Franziskaner der Immakulata: Bringt der neue Kommissar auch einen neuen Geist mit?

Ordensgründer Manelli mit Franziskanerinnen der Immakulat - bevor der Kommissar kam
Ordens­grün­der Manel­li mit Fran­zis­ka­ne­rin­nen der Imma­ku­lat — bevor der Kom­mis­sar kam

(Rom) Seit ver­gan­ge­nem Juni hat der Orden der Fran­zis­ka­ner der Imma­ku­la­ta mit dem Sale­sia­ner­pa­ter Sabi­no Ardi­to, einem Kir­chen­recht­ler, einen neu­en Apo­sto­li­schen Kom­mis­sar. Im Orden wir­ke aber wei­ter­hin ein Ungeist, so Mes­sa in Lati­no. Ver­ant­wort­lich dafür wird Pater Alfon­so Bru­no gemacht, der eigent­li­che Nutz­nie­ßer der Palast­re­vol­te gegen Ordens­grün­der Manel­li.

Alfon­so Bru­no, der Pater mit einem Hang zur Selbst­dar­stel­lung, gehör­te bereits der alten Ordens­lei­tung an, in der er für die Medi­en des Ordens zustän­dig war. Damals war er nur einer unter meh­re­ren.  Dann erfolg­te die Abset­zung von Gene­ral­mi­ni­ster Pater Ste­fa­no Maria Manel­li und der gesam­ten Ordens­lei­tung durch den Vati­kan. Alfon­so Bru­no war es, der durch sei­ne Medi­en­kon­tak­te die Nach­richt publik mach­te und sich damit – zumin­dest anfangs – die Deu­tungs­ho­heit des radi­ka­len Ein­griffs sicher­te.

Presseerklärungen, Anwaltsbriefe und Anzeigen

Zum Apo­sto­li­schen Kom­mis­sar wur­de Pater Fidenzio Volpi ernannt, der wie ein Bull­do­zer durch den Orden raste. Die erste Amts­hand­lung des Kom­mis­sars war die Ernen­nung von Pater Alfon­so Bru­no zum Gene­ral­se­kre­tär des Ordens und damit zu sei­ner rech­ten Hand. Zieht man den Kom­mis­sar ab, der dem Kapu­zi­ner­or­den ange­hört, steht Pater Alfon­so Bru­no seit­her an der Spit­ze des Ordens der Fran­zis­ka­ner der Imma­ku­la­ta und das ganz allei­ne.

Die Ent­schei­dun­gen, mit denen der Kahl­schlag umge­setzt wur­de, sind von Kom­mis­sar Volpi unter­zeich­net. Teil­wei­se auch vom Gene­ral­se­kre­tär, teil­wei­se blieb er im Hin­ter­grund, wie er es auch im Vor­feld der Palast­re­vol­te gegen den Ordens­grün­der, das Orden­scha­ris­ma und den Alten Ritus getan hat­te. Sei­ne Hand­schrift trägt aber die unend­li­che Flut von Rich­tig­stel­lun­gen, Abmah­nun­gen, Anzei­gen, die seit dem Putsch im Juli 2013 an alle ergan­gen sind, die Kri­tik am Vor­ge­hen des Hei­li­gen Stuhls und des Kom­mis­sars äußer­ten.

„Desinformation im Internet“

Das jüng­ste Bei­spiel ist das Schrei­ben eines Rechts­an­wal­tes, das am 4. August die katho­li­sche Inter­net­sei­te Ris­cos­sa Cri­stia­na mit­tels elek­tro­ni­scher Post erhielt. In dem Schrei­ben an den Schrift­lei­ter und einen Autor wird die Löschung von zwei Arti­keln gefor­dert. Der Rechts­an­walt tritt im Namen von Pater Giu­lio Maria Scoz­za­ro auf. Bei­de Arti­kel befaß­ten sich mit dem The­ma, so auch der Titel des zwei­ten Arti­kels: „Die Fran­zis­ka­ner der Imma­ku­la­ta und die Des­in­for­ma­ti­on im Inter­net“.

Die Arti­kel sei­en offen­kun­dig ver­leum­de­risch und wür­den die Ehre sei­nes Man­dan­ten schwer schä­di­gen.

Der erste Arti­kel berich­te­te die Fak­ten über die Ent­las­sung von Giu­lio Maria Scoz­za­ro am 4. Okto­ber 2007 aus dem Orden der Fran­zis­ka­ner der Imma­ku­la­ta durch den dama­li­gen Gene­ra­obe­ren Pater Manel­li. Eine Ent­schei­dung, die von der Ordens­kon­gre­ga­ti­on am 8. April 2008 bestä­tigt wur­de, nach­dem Scoz­za­ro Ein­spruch dage­gen erho­ben hat­te. „Fak­ten kön­nen nicht ver­leum­de­risch sein“, so Ris­cos­sa Cri­stia­na in Erwi­de­rung an den Rechts­an­walt.

Im sel­ben Arti­kel wur­de eine Ver­öf­fent­li­chung von Scoz­za­ro auf sei­nem Inter­net­blog kri­ti­siert, der nach wie vor dort auch gele­sen wer­den kann. Dar­in griff Scoz­za­ro mit Vehe­menz den Ordens­grün­der und inzwi­schen abge­setz­ten Gene­ral­obe­ren Manel­li an.

Volpis Wiederaufnahme eines von Manelli entlassenen Bruders

Aller­dings wur­de inzwi­schen Neu­es publik, das zum Zeit­punkt der Ver­öf­fent­li­chun­gen nicht bekannt war. Erst im Zusam­men­hang mit den bean­stan­de­ten Arti­keln über­mit­tel­te der Rechts­an­walt eine Ent­schei­dung vom 11. Febru­ar 2015, mit der der inzwi­schen ver­stor­be­ne Kom­mis­sar Volpi Scoz­za­ros Ent­las­sung aus dem Orden annul­liert und ihn wie­der in den Orden auf­ge­nom­men hat.

Erstaun­lich die Begrün­dung Volpis, der die Ent­schei­dung Manel­lis aus for­mal­recht­li­chen Grün­den für null und nich­tig erklär­te, wes­halb die Ent­las­sung nie rech­tens gewe­sen sein. Erstaun­lich, weil Scoz­za­ro gegen sei­ne Ent­las­sung bei der Ordens­kon­gre­ga­ti­on Ein­spruch ein­ge­legt und die­se nach Prü­fung des Fal­les die Ent­las­sung bestä­tigt hat­te. Die Ent­schei­dung Volpis trägt sei­ne Unter­schrift und jene von Alfon­so Bru­no. „Hat­te Kom­mis­sar Volpi das Recht und die Zustän­dig­keit, ein Dekret des sei­ner­zei­ti­gen Gene­ral­obe­ren zu annul­lie­ren, des­sen Gül­tig­keit von der Ordens­kon­gre­ga­ti­on bestä­tigt wor­den ist?“, so Ris­cos­sa Cri­stia­na.

Nur am Ran­de sei dar­an erin­nert, daß Pater Scoz­za­ro gegen sei­ne Ent­las­sung Ein­spruch bei der Ordens­kon­gre­ga­ti­on ein­le­gen konn­te. Ordens­grün­der Manel­li und die abge­setz­te Ordens­lei­tung konn­ten kei­nen Ein­spruch gegen die kom­mis­sa­ri­sche Ver­wal­tung ein­le­gen. Papst Fran­zis­kus hat­te den dra­sti­schen Ein­griff in einer Form gebil­ligt, die jeden Rekurs unmög­lich mach­te.

Der zwei­te Arti­kel bezog sich auf die sei­ner­zeit gestar­te­te Unter­schrif­ten­samm­lung zur Unter­stüt­zung der Fran­zis­ka­ner der Imma­ku­la­ta und des Alten Ritus. „Ein Bericht über eine Unter­schrif­ten­samm­lung kann eben­so kaum ver­leum­de­risch sein“, so Ris­cos­sa Cri­stia­na. Auch in die­sem Arti­kel wur­den zudem die Fak­ten der sei­ner­zei­ti­gen Ent­las­sung von Pater Scoz­za­ro berich­tet.

„Was soll man zum Ver­hal­ten eines Prie­sters und Ordens­man­nes sagen, der nicht direkt den Kon­takt gesucht und ermahnt, son­dern gleich zu den welt­li­chen Mit­tel greift und recht­li­che Schrit­te androht? Dazu wer­de ich den neu­en Apo­sto­li­schen Kom­mis­sar um Klä­rung bit­ten, eben­so den Bischof, in des­sen Diö­ze­se P. Scoz­za­ro der­zeit noch inkar­di­niert ist.“

Die ent­spre­chen­den Schrei­ben wur­den am 10. August an den Apo­sto­li­schen Kom­mis­sar und an die Ordens­kon­gre­ga­ti­on ver­schickt. Der Kom­mis­sar bestä­tig­te umge­hend den Emp­fang.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Cor­ris­pon­den­za Roma­na

2 Kommentare

  1. Wo kein Segen, da kein Frie­den ! Wenn man bedenkt was alles durch die Abset­zung des Orden-
    grün­ders Manel­li durch den Kom­mis­sar Volpi gesche­hen ist, kann man nur sagen, dass mit die-
    ser Maß­nah­me die Mut­ter Got­tes ihren Segen nicht mehr gibt. Die­ser Orden der “ Fran­zis­ka­ner
    der Imma­ku­la­ta “ der von Segen und Wachs­tum reich an gei­sti­gem Leben war, wur­de so durch
    den dama­li­gen Kom­mis­sar Volpi, dem Patr­io­nat der Got­tes­mut­ter ent­zo­gen, ein sünd­haf­ter Vor-
    gang , den eigent­lich nie­mand ver­ant­wor­ten kann. Des­halb ist es kein Wun­der, wenn hier zur
    Zeit der Ungeist herrscht, mit Unfrie­den, Unru­he und Streit.

    O Maria, hilf dei­nem Orden !

  2. End­lich mal Neu­ig­kei­ten in die­ser Cau­sa. Das mit Pater Scoz­za­ro war mir jeden­falls noch nicht bekannt. Jetzt wis­sen wir ja, wie das Gan­ze ver­mut­lich ins Rol­len gekom­men ist.

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