„Heute Nacht konnte ich nicht schlafen“ — Das „Joch der neuen Barmherzigkeit“

Troika gegen Franziskaner Immakulata: Der Erzbischof, der Kardinal und der Papst
Troi­ka gegen Fran­zis­ka­ner Imma­ku­la­ta: Der Erz­bi­schof, der Kar­di­nal und der Papst

(Rom) „Wie kann man mit den Spen­den für den hei­li­gen Franz von Assi­si spe­ku­lie­ren? Das ist die Fra­ge, die der­zeit die Men­schen in Assi­si beschäf­tigt. Bank­rot­teu­re haben die Fran­zis­ka­ner rein­ge­legt und sind der Schwei­zer Staats­an­walt­schaft ins Netz gegan­gen, die zahl­rei­che Kon­ten im Wert von vie­len Dut­zen­den Mil­lio­nen Euro sperr­te. Der Grund ist zum Erschau­dern: eini­ge beschlag­nahm­te Depots der Gene­ral­ku­rie des Ordens in Rom waren in Gesell­schaf­ten inve­stiert, gegen die wegen ille­ga­lem Han­dels ermit­telt wird. Es wer­den fast unaus­sprech­li­che Din­ge genannt: Waf­fen und Dro­gen. Die Inve­sti­tio­nen gehen auf die Zeit zurück, in denen der Gene­ral­obe­re der Fran­zis­ka­ner José Rodri­guez Car­bal­lo war, heu­te Sekre­tär der Ordens­kon­gre­ga­ti­on“, schrieb der Vati­ka­nist Gia­co­mo Galeaz­zi in der Tages­zei­tung La Stam­pa vom 19. Dezem­ber 2014. Anlaß war das Bekannt­wer­den zwie­lich­ti­ger Finanz­ope­ra­tio­nen des dama­li­gen Gene­ral­öko­noms und der fak­ti­sche Kon­kurs der Gene­ral­lei­tung des Fran­zis­ka­ner­or­dens.

Heu­te Nacht konn­te ich nicht schla­fen. Schuld dar­an war nicht das Hin und Her des Hub­schrau­bers, der den Papst nach Pra­to brin­gen soll­te (genau, Fran­zis­kus reist nicht immer zu Fuß oder im FIAT 500 …), son­dern die uner­bitt­li­che Repres­si­on gegen die Fran­zis­ka­ne­rin­nen der Imma­ku­la­ta.

Chri­stus hat uns soeben an Aller­hei­li­gen dar­an erin­nert: „Selig die Leid tra­gen, denn sie sol­len getrö­stet wer­den; selig die Sanft­mü­ti­gen, denn sie wer­den das ver­hei­ße­ne Land besit­zen; selig die rei­nen Her­zens sind, denn sie wer­den Gott schau­en; selig die unschul­dig Ver­folg­ten, denn Gott schenkt ihnen sein Him­mel­reich“. Dar­um, lie­be Müt­ter im blau­en Orden­s­kleid, bin ich über­zeugt, daß ihr selig sein wer­det, da „die ande­ren euch beschimp­fen, ver­fol­gen und ver­leum­den, weil ihr zu mir gehört“.

Mir hin­ge­gen fällt es schwer, die­sen vor­sätz­li­chen Miß­brauch ein­fach zu akzep­tie­ren, eine sol­che Ver­bis­sen­heit, die gera­de­zu vor Ver­bit­te­rung und Neid gegen eine wirk­lich authen­ti­sche Form fran­zis­ka­ni­schen Lebens in unse­rer Zeit stinkt, wie sie die Brü­der und Schwe­stern des Ordens der Fran­zis­ka­ner der Imma­ku­la­ta so vor­bild­haft leben.

Es fällt mir gera­de auch des­halb schwer, weil die Urhe­ber die­ser Ver­fol­gung zwei Kir­chen­ver­tre­ter sind, über die viel zu sagen wäre.
Einer ist Kar­di­nal [Braz de Aviz]. Und obwohl er im sel­ben Haus des Vati­kans wohnt, in dem auch Kar­di­nal Bur­ke und Kar­di­nal Gro­cho­lew­ski woh­nen, fin­det sich sein Name auf eben­so wun­der­sa­me wie selt­sa­me Wei­se nicht in der Liste der klein­ka­rier­ten Neid­kom­plex­schü­rer über jene Vati­kan­prä­la­ten, die angeb­lich in „skan­da­lö­sen“ (sprich luxu­riö­sen) Häu­sern woh­nen wür­den.
Der ande­re ist Erz­bi­schof [Rodri­guez Car­bal­lo], der ehe­ma­li­ge Gene­ral­mi­ni­ster des Fran­zis­ka­ner­or­dens. Er ist in einen wirk­li­chen Skan­dal ver­wickelt, der alle kirch­li­chen Sün­den ver­eint, die Papst Fran­zis­kus tag­täg­lich in sei­nen Pre­dig­ten anpran­gert. Ihm ist aller­dings nichts pas­siert. Und nun, da er sich gewiß sein kann, unge­straft zu blei­ben, stürzt er sich um so ver­bis­se­ner auf sei­ne fran­zis­ka­ni­schen Mit­brü­der vom Orden der Fran­zis­ka­ner der Imma­ku­la­ta. Des­sen Exi­stenz erin­nert auch ihn näm­lich täg­lich an das hei­li­ge Leben, das er eigent­lich füh­ren soll­te.

O Selig­ste Jung­frau und Kno­ten­lö­se­rin, ich bit­te Dich, die­ser dia­bo­li­schen kom­mis­sa­ri­schen Ver­wal­tung der Brü­der und der Schwe­stern des Ordens der Fran­zis­ka­ner der Imma­ku­la­ta ein Ende zu berei­ten und die­se Ange­le­gen­heit zu lösen, wie nur Du sie lösen kannst. Denn wäh­rend die Brü­der und Schwe­stern des Ordens sich die Ewig­keit gewin­nen, indem sie das Joch der fal­schen Barm­her­zig­keit gedul­dig ertra­gen, lau­fen wir, die wir das Ärger­nis die­ser unwür­di­gen Ver­fol­gung mit­an­se­hen müs­sen, Gefahr, den Glau­ben zu ver­lie­ren.

Dein Dis­mas Roma­nus

Bild: MiL

20 Kommentare

  1. Der lei­der viel zu früh ver­stor­be­ne Prä­lat Dr. Dr. Gre­go­ri­us Hes­se spricht Mit­te der 90er Jah­re in einem Vor­trag zur Grund­hä­re­sie des Libe­ra­lis­mus – spä­te­stens seit VII in die Kir­che ein­ge­drun­gen – und wie sie sich logisch not­wen­dig ent­wickelt und äussert: Natu­ra­lis­mus, Huma­nis­mus, Rela­ti­vis­mus, Anti-Extre­mis­mus, Mini­ma­lis­mus. Am Schluss steht die geist­li­che Tyran­nei, der Des­po­tis­mus, wie wir ihn nun vor uns haben.
    http://www.gregorius-hesse.at/vortraege/chronologisch/04.liberalismus/

  2. Da kommt so man­cher um sei­nen Schlaf, wenn man bedenkt wie heu­te Barm­her­zig­keit gelebt
    wird. Da gibt es Män­ner wie zum Bei­spiel Erz­bi­schof Car­bal­lo, der in einem Finanz­skan­dal ver-
    wickelt ist und heu­te als Sekre­tär der Ordens­kon­gre­ga­ti­on arbei­tet, eine schil­lern­de Figur. Die-
    ser Erz­bi­schof braucht nicht zu befürch­ten, dass etwas gegen ihn unter­nom­men wird. Zusam-
    men mit Kar­di­nal Braz de Aviz, ist man mit Eifer dabei, die bei­den Orden der Fran­zis­ka­ner der
    imma­ku­la­ta zu regle­men­tie­ren und das Leben schwer zu machen. Mit von der Par­tie ist kein ge-
    rin­ge­rer als Fran­zis­kus sel­ber. So zeigt die­se unhei­li­ge Alli­anz, wie Barm­her­zig­keit heu­te gelebt
    wird und sta­che­lig der Man­tel der Barm­her­zig­keit ist.

  3. Der Feh­ler liegt auch an den Erwar­tun­gen die im Pon­ti­fi­kat BXVI geweckt wur­den die Wen­de kam eben nicht war auch von Papst Ratz­in­ger nicht gewünscht den Grün­dern die­ses Ordens muß­te klar sein so etwas kann nur gut gehn wenn man von den der­zei­ti­gen Auto­ri­tä­ten unab­hän­gig ist es ist kein Platz für vor­kon­zi­lia­re Dis­zi­plin und Ordens­le­ben in der kon­zi­lia­ren Kir­che

  4. Man muss aller­dings der Nüch­tern­heit hal­ber sagen, dass wir genau sol­che Machen­schaf­ten auch vor 150 Jah­ren in der Kir­che hat­ten — nur jag­ten da die Reak­tio­nä­re die Libe­ra­len, und es wur­de nicht nur ein — in einem Fal­le sogar als for­mel­ler Häre­ti­ker, der auch schwe­re Straf­ta­ten began­gen hat­te (Bei­hil­fe zum Mord, mehr­fa­cher Zöli­bats­bruch, Bruch des Beicht­ge­heim­nis­ses) — ver­ur­teil­ter ultra­mon­ta­ner Theo­lo­ge, ein wah­rer „Wolf“, von Pius IX. den­noch völ­lig beden­ken­los „begna­digt“, um das theo­lo­gi­sche Rüst­zeug für das Vati­ca­num I zu erarbeiten.…es kann einem schlecht wer­den, wenn man sich das alles vor Augen führt…

    Die­se reak­tio­nä­ren Kräf­te streng­ten einen Pro­zess um den ande­ren gegen unbe­schol­te­ne und zwei­fel­los tief­gläu­bi­ge Bischö­fe und Theo­lo­gen an oder ver­leum­de­ten sie mit allem zur Ver­fü­gung ste­hen­den Mit­teln.

    Schon damals muss­te das Kir­chen­volk irre wer­den — wenn man selbst post­hum segens­rei­che Bischö­fe wie Sai­ler von Regens­burg noch auf den Index set­zen las­sen woll­te.
    Hir­ten, denen sie lebens­lang ver­traut hat­ten und die kei­ner­lei Anlass zum Zwei­fel gege­ben hat­ten, soll­ten plötz­lich „ver­ur­teilt“ wer­den. Zum Glück war die Inqui­si­ti­on und auch die Index­kon­greag­ti­on damals wenig­stens von eini­gen maß­vol­len und intel­li­gen­ten Theo­lo­gen besetzt und die mei­sten die­ser Anzei­gen sei­tens der Reak­tio­nä­re kamen nicht durch, weil sie ein­fach nur faden­schei­nig waren. Aber die­se per­ma­nen­te Hatz gegen angeb­li­che „Libe­ra­le“ war ein­fach nur wider­wär­tig.

    Dass die Reak­tio­nä­re selbst ris­kan­te und teil­wei­se sogar völ­lig neue (Irr-)Lehren, die sie als „Tra­di­ti­on“ aus­ga­ben, auf­brach­ten, war­tet noch auf eine genaue­re wis­sen­schaft­li­che Auf­ar­bei­tung. Ich den­ke, da steht uns auch noch eine Ent­zau­be­rung eines Wahns bevor!

    Jeden­falls steckt die Kir­che in einer Kri­se tie­fer Vor­ur­teils­fron­ten, und wer das Ammen­mär­chen glaubt, es sei der böse Libe­ra­lis­mus an allem schuld, der soll­te sich die Mühe machen und sich den histo­ri­schen Fak­ten stel­len, die uns das 19. J bie­tet.

    Die Sach­la­ge ist erheb­lich ver­wor­re­ner.

    Ob die FI wirk­lich so „unschul­dig“ sind, wie es immer dar­ge­stellt wird, wis­sen wir nicht wirk­lich.

    Nach­dem ich umfang­rei­che Quel­len des 19. Jh gele­sen habe, muss­te ich zwangs­läu­fig von der ver­lo­ge­nen Mär von den guten Tra­di­tio­na­li­sten und den bösen Libe­ra­len Abstand neh­men. Die Wahr­heit ist, dass schon im 19. Jh mehr oder weni­ger nur noch die Wahl zwi­schen „Pest und Cho­le­ra“ nah­ge­legt wur­de und jeder Geist, der sich die­sen bei­den Lagern nicht beu­gen woll­te, zur per­so­na non gra­ta wur­de. Das kann man schön am Lebens­lauf New­mans sehen.

    Erlau­ben wir uns also ein Urteil über die FI erst dann, wenn alle Fak­ten öffent­lich auf dem Tisch lie­gen.
    Bis­lang ist für uns ein­fa­che Leu­te der Fall mehr oder weni­ger unter den Tep­pich gekehrt und wir sehen nur die Sit­ze eines Eis­ber­ges.
    Es ist mög­lich, dass die FI in einer Bezie­hung zu ganz ande­ren Fäs­sern ste­hen und es nicht um ihre ideo­lo­gi­gi­sche Aus­rich­tung, son­dern um völ­lig ande­res geht.

    • Man kann Bor­go­lio wohl nicht unbe­dingt den Vor­wurf der Lüge machen, wenn er vor über 1 Jahr die öffent­li­che Auf­klä­rung zur Fra­ge der Ver­feh­lun­gen der FI mit den Wor­ten ver­sprach: „Bald, schon sehr bald!“
      Schließ­lich weiß man inzwi­schen, daß die FI ein­fach das Motu Pro­prio 2007 von Papst Bene­dikt XVI. anwen­de­ten! Schlimm sowas.

      • Das glau­be ich nicht — da dürf­te noch etwas ande­res im Spiel sein.
        Wie ich sag­te: Man hat im Vati­kan auch schon vor 150 Jah­ren gna­den­los alles unter den Tep­pich gekehrt, wenn auch noch ande­re Din­ge mit so einem Fall ver­bun­den sind.

        F. sagt halt „Ja, gleich!“ — etwa so wie ei Jugend­li­cher, der gar nicht vor­hat etwas zu tun.
        V9r 150 Jah­ren wur­den vom Papst Leu­te vor­ge­la­den und ihnen streng­stes Still­schwei­gen über kri­mi­nel­le Din­ge auf­er­legt.

        Ich sage es noch mal: Wir wis­sen zu wenig!
        Es kann sein, dass hier noch ganz ande­re Din­ge, von denen wir nichts ahnen, schlum­mern.

        War­ten wir es ab, bis die Sachen ans Tages­licht kom­men!

        Im übri­gen sind mir sol­che Vor­ge­hens­wei­sen auch schon von der FSSPX zu Ohren gekom­men — auch sie ver­setzt Leu­te, schmeißt sie raus, schließt sie aus und setzt alles dran, Leu­te in ein schlech­tes Licht zu set­zen und für immer kalt­zu­stel­len.

        Ich habe kei­ne Ahnung, wer im Fal­le FI wem was schul­dig ist, wer wel­che Lei­chen im Kel­ler hat.

        Sei­en wir doch vor­sich­tig und ergrei­fen nicht Par­tei bei einer Sache, die wir nicht durch­schau­en.

      • @ Ann

        Ein Tipp steht schon bei dem Kom­men­tar von J.R. Rat­kaj. ich hab dazu selbst was geschrie­ben, wobei es dort zunächst um eine ande­re Recher­che von Otto Weiß über ein Alt­öt­tin­ger Redemp­to­ri­sten­klo­ster im 19. Jh geht, das min­de­stens 60 Jah­re lang einen häre­ti­schen Kult um ein „Medi­um“ durch­zie­hen konn­te, weil ultra­mon­ta­ne Bischö­fe wie Rei­sach und Sen­est­rey selbst bis über bei­de Ohren in der Affai­re drin­hin­gen (Rei­sach übri­gens auch bei dem San­t’Am­bro­gio-Fall).

        Lesen Sie hier wei­te­re Infos und Lese­tipps:
        http://zeitschnur.blogspot.de/2015/11/der-katholische-zombie-iv.html

        Für den FI-Fall habe ich natür­lich kei­ne Lese­tipps, aber ich gehe davon aus, dass der Fall nicht nur ein ein­fa­ches „Nie­der­ma­chen“ eines tol­len ordens ist, son­dern dass auch hier irgend­et­was gelau­fen ist, das zur Zeit nie­mand ahnt — wie in den ande­ren Fäl­len auch wahr­schein­lich ein Groß­teil der „Insi­der“ nicht.

      • Höchst lesens­wert sind dies­be­züg­lich:
        Hubert Wolf Hrsg.), Johann Micha­el von Sai­ler. Das postu­me Inqui­si­ti­ons­ver­fah­ren, Pader­born 2002.
        Nor­bert Köster, Der Fall Hirscher. Ein »Spät­auf­klä­rer« im Kon­flikt mit Rom, Pader­born 2007.
        fer­ner:
        Hubert Wolf, Judith Sche­pers (Hrsg.): »In wil­der zügel­lo­ser Jagd nach Neu­em«. 100 Jah­re Moder­nis­mus und Anti­mo­der­nis­mus in der katho­li­schen Kir­che, Pader­born 2009.

      • @ J.G.Ratkaj

        Dan­ke für den Tipp — auch für die ande­ren Links. Das ande­re Wolf-Buch über den Modernismus/Antimodernismus kann­te ich schon in Aus­zü­gen (das Buch ist wahn­sin­nig teuer…wie wis­sen­schaft­li­che Tex­te es oft lei­der sind…)

        Das mit den Wie­lands ken­ne ich noch nicht — dan­ke!

        Ich lese von Wolf gera­de das Buch „Kryp­ta“ über Tra­di­tio­nen der Kir­che, die irgend­wann, aller­dings sehr spät erst, unter­drückt und als „häre­tisch“ behan­delt wur­den, obwohl sie teil­wei­se nahe­zu 2000 Jah­re lang prak­ti­ziert wur­den…
        Ob ich ihm in allem zustim­me, weiß ich nicht, aber das Buch erhellt man­ches und löst man­ches tra­di­tio­na­li­sti­sche Vor­ur­teil auf.
        In jedem Fall erscheint der Tra­di­tio­na­lis­mus nach der Lek­tü­re als ein hoch­mo­der­nes, spät­neu­zeit­li­ches, ja sogar post­mo­der­nes Phä­no­men, das mit wirk­li­cher Tra­di­ti­on (i.S. der Über­lie­fe­rung als gan­zer) nur sehr wenig gemein hat.

      • @zeitschnur
        http://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/wissen/wie-und-warum-die-katholische-kirche-reformiert-werden-muss‑1–2/-/id=660374/did=15028108/nid=660374/1ftcxy8/index.html

        Bezüg­lich des Buches habe ich bes. die Kapi­tel über das Bischofs­amt (bes. die Wahl) und das Kar­di­nals­kol­leg sowie die alte Kurie als höchst inter­es­sant emp­fun­den. Sie decken sich mit den Erkennt­nis­sen franz. Histo­ri­ker, auf wel­che ich Sie ein­mal unlängst u.a. bezügl. Ekkle­sio­lo­gie u Bischofs­wahl ein­mal ver­wies.
        Das Buch und die Erkennt­nis­se von Prof. Wolf sind sehr bemer­kens­wert doch kann ich über­haupt nicht erken­nen, wie er anneh­men kann (nicht im Buch son­dern in vie­len Inter­views), daß Ber­go­glio in die­sem Sin­ne die Kir­che re-for­mie­ren könn­te (wenn Ber­go­glio das so exer­zie­ren wür­de wäre er ja wahr­haf­tig ein Restau­ra­tor Urbis, in der Tat ein gro­ßer Papst), also zu bewähr­ten Mecha­nis­men und Struk­tu­ren rück-führt, wel­che sich als sehr effek­tiv bei der Regie­rung der Kir­che erwie­sen haben (z.B. freie Bischofs­wah­len durch Dom­ka­pi­tel und ande­re Insti­ti­tu­te der Par­ti­ku­lar­kir­chen, regel­mä­ßi­ge Kon­si­sto­ri­en und Ein­ho­lung der Mei­nun­gen durch die in Rom resi­die­ren­den Kar­di­nä­le, Hei­li­ge Kon­gre­ga­ti­on für die außer­or­dent­li­chen kirch­li­chen Ange­le­gen­hei­ten etc etc) . Erstens ist Ber­go­lio ein Igno­rant und Illi­te­rat der Kir­chen­ge­schich­te zwei­tens amtiert er doch nicht weni­ger abso­lu­ti­stisch wie es das moder­ne Papst­tum seit Pius X. tut. Man kann davon aus­ge­hen, daß gera­de Ber­go­glio, die ihm gege­ge­be­ne Macht bes. kühn und des­po­tisch exer­ziert.

      • @ J.G. Rat­kaj

        Das Bischofs­ka­pi­tel habe ich in „Kryp­ta“ auch mit gro­ßem Inter­es­se gele­sen, aber natür­lich auch das über die hohe juris­dik­tio­nel­le Stel­lung Hun­der­ter von Äbtis­sin­nen im Früh- und Hoch­mit­tel­al­ter und die qua­si-sakra­men­ta­le Salbung/Weihe, die sie eben­so wie ihre männ­li­chen Kol­le­gen, aber auch die Köni­ge bzw. der Kai­ser erhal­ten hat­ten, deren Cha­rak­ter bis heu­te nicht ganz geklärt ist. In jedem Fall aber han­del­te es sich dabei nicht um „Mar­gi­na­li­en“.
        Mein Ein­druck, auch wenn ich z.B. die Bio­gra­fie der Hl. Wal­bur­ga ansah, dass die Abwehr gegen­über der Frau in der Kir­che fak­tisch immer patho­lo­gi­scher wur­de und heu­te defi­ni­tiv wesent­lich enger und dis­kri­mi­nie­ren­der ist als vor 1000 Jah­ren, hat sich durch die Lek­tü­re bestä­tigt.
        Auch die­ses Detail, dass Frau­en seit dem 19. Jh spä­te­stens dar­auf redu­ziert wer­den, kit­schig-unter­ta­nes Haus­weib­chen oder aber mysti­zi­stisch-durch­ge­knall­te Non­ne, sühe­ne­see­lend in Steck­kis­sen lie­gend, zu wer­den bzw. als PGR völ­lig bedeu­tungs­lo­se Reden schwin­gen zu dür­fen, die man ihnen zuvor pro­gres­siv ein­ge­impft hat, ist modern bzw. post­mo­dern — bei­des: sowohl die her­um­schrei­ne­de Kir­chen­eman­ze, die eben doch nie die Zie­le erreicht, die Kir­chen­män­ner ihr als Wurst vor der Nase bau­meln las­sen, als auch die Tra­di-Kopf­tuch-Duckmaus, die eben hin­ten­her­um ihre Macht aus­spielt, ja bei­des sind eigent­lich Phä­no­me­ne der aus­ge­hen­den Moder­ne eben­so wie die­se tau­to­lo­gi­sche Macht­ver­tei­lung im Kle­rus.

        Tau­to­lo­gi­sche Macht­ver­tei­lung bzw. Macht­an­häu­fung — das ist das Pro­blem. Im wahn, man müs­se die Demo­kra­tie fürch­ten wie der Teu­fel das Weih­was­ser warf man sei­ne eige­nen Tra­di­tio­nen aus dem Fen­ster ohen zu erken­nen, dass auch der Abso­lu­tis­mus nichts wei­ter als eine moder­ne Ent­ar­tung war, die es so nie gege­ben hat­te!

        Den­noch stim­me ich Wolf in eini­gem auch nicht zu! Ähn­lich wie Sie — viel­leicht soll­te er ein­fach bei sei­nem Histo­ri­ker­be­ruf blei­ben.
        Für alles ande­re ist er des­we­gen ja nicht auto­ma­tisch qua­li­fi­ziert.…

  5. Gene­rell bit­te ich etwas in Erin­ne­rung zu behal­ten das MP bezieht sich nur auf den Ritus von 1962 nicht auf die Dis­zi­plin im Ordens­le­ben es gibt eine ein­zi­ge Gemein­schaft die eine päpst­li­che Erlaub­nis zur Wie­der­auf­nah­me der vor­kon­zi­lia­ren Dis­zi­plin hat, die Trap­pi­sten von Maria Wald.

  6. Es fällt in die­sem Fal­le auf wie
    1. einer­seits die meist ele­men­ta­re Rechts­nor­men ausser Kraft gesetzt wer­den und
    2.anderseits vie­le Kom­men­ta­to­ren und Kom­men­ta­to­rin­nen bei der zer­stö­ren­den Drang­sa­lie­rung die­ses Ordens abwie­geln und zau­dern.

    In dubio pro reo- In Zwei­fel für den ange­klag­ten.
    In die­sem Fall wur­de sowohl für den männ­li­chen als en weib­li­chen Zweig der Fran­zis­ka­ner der Imma­cu­la­ta bis jetzt kei­ne offi­zi­el­le Beschul­di­gung geäu­ssert;
    aus nicht­of­fi­zi­el­len Aus­sa­gen des ver­stor­be­nen Admi­ni­stra­tors Fidenzio Volpi OFM Cap wis­sen wir, daß es sich hier bei dem männ­li­chen Zweig der FFI um „Kryp­to-lef­eb­vris­mus“ han­deln wür­de.
    Was die­ser Term beinhal­tet, wis­sen wir nicht.
    Die Drang­sa­lie­rung die­ses Ordens wür­de an der Kon­gre­ga­ti­on f.d. Geweih­te Leben vor­bei direkt vom Papst ver­ord­net; und ohne Prü­fung der Recht­gläu­big­keit die­ses Ordens durch die Kon­gre­ga­ti­on f.d. Glau­bens­leh­re.
    Kard. Bur­ke, damals Haupt v.d. Apo­sto­li­schen Regi­stra­tur (höch­ster Rechts­in­stanz f. Beschwer­den) erklär­te aus juri­sti­schen Grün­den daß die Kla­ge der Fran­zis­ka­ne­rin­nen der Imma­cu­la­ta gegen die Visi­ta­ti­on ohne Anhö­rung und die kom­mis­sa­ri­sche Ver­wal­tung als emp­fängs­be­rech­tigt anzu­se­hen waren; prompt wur­de er sei­nes Postens ent­ho­ben und zu dem Mal­te­ser­or­den gesandt.

    Wenn man sich um mehr Infor­ma­ti­on bemüht, fällt auf wie wenig/fast nichts aus dem Vati­kan und von den moder­ni­sti­schen Inqui­si­to­ren und Hen­kern zu hören ist, und wie­viel Ver­lo­ge­nes:
    — Pater Volpi beschul­dig­te die Ver­wand­te des Ordens­stif­ters P. Ste­fa­no Manel­li Geld und Immo­bi­li­en ver­dü­stert zu haben;
    in einem Pro­zess mit brei­ter media­ler Auf­merk­sam­keit ver­lor Volpi kom­plett und war gezwun­gen eine Rich­tig­stel­lung mit Ent­schul­di­gung in vie­len Zei­tun­gen und im Inter­net zu set­zen.
    — Die plötz­li­che schwe­re Erkran­kung von P.Volpi wur­de von der kom­mis­sa­ri­schen Ordens­ver­wal­tung erst geleug­net, dann mini­ma­li­siert, dann mit Schimpf­ka­no­na­den gegen die Freun­de der FFI wei­ter­ge­führt und dann dann bis zum Ridikü­len gestei­gert.
    es erschien selbst, ein­ma­lig in der Welt­ge­schich­te, die lie­be­vol­le Wort­mel­dung eines apal­li­schen Syn­droms!
    — Ale­t­heia-die Wahr­heit: mit dem a‑negativum und dem Stamm Lath: „ver­ber­gen“.
    In 2,5 Jah­ren Drang­sa­lie­rung durch den Vati­kan weiß man von offi­zi­el­ler Sei­te fast nichts und zum Teil noch Fal­sches auch.

    Die hand­fe­ste Infor­ma­tio­nen, die Schlie­ßung der semi­na­ri­en und Ordens­nie­der­las­sun­gen, der Haus­ar­rest für P. Ste­fa­no Manel­li (immer­hin 83 Jah­re alt und in ange­schla­ge­nem Gesund­heits­zu­stand): dies weiß man nur über die Freun­de der FFI.

    Die FFI wird inzwi­schen von Bel­gi­en aus ange­grif­fen, und wohl aus dem Umfeld v. Dan­neels (nun wirk­lich kein Engel-dafür ein Fran­zis­kus­freund) (sie­he http://www.kavlaanderen.blogspot.be)

    Orden kön­nen Dege­ne­rie­ren: kei­ne Fra­ge.
    Wenn defor­miert, müs­sen sie refor­miert wer­den: ein alt­be­kann­tes Prin­zip in der Kir­che.
    ff.

  7. Aber wenn ohne Unter­su­chung mit Recht auf Ant­wort, ohne Schuld­spruch, par ord­re du mouf­ti sich nicht weh­ren kön­nen­de Brü­der und Schwe­ster drang­sa­liert wer­den und ein Orden im Amok­lauf zer­schla­gen wird, ist es absto­ßend dabei zuzu­se­hen und nichts zu tun.

    Das erin­nert stark an den Prie­ster und den Levi­ten.
    Jeder Mensch mit einem muti­gen Her­zen ‑ich hat­te fast geschrie­ben: „rit­ter­lich“, den Geist der Kaval­le­rie­ein­hei­ten und ihre Nach­fol­ge­re­gi­men­ter indach­tig,- weiß, wie er sich hier zu ver­hal­ten hat.

    • Natür­lich gilt immer „In dubio pro reo“ — aber dann bit­te auch in allen andern Fäl­len, und da hapert es hier bei den Kom­men­ta­to­ren gewal­tig.
      Hier ist man immer schnell bei der Hand mit Behaup­tun­gen, oft sogar Ver­leum­dun­gen, die der eige­nen Fan­ta­sie und ihren star­ren Vor­ur­tei­len ent­sprin­gen.

      Ich fin­de, dass Sie doch selbst auf­zei­gen, dass wir über­haupt nichts wis­sen!

      War­um also die­se „rit­ter­li­che“ Emo­tio­na­li­tät?

      Es mau­ert ja nicht nur der Vati­kan.
      Es mau­ert auch der Orden, und das soll­te einem eben­falls zu den­ken geben.
      Und wir wis­sen aus ande­ren Ordens­skan­da­len, dass gera­de bei den Super­from­men auch die Super-Skan­da­le viru­lent waren.

      Und das war auch schon frü­her so. Das woll­te ich sagen.
      mein Bespiel aus dem 19. jh soll­te zei­gen, dass da sehr wohl Pro­zes­se im Hinter­gund lau­fen kön­nen, die Betei­lig­ten vom Papst aber eiser­nes Schwei­gen abge­presst bekom­men kön­nen.
      Im von Rat­kaj erwähn­ten Ambro­gio-Fall war die kri­mi­nel­le Lage eines super­from­men, „glau­bens­treu­en“ Ordens der­ma­ßen irre, dass selbst bis vor weni­gen Jahr­zehn­ten kein mensch für mög­lich gehal­ten hat, was sich dort abge­spielt hat.

      Ich sage NICHT, dass das bei den FI so IST.
      Aber ich sage, dass es SEIN KANN, dass das Wich­tig­ste der Ange­le­gen­heit noch gar nicht nach außen gedrun­gen ist.

      Und solan­ge man zu wenig weiß, soll­te man sei­ne Nei­gung zur unbe­dach­ten Echauf­fa­ge auch etwas dis­zi­pli­nie­ren.

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