Politische „Ökumene“ zwischen Finanztechnokraten und Globalisierungskritikern?

Weltfinanz Volksbewegungen Globalisierung
Welt­fi­nanz — Glo­ba­li­sie­rung — Volks­be­we­gun­gen

(Rom) Papst Fran­zis­kus hat sich an die Spit­ze der anti­ka­pi­ta­li­sti­schen „Volks­be­we­gun­gen“ gestellt. Sei­ne Reden an die Ver­tre­ter der „Bewe­gungs­lin­ken“ im Herbst 2014 in Rom und im ver­gan­ge­nen Juli in Boli­vi­en waren dies­be­züg­lich sehr deut­lich. Wie paßt das zusam­men mit der Tat­sa­che, daß aus­ge­rech­net mit sei­nem Pon­ti­fi­kat das Gotha der Tech­no­kra­ten der Welt­fi­nanz im Vati­kan Ein­zug gehal­ten habe? Ver­such einer bruch­stück­haf­ten Spu­ren­le­se.

Wer sind die „Volksbewegungen“?

Wer sind aber die­se „Volks­be­we­gun­gen“? Sie sind ein bun­ter Hau­fen. Gemein­sam ist ihnen, daß sie sich — wenn auch nicht dog­ma­tisch — von der insti­tu­tio­na­li­sier­ten sozi­al­de­mo­kra­ti­schen Reform­lin­ken abgren­zen, die auch Regie­rungs­lin­ke genannt wird. Sie sehen sich selbst als macht­fer­ne, außer­par­la­men­ta­ri­sche Basis­lin­ke mit einer auf­fäl­li­gen Nähe zur alten ortho­do­xen, kom­mu­ni­sti­schen Lin­ken. In Wirk­lich­keit gibt es eine rege Zusam­men­ar­beit mit der Regie­rungs­lin­ken, dann bevor­zugt mit derem lin­ken Flü­gel. Die kom­mu­ni­sti­sche Link wird ohne Berüh­rungs­äng­ste als inte­gra­ler Teil der „Volks­be­we­gun­gen“ akzep­tiert. Unter gewis­sen Vor­zei­chen läßt sich eine Neu­auf­la­ge des Gegen­sat­zes zwi­schen Men­sche­wi­ken und Bol­sche­wi­ken erken­nen.

Der von den „Volks­be­we­gun­gen“ beton­te „Ant­ago­nis­mus“ gegen­über dem „System“ ist um so leich­ter mit einer gewis­sen Glaub­wür­dig­keit zu ver­tre­ten, seit sich in der west­li­chen Demo­kra­tie bür­ger­li­che, selbst christ­de­mo­kra­ti­sche Par­tei­en gesell­schafts­po­li­tisch sozi­al­de­mo­kra­ti­sie­ren und Sozi­al­de­mo­kra­ten sich wirt­schafts­po­li­tisch ver­bür­ger­li­chen, im Nadel­streif­an­zug auf­tre­ten, im Mit­tel­meer eine Jacht vor Anker lie­gen haben, in der Tos­ka­na urlau­ben und zum Teil unver­schämt abkas­sie­ren nach dem Vor­bild eines Bill Clin­ton, der sich für einen Auf­tritt mit einer 30minütigen Belang­los­re­de schon mal eine hal­be Mil­li­on Dol­lar auf die Hand drücken läßt. Das ist ein Teil der Nach­kriegs­ame­ri­ka­ni­sie­rung Euro­pas, denn die ame­ri­ka­ni­sche Lin­ken, nicht zufäl­lig „libe­ral“ genannt, waren schon immer Nadel­streif­so­zia­li­sten.

Neoliberalismus als Synonym für jedwede Regierungspartei?

Wirk­lich zum Tra­gen konn­te die­se Uni­for­mie­rung der poli­ti­schen Eli­ten erst seit dem Zusam­men­bruch des Ost­blocks kom­men. Dabei schien es Anfang der 90er Jah­re, als sei die poli­ti­sche Lin­ke, wel­cher Aus­prä­gung auch immer, defi­ni­tiv des­avou­iert. Daß dem nicht so wur­de, ver­dankt die Sozi­al­de­mo­kra­tie den Libe­ra­len, die ihr bereit­wil­lig die Hand zu einer neu­en Alli­anz reich­ten unter einer Bedin­gung, den Klas­sen­kampf auf­zu­ge­ben und den neo­li­be­ra­len Kapi­ta­lis­mus der Ära Clin­ton zu akzep­tie­ren. Damit wur­de unter der Ägi­de der Demo­kra­ti­schen Par­tei der USA deren Modell in Euro­pa eta­bliert, das Neo­li­be­ra­lis­mus zum Syn­oym für (fast) jede Regie­rungs­par­tei zu machen ver­sucht, auch für die euro­päi­sche Sozi­al­de­mo­kra­tie. Ein Modell, das inzwi­schen in alle Welt expor­tiert wird.

Die „ant­ago­ni­sti­sche“ Lin­ke sieht in der neo­li­be­ra­len Wen­de der Regie­rungs­lin­ken Ver­rat und sucht nach Wegen, poli­ti­schen Ein­fluß für einen alter­na­ti­ven Weg zurück­zu­ge­win­nen. Papst Fran­zis­kus sei­ner­seits besetz­te den Begriff „Volks­be­we­gun­gen“ und will unter die­ser Bezei­chung die lin­ken glo­ba­li­sie­rungs­kri­ti­schen Grup­pen sam­meln.

Papintern als neue Komintern

Internationales Treffen des Papstes mit den Volksbewegungen in Bolivien
2. Inter­na­tio­na­les Tref­fen der „Volks­be­we­gun­gen“, zu dem Papst Fran­zis­kus in Boli­vi­en ein­ge­la­den hat

Am ver­gan­ge­nen 13. März rief der kom­mu­ni­sti­sche ita­lie­ni­sche Phi­lo­soph Gian­ni Vat­ti­mo, ein Star der lin­ken Glo­ba­li­sie­rungs­kri­tik, im voll­be­setz­ten Teatro Cer­van­tes von Bue­nos Aires zur Papin­tern als Nach­fol­ge­or­ga­ni­sa­ti­on der Kom­in­tern auf. Er for­der­te für den „gewalt­lo­sen Kampf gegen den Kapi­ta­lis­mus“ eine neue kom­mu­ni­stisch-papisti­sche Inter­na­tio­na­le unter der Füh­rung von Papst Fran­zis­kus.

Im Kon­text des christ­li­chen Abend­lan­des sei der Kapi­ta­lis­mus ent­stan­den, so Vat­ti­mo — wobei er im Kapi­ta­lis­mus ein nicht-christ­li­ches Phä­no­men zu sehen scheint -, wes­halb der Kapi­ta­lis­mus auch nur über das Chri­sten­tum besiegt wer­den kön­ne. Nur Papst Fran­zis­kus kön­ne in die­sem „unglei­chen Kampf“ der „natür­li­che Anfüh­rer“ sein, um „die kapi­ta­li­sti­sche, impe­ria­li­sti­sche, nord­ame­ri­ka­ni­sche Finanz­herr­schaft zu besie­gen“. Kuri­en­bi­schof Mar­ce­lo San­chez Soron­do, ein enger Ver­trau­ter von Papst Fran­zis­kus, saß sicht­lich zufrie­den und zustim­mend dane­ben.

Seit dem ersten Jahr sei­nes Pon­ti­fi­kats fiel auf, daß Papst Fran­zis­kus ziel­stre­big und ohne Berüh­rungs­äng­ste die Nähe zur radi­ka­len Lin­ken such­te (sie­he „Der Papst ist kein Lin­ker, aber er spricht wie ein Lin­ker“ – Fran­zis­kus emp­fing radi­ka­le Lin­ke Euro­pas). Es wur­de über einen latein­ame­ri­ka­ni­schen Anti-Grin­go-Reflex spe­ku­liert. Doch die Sache scheint tie­fer zu lie­gen und weder ein Zufall zu sein noch ein bloß emo­ti­ver Impuls.

Daß die radi­ka­le Lin­ke gesell­schafts­po­li­tisch (zu Fra­gen der Abtrei­bung, Ver­hü­tung, Ehe, Fami­lie, Homo­se­xua­li­tät, Eutha­na­sie) nicht min­der ant­ago­ni­stisch tickt, nur in die­sem Fall nicht gegen das Kapi­tal, son­dern gegen die Kir­che, ist dem Jesui­ten auf dem Papst­thron durch­aus bewußt. Das ist ein Aspekt, der erklärt, wes­halb der argen­ti­ni­sche Papst die „nicht ver­han­del­ba­ren Wer­te“ demon­stra­tiv ad acta leg­te und dies die Welt auch wis­sen ließ. Die Bot­schaft ist ange­kom­men. Ein Teil der Bewe­gungs­lin­ken ist zwar noch skep­tisch, doch Vat­ti­mo beton­te in Bue­nos Aires, daß es nicht um eine reli­giö­se Fra­ge, son­dern um eine poli­ti­sche Alli­anz gehe. Der Papst mag dies viel­leicht anders sehen, streicht es jedoch nicht her­vor.

Setzt Papst Franziskus auf die richtigen Kräfte?

2. Internationales Treffen der "Volksbewegungen" mit Papst Franziskus
2. Inter­na­tio­na­les Tref­fen der „Volks­be­we­gun­gen“ mit Papst Fran­zis­kus

Papst Fran­zis­kus wirkt in sei­nen Bünd­nis­plä­nen ganz Jesu­it. Das Ergeb­nis die­ser Akti­vi­tä­ten ist indes noch unge­wiß. Zahl­rei­che Fra­gen ste­hen im Raum, für die man sich der­zeit mit Rät­sel­ra­ten statt einer Ant­wort begnü­gen muß. Zwei davon sei­en genannt, von denen eine sogar wie ein augen­schein­li­cher Wider­spruch wirkt.

Die Kir­che hat nach dem Zwei­ten Welt­krieg unter dem Ein­druck des Kal­ten Krie­ges frei­wil­lig dar­auf ver­zich­tet, einen drit­ten Weg zwi­schen Kapi­ta­lis­mus und Kom­mu­nis­mus zu for­mu­lie­ren. Sie akzep­tier­te grund­sätz­lich die Demo­kra­tie und den ihr bis dahin im Letz­ten fremd geblie­be­nen Kapi­ta­lis­mus, ver­such­te ihn aller­dings, als „sozia­le Markt­wirt­schaft“ zu bän­di­gen. Nach dem Zusam­men­bruch des „Rea­len Sozia­lis­mus“ ent­le­dig­te sich der tri­um­phie­ren­de Kapi­ta­lis­mus schnell die­ser Rück­sicht­nah­men auf die Kir­che und nahm mit unge­heu­rer Geschwin­dig­keit wie­der jene Züge an, nur noch radi­ka­ler, von denen sich die Kir­che immer fern­ge­hal­ten hat­te und denen sie bei­spiels­wei­se im Mit­tel­al­ter mit der Ent­wick­lung eines christ­li­chen Bank­we­sens durch den Fran­zis­ka­ner­or­den ein Gegen­mo­dell ent­ge­gen­ge­setzt hat­te. Setzt Papst Fran­zis­kus aber wirk­lich auf die rich­ti­gen Kräf­te, wenn er eine Liai­son mit der radi­ka­len Lin­ken sucht? Abge­se­hen davon ste­hen nicht alle Glo­ba­li­sie­rungs­kri­ti­ker links, kei­nes­wegs. Doch in ande­re Rich­tun­gen gab es bis­her aus der Umge­bung des Pap­stes kei­ne Kon­takt­auf­nah­men.

Globalisierungskritiker und Millionengagen für Finanzberaterfirmen?

Die zwei­te Fra­ge lau­tet: Wenn Papst Fran­zis­kus der neue Welt­füh­rer im Kampf gegen die „Dik­ta­tur des Gel­des“ (Gian­ni Vat­ti­mo) sein will, war­um begann dann mit sei­nem Pon­ti­fi­kat auch im Vati­kan ein Wett­lauf, die erle­sen­sten und kost­spie­lig­sten Bera­ter­fir­men der Welt in Sachen Finanz­kon­trol­le und ‑orga­ni­sa­ti­on zu enga­gie­ren wie McK­in­sey, Pro­mon­to­ry, Ernst&Young und KPMG, die ein Spit­zen­pro­dukt der Glo­ba­li­sie­rung sind? Die Hono­rar­no­ten der Finanz­be­ra­ter gehen in die Mil­lio­nen.

Die Welt als „glo­ba­les Dorf“ macht sie unent­behr­lich und vor allem sind sie es selbst, die sich immer unent­behr­li­cher machen. Ein System aus Effi­zi­enz und Gewinn­stre­ben, das sich selbst stän­dig neu erfin­det und an Macht zunimmt. Kein Finanz­mi­ni­ster kommt mehr ohne sie aus, weil er — im Gegen­satz zu ihnen — längst den Durch­blick ver­lo­ren hat. Aus die­sem Grund schrei­ben die Bera­ter­fir­men die Geset­ze bereits selbst, die dann von der Poli­tik nur mehr abge­seg­net wer­den. Auch in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land. Die Poli­tik hängt in zen­tra­len Berei­chen am Gän­gel­band eines Dut­zend inter­na­tio­na­ler Bera­tungs­un­ter­neh­men, die in wes­sen Inter­es­se arbei­ten?

Widersprüchliche Strategie des Papstes gegenüber den „Supermächten der Weltfinanz“

Die "Global Players" des internationalen Finanzsektors zogen mit Papst Franziskus im Vatikan ein
Die „Glo­bal Play­ers“ des inter­na­tio­na­len Finanz­sek­tors zogen mit Papst Fran­zis­kus im Vati­kan ein

Mit Papst Fran­zis­kus hiel­ten die Glo­bal Play­ers des Finanz­sek­tors im Vati­kan Ein­zug. Neben McK­in­sey ist die Pro­mon­to­ry Finan­ci­al Group eine ande­re der gro­ßen Bera­ter­fir­men, die inter­na­tio­nal die Sze­ne beherr­schen und laut Insi­dern inzwi­schen mehr Macht haben, als man­che Regie­rung. Seit Mai 2013, kei­ne zwei Mona­te nach der Wahl von Papst Fran­zis­kus, hat sich das Unter­neh­men mit Haupt­sitz in Washing­ton in der Vati­kan­bank IOR breit­ge­macht. Sie prü­fen sämt­li­che Ope­ra­tio­nen und erhal­ten damit, wahr­schein­lich als ein­zi­ge, den per­fek­ten Über­blick über die Bank. Und Wis­sen ist bekannt­lich Macht. Der­sel­ben Über­prü­fung ist auch die Apo­sto­li­sche Güter­ver­wal­tung des Vati­kans unter­wor­fen (sie­he Der Vati­kan unter Papst Fran­zis­kus ein Para­dies der Bera­ter und Homo-Lob­by­is­mus: McK­in­sey, Ernst & Young, KPMG… und alle arbei­ten für den Vati­kan).

Füh­ren­de Ver­tre­ter von Pro­mon­to­ry sit­zen inzwi­schen an zen­tra­len Schalt­he­beln der Vati­kan­bank. Der neue Gene­ral­di­rek­tor Rodol­fo Mar­ran­ci kommt direkt von Pro­mon­to­ry. Eliza­beth McCaul, Lei­ter der Pro­mo­to­ry-Nie­der­las­sung New York, und Raf­fae­le Cosi­mo, Lei­ter der Pro­mon­to­ry-Nie­der­las­sung Euro­pa, sind heu­te Seni­or Advi­ser der Vati­kan­bank. Von Über­see kommt auch Anto­nio Mon­ta­re­si, der als neu­er Chief Risk Offi­cer der Bank des Hei­li­gen Stuhls tätig ist. Eine Funk­ti­on, die es zuvor nicht gab. Bei Pro­mo­to­ry arbei­tet, nach sei­ner Lehr­zeit bei Gold­man Sachs, auch Lou­is-Vic­tor Dou­vil­le de Frans­su, des­sen Vater Jean-Bap­ti­ste neu­er Prä­si­dent der Vati­kan­bank ist.

„Gegen­über den Super­mäch­ten der Welt­fi­nanz dop­pelt sich Papst Fran­zis­kus“, so der Vati­ka­nist San­dro Magi­ster. „Auf der einen Sei­te knüp­pelt er sie uner­bitt­lich, wie auch in der Enzy­kli­ka Lau­da­to si, aller­dings immer in einer sehr all­ge­mei­nen Form, ohne daß man je ver­steht, ob sein Fall­beil auch Mario Draghi und der Euro­päi­schen Zen­tral­bank, Chri­sti­ne Lagar­de und dem Welt­wäh­rungs­fonds sowie Janet Yel­len und der Federal Reser­ve gilt.
Auf der ande­ren Sei­te ruft er aus­ge­rech­net das Gotha der Welt­fi­nanz­tech­no­kra­tie, um die Finan­zen des Vati­kans in Ord­nung zu brin­gen, ange­fan­gen bei der Vati­kan­bank IOR, die inzwi­schen fak­tisch der Pro­mon­to­ry Finan­ci­al Group mit Sitz in Washing­ton über­ge­ben wur­de.“

Promontory’s Auftrag? — Fleck auf der weisen Weste

Pro­mon­to­ry hat heu­te welt­weit eine exklu­si­ve Stel­lung inne. Die Grup­pe „arbei­tet an der Gren­ze zwi­schen Öffent­li­chem und Pri­va­tem wie ein Schat­ten­kon­trol­leur und ‑regu­la­tor, der von den ame­ri­ka­ni­schen Behör­den ein­ge­setzt wird, um über die Bera­tungs­tä­tig­keit bis zu den unsicht­bar­sten Ope­ra­tio­nen der Ban­ken aller Län­der vor­zu­drin­gen. Euge­ne A. Lud­wig lei­te­te wäh­rend der Prä­si­dent­schaft von Bill Clin­ton das Office of the Compt­rol­ler of the Cur­ren­cy der US-Regie­rung, das unter ande­rem für die Über­wa­chung des natio­na­len Kre­dit­we­sens ein­schließ­lich Über­prü­fung der Zah­lungs–, der Wett­be­werbs– und der Funk­ti­ons­fä­hig­keit der US–amerikanischen Kre­dit­in­sti­tu­te zustän­dig ist. Heu­te ist er Chef von Pro­mon­to­ry. Eine gan­ze Rei­he von Ver­tre­tern der U.S. Secu­ri­ties and Exchan­ge Com­mis­si­on wech­sel­ten zu Pro­mon­to­ry.

Die blü­ten­wei­se Weste von Pro­mon­to­ry, ein uner­bitt­li­cher Arm des Geset­zes zu sein, hat am 3. August aller­dings einen Fleck bekom­men. Das Finanz­mi­ni­ste­ri­um des Staa­tes New York unter­sag­te dem Finanz­kon­troll­un­ter­neh­men jede wei­te­re Tätig­keit im Staat. Pro­mon­to­ry wird vor­ge­wor­fen, Geld­über­wei­sun­gen der eng­li­schen Stan­dard Char­te­red Bank in Dubai zugun­sten von Emp­fän­gern im Iran nicht blockiert zu haben, obwohl gegen den Iran Sank­tio­nen ver­hängt sind.

Die Sus­pen­die­rung im Staat New York betrifft nicht die Akti­vi­tä­ten im Vati­kan. Den­noch han­delt es sich um einen schwer­wie­gen­den Image­scha­den für das Unter­neh­men, wenn­gleich die Hin­ter­grün­de für die Ent­schei­dung des New Yor­ker Finanz­mi­ni­ste­ri­ums noch nicht ganz klar sind. Pro­mon­to­ry hat ange­kün­digt, gegen die Ent­schei­dung beim Ober­sten Gerichts­hof des Staa­tes Rekurs ein­zu­le­gen.

„Papst überzeugt, daß die Welt das Opfer eines internationalen Finanzimperiums ist“

Der Hei­li­ge Stuhl kom­men­tier­te das Ereig­nis nicht. „Die Irri­ta­ti­on von Jor­ge Mario Ber­go­glio kann man sich jedoch leicht vor­stel­len“, so Magi­ster. „Der Vor­fall wird die Über­zeu­gung von Papst Fran­zis­kus wei­ter ver­stär­ken, daß die Welt die Beu­te eines inter­na­tio­na­len Finanz­im­pe­ri­ums ist, des­sen ein­zi­ges Ziel der Pro­fit und des­sen Instru­ment das ‚Aus­son­dern‘ der wach­sen­den Zahl der Armen ist“, so der Vati­ka­nist.

Es ist nicht bekannt, ob Papst Fran­zis­kus das Buch von Tho­mas Piket­ty „Der Kapi­ta­lis­mus des 21. Jahr­hun­derts“ gele­sen hat, aber er teilt des­sen Grund­the­se einer struk­tu­rel­len Zunah­me der Ungleich­heit.

Papst: Mittelstand bald unbedeutend — Naomi Klein interpretiert im Vatikan Öko-Enzyklika

LGBT-Kollektiv Teilnahme mit Papst Franziskus
Ver­tre­ter des offi­zi­ell ein­ge­la­de­nen LGBT-Kol­lek­tivs beim Tref­fen mit Papst Fran­zis­kus in San­ta Cruz

Am 12. Juli von einem deut­schen Jour­na­li­sten auf dem Rück­flug von Para­gu­ay gefragt, gab der Papst zu, daß es ein „Feh­ler“ war, in sei­ner Ana­ly­se die Mit­tel­schicht zu ver­nach­läs­si­gen, füg­te aber hin­zu, daß die­se ohne­hin „immer klei­ner wird“, weil sie durch die Pola­ri­sie­rung zwi­schen Rei­chen und Armen auf­ge­rie­ben wer­de.

„Es spielt kei­ne Rol­le, daß die rea­len Zah­len das Gegen­teil aus­sa­gen. Er, der Papst, hat ent­schie­den, auf wel­cher Sei­te er steht. Er ver­sam­mel­te um sich, was er ‚Volks­be­we­gun­gen‘ nennt, das erste Mal im Vati­kan und das zwei­te Mal in San­ta Cruz in Boli­vi­en: die Glo­ba­li­sie­rungs­geg­ner, die Occu­py Wall Street, die Indi­gna­dos, die Coca­le­ros, kurz­um eine Viel­zahl von Rebel­len gegen die Herr­schaft des Kapi­tals, in denen er die Avant­gar­de einer neu­en Mensch­heit sieht“, so Magi­ster.

Die von ihm bei den bei­den Anläs­sen gehal­te­nen Reden stel­len das poli­ti­sche Mani­fest von Papst Fran­zis­kus dar. Es ist kein Zufall, daß der argen­ti­ni­sche Kuri­en­bi­schof San­chez Soron­do, der dem Papst in die­ser Fra­ge am näch­sten steht, Nao­mi Klein, den Welt­star der Glo­ba­li­sie­rungs­geg­ner rekru­tier­te, um im Vati­kan die Öko-Enzy­kli­ka Lau­da­to si zu kom­men­tie­ren.

Die poli­ti­sche Uto­pie von Papst Fran­zis­kus ist wenig post­mar­xi­stisch, aber sehr argen­ti­nisch. Das ent­schei­den­de Wesens­merk­mal ist ein aus­ge­präg­ter Popu­lis­mus, der sei­ne Wur­zeln in der „Volks­theo­lo­gie“, der „Argen­ti­ni­schen Schu­le“ der Befrei­ungs­theo­lo­gie, hat. Eine Theo­lo­gie, die vom Jesui­ten Juan Car­los Scan­no­ne, dem Leh­rer Ber­go­gli­os ver­tre­ten wird.

„Volkstheologie“ der Erklärungsschlüssel?

Papst mit "seinen" Volksbewegungen in Santa Cruz
Papst mit „sei­nen“ Volks­be­we­gun­gen in San­ta Cruz

Der Histo­ri­ker Rober­to de Mattei schrieb 2013, weni­ge Tage nach der Wahl von Papst Fran­zis­kus: „Die Opti­on für die Armen von Kar­di­nal Ber­go­glio wur­zelt vor allem in den Leh­ren von Lucio Gera und Rafa­el Tel­lo, den Ver­tre­tern einer Volks­theo­lo­gie, deren Wesens­merk­mal die Erset­zung der Ideo­lo­gie des bewaff­ne­ten Kamp­fes durch eine prak­ti­zier­te Armut ist. Car­los Pagni, der in der argen­ti­ni­schen Tages­zei­tung La Nación vom 21. März die ‚Regie­rungs­me­tho­de Ber­go­glio‘ ana­ly­sier­te, erklärt die theo­lo­gi­schen Grün­de, war­um die „Peri­phe­rie“ eine zen­tra­le Stel­lung in der ideo­lo­gi­schen Land­schaft des Erz­bi­schofs Ber­go­glio ein­nimmt. Die ‚Armen‘ sind dem­zu­fol­ge pri­mär nicht eine hilfs­be­dürf­ti­ge sozio­lo­gi­sche Rea­li­tät, son­dern ein theo­lo­gi­sches Sub­jekt, von dem man ler­nen soll: ‚Die­se päd­ago­gi­sche Hal­tung hat eine reli­giö­se Wur­zel: das Ver­hält­nis des [armen] Vol­kes zu Gott wäre ursprüng­li­cher, weil die mate­ri­el­le Ver­un­rei­ni­gung [in die­sem Ver­hält­nis] fehlt‘.“

Ob die Anhän­ger der „Volks­be­we­gun­gen“ es auch so sehen? Fest steht, daß für Papst Fran­zis­kus, das „Volk“ in sich gut ist und es daher an sei­ner Sei­te zu ste­hen gilt. In der theo­lo­gi­schen und nicht sozio­lo­gi­schen Les­art der „Volks­theo­lo­gie“ liegt viel­leicht auch der Schlüs­sel, war­um Papst Fran­zis­kus einer­seits jene links­ra­di­ka­len Glo­ba­li­sie­rungs­geg­ner um sich schart, in denen er die „Avant­gar­de einer neu­en Mensch­heit“ zu sehen glaubt, und gleich­zei­tig die Vati­kan­fi­nan­zen den Tech­no­kra­ten der kri­ti­sier­ten Welt­fi­nanz über­trägt.

Das Ergeb­nis die­ser zwei­glei­si­gen Hal­tung gegen­über der Glo­ba­li­sie­rung ist frei­lich völ­lig offen. Ein Grund dafür liegt auch dar­in, daß Signa­le aus­ge­sen­det wer­den, die Bot­schaft aber (viel­leicht absicht­lich) ambi­va­lent bleibt.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Movi­mi­en­to Popu­la­res (Screenshot)/katholisches.info (Mon­ta­ge)




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14 Kommentare

  1. Das letz­te Bild ist sehr auf­schluss­reich,
    man moech­te ihm zuru­fen : “ Hey Franz, Dei­ne Kir­che ist in Tru­em­mern, die Aposta­ten wue­ten und die Gla­eu­bi­gen flie­hen in Scha­ren, in der ara­bi­schen Welt wer­den die Chri­sten gera­de aus­ge­rot­tet teil­wei­se auf best­tia­li­sche Wei­se, in Rom wer­den die letz­ten Reste von Tra­di­ti­on und Leh­re Chri­sti zer­sto­ert und Du treibst dich in der Welt her­um und machst alles Ande­re als Dich um Dei­ne Auf­ga­be zu kuem­mern, bist Du Papst oder Enter­tai­ner ?“
    Mir fiel beim letz­ten Bild spon­tan ein, das Lae­cheln des Anti­christs.
    Er wur­de uns pro­phe­zeit, jetzt ist er da.

    • „Mir fiel beim letz­ten Bild spon­tan ein, das Lae­cheln des Anti­christs.“
      Das könn­te durch­aus mög­lich sein denn der Kon­zils­geist ist ein Affe die­ser Welt.
      Per Mari­am ad Chri­stum.

  2. Fran­zis­kus an der Spit­ze einer soge­nann­ten Volks­be­we­gung. Wer hät­te jemals gedacht, dass
    ein Papst die­sen Schritt gehen wür­de. Erst die Umwelt-Enzy­kli­ka, jetzt als Füh­rer eines links ange-
    hauch­tes Sam­mel­beckens, mit der Kampf­an­sa­ge an den Kapi­ta­lis­mus. Resul­tie­rend aus der süd-
    ame­ri­ka­ni­schen Befrei­ungs­theo­lo­gie, will er die Armut bekämp­fen. So ein­fach ist das, wenn lin­ke
    Par­tei­en den Kapi­ta­lis­mus bekämp­fen, dann kommt das Para­dies auf Erden und die Armen be-
    kom­men den Wohl­stand und es ist Frie­de auf Erden. Schon seit der Arbei­ter­be­we­gung ver­spre-
    chen Kom­mu­ni­sten und Lin­ke den Wohl­stand, sicher aber nur für die Funk­tio­nä­re. Es ist jeden-
    falls ein hei­ßes Eisen, wenn Kir­chen­män­ner, hier der Papst, die­se Art von Poli­tik machen wol­len.
    Naiv ist es auf jeden Fall, wenn man kapi­ta­li­sti­sche Groß­un­ter­neh­men wie McK­in­sey, Ernst und
    Jung und ande­re, mit der Auf­sicht der Vati­kan­bank und was damit zusam­men hängt, beauf­tragt.
    Den Feind den man bekämp­fen will, wird so zum Bun­des­ge­nos­sen, denn seit Fran­zis­kus das Sa-
    gen hat, gibt es die­se Unge­reimt­hei­ten. Eine ein­fa­che Fra­ge ist, wol­len wir Reli­gi­on oder Poli­tik
    machen ? Ein Papst soll­te sich um die Reli­gi­on küm­mern, da ist genug zu tun.

  3. Ich habe gestern und heu­te mal vie­le der Bei­trä­ge hier nach­ge­le­sen. Auch wenn mir vie­les zu ein­sei­tig erscheint, hal­te ich es für einen inter­es­san­ten Aus­tausch.

    Zwei­fel habe ich aber bei die­sem Arti­kel. Papst Fran­zis­kus ist durch­aus ein Papst, des­sen Herz für ALLE schlägt. Das erschien mir bei Bene­dikt nicht so zu sein.
    Fran­zis­kus spricht sowohl die kon­ser­va­ti­ven als auch die „nor­ma­len“ Katho­li­ken an. Einer der besten Indi­ka­to­ren ist, dass er bei­spiels­wei­se die Exkom­mu­ni­ka­ti­on der Bischö­fe der Pius-Bru­der­schaft nicht wie­der zurück­ge­nom­men hat. Die per­so­nel­len Ver­än­de­run­gen, die er in man­chen Diö­ze­sen vor­ge­nom­men hat, waren not­wen­dig.

    Den­noch soll­te man nicht ver­su­chen, Fran­zis­kus gegen Bene­dikt aus­zu­spie­len. Bene­dikt steht voll hin­ter Fran­zis­kus, wie auch Erz­bi­schof Gäns­wein mehr­fach deut­lich gemacht hat.

    • Fren­ta @ Kein ver­nünf­ti­ger Mensch wird Fran­zis­kus gegen Bene­dikt aus­spie­len, denn
      die­se Auto­ri­tä­ten sind zu unter­schied­lich. Das Mär­chen das immer wie­der auf­ge­tischt
      wird : zwi­schen Fran­zis­kus und Bene­dikt passt kein Blatt Papier, wäre zu schön um
      wahr zu sein. In Wirk­lich­keit ist es so, dass zwi­schen bei­den Wel­ten lie­gen. Fran­zis­kus
      benutzt Bene­dikt als Ali­bi gegen­über dem Glau­bens­volk das immer noch meint, alles
      ist in Ord­nung und gut bestellt. So kann Fran­zis­kus den beschei­de­nen, fried­li­chen Be-
      nedikt unge­niert vor­füh­ren und als Aus­hän­ge­schild benut­zen.

  4. Die katho­li­sche Kir­che mit ihrem Papst steckt über­all füh­rend mit drin, bei der Glo­ba­li­sie­rings-Eli­te und bei den angeb­lich antiglo­ba­li­sti­schen Volks­be­we­gun­gen, bei den „Kon­ser­va­ti­ven“ und bei den Sozia­li­sten; die Tra­di­tio­na­li­sten sind katho­lisch und die Libe­ra­len und Pro­gres­si­ven sind katho­lisch; Abtrei­bungs- und Sex­per­ver­si­ons-Poli­ti­ker sind katho­lisch und Lebensschutz‑, Fami­li­en- und Keusch­heits-Poli­ti­ker sind katho­lisch; die katho­li­sche Kir­che errich­tet Denk­mä­ler für Ver­fol­gungs­op­fer und tole­riert, respek­tiert, bewill­komm­net und för­dert die Ver­fol­ger und macht gemein­sa­me Sache mit ihnen; sie fei­ert Got­tes­dien­ste mit viel Gold, Pur­pur und Weih­rauch und erha­be­nen alten Gesän­gen, und in ihren Zen­tra­len tum­meln sich (nach Aus­sa­gen ihrer eige­nen Leu­te) Athe­isten, Sata­ni­sten, Homo­se­xu­el­le und Päd­era­sten, die ihre eige­nen fin­ste­ren Ritua­le abhal­te. Soviel Irr­sinn kann ich nicht mehr ana­ly­sie­ren, nur noch ver­ab­scheu­en.

    • Das haben aber auch nach dem 2. WK schon eini­ge beklagt: Pius XII. ret­tet pri­vat eini­ge Juden, aber im Vati­kan wer­den zugleich Nazi­schwer­ver­be­cher nach Süd­ame­ri­ka geschleust. Von den Infor­man­ten, die ihm mit­tei­len, was in Ausch­witz abgeht, will er nichts wis­sen, er hat die an sich muti­gen Wor­te Pius XI. links lie­gen gelas­sen. Zugleich tur­teln schon die kom­men­den Päp­ste wie Mon­ti­ni mit den Kom­mu­ni­sten, wäh­rend man sich sonst anti­kom­mu­ni­stisch gibt, in Kroa­ti­en sieht man schwei­gend katho­lisch-faschi­sti­schen Schwer­ver­bre­chern zu und unter­stützt sie sogar noch mora­lisch, aber sonst hat man wirk­lich gaaaar nichts am Hut mit … ach doch ja, wenn es also um Fran­co geht, dann könn­te man noch mal ein Äug­lein zudrücken und über die Ver­be­chen hin­weg­se­hen…

      Nee — das ist schon lan­ge vor dem Kon­zil so gewe­sen. Machen wir uns nichts vor. Der gan­ze laden war maro­de, kaputt, dop­pel­bö­dig, wenn das langt und es gei­stern mit Sicher­heit nicht nur ein paar böse Frei­mau­rer hin­ter den Vor­hän­gen — die dürf­te erheb­lich kom­pli­zier­ter sein, die­se Gemenge­la­ge…

    • Frau zeit­schnur,
      sind die mili­tär­sta­te­gi­schen Bücher von Tho­mas P.M. Bar­nett (https://en.wikipedia.org/wiki/Thomas_P.M._Barnett ) auch „Ver­schwö­rungs­theo­rie“?
      Man errät es schon fast: Tho­mas Bar­nett ist römi­scher Katho­lik. Auf sei­nem per­sön­li­chen Web­log nör­gelt er ein wenig, dass die Kir­che noch nicht das Frau­en­prie­ster­tum ein­ge­führt hat, aber von einem Aus­tritt aus der Kir­che ist nichts bekannt.
      DER LETZTE AKT – Die Kriegs­er­klä­rung der Glo­ba­li­sie­rer an alle Völ­ker der Welt
      https://kulturstudio.wordpress.com/2014/02/09/der-letzte-akt-die-kriegserklarung-der-globalisierer-an-alle-volker-der-welt/

  5. Kraut und Rüben in dem Arti­kel, zuvie­le popu­li­sti­sche Schlag­wor­te, noch dazu ohne jeden sach­li­chen Beleg.
    Wer ist die „Welt­fi­nanz“, was ist die „Nadel­strei­fen­lin­ke“ und was soll das hei­ßen, dass die „Nach­kriegs­ame­ri­ka­ni­sie­rung Euro­pas“ dar­in besteht, für ein „30minütiges belang­lo­ses Geplän­kel“ eine hal­be Mil­li­on Dol­lar zu kas­sie­ren?
    Das sind doch sati­ri­sche und bereits wer­ten­de Tot­schlag­wör­ter.

    Der Popu­li­si­mus, der hier F. vor­ge­wor­fen wird, ist auch das Leit­mo­tiv die­ses Arti­kels.

    Ich kann es inzwi­schen nicht mehr hören, die­ses Grob­ge­ze­ter am lau­fen­den Meter, denn es ist ja nicht nur auf die­sem Blog zu hören.

    Man leert mal wie­der den Kropf, aber es hilft nie­man­dem, die Wahr­heit zu fin­den.

    Für mich ist F.s Ver­hal­ten undurch­schau­bar, wider­sprüch­lich und es wirkt eher plan­los als geplant.

    Per­so­nen, die sich so ver­hal­ten, sind das gefun­de­ne Fres­sen für Ver­schwöungs­theo­re­ti­ker. Und der beque­me Leser lässt sich mit sol­chen Theo­ri­en ger­ne ver­wöh­nen, solan­ge es noch nicht brenz­lig ist und kann sich ein biss­chen auf­hei­zen las­sen in sei­nem lang­wei­li­gen All­tag.

    In was F. ver­strickt ist oder nicht, ent­zieht sich unse­rem Ein­blick.
    Eines ist aber sicher: Intri­gen und Macht­spie­le beherrsch­ten immer die Welt, und der Papst war auch schon immer dar­an mas­siv betei­ligt — machen wir uns nichts vor. Ein Blick in die Geschich­te müss­te da eigent­lich genü­gen.

    Und wie oft trie­ben welt­li­che Herr­scher, pikan­ter­wei­se auch noch als „Schutz­her­ren der Kir­che“ geehrt (man muss sich die­sen absur­den Begriff mal vor­stel­len: die Kir­che hat­te seit dem 4. Jh immer einen welt­li­chen, rein poli­ti­schen Boss oder gleich meh­re­re), die Päp­ste vor sich her…

    Das ist doch alles nicht neu!
    Heu­te ist durch die moder­nen Tech­no­lo­gi­en und die glo­ba­le Ver­net­zung die­ses Vor­sich­her­trei­ben noch viel sub­ti­ler durch­führ­bar.

    F. ist für mich nicht der Papst, weil er genü­gend und wie­der­holt Häre­ti­sches von sich gege­ben hat. Aber wo er im glo­ba­len Macht­ge­plän­kel wirk­lich steht — das kann von uns nie­mand wis­sen, beim besten Wil­len nicht!

  6. Wo bleibt die Volks­be­frei­uungs­be­we­gung bei uns ?
    Außer Besitz­stands­wah­rung und wei­ter-so ist von deut­schen Bis­tü­mern nicht viel zu hören. Wo kein Volks­glau­be mehr, wie soll da eine Volks­be­frei­uungs­be­we­gung ent­ste­hen ?
    Inso­fern ist es groß­ar­tig und vor­bild­haft, was in Süd­ame­ri­ka vor sich geht. Wenn man nun noch die Ein­wan­de­rung aus die­sen Kul­tur­kreis erhö­hen könn­te, ( statt immer nur aus mus­li­mi­schen )- der zeit zie­hen mehr Euro­pä­er nach Süd­ame­ri­ka als anders­rum- war­um soll­te der Fun­ke nicht auch auf Euro­pa über­sprin­gen ?
    Wie wie in der Flücht­lings­kri­se sehen, wer­den wir von abso­lu­ten Dil­le­tan­ten und Ver­sa­gern regiert, klei­ne Kin­der ste­hen ohne Essen mit­ten in Euro­pa und wer­den erst gar nicht rein­ge­las­sen, ( man kommt sich vor wie beim Kreuz­zug der Kin­der, nur in die umge­dreh­te Rich­tung ) wäh­rend­des­sen wer­den isla­mi­schen Extre­mi­sten aus poli­ti­scher Kor­rekt­heit nicht abge­scho­ben.
    Volks­be­frei­ung von Lügen, von Kapi­tal­wahn, von “Vor­fahrt für Arbeit“ statt Vor­fahrt für Glau­ben, von Bör­sen­wahn, von Roh­stoff­aus­plün­de­rung mit der Fol­ge von Mil­lio­nen Flücht­lin­gen, von impe­ria­len Welt­erobe­rungs­spie­len der “west­li­chen Wer­te“, von Des­in­for­ma­ti­on etc. das ist genau das, was wir brau­chen.

  7. @Frenta
    Ihre Rezep­ti­on der Zusam­men­hän­ge kann ich nicht tei­len. Bene­dikt steht in mei­ner Auf­fas­sung für die Wahr­heit der christ­li­chen — katho­li­schen Leh­re. Er war ein wah­rer Leh­rer und ich durf­te Vie­les in mei­nem Glau­ben von Ihm ler­nen. Er hat das Lehr­amt im wahr­sten Sin­ne des Wor­tes aus­ge­füllt, er hat für Man­che Unan­ge­neh­mes gesagt, wo er es sagen muss­te, aber er war immer authen­tisch. Er sprach und lehr­te in Ver­bin­dung zu sei­nen Vor­gän­gern und der Tra­di­ti­on des Lehr­am­tes, das auf Chri­stus zurück­geht. Er hat nie­mand vom Heil aus­ge­schlos­sen und des­halb die Aus­söh­nung auch mit der Pius­bru­der­schaft ver­sucht. Ich bestrei­te, dass das Herz von Fran­zis­kus für alle schlägt. Er pre­digt eine Kir­che der Armen- was er auch immer dar­un­ter ver­steht. Er hat es noch nie erklärt. Das Pro­blem besteht aber dar­in, dass er damit die Kir­che auf ein Kli­en­tel redu­ziert, dem ver­mut­li­che die mei­sten der Zuschrei­ber — mög­li­cher­wei­se auch Sie nicht ange­hö­ren-. Was will er mit dem Mit­tel­stand machen? Gilt für die­sen nicht die Heils­bot­schaft, will er den Rei­chen wie einst Niko­de­mus und ande­ren ver­mö­gen­den Freun­den Chri­sti den Him­mel ver­sper­ren, obgleich Sie Chri­stus mit Ihrem Ver­mö­gen gedient haben.
    Die Bot­schaft von Fran­zis­kus in die­sem Punkt ist kryp­to­gam, der­weil sie wesent­li­che Gesichts­punk­te, die das See­len­heil betref­fen, aus­spart oder unvoll­stän­dig wie­der­gibt.
    Sie spre­chen das Ver­hält­nis von Bene­dikt XVI und Fran­zis­kus an und war­nen davor die bei­den gegen­ein­an­der aus­zu­spie­len. Sie ver­ges­sen dabei, dass der größ­te Kri­ti­ker von Bene­dikts groß­ar­ti­ger Regens­bur­ger Rede der Kar­di­nal Ber­go­glio war, der damals mas­siv poli­ti­sche Druck gegen Bene­dikt auf­ge­baut hat .Zudem lag Ber­go­glio im per­ma­nen­ten Clinch mit dem Nun­ti­us Bene­dikts in Argen­ti­ni­en. Eine Glo­ri­fi­zie­rung des Ver­hält­nis­ses ist unver­ständ­lich.( Die­se Aus­sa­gen sind u.a. im Inter­net nach­les­bar). Wie Fran­zis­kus die Kon­ser­va­ti­ven anspricht erken­nen Sie u.a. an sei­nem Umgang mit den Fran­zis­ka­nern der Imma­ku­la­ta. Wei­te­re Bei­spie­le für die­sen Umgang wur­den auf die­ser Sei­te ver­öf­fent­licht.

  8. Die „Lin­ken“ in der Geschich­te haben nie die Inter­es­sen der Volks­mas­sen ver­tre­ten. Ver­bal schon, nicht aber in der Tat. Es sei an die 70 Jah­re des real exi­stie­ren­den Sozia­lis­mus erin­nert. Wenn Fran­zis­kus jetzt irgend­wel­che lin­ke Ideo­lo­gie ver­tritt, muß er dazu Stel­lung neh­men.

    Tat­sa­che ist aller­dings, daß die Wall Street kei­nen Zugriff auf die Staa­ten des sowje­ti­schen Blocks gehabt hat. Es gab kei­ne Staats­ver­schul­dung in US Dol­lar, gekauft wur­de vom Westen nur so viel, wie viel die­se Län­der gleich­zei­tig dort­hin expor­tie­ren konn­ten. Wenn Fran­zis­kus glaub­wür­dig in die­ser Fra­ge erschei­nen will, muß er kon­kret das System beim Namen nen­nen. Und das bezwei­fe­le ich, schon wegen sie­ner Freund­schaft zu den füh­ren­den Juden.
    Er wird immer eine all­ge­mei­ne lin­ke Kri­tik ver­kün­den, wel­che sei­ne latein-ame­ri­ka­ni­schen Anhän­ger zufrie­den­stel­len wird, ohne daß die Kri­tik die Wall Street und das Bret­ton Wood System emp­find­lich tref­fen wür­de. Er wird nie eine grund­le­gen­de welt­wei­te Ände­rung der Welt­wirt­schaft for­dern, näm­lich: glo­ba­ler Schul­den­er­lass, nach­her die Rück­kehr zum Clea­ring-System, d.h. nur soviel in ein jewei­li­ges ande­res Land expor­tie­ren, wie viel das betrof­fe­ne Land durch sei­ne Gegen­ex­por­te beglei­chen kann. Es wis­sen nur weni­ge, der tat­säch­li­che Grund des zwei­ten Welt­krie­ges war das funkr­tio­nie­ren­de Clea­ring-System, wel­ches sowohl die Gold­deckung der Wäh­run­gen, wie auch die ame­ri­ka­ni­schen Kre­di­te über­flüs­sig gemacht hat.

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