Papst Franziskus und der (noch immer nur) italienische Synodenschlußbericht

(Rom) In der ita­lie­nisch gehal­te­nen Kate­che­se bei der heu­ti­gen Gene­ral­au­di­enz kam Papst Fran­zis­kus auch auf die Bischofs­syn­ode zu spre­chen. Wört­lich sag­te das katho­li­sche Kir­chen­ober­haupt:

„Die Ver­samm­lung der Bischofs­syn­ode, die vor kur­zem zu Ende gegan­gen ist, hat gründ­lich über die Beru­fung und den Auf­trag der Fami­lie im Leben der Kir­che und in der heu­ti­gen Gesell­schaft nach­ge­dacht. Es war ein Ereig­nis der Gna­de. Am Ende haben die Syn­oden­vä­ter mir den Text ihrer Schluß­fol­ge­run­gen über­ge­ben. Ich woll­te, daß die­ser Text ver­öf­fent­licht wird, damit alle an der Arbeit teil­ha­ben kön­nen, die uns gemein­sam für zwei Jah­re im Ein­satz sah. Das ist nicht der Augen­blick, um die­se Schluß­fol­ge­run­gen zu prü­fen, über die ich selbst nach­den­ken muß. Unter­des­sen bleibt das Leben aber nicht ste­hen, vor allem das Leben der Fami­li­en bleibt nicht ste­hen.“

Damit lei­te­te der Papst zur Kate­che­se über.

Erstaunlicher Verweis auf den Synodenschlußbericht

Papst Franziskus
Papst Fran­zis­kus bei der heu­ti­gen Gene­ral­au­di­enz in Rom

Der Ver­weis des Pap­stes, er habe gewollt, daß der Schluß­be­richt der Syn­ode, die Rela­tio fina­lis, ver­öf­fent­licht wird, erstaunt. Nicht ein­mal im ita­lie­ni­schen Text der Kate­che­se, ver­öf­fent­licht auf der offi­zi­el­len Inter­net­sei­te des Hei­li­gen Stuhls, wird auf den Schluß­be­richt ver­linkt, son­dern nur auf eine all­ge­mei­ne Sei­te mit den päpst­li­chen Anspra­chen zur Syn­ode. In der eng­li­schen Kurz­fas­sung der Kate­che­se wird eben­falls auf die­se all­ge­mei­ne Sei­te ver­linkt und in der deut­schen Kurz­fas­sung nir­gend­wo­hin.

Der am 24. Okto­ber beschlos­se­ne Schluß­be­richt der Syn­ode liegt bis zum heu­ti­gen Tag nur in ita­lie­ni­scher Fas­sung vor. Die Schluß­an­spra­che des Pap­stes vom sel­ben Tag und die Pre­digt des Pap­stes zur Abschluß­mes­se am 25. Okto­ber wur­den noch am sel­ben Tag in ver­schie­de­nen Spra­chen publi­ziert.

Es dürf­te daher den vom Papst genann­ten „Allen“ schwer­fal­len, „an der Arbeit teil­ha­ben“ zu kön­nen. Das zustän­di­ge, direkt dem Papst unter­ste­hen­de Gene­ral­se­kre­ta­ri­at der Syn­ode zeigt kein Inter­es­se an Über­set­zun­gen.

Zweifel, daß alle Synodenväter den Schlußbericht verstanden haben

Die Tat­sa­che, daß der Schluß­be­richt einer Syn­ode der Welt­kir­che den Syn­oden­vä­tern am 24. Okto­ber nur in ita­lie­ni­scher Spra­che vor­ge­legt wur­de, hat­te für eini­ge Irri­ta­ti­on gesorgt. Die ita­lie­ni­sche Spra­che gilt zwar de fac­to in der Kir­che als inof­fi­zi­el­le Ver­kehrs­spra­che, besitzt aber kei­nen offi­zi­el­len Sta­tus. Sie ist eine Volks­spra­che neben vie­len ande­ren. Es bestehen Zwei­fel, ob alle Syn­oden­vä­ter über aus­rei­chend Ita­lie­nisch­kennt­nis­se ver­fügt haben, um den Schluß­be­richt tat­säch­lich in sei­ner gan­zen Bedeu­tung erfas­sen zu kön­nen.

Weiß der Papst nicht, daß der Bericht nur in ita­lie­nisch vor­liegt? Wer ent­schei­det die Über­set­zun­gen? War­um wur­den die Syn­oden­vä­ter nicht in die Lage ver­setzt, den Schluß­be­richt, über den sie abzu­stim­men hat­ten, wirk­lich und sicher ver­ste­hen zu kön­nen? War­um wer­den die Gläu­bi­gen und die Öffent­lich­keit nicht in die Lage ver­setzt, den Schluß­be­richt wirk­lich lesen und ver­ste­hen zu kön­nen?

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: vatican.va

2 Kommentare

  1. Ob es womög­lich auch auf Tei­le des Schluss­be­rich­tes zutref­fend sein dürf­te, wovor Bischof Paul Wil­helm von Kepp­ler gewarnt hat ?:
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    „Allen „moder­nen“ Reform­be­stre­bun­gen (ich kann die katho­li­schen nicht aus­neh­men) ist gemein­sam 
    eine gro­ße Ver­schwom­men­heit aller Begrif­fe und Zie­le, eine erstaun­li­che Unklar­heit über das eige­ne Wol­len und Kön­nen, ein plan­lo­ses Her­um­fah­ren im Nebel.
    Dar­in liegt ihre Schwä­che, aber auch ihre Gefahr für die vie­len Unrei­fen und Urteils­lo­sen.
    [.…]
    Ein untrüg­li­ches Sym­ptom fal­scher Reform­be­stre­bun­gen ist es daher, wenn die­sel­ben nicht im Namen des Hei­li­gen Gei­stes, son­dern im Namen des „Gei­stes der Zeit“ ans Werk gehen.“
    -

  2. Obwohl es an und für sich ein Armuts­zeug­nis dar­stellt, davon aus­ge­hen zu müs­sen, dass unse­re hoch­ge­bil­de­ten „Syn­oden­vä­ter“ der ita­lie­ni­schen Spra­che nicht hin­rei­chend mäch­tig zu sein schei­nen, das ver­stan­den zu haben, wor­über sie abge­stimmt haben, deu­tet doch allein die not­wen­di­ge Auf­tei­lung in ver­schie­de­ne Sprach­grup­pen dar­auf hin, dass es mit dem „Ita­lie­nisch“ bei vie­len lei­der nicht all­zu­weit her ist.
    Inso­fern hät­te es einem Min­dest­maß an Sorg­falts­pflicht ent­spro­chen, den Text in den Spra­chen der Sprach­grup­pen zur Abstim­mung vor­zu­le­gen und auch zu ver­öf­fent­li­chen. Das ist den Ver­ant­wort­li­chen wohl bewusst, jedoch von Anfang an so nicht gewollt. Von einem latei­ni­schen Refe­renz­text wagt man ja ohne­hin nur mehr zu träu­men. Ich unter­stel­le, daß im Vati­kan genü­gend Kapa­zi­tä­ten für eine kor­rek­te Über­set­zungs­lei­stung vor­han­den sind, aber ein­fach nicht genutzt wer­den bzw. bewusst über­gan­gen wer­den.

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