Vor der Bischofssynode – Vorrangige Option für die Familie (XXIII)

Die Ehe, ein Sakrament
Die Ehe, ein Sakra­ment

Aus der Hand­rei­chung Vorran­gi­ge Opti­on für die Fami­lie. 100 Fra­gen und 100 Ant­wor­ten im Zusam­men­hang mit der bevor­ste­hen­den Bischofs­syn­ode über die Fami­lie vom 4. bis 25. Okto­ber 2015 im Vati­kan.

45. Fra­ge: Läuft man da nicht Gefahr, das per­sön­li­che Gewis­sen zu unter­drücken, gera­de in Fra­gen der Moral?

Ant­wort: Das Gewis­sen an die Ver­pflich­tun­gen zu bin­den, die es gegen­über der Wahr­heit und der Gerech­tig­keit hat, bedeu­tet nicht, es zu unter­drücken; im Gegen­teil, eine sol­che Bin­dung bedeu­tet eher eine Befrei­ung, weil ihm dadurch die Gele­gen­heit gege­ben wird, sei­ne eige­ne Fina­li­tät und sei­ne Pflicht zu erken­nen und zu erfül­len. Die Ehr­bar­keit des Gewis­sens liegt gera­de in der frei­en Abwä­gung und dem frei­en Gehor­sam gegen­über dem natür­li­chen und gött­li­chen Gesetz.
„Das Gewis­sen ist nicht von sich her Rich­ter über den sitt­li­chen Wert der Taten, die es anregt. Das Gewis­sen ist Ver­mitt­ler einer inne­ren und höhe­ren Norm, die es nicht selbst geschaf­fen hat. (…) Es ist nicht die Quel­le des Guten und des Bösen. Es ist der Hin­weis, die Wahr­neh­mung einer Stim­me, die gera­de des­halb die Stim­me des Gewis­sens genannt wird. Es ist der Hin­weis der Über­ein­stim­mung der Hand­lun­gen mit dem inne­ren Bedürf­nis des Men­schen zur Wahr­heit und zur Voll­kom­men­heit zu stre­ben. Es ist, mit ande­ren Wor­ten, die sub­jek­ti­ve und sofor­ti­ge Auf­for­de­rung eines Geset­zes, das wir natür­lich nen­nen müs­sen, wenn auch heu­te vie­le Men­schen nichts mehr von natür­li­chem Gesetz hören wol­len“ (sel. Paul VI., Anspra­che vom 12. Febru­ar 1969).

46. Fra­ge: Wenn selbst prak­ti­zie­ren­de Katho­li­ken gewis­se sexu­el­le Prak­ti­ken schon nicht mehr als gegen die kirch­li­che Leh­re ver­sto­ßend emp­fin­den, wie kann man von ihnen ver­lan­gen, dass sie einer Leh­re fol­gen, die sie nicht mehr ver­ste­hen und auch nicht mehr anneh­men wol­len?

Ant­wort: Es gibt vie­le Berei­che, in denen der Mensch ver­pflich­tet ist, anzu­neh­men, was er nicht ver­steht oder ver­ste­hen will, und trotz­dem bleibt die Pflicht bestehen. Die Tat­sa­che, dass man eine Anfor­de­rung nicht ver­steht, ent­bin­det einen nicht von der Pflicht, sie zu erfül­len. Der Man­gel an Ver­ständ­nis für ein Ver­bot kann höch­stens die sub­jek­ti­ve Ver­ant­wor­tung des Gläu­bi­gen min­dern; das Ver­bot selbst hebt er aber nicht auf.
Wenn eine Sit­ten­leh­re von den Gläu­bi­gen nicht mehr ver­stan­den wird, so liegt das jeden­falls nicht an der Leh­re; die Schuld tra­gen die­je­ni­gen, deren Auf­ga­be es gewe­sen wäre, die­se Leh­re klar und über­zeu­gend zu ver­kün­den.

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Anga­ben zur Hand­rei­chung:
Aldo di Cil­lo Pagotto/Robert F. Vasa/Athanasius Schnei­der: Vor­ran­gi­ge Opti­on für die Fami­lie. 100 Fra­gen und 100 Ant­wor­ten im Zusam­men­hang mit der Syn­ode. Vor­wort von Jor­ge A. Kar­di­nal Medi­na, Edi­zio­ni Sup­pli­ca Filia­le, Roma 2015, www. supplicafiliale.org

Die gedruck­te Aus­ga­be in deut­scher Spra­che kann ange­for­dert wer­den bei:
Deut­sche Gesell­schaft zum Schutz von Tra­di­ti­on, Fami­lie und Pri­vat­ei­gen­tum (TFP)
Gla­dio­len­stra­sse 11
60437 Frank­furt am Main
segreteria.supplicafiliale [a] outlook.com
www.tfp-deutschland.org

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Info­Va­ti­ca­na

3 Kommentare

  1. Jedes Gewis­sen braucht von Natur aus immer eine soge­nann­te Gewis­sens­bil­dung. Wenn die­se
    nicht erfolgt, so ent­schei­det der Mensch nach gut dün­ken. Wenn dann noch der Ver­lust des Glau-
    bens oder Unwis­sen­heit hin­zu­kommt, ist der Weg vor­pro­gram­miert. Der beste Beweis ist nach
    wie vor, die soge­nann­te König­stei­ner Erklä­rung mit ihren ver­hee­ren­den Fol­gen. Aber dar­aus Leh-
    ren zu zie­hen, liegt nicht im Sin­ne der­je­ni­gen die dafür Ver­ant­wor­tung tra­gen. Das zei­gen die Vor-
    gaben, von Kar­di­nal Leh­mann ent­wickelt, von Erz­bi­schof Zollitsch geför­dert und von Kar­di­nal Marx
    ver­deut­licht. Wie kann man da noch von Gewis­sen und Gewis­sens­bil­dung spre­chen ?

    Gott sei es geklagt !

  2. Rich­tig, aber auch die­se unse­li­ge Erklä­rung ist nur eine Fol­ge des Schreckenskon­zils, das mit der Glau­bens­si­cher­heit auf­ge­räumt hat.
    Wir sind in der selbst­be­stimm­ten Belie­big­keit ange­kom­men und die mei­sten Bischö­fe machen ganz vor­ne mit, aus Faul­heit und Satt­heit.
    In Sonn­tags­re­den wer­den dann die wun­der­ba­ren „Fru­ech­te“ gelobt um sich dann wie­der auf den fet­ten Kir­chen­steu­er­ein­nah­men aus­zu­ru­hen.
    Die Her­de ist nur noch sehr sehr klein und bestimmt NICHT mehr im Kir­chen­steu­er­ver­ein zu suchen.

  3. Den Aus­druck „Vor­ran­gi­ge Opti­on für die Fami­lie“ fin­de ich gleich in mehr­fa­cher Hin­sicht pro­ble­ma­tisch: Zum einen hat Vor­rang die Ehe­lo­sig­keit um des Him­mel­rei­ches wil­len. Zum ande­ren impli­ziert die For­mu­lie­rung, daß es dar­über­hin­aus auch noch ande­re legi­ti­me Optio­nen gäbe, die halt nur nicht den Vor­rang bean­spru­chen dür­fen.

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