Das Ergebnis der Familiensynode VII – Das Ratzinger-Schönborn-Essen

Mittagessen im Kloster?
Mit­tag­essen im Kloster?

(Rom) Die Tages­zei­tung La Repub­bli­ca ver­öf­fent­lich­te in ihrer heu­ti­gen Aus­ga­be eini­ge Hin­ter­grün­de und Details über das Zustan­de­kom­men von Schluß­be­richt und Zwei-Drit­tel-Mehr­heit. Damit stellt nach dem bür­ger­li­chen Medi­en­flagg­schiff Cor­rie­re del­la Sera auch des­sen lin­kes Pen­dant La Repub­bli­ca Wiens Erz­bi­schof Kar­di­nal Chri­stoph Schön­born in den Mit­tel­punkt, dem eine nicht genau defi­nier­te ent­schei­den­de Rol­le zuge­schrie­ben wird, daß die Syn­ode letzt­lich nicht doch geschei­tert ist, obwohl alles danach aus­ge­se­hen hat­te. Ein Schei­tern wäre es gewe­sen, wenn die Syn­ode nicht die vom Papst gewünsch­te Grund­rich­tung abge­seg­net hätte.

„Syn­ode: „Wenn nicht der eme­ri­tier­te Papst gewe­sen wäre, wäre die Kata­stro­phe schlim­mer.“ So lau­tet die Schlag­zei­le von La Repub­bli­ca gefolgt vom Satz: „Das Syn­oden­ab­kom­men, das nach einem Mit­tag­essen Ratz­in­ger-Schön­born zustan­de kam. Mül­ler vom Schach­zug über­rascht: dann die Über­ein­kunft mit Kas­per. Der Papst: ‚Anstren­gen­de Arbeit, die vie­le Früch­te tra­gen wird‘.“

Brachte Mittagessen mit Benedikt XVI. die Wende?

Repub­bli­ca-Vati­ka­nist Mar­co Ansal­do schreibt dem öster­rei­chi­schen Pur­pur­trä­ger und dem eme­ri­tier­ten Papst Bene­dikt XVI. die schließ­lich beschlos­se­ne Über­ein­kunft zu, die die Syn­ode vor dem „Schei­tern“ geret­tet habe. Papst Bene­dikt XVI. habe sich über den Gang der Syn­oden­ar­beit genau infor­mie­ren las­sen. Die Syn­ode habe sich zwi­schen den Kas­pe­ria­nern und den Ver­tei­di­gern der Ehe- und Moral­leh­re in einer Sack­gas­se befunden.

Da sei es zu einem Mit­tag­essen im Klo­ster Mater Eccle­siae zwi­schen Bene­dikt XVI. und Kar­di­nal Chri­stoph Schön­born gekom­men. Ein Mit­tag­essen, das der Wie­ner Erz­bi­schof gewünscht habe, wie es in Rom heißt. Der von Schön­born zustan­de gebrach­te Kom­pro­miß­text des Cir­cu­lus Ger­ma­ni­cus wur­de mit Abstri­chen zum Vor­bild für den Schluß­be­richt der Syn­ode. Das Ziel lau­te­te, doch noch einen „gemein­sa­men Punkt zwi­schen Refor­mern und Kon­ser­va­ti­ven vor der Schluß­ab­stim­mung“ zu fin­den, so La Repub­bli­ca.

Bereits im zwei­ten Absatz wird die eigent­li­che Kat­ze aus dem Sack gelas­sen. Die wirk­li­che Bot­schaft der Bericht­erstat­tung die­ser bedeu­ten­den Medi­en lau­tet: der „jun­ge Erz­bi­schof von Wien, der für vie­le als Papa­bi­le in einem künf­ti­gen Kon­kla­ve gilt“.

Doch zurück zum Syn­oden­schluß­be­richt: Das Mit­tag­essen Schön­born-Bene­dikt XVI. habe eini­ge Tage vor dem ver­gan­ge­nen Sams­tag statt­ge­fun­den und wur­de unter „Höf­lich­keits­be­su­chen“ ehe­ma­li­ger Ratz­in­ger-Schü­ler ver­bucht. Der 2013 zurück­ge­tre­te­ne deut­sche Papst tue sich beim Gehen schwer, doch sein Kopf funk­tio­nie­re noch ein­wand­frei, so Ansal­do. Er habe „auf­merk­sam – aus der Fer­ne – die Pha­sen der Syn­oden­de­bat­te mitverfolgt“.

Der „Anfüh­rer der Kon­ser­va­ti­ven“ sei Glau­bens­prä­fekt Ger­hard Kar­di­nal Mül­ler, der die Gesam­mel­ten Wer­ke des deut­schen Pap­stes als Her­aus­ge­ber betreut. Mehr weiß Ansal­do nicht zu berich­ten. Die Ableh­nung der zen­tra­len Stel­le des Schluß­do­ku­ments wäre aber, das steht fest, einer Gefolg­schafts­ver­wei­ge­rung gleich­ge­kom­men, eine öffent­li­che Bla­ma­ge für Papst Fran­zis­kus, die ihn zu einer Art Lame Duck der katho­li­schen Kir­che gemacht hät­te. In die­ser Situa­ti­on, so legt es Ansal­do nahe, habe Schön­born als Aus­weg aus der Sack­gas­se den Gang zu Bene­dikt XVI. angetreten.

Schlußbericht „nicht ohne Konflikte“, doch schließlich reichte Kardinal Müller die Hand

Auch das schreibt Repub­bli­ca nicht expi­zit, legt aber nahe, daß umge­kehrt das plötz­li­che Ein­len­ken von Glau­bens­prä­fekt Mül­ler irgend­wie auf Bene­dikt XVI. zurückgehe.

Daß Mül­ler „am Ende den Pro­gres­si­sten Schön­born, Marx und Kas­per die Hand reich­te“, wer­de von man­chen als Wunsch inter­pre­tiert, die Syn­ode nicht zu spal­ten und damit den von Papst Fran­zis­kus gewünsch­ten Schub zurück­zu­wei­sen, so Ansal­do. Mül­lers plötz­li­ches Ein­len­ken „war eine gro­ße Über­ra­schung“, zitiert Ansal­do pro­gres­si­sti­sche Syn­oden­krei­se. Der Schluß­be­richt „ging nicht ohne Kon­flikt durch, fand aber am Ende eine gemein­sa­me Basis“, zitiert Repub­bli­ca.

In der schwie­ri­gen und mühe­vol­len Schluß­pha­se der Ver­hand­lun­gen habe Kar­di­nal Kas­per die Sum­ma des hei­li­gen Tho­mas von Aquin zitiert, wo die­ser zur pru­den­tia mah­ne. Und statt des Wor­tes „Kom­mu­ni­on“ fand das Wort „Unter­schei­dung“ Ein­gang in das Papier. Ein Reiz­wort für Kar­di­nal Mül­ler ver­schwand und ein Wort, das dem Jesui­ten auf dem Papst­thron beson­ders wich­tig ist, hielt Ein­zug. Mül­ler akzep­tier­te am näch­sten Mor­gen den von den Pro­gres­si­ven vor­ge­schla­ge­nen Kompromiß.

„Es war ein Wunder“

„Es war ein Wun­der“, kom­men­tier­te der pro­gres­si­ve Pater Tho­mas Rosi­ca, Assi­stent von Vati­kan­spre­cher Lom­bar­di für die eng­lisch­spra­chi­ge Pres­se, denn nur wegen einer ein­zi­gen Stim­me erreich­te der Para­graph zu den wie­der­ver­hei­ra­te­ten Geschie­de­nen die nöti­ge Mehr­heit. Letzt­lich die Stim­me Mül­lers, wenn man es so sehen will. Damit konn­te auch das The­ma wie­der­ver­hei­ra­te­te Geschie­de­nen offi­zi­ell von der Syn­ode dem Papst über­ge­ben wer­den, der nun die Mög­lich­keit hat, dazu zu ent­schei­den. Hät­te die Syn­ode genau die­sen Punkt abge­lehnt, um den sich zwei Jah­re die gan­ze Syn­ode dreh­te, wäre es für den Papst schwie­rig geworden.

„Der Papst war gestern sicht­lich zufrie­den“, so La Repub­bli­ca. In der Schluß­mes­se im Peters­dom dank­te der Papst den „Syn­oden­brü­dern“ und mein­te: Die Syn­ode „war anstren­gend, aber sie wird sicher viel Frucht brin­gen“. Gleich­zei­tig maß­re­gel­te er erneut Katho­li­ken, die „aus­gren­zen“ woll­ten und denen ande­re, die nicht ihrem Bild ent­spre­chen, „lästig sind“. Doch nun sei die „Zeit der Barm­her­zig­keit“ und nicht der „Ver­ur­tei­lun­gen“.

Text: Giu­sep­pe Nardi
Bild: MiL

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