„Keine Abstriche von der kirchlichen Lehre“ — Kardinal Müller zu Bischofssynode, Piusbruderschaft, Medjugorje und Befreiungstheologie

Kardinal Gerhard Müller
Kar­di­nal Ger­hard Müller

(Rom) Bei der Bischofs­syn­ode im Herbst wer­de es „kei­ne Abstri­che von der kirch­li­chen Leh­re“ geben. Dies bekräf­tig­te Kar­di­nal Ger­hard Mül­ler, der Prä­fekt der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on. Es sei­en pasto­ra­le Wege zu suchen, um Per­so­nen in schwie­ri­gen Situa­tio­nen stär­ker in die Gemein­schaft zu inte­grie­ren. Wäh­rend es, so der Kar­di­nal, zur Pius­bru­der­schaft der­zeit kei­ne „sub­stan­ti­el­len Neu­ig­kei­ten“ gebe, wer­de es im Herbst eine Ent­schei­dung zu Med­jug­or­je geben. Katholisch.de, das Medi­en­por­tal der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz ver­öf­fent­lich­te gestern ein Inter­view mit dem Kardinal.

Erneuerung und Vertiefung der Ehevorbereitung notwendig

Mit Blick auf die Bischofs­syn­ode über Ehe und Fami­lie beton­te der deut­sche Kar­di­nal, daß die Kir­che „den Men­schen, auch den Katho­li­ken, hel­fen“ müs­se, „neu zu ver­ste­hen, wel­chen Sinn es hat, eine Ehe ein­zu­ge­hen und sich so, auch öffent­lich, an einen Men­schen zu bin­den“. Wäh­rend sich die Dis­kus­si­on bis­her vor allem um das „Schei­tern“ von Ehen dreh­te, hob Kar­di­nal Mül­ler die Not­wen­dig­keit „einer Erneue­rung und Ver­tie­fung“ der Ehe­vor­be­rei­tung hervor.

Der Kar­di­nal bestä­tig­te zudem, daß sich die „ordent­li­che Voll­ver­samm­lung“ der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on „im Herbst“ mit Med­jug­or­je befas­sen wer­de: „Die Stel­lung­nah­me der Kon­gre­ga­ti­on wird dann dem Hei­li­gen Vater zur wei­te­ren Ent­schei­dung vorgelegt.“

Verschiedene Begegnungen mit Piusbruderschaft, „die das gegenseitige Vertrauen stärken sollten“

Auf die Fra­ge, ob die „Eini­gungs­be­mü­hun­gen aus­ge­setzt oder ver­scho­ben“ wor­den sei­en, weil es „in jüng­ster Zeit“ um die Prie­ster­bru­der­schaft St. Pius X. „auf­fal­lend still gewor­den“ sei, sag­te Kar­di­nal Mül­ler, daß es „in die­ser Fra­ge kei­ne sub­stan­ti­el­len Neu­ig­kei­ten“ gebe. „Der Hei­li­ge Vater möch­te, daß wir am Ball blei­ben: ‚mit Ent­schie­den­heit und Geduld‘“. In den „ver­gan­ge­nen Mona­ten“, habe es „Begeg­nun­gen ver­schie­de­ner Art gege­ben, die das gegen­sei­ti­ge Ver­trau­en stär­ken soll­ten“. Als „Vor­aus­set­zung für eine vol­le Ver­söh­nung“ nann­te der Kar­di­nal erneut „die Unter­zeich­nung einer lehr­mä­ßi­gen Prä­am­bel, um die vol­le Über­ein­stim­mung in den wesent­li­chen Glau­bens­fra­gen zu garan­tie­ren“. Die Ant­wort des Glau­bens­prä­fek­ten läßt ver­mu­ten, daß es sich dabei nicht zwin­gend um die Prä­am­bel von 2012 han­deln müsse.

Die jüng­ste Latein­ame­ri­ka-Rei­se von Papst Fran­zis­kus habe gezeigt, „dass sich die Kir­che für eine authen­ti­sche Befrei­ungs­theo­lo­gie ein­set­zen muss“. Er, Mül­ler, arbei­te „seit vie­len Jah­ren im Ein­klang mit der Instruk­ti­on der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on“, mit der in den 1980er Jah­ren die mar­xi­sti­sche Befrei­ungs­theo­lo­gie ver­ur­teilt wur­de, „für eine sol­che Theo­lo­gie, die nicht ideo­lo­gisch aus­ge­rich­tet ist, son­dern das Wohl der Men­schen und der Gesell­schaft vor Augen“ habe. Die Wahl von Papst Fran­zis­kus auf den Stuhl Petri sei „ein Zei­chen der Vor­se­hung“, da die Mehr­heit der Katho­li­ken heu­te in Latein­ame­ri­ka lebe. „Papst Fran­zis­kus hat die Gläu­bi­gen auf sei­ner Rei­se vom Evan­ge­li­um her gestärkt und ermu­tigt und die Völ­ker dort zu einem fried­li­chen und gerech­te­ren Mit­ein­an­der auf­ge­ru­fen. Das ist ein Gebot der Stun­de“, so Müller.

„Treue zum Papst mein Leben lang ein Herzensanliegen“

Auf sei­ne Aus­sa­ge ange­spro­chen, es bestehe die Not­wen­dig­keit, das Pon­ti­fi­kat von Papst Fran­zis­kus „theo­lo­gisch zu struk­tu­rie­ren“, bekräf­tig­te der Kar­di­nal „die spe­zi­fi­sche Auf­ga­be der Kon­gre­ga­ti­on für die Glau­bens­leh­re. Sie hat die Glau­bens- und Sit­ten­leh­re in der gan­zen katho­li­schen Kir­che im Auf­trag des Pap­stes zu för­dern und zu schüt­zen.“ Zu sei­nem per­sön­li­chen Ver­hält­nis zum amtie­ren­den Papst sag­te Kar­di­nal Mül­ler: „Per­sön­lich ist mir die Treue zum Papst mein Leben lang ein Her­zens­an­lie­gen gewesen.“

Zur Öko-Enzy­kli­ka Lau­da­to Si ange­spro­chen, sag­te Mül­ler, dem Papst „sehr dank­bar für die Enzy­kli­ka“ zu sein. Das Doku­ment habe eine „sehr star­ke sozi­al­ethi­sche Kom­po­nen­te“ und füh­re „die Tra­di­ti­on der Sozial­en­zy­kli­ken“ wei­ter. Ihm „scheint“, daß es dem Papst dar­um gehe, „die Augen aller Men­schen guten Wil­lens für die Pro­ble­ma­tik der Umwelt- und der Human­öko­lo­gie zu öff­nen und den Dia­log unter­ein­an­der auf allen Ebe­nen zu fördern.“

Zu den umstrit­te­nen The­men der Zulas­sung wie­der­ver­hei­ra­tet Geschie­de­ner und der Aner­ken­nung der Homo­se­xua­li­tät, mit denen sich die Bischofs­syn­ode im kom­men­den Okto­ber befas­sen wer­de, sag­te Kar­di­nal Mül­ler: „Hier steht die Syn­ode vor der Her­aus­for­de­rung, pasto­ra­le Wege einer stär­ke­ren Inte­gra­ti­on in die Gemein­schaft zu fin­den, ohne Abstri­che vom Wort Jesu und der dar­auf auf­bau­en­den kirch­li­chen Leh­re zu machen. Für die Zukunft der Kir­che und der Gesell­schaft ist die Fami­lie von uner­setz­li­cher Bedeutung.“

Text: Giu­sep­pe Nardi
Bild: katholisch.de (Screen­shot)

34 Kommentare

  1. Fuer die FSSPX ist die „Wand­lung“ Muel­lers eigent­lich von Vor­teil und es ist auch gut, das man im Moment zwar spricht, aber in der Unver­ein­bar­keit der Stand­punk­te verharrt.
    Bene­dikt haet­te das ganz weit vor­an­trei­ben koen­nen, haet­ten ihn wenig­stens ein paar Kle­ri­ker unterstuetzt.
    Die hat­ten aber eine wei­te­re Pro­te­stan­ti­sie­rung der Kir­che im Auge und bestimmt nicht die Rueck­be­sin­nung auf unver­a­en­der­li­che Wer­te und die triden­ti­ni­sche Messe.
    Bene­dikt war ein­fach nicht Macht­mensch genug, um wie sein Nach­fol­ger rueck­sichts­los Per­so­na­li­en durch­zu­set­zen, die ihm nuetzen.
    Lei­der ist das das Ein­zig strin­gen­te an Franz.
    Er hat mei­ner Ansicht von Theo­lo­gie, wie sie fuer Gesprae­che mit FSSPX noe­tig wae­re , wenig bis gar kei­ne Ahnung, denn am Ende sol­cher Gesprae­che steht ein Schei­de­weg, ent­we­der nach Rechts oder Links, ein Dazwi­schen gibt es nicht, dafu­er sind die Stand­punk­te zu unterschiedlich.
    Und erst der auf­saes­si­ge Kle­rus, es muess­ten wahr­schein­lich ueber die Haelf­te aller sog. Prie­ster, vor Allem in 1. + 2. Welt, man­gels Glau­ben ent­las­sen werden.
    Die­se Her­ku­les­auf­ga­be ist hun­dert­mal zu gross fuer Fra­enz­chen, der ja schon Schwie­rig­kei­ten hat, bei Inter­views die katho­li­sche Con­ten­an­ce zu bewahren.
    Viel­leicht heisst der naech­ste „Her­ku­les“ wirk­lich Jesus Chri­stus selbst, dem als unu­e­ber­wind­li­chen Herold von Gol­go­tha, kei­ner mehr wider­ste­hen kann und der das nicht­ka­tho­li­sche Unwe­sen fuer immer aus­rot­tet (Inner­halb und Ausser­halb der Kirche)
    Beten wir darum.

  2. Es ist erstaun­lich, dass Kar­di­nal Mül­ler der Prä­fekt der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on so behut­sam mit
    Papst Fran­zis­kus und sei­ner Enzy­kli­ka umgeht. Das ist natür­lich schon rich­tig, er kann sich ja
    öffent­lich nicht gegen den Papst stel­len. Es ist sowie­so fast ein Wun­der, dass Kar­di­nal Mül­ler sei-
    ne Ämter nicht ver­lu­stigt gegan­gen sind, ver­tei­digt er doch vehe­ment die Glau­bens­leh­re der ka-
    tho­li­schen Kir­che ohne Abstri­che. Sei­ne Anmer­kung dass Fran­zis­kus ein Zei­chen der Vorsehung
    ist, kann man ver­schie­den aus­le­gen und ver­ste­hen. Kar­di­nal Mül­ler wird mit Sicher­heit nicht alles
    gut hei­ßen was Fran­zis­kus tut und sagt, dazu ist die Nega­tiv­bi­lanz zu groß. Was die Piusbruder-
    schaft angeht, so ist nach wie vor der Wider­stand im Vati­kan zu groß und wird sich auch nicht
    so schnell ändern.

    • Ne, das ist kein Wunder.

      Mül­ler hat in Latein­ame­ri­ka ein ganz ande­res Image als in Dtschl. Hier gilt er (mit Recht) als stu­rer Hard­li­ner, dort gilt er (ebfs. mit Recht) als ehr­li­cher Freund der Armen und Geg­ner des reak­tio­nä­ren Kir­chenesta­b­lish­ments. Der Papst hält an ihm fest, weil er ihn als Freund der Armen schätzt und mit einem dog­ma­ti­schen Hard­li­ner auch nichts falsch machen kann. Im Zwei­fel gilt die Wei­sung des Pap­stes aus den ersten Tagen sei­nes Pon­ti­fi­kats: Hört euch an, was die Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on erzählt, aber macht euer Ding wei­ter. Unter die­ser Prä­mis­se kann Ebf. Mül­ler dem Papst nicht gefähr­lich wer­den, son­dern ihm nur helfen.

  3. Kar­di­nal Mül­ler muß diplo­ma­tisch tak­tie­ren. Er kann nicht in offe­ne Oppo­si­ti­on zu Fran­zis­kus und des­sen Anhang gehen. Sei­ne Posi­ti­on ist nicht sta­bil genug. Die­ser Franz kann ja sehr rigo­ros in sei­nen Ent­schei­dun­gen sein. Eine Hal­tung die Bene­dikt XVI. lei­der total fremd war. Um die Kir­che wie­der zur Tra­di­ti­on zurück zu füh­ren, bedürf­te es eines star­ken, ent­schlos­se­nen Pap­stes, der ohne zu zögern sämt­li­che moder­ni­sti­schen und ultra­pro­gres­si­ven Kar­di­nä­le und Bischö­fe eme­ri­tiert und kalt­stellt, und die­se durch Glau­bens­treue Prie­ster ersetzt. Dies ist der ein­zi­ge Weg.
    Dazu bräuch­te es dann einen neu­en Anti­mo­der­ni­sten­eid, den auch ein Papst nach sei­ner Wahl fei­er­lich schwö­ren müß­te, bevor er die Wahl annimmt. Beten wir, daß Gott uns bald so einen Papst schickt, auch wenn dies zur Zeit so hoff­nungs­los erscheint.

    • @Reichsrömer:
      Woher soll wohl ein „star­ker, ent­schlos­se­ner“ Papst her­kom­men, der „sämt­li­che moder­ni­sti­schen und ultra­pro­gres­si­ven Kar­di­nä­le und Bischö­fe eme­ri­tiert und kalt­stellt und die­se durch Glau­bens­treue Prie­ster ersetzt“?
      Bene­dikt XVI. hat zag­haf­te Ansät­ze in die­se Rich­tung getan, aber sie blie­ben doch schon in den Start­lö­chern stecken! Und nach Franz kann es, wenn man die zur Wahl ver­füg­ba­ren Kar­di­nä­le anschaut, nur noch schlim­mer kom­men. Rom ist vom Glau­ben abge­fal­len, an die­ser Tat­sa­che ist nicht zu rüt­teln. End­zeit eben .…..

      • @Siri: Sie haben lei­der Recht. Die Lage ist in der Tat so, daß es wahr­schein­lich nach dem näch­sten Kon­kla­ve noch schlim­mer kommt, falls Gott nicht dem Spuk ein Ende bereitet.

  4. Was heißt das: „pasto­ra­le Wege einer stär­ke­ren Inte­gra­ti­on in die Gemein­schaft“ für die betref­fen­den Per­so­nen (indi­rekt jeden) zu suchen? Ist das nicht auch das Anlie­gen von Herrn Kar­di­nal Marx und vie­ler ande­rer Bischö­fe? — Es wird doch offen gesagt, daß die Leh­re, wie sie ist, dem Buch­sta­ben nach nicht ver­än­dert wer­de, aber… daß man Mög­lich­kei­ten in der „Pasto­ral“ aus­lo­ten wer­de, gelin­de gesagt.
    Und das bedeu­tet letzt­lich dann doch eine Aus­höh­lung der Sakra­men­te in der Pra­xis wie sie ja schon „gang und gäbe“ ist.
    Der gül­ti­ge Kate­chis­mus hat doch aber schon alles klar und gut gere­gelt. Die Inhal­te müß­ten sich ledig­lich ange­eig­net und dann auch in Wort und Schrift ver­kün­det werden.

    War­um über­haupt die­ser gro­ße Auf­wand im Okto­ber wo doch schon alles gere­gelt und seit lan­gem aus­dis­ku­tiert war und ist? Mir scheint als hät­te Herr Kar­di­nal Mül­ler einen Gang zurück­ge­schal­tet, was sicher­lich auch eine Klug­heit ist bzw. sein kann.
    Offen­kun­dig möch­te m.Er. Papst Fran­zis­kus nun doch eine Ände­rung im Sin­ne der Kar­di­nä­le Kas­per und Marx: also die hl. Kom­mu­ni­on „für alle“ sozu­sa­gen. Denn anders wür­de er sich doch untreu wer­den und könn­te das gar nicht „kom­mu­ni­zie­ren“. Das zu sagen, ist aber in kein­ster Wei­se ein Urteil(en).

    Da ist ein ande­rer Geist am Werk- und bei­lei­be nicht nur in die­ser The­ma­tik- wo dann alles plötz­lich als wahr und plau­si­bel erscheint. Und die­ser ande­re Geist ist in der Kir­che in Theo­lo­gie und bekannt­lich auf Gemein­de­ebe­ne (wo nicht?) schon lan­ge mit Hän­den zu greifen.

  5. Sie schrei­ben:;
    Zur Öko-Enzy­kli­ka Lau­da­to Si ange­spro­chen, sag­te Mül­ler, dem Papst „sehr dank­bar für die Enzy­kli­ka“ zu sein. Das Doku­ment habe eine „sehr star­ke sozi­al­ethi­sche Kom­po­nen­te“ und füh­re „die Tra­di­ti­on der Sozial­en­zy­kli­ken“ wei­ter. Ihm „scheint“, daß es dem Papst dar­um gehe, „die Augen aller Men­schen guten Wil­lens für die Pro­ble­ma­tik der Umwelt- und der Human­öko­lo­gie zu öff­nen und den Dia­log unter­ein­an­der auf allen Ebe­nen zu fördern.“
    Die­ser Beur­tei­lung der Öko-Enzy­kli­ka kann ich nicht folgen.
    Zum ersten Male nach Gali­leo mischt sich ein Papst in die Wis­sen­schafts­theo­rie ein und nimmt ein­sei­tig Stel­lung zugun­sten der vom Men­schen infol­ge des CO² — Ver­brau­ches indu­zier­ten und von der Un gepre­dig­ten Kli­ma­theo­rie. Er bekommt den Bei­fall aller Gut­men­schen … und in die­sem ver­dreh­ten Sinn und nicht biblisch muss ich die Wor­te des Kar­di­nals „von den Men­schen guten Wil­lens“ verstehen.
    Das Grund­pro­blem besteht jedoch dar­in, dass Kar­di­nal Bel­l­ar­min im Ver­fah­ren gegen Gali­leo nur den Beweis für das helio­zen­tri­sche Welt­bild gefor­dert hat. Heu­te dage­gen ver­bie­tet Ber­go­glio den Kri­ti­kern sei­ner Kli­ma­theo­rie — wie die­se Sei­te berich­te­te — jeden Dis­kus­si­on­bei­trag. Er will gar kei­ne Beweis­füh­rung, son­dern macht so aus des Kli­ma­dis­kus­si­on eine rei­ne Ideo­lo­gie ohne Mög­lich­keit einer Gegen- oder Ein­re­de. Dass Kar­di­nal Mül­ler als Wis­sen­schaft­ler die­ses nicht erkennt oder erken­nen will, gibt zu den­ken. Si tacuis­ses, phi­lo­so­phus mansisses!!!
    Die sozi­al­ethi­sche Kom­po­nen­te der Enzy­kli­ka habe ich noch nicht ent­deckt. Wie glau­ben Mül­ler und Ber­go­glio eigent­lich die Mensch­heit durch Reduk­ti­on der fos­si­len Brenn­ele­men­te beim Stand der jet­zi­gen Wis­sen­schaft ernäh­ren zu kön­nen. Eine Reduk­ti­on der fos­si­len Brenn­ele­men­te führt zum Hun­ger für sehr vie­le und ist nur mög­lich durch eine gleich­zei­ti­ge Reduk­ti­on der Weltbevölkerung.

    • Ber­go­glio braucht kei­ne Beweis­füh­rung, gen­aus­we­nig wie unse­re Kanz­le­rin: Was er sagt und tut, ist zwar mei­stens völ­lig sinn­frei, aber — oder viel­leicht gera­de des­halb — alternativlos!

  6. Offen­sicht­lich hat sich Kar­di­nal Mül­ler, was die aktu­el­len Fra­gen anbe­langt, eben­falls den Krei­de-Hals-Stil ange­wöhnt, den man aus Ber­lin und Paris und Lon­don und Mos­kau (ja: auch Mos­kau!) und Madrid und Washing­ton und wo auch immer so gut kennt, dass man immer nur eines erkennt: Kom­pe­tenz heißt heu­te, dass man vie­le Rhe­to­rik­kur­se abso­viert hat, einen Dok­tor in „Spin-doc­to­ring“ erwor­ben hat, um jeden Preis zwei­deu­tig bleibt und um Got­tes Wil­len nur nicht ein kla­res Ja oder Nein ohne nach­fol­gen­des Aber sagt.

    Und vor allem die­ses Aus­wei­chen: Wenn er gefragt wird hin­sicht­lich der Kom­mu­ni­on­zu­las­sung der wie­der­ver­hei­ra­te­ten Geschie­de­nen und ant­wor­tet dar­auf mit der Bemer­kung, man dür­fe nicht immer von den Geschei­ter­ten reden, son­dern davon, wie man die Ehe wie­der ver­ständ­lich mache — der from­me Sinn wird eif­rig zustim­men, jeden­falls, was den letz­te­ren Pas­sus betrifft — nur: der erste ist damit den­noch nicht klar beant­wor­tet, und das bemer­ken dann die mei­sten schon nicht mehr, weil sie geeicht sind dar­auf, rhe­to­ri­schen Sät­zen wie­der­um rhe­to­risch zu willfahren…

    Eigent­lich alles inhalts­lo­ses Gere­de für Leu­te, die nach drei Sät­zen ohne­hin nicht mehr wis­sen, was im ersten Satz gesagt wurde.

    • @zeitschnur:
      Genau das woll­te ich mit mei­ner Bemer­kung „bla .… bla .… bla .…“ gesagt haben: Inhalts­lo­ses Gere­de, das vor allem nicht den Zeit­geist stört und damit auch die Ruhe der hohen Kle­ri­ker stört, die vor allem dar­auf aus sind, ihre Pfrün­den zu sichern, zu erhal­ten und aus­zu­bau­en. Der Glau­be ist doch nur noch die Folie, deren man bedarf, um das Gebäu­de auf­recht­erhal­ten zu kön­nen und damit sei­ne eige­ne Exi­stenz. Ihr Gott ist nicht Jesus Chri­stus, son­dern der Bauch (um ein Wort des hl. Pap­stes Pius X. auf­zu­grei­fen, das er im Jahr 1908 den Pro­te­stan­ten entgegenschleuderte).
      Jesus hat gesagt: Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein, alles ande­re ist vom Übel. Aber die moder­ne Rhe­to­rik macht es eben mög­lich, aus jedem Ja ein Nein oder doch zumin­dest ein Jein zu machen. Nur nicht fest­le­gen, nur ja kei­ne kla­re Aus­sa­ge, die Medi­en könn­ten es übel­neh­men und zum Hala­li bla­sen (wie bei Marx und Tebartz von Elst).

      • Eine kur­ze Klar­stel­lung: Es soll­te natür­lich am Schluß hei­ßen: … wie bei Mixa und Tebartz von Elst!

      • Ja, das mein­te ich — nur eine Kor­rek­tur: Ihr Zitat vom Bauch­gott stammt nicht von Pius X., son­dern aus dem Phil­ip­per­brief. Pius X. hat es aufgegriffen.

        „Ihr Ende ist die Ver­damm­nis, ihr Gott ist der Bauch und ihre Ehre ist in ihrer Schan­de; sie sind irdisch gesinnt.“ (Phil. 3, 19)

  7. Gestat­ten Sie mir, dass ich mei­nen Bei­trag wei­ter erläu­te­re. Die Kir­che hat­te bis­her ein Lehr­amt mit dem Papst als höch­ste von Chri­stus selbst ein­ge­setz­te Auto­ri­tät. Dies war die Geschäfts­grund­la­ge der katho­li­schen Kir­che. Kei­ne ande­re Reli­gi­on auf Erden hat­te die­sen Vor­zug! Heu­te unter Fran­zis­kus ist das Lehr­amt nicht mehr erkenn­bar und die (Lehr-?) ‑Ent­schei­dun­gen fal­len nach der Basta­me­tho­de.. Ich den­ke an die wun­der­lo­se Hei­lig­spre­chung von Päp­sten, ohne den „Advo­ka­tus Dia­bo­li“, ohne eine Erklä­rung über die offe­nen Fra­gen in den Lebens­läu­fen von Päp­sten, auf die u.a. Don Vil­la hin­ge­wie­sen hat. In die­ses sehr dif­fu­se Bild des heu­ti­gen Lehr­am­tes pas­sen die Wider­sprü­che in den bei­den letz­ten Enzykliken
    mit der bis­he­ri­gen Leh­re. Dazu passt natür­lich auch. dass eine (Klima-)Ideologie lehr­amt­lich unter Aus­schluss eine wis­sen­schaft­li­chen Dis­kus­si­on vor­ge­tra­gen und als heils­brin­gend gelehrt wird. Vor die­sem Hin­ter­grund habe ich die Befürch­tung, dass unse­re Reli­gi­on mit all ihren Vor­zü­gen zu Ideo­lo­gie ver­kom­men soll, in der nur mehr die Moral und Ethik der Gut­men­schen gelehrt wird. Das Trau­ri­ge ist, dass selbst die — wie Kar­di­nal Mül­ler — es bes­ser wis­sen und erken­nen müss­ten, inzwi­schen den Weg der Anpas­sung gehen. Treue zum Papst ja, aber auch die­se muss kri­tisch sein. Der Kir­chen­leh­rer, der hl. Bel­l­ar­min, hat uns die­ses u.a, gelehrt.

    • Dr. Fasen:

      Bis­her? Heute? 

      Es ist aber nicht Fran­zis­kus, der den „Adv. Diab.“ abge­schafft und Hei­lig­spre­chun­gen in einer unüber­schau­ba­ren Wei­se vor­ge­nom­men hat, die die­sen Stand rich­tig­ge­hend zu — ‚tschul­di­gung — unkennt­li­chem Bulk­good degra­dier­te. Genau­so wenig ist er’s, der den Öku­me­n­e­zir­kus bis hin zur Küs­se­rei nicht nur von Pro­te­stan­ten­bi­beln, son­dern sogar des Koran ange­wor­fen resp. prak­ti­ziert hat. Auch ist es nicht Fran­zis­kus, der die Fuß­wa­schung an Lai­en durch den Nach­fol­ger Petri am Grün­don­ners­tag ein­ge­führt hat, erst recht nicht die Hand­kom­mu­ni­on und weib­li­che Mini­stran­ten, wie es auch nicht er ist, der die Tia­ra sogar noch aus dem Papst­wap­pen gestri­chen hat, usw. usf. 

      Aber eben, sich — nicht Sie — mit Ali­en-Phan­ta­ste­rei­en zu beschäf­ti­gen oder dem ach so schlim­men Isra­el, das einen kom­mu­ni­sti­schen Lan­des­ver­rä­ter nicht aus­rei­sen lässt, ihm anson­sten aber kein Haar krümmt, DAS wird die Kir­che sicher weiterbringen.

  8. An Car­lo:
    Die offen ste­hen­den Fra­gen betreffen
    1. bei Johan­nes XIII sein Ver­hält­nis zu den Frei­mau­rern. Stimmt es, dass er zu sei­ner Pari­ser Zeit regel­mä­ßig an jedem Frei­tag die Ver­samm­lung der Frei­mau­rer besucht hat und wenn ja mit wel­chem Ziel. Kon­kret: War er selbst mög­li­cher­wei­se Frei­mau­rer? War­um hat er die Bot­schaft von Fati­ma 1960 nicht ver­öf­fent­li­chen las­sen, wie die Mut­ter Got­tes gebo­ten hat­te und war­um hat er die Wei­he Russ­lands an das unbe­fleck­te Herz Mari­ens nicht vor­ge­nom­men? und war­um hat den Ver­trag von Metz durch Kar­di­nal Tis­serant und den rus­si­schen Metro­po­li­ten Niko­dim abschlie­ssen las­sen, mit­tels dem genau die gebo­te­ne Wei­he für spä­te­re Zei­ten ver­trag­lich aus­ge­schlos­sen wur­de oder ohne Ver­trags­bruch mit ent­spre­chen­den diplo­ma­ti­schen Ver­wir­run­gen nicht mög­lich war?
    2, Die Vor­wür­fe von Don Vil­la gegen Paul VI sind öffent­lich. Ich möch­te und wer­de sie nicht wie­der­ho­len, aber ich sähe sie ger­ne als nich­tig oder als Ver­leum­dung auf­ge­klärt. Dar­auf habe ich als Gläu­bi­ger vor der Cano­ni­sie­rung ein Anrecht.
    3. Bei aller Wert­schät­zung von Johan­nes Paul II kann ich Assi­si nicht ver­ste­hen. Ich kann nicht ver­ste­hen, dass ein Papst ein Bud­da Sta­tue auf die glei­che Höhe neben den aus­ge­setz­ten Chri­stus gestellt hat. Bis­her konn­te mir nie­mand das Zei­chen erklä­ren. Und so bleibt die offe­ne Fra­ge des Synkretismus,
    Ich gehe davon aus, dass das Lehr­amt die Pflicht hat, die­se Fra­gen der Gläu­bi­gen zu klä­ren. Dafür gab es den Adv, Dia­bo­li, der von Fran­zis­kus genau in die­sen Fäl­len ent­mach­tet bzw. abge­schafft wur­de. Die­se erkenn­ba­re Will­kür und Bruch mit einer festen Regel lässt mich zwei­feln und fra­gen, ob hier noch der Glau­be ver­bind­lich ver­kün­det wird.

    • Es war Johan­nes Paul II., der die stren­gen Ver­fah­ren für Kano­ni­sa­tio­nen auf­ge­ho­ben und mas­siv sim­pli­fi­ziert hat.

      Es war Paul VI., der durch eine neue Instruk­ti­on eine kla­re Ableh­nung einer „Erschei­nung“ ver­un­mög­licht hat. Frü­her gab es „cons­tat de super­na­tu­ra­li­ta­te“ oder „cons­tat de non super­na­tu­ra­li­ta­te“. Ent­we­der oder. Die schlaue Bemer­kung, mit einer sol­chen Appro­ba­ti­on oder Nicht-Aner­ken­nung sei kei­ne posi­ti­ve Erklä­rung im Fall des „cons­tat“ ver­bun­den, ist so gesagt falsch. Wenn die Kir­che fest­stell­te „Es steht fest, dass“ oder „Es steht fest, dass nicht“, dann waren das defi­ni­ti­ve Aussagen.
      Erst durch die Wischi­wa­schi-For­mu­lie­rung „Non cons­tat de…“ (Es steht nicht fest, dass) wur­de der Ein­druck erweckt, was immer die Kir­che hier ent­schei­det — es kann auch noch mal ver­än­dert werden.

      Bemer­kens­wert in die­sem Zusam­men­hang zwei spek­ta­ku­lä­re, gera­de in Tra­di­k­rei­sen extrem belieb­ten Phä­no­me­nen: Sr. Fausty­na und Pater Pio. Bei­de wur­den vor dem Kon­zil mit äußer­ster Skep­sis ange­se­hen. Pater Pio durf­te nicht mehr öffent­lich wir­ken und sei­ne Akte im Vati­kan ist bis heu­te unter Ver­schluss. Paul VI. ent­deck­te plötz­lich sein Herz für ihn und spül­te ihn megamä­ßig hoch. Sei­ne Kano­ni­sa­ti­on betrieb syste­ma­tisch JP II. Mit sei­nen Wun­der­mätz­chen hat er Mil­lio­nen Katho­li­ken davon abge­hal­ten, nüch­tern und tief in die Leh­re ein­zu­drin­gen und sich um sich selbst und ihre gefüh­li­gen Erfah­run­gen und Selbst­be­zo­gen­hei­ten zu dre­hen, die sie mei­nen, mit ihm gemacht zu haben — zu Leb­zei­ten oder posthum.
      Die Hyste­rie Pius X. gegen die, die die pri­va­te Erfah­rung des Glau­bens höher set­zen als die objek­ti­ve Leh­re, hat sich bei ihm auf eine schrä­ge und irr­lich­tern­de Wei­se erfüllt: Im from­men Gewand wur­den die Leu­te auf ihre Erfah­run­gen fixiert und die Mil­lio­nen, die dort­hin pil­ger­ten, haben kei­nes­wegs eine Erneue­rungs­wel­le oder beson­de­ren Segen in den Gemein­den aus­ge­löst — es geht alles nie­der, unaufhaltsam!
      Bei Sr. Fausty­na muss man sehen, dass ihre Barm­her­zi­ge-Jesus-Ver­eh­rung unter Pius XII. ver­bo­ten, ihr Tage­buch sogar auf den Index gesetzt wur­de. Und schwupp­di­wupp kommt Johan­nes Paul II. und tut so, als kön­ne man sol­che Ent­schei­dun­gen ein­fach mal kurz kas­sie­ren und alles, was vor­her das Hl. Offi­ci­um begrün­det ablehn­te, wur­de von dem­sel­ben Papst sogar noch als recht­gläu­big zementiert…

      Sei­ne Assi­si-Geschich­te und der Koran­kuss und sei­ne selt­sa­me Barm­her­zig­keits­theo­rie eben­so wie die „Theo­lo­gie des Lei­bes“, die­se Mischung aus moder­nem Skep­ti­zis­mus und bigot­tisch-magi­schem Katho­li­zis­mus, gar­niert mit sen­ti­men­ta­ler Mari­en­ver­eh­rung — das hat Ber­go­glio nicht erfun­den, son­dern schlicht und ein­fach angetreten!

      Was Fati­ma betrifft: hier haben sich auch schon Pius XI. und Pius XII. gesperrt. Das liegt nicht nur an Johan­nes XXIII. und schon gar nicht an Bergoglio!

      Und ein Wort zu Don Vil­la: Sei­ne Instruk­tio­nen erhielt er zunächst durch Pater Pio und irgend­wel­che über­sinn­li­chen Erschei­nun­gen, die auch wie­der mit Pater Pio zu tun haben…

      F.

      • Ich habe die Don-Vil­la-Aus­füh­run­gen auch gele­sen, und sie hal­ten kei­ner Über­prü­fung stand, die man von hier aus lei­sten könn­te. Sie leben von Gerüch­ten, Dämo­ni­sie­run­gen, Ver­leum­dun­gen und aller­lei Über­spannt­hei­ten, die alle­samt nicht sau­ber bewie­sen werden.

        Nee dan­ke — so etwas ist nicht in Ordnung!

        Und die Kir­che muss nicht bewei­sen, dass das NICHT stimmt, son­dern die­se Het­zer müs­sen bewei­sen, DASS das, was sie da so leicht­hin behaup­ten, wahr ist. Dre­hen wir das Recht nicht um!

        Dass ich auch jen­seits Don Vil­las extre­me Zwie­fel an den Herrn Päp­sten habe, bleibt davon unbe­rührt. Aber ich kann sie auf der Sach­ebe­ne bewei­sen und muss nicht per­sön­lich werden.

      • Lie­be Zeitschnur,
        für mich blei­ben den­noch Fragen:
        Einer­seits: // Sr. Fausty­na und Pater Pio. Bei­de wur­den vor dem Kon­zil mit äußer­ster Skep­sis angesehen //
        Andererseits:
        // Was Fati­ma betrifft: hier haben sich auch schon Pius XI. und Pius XII. gesperrt. // — War­um das eigent­lich, nach­dem doch Fati­ma seit 1930 (?)kirch­lich aner­kannt war? War­um die­ses Zögern oder auch die­se Skepsis(?) ?

        War­um sind die Aus­sa­gen von Lucia dos San­tos vor und nach dem Kon­zil nicht ein­heit­lich bzgl. des drit­ten Geheimnisses?
        Ein Johan­nes Paul II hat nicht nur Pad­re Pio, son­dern auch die Seher­kin­der Fran­cis­co und Jacin­ta Mar­to selig­ge­spro­chen, die Hei­lig­spre­chung ist in Vorbereitung!

        Im Fal­le Fati­mas sind die Kon­se­quen­zen aus der Über­na­tür­lich­keit schwei­gend über­gan­gen (drit­te Geheim­nis), ja igno­riert (Wei­he Russ­lands) und mit der publi­kums­wirk­sa­men Pil­ger­fahrt der Päp­ste nach Fati­ma (Paul VI, JP II) zuge­deckt worden.
        Der Fall Pad­re Pio wur­de erst lan­ge hin­aus­ge­scho­ben, dann doch gehypt (erst postum(!) durch Paul VI) und nicht zuletzt noch mit einem mehr als frag­wür­den Kir­chen­bau zementiert.

        Bei die­sen Inkon­se­quen­zen dürf­te nie­mand mehr, da durch das Kon­zil suspekt, hei­lig gespro­chen wer­den — was aller­dings, nach­dem Paul VI die Tia­ra abge­legt hat und seit­dem nun auch im Papst­wap­pen ver­schwun­den ist, eine durch­aus berech­tig­te Annah­me ist.
        Offen­bar ist die unsi­che­re Bewer­tung von und der Umgang mit Über­na­tür­lich­keit nach dem Kon­zil jeweils schon vor dem Kon­zil ange­legt. Ein end­gül­ti­ger Bruch war mE. dann mit Paul VI vollzogen.

        Bei alle­dem soll­ten wir aber nicht ver­ges­sen, dass wir v.a. um die Hei­li­gung des eige­nen Lebens bedacht sein müs­sen. Wir haben das Wort Got­tes und IHN , der sich um unse­res Hei­les wil­len selbst geop­fert hat. Ihm soll­ten wir fol­gen, täg­lich, jeder­zeit — das ist schwer genug.

      • @ Agri­co­la

        Das sind berech­tig­te Fra­gen, und ich kann sie nicht schnell mal beant­wor­ten. Ich weiß nur eines: Wenn die Schrift den Bösen einen „Ver­wir­rer“ nennt, dann müs­sen wir auch mir einer ech­ten Ver­wir­rung rech­nen. Und daher ist auch das geson­der­te Cha­ris­ma der „Unter­schei­dung der Gei­ster“, das offen­bar nicht iden­tisch ist mit der Auf­ga­be des Lehr­am­tes (jeden­falls geht das aus der Schrift­le­sung vom letz­ten Sonn­tag — im alten Ritus — klar her­vor) sehr wichtig!
        Mir wird auch immer kla­rer, dass die Ver­füh­rung, in die der Satan Eva stürz­te, eine ech­te, gra­vie­ren­de Ver­füh­rung im Geist war und auf kei­nen Fall die­ses Geblö­ke von irgend­ei­ner „Sinn­lich­keit“ oder „Eitel­keit“ Evas. Das ver­fehlt den Ernst der Lage! Eva wur­de ver­wirrt und ver­führt, weil sie dach­te — und das steht so im AT — sie wür­de dadurch Erkennt­nis gewin­nen kön­nen. Ihre an sich gute Erkennt­nis­sehn­sucht wur­de syste­ma­tisch per­ver­tiert. Und da sie, anders als wir, zuvor rein und gut war, gin­gen ihr auch kei­ne erfah­rungs­ge­steu­er­ten Warn­lam­pen an. Als Gott sie spä­ter zur Rechen­schaft zieht, sagt sie ja: Die Schlan­ge täusch­te mich. Gott akzep­tiert die­se Erklä­rung vollund ganz.
        (Bei Adam liegt der Fall anders, weil er bewusst und mit kla­rem Kopf unge­hor­sam war — das ist dann der Fall derer, die wider bes­se­res Wis­sen und wider die kla­re Erkennt­nis gegen Got­tes Wort oppo­nie­ren und verstoßen.)
        Wir aber sind als „Mas­se der Gläu­bi­gen“ in die­ser Täu­schung befan­gen und haben größ­te Mühe, uns zu ori­en­tie­ren, weil es uns so geht wie damals Eva: der, dem das Gebot über­ge­ben war, hat es ver­un­treut und bestärkt uns dar­in, uns täu­schen zu las­sen. Ich mei­ne damit das Lehramt.

        Das ist eine fürch­ter­li­che Lage!
        Ich lese sehr viel nach über die Vor­gän­ge im Vati­kan seit dem Tod Leos XIII. Ich per­sön­lich glau­be, dass mit Pius X. der erste Ein­sturz gesetzt wur­de. Aus ver­schie­de­nen sach­li­chen Grün­den sehe ich ihn äußerst kri­tisch, kann das aber nicht kurz mal auseinanderlegen.
        Für die­se Sicht spricht auch, dass Leo XIII. glaub­haft Visio­nen hat­te, in denen der Satan von Jesus die Erlaub­nis bekam, die Kir­che in 75–100 Jah­ren zugrun­de zu rich­ten (ab dem Moment der Visi­on, die, glau­be ich 1884 war).
        Leo XIII. ver­fass­te dar­auf­hin das berühm­te Gebet zum Erz­engel Micha­el, in dem bereits aus­ge­spro­chen wird, dass der Hl. Stuhl vom Anti­chri­sten unmit­tel­bar besetzt wird. 

        „Selbst am hei­li­gen Ort, wo der Sitz des hei­li­gen Petrus und der Lehr­stuhl der Wahrheit
        zur Erleuch­tung der Völ­ker errich­tet ist,
        haben sie den Thron ihrer abscheu­li­chen Gott­lo­sig­keit aufgestellt,
        vol­ler Heim­tücke, damit, nach­dem der Hirt geschla­gen ist,
        sie auch die Her­de zer­streu­en kön­nen.“ (1888)

        Nach Leo XIII. wur­de des­sen Gebets- und Vor­sichts-Basti­on gegen den Satan syste­ma­tisch abgebaut. 

        Es ist so chao­tisch — auch gera­de die unse­li­ge Rol­le Pius XII, der offen­bar syste­ma­tisch die Rich­tung Pius XI. zu des­sen Leb­zei­ten unter­lief, blockier­te oder sogar eigen­mäch­tig ver­än­der­te… und er selbst wur­de dann durch Mon­ti­ni spä­ter betrogen…

      • Nach­trag:

        Die Debat­ten um die Defi­ni­ti­on des Unfehl­bar­keits­dog­mas müsen hier auch noch ein­mal genau­er ange­se­hen wer­den. Ich lese zur Zeit ein inter­es­san­tes Buch über die Kon­tro­ver­se Hen­ry Man­nings und J.H. New­mans zu dem Thema.

        Es wird deut­lich, dass die Trenn­li­nie „Moder­nis­mus“ vs. „(scho­la­sti­sche) Orh­todo­xie“ in sich viel­leicht schon ein ech­tes Hin­der­nis ist, die Sach­la­ge noch dif­fe­ren­ziert zu durch­den­ken. Pius X. hat ver­mut­lich das getan, wovor die Schrift warnt: Mit dem wahn, das „Übel mit der Wur­zel aus­zu­rei­ßen“ hat er gleich noch gute Stän­de aus­grupft und hei­mat­los gemacht. Zumal sich leo XIII. vor­her aus­drück­lich vor­sich­tig geäu­ßert hat­te und zur Groß­her­zig­keit und zum Groß­mut ermahnt hat­te in sei­nem Ver­mächt­nis 1902 (Annum ingres­sus sumus).

        https://books.google.de/books/about/P%C3%A4pstliche_Unfehlbarkeit_bei_Henry_Edwa.html?id=4UQsrgvEoxYC&redir_esc=y

        Man kann da auch ein paar Snip­pets lesen. Anson­sten halt kau­fen, gibts auch antiquarisch.

      • Das hat ja alles nichts mit dem Aus­gangs­be­richt zu tun. Mut­ma­ßun­gen über Pater Pio kann sich jeder doch sel­ber den­ken. Typisch, dass Pius X in den Dreck gezo­gen wird, das muss ja sein bei bestimm­ten Leuten.Tradikreise sind unbe­kannt. was ist denn das schon wie­der für eine miß­lun­ge­ne Wortinszenierung ?

  9. Frau Zeit­schur so habe ich es nie gesagt.
    Ich habe nie gesagt und ange­nom­men. dass die Ein­las­sun­gen von Don Vil­la wahr sind. Aber ich bin der Ansicht, dass ich-. und ´dass bedeu­tet jeder Christ — erwar­ten kann und muss, dass die Vor­wür­fe ent­kräf­tigt wer­den kön­nen, vor allem dann, wenn es sich um die Hei­lig­spre­chung han­delt. Ent­kräf­tigt bedeu­te dabei nicht, dass der Autor unglaub­wür­dig gemacht wird. Ent­kräf­tigt bedeu­tet, dass die Logik der von ihm geschil­der­ten Kau­sal­zu­sam­men­hän­ge als unwahr bewie­sen wer­den. Die­ses muss mög­lich sein und wenn nicht blei­ben bei mir Beden­ken gegen das Ver­fah­ren. Die Kir­che kann doch ohne Stel­lung­nah­me über sol­che gra­vie­ren­den Vor­wür­fe nicht hin­weg­ge­hen. Eine Erklä­rung muss doch vom Lehr­amt ver­langt wer­den kön­nen. Oder geht es wie in der Poli­tik, wo Pro­ble­me mit mehr oder weni­ger Erfolg aus­ge­ses­sen wer­den. Die­se Metho­de hat aber mit der Wahr­heits­fin­dung gar nichts mehr zu tun. Es stellt sich hier die Grund­satz­fra­ge der Glaub­wür­dig­keit des Lehr­am­tes, an dem ich bis­her nie gezwei­felt habe.
    Ja für mich besteht hier schon im Sin­ne der juri­sti­schen Ter­mi­no­lo­gie die Umkehr der Beweis­last für das Lehr­amt. Der Gläu­bi­ge hat ein recht nach­voll­zieh­bar die Wahr­heit zu wissen.
    Oder soll und muss ich mei­nen Glau­ben ob der Argu­men­ta­ti­ons­faul­heit der Theo­lo­gen verlieren?

    • Da die Vor­wür­fe bei Don Vil­la auf die­ser „okkul­ten Ebe­ne“ lie­gen, die man so schwer veri­fi­zie­ren oder wider­le­gen kann, hal­te ich davon nichts. Er hät­te hieb- und stich­fest bewei­sen müs­sen, dass das alles so ist. Aber wie soll man das tun? Es liegt in der Natur der Sache, dass das unmög­lich ist und ich will damit nichts zu tun haben. Wir haben uns in sol­che „Hexen­jag­den“ lan­ge genug ver­strickt, und sie haben nur Unrecht pro­du­ziert und das Anse­hen der Kir­che beschmutzt.

      Für mich ist Paul VI. aus gra­vie­ren­den und jeder­mann nach­voll­zieh­ba­ren theo­lo­gi­schen Grün­den unge­eig­net für eine Hei­lig­spre­chung. Ich habe mich ja schon oft kri­tisch über ihn und sei­ne Taten und Sät­ze geäußert. 

      Aller­dings sind die Kri­tie­ri­en für eine Hei­lig­spre­chung durch JP II der­ma­ßen tief her­un­ter­ge­fah­ren wor­den, dass ich per­sön­lich kei­ne Hei­lig­spre­chung danach mehr aner­ken­ne. Ob die Betref­fen­den in dem einen oder andern Fall viel­leicht sehr wohl hei­lig sind, wird dadurch nicht bestritten.
      Durch die nach­kon­zi­lia­re (lit­ur­gi­sche) Ent­wick­lung nei­ge ich dazu,. über­haupt kei­ne Kano­ni­sa­ti­on nach 1970 mehr anzu­er­ken­nen. Man weiß nicht, ob der oder die wirk­lich hei­lig ist, man weiß nicht, ob der papst wirk­lich nioch recht­mä­ßi­ger Papst ist, man weiß nicht mal mehr (bei F.), ober über­haupt gül­tig geweiht ist.

      • Ich kann nicht ver­ste­hen, dass die Fra­ge der Kano­ni­sie­rung eine so gro­ße Rol­le spie­len soll. Immer­hin hat es in der Geschich­te der Kir­che etwa 900 Jah­re gege­ben, in denen es sol­che offi­zi­el­le Hei­lig­spre­chun­gen wohl nicht gege­ben hat. Auch ist mir in der Bibel kei­ne Stel­le bekannt, auf die sich eine Kano­ni­sie­rung grün­den lässt. Es müss­te doch rei­chen, wenn Gott sei­ne Hei­li­gen kennt. Für eine katho­li­sche Lebens­ge­stal­tung soll­te es doch Wich­ti­ge­res geben.

      • @ Sarah

        „Hei­lig­spre­chun­gen“ bestim­men ja nicht, ob einer oder eine hei­lig ist, son­dern sind eine „recht­li­che“ Sache: der gan­zen Kir­che wird erlaubt, die­se hei­li­ge Per­son öffent­lich und kirch­lich zu ver­eh­ren. Pri­vat kann jeder Men­schen ver­eh­ren, von deren Hei­lig­keit er über­zeugt ist.

        Ich mache ein Beispiel:

        Wenn Msgr. Lef­eb­v­re öffent­li­che Wall­fahr­ten ans Pétaingarb mach­te und ihn dort um Für­spra­che anrief, dann ist das ein Ver­stoß gegen die Regeln. da Pétain nicht selig­ge­spro­chen ist, kann man ihn auch nicht öffent­lich und kirch­lich ver­eh­ren. Lef­eb­v­re kann ihn natür­lich pri­vat um Für­spra­che bitten.

        Wenn aber anders­her­um die Hei­lig­keit eines Men­schen aus gra­vie­ren­den Grün­den frag­lich ist, die Kir­che aber trotz des­sen des­sen Hei­lig­keit fest­stellt, wer­den die Gläu­bi­gen irre­ge­führt: sie bit­ten womög­lich einen, der in der Höl­le sitzt um Für­spra­che oder einen, der vom fege­feu­er aus noch kei­ne Fürps­ra­che lei­sten kann.

        Hei­lig­spre­chun­gen erfolg­ten frü­her in aller Regel auf­grund des Drän­gens der Lai­en und nie­de­ren Kle­ri­ker (am Wir­kungs­ort des Ver­stor­be­nen), grün­de­ten auf Erfah­run­gen und der all­täg­li­chen Kennt­nis des­je­ni­gen zu Leb­zei­ten. Es war ein natür­li­cher und unge­zwun­ge­ner Prozess.

        Seit dem 20. Jh aber hat man den Ein­druck, Hei­lig­spre­chun­gen sei­en ent­we­der ein Poli­ti­kum. Gleich, was das Volk denkt oder erlebt, wer­den nun Hei­li­ge zur Zwangs­ver­eh­rung auf­ok­troy­iert. Oder ein fahr­läs­si­ger Umgang auch mit Fehl­hal­tun­gen im Kir­chen­volk — denn natür­lich ist nicht jeder, der für hei­lig gehal­ten wird, wenn man genau hin­sieht, einer gewesen.

  10. Sehr geehr­te Frau Zeitschnur,
    Wenn Sie schrei­ben, „okkul­te Ebe­ne“ ohne Begrün­dung, so ist es genau das, was ich mit unglaub­wür­dig machen ver­ste­he. Don Vil­la müss­te der Kom­mis­si­on Ross und Rei­ter genannt haben. Ich ver­ste­he sehr wohl, dass er die Namen nicht ver­öf­fent­licht. Es hät­te an der Hei­lig­spre­chungs­kom­mis­si­on gele­gen für Klar­heit zu sor­gen. Oder woll­te sie ein Geschmäckle?

    • Ich ver­ste­he das Argu­ment nicht ganz — wenn Don Vil­la Ross und Rei­ter nicht nennt, dann liegt der Feh­ler bei ihm, nicht bei der Kommission.

      Ich ver­ste­he nicht, war­um er die Namen nicht veröffentlicht…denn nur das hät­te Klar­heit geschaffen.

      Aber da er nicht mehr lebt (ist doch so, oder?) bringt das alles nichts mehr.

  11. Na, fre­di­us, wun­dert Sie noch immer mein Kom­men­tar: bla .… bla .…. bla .…..?
    Nach den neue­sten Infor­ma­tio­nen aus dem Vati­kan kommt es genau so, wie ich es vor­aus­ge­ahnt habe, daß näm­lich die kon­ser­va­ti­ven Mit­glie­der der kom­men­den Syn­ode auf kal­tem Weg ent­mach­tet wer­den. Was inter­es­siert den Franz denn, was ein Kar­di­nal sagt, selbst wenn er als ober­ster Glau­bens­wäch­ter fun­giert? Den kann man mühe­los durch einen ande­ren erset­zen, der sich in allen Punk­ten will­fäh­rig erweist. Wie schnell das gehen kann, sieht man an etli­chen abschrecken­den Bei­spie­len. Mich wun­dert inzwi­schen gar nichts mehr — doch, eines wun­der mich doch: daß Papst Eme­ri­tus Bene­dikt XVI. zu sol­chem Fre­vel schweigt! Er ist zwar ent­mach­tet, aber sein Wort hät­te bestimmt Gewicht! Doch offen­bar zieht er sich lie­ber mit Fran­zens Gna­den nach Castel Gan­dol­fo zurück und läßt den lie­ben Gott einen guten Mann sein.

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