Käufliche Journalisten manipulieren die öffentliche Meinung

Gekaufte Journalisten
„Gekauf­te Jour­na­li­sten“ von Udo Ulf­kot­te

Der Titel des Buches „Gekauf­te Jour­na­li­sten“ ist für die Pres­se­ver­tre­ter an sich schon eine Pro­vo­ka­ti­on, der Autor Udo Ulf­kot­te als gelern­ter Jour­na­list gilt als ein Nest­be­schmut­zer.

Eine Buch­be­spre­chung von Hubert Hecker

Das Buch stand bis vor kur­zem ein Drei­vier­tel Jahr lang auf den vor­de­ren Plät­zen der Ver­kaufs­li­sten des Buch­han­dels. Die­ses außer­or­dent­li­che Publi­kums­in­ter­es­se bei einem mit­tel­mä­ßi­gen Buch zeugt von tie­fem Miß­trau­en gegen­über der Glaub­wür­dig­keit von Jour­na­li­sten. Und tat­säch­lich bestä­tigt das Werk, war­um bei demo­sko­pi­schen Befra­gun­gen zum Anse­hen von Beru­fen die Pres­se­leu­te auf den hin­te­ren Plät­zen lan­den. Es ist daher nicht über­ra­schend, daß Ver­tre­ter der Jour­na­li­sten­zunft über das Buch her­ge­fal­len sind.

Sicher­lich spielt für den Ver­kaufs­er­folg auch eine Rol­le, daß Ulf­kot­te sei­ne Schrift als Enthüllungsgeschichte/n kon­zi­piert hat – durch­aus im Stil des Bou­le­vard-Jour­na­lis­mus’, also mit Skan­da­li­sie­run­gen, Über­trei­bun­gen und Auf­bau­schun­gen. Da die­se Metho­den auch eine Domä­ne des Spie­gels sind, hat das Ham­bur­ger Nach­rich­ten­ma­ga­zin allen Grund, gegen den Erfolgs­au­tor einen Mit­ar­bei­ter anzu­set­zen.

Die drei­sei­ti­ge Spie­gel­sto­ry von Jan Fleisch­hau­er in der Aus­ga­be 11/2015 ist mit der haus­üb­li­chen Häme und Her­ab­las­sung geschrie­ben. Das wird deut­lich bei der Inhalts­be­schrei­bung des Buches, das der Spie­gel­au­tor in weni­ge Zei­len zusam­men­quetscht: Das „Pres­se­korps der Qua­li­täts­me­di­en“ sei „ein kor­rup­ter Hau­fen von Abstau­bern, die die Öffent­lich­keit belü­gen“ wür­den, indem sie ihren „heim­li­chen Auf­trag­ge­bern bei CIA und Wall­street nach dem Mun­de“ rede­ten. Mit sol­chen lächer­lich­ma­chen­den Sät­zen signa­li­siert der Spie­gel­schrei­ber sei­nen Unwil­len, sich ernst­haft mit dem Inhalt des Buches aus­ein­an­der­zu­set­zen. Er wen­det sich statt­des­sen cum ira et stu­dio ad per­so­nam: Den Buch-Autor stellt er als ver­rück­ten und an Ver­fol­gungs­wahn lei­den­den Anhän­ger von Ver­schwö­rungs­theo­rien dar.

Auch ande­re Medi­en­leu­te haben in ihren Rezen­sio­nen wenig Geschmack an der Jour­na­li­sten­kri­tik von Ulf­kot­te gefun­den. Die mei­sten hal­ten zwar den einen oder ande­ren Kri­tik­punkt für berech­tigt, um dann aber sei­ten­lang über die Feh­ler des Buches her­zu­zie­hen. Die­se Buch­be­spre­chung geht gera­de umge­kehrt vor, um nach den Schwä­chen und Män­geln von Ulf­kot­tes Werk sei­ne inhalt­li­chen Aus­füh­run­gen zu wür­di­gen.

Die Mängel des Buches

Einer der weni­gen posi­ti­ven Rezen­sen­ten, Albrecht Mül­ler von den ‚Nach­denk­sei­ten’, cha­rak­te­ri­siert das Buch als ein „Kom­pen­di­um von inter­es­san­ten Infor­ma­tio­nen zu Kom­mu­ni­ka­ti­ons­kam­pa­gnen“ herr­schen­der Eli­te­grup­pen.
â–ª Statt ‚Kom­pen­di­um’ hat man eher den Ein­druck eines Sam­mel­su­ri­ums von wich­ti­gen und unwich­ti­gen Infor­ma­tio­nen – erst recht bei der Dar­stel­lung ein­zel­ner (käuf­li­cher) Jour­na­li­sten: Müs­sen wir wis­sen, daß ein Redak­ti­ons­lei­ter der FAZ Alko­ho­li­ker war? Oder Ulf­kot­tes „Freund“ Klaus Bering im Flie­ger voll­trun­ken mehr­fach kotz­te — „unge­niert vor den Mit­rei­sen­den“? Die Ste­war­des­sen hät­ten Bering „wie einen klei­nen Scheich“ vom Erbro­che­nen gerei­nigt, „denn alle Rech­nun­gen wur­den ja vom Sul­tan vom Oman bezahlt“. In die­sem Stil fin­den sich eine Rei­he von Erleb­nis­ge­schich­ten, die das schlech­te Beneh­men und die „Raff­gier“ von Jour­na­li­sten bei luxu­riö­sen Ein­la­dungs­rei­sen bele­gen sol­len.
â–ª Ulf­kot­te hat eine Ten­denz zum Skan­da­li­sie­ren, zwei­fel­haf­te jour­na­li­sti­sche Prak­ti­ken wer­den zu „Über­le­bens­grö­ße auf­ge­bla­sen“ (S. Nig­ge­mey­er). Zu dem Abschnitt: „Wie Jour­na­li­sten ihre Vil­len in der Tos­ka­na bezah­len“ sei aus der län­ge­ren Ein­lei­tungs­pas­sa­ge zitiert – auch um den bou­le­var­des­ken Stil und die teil­wei­se unsin­ni­gen Fol­ge­run­gen des Ent­hül­lungs­jour­na­li­sten zu doku­men­tie­ren: „Haben Sie sich auch schon mal dar­über gewun­dert, war­um so vie­le Alpha-Jour­na­li­sten Häu­ser in der Tos­ka­na oder Spa­ni­en haben? Sie ahnen viel­leicht, wie man als Jour­na­list sei­ne See­le an den Teu­fel ver­kauft, um auf Kosten Drit­ter in exo­ti­sche Län­der rei­sen zu kön­nen. Die vol­le Wahr­heit ken­nen Sie aber noch nicht“: Bei Ein­la­dungs­rei­sen von rei­chen Sul­ta­nen gibt es bei 5‑Ster­ne-Voll­pen­si­on vor Ort „Schlem­mer­me­nüs bis zum Abwin­ken“. Zugleich könn­ten die Jour­na­li­sten ihre amt­li­chen Tages­sät­ze für Aus­lands­rei­sen beim Finanz­amt steu­er­lich gel­tend machen. „Für jeden Tag im Oman gab es bei­spiels­wei­se 2014 immer­hin 48 Euro. (…) So lern­te ich denn irgend­wann, wie die geschick­te­sten und skru­pel­lo­se­sten Alpha-Jour­na­li­sten der Leit­me­di­en ganz neben­bei ihre Häus­chen in der Tos­ca­na finan­zier­ten.“ Manch­mal ist es wirk­lich schwer, nicht Sati­re zu schrei­ben: Schrei­be, raf­fe, Spe­sen klau­en, Steu­ern spa­ren, Häus­le bau­en …
â–ª Es fin­den sich viel­fach sol­che auf­ge­bausch­ten Über­trei­bungs­sät­ze im Bild­zei­tungs­stil wie: „Bild-Jour­na­lis­mus ist Kano­nen­fut­ter für die Ren­di­te“ oder: „Wäh­rend da drau­ßen lang­sam, aber sicher alles ver­mo­dert und zusam­men­bricht, prä­sen­tie­ren uns ‘Qua­li­täts­me­di­en’ Tag für Tag mit Durch­hal­te­pa­ro­len die Illu­si­on von Sta­bi­li­tät, Wohl­stand und finan­zi­el­ler Sicher­heit.“
Oder: Das nach­träg­li­che „Auto­ri­sie­ren“ von Inter­views bringt Ulf­kot­te mit dem nord­ko­rea­ni­schen Staats­fern­se­hen in Ver­bin­dung.
â–ª Die vie­len Wie­der­ho­lun­gen, Neben­säch­lich­kei­ten und Län­gen des Geschich­ten­er­zäh­lers Ulf­kot­te blä­hen das Buch auf 300 Sei­ten auf. Für die wesent­li­chen Aus­sa­gen hät­ten 150 Sei­ten alle­mal gereicht.

Beispiele für „gekaufte Journalisten“

Jour­na­li­sten haben in den letz­ten Jah­ren mehr­fach die Luxus­rei­sen von Ver­si­che­rungs­kon­zer­nen für Spit­zen­ver­käu­fer ent­hüllt. Doch war die Brei­te der Skan­da­li­sie­run­gen ange­mes­sen? Schwe­rer wogen die Lust-Rei­sen für Betriebs­rä­te des VW-Kon­zerns. Denn das waren ech­te Bestechungs­ver­su­che, um Betriebs­rä­te zu schmie­ren – zum Scha­den für die VW-Beleg­schaft. Damit ver­gleich­bar sind die zahl­rei­chen Luxus­rei­sen von Jour­na­li­sten, die anschlie­ßend ein Mil­lio­nen­pu­bli­kum von Lesern mit ihren geschön­ten Berich­ten im Sin­ne der Rei­se-Finan­ziers belü­gen. Von die­sen Skan­da­len las man kaum etwas in den Medi­en, jeden­falls nichts Ent­hül­len­des. Ob das Ver­tu­schen der sonst so skan­da­li­sie­rungs­freu­di­gen Medi­en etwas damit zu tun hat, daß die Jour­na­li­sten zum gro­ßen Teil bestech­lich sind? Dazu spä­ter mehr.

Ulf­kot­te kommt das Ver­dienst zu, an vie­len Bei­spie­len die Käuf­lich­keit von Jour­na­li­sten auf­ge­zeigt zu haben – aus eige­nen Erfah­run­gen, aber auch durch Recher­che:
â–ª In den 80er Jah­re ‚kauf­ten’ süd­afri­ka­ni­sche Berg­bau- und Tou­ri­stik-Unter­neh­men bei der FAZ geschön­te Berich­te über das dama­li­ge Apart­heids­re­gime, indem sie meh­re­ren FAZ-Jour­na­li­sten eine Luxus­rei­se nach Süd­afri­ka anbo­ten. Die Repor­ter wur­den mit Pri­vat­flug­zeu­gen durchs Land geflo­gen, um in Berich­ten und Fil­men die Zustän­de im dama­li­gen Ras­sen­staat auf­zu­hüb­schen.
â–ª 1996 finan­zier­te der Shell-Kon­zern für den FAZ-Repor­ter Ulf­kot­te und einen Kol­le­gen von der Süd­deut­schen Zei­tung eine luxu­riö­se Recher­che­rei­se ein­schließ­lich eines Hub­schrau­bers in das Ölför­der­ge­biet im Niger-Del­ta. Anschlie­ßend publi­ziert die FAZ auf­trags­ge­mäß den Arti­kel: „Die Legen­de von der Umwelt­ka­ta­stro­phe am Niger“. Selbst­ver­ständ­lich ver­tusch­te Ulf­kot­te in sei­nem Arti­kel, daß Shell der Auf­trag­ge­ber, Finan­zier und Nutz­nie­ßer die­ses Bei­trags war. Das Köl­ner Land­ge­richt bestä­tig­te spä­ter den Vor­wurf eines ande­ren Jour­na­li­sten, daß Ulf­kot­te von Shell „geschmiert“ wor­den sei und sei­ne Zei­tung sich für Shell pro­sti­tu­iert habe.
â–ª Vom Dik­ta­tor Quabus aus dem ölrei­chen Sul­ta­nat Oman haben sich Ulf­kot­te und ande­re FAZ-Jour­na­li­sten oft und ger­ne zu Luxus­rei­sen ein­la­den las­sen. Sie wur­den vor Ort mit Geschen­ken wie chauf­fier­ter Luxus­li­mou­si­ne oder Tauch­kur­sen über­häuft. Dadurch schlüpf­ten die Repor­ter in die Rol­le von Hof­be­richt­erstat­tern, die die Augen vor den Poli­zei­staats­me­tho­den des Dik­ta­tors ver­schlos­sen. Statt­des­sen erzähl­ten sie Mär­chen über den bru­ta­len Dik­ta­tor als „Stim­me des Aus­gleichs und der Ver­nunft“.
â–ª Ulf­kot­te betont, daß die­se Bei­spie­le für vie­le ande­re Län­der, Kon­zer­ne sowie Jour­na­li­sten ande­rer deut­scher Leit­me­di­en gel­ten wür­den. Die Auf­trag­ge­ber rech­ne­ten so: Der ‚Kauf’ eines redak­tio­nel­len Berich­tes sei letzt­lich bil­li­ger und glaub­wür­di­ger als Anzei­gen in den gro­ßen Leit­me­di­en: Im Juli 2012 wur­de der FAZ-Repor­ter Stur­beck mit dem Fir­men­jet von Thys­sen-Krupp nach Mün­chen und von dort mit der Luft­han­sa in der First Class für fünf Tage nach Peking geflo­gen und dort eben­so First Class unter­ge­bracht. Für die Pre­mi­um-Rei­se lie­fer­te der FAZ-Jour­na­list einen Pre­mi­um-Arti­kel zugun­sten des Thys­sen-Krupp-Kon­zerns ab.
Über die­se jour­na­li­sti­sche First-Class-Rekla­me­rei­se mit dem Zweck, anschlie­ßend die Öffent­lich­keit hin­ters Licht zu füh­ren, mokier­ten sich zwar eini­ge Zei­tun­gen. Die­se mar­gi­na­le Jour­na­li­sten­kri­tik stand aber in kei­nem Ver­gleich zu dem mora­li­schen Ent­rü­stungs­sturm, den fast alle deut­schen Medi­en­häu­ser über das pri­vat finan­zier­te Upgrade der Indi­en-Flug­rei­se des Lim­bur­ger Bischofs ent­fach­ten. Dabei hat die­se Pre­mi­um-Rei­se kei­nem gescha­det, wäh­rend das First-Class-Ticket von Thys­sen ein ech­tes Bestechungs­geld war, mit dem ein Jour­na­list gekauft und die Öffent­lich­keit belo­gen wur­de. Es zeigt die Kom­pli­zen­schaft der Pres­se­zunft, wenn eine sol­che Ver­let­zung fun­da­men­ta­ler Prin­zi­pi­en des Jour­na­lis­mus kei­nen Ent­rü­stungs­sturm her­vor­ruft.
â–ª Die Tabak­in­du­strie kauft sich Jour­na­li­sten durch Preis­ver­lei­hun­gen. Die deut­sche Reemstma-Grup­pe ver­leiht jähr­lich den mit 15.000 Euro dotier­ten „Liberty“-Preis für „muti­ge Jour­na­li­sten, die dem täg­li­chen Kampf für die Frei­heit eine Stim­me geben“. Die Jour­na­li­sten Kon­rad Schul­ler (FAZ) oder Tho­mas Roth (ZDF) lie­ßen sich dafür kau­fen, nie mehr ihre Stim­me gegen Tabak und Tabak­wer­bung zu erhe­ben.
â–ª VW war Spon­sor der Olym­pi­schen Spie­le in Peking. Damit die­ser Ein­satz genü­gend gewür­digt wür­de, lud der Auto­kon­zern damals drei­ßig aus­ge­wähl­te Auto­jour­na­li­sten aller gro­ßen deut­schen Zei­tun­gen für vier Tage nach Peking ein – für etwa 25.000 Euro pro Per­son. „Medi­en­land­schafts­pfle­ge“ hei­ßen sol­che Geschäfts­aus­ga­ben bei Groß­kon­zer­nen: Sam­sung hat­te zahl­rei­che Jour­na­li­sten für die Olym­pi­schen Spie­le in Lon­don bezahlt – gegen Gefäl­lig­keits­be­rich­te natür­lich. Bei Funk­aus­stel­lun­gen, Han­no­ver­mes­se und ande­ren Groß­ereig­nis­sen ist eben­so ein Heer von bezahl­ten Repor­tern anwe­send, die für ihre Auf­trag­ge­ber redak­tio­nell schmei­cheln.
â–ª Die Auto­in­du­strie spricht ganz offen vom Ein­kauf jour­na­li­stisch posi­ti­ver Berich­te. Dafür gehen die Auto­kon­zer­ne bei Prä­sen­ta­ti­on nach der For­mel vor: „Super Desti­na­ti­on, super Hotels, super Ser­vice, super Geschen­ke“ – so der frü­he­re Mar­ke­ting­chef von Maz­da. Die exo­ti­schen Prä­sen­ta­ti­ons­or­te für neue Model­le sind nur wegen der Jour­na­li­sten gewählt. Denn: „Je attrak­ti­ver der Vor­stel­lungs­ort, desto bes­ser die Pres­se.“ Die Rech­nung des Mar­ke­ting­chefs wört­lich: „Ein Jour­na­list kostet bei unse­ren Events durch­schnitt­lich drei- bis fünf­tau­send Euro. Er bringt aber einen Gegen­wert von min­de­stens 15.000 Euro.“ Wahr­schein­lich war der Mode­ra­tor der BBC-Auto­show „Top gear“, Jere­my Clark­son, der letz­te unab­hän­gi­ge Auto­jour­na­list. Ihm wur­de kürz­lich wegen poli­ti­scher Unkor­rekt­hei­ten gekün­digt.
â–ª Von den 85.000 etwa gleich­viel fest­an­ge­stell­ten wie frei­en Jour­na­li­sten im deutsch­spra­chi­gen Raum neh­men rund 73.000 Pres­sera­bat­te in Anspruch. Ein gro­ßes deut­sches Jour­na­li­sten­por­tal wirbt mit bis zu 50 Pro­zent Rabatt für 1.700 Pro­duk­te wie Flug­tickets, Fit­neß­ge­rä­te, Kaf­fee­au­to­ma­ten bis zu Gleit­gel; „wei­te­re 10.000 Kol­le­gen­tipps zu allen Pres­se­kon­di­tio­nen“. Pres­sera­bat­te sind Zuwen­dun­gen von geld­wer­ten Geschen­ken an Jour­na­li­sten, also Bestechung. Aus die­sen Daten und von ande­ren Stu­di­en kommt Ulf­kot­te zu dem Ergeb­nis: Zwei Drit­tel bis drei Vier­tel aller Jour­na­li­sten sind bestech­lich und las­sen sich kau­fen. Tat­säch­lich gibt es PR-Agen­tu­ren, die ganz offen mit dem Slo­gan wer­ben: „Kauf Dir einen Jour­na­li­sten!“ Die Berufs­ethik der Jour­na­li­sten, die ehe­mals stolz auf ihre Unab­hän­gig­keit und Unbe­stech­lich­keit waren, scheint nicht mehr zu grei­fen. Und die gegen­sei­ti­ge Kon­trol­le durch jour­na­li­sti­sche Ent­hül­lung der Bestech­lich­keit auch nicht.

Druck auf Journalisten von politischer Seite

â–ª Ulf­kot­te berich­tet von ver­schie­de­nen Fäl­len, in denen Poli­ti­ker oder hohe Staats­be­am­te sanf­ten Druck auf Jour­na­li­sten aus­üben: Die Res­sort­lei­ter für Wirt­schafts­för­de­rung in den deut­schen Aus­lands­bot­schaf­ten for­dern von deut­schen Kor­re­spon­den­ten, posi­tiv über die­sen und jenen Wirt­schafts­be­reich zu schrei­ben, der für deut­sche Fir­men pro­fi­ta­bel sei. Ulf­kot­te berich­tet davon, daß er im Iran, ara­bi­schen und afri­ka­ni­schen Län­dern vom deut­schen Bot­schafts­per­so­nal auf­ge­for­dert wur­de, Gefäl­lig­keits­in­ter­views mit Poli­ti­kern oder Wirt­schafts­grö­ßen jener Län­der zu füh­ren. Ulf­kot­te, ein Spe­zia­list für den nach­rich­ten­dienst­li­chen Bereich, mach­te auch Erfah­run­gen damit, von den Mili­tär­at­ta­chés der deut­schen Bot­schaf­ten mit geheim­dienst­li­chen Hin­wei­sen, Mate­ria­li­en und teil­wei­se direk­ten Auf­for­de­run­gen jour­na­li­stisch gelenkt zu wer­den.
â–ª Wirk­lich mas­si­ven Druck übten Poli­ti­ker auf den Jour­na­li­sten Win­fried Mün­ster von der Süd­deut­schen Zei­tung aus. Als sich der Kor­re­spon­dent in Brüs­sel Ende der 80er Jah­re kri­tisch und stand­haft gegen die Ein­füh­rung der Wäh­rungs­uni­on aus­sprach, wur­de er vom deut­schen Bot­schaf­ter in Brüs­sel als „Rat­te“ beschimpft: Er wür­de das poli­ti­sche Kli­ma ver­gif­ten. Der dama­li­ge Außen­mi­ni­ster und sogar Bun­des­kanz­ler Kohl ver­such­ten auf den Jour­na­li­sten ein­zu­wir­ken, sei­ne „destruk­ti­ve“ Hal­tung gegen­über dem Euro auf­zu­ge­ben. Wich­tig ist bei die­ser Gele­gen­heit dar­an zu erin­nern, daß der Euro und ande­re Euro­pa-Ideen Initia­ti­ven der euro­päi­schen Eli­ten waren. Der Euro geht nach Über­ein­stim­mung von lin­ken und kon­ser­va­ti­ven Medi­en auf den Eli­ten­zir­kel der Bil­der­ber­ger zurück. Die herr­schen­den Poli­ti­ker ver­su­chen zusam­men mit der Brüs­se­ler Büro­kra­tie ihre Pro­jek­te von oben nach unten durch­zu­drücken – eine Varia­ti­on des ‚demo­kra­ti­schen Zen­tra­lis­mus’ in den sozia­li­sti­schen Län­dern. Bei die­ser Top-down-Stra­te­gie stö­ren kri­ti­sche Jour­na­li­sten. Vom Stand­punkt der Demo­kra­tie jedoch war und ist die kri­ti­sche Pres­se die ein­zi­ge Instanz, die gegen­über den Eli­ten­zir­keln von Brüs­sel sowohl Kon­troll­funk­ti­on hat als auch eine demo­kra­ti­sche Brücke zur Basis ver­mit­teln kann.

Geschmierter Journalismus durch Einbindung in Eliten-Netzwerke

â–ª Die Ver­flech­tung von soge­nann­ten Alpha-Jour­na­li­sten der deut­schen Qua­li­täts­me­di­en mit eli­tä­ren Macht­zir­keln wirt­schaft­li­cher, poli­ti­scher und mili­tä­ri­scher Aus­rich­tung ist der zwei­te gro­ße The­men­kom­plex, den Ulf­kot­te vor­stellt. Dabei kann er sich neben sei­ner Jour­na­li­sten­er­fah­rung auf ver­schie­de­nen For­schungs­stu­di­en stüt­zen. Eine Bache­lor-Arbeit för­dert ekla­tan­te Ergeb­nis­se zuta­ge. Unter­sucht wur­den in 80 Arti­keln der FAZ von 2000 bis 2012 Adjek­ti­ve und Adver­bi­en, mit denen Per­son und Poli­tik von Oba­ma und Putin bewer­tet wer­den. Bei Putin ver­wen­den die FAZ-Schrei­ber nur nega­ti­ve Bewer­tun­gen wie: dro­hend, rau, angriffs­lu­stig, kon­fron­ta­tiv, anti­west­lich, macht­po­li­tisch, wahr­heits­wid­rig, kühl, kal­ku­liert, berech­nen­de, zynisch, harsch, barsch, nicht stich­hal­tig, nicht glaub­wür­dig etc. Ganz anders der Ton gegen­über Oba­ma: enga­giert, begei­stert, kon­zi­li­ant, gelobt, fre­ne­tisch begrüßt, hoff­nungs­voll und ent­schlos­sen.
Resul­tat: Unab­hän­gig, unpar­tei­isch und objek­tiv ist die außen­po­li­ti­sche Bericht­erstat­tung der renom­mier­ten FAZ offen­sicht­lich nicht mehr. Den Lesern wer­den über­deut­lich Urtei­le über die bei­den Welt­macht­len­ker vor­ge­ge­ben und auf­ge­drückt. Eine ande­re Hoch­schul­ar­beit bestä­tig­te die „ten­den­ziö­se Attri­bu­ti­sie­rung in deut­schen Print­me­di­en“. Woher kommt das nur, daß die FAZ, die ehe­mals im Ruf von Nüch­tern­heit und vor­neh­mer Zurück­hal­tung stand, sich so bedin­gungs­los auf die eine Sei­te schlägt und gegen die ande­re pole­mi­siert, fragt Ulf­kot­te.
â–ª Einen Gip­fel an pene­tran­ter Lob­hu­de­lei lie­fer­te 2003 der Washing­to­ner FAZ-Kor­re­spon­den­ten Mat­thi­as Rüb – und zwar auf Oba­mas Vor­gän­ger Geor­ge W. Bush. Das war kurz vor dem Irak-Krieg. Der Prä­si­dent sei ein „Aus­bund an Beschei­den­heit und Volks­ver­bun­den­heit“. Sei­ne „Por­ti­on mis­sio­na­ri­schen Eifers“ wer­de durch „staats­män­ni­sche Beson­nen­heit abge­fe­dert“. Auf sei­nen „poli­ti­schen Instinkt, sei­ne Klug­heit und sei­nen Mut­ter­witz“ kön­ne sich das „poli­ti­sche Natur­ta­lent“ ver­las­sen. Dar­auf muß man erst mal kom­men, die (außen-)politische Ahnungs­lo­sig­keit von Bush jun. als ‚natur­ta­len­tiert’ zu bezeich­nen. Rüb bekam ein Jahr spä­ter den Arthur‑F.-Burns-Preis ver­lie­hen, über­reicht durch den deut­schen Außen­mi­ni­ster.
â–ª Der Medi­en­wis­sen­schaft­ler Uwe Krü­ger hat in einer ambi­tio­nier­ten Stu­die bei füh­ren­den Jour­na­li­sten von vier renom­mier­ten deut­schen Zei­tung die Kor­re­la­tio­nen unter­sucht, inwie­weit sich deren Ver­flech­tun­gen in eli­tä­ren trans­at­lan­ti­schen Netz­wer­ken auf ihre Bericht­erstat­tung aus­wir­ken. Bei 83 rele­van­te Arti­kel der Jour­na­li­sten Jof­fe (Die Zeit), Fran­ken­ber­ger (FAZ), Kor­ne­li­us (SZ) und Stür­mer (Welt) stell­te Krü­ger fest, daß deren Mehr­fach­mit­glied­schaf­ten in US-beherrsch­ten und NATO-nahen Eli­te­zir­keln ihre Berich­te signi­fi­kant beein­fluß­ten. Auf die­se und ande­re medi­en­wis­sen­schaft­li­che Stu­di­en stützt sich Ulf­kot­te. Die Ver­net­zung die­ser Jour­na­li­sten mit zwölf trans­at­lan­ti­schen Denk­fa­bri­ken war The­ma der ZDF-Sen­dung „Die Anstalt“ vom 29. 4. 2014. Das Ergeb­nis faß­te ein Akteur so zusam­men: „Dann sind ja alle die­se Zei­tun­gen nur so was wie die Lokal­aus­ga­ben der NATO-Pres­se­stel­le.“ Die betrof­fe­nen Zei­tun­gen beschwer­ten sich anschlie­ßend über die Sati­re-Sen­dung, teil­wei­se mit Unter­las­sungs­er­klä­run­gen. Ihr Ansin­nen: Sati­re darf alles – aber nicht über die gehei­men Netz­wer­ke der Alpha-Jour­na­li­sten auf­klä­ren.
â–ª Bei der „Atlan­tik-Brücke“ ist der Name Pro­gramm: ein trans­at­lan­ti­sches Netz­werk der Eli­ten. Der Ver­ein mit ange­schlos­se­ner Stif­tung ist geglie­dert nach Fach- und Regio­nal­grup­pen. Die Mit­glie­der sind zu etwa je einem Drit­tel füh­ren­de Finanz- und Wirt­schafts­leu­te, Poli­ti­ker und Jour­na­li­sten. CDU-Mann Wal­ter Leis­ler Kiep war Vor­sit­zen­der, seit 2010 Fried­rich Merz, Stell­ver­tre­tung Edel­gard Buhl­mann (SPD). Mit­glie­der sind Jür­gen Fit­schen, Deut­sche Bank, Wolf­gang Ischin­ger, Alli­anz, Eck­art von Kla­eden, Dain­ler AG und ande­re Füh­rer der Deutsch­land AG. Aus dem Medi­en­be­reich kom­men die schon mehr­fach genann­ten Jour­na­li­sten Fran­ken­ber­ger, Kor­ne­li­us und Jof­fe, dazu Claus Kle­ber, Kai Diek­mann (Bild), Theo Koll u. a. Das Inter­es­se von deut­scher Sei­te an dem Eli­ten­zir­kel wur­de von dem frü­he­ren Vor­sit­zen­den, Arnd Oetker, so for­mu­liert: „Die USA wird von 200 Fami­li­en regiert und zu denen wol­len wir gute Kon­tak­te haben.“ Die Atlan­tik­brücke ver­gibt jähr­lich den Vernon‑A.-Walters-Award vor­wie­gend an deut­sche Finanz- und Wirt­schafts­füh­rer. Der Namens­ge­ber der Aus­zeich­nung hat wohl auch pro­gram­ma­ti­schen Cha­rak­ter: Der CIA-Lei­ter war an allen welt­wei­ten Geheim­dienst­ak­tio­nen der USA in der zwei­ten Hälf­te des 20. Jahr­hun­derts betei­ligt – vom Sturz des Iran-Prä­si­den­ten 1953 bis zum Mili­tär­putsch in Chi­le 1973. Den Viet­nam­krieg nann­te Wal­ters den „nobel­sten und selbst­lo­se­sten Krieg“ der USA. Letzt­lich geht es bei dem „deutsch-ame­ri­ka­ni­schen Aus­tausch“ dar­um, dass die deut­sche Sei­te in die welt­wei­te Domi­nanz-Stra­te­gie der USA in poli­ti­scher und mili­tä­ri­scher Hin­sicht im Rah­men der US-geführ­ten NATO ein­ge­bun­den wird. Den Ame­ri­ka­nern ist sehr dar­an gele­gen, dass die Top-Jour­na­li­sten in die­sem Sin­ne über die Medi­en die deut­sche Bevöl­ke­rung diri­gie­ren. In Ame­ri­ka selbst ist es nicht erlaubt, dass Jour­na­li­sten in den Clubs und Zir­keln Mit­glied sein dür­fen, über die sie schrei­ben. In Deutsch­land dage­gen schrei­ben die Alpha-Jour­na­li­sten kri­tik­los über die eli­tä­ren Zir­kel, in denen sie Mit­glie­der sind, ohne ihre Mit­glied­schaft den Lesern trans­pa­rent zu machen.
â–ª Neben der Atlan­tik-Brücke bestehen zahl­rei­che ähn­li­che deutsch-ame­ri­ka­ni­sche Eli­ten­zir­kel und Stif­tun­gen wie die Tri­la­te­ra­le Kom­mis­si­on, Aspen Insti­tut Deutsch­land, Inter­na­tio­nal Insti­tu­te for Stra­te­gic Stu­dies, Gold­man Sachs Foun­da­ti­on, Mün­che­ner Sicher­heits­kon­fe­renz, Bil­der­berg, Ame­ri­can Coun­cil of Ger­ma­ny, Ger­man Mar­shall Fund u. a. Alle die­se Orga­ni­sa­tio­nen betrei­ben Young-Lea­der-Pro­gram­me, um jun­ge deut­sche Nach­wuchs­kräf­te aus Poli­tik, Wirt­schaft und Medi­en auf die ame­ri­ka­ni­sche Inter­es­sen­sicht der Din­ge ein­zu­schie­nen. Bei ent­spre­chen­den Semi­na­re, Aka­de­mie-Ein­la­dun­gen und USA-Auf­ent­hal­ten wer­den die young lea­der in die­sem Sin­ne mit Geld, Geschen­ken und Aus­flü­gen umschmei­chelt sowie mit ideo­lo­gi­scher Indok­tri­na­ti­on in die Spur gebracht. Spä­ter wer­den die Jour­na­li­sten mit Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen, exklu­si­ven Kon­tak­ten und hoch­ran­gi­gen Inter­view­part­nern gekö­dert. Und die­ser ame­ri­ka­ni­sche Ein­satz zum Kauf deut­schen Jour­na­li­sten lohnt sich: Nico­las Bus­se, heu­te stell­ver­tre­ten­der Lei­ter im Res­sort Außen­po­li­tik der FAZ-Zen­tra­le, lei­ste­te 2003 kurz vor dem Irak-Krieg einen Nibe­lun­gen-Treu­eid auf die Poli­tik der dama­li­gen ame­ri­ka­ni­schen Regie­rung. Bus­se hat­te mit ande­ren in einer Anzei­ge der Atlan­tik-Brücke einen Treue­schwur unter­zeich­net, in dem er sei­nen Wil­len ver­kün­de­te, in Ver­bun­den­heit mit den USA die gemein­schaft­li­chen Wer­te zu „ver­tei­di­gen“. Mit die­sen Wer­ten waren anschei­nend die Macht- und Roh­stoff­in­ter­es­sen der USA gemeint sowie deren Domi­nanz-Stra­te­gie ein­schließ­lich völ­ker­rechts­wid­ri­ger Krie­ge, Fol­te­run­gen, Droh­nen-Hin­rich­tun­gen, Über­wa­chung von Freund und Feind etc. Für den Jour­na­li­sten Bus­se hat sich der Treue­schwur an die USA gelohnt: Er wur­de von sei­ner Zei­tung vier Jah­re spä­ter als NATO-Kor­re­spon­dent nach Brüs­sel geschickt, um die FAZ als Lokal­aus­ga­be der NATO-Pres­se­stel­le zu simu­lie­ren.
Für jun­ge Poli­ti­ker lohnt es sich alle­mal, in außen- und sicher­heits­po­li­ti­sche Eli­te­or­ga­ni­sa­tio­nen ein­ge­bun­den zu sein. Die trans­at­lan­ti­schen Seil­schaf­ten sind der poli­ti­schen Kar­rie­re sehr för­der­lich. Karl-Theo­dor zu Gut­ten­berg etwa ver­dankt sei­nen kome­ten­haf­ten Auf­stieg den För­de­rern und Freun­den der trans­at­lan­ti­schen Lob­by-Orga­ni­sa­ti­on Atlan­tik-Brücke, ins­be­son­de­re auch sei­nem Brücken-Freund Kai Dick­mann, Chef der Bild-Zei­tung.

In die Elitenzirkel eingebetteter Journalismus

â–ª Wenn die Jour­na­li­sten im Rah­men ihrer trans­at­lan­ti­schen Mit­glied­schaf­ten ein­be­zo­gen wer­den in ver­trau­li­che Poli­tik­pla­nungs­pro­zes­se, ste­hen sie schon im Kon­sens mit den poli­tisch-mili­tä­ri­schen Eli­ten und über­neh­men deren Per­spek­ti­ven und Wer­tun­gen. Je näher die Zei­tungs­leu­te den Macht­ha­bern und Ent­schei­dern kom­men, desto mehr büßen sie ihren Stand­punkt der Unab­hän­gig­keit, Kri­tik und Kon­trol­le ein. Als inte­grier­te Teil­neh­mer der trans­at­lan­ti­schen Eli­ten-Zir­kel kön­nen sie gar nicht mehr ihrer eigent­li­chen Auf­ga­be nach­kom­men, kri­ti­sche Anwäl­te der Öffent­lich­keit zu sein gegen­über den Macht-Eli­ten. Die trans­at­lan­ti­schen Orga­ni­sa­tio­nen fun­gie­ren als Instru­men­te des embed­ded jour­na­lism. Die wich­ti­gen Leit­me­di­en in Deutsch­land sind US-nah gleich­ge­schal­tet.
â–ª Der FAZ-Jour­na­list Fran­ken­ber­ger, Res­sort-Lei­ter Außen­po­li­tik, ist Mit­glied der ‚Tri­la­te­ra­len Kom­mis­si­on’. Dort sitzt er neben dem Mil­li­ar­där David Rocke­fel­ler, dem Bil­der­ber­ger Mario Mon­ti, EZB-Exprä­si­dent Jean-Clau­de Tri­chet, Deut­sche-Bank-Chef Fit­schen, Ex-US-Geheim­dienst­chef Negro­pon­te und dem frü­he­ren ame­ri­ka­ni­schen Ver­tei­di­gungs­mi­ni­ster John Deut­ch. Ist die­se kon­spi­ra­tiv wir­ken­de Lob­by-Orga­ni­sa­ti­on der Wirt­schafts­eli­te der rich­ti­ge Platz für einen Jour­na­li­sten, der nach bis­he­ri­gem Ver­ständ­nis die Kon­troll­funk­ti­on der Medi­en reprä­sen­tie­ren soll? Ulf­kot­te hat einen Fran­ken­ber­ger-Arti­kel aus dem Archiv aus­ge­gra­ben, der mit den Wor­ten beginnt: „Vor drei­ßig Jah­ren hat­te David Rocke­fel­ler eine gute Idee, ein Forum zu schaffen…Die Tri­la­te­ra­le Kom­mis­si­on war die Ant­wort des New Yor­ker Ban­kiers, Mäzens.…“. Soso, der gute Mil­li­ar­där Rocke­fel­ler hat­te eine gute Idee, einen Able­ger der Bil­der­ber­ger zu grün­den. Selbst­ver­ständ­lich ver­schwieg Fran­ken­ber­ger in dem Arti­kel, daß er Mit­glied in die­sem sau­be­ren Zir­kel ist und zwar in der Funk­ti­on, deren Ideen über sei­ne Zei­tung in die Öffent­lich­keit zu tra­gen.
â–ª Schon vor eini­ger Zeit berich­te­ten ver­schie­de­ne Medi­en, daß kreml­na­he Agen­tu­ren jun­gen Leu­ten in Ruß­land Geld und Gra­tis-Essen anbö­ten, wenn sie im Inter­net regel­mä­ßig Kom­men­ta­re im Sin­ne des Kremls schrie­ben. Das ist natür­lich ein Skan­dal, wenn die öffent­li­che Mei­nung auf die­se Wei­se mani­pu­liert wird. Bei uns in Deutsch­land kom­men sol­che Mani­pu­la­tio­nen nicht vor – jeden­falls nicht auf die­se bil­li­ge Tour …

Die mediale Konstruktion der Wirklichkeit

â–ª Eli­sa­beth Noel­le-Neu­mann sag­te vor etwa 20 Jah­ren anläß­lich eines Redak­ti­ons­be­su­ches der FAZ: „Was Sie heu­te in den Köp­fen der Men­schen fin­den, das ist oft gar nicht mehr die Rea­li­tät, son­dern eine von den Medi­en kon­stru­ier­te Wirk­lich­keit.“ Das geschieht durch die syste­ma­ti­sche Beein­flus­sung und Steue­rung der Mas­sen durch eine klei­ne Min­der­heit der Jour­na­li­sten. Die Grün­de­rin des Umfra­ge-Insti­tuts Allens­bach benann­te die Fol­ge eine „Schwei­ge­spi­ra­le“, wenn das Fern­se­hen stän­dig Min­der­hei­ten­mei­nun­gen als Mehr­heits­mei­nun­gen dar­stellt.

Die Bür­ger prä­sen­tie­ren den Jour­na­li­sten dafür die Rech­nung, indem zwei Drit­tel der Befrag­ten den Medi­en­leu­ten man­geln­de Objek­ti­vi­tät und Glaub­wür­dig­keit beschei­ni­gen. Die Jour­na­li­sten wer­den nicht mehr als ehr­li­che Mak­ler zwi­schen Poli­tik, Wirt­schaft und Welt­ge­sche­hen einer­seits und den Bür­gern ande­rer­seits ange­se­hen. Denn das sind sie nicht. Vie­le von ihnen sind „gekauf­te Jour­na­li­sten“.

Text: Hubert Hecker

5 Kommentare

  1. Gekauf­te Jour­na­li­sten, wenn das wahr ist, bestä­tigt es nur dass was Zei­tungs­le­ser und Fern­seh-
    zuschau­er schon immer gesagt haben. Die Medi­en und damit der Jour­na­lis­mus wer­den gelenkt,
    ob Zei­tungs­be­rich­te, Inter­view im Fern­se­hen, es wird immer in eine bestimm­te Rich­tung gelo­gen
    und betro­gen. Alle Berei­che wie Wirt­schaft, Poli­tik und Kir­che bedie­nen sich der Medi­en. Die­se
    wir­ken hin­ein in die Gesell­schaft und bestim­men so die öffent­li­che Mei­nung. Des­halb kann man davon aus­ge­hen, dass auch im Vati­kan gewis­se Krei­se sich die­ser Form der Mei­nungs­ma­che be-
    die­nen und so ihre The­sen und Zie­le ver­brei­ten.

  2. Was für J. Fleisch­hau­er nicht ins Welt­bild passt, wird von ihm dämo­ni­siert. Die­ser Mann
    ist eine fleisch­ge­wor­de­ne Kari­ka­tur eines Jour­na­li­sten.

  3. wie„nich wahr?
    das fügt sich doch alles naht­los ein.
    ich bin bau­jahr 60, 15 jah­re nach dem krieg war damals eine auf­bruch­stim­mung, die leu­te woll­ten den krieg ver­ges­sen und in eine bess­re zukunft schau­en.
    durch schei­dung mei­ner mut­ter bin ich in einem staat­li­chen kin­der­heim auf­ge­wach­sen und ich bin im sin­ne die­ser auf­bruch­stim­mung , ord­nungs und wahr­heits­lie­bend auf­ge­zo­gen wor­den, man kann auch sagen indok­tri­niert.
    und die­se mir ange­dei­te erzie­hung lässt mich heu­te kot­zen , wenn ich das wor­te wie: wahr­heits­lie­bend auf­rich­tig­keit und ehre im heu­ti­gen deutsch­land auf knien durch den dreck rob­ben.
    weit sind sie gekom­men, die bilderberger,aber sie ste­hen vor einem abgrund, und sie müs­sen nur noch ein klei­nes stück wei­ter

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