­el Scio­li, den Kirch­ner zu ihrem „Erben“ bestimmt hat­te.

Doch es kam anders. Sein rech­ter Her­aus­for­de­rer Mau­ricio Macri konn­te sich beim ersten Durch­gang mit 34 Pro­zent der Stim­men dicht hin­ter Scio­li (37 Pro­zent) pla­zie­ren und für die Stich­wahl qua­li­fi­zie­ren. Genau die­sen zwei­ten Urnen­gang hat­te Kirch­ner ver­mei­den wol­len. Das argen­ti­ni­sche Wahl­recht war in der Ära Kirch­ner für den links­po­pu­li­sti­schen Pero­nis­mus maß­ge­schnei­dert wor­den. Genützt hat es nichts. Macri wur­de am 22. Novem­ber mit 51,4 Pro­zent der Stim­men gewählt. Aller­dings wird er einem bereits im Okto­ber gewähl­ten Par­la­ment gegen­über­ste­hen, das sich mehr­heit­lich in der Hand von Kirch­ner und Scio­li befin­det.

Mythos Peron gegen Unternehmer Macri

Fast alle Betei­lig­ten, Kirch­ner, Scio­li und selbst Papst Fran­zis­kus, gel­ten als Pero­ni­sten. Das zeigt in erster Linie nur, wie prä­sent der Mythos Juan Dom­in­go Peron in Argen­ti­ni­en auch heu­te ist. Macri hin­ge­gen gilt als Anti­pe­ro­nist. Er gehört einer kon­ser­va­tiv-libe­ra­len Par­tei an. Im argen­ti­ni­schen Par­tei­en­spek­trum fehlt eine katho­li­sche oder christ­de­mo­kra­ti­sche Tra­di­ti­on. Dafür sind histo­ri­sche Ent­wick­lun­gen ver­ant­wort­lich, die bis zur Unab­hän­gig­keit von Spa­ni­en zurück­rei­chen, die von anti­ka­tho­li­schen, vor allem frei­mau­re­ri­schen Kräf­ten betrie­ben wur­de.

Der erfolg­rei­che Unter­neh­mer Macri gilt als Wirt­schafts­li­be­ra­ler. Mit dem päpst­li­chen Jar­gon von „Rän­dern“, „Peri­phe­rie“ und einer „Wirt­schaft die tötet“ kann er nichts anfan­gen und hat dies im Wahl­kampf auch deut­lich gesagt.

Der Links­po­pu­list Scio­li berief sich hin­ge­gen wäh­rend des Wahl­kamp­fes auf Papst Fran­zis­kus als „Haupt­un­ter­stüt­zer“ sei­ner Kan­di­da­tur und beton­te, die poli­ti­schen Ansich­ten des Pap­stes zu tei­len.

Der Peronismus, der auf Argentinien lastet

Außerprotokollarische Geste des Papstes gegenüber Staatspräsidentin Cristina Kirchner
Außer­pro­to­kol­la­ri­sche Geste des Pap­stes gegen­über Staats­prä­si­den­tin Cri­sti­na Kirch­ner

Was aber ist der Pero­nis­mus, auf den sich Scio­li direkt und Papst Fran­zis­kus indi­rekt beruft? Der 1895 gebo­re­ne Juan Dom­in­go Peron mach­te eine stei­le Kar­rie­re in der argen­ti­ni­schen Armee. 1930 wur­de er Mit­glied des Gene­ral­stabs. Nach dem Mili­tär­putsch gegen den gewähl­ten Staats­prä­si­den­ten wur­de er Pri­vat­se­kre­tär des Kriegs­mi­ni­sters. Ab 1936 war er Mili­tär­at­ta­ché in Euro­pa, dar­un­ter auch im Deut­schen Reich. In die­ser Zeit wur­de er zum ehr­li­chen Bewun­de­rer des ita­lie­ni­schen Faschis­mus. Das hat­te auch damit zu tun, daß Ita­li­en in gewis­ser Wei­se als „Mut­ter­land“ Argen­ti­ni­ens galt und gilt.

1937 hat­te das Mili­tär die Regie­rung des Lan­des wie­der in zivi­le, aller­dings ihm nahe­ste­hen­de Per­so­nen über­ge­ben. Gegen die­se putsch­te 1943 der GUO, ein gehei­mer Offi­ziers-Zir­kel, der Argen­ti­ni­ens Außen­po­li­tik auf Rom und Ber­lin aus­rich­ten woll­ten. Unter ihnen befand sich auch Peron, der zunächst Unter­staats­se­kre­tär im Kriegs­mi­ni­ste­ri­um wur­de und Natio­nal­di­rek­tor für Arbeit. 1944 war er bereits Vize-Prä­si­den­ten Argen­ti­ni­ens.

Peron hat­te sich als einer der weni­gen in der Mili­tär­jun­ta tat­säch­lich mit dem euro­päi­schen Faschis­mus befaßt und begann mit der Umset­zung von sozi­al­po­li­ti­schen Maß­nah­men. Dazu gehör­te die Zer­schla­gung der lin­ken Arbei­ter­or­ga­ni­sa­tio­nen bei gleich­zei­ti­ger Bes­ser­stel­lung der Arbei­ter bei Arbeits­zeit, Lohn und Arbeits­schutz. Das mach­te ihn schnell in brei­ten Tei­len der Bevöl­ke­rung beliebt, weil er sich sowohl von den bis­her gewohn­ten Mili­tär­put­schi­sten, als auch von den radi­kal-libe­ra­len zivi­len Poli­ti­kern unter­schied.

Der Faschist und Sozialist Peron

Argen­ti­ni­en wur­de zwar 1945 nach wie vor vom GUO regiert, doch mit dem Ende des euro­päi­schen Faschis­mus schien auch Perons Zeit abge­lau­fen, wäh­rend sich die Mili­tärs außen­po­li­tisch der neu­en Lage anzu­pas­sen ver­such­ten. Die Mili­tär­re­gie­rung ließ Peron, den Faschi­sten in ihren Rei­hen, 1945 ver­haf­ten. Das aber mach­te ihn in den Augen nicht uner­heb­li­cher Bevöl­ke­rungs­tei­le zum Mär­ty­rer. In Mas­sen­de­mon­stra­tio­nen wur­de sei­ne Frei­las­sung gefor­dert, die im Herbst des­sel­ben Jah­res erfolg­te. Der ent­schei­den­de Durch­bruch folg­te bei den Prä­si­dent­schafts­wah­len 1946. Peron hat­te weni­ge Tage nach sei­ner Frei­las­sung die Schau­spie­le­rin Maria Eva Duar­te gehei­ra­tet hat­te, die als Evi­ta welt­be­kannt wer­den soll­te. Grund für den Durch­bruch war die offen­kun­di­ge Ein­mi­schung der USA in den Wahl­kampf gegen Peron, die ihm sei­ne Zusam­men­ar­beit mit den Ach­sen­mäch­ten nicht ver­zie­hen hat­ten. Damit aber wur­de Perons Mythos vom „Held der Arbei­ter­klas­se“ zu dem eines Natio­nal­hel­den aus­ge­wei­tet. Er gewann mit 52 Pro­zent die Wah­len und zog 1946, obwohl Mili­tär, als frei­ge­wähl­ter Staats­prä­si­dent in die Casa Ros­a­da ein.

Sei­ne Regie­rungs­po­li­tik war eine Mischung aus Ele­men­ten eines auf Argen­ti­ni­en abge­stimm­ten Faschis­mus, den er mit dem tra­di­tio­nel­len Cau­dil­lis­mus ver­knüpf­te. Vor allem hielt er am „Drit­ten Weg“ zwi­schen Kom­mu­nis­mus und Kapi­ta­lis­mus fest, der auch von der katho­li­schen Kir­che bevor­zugt wor­den war, aber in Euro­pa durch die faschi­sti­sche Ver­ein­nah­mung und des­sen Schei­tern unver­dien­ter­wei­se dis­kre­di­tiert war, daß er sich davon bis heu­te nicht mehr erho­len konn­te. Sein sozi­al­po­li­ti­scher Kurs nach innen und sei­ne Distanz gegen­über den USA nach außen brach­ten Peron 1951 die Wie­der­wahl mit 61 Pro­zent der Stim­men, führ­ten jedoch zu wach­sen­den Span­nun­gen mit den Wirt­schafts­li­be­ra­len, den Groß­grund­be­sit­zern, aber auch mit der katho­li­schen Kir­che. Sie war­fen dem Gene­ral vor, es nicht so zu nen­nen, aber fak­tisch eine sozia­li­sti­sche Poli­tik zu betrei­ben.

Exkommunikation, Exil und Rückkehr

1810-2010: Zum 200. Jahrestag der Unabhängigkeit Argentiniens ließ Cristina Kirchner eine Gedenkbriefmarke für Juan Domingo Peron herausgeben
1810–2010: Zum 200. Jah­res­tag der Unab­hän­gig­keit Argen­ti­ni­ens ließ Cri­sti­na Kirch­ner eine Gedenk­brief­mar­ke für Juan Dom­in­go Peron her­aus­ge­ben

Peron reagier­te auf Wider­stand als Mili­tär und such­te die offe­ne Kon­fron­ta­ti­on. Er lega­li­sier­te die Schei­dung und schaff­te an den Schu­len den Reli­gi­ons­un­ter­richt ab. 1955 wur­de er von Papst Pius XII. exkom­mu­ni­ziert. Der Bann wur­de eini­ge Mona­te spä­ter auf­ge­ho­ben. 1955 wur­de Peron durch einen Mili­tär­putsch gestürzt.

Peron fand im Spa­ni­en Fran­cos Auf­nah­me, von wo aus er ver­such­te, Ein­fluß auf die argen­ti­ni­sche Poli­tik zu neh­men. Das geschah vor allem über radi­ka­le link­s­pe­ro­ni­sti­sche Kräf­te, die das von Insta­bi­li­tät gepräg­te Land durch Ter­ro­ris­mus noch mehr zu desta­bi­li­sie­ren ver­such­ten. Peron war das „anti­im­pe­ria­li­sti­sche“ Idol der argen­ti­ni­schen Lin­ken. Sei­ne Rück­kehr wur­de erst 1973 mög­lich, als das Land so zer­rüt­tet war, daß sich Peron als „Aus­weg“ anzu­bie­ten schien. Mit 60 Pro­zent der Stim­men wur­de er drei Mona­te nach sei­ner Rück­kehr aus dem Exil erneut in die Casa Ros­a­da gewählt.

Die argen­ti­ni­sche Lin­ke muß­te erken­nen, daß der rea­le Peron nicht dem Mythos ent­sprach, den sie um ihn gehegt hat­te. Die radi­ka­len Link­s­pe­ro­ni­sten wand­ten sich von ihm ab und setz­ten den Ter­ror gegen sei­ne Regie­rung fort. Das führ­te zu einem rechtspe­ro­ni­sti­schen Gegen­ter­ror, der vom Staat unter­stützt wur­de. Peron starb nach weni­gen Mona­ten der Amts­zeit. Sei­ne drit­te Frau, Isa­bel Mar­ti­nez de Peron, die er als Vize­prä­si­den­tin ver­ei­di­gen hat­te las­sen, folg­te ihm als Prä­si­den­tin im Amt. 1976 wur­de sie von einem Mili­tär­putsch gestürzt.

Der Pero­nis­mus zeigt sowohl rech­te wie lin­ke, faschi­sti­sche wie sozia­li­sti­sche Züge, die sich Anhän­ger selek­tiv zu eigen machen und dar­auf beru­fen. Die inne­re Zer­ris­sen­heit des Lan­des sicher­te Peron über sei­nen Tod hin­aus brei­te Sym­pa­thien in der Bevöl­ke­rung, die unter­schied­lich­ste Grup­pen noch heu­te ver­an­laßt, sich auf ihn zu beru­fen. Eine Kon­stan­te in Perons Poli­tik war ein rhe­to­risch teils aggres­si­ver Anti­ka­pi­ta­lis­mus und sei­ne kri­ti­sche Distanz zu Washing­ton. Das gilt auch für sei­ne Nach­fol­ger. Sei­ne groß­zü­gi­gen Geld­ge­schen­ke an die sozi­al Schwa­chen führ­ten zur galop­pie­ren­den Geld­ent­wer­tung, zu Steu­er­erhö­hun­gen und sozia­len Span­nun­gen. Mit sei­ner „Besei­ti­gung der Armut“ ver­ur­sach­te er in Wirk­lich­keit die fort­schrei­ten­de Ver­ar­mung aller. Durch die Mili­tär­put­sche, die sei­ner Herr­schaft 1955 und post­hum 1976 ein Ende berei­te­ten, wur­de jedoch eine demo­kra­ti­sche Been­di­gung des wirt­schafts­po­li­tisch geschei­ter­ten Pero­nis­mus ver­hin­dert, was ihm den Nim­bus der an den Urnen unbe­sieg­ten Volks­be­we­gung ver­schaff­te.

Linkspopulismus mit antikapitalistischer Rhetorik

Hammer-und-Sichel-Kreuz, ein Geschenk von Boliviens Präsident Morales an Papst Franziskus
Ham­mer-und-Sichel-Kreuz, ein Geschenk von Boli­vi­ens Prä­si­dent Mora­les an Papst Fran­zis­kus

Die vie­len poli­ti­schen „Erben“ Perons las­sen sich nicht mit ihm gleich­set­zen. Es las­sen sich aber eini­ge gemein­sa­me Ele­men­te erken­nen. Dazu gehört ein aus­ge­präg­ter Links­po­pu­lis­mus, mit dem zuletzt das Ehe­paar Kirch­ner bei Wah­len erfolg­reich war. Er erklärt auch die Annä­he­rung Argen­ti­ni­ens an ande­re links­po­pu­li­sti­sche Prä­si­den­ten Latein­ame­ri­kas, von Cha­vez in Vene­zue­la bis Mora­les in Boli­vi­en, der Papst Fran­zis­kus das von die­sem so geschätz­te Sichel-und-Ham­mer-Kreuz schenk­te.

Die Argen­ti­ni­er woll­ten nach der lan­gen Ära des Link­s­pe­ro­nis­mus aber weder den Wahl­emp­feh­lun­gen Cri­sti­na Kirch­ners, die selbst nicht mehr kan­di­die­ren konn­te, noch dem Haupt­un­ter­stüt­zer Papst Fran­zis­kus fol­gen. Eine bren­nen­de Nie­der­la­ge für das katho­li­sche Kir­chen­ober­haupt. Fran­zis­kus hat­te sich von War­nun­gen im Vati­kan, sich nicht zu sehr in poli­ti­sche Fra­gen zu ver­wickeln, und sei es im eige­nen Hei­mat­land, nicht abhal­ten las­sen, den Argen­ti­ni­ern Dani­el Scio­li als sei­nen Kan­di­da­ten zu emp­feh­len.

Hin­ter­grund ist eine poli­ti­sche Denk­wei­se des Pap­stes, die sich mit dem pero­ni­sti­schen Anti­ka­pi­ta­lis­mus deckt. Im Wahl­kampf klang das aus dem Mund einer per­sön­li­chen Freun­din des Pap­stes, Ali­cia Bar­ri­os, so: Papst Fran­zis­kus „will eine Regie­rung, die auf die Armen schaut und eine Wirt­schaft, die von guten Men­schen gelei­tet wird und nicht von wil­den Kräf­ten des Mark­tes“. Eine typisch pero­ni­sti­sche Wort­wahl, die für Argen­ti­ni­er ein­deu­tig iden­ti­fi­zier­bar ist. Am ver­gan­ge­nen Mitt­woch direkt ange­spro­chen, sag­te Fran­zis­kus: „Wißt Ihr, was ich den­ke: Wählt nach Eurem Gewis­sen“. Das wie­der­um ist ein typi­scher Satz des argen­ti­ni­schen Kir­chen­ober­haup­tes, das im Vati­kan schon man­chen Prä­la­ten sich die Haa­re rau­fen ließ. Nicht wegen der kon­kre­ten poli­ti­schen Fra­ge, son­dern wegen der Beru­fung auf das Gewis­sen, das zu einer Art los­ge­lö­ster höch­ster Instanz wird. Die Fra­ge lau­tet aber: Nach wel­chen Kri­te­ri­en soll die­ses Gewis­sen ent­schei­den.

Die Argen­ti­ni­er schei­nen es leid zu sein, vom Kirch­ne­ris­mus bestimmt zu wer­den: 36 Pro­zent der Bevöl­ke­rung lebt von staat­li­chen Zuschüs­sen, die Infla­ti­on galop­piert und das Rezept von „La Pre­si­den­te“ waren Ver­staat­li­chun­gen.

Wie sich der neue Staats­prä­si­dent auch immer posi­tio­nie­ren wird, Papst Fran­zis­kus wird in ihm kei­nen Freund fin­den, was Nach­tei­le für die katho­li­sche Kir­che nach sich zie­hen wird. Das Ver­hält­nis zwi­schen Kir­che und argen­ti­ni­scher Poli­tik scheint ver­fah­re­ner denn je. Das gilt auch für die Abtrei­bungs- und Homo-Poli­tik Argen­ti­ni­ens.

Text: Andre­as Becker
Bild: PAN/MiL

8 Kommentare

  1. Der Name Fran­zis­kus zieht nicht mehr. Selbst sei­ne öffent­li­che Sym­pa­thie für die Links­par­tei­en in
    Argen­ti­ni­en und Küss­chen vom Papst für die Prä­si­den­tin Kirch­ner, haben eine Wahl­nie­der­la­ge
    nicht ver­hin­dern kön­nen. Durch sei­ne Par­tei­nah­me für die Kirch­ner­grup­pe hat Fran­zis­kus auch so- der katho­li­schen Kir­che in Argen­ti­ni­en gescha­det. Ein Papst soll­te sich in jedem Fal­le, aus der Poli­tik her­aus hal­ten.

  2. Der Pero­nis­mus mit sei­nen Um-und Schleich­we­gen hat offen­bar sich nicht nur zer­flü­gelt, son­dern jetzt auch weit­ge­hend unnö­tig gemacht. Die wahl­emp­feh­lung Ber­doglos war dann eher noch con­tra­pro­duk­tiv. Sei­ne Gedan­ken­welt ist eh von dem wenig defi­nier­ba­ren auf die Staats­all­ge­walt aus­ge­rich­te­ten Pero­nis­mus fixiert mit den Allü­ren für die Armen. Star­ke Anklän­ge an Evi­ta Peron zei­gen sich beim Rom­bi­schof. Dahin­ter steht aber kein System, das funk­tio­nie­ren wür­de.

  3. Dan­ke für die­se pro­fun­de Ana­ly­se. Es ist immer wich­tig, bei poli­ti­schen Ideo­lo­gien die Hin­ter­grün­de zu ken­nen.
    Ich fin­de es über­ra­schend, daß Peron aus­ge­rech­net bei Fran­co Unter­schlupf fand.

  4. Ein aus­ge­zeich­ne­ter Arti­kel.
    Die Ein­flüs­se des ita­lie­ni­schen Faschis­mus auf den Pero­nis­mus, und ganz beson­ders auf die vie­le ita­lie­nisch­stäm­mi­ge Ein­wan­de­rer in Argen­ti­ni­en, gehö­ren akri­bisch unter­sucht.
    Wie es aus­sieht, läßt sich so der Hin­ter­grund von vie­len Merk­wür­dig­kei­ten beim jet­zi­gen Pon­ti­fi­kat erklä­ren.

    • Sehr rich­tig, dem kann ich mich nur anschlie­ßen. in Argen­ti­ni­en wird die Lage nur bes­ser, wenn sich die Wirt­schaft erholt, was unter dem Diri­gis­mus bis­he­ri­ger Art nicht mög­lich war. Nur wenn sich die Wirt­schaft ver­bes­sert, gibt es auch etwas zu ver­tei­len. So ist das zu sehen. Mit der Wahl ist Argen­ti­ni­en auf gutem Weg. Ande­re soll­ten fol­gen in Süd­ame­ri­ka.

      • Es ist ein sehr erfreu­li­ches Wahl­er­geb­nis. Viel­leicht mar­kiert die Wahl von Macri den Beginn der End­zeit der lin­ken Volks­front­re­gie­run­gen Latein­ame­ri­kas.

  5. Die poli­ti­sche Lage in Argen­ti­ni­en scheint ver­fah­ren zu sein. Der neu­ge­wähl­te Prä­si­dent muß wahr­schein­lich sehr rasch die wirt­schaft­li­che Lage der Armen ver­bes­sern.
    Als ein Wirt­schafts­li­be­ra­ler wird er sich eher schwer­tun mit dem The­ma Abtrei­bung.

    • ich hab gele­sen, dass er das drit­te Mal ver­hei­ra­tet ist, also ein katho­li­sches Revi­val sehe ich da auch nicht. Öko­no­misch kann’s ja nicht mehr schlim­mer wer­den als unter den Pero­ni­sten, deren Wirt­schafts­re­zep­te unter dem aktu­el­len Pon­ti­fi­kat ja fast schon dog­ma­ti­siert wer­den — aber wer bin ich schon mit mei­nem Wirt­schafts­stu­di­um um dar­über zu urtei­len? 😛

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