Christopher, das blinde und autistische Kind, das wunderbar singt

Christopher Duffley mit seiner Adoptivmutter
Chri­sto­pher Duf­fley mit sei­ner Adoptivmutter

(New York) Er wur­de bei sei­ner Geburt von sei­nen Eltern im Stich gelas­sen und von Onkel und Tan­te auf­ge­zo­gen. Unfä­hig zu spre­chen, begann er durch die Musik zu kom­mu­ni­zie­ren und heu­te ist er über die Gren­zen der USA hin­aus eine Berühmt­heit, die imstan­de ist, Herz und Gemüt anzurühren.

Auf You­tube fin­det man gleich mehr­fach ein Video, das inge­samt von meh­re­ren Hun­dert­tau­send Men­schen bereits ange­hört wur­de. Es zeigt einen 14jährigen blin­den Jun­gen, der Bachs Ave Maria singt. Sein Name ist Chri­sto­pher Duf­fley. Er gilt als auf­ge­hen­der Stern in der ame­ri­ka­ni­schen Musikszene.

Sein Talent und sei­ne Bekannt­heit ver­dankt Chri­sto­pher auch sei­ner Adop­tiv­fa­mi­lie, die ihm dabei half. Chri­sto­pher ist von Geburt an blind. Sei­ne Eltern, voll­ge­pumpt mit Koka­in und ande­ren Opi­aten, haben das Kind nach der Geburt ein­fach sich selbst über­las­sen. Im Alter von zwei Jah­ren wur­de Autis­mus dia­gno­sti­ziert. Chri­sti­ne, sei­ne Tan­te ist auch sei­ne Adop­tiv­mut­ter. Chri­sto­pher ist der Sohn ihres jün­ge­ren Bru­ders und des­sen dama­li­ger „Freun­din“. Das Kind kam im Mai 2001 bereits in der 26. Schwan­ger­schafts­wo­che zur Welt. Der Bru­der rief Chri­sti­ne an, um ihr die Geburt sei­nes Soh­nes mit­zu­tei­len: „Ich bin damals über die Nach­richt ganz erschrocken und habe Gott gebe­ten, daß er den Eltern nun bei­steht. Ich wuß­te, daß mein Bru­der und sei­ne Freun­din dro­gen­ab­hän­gig waren. Dann hat­te ich kei­nen Kon­takt mehr mit ihm. Das war ich gewohnt. Er ver­schwand dann ein­fach, um irgend­wann sich mit einem kur­zen Anruf zu mel­den und dann war er wie­der weg.“

Die Adoption und Christophers Sprechen durch die Musik

Nach eini­ger Zeit schoß ihr das Kind durch den Kopf, ange­sichts der pre­kä­ren Lage ihres Bru­ders. Was wür­de wohl mit ihrem Nef­fen sei, und so begann sie sich zu erkun­di­gen und frag­te schließ­lich bei den Behör­den nach. Dort erhielt sie tat­säch­lich Aus­kunft: Das Kind war zur Adop­ti­on frei­ge­ge­ben wor­den. Sie woll­te ihn sehen und muß­te fest­stel­len, daß ihr Nef­fe blind war. „Ich bin erschrocken und habe begon­nen mit mei­ner gan­zen Kraft zu beten: Herr, bit­te zeig mir, was Du jetzt von mir erwar­test. Und die Ant­wort kam direkt in mein Herz: ‚Fürch­te Dich nicht, Ich wer­de mich allem annehmen‘.“

Chri­sti­ne und ihr Mann beschlos­sen, ihren Nef­fen zu adop­tie­ren und ihn zusam­men mit ihren eige­nen Kin­der auf­zu­zie­hen. Es sei nicht leicht­ge­we­sen. Chri­sto­pher war blind und konn­te nicht spre­chen. Durch die bestän­di­ge Lie­be sei­ner Adop­tiv­el­tern und in der Gebor­gen­heit sei­ner neu­en Fami­lie begann Chri­sto­pher im Lau­fe der Zeit durch die Musik zu kom­mu­ni­zie­ren. Er zeigt früh­zei­tig ein Talent für die Musik, ein beson­de­res Talent. „Es war für uns etwas ganz Unglaub­li­ches, als wir erleb­ten, wie sich Chri­sto­pher, der nicht sehen konn­te und kein Wort sag­te, sich so zur Musik hin­ge­zo­gen fühl­te.“ Der Jun­ge lern­te Kla­vier, Gitar­re, Trom­pe­te und Schlag­zeug. „Er begann Unglaub­li­ches zu tun: Der Herr hat ganz Wort gehalten“.

„Mein Sohn, der nicht sehen kann, lehrt uns, die Dinge mit den Augen Gottes zu betrachten“

Zehn Jah­re nach der Adop­ti­on ihres Nef­fen schrieb Chri­sti­ne in einem Brief: „Jesus hat nicht gescherzt, als er Sei­nen Jün­gern sag­te: ‚Wer die­ses Kind um mei­net­wil­len auf­nimmt, der nimmt mich auf; wer aber mich auf­nimmt, der nimmt den auf, der mich gesandt hat.‘“

Chri­sto­pher wur­de seit­her häu­fig ein­ge­la­den, zu sin­gen, zuerst an sei­ner Schu­le, dann bei ört­li­chen Ver­an­stal­tun­gen, inzwi­schen auch schon bei Foot­ball oder Base­ball-Spie­len der ober­sten Liga, die vom Fern­se­hen in den gan­zen USA über­tra­gen wer­den und ein natio­na­les Ereig­nis sind.

„Mein Sohn, der nicht mit sei­nen Augen sehen kann, lehrt uns, die Din­ge mit den Augen Got­tes zu betrach­ten“, sagt Chri­sti­ne, sei­ne Tan­te und Adop­tiv­mut­ter. Die Adop­tiv­fa­mi­lie habe „har­te Momen­te“ durch­ge­macht, an denen vie­le Bezie­hun­gen zer­bre­chen, „doch Gott hat unser Lei­den immer zum Guten gewen­det und gro­ße Din­ge getan“.

Inzwi­schen ist Chri­sto­pher bereits bei über 150 gro­ßen Ver­an­stal­tun­gen auf­ge­tre­ten und hat in der Kir­che gesun­gen. Mit sei­ner Stim­me sam­melt er heu­te Spen­den, damit auti­sti­schen Kin­dern wie ihm gehol­fen wer­den kann. 2013 brach­te er die erste CD mit dem Titel „Eyes of My Heart“ (Augen mei­nes Her­zens) her­aus. Die zwei­te Ein­spie­lung, „Belie­ver“ wird in weni­gen Tagen erscheinen.

 

Text: Mar­tha Weinzl
Bild: Tempi

3 Kommentare

  1. Eine wun­der­ba­re Geschich­te. Der lie­be Herr Gott sei dem Jun­gen gnä­dig und Er seg­ne ihn.

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