Papst weihte Paraguay der Gottesmutter von Caacupé — Warum nicht die Welt Unserer Lieben Frau von Fatima?

Jungfrau von Caacupe Bild von Paula Veronica Reingold
Jung­frau von Caa­cupe Bild von Pau­la Vero­ni­ca Reingold

(Rom) Am 11. Juli zele­brier­te Papst Fran­zis­kus am para­gu­ay­ischen Mari­en­wall­fahrts­ort Caa­cu­pé die Hei­li­ge Mes­se. Bei die­ser Gele­gen­heit weih­te er Para­gu­ay Unse­rer Lie­ben Frau von Caa­cu­pé. Um genau zu sein, nahm er eine Wei­he­er­neue­rung vor. So war es ange­kün­digt wor­den und so ent­hält es auch die Wei­he­for­mel, die für die­sen Anlaß vor­be­rei­tet wur­de. Im ersten Teil des Gebe­tes wird die Wei­he aus­drück­lich erwähnt.

Oh Seño­ra y Madre Nuestra,
Vir­gen de tan­tos rostros y tan­tos nombres,
que aquà­ eres infi­nitamen­te amada
como Tupà£sy Caacupé,
te cons­agra­m­os el Paraguay,
cora­zón de América,
con todos sus habitantes …

Oh Unse­re Frau und Mutter
Jung­frau der vie­len Gesich­ter und vie­len Namen,
die Du hier so sehr ver­ehrt wirst
als Mut­ter Got­tes von Caacupé,
Dir wei­hen wir Paraguay,
das Herz Amerikas,
mit all sei­nen Bewohnern …

Gnadenbild von einem Guarani geschnitzt

Marienheiligtum-Caacupe-in-Paraguay
Mari­en­hei­lig­tum von Caa­cupe 2012

Caa­cu­pé, ein Gua­ra­ni-Namen, bedeu­tet soviel wie „hin­ter dem Wald“. Die Stadt im Süden Para­gu­ays zählt heu­te fast 50.000 Ein­woh­ner und bil­det das reli­giö­se Zen­trum des latein­ame­ri­ka­ni­schen Staa­tes. Im Tal leb­te ein Gua­ranà­-Holz­schnit­zer namens José, der durch die Jesui­ten­mis­sio­na­re chri­stia­ni­siert und getauft wor­den war. Für sei­ne Schnit­ze­rei­en such­te er in den Wäl­dern geeig­ne­tes Holz. Eines Tages kreuz­ten sich sei­ne Wege mit Mba­yas-Indi­os, die gegen die por­tu­gie­si­schen Skla­ven­händ­ler und ihre spa­ni­schen Hel­fers­hel­fer kämpf­ten. Um sein Leben fürch­tend ver­sprach José der Jung­frau Maria, aus dem gefun­de­nen Holz­stamm eine Sta­tue zu schnit­zen, soll­te er unver­sehrt die­se Situa­ti­on über­ste­hen. Da erschien ihm die Got­tes­mut­ter und zeig­te ihm den Platz, wo er sich ver­stecken konn­te und von den Mba­yas unent­deckt blieb.

José schnitz­te der Got­tes­mut­ter die ver­spro­che­ne Sta­tue. Da der Baum­stamm groß genug war, fer­tig­te er gleich zwei Sta­tu­en an. Die grö­ße­re über­gab er der Kir­che von Toba­ti, die klei­ne­re behielt er für die per­sön­li­che Ver­eh­rung bei sich. Für sie errich­te­te er eine beschei­de­ne Kapel­le. Als es wäh­rend einer Über­schwem­mung Jah­re spä­ter zu einer wei­te­ren Erschei­nung kam, die Anwe­sen­den erkann­ten die ihnen ver­trau­te Mari­en­dar­stel­lung von José wie­der, kamen immer mehr Pil­ger zur „Jung­frau der Wun­der“. Es ent­stand eine Sied­lung um die Kapel­le, die ste­tig wuchs. Schließ­lich wur­de eine Kir­che errich­tet, die am 8. Dezem­ber 1765 geweiht wur­de. Die Grund­stein­le­gung zur heu­ti­gen Basi­li­ka erfolg­te am 15. April 1945. Papst Fran­zis­kus erhob sie am 11. Juli zur Basi­li­ca minor, der zwei­ten Paraguays.

Symbolik

Drei Ster­nen­rin­ge sym­bo­li­sie­ren die immer­wäh­ren­de Jung­frau vor, wäh­rend und nach der Geburt Jesu. Der größ­te Stern im Ster­nen­kranz stellt den Mor­gen­stern dar, er sym­bo­li­siert, daß mit Chri­stus die Nacht (Fin­ster­nis) endet und der Tag (Licht) anbricht. Die brau­ne Gesichts­far­be der Got­tes­mut­ter stellt die Mischung zwi­schen den ein­hei­mi­schen Gua­ra­ni und den Euro­pä­ern dar. Die lan­gen Haa­re fal­len Maria über den Rücken wie es typisch für die ein­hei­mi­schen Frau­en ist. Der him­mel­blaue Man­tel ist mit einer tro­pi­schen Pflan­ze bemalt, wo sie wächst, ist frucht­ba­rer Boden. Die Got­tes­mut­ter zer­tritt einer Schlan­ge den Kopf auf der blau­en Erd­ku­gel mit drei gol­de­nen Ster­nen und den Far­ben der heu­ti­gen Fah­ne Para­gu­ays. Maria besiegt das Böse (Schlan­ge) und über­win­det die heid­ni­schen Göt­zen (drei Ster­ne), zeigt sich aber gleich­zei­tig auch als Patro­nin des para­gu­ay­ischen Volkes.

Die 2013 angekündigte, aber nicht vollzogene Weltweihe an Unsere Liebe Frau von Fatima

Papst Franziskus und U.L.F. von Fatima, 2013
Papst Fran­zis­kus und U.L.F. von Fati­ma, 2013

Die Wei­he­er­neue­rung Para­gu­ays an Unse­re Lie­be Frau von Caa­cupe steht in einem bis heu­te nicht erklär­ten Kon­trast zur „Wei­he“ der Welt an Unse­re Lie­be Frau von Fati­ma. Die­se war zwar offi­zi­ell vom Vati­kan für den 13. Okto­ber 2013 ange­kün­digt wor­den. Aus Fati­ma wur­de eigens das Gna­den­bild der Got­tes­mut­ter nach Rom gebracht und auf dem Peters­platz auf­ge­stellt. Die offi­ziö­sen kirch­li­chen Medi­en schrie­ben auch danach von einem „Wei­he­ge­bet an die Mut­ter­got­tes von Fati­ma“ (Radio Vati­kan) und einer „Welt­wei­he an Maria“ (Zenit). Das Ereig­nis wur­de in direk­ten Zusam­men­hang mit den Mari­en­er­schei­nun­gen von Fati­ma gesetzt, denn auf den Tag genau 96 Jah­re zuvor fand in dem por­tu­gie­si­schen Ort Fati­ma die letz­te Mari­en­er­schei­nung statt. Damals konn­ten mehr als 70.000 Men­schen ein Son­nen­wun­der sehen.

Am 13. Okto­ber 2013 fand in Rom aber, ent­ge­gen der welt­wei­ten Ankün­di­gung und trotz der gro­ßen Erwar­tun­gen, weder Wei­he der Welt noch eine Wei­he Ruß­lands an die Got­tes­mut­ter von Fati­ma statt. Statt des­sen sprach Papst Fran­zis­kus ein Gebet, das schwä­cher war als die vor­an­ge­gan­ge­nen in die­sem Zusam­men­hang. Es wur­den weder Fati­ma noch eine Welt­wei­he noch Ruß­land noch die Unbe­fleck­te Emp­fäng­nis noch über­haupt ein Hin­weis auf eine Wei­he erwähnt. Statt einer Wei­he oder „Wei­he­er­neue­rung“, wie sie offi­zi­ell vom Hei­li­gen Stuhl ange­kün­digt wor­den war, war am 13. Okto­ber nur mehr von einem „Anver­trau­en“ die Rede (sie­he dazu Papst Fran­zis­kus und Fati­ma – Ernst der Lage nicht erkannt?).

Die Grün­de für die­se Pro­gramm­än­de­rung und das Aus­blei­ben einer Welt­wei­he an das Unbe­fleck­te Herz Mari­ens (Ankün­di­gung durch die Direk­ti­on des Wall­fahrts­or­tes Unse­rer Lie­ben Frau von Fati­ma) wur­den bis­her nicht bekanntgegeben.

Text: Giu­sep­pe Nardi
Bild: Wikicommons/Portal Gua­ra­ni (Screen­shot)

4 Kommentare

  1. Wenn mir jemand etwas aufs Bank­kon­to über­weist, dann ist es mir egal, wel­che Vor­na­men er ins Adress­feld schreibt und ob er den Titel dazu­schreibt oder nicht. Haupt­sa­che, die Kon­to­num­mer stimmt und das Geld kommt an.
    Was nun die Adres­se im Hin­blick auf den Arti­kel betrifft: die­se ist im Ersten der Zehn Gebo­te genau ange­ge­ben. Jesus Chri­stus hat die­se Adres­se unmiss­ver­ständ­lich bekräf­tigt. Es gibt kei­ne andere.

  2. Sie haben den Arti­kel nicht gelesen:
    Dass Fran­zis­kus sein Pon­ti­fi­kat unter den Schutz ULF von Fati­ma gestellt hat, sag­te der por­tu­gie­si­sche Kar­di­nal Poly­kar­po. Für den 13.10.2013 (nicht den 23.10.) wur­de zwar eine Wei­he ange­kün­digt, sogar von den vati­ka­ni­schen Medi­en, aber nicht durch­ge­führt (genau auf der offi­zi­el­len Sei­te des Hei­li­gen Stuhls nach­zu­le­sen). Der Arti­kel fragt nach dem War­um die­ser Ände­rung. Die Fra­ge ist eben, war­um etwas ange­kün­digt, dann aber nicht gemacht wird. Bei­des muss ja einen Grund haben. Ich weiß kei­ne Ant­wort dar­auf. Wer kennt sie?

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