Die Synode der „Verschwörer“, die am hellichten Tag handeln

Kardinal George Pell
Kar­di­nal Geor­ge Pell

(Rom) Einer der angeb­li­chen „Ver­schwö­rer“, der kei­ner ist, ist Kar­di­nal Timo­thy Dolan, der Erz­bi­schof von New York, einer der drei­zehn Kar­di­nä­le, die den Beschwer­de­brief an Papst Fran­zis­kus unter­zeich­net haben. Der Kar­di­nal erfüllt viel­mehr die Kri­te­ri­en jener vom Papst gefor­der­ten Par­r­he­sia, jener Rede­frei­heit, die der New Yor­ker Erz­bi­schof für sich in Anspruch nimmt. Hat das Beschwer­de­schrei­ben posi­ti­ve Aus­wir­kun­gen gehabt?Vor einer Woche brach durch die Ver­öf­fent­li­chung des Beschwer­de­brie­fes der drei­zehn Kar­di­nä­le an den Papst ein Sturm los. Die Syn­oden- und Medi­en­ver­ant­wort­li­chen des Vati­kans, die den Infor­ma­ti­ons­fluß mehr von San­ta Mar­ta als vom Apo­sto­li­schen Palast aus len­ken, schür­ten die Angrif­fe dabei nicht so sehr gegen den Vati­ka­ni­sten San­dro Magi­ster, son­dern ziem­lich unver­hoh­len gegen die drei­zehn Synodenväter.

Dabei han­delt es sich um Kir­chen­ver­tre­ter ersten Ran­ges, dar­un­ter die Erz­bi­schö­fe von Toron­to, New York, Hou­ston, Cara­cas, Bolo­gna, Utrecht, Nai­ro­bi und Dur­ban. Hin­zu kom­men mit den Kar­di­nä­len Mül­ler, Pell und Sarah drei Prä­fek­ten der Römi­schen Kurie, die selbst zuvor Diö­ze­san­bi­schö­fe von Regens­burg, Syd­ney und Kona­kry waren.

Mediale Aggression gegen die dreizehn Kardinäle

„Die media­le Aggres­si­on gegen die­se höch­ste und ein­stim­mig sich äußern­de Ver­tre­tung der Welt­hier­ar­chie, die beschul­digt wird, und das schon vor Bekannt­wer­den des Brie­fes, sich gegen den Papst ‚ver­schwo­ren‘ zu haben“, füge zu den im Brief auf­ge­wor­fe­nen Fra­gen noch eine wei­te­re unge­lö­ste Fra­ge hin­zu: die Infor­ma­ti­ons­po­li­tik des Vati­kans zur Syn­ode, so der Vati­ka­nist San­dro Magister.

Trotz der har­ten und ver­zer­ren­den Reak­tio­nen sei der Brief der Drei­zehn nicht ohne Wir­kung geblie­ben. Eine ver­nehm­ba­re Wir­kung erziel­te er aller­dings erst nach sei­ner Ver­öf­fent­li­chung. Damit erst wur­den der Inhalt und das Vor­han­den­sein eines brei­ten Unbe­ha­gens und eines sich orga­ni­sie­ren­den Wider­spruchs bekannt. Vie­le Syn­oden­vä­ter erfuh­ren erst jetzt davon und etli­che erkann­ten sich in der Kri­tik wie­der. Das ermög­licht grö­ße­ren Gegen­druck zum Druck der Syn­oden­lei­tung aus­zu­üben. Ein Gegen­druck, der ande­re, bes­se­re Ant­wor­ten auf die im Schrei­ben auf­ge­wor­fe­nen Fra­gen for­dert, als jene, die bis­her gege­ben wurden.

Die Auswirkungen des Schreibens

Die unmit­tel­ba­re Reak­ti­on von Papst Fran­zis­kus, gleich am Mor­gen nach der Über­rei­chung des Brie­fes, war es, den Unter­zeich­nern, ohne sie oder den Brief zu erwäh­nen, der „Ver­schwö­rung“ zu bezich­ti­gen. Dazu die Ermah­nung an die ande­ren Syn­oden­vä­ter, sich die „kon­spi­ra­ti­ve Her­me­neu­tik“ nicht zu eigen zu machen.

Am 12. Okto­ber ver­öf­fent­lich­te Magi­ster das Schrei­ben. Der US-Vati­ka­nist John Allen von Crux berich­te­te über ein Gespräch am 16. Okto­ber mit Kar­di­nal Pell, dem Über­brin­ger des Brie­fes. Dar­in nennt Pell erste posi­ti­ve Auswirkungen:

„Unter ande­rem sag­te Pell, daß der ita­lie­ni­sche Kar­di­nal Loren­zo Bal­dis­se­ri, Gene­ral­se­kre­tär der Syn­ode, in der Syn­ode­nau­la erklär­te, daß die Abstim­mung über das Schluß­do­ku­ment ‚Para­graph für Para­graph‘ erfolgt“. Damit wer­de der Wil­len der Syn­oden­vä­ter zu den ein­zel­nen Punk­ten sicht­bar. Im Schrei­ben hat­ten die Kar­di­nä­le die Befürch­tung geäu­ßert, die Syn­oden­vä­ter könn­ten am Ende nur im Block auf das gan­ze Schluß­do­ku­ment abstimmen.

Zudem sag­te Pell, „daß die Mit­glie­der des Redak­ti­ons­ko­mi­tees des Schluß­do­ku­ments fei­er­lich ver­spro­chen haben, daß sie dem Inhalt der Syn­oden­dis­kus­sio­nen treu sein und den Text nicht dazu gebrau­chen wer­den, ihre eige­nen Sicht­wei­sen zu fördern.“

Knackpunkt Redaktionskomitee

Die Zusam­men­set­zung des Redak­ti­ons­ko­mi­tees, das nicht gewählt, son­dern von Papst Fran­zis­kus im Allein­gang ernannt wur­de, wird „von vie­len Syn­oden­vä­tern“ nach wie vor als unzu­rei­chend gese­hen. Vie­le Syn­oda­len erin­nern sich „noch an die Täu­schun­gen, die bei der Syn­ode 2014 statt­fan­den“, so Magi­ster. Die Ver­tre­ter der „neu­en Barm­her­zig­keit“ haben im Redak­ti­ons­ko­mi­tee eine erdrücken­de Mehr­heit. Bei den mei­sten han­delt es sich zudem um per­sön­li­che Ver­trau­te des Papstes.

„Fest­steht, daß die Mit­glie­der des Redak­ti­ons­ko­mi­tees heu­te wis­sen, daß ihre Arbeit viel genau­er beob­ach­tet wird, und das gera­de dank des Alarm­rufs, der von dem Schrei­ben der drei­zehn Kar­di­nä­le aus­ging“, so Magister.

Was die Ver­öf­fent­li­chung oder Nicht­ver­öf­fent­li­chung des Schluß­do­ku­ments anbe­langt, wor­über die Ent­schei­dung dem Papst zukommt, rech­net Kar­di­nal Pell mit einer Ver­öf­fent­li­chung, schon allein des­halb, „weil es ohne­hin durch­sickern würde“.

Der aus Austra­li­en stam­men­de Kar­di­nal macht deut­lich, daß die beschwer­de­füh­ren­den Kar­di­nä­le Trans­pa­renz wol­len. Grund anzu­neh­men, daß sie vom Gegen­teil nichts Gutes erwarten.

Kardinal Dolan: Zuerst kommt Gottes Willen, „viel, viel später“ erst „pastoraler Realismus und Mitleid“

Kardinal Dolan
Kar­di­nal Timo­thy Dolan

Kar­di­nal Pell war der Initia­tor des Beschwer­de­schrei­bens. Dabei fand er, wie inzwi­schen bekannt, sofort die Unter­stüt­zung von Kar­di­nal Dolan. Auf den ersten Blick nicht unbe­dingt eine Selbst­ver­ständ­lich­keit: Die nord­ame­ri­ka­ni­schen Kar­di­nä­le, dar­un­ter auch Dolan, waren es, die letzt­lich den Weg für die Wahl von Jor­ge Mario Ber­go­glio zum Papst freimachten.

Die Diö­ze­san­bi­schö­fe unter den Nord­ame­ri­ka­nern bemüh­ten sich bereits im Vor­kon­kla­ve kom­pakt auf­zu­tre­ten. Schnell nah­men sie sich selbst aus dem Ren­nen und erklär­ten, die Wahl eines US-Ame­ri­ka­ners sei der Kir­che wohl nicht dien­lich. Davon war nicht nur Dolan selbst betrof­fen, der als Spre­cher der Nord­ame­ri­ka­ner auf­trat, son­dern indi­rekt auch der aus den USA stam­men­de Kuri­en­kar­di­nal Ray­mond Bur­ke. Bei­de gal­ten als „Papa­bi­li“, zu denen übri­gens auch Kar­di­nal Pell gehör­te (sie­he Wie das Kon­kla­ve ablief – Dolan neu­er star­ker Mann? – Eine erste Rekon­struk­ti­on gegen fal­sche Mythen­bil­dun­gen).

An die­ser Stel­le kann nicht näher auf die Hin­ter­grün­de die­ser nord­ame­ri­ka­ni­schen Wei­chen­stel­lung 2013 ein­ge­gan­gen wer­den und dar­auf, ob Kar­di­nä­le wie Dolan ihre Hoff­nun­gen erfüllt sehen oder viel­leicht doch nicht. Die Vor­ge­hens­wei­se des New Yor­ker Erz­bi­schofs, mit einer gewohnt hohen Medi­en­prä­senz, ent­spricht in der Syn­ode nicht dem, was man in Euro­pa von Erz­bi­schö­fen und Kar­di­nä­len gewohnt ist. In der Syn­ode­nau­la sag­te er ohne Wenn und Aber, daß es zu Ehe und Fami­lie „unse­re Pflicht ist, Jesus nach­zu­fol­gen im Ermah­nen und Wie­der­her­stel­len des­sen, was schon ‘am Anfang’ die Absicht des Vaters war“. Dem­ge­gen­über kämen „pasto­ra­ler Rea­lis­mus und Mit­leid“ erst spä­ter, viel später.

Verwirrung und Chaos „Teil der Ignatianischen Spiritualität“?

Als sich auch Dolan uner­war­tet im Medi­en­sturm rund um den Beschwer­de­brief wie­der­fand, erschrak er nicht und ver­such­te sich auch nicht durch eine hal­be Bestä­ti­gung und ein hal­bes Demen­ti in Detail­fra­gen dem als suspekt emp­fun­de­nen ver­öf­fent­lich­ten Raum zu ent­zie­hen, son­dern sprach gelas­sen von „einem Sturm im Was­ser­glas“. Ohne Zau­dern und ohne Scheu bestä­tig­te er, das Papier unter­zeich­net zu haben. „Immer vor­wärts, nie zurück“, wie Mat­tia Fer­ra­re­si Kar­di­nal Dolan in der Tages­zei­tung Il Foglio vor zwei Tagen beschreibt.

In einem Gespräch mit Crux ließ Kar­di­nal Dolan durch­blicken, wie er sich das Den­ken und Han­deln von Papst Fran­zis­kus zu erklä­ren scheint: „Mir scheint, daß das für Fran­zis­kus, und jene die ihn bes­ser ken­nen als ich, bestä­ti­gen es mir, Teil der Igna­tia­ni­schen Spi­ri­tua­li­tät sei: die Ver­wir­rung, das Cha­os, die Fra­gen sind eine gute Sache“, wäh­rend die „vor­her­seh­ba­ren und sehr struk­tu­rier­ten“ Din­ge als ein mög­li­ches „Hin­der­nis für das Wir­ken der Gna­den“ gese­hen werden.

Text: Giu­sep­pe Nardi
Bild: Wikicommons/MiL

15 Kommentare

  1. Die Wahr­heit kommt an den Tag. Nach der Anspra­che von Fran­zis­kus bei der 50 Jahr-Fei­er des
    II.Vatikanischen Kon­zils, sind die Befürch­tun­gen ver­stärkt wor­den, der Papst wol­le eine ande­re, ei-
    ne syn­oda­le Kir­che, auf der Ebe­ne der Bischof­kon­fe­ren­zen. Das wür­de bedeu­ten, das Papsttum
    wür­de sei­ne eige­nen Kom­pe­ten­zen beschnei­den, das Papst­amt wäre prak­tisch macht­los und wür-
    de nur in den Bischof­kon­fe­ren­zen bestehen. Das wäre eine Ent­wick­lung, wie bei den Protestanten
    die kei­ne Ein­heit im Glau­ben ken­nen. Des­halb kann der Beschwer­de­brief der 13 Kar­di­nä­le nicht
    hoch genug ein­ge­schätzt wer­den und man muss sich nicht wun­dern, dass die Wogen so hoch gehen und die Wel­len sich überschlagen.

  2. Bleibt zu hof­fen, dass die­sen Drei­zehn wirk­lich klar ist, was die Stun­de der Kir­chen­ge­schich­te geschla­gen hat. Ber­go­glio hat mit der fre­chen Ankün­di­gung der Abschaf­fung des Papst­am­tes im Namen einer „Voll­endung“ des Kon­zils die Mas­ke end­gül­tig fal­len las­sen. Jedem muss nun bewusst sein: auf die­ser Syn­ode ent­schei­det sich nichts weni­ger als die Zukunft der katho­li­schen Kir­che. Wenn es Ber­go­glio gelingt, die Syn­oden­vä­ter mehr­heit­lich ein­zu­wickeln, den Sieg ohne offe­nen Wider­stand, ohne Schis­ma davon­zu­tra­gen, dann gibt es für ihn kein hal­ten mehr. Dann wird er die Kir­che end­gül­tig zer­stö­ren und auf­lö­sen. Die wah­re Kir­che Jesu Chri­sti wird dann nur noch in Kata­kom­ben über­le­ben kön­nen, soweit dies die moder­nen Über­wa­chungs­mit­tel über­haupt zulas­sen. Auch die Zeit, da die FSSPX ein Reser­vat bil­den konn­te, wo sie weit­ge­hend unbe­hel­ligt ihre Spi­ri­tua­li­tät leben konn­te, wird vor­bei sein. Ent­we­der sie läßt sich geräusch­los ins System ein­bin­den und streut den neu­en Göt­tern Weih­rauch oder sie wird aus­ge­merzt wer­den. Die­se Drei­zehn bil­den zusam­men mit allen, die sich auf und um die Syn­ode gegen den Weg der fal­schen Barm­her­zig­keit wen­den eine sta­bi­le, impo­san­te und nicht zu ver­nach­läs­si­gen­de Grö­ße. Es bedarf des ent­schie­de­nen Wil­lens, Ber­go­glio ins Ange­sicht zu wider­ste­hen und sich im Ernst­fall von die­sem radi­kal los­zu­sa­gen. Im Augen­blick wo dies geschieht, ist Ber­go­gli­os Kraft gebro­chen. Geschieht es nicht, dann gna­de uns allen Gott!

    • Sie beschrei­ben genau das, was mir wie ein Schreck­ge­spenst vor Augen steht!

      Und wenn man die­se Schreckens­vi­si­on ernst­nimmt, dann wird man auch mei­ne verw­zei­fel­te Kri­tik an der Schwä­che der 13 Kar­di­nä­le ver­ste­hen. Denn sie sind unüber­seh­bar schwach und nahe­zu sprach­los. Viel zu lan­ge haben sie alle gewar­tet und das böse Spiel mitgespielt.
      Das kann nie­mand über­se­hen. Wären sie stark, wür­den sie anders auf­tre­ten. Die Hoff­nung stirbt zuletzt, aber nie­mand soll­te sich etwas vormachen.

      Wor­auf war­ten die­se Män­ner eigent­lich? Wir haben nur noch weni­ge Tage!

  3. IST das tat­säch­lich Teil der igna­tia­ni­schen Spiritualität?
    Stel­len sich hier Fra­gen, die tief in die Kir­chen­ge­schich­te zurück­rei­chen und offen­ba­ren, dass die böse Saat viel wei­ter zurück­reicht als nur ins 19. Jh?

    • In der Tat.
      Schon Igna­ti­us von Loyo­la starb ver­bit­tert und sag­te: “Mei­ne Brü­der haben mich nicht verstanden.“
      Bereits Ende des 16ten Jahr­hun­derts, also weni­ge Jahr­zehn­te nach der Grün­dung des Ordens, wur­de in Paris eine Jesui­ten­schand­säu­le errich­tet, die an die Königs- und Für­sten­mor­de der Jesui­ten erin­nern soll­te und die Form einer Pyra­mi­de hat­te, dem Sym­bol der Gnosis.

      Die Jesui­ten haben u. a. König Hein­rich III von Frank­reich durch einen Domi­ni­ka­ner­mönch ermor­den las­sen, der bei ihnen Exer­zi­ti­en gemacht hat­te. Auf König Hein­rich IV (Hein­rich von Navar­ra) haben sie ca. 18 Mord­an­schlä­ge ver­übt, der letz­te war erfolg­reich. Die Atten­tä­ter waren meist jun­ge Exer­zi­ti­en­teil­neh­mer, denen die Jesui­ten sug­ge­riert haben, Voll­strecker des gött­li­chen Wil­lens im Kampf gegen das Reich Satans zu sein. Bereits vor der Tat haben sie ihnen die Abso­lu­ti­on für die Tat erteilt. 

      Sogar auf Kai­ser Leo­pold I haben die Jesui­ten einen Mord­an­schlag ver­übt und zwar mit­tels mit Arsen ver­setz­ter Ker­zen, wo der Kai­ser beim Abbren­nen die gif­ti­gen Dämp­fe ein­at­men sollte.

      Als die Jesui­ten auf den por­tu­gie­si­schen König einen Mord­an­schlag ver­übt haben, um des­sen ihnen höri­gen Bru­der auf den Thron zu brin­gen, wur­den alle Jesui­ten in ganz Por­tu­gal zusam­men­ge­karrt, auf Schif­fe ver­bracht und im Kir­chen­staat wie­der abgeladen.

      Der Regen­tin von Frank­reich Katha­ri­na de Medi­ci haben ihre jesui­ti­schen Beicht­vä­ter ein­ge­flü­stert, dass es der Wil­le Got­tes sei, die Huge­not­ten aus­zu­rot­ten. Dar­auf­hin kam es zur Bar­tho­lo­mä­us­nacht, in deren Ver­lauf es in ganz Paris kei­ne Stra­sse mehr gab, die nicht vom Blut gefärbt war.

      100 Jah­re spä­ter haben die jesui­ti­schen Beicht­vä­ter Lud­wigs XIV die­sen dazu gebracht, das Tole­ran­ze­dikt von Nan­tes zu wie­der­ru­fen, sodass es zu neu­en Mas­sa­kern kam, in deren Fol­ge Hun­dert­tau­sen­de Huge­not­ten aus Frank­reich flie­hen mussten.
      Ande­rer­seits haben sie dem König, der ver­hei­ra­tet war, sei­ne zahl­lo­sen Mätres­sen erlaubt und theo­lo­gisch gerecht­fer­tigt, weil er sie anson­sten von der Macht ent­fernt hätte.
      Dass sie Beicht­ge­heim­nis­se syste­ma­tisch zu poli­ti­schen Erpres­sun­gen miss­braucht haben, ver­steht sich von selbst.

      Die Jesui­ten haben immer die Wahr­heit und die Moral der Macht unter­ge­ord­net, gemäss dem ober­sten Prin­zip der Amo­ra­li­tät, der Devi­se „Der Zweck hei­ligt die Mittel“.
      Das ober­ste Prin­zip der Mora­li­tät ist bekannt­lich der kate­go­ri­sche Impe­ra­tiv, das unbe­ding­te Soll der Pflicht, die Form des Sit­ten­ge­set­zes. (Die Mate­rie des Sit­ten­ge­set­zes wären dann die 10 Gebote).

      Die Jesui­ten, das war und ist der alte Adam hin­ter der Mas­ke der Heiligkeit.

      • Augu­sti­nus,
        eine her­vor­ra­gen­de Syn­op­se jesui­ti­scher Ver­bre­chen und Komplotte.
        Papst Cle­mens XIV. fürch­te­te selbst nach der Auf­he­bung die­ses unglück­li­chen Ordens Atten­ta­te durch Jesui­ten und von ihnen aus­ge­schick­te Meu­chel­mör­der und Gift­mi­scher. Die in der Engels­burg inhaf­tier­ten Obe­ren haben selbst in Ker­ker­haft gegen ihn kon­spi­riert. Schließ­lich starb die­ser hei­lig­mä­ßi­ge Papst ganz uner­war­tet. Die­ser Orden schreckt vor nichts zurück und harrt sei­ner end­gül­ti­gen Unterdrückung.

      • Da ist auch ande­res noch sehr dubi­os — zum Bei­spiel der ras­si­sti­che Anti­se­mi­tis­mus des Jesui­ten­or­dens schon Ende des 16. Jh. Die Sta­tu­ten ver­bo­ten den Bei­tritt eines getauf­ten Juden in den Orden. Erst 1946 wur­de das auf­ge­ho­ben. Dem­entspre­chend hat die „Civil­tà cat­to­li­ca“ (eine ita­li­en­si­che Jesui­ten­zeit­schrift, die es auch heu­te noch gibt) übel­ste anti­se­mi­ti­sche Het­ze gegen Ende des 19. Jh betrie­ben die­sel­be immer schlim­mer aus­wuchs. Das ist natür­lich für Athe­isten wie die Gior­da­no-Bru­no-Stif­tung Grudn genug, die katho­li­sche Kir­che in fin­strem Licht zu sehen — teil­wei­se ja zu Recht: http://www.giordano-bruno-stiftung.at/?p=1807

        Auch die Merk­wür­dig­keit, dass es zur Gesell­schaft Jesu kein weib­li­ches gegen­stück geben durf­te, geht auf die Machen­schaf­ten der Jesui­ten zurück, denn Mary Ward mit den „Eng­li­schen Fräu­lein“ hat eigent­lich das Gegen­stück dazu auf­ge­baut. Noch Igna­ti­us bedräng­te Paul III., ein weib­li­ches Orden­spen­dant zu ver­hin­dern — ein ech­tes Unding, denn fast alle Orden hat­ten weib­li­che Zwei­ge in der Kirche.
        Erst Pius X. hat end­gül­tig unter­sagt, dass man Mary Ward so missachtet.

        Aber rich­tig übel ist der Anti­se­mi­tis­mus der Jesui­ten, der ganz offen­kun­dig auch die­je­ni­gen Juden nie­der­mach­te, die längst Chri­sten gewor­den waren — mit ras­si­sti­chen Argu­men­ten im moder­nen Sinn.
        Es waren auch Jesui­ten, die die Frei­mau­rer­pa­ra­noia der Katho­li­ken schür­ten und mit ihrem Anti­se­mi­tis­mus ver­knüpf­ten, ohne dafür auch nur einen Beleg anfüh­ren zu kön­nen — z.B. in dem Mach­werk von Her­mann Pacht­ler SJ aus dem 19. Jh.
        Es ist ja nicht zu über­se­hen, dass ein him­mel­wei­ter Unter­schied besteht zwi­schen der lehr­amt­li­chen Kri­tik und Ver­ur­tei­lung der FM und dem, was sol­che Jesui­ten draus machten.

        Die ein­zel­nen Punk­te, die Sie anfüh­ren, sind umstrit­ten, bzw. wer­den bestrit­ten von pro­je­sui­ti­scher Seite.

      • @ Augu­sti­nus & Zeitschnur
        Dan­ke für die­se Bei­trä­ge! Sie haben mir damit, unab­hän­gig vom hier dis­ku­tier­ten Zusam­men­hang, end­lich eine Erklä­rung gelie­fert, war­um in den pro­te­stan­ti­schen Ver­schwö­rungs­theo­rien die Jesui­ten grund­sätz­lich jene Rol­le spie­len, die in den katho­li­schen Ver­schwö­rungs­theo­rien immer die Frei­mau­rer inne­ha­ben. Anschei­nend gibt es da tat­säch­lich ledig­lich eine Kon­kur­renz im Stre­ben nach einem „irdi­schen (Gottes)reich“, dem alle, auch die ille­gi­ti­men Mit­tel recht sind. Dann ist es ja auch ver­ständ­lich, war­um die­se bei­den Kräf­te inzwi­schen ver­schwo­re­ne „part­ners in crime“ gewor­den sind…

      • Nach­trag @ Augustinus

        Zu mei­nem letz­ten Satz eine Erläu­te­rung. Autoren, die sehr pro­je­sui­tisch argu­men­tie­ren, wie etwas Peter C. Hart­mann, der in der Rei­he C.H.Beck Wis­sen ein klei­nes Buch über die Jesui­ten ver­öf­fent­licht hat, las­sen all die­se Unge­hu­er­lich­kei­ten unter den Tisch fal­len, bzw, deu­ten sie teil­wei­se in ihr blan­kes Gegen­teil um, machen die Jesui­ten zur Avant­gar­de der Kir­che, zu Hel­den, Juden­freun­den, Gerech­tig­keits- und Frau­en­för­de­rern — dabei war das mei­ste Wir­ken doch das Gegen­teil des­sen, wenn­gleich natür­lich ein­zel­ne Jesui­ten auch Gutes taten oder zu Mär­ty­rern wurden.

      • Bez. der Bar­tho­lo­mä­us­nacht sowie der Nie­der­schla­gung des unse­li­gen „Tole­ran­ze­dikts“ und der Rei­ni­gung Frank­reichs von den häre­ti­schen „Huge­not­ten“ haben die Jesui­ten aber eine unbe­streit­bar segens­rei­che Rol­le gespielt. Man darf die­se Akti­vi­tä­ten, die der Kir­che dien­ten, auf kei­nen Fall mit den ande­ren Ver­bre­chen vergleichen!
        Auch der sog. „Anti­se­mi­tis­mus“ der Jesui­ten war bei Lich­te bese­hen ein not­wen­di­ger Anti­zio­nis­mus, der nicht nur damals rich­tig war.

      • Ja, Zeit­schnur, die­ser „Tra­di­ti­ons­treu­er“ lagert den Sio­nis­mus, wirk­lich in das 16.Jahrhundert. Gut dass sie da sind.

      • @ Metho­dus

        …und vor allem kapiert der Tra­di­ti­ons­treue nicht, dass sich der Hass ja v.a. gegen getauf­te Juden, also Chri­sten richtete. 

        Wir haben damit in der kath. Kir­che erst­ma­lig und schon in der frü­hen Neu­zeit einen ech­ten ras­si­sti­schen Anti­se­mi­tis­mus, bevor die Welt ihn für sich ent­deck­te, denn es ging hier NICHT um die Reli­gi­on, son­dern um das „Blut“.
        Und genau das wur­de aber vom Lehr­amt mehr­fach verworfen.

      • Wer aber Mord und Tot­schlag durch Geist­li­che ver­übt als „segens­reich“ ansieht, hat da etwas nicht verstanden…

        Der Segen — ja wo ist er seit­her geblie­ben? Er hat sich durch­aus nie­mals mehr ein­stel­len wol­len nach die­sen Schandtaten!

        Und seht doch, wo wir heu­te ste­hen: der Segen ist uns schein­bar genom­men wor­den und die Nach­fah­ren der damals Ermor­de­ten haben sich durch­set­zen können.

        Die Jesui­ten haben nicht auf den Geist, son­dern das Fle­sich gesetzt und das rächt sich seither.

  4. Die Jesui­ten hat­ten einst erfolg­reich bei der Gegen­re­for­ma­ti­on der Kir­che mit­ge­wirkt. Jetzt zer­stö­ren sie die Kirche.

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