Neugestaltung des Altarraums im Mariendom von Linz — Eine Analyse

Dompfarrer Strasser vor dem Linzer Dom
Dom­pfar­rer Stra­sser vor dem Lin­zer Dom

(Linz) In der Diö­ze­se Linz (Ober­öster­reich) gibt es Plä­ne, den Altar­raum der Kathe­dral­kir­che umzu­ge­stal­ten. Am ver­gan­ge­nen 30. Juni bestimm­te eine Jury das Sie­ger­pro­jekt, das weni­ge Tage spä­ter der Öffent­lich­keit vor­ge­stellt wur­de (Pro­jekt zur „Altar­raum­ge­stal­tung neu“ des Lin­zer Doms vor­ge­stellt – mit eso­te­ri­schem Touch).
Durch die Lit­ur­gie­re­form wur­de der Hoch­al­tar sei­ner Bedeu­tung beraubt, nun folgt die gene­rel­le Ent­lee­rung des gesam­ten Altar­rau­mes, indem der Altar in das Kir­chen­schiff hin­ein­ge­rückt wer­den soll. Die Grund­struk­tur des christ­li­chen Sakral­bau­es wird damit dekon­stru­iert. Die­se ent­spricht in ihrer Raum­ein­tei­lung aber nicht belie­bi­gen Lau­nen, son­dern dem Jeru­sa­le­mer Tem­pel und soll­te sich will­kür­li­chen Ein­grif­fen ent­zie­hen. Der Altar­raum einer Kir­che ent­spricht dem Hei­lig­sten des Tem­pels, den nur die Prie­ster betre­ten durf­ten. Er steht für den „Hei­li­gen Boden“, von dem Gott im Bren­nen­den Dorn­busch zu Moses sag­te, daß er sein Schu­he aus­zie­hen solle.
Eine ähn­li­che Zer­trüm­me­rung des Sakral­rau­mes wur­de in der nie­der­öster­rei­chi­schen Wall­fahrts­kir­che am Sonn­tag­berg bereits verwirklicht.
Gegen die kosten­auf­wen­di­ge, nicht not­wen­di­ge, viel­mehr lit­ur­gisch zwei­fel­haf­te Umge­stal­tung regt sich Wider­stand (Der Lin­zer Dom, das Geld der Kir­che und ein schlech­tes Vor­bild für die Welt). Die Ent­wick­lung des Sakral­baus und von Kir­chen- und Altar­neu­ge­stal­tun­gen lau­tet „Ent­lee­rung“ und spie­gelt eine geist­li­che Ent­lee­rung wider.
Die Euro­päi­schen Bür­ger­initia­ti­ven zum Schutz des Lebens und der Men­schen­wür­de wen­den sich gegen das von Dom­pfar­rer Maxi­mi­li­an Stra­sser gewoll­te Pro­jekt. Die Begrün­dung lesen Sie hier.

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Anmerkungen zur Altarraumneugestaltung im Mariendom von Linz

Der "Neue Dom" der Diözese Linz
Der „Neue Dom“ der Diö­ze­se Linz

Wer trägt die letzte Verantwortung für die Altarraumgestaltung?

„Die vom BISCHOF ein­ge­setz­ten Kom­mis­sio­nen, Räte oder Aus­schüs­se zur ‚För­de­rung der Lit­ur­gie sowie der sakra­len Musik und Kunst in sei­ner Diö­ze­se‘ müs­sen nach der Gesin­nung und den Anwei­sun­gen des Bischofs han­deln und sich auf sei­ne Auto­ri­tät und Zustim­mung stüt­zen, damit sie in ange­mes­se­ner Wei­se ihre Auf­ga­be erfül­len ((Vgl. Papst Johan­nes Paul II., Apost. Schrei­ben Vice­si­mus quin­tus annus, Nr. 21: AAS 81 (1989) 917; II. Vat. Ökum. Kon­zil, Konst. über die hl. Lit­ur­gie Sacro­sanc­tum Con­ci­li­um, Nrn. 45–46; Papst Pius XII., Enzykl. Media­tor Dei: AAS 39 (1947) 562.)) und der wirk­sa­men Lei­tung des Bischofs in sei­ner Diö­ze­se die­nen.“ [Instruk­ti­on Redemp­tio­nis Sacra­men­tum (25. März 2004) , Nr. 25, S. 15]

Warum ist der derzeitige Entwurf der Altarraumgestaltung sehr mangelhaft?

Was den Ort der Altar­in­sel mit ihren Ele­men­ten [Bischofs­sitz, Prie­ster­sitz, Ambo, Altar] betrifft, ent­spricht er nicht den Bestim­mun­gen in der Grund­ord­nung des Römi­schen Mess­bu­ches, denn der Prie­ster­sitz, die Sit­ze für die kon­ze­le­brie­ren­den Prie­ster sowie für Prie­ster, die in Chor­klei­dung der Fei­er bei­woh­nen, der Sitz des Dia­kons und Sit­ze der ande­ren lit­ur­gi­schen Dien­ste befin­den sich nicht im Altarraum.

„Was die Anord­nung des Taber­na­kels, des Altars und der übri­gen Ele­men­te (Pres­by­te­ri­um, Sedi­le, Ambo usw.) anbe­langt, muss die dies­be­züg­li­che liturgische
Gesetz­ge­bung eben­so beach­tet wer­den wie die kano­ni­schen Nor­men bezüg­lich der für den Bau von Altä­ren zu ver­wen­den­den Mate­ria­li­en. ((Vgl. Mis­sa­le Roma­num, Insti­tu­tio Gene­ra­lis, 288–294; 295; 296–308; 309; 310; 314–317; c. 1236 CIC)) Ins­be­son­de­re soll der Bischof dafür sor­gen, dass die Sakra­ments­ka­pel­le oder der Taber­na­kel, die mit höch­ster Zier­de gestal­tet sein sol­len, so ange­ord­net sind, dass sie unmit­tel­bar zu sehen sind.“ [Kon­gre­ga­ti­on für die Bischö­fe, Direk­to­ri­um für den Hir­ten­dienst der Bischö­fe vom 22. Febru­ar 2004, Nr, 156, S. 215–216]

  • Prie­ster­sitz [Bischofs­sitz] soll im Schei­tel­punkt des Altar­rau­mes sein, dem Volk zugewandt.
  • Sit­ze für die kon­ze­le­brie­ren­den Prie­ster sowie für Prie­ster, die in Chor­klei­dung der Fei­er bei­woh­nen, ohne zu kon­ze­le­brie­ren, sind im Altar­raum aufzustellen.
  • Der Sitz des Dia­kons hat nahe bei dem des Zele­bran­ten zu stehen.
  • Für die ande­ren lit­ur­gi­schen Dien­ste sind die Sit­ze so anzu­ord­nen, dass sie deut­lich von den Sit­zen des Kle­rus zu unter­schei­den sind und dass die lit­ur­gi­schen Dien­ste die ihnen anver­trau­te Auf­ga­be leicht erfül­len kön­nen. [vgl. GORM Nr. 310]
  • Der Taber­na­kel soll nach dem Urteil des Diö­ze­san­bi­schofs sei­nen Platz finden:
    a) ent­we­der im Altar­raum, nicht auf dem Zele­bra­ti­ons­al­tar, in ange­mes­se­ner Form und an geeig­ne­tem Ort, wobei der alte Altar, der nicht mehr zur Zele­bra­ti­on ver­wen­det wird, nicht aus­ge­schlos­sen ist (vgl. Nr. 303);
    b) oder auch in einer für die pri­va­te Anbe­tung durch die Gläu­bi­gen und für das Gebet geeig­ne­ten Kapel­le, die mit der Kir­che orga­nisch ver­bun­den und für die Gläu­bi­gen sicht­bar sein soll. [vgl. GORM Nr. 315]

„In Ver­bin­dung mit der Bedeu­tung der Auf­be­wah­rung der Eucha­ri­stie sowie der Anbe­tung und Ehr­furcht vor dem Sakra­ment des Opfers Chri­sti hat die Bischofs­syn­ode sich gefragt, wel­ches der ange­mes­se­ne Stand­ort des Taber­na­kels in unse­ren Kir­chen ist. ((Vgl. Pro­po­si­tio 28)) Sei­ne rich­ti­ge Position
hilft näm­lich, die wirk­li­che Gegen­wart Chri­sti im Aller­hei­lig­sten Sakra­ment zu erken­nen. Es ist nötig, daß der Ort, an dem die eucha­ri­sti­schen Gestal­ten auf­be­wahrt wer­den, für jeden, der in die Kir­che ein­tritt, leicht aus­zu­ma­chen ist, nicht zuletzt auch durch das ewi­ge Licht.
Zu die­sem Zweck muß die archi­tek­to­ni­sche Anla­ge des sakra­len Gebäu­des berück­sich­tigt wer­den: In den Kir­chen, in denen kei­ne Sakra­ments­ka­pel­le exi­stiert und der Haupt­al­tar mit dem Taber­na­kel fort­be­steht, ist es zweck­mä­ßig, sich zur Bewah­rung und Anbe­tung der Eucha­ri­stie die­ser Struk­tur zu bedie­nen und zu ver­mei­den, davor den Sitz des Zele­bran­ten aufzustellen.
In den neu­en Kir­chen ist es gut, die Sakra­ments­ka­pel­le in der Nähe des Pres­by­te­ri­ums zu pla­nen; wo das nicht mög­lich ist, soll­te der Taber­na­kel am besten im Pres­by­te­ri­um an einem aus­rei­chend erhöh­ten Ort im Apsis­be­reich auf­ge­stellt wer­den oder an einem ande­ren Punkt, wo er eben­so gut zu sehen ist. Solch umsich­ti­ge Maß­nah­men tra­gen dazu bei, dem Taber­na­kel, der immer auch künst­le­risch sorg­sam gestal­tet wer­den soll­te, Wür­de zu ver­lei­hen. Natür­lich ist es nötig, alles zu berück­sich­ti­gen, was die All­ge­mei­ne Ein­füh­rung in das Römi­sche Meß­buch zu die­sem The­ma sagt. ((Vgl. Nr. 314)) Das letz­te Urteil in die­ser Sache liegt in jedem Fall beim Diö­ze­san­bi­schof.“ [Bene­dikt XVI., Nach­syn­oda­les Apo­sto­li­sches Schrei­ben Sacra­men­tum Cari­ta­tis vom 22. Febru­ar 2007, Nr. 69, S. 91–92]

Ein wei­te­rer Punkt, der hier anzu­füh­ren ist, ist, dass der Taber­na­kel nicht in die Ein­heit der beson­de­ren Ele­men­te des Pres­by­te­ri­ums [Altar, Kru­zi­fix, Ambo und Sitz] ein­be­zo­gen ist.

Die Ele­men­te des Pres­by­te­ri­ums [Altar, Kru­zi­fix, Ambo und Sitz] tre­ten in der der­zei­ti­gen Ent­wurf der Altar­in­sel nicht deut­lich her­vor, son­dern sind von hin­ten kaum sichtbar.

„Eine wich­ti­ge Kom­po­nen­te sakra­ler Kunst ist natür­lich die Archi­tek­tur der Kir­chen ((Vgl. Pro­po­si­tio 27)), in denen die Ein­heit der beson­de­ren Ele­men­te des Pres­by­te­ri­ums – Altar, Kru­zi­fix, Taber­na­kel, Ambo und Sitz – her­vor­tre­ten muß.“ [Bene­dikt XVI., Nach­syn­oda­les Apo­sto­li­sches Schrei­ben Sacra­men­tum Cari­ta­tis vom 22. Febru­ar 2007, Nr. 41, S. 60–61]

Beim der­zei­ti­gen Ent­wurf ist wenig Platz für kon­ze­le­brie­ren­de Prie­ster oder Prie­ster, die in Chor­klei­dung mit­fei­ern. Eben­so ist wenig Platz für die ande­ren lit­ur­gi­schen Dienste.

„In die­sem Zusam­men­hang muß man berück­sich­ti­gen, daß der Zweck der sakra­len Archi­tek­tur dar­in besteht, der Kir­che, wel­che die Glau­bens­ge­heim­nis­se – und spe­zi­ell die Eucha­ri­stie – fei­ert, den am besten geeig­ne­ten Raum für den ange­mes­se­nen Ablauf ihrer lit­ur­gi­schen Hand­lung zu bie­ten.“ ((Vgl. Pro­po­si­tio 27)) [Bene­dikt XVI., Nach­syn­oda­les Apo­sto­li­sches Schrei­ben Sacra­men­tum Cari­ta­tis vom 22. Febru­ar 2007, Nr. 41, S. 60–61]

„Die Ver­samm­lung der Gemein­de an einer gedeck­ten Tafel [an einem gedeck­ten Tisch] ist die Grund­idee der Altar­in­sel.“ [Pro­jekt­be­schrei­bung, Kuehn
Mal­ve­z­zi und Hei­mo Zobernig]

Hin­ter die­ser Grund­idee die in einer äuße­ren Anord­nung lit­ur­gi­scher Orte Gestalt annimmt, steht ein Ver­ständ­nis vom Wesen der Lit­ur­gie als gemein­schaft­li­ches Mahl. Man ist hier im Begriff, den Mahl­cha­rak­ter der Eucha­ri­stie auch archi­tek­to­nisch [Altar­in­sel Mit­ten im Dom] und durch die Anord­nung der Kir­chen­bän­ke für die Gläu­bi­gen zu drei Sei­ten im Quer­schiff und im Längs­schiff zum Aus­druck zu bringen.

Was sagt das II. Vatikanischen Konzil in der Liturgiekonstitution über die Liturgie:

„In der Lit­ur­gie, beson­ders im hei­li­gen Opfer der Eucha­ri­stie, „voll­zieht sich“ „das Werk unse­rer Erlö­sung“ (1), und so trägt sie in höch­stem Maße dazu bei, daß das Leben der Gläu­bi­gen Aus­druck und Offen­ba­rung des Myste­ri­ums Chri­sti und des eigent­li­chen Wesens der wah­ren Kir­che wird, der es eigen ist, zugleich gött­lich und mensch­lich zu sein, sicht­bar und mit unsicht­ba­ren Gütern aus­ge­stat­tet … .“ [SC Nr. 2]

„Mit Recht gilt also die Lit­ur­gie als Voll­zug des Prie­ster­am­tes Jesu Chri­sti; durch sin­nen­fäl­li­ge Zei­chen wird in ihr die Hei­li­gung des Men­schen bezeich­net und in je eige­ner Wei­se bewirkt und vom mysti­schen Leib Jesu Chri­sti, d.h. dem Haupt und den Glie­dern, der gesam­te öffent­li­che Kult voll­zo­gen. Infol­ge­des­sen ist jede lit­ur­gi­sche Fei­er als Werk Chri­sti, des Prie­sters, und sei­nes Lei­bes, der die Kir­che ist, in vor­züg­li­chem Sinn hei­li­ge Hand­lung, deren Wirk­sam­keit kein ande­res Tun der Kir­che an Rang und Maß erreicht.“ [SC Nr. 7]

„Um die­ses gro­ße Werk voll zu ver­wirk­li­chen, ist Chri­stus sei­ner Kir­che immer­dar gegen­wär­tig, beson­ders in den lit­ur­gi­schen Handlungen.
Gegen­wär­tig ist er im Opfer der Mes­se sowohl in der Per­son des­sen, der den prie­ster­li­chen Dienst voll­zieht — denn „der­sel­be bringt das Opfer jetzt dar durch den Dienst der Prie­ster, der sich einst am Kreuz selbst dar­ge­bracht hat“ (20) -, wie vor allem unter den eucha­ri­sti­schen Gestalten.
Gegen­wär­tig ist er mit sei­ner Kraft in den Sakra­men­ten, so daß, wenn immer einer tauft, Chri­stus sel­ber tauft (21).
Gegen­wär­tig ist er in sei­nem Wort, da er selbst spricht, wenn die hei­li­gen Schrif­ten in der Kir­che gele­sen werden.
Gegen­wär­tig ist er schließ­lich, wenn die Kir­che betet und singt, er, der ver­spro­chen hat: „Wo zwei oder drei ver­sam­melt sind in mei­nem Namen, da bin ich mit­ten unter ihnen“ (Mt 18,20).“ [SC Nr. 7]

Die Lit­ur­gie ist der Höhe­punkt, dem das Tun der Kir­che zustrebt, und zugleich die Quel­le, aus der all ihre Kraft strömt. [vgl. SC Nr. 10]

Was ist in Bezug auf die Gebetsrichtung in der Liturgie zu sagen?

Eucha­ri­stie müs­se ver­sus popu­lum (zum Volk hin) zele­briert wer­den, der Altar müs­se – wie es in der nor­ma­ti­ven Gestalt von St. Peter zu sehen sei – so auf­ge­stellt wer­den, dass Prie­ster und Volk sich gegen­sei­tig anblicken und gemein­sam den Kreis der Fei­ern­den bil­den. Nur das ent­spre­che dem Sinn der christ­li­chen Lit­ur­gie, dem Auf­trag akti­ver Betei­li­gung. Nur so ent­spre­che man auch dem Urbild des Letz­ten Abend­mah­les. Die­se Schluss­fol­ge­run­gen erschie­nen schließ­lich so über­zeu­gend, daß nach dem Kon­zil (das sel­ber nicht von der »Wen­dung zum Volk hin« spricht) allent­hal­ben neue Altä­re errich­tet wur­den; die Zele­bra­ti­ons­rich­tung ver­sus popu­lum erscheint heu­te gera­de­zu als die eigent­li­che Frucht der lit­ur­gi­schen Erneue­rung durch das II. Vaticanum.
In der Tat ist sie die sicht­bar­ste Fol­ge von Neu­ge­stal­tung, die nicht nur eine äuße­re Anord­nung lit­ur­gi­scher Orte bedeu­tet, son­dern auch eine neue Idee vom Wesen der Lit­ur­gie als gemein­schaft­li­chem Mahl einschließt.

Der Sinn der römi­schen Basi­li­ka und ihrer Auf­stel­lung des Altars ist damit frei­lich miss­ver­stan­den, und auch die Vor­stel­lung vom Letz­ten Mahl Jesu ist min­de­stens unge­nau. Hören wir dazu Lou­is Bouy­er: »Die Idee, die Fei­er ver­sus popu­lum sei die ursprüng­li­che Form und beson­ders die­je­ni­ge des Letz­ten Abend­mahls gewe­sen, beruht ganz ein­fach auf der irri­gen Vor­stel­lung eines christ­li­chen oder auch nicht­christ­li­chen Gast­mahls im Alter­tum. Nie hat­te der Vor­sit­zen­de der Tafel­ge­sell­schaft in der früh­christ­li­chen Zeit sei­nen Platz den ande­ren Teil­neh­mern gegen­über. Alle saßen oder lagen an der kon­ve­xen Sei­te eines sig­ma- oder huf­ei­sen­för­mi­gen Tisches … Nir­gends im christ­li­chen Alter­tum hät­te die Idee auf­kom­men kön­nen, der Vor­sit­zen­de eines Mahles
müs­se sei­nen Platz ver­sus popu­lum ein­neh­men. Der gemein­schaft­li­che Cha­rak­ter eines Mahls wur­de gera­de durch die gegen­tei­li­ge Anord­nung betont, näm­lich durch die Tat­sa­che, daß alle Teil­neh­mer sich an der­sel­ben Sei­te des Tisches befanden«.

Die­ser Ana­ly­se der »Mahl­ge­stalt« ist nun frei­lich hin­zu­zu­fü­gen, daß die Eucha­ri­stie der Chri­sten mit dem Begriff»Mahl« über­haupt nicht zuläng­lich beschrie­ben wer­den kann. Denn der Herr hat das Neue des christ­li­chen Kul­tes zwar im Rah­men eines jüdi­schen (Pascha-)Mahles gestif­tet, aber nur dies Neue und nicht das Mahl als sol­ches zur Wie­der­ho­lung auf­ge­tra­gen. Das Neue hat sich daher sehr bald aus dem alten Kon­text gelöst und sei­ne ihm gemä­ße, eige­ne Gestalt gefun­den, die zunächst schon dadurch vor­ge­ge­ben war, daß Eucha­ri­stie auf das Kreuz zurück­ver­weist und damit auf die Umwand­lung des Tem­pel­op­fers in den logos­ge­mä­ßen Got­tes­dienst. So ergab es sich nun auch, daß die syn­ago­ga­le Wort­lit­ur­gie, christ­lich erneu­ert und ver­tieft, mit dem Gedächt­nis von Chri­sti Tod und Auf­er­ste­hung zur »Eucha­ri­stie« ver­schmolz und gera­de so die Treue zum Auf­trag »Tut dies« ver­wirk­licht wurde.
Die­se neue Gesamt­ge­stalt war als sol­che nicht ein­fach vom Mahl abzu­lei­ten, son­dern aus dem Zusam­men­hang von Tem­pel und Syn­ago­ge, von Wort und Sakra­ment, von kos­mi­scher und geschicht­li­cher Dimen­si­on zu bestim­men. Sie drückt sich eben in der Form aus, die wir in der lit­ur­gi­schen Struk­tur der frü­hen Kir­chen der semi­ti­schen Chri­sten­heit fan­den. Sie ist selbst­ver­ständ­lich auch für Rom grund­le­gend geblieben.
Pro­fes­sor Cyril­le Vogel hat nach­ge­wie­sen: wenn über­haupt auf etwas Gewicht gelegt wur­de, so dar­auf, daß der Prie­ster das eucha­ri­sti­sche Gebet wie alle ande­ren Gebe­te nach Osten hin gewen­det spre­chen soll­te … Selbst wenn die Ori­en­tie­rung der Kir­che dem Prie­ster erlaub­te, am Altar dem Volk zuge­wen­det zu beten, so dür­fen wir nicht ver­ges­sen, daß nicht der Prie­ster allein sich nach Osten wand­te, son­dern die gan­ze Ver­samm­lung mit ihm« (56).
Die­se Zusam­men­hän­ge waren frei­lich im Kir­chen­bau und im lit­ur­gi­schen Voll­zug der Neu­zeit ver­dun­kelt oder ganz aus dem Bewußt­sein gefal­len. Nur so läßt es sich erklä­ren, daß nun die gemein­sa­me Gebets­rich­tung von Prie­ster und Volk als »Zele­brie­ren zur Wand hin« oder »dem Volk den Rücken zei­gen« eti­ket­tiert wur­de und damit jeden­falls als absurd und völ­lig unan­nehm­bar erschei­nen muß­te. Nur so ist es zu erklä­ren, daß nun das Mahl — noch dazu in neu­zeit­li­chen Bil­dern gedacht — zur nor­ma­ti­ven Idee für die lit­ur­gi­sche Fei­er der Chri­sten wur­de. In Wahr­heit ist damit eine Kle­ri­ka­li­sie­rung ein­ge­tre­ten, wie sie vor­her nie exi­stiert hat­te. Nun wird der Prie­ster – der Vor­ste­her, wie man ihn jetzt lie­ber nennt — zum eigent­li­chen Bezugs­punkt des Gan­zen. Alles kommt auf ihn an. Ihn muß man sehen, an sei­ner Akti­on teil­neh­men, ihm ant­wor­ten; sei­ne Krea­ti­vi­tät trägt das Gan­ze. Ver­ständ­lich, daß man die­se eben erst geschaf­fe­ne Rol­le nun wie­der zu redu­zie­ren ver­sucht, indem man viel­fäl­ti­ge Akti­vi­tä­ten ver­teilt und die »krea­ti­ve« Gestal­tung vor­be­rei­ten­den Grup­pen anver­traut, die vor allem »sich selbst ein­brin­gen« wol­len und sol­len. Immer weni­ger steht Gott im Blick­feld, immer wichtiger
wird alles, was die Men­schen tun, die sich hier tref­fen und schon gar nicht sich einem »vor­ge­ge­be­nen Sche­ma« unter­wer­fen wol­len. Die Wen­dung des Prie­sters zum Volk formt nun die Gemein­de zu einem in sich geschlos­se­nen Kreis. Sie ist — von der Gestalt her — nicht mehr nach vor­ne und oben auf­ge­bro­chen, son­dern schließt sich in sich sel­ber. Die gemein­sa­me Wen­dung nach Osten war nicht »Zele­bra­ti­on zur Wand«, bedeu­te­te nicht, daß der Prie­ster »dem Volk den Rücken zeigt«: So wich­tig war er gar nicht­ge­nom­men. Denn wie man in der Syn­ago­ge gemein­sam nach Jeru­sa­lem blick­te, so hier gemein­sam »zum Herrn hin«. Es han­del­te sich — wie es einer der Väter der Lit­ur­gie­kon­sti­tu­ti­on des II. Vati­can­ums, J.A. Jung­mann, aus­drück­te — viel­mehr um Gleich­rich­tung von Prie­ster und Volk, die sich gemein­sam in der Pro­zes­si­on zum Herrn hin wuß­ten. Sie schlie­ßen sich nicht zum Kreis, schau­en sich nicht gegen­sei­tig an, son­dern sind als wan­dern­des Got­tes­volk im Auf­bruch zum Ori­ens, zum kom­men­den Chri­stus, der uns ent­ge­gen­geht.“ [Josef Kar­di­nal Ratz­in­ger, Der Geist der Lit­ur­gie, Eine Einführung]

„Was schließ­lich die Zele­bra­ti­ons­rich­tung des Prie­sters in der hei­li­gen Mes­se betrifft, ist davon in der Lit­ur­gie­kon­sti­tu­ti­on nichts zu fin­den. Noch wäh­rend des Kon­zils hat zwar die Riten­kon­gre­ga­ti­on in der Instruk­ti­on Inter oecu­me­ni­cis die Zele­bra­ti­on ver­sus popu­lum ermög­licht, sie aber nicht im stren­gen Sinn vor­ge­schrie­ben; sie hat viel­mehr betont, die cele­bra­tio ver­sus ori­en­tem, bezie­hungs­wei­se ver­sus apsi­dem, ent­spre­che ganz dem Geist der zu erneu­ern­den Mess­lit­ur­gie, sofern sie auf das eucha­ri­sti­sche Hoch­ge­bet beschränkt bleibe.
Die Riten­kon­gre­ga­ti­on hat damit an die alte, bis in die apo­sto­li­sche Zeit zurück­rei­chen­de Tra­di­ti­on der christ­li­chen Gebets­rich­tung nach Osten, nach dem ori­ens erin­nert.“ [Papst Bene­dikt XVI. und sein Schü­ler­kreis, Kar­di­nal Kurt Koch. Das Zwei­te Vati­ka­ni­sche Kon­zil; Die Her­me­neu­tik der Reform, S. 75]

Text: Euro­päi­sche Bür­ger­initia­ti­ven zum Schutz des Lebens und der Menschenwürde
Bild: nachrichten.at (Screen­shot)

8 Kommentare

  1. Der „zeit­ge­mä­sse“ Ent­stel­lungs­wahn scheint kei­ne Gren­zen zu ken­nen; nicht nur optisch soll die röm. katho­li­sche Iden­ti­tät auf „öku­me­ni­schen“ Wild­wuchs gleich­sam run­ter­ge­bro­chen wer­den; nein, dadurch soll auch eine Her­un­ter­de­kli­nie­rung des Glau­bens nicht nur sug­ge­riert son­dern ganz „dem Zeit­ge­fühl“ ent­spre­chend auch umge­setzt werden.

    Ein dazu pas­sen­des Zitat:
    -
    „Der Volks­al­tar ist ein Zei­chen ver­än­der­ten Betens und er bewirkt dies auch; 
    er ist ein 
    Zei­chen ver­än­der­ten Glaubens 
    und er bewirkt auch eine Ver­än­de­rung des Glaubens“ 
    -
    (Aus „St. Atha­na­si­us Bote“ Dezem­ber 2014) 

  2. Es wird Zeit, dass der Kir­che der Geld­hahn durch die Kir­chen­steu­er zuge­dreht wird; dann wer­den den Ver­ant­wort­li­chen sol­che Flau­sen von allei­ne ver­ge­hen, weil sie erst Mal ums nack­te Über­le­ben kämp­fen müssen!
    Not wird dann auch wie­der Beten lehren!

  3. Im Trend der Zeit : Ver­schan­de­lung des Altar­rau­mes, Entsa­kra­li­sie­rung des Kir­chen­rau­mes zu
    einem rei­nen Ver­samm­lungs­ort. Die­se Ent­seel­ten, meist auch schmuck­lo­sen Räu­me, bewirken
    so das Frie­ren der See­len und tra­gen so dazu bei, dass eine Andacht erst nicht auf­kommt. Den
    Gestal­tun­gen lie­gen oft pro­fa­ne Ansich­ten zugrun­de, die durch moder­ne Archi­tek­ten, Laiengre-
    mien, Prie­ster und Bischö­fe vor­ge­ge­ben wer­den. Die Hl.Messe wird als eine gemeinschaftliche
    Mahl­fei­er gese­hen und der Opfer­cha­rak­ter soll zurück gedrängt wer­den. Hier spielt auch der
    Nicht­glau­ben an die Real­prä­senz Jesu eine Rol­le. Das Gebets­haus wird so mög­li­cher­wei­se zu
    einer Räu­ber­höh­le gemacht…Der all­ge­mei­ne Nie­der­gang im Glau­ben hat inzwi­schen alle Berei-
    che der Kir­che erreicht, ange­fan­gen vom Lai­en bis in die Spit­zen der Kir­chen­lei­tung. Daher ist
    zum Bei­spiel die Kom­mu­ni­on an Geschie­de­ne für die­se Refor­mer kein Pro­blem, sie­he Synode.

  4. In Ber­lin steht uns die glei­che Scheuß­lich­keit bevor:
    „Nach den Richt­li­ni­en für Pla­nungs­wett­be­wer­be (RPW 2013) ist vor­ge­se­hen, den Ent­wurf des ersten Preis­trä­gers zu rea­li­sie­ren. Inso­fern ist die Ent­schei­dung der Jury vom Juli 2014 bin­dend, wenn die Kathe­dra­le umge­stal­tet wer­den soll.“
    Ich fürch­te es war kei­ner vom Pla­nungs­bü­ro und kei­ner von der Jury gläu­big, noch wuss­te er etwas über die katho­li­sche Lit­ur­gie. Die Begrün­dung war: „so einen schö­nen All­zweck­raum kön­ne man dann auch bes­ser verkaufen??????“
    Ich sehe uns von zwei Sei­ten in der Wür­ge­zan­ge. Poli­tisch wer­den wir umge­volkt und über den Zwi­schen­stand Isla­mi­sie­rung auf die Eine-Welt-Regie­rung kon­di­tio­niert und kirch­lich wer­den wir auf die Eine-Welt-Reli­gi­on kon­di­tio­niert. Die UN hat da über­all ihre dia­bo­li­schen Fin­ger drin.

    • @bellis
      „Ich sehe uns von zwei Sei­ten in der Wür­ge­zan­ge. Poli­tisch wer­den wir umge­volkt und über den Zwi­schen­stand Isla­mi­sie­rung auf die Eine-Welt-Regie­rung kon­di­tio­niert und kirch­lich wer­den wir auf die Eine-Welt-Reli­gi­on konditioniert.“
      Das sehen sie rich­tig. Bei­des gehört zusam­men denn eine Welt­re­gie­rung kann den abso­lu­ten Wahr­heits­an­spruch unse­res Herrn und Got­tes Jesus Chri­stus über­haupt nicht ver­tra­gen. Ich ver­mu­te mal das der hoch­ge­lob­te Kon­zils­geist nichts ande­res ist als eine Fle­der­maus mit Schür­ze. Auf jedem Fall hat man es heu­te als Katho­lik nicht ein­fach denn die vie­len Gei­ster die die­se Kon­zils­kir­che geschaf­fen hat reden alle den gan­zen Tag von Lie­be und Barm­her­zig­keit und wir sol­len immer auf unser Gewis­sen hören. Wie gesagt es ist nicht ein­fach die Gei­ster zu unterscheiden.
      Per Mari­am ad Christum.

      • Wir brau­chen eine Patro­na Ger­ma­nia anson­sten war es das. Hat­te die Mut­ter Got­tes in Fati­ma nicht von Ver­schwin­den gan­zer Natio­nen gesprochen?
        Deut­sche Katho­li­ken macht eure Augen und Ohren auf und beschäf­tigt euch weni­ger mit dem Zöli­bat eures Prie­sters denn der „hei­li­ge Sexus“ ist eine tau­be Nuß und wird euch mit Sicher­heit nicht ret­ten. Betet den Rosen­kranz so oft es geht.
        Per Mari­am ad Christum.

      • „und kirch­lich wer­den wir auf die Eine-Welt-Reli­gi­on konditioniert.“
        Ja natür­lich. Die Kon­zils­kir­che ist der Antriebs­mo­tor der Eine-Welt-Religion.
        Sie haben jeden Gras­halm in Assi­si breit­ge­tre­ten und dür­fen nicht nach Mek­ka weil sie Ungläu­bi­ge sind. Der Begriff „Ungläu­bi­ge“ ist durch­aus weitergehend.
        Ihr arm­se­li­gen Gestal­ten, ihr wißt ganz genau was für ver­hee­ren­de Fol­gen euer Tun aus­ge­löst hat und des­we­gen könnt ihr nicht mehr zurück. Augen zu und durch. Aber der gerech­te Rich­ter ist unbestechlich.
        Per Mari­am ad Christum.

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