Das „humanistische“ Netzwerk — Ein Beispiel

Spinnennetz
Das Netz­werk

(Mont­re­al) Wer wur­de 2015 zum „Huma­ni­sten des Jah­res“ erklärt? Gleich vor­weg, um Miß­ver­ständ­nis­sen vor­zu­beu­gen: Der Mensch­lich­ste unter den Men­schen ist damit nicht gemeint. In Kana­da gibt es eine Fon­da­ti­on huma­ni­ste du Qué­bec (FHQ) und ein Mou­ve­ment laï que qué­bé­cois (MLQ). Letz­te­re wur­de 1976 gegrün­det, Erste­re ging 2004 dar­aus her­vor. Seit 1993 ver­leiht die lai­zi­sti­sche Bewe­gung den Prix Cond­or­cet-Des­sau­les.

Preis­trä­ger 2015 ist Alain Simo­ne­au. Wer aber ist Alain Simo­ne­au? Man könn­te nun ant­wor­ten: Irgend­ein kana­di­scher Bür­ger, der in der Stadt Saguen­ay im Staat Que­bec wohnt. Weni­ger bekannt sind die Grün­de, wes­halb Simo­ne­au mit dem wohl­klin­gen­den und mit 5.000 Dol­lar dotier­ten Preis geehrt wur­de.

Laut der Huma­ni­sti­schen Stif­tung, die seit eini­gen Jah­ren offi­zi­ell den Preis ver­gibt, hat der Athe­ist Alain Simo­ne­au „Groß­ar­ti­ges“ gelei­stet. Er über­zeug­te den Ober­sten Gerichts­hof Kana­das, angeb­lich zum Wohl der gan­zen Mensch­heit, das tra­di­tio­nel­le Gebet am Beginn der Gemein­de­rats­sit­zung sei­ner Hei­mat­stadt abzu­schaf­fen.

Diskriminierende Anti-Diskriminierung des Obersten Gerichtshofes

Urteil des Obersten Gerichtshofes "Laizistische Vereinigung" gegen die Stadt Saguenay
Urteil des Ober­sten Gerichts­ho­fes: Lai­zi­sti­sche Ver­ei­ni­gung“ ver­sus die Stadt Saguen­ay

Jean Trem­blay, seit 2002 Bür­ger­mei­ster der 150.000 Ein­woh­ner zäh­len­den Stadt, darf nicht mehr vor Beginn der Gemein­de­rats­sit­zun­gen das seit alters übli­che Gebet spre­chen, um den Segen Got­tes für die Bera­tun­gen der Stadt­vä­ter zu erbit­ten. Denn, so die para­do­xe Begrün­dung, durch das „katho­li­sche Gebet“ wer­de die „Reli­gi­ons­frei­heit“ der Mit­bür­ger ver­letzt, eben jene des Athe­isten Alain Simo­ne­au, der mit tat­kräf­ti­ger Unter­stüt­zung des  Mou­ve­ment laï que qué­bé­cois vor Gericht gezo­gen ist. Und zudem ver­sto­ße das Gebet oben­drein die „reli­giö­se Neu­tra­li­tät“ des Staa­tes, jenen „ruch­lo­sen Grund­satz“, der zwar jedem mensch­li­chen Den­ken wider­spre­che und den­noch in das kol­lek­ti­ve Den­ken ein­ge­drun­gen sei „durch die Ver­brei­tung und die Ver­an­ke­rung eines frei­mau­re­ri­schen Den­kens“, so der katho­li­sche Publi­zist Mau­ro Faver­za­ni in der Cor­ris­pon­den­za Roma­na.

Nichts nütz­te es, daß Bür­ger­mei­ster Trem­blay vor Gericht dar­auf hin­wies, daß Rats­mit­glie­der und Zuschau­er, die dem Gebet nicht bei­woh­nen möch­ten, erst nach die­sem den Rats­saal betre­ten kön­nen. Eine sol­che Vor­stel­lung wur­de von den Höchst­rich­tern als „dis­kri­mi­nie­rend“ abge­lehnt. Kei­ne Dis­kri­mi­nie­rung woll­ten die Rich­ter dar­in sehen, daß wegen einer Per­son allen ande­ren, gegen deren Wil­len, ein Gebets­ver­bot auf­er­legt wird.

Die Rich­ter ver­ur­teil­ten zudem die Stadt Saguen­ay zur Zah­lung von 30.000 Dol­lar „Schmer­zens­geld“ an Alain Simo­ne­au, weil er einem katho­li­schem Gebet bei­woh­nen „muß­te“. Wel­che Schmer­zen? Es gibt Men­schen, die schuld­haft von Auto­fah­rern schwer ver­letzt wer­den und ein Leben lang an rea­lem phy­si­schen Schmerz lei­den, aber weni­ger Schmer­zens­geld erhal­ten. Mit dem Urteil soll­te ein Exem­pel sta­tu­iert wer­den.

Bischof André Rivest von Chi­cou­ti­mi, zu des­sen Diö­ze­se Saguen­ay gehört, brach­te sei­ne Ent­täu­schung über das Gerichts­ur­teil zum Aus­druck. Das Urteil, so der Bischof, berück­sich­ti­ge nicht die Hal­tung „der christ­li­chen Bevöl­ke­rungs­mehr­heit“ und noch weni­ger die reli­giö­sen Gefüh­le der Men­schen. Die Rech­te der Chri­sten sei­en bei der Urteils­fin­dung „nicht beach­tet“ wor­den.

Den­noch gab der Bischof bekannt, er hege kei­ne Absicht, das Gesetz her­aus­zu­for­dern, son­dern wer­de das Urteil aner­ken­nen, da er „auch ein Bür­ger“ sei. Ein Zusatz, der einen schnel­len Schluß­strich unter die Ange­le­gen­heit zog, ohne näher auf die Fra­ge ein­zu­ge­hen, was es eigent­lich heißt, Bür­ger zu sein.

Prix Condorcet-Dessaules: Einblick in eine Welt, die nur wenige kennen

Die­ses kaum bekann­te Ereig­nis stößt die Tür zu einer Welt auf, die nur weni­ge ken­nen. Was in Que­bec gesche­hen ist, einem fran­zö­si­schen Land­strich, der katho­li­scher geblie­ben ist, und stolz dar­auf war, als das durch anti­kle­ri­ka­le Strö­mun­gen erschüt­ter­te fran­zö­si­sche Mut­ter­land, ist ein Muster­bei­spiel zum bes­se­ren Ver­ständ­nis des­sen, was seit mehr als 200 Jah­ren in Euro­pa geschieht. Genau­er gesagt, bie­tet es Ein­blick in die Stra­te­gien, Metho­den, Mit­tel und Zie­le der Frei­mau­re­rei. Eine kaum greif­ba­re und nicht leicht erkenn­ba­re Rea­li­tät, so geheim und gut getarnt, daß sie für das uner­fah­re­ne Auge kaum wahr­nehm­bar ist. Im Dun­keln läßt sich mun­keln, sagt der Volks­mund. Anders aus­ge­drückt: Wer das Tages­licht scheut, führt wohl Dunk­les im Schil­de. Nie­mand scheut das Tages­licht mehr als der Geheim­bund der beschürz­ten Logen­brü­der. Das erlaubt es ihnen, uner­kannt ihre Zie­le zu ver­fol­gen und das inzwi­schen seit 300 Jah­ren.

Soll­te sich doch jemand inter­es­sie­ren, stößt er bei der Groß­lo­ge von Que­bec auf eine schö­ne Fas­sa­de, die den Ein­druck ver­mit­telt, daß sich ein Kreis von Geschäfts­leu­ten zusam­men­ge­fun­den habe, der sich phil­an­thro­pi­schen Ideen wid­met. Im Fis­kal­jahr 2013 wur­den 122.275 Dol­lar für mehr als 100 wohl­tä­ti­ge Zwecke gespen­det. Um wirk­lich zu ver­ste­hen, was geschieht, muß man schon hin­ter die Fas­sa­de blicken und tie­fer gra­ben. Erst dann stößt man auf die eigent­li­che Frei­mau­re­rei und auf deren gefähr­li­chen Ein­fluß.

Die Großloge und ihr Netzwerk

Großmeister der Großloge von Quebec
Groß­mei­ster der Groß­lo­ge von Que­bec

Sel­ten in ihrer Geschich­te gin­gen die Logen­brü­der aus der Deckung, um einen Fron­tal­an­griff gegen die katho­li­sche Kir­che zu füh­ren. Sie bevor­zu­gen es, die Schmutz­ar­beit von den zahl­rei­chen „neu­tra­len“, von ihnen kon­trol­lier­ten Grup­pen machen zu las­sen. In der Len­kung von Orga­ni­sa­tio­nen, die nach außen in kei­nem Zusam­men­hang mit der Loge zu ste­hen schei­nen, sind die beschürz­ten Brü­der wah­re Mei­ster. In der Tat mei­ster­haft und mit größ­ter Dis­kre­ti­on übt die Frei­mau­re­rei durch ihre Adep­ten viel­schich­ti­gen Ein­fluß aus mit dem Ziel, die katho­li­sche Kir­che und die christ­li­che Moral­leh­re zu bekämp­fen. Sie macht sich dabei eben­so die ver­brei­te­te Gleich­gül­tig­keit, Sorg­lo­sig­keit und Lau­heit zunut­ze, aber auch eine direk­te oder indi­rek­te Bil­li­gung auch durch Katho­li­ken.

In den ver­gan­ge­nen 20 Jah­ren bil­de­ten vor allem zwei Orga­ni­sa­tio­nen in Que­bec den Ramm­bock: die Huma­ni­sti­sche Stif­tung und der Mou­ve­ment laï que qué­bé­cois. Ihnen fiel die Auf­ga­be zu, auf kul­tu­rel­ler Ebe­ne einen lai­zi­sti­schen Huma­nis­mus zu ver­brei­ten, der auf den ersten Blick beson­ders „neu­tral“, gemä­ßigt, tole­rant und harm­los erscheint. In Wirk­lich­keit ist an ihrer Stoß­rich­tung nichts harm­los. Wie Medi­as-Pres­se-Info berich­te­te, rich­ten sich die Akti­vi­tä­ten gezielt gegen die christ­li­che Moral und Reli­gi­on. Bei­de Orga­ni­sa­tio­nen för­dern seit ihrer Grü­nung aktiv, wenn auch getarnt, anti­christ­li­che Aggres­sio­nen in der Gesell­schaft. Der katho­li­sche Staat Que­bec ist dabei ihre beson­de­re Ziel­schei­be in Kana­da.

Beson­ders aggres­siv ist der Akti­vis­mus der Mou­ve­ment laï que qué­bé­cois. Der von ihm gestif­te­te, jähr­lich ver­ge­be­ne Preis Cond­or­cet-Des­sau­les ist nach zwei Frei­mau­rern benannt: nach Marie Jean Antoi­ne Nico­las de Cari­tat Mar­quis de Cond­or­cet (1743–1794), einem fran­zö­si­schen Revo­lu­tio­när, und nach dem fran­ko­ka­na­di­schen Schrift­stel­ler und Poli­ti­ker des libe­ralen Par­ti rouge, Lou­is-Antoi­ne Des­saulles (1818–1895). Bei­de waren über­zeug­te Anti­kle­ri­ka­le. Des­saulles wur­de mit sei­nem „Klei­nen Bre­vier der Laster unse­res Kle­rus“ zu einem „Hel­den“ der kir­chen­feind­li­chen Kräf­te.

Die Preisträger —  ein Querschnitt

Preisverleihung an Abtreiber Henry Morgentaler (1994)
Preis­ver­lei­hung an Abtrei­ber Hen­ry Mor­gen­ta­ler (1994)

Erste Preis­trä­ge­rin wur­de 1993 Miche­li­ne Tru­del, wie einen Ethik­un­ter­richt statt des katho­li­schen Reli­gi­ons­un­ter­richt für die Schü­ler for­dert. Der Mou­ve­ment laï que qué­bé­cois war 1976 mit dem Ziel gegrün­det wor­den, das Land des katho­li­schen Reli­gi­ons­un­ter­richts zu ent­le­di­gen.

1994 wur­de Hen­ry Mor­gen­ta­ler zum Trä­ger des Prix Cond­or­cet-Des­sau­les. Der pol­ni­sche Jude aus Lodsch, hat­te sei­ne Eltern im KZ-Ausch­witz ver­lo­ren. Er über­leb­te das NS-Regime und den Zwei­ten Welt­krieg im KZ-Dach­au, wo er 1945 im Alter von 22 Jah­ren befreit wur­de. Nach sei­nem Medi­zin­stu­di­um in Deutsch­land wan­der­te er 1950 nach Kana­da aus, wo er 1969 in Mont­re­al in offe­nem Ver­stoß gegen das gel­ten­de Gesetz die erste Abtrei­bungs­kli­nik eröff­ne­te. Mor­gen­ta­ler mach­te das „Recht“ zur Ermor­dung unge­bo­re­ner Kin­der zu sei­ner Ideo­lo­gie und zur Grund­la­ge sei­nes Pri­vat­ver­mö­gens. Das lang­jäh­ri­ge Gerichts­ver­fah­ren gegen Mor­gen­ta­lers Kin­der­mord ende­te 1988 vor dem Ober­sten Gerichts­hof von Kana­da­mit einem Frei­spruch, dem­sel­ben Gerichts­hof, vor dem 2015 Alain Simo­ne­au Recht bekam. Mit dem Frei­spruch für Mor­gen­ta­ler setz­te das Gericht vor 27 Jah­ren eine unein­ge­schränk­te Frei­ga­be der Abtrei­bung durch.

1995 ging der Preis an die Cen­tra­le de l’ens­eig­ne­ment du Qué­bec (heu­te Cen­tra­le des syn­di­cats du Qué­bec), eine lin­ke Leh­rer­ge­werk­schaft, in der heu­te ein Drit­tel der Leh­rer­schaft von Que­bec orga­ni­siert ist. Die Ver­lei­hung erfolg­te für ihren Ein­satz zugun­sten einer Ent­christ­li­chung (dic­tus Säku­la­ri­sie­rung) des Schul­sy­stems und für die „Ver­tei­di­gung fort­schritt­li­cher Wer­te“. Mit der glei­chen Begrün­dung wur­de im Jahr dar­auf Loui­se Lau­rin, die Spre­che­rin der Coali­ti­on pour la décon­fes­si­onnali­sa­ti­on du systà¨me sco­la­i­re (Koali­ti­on für die Ent­kon­fes­sio­na­li­sie­rung des Schul­we­sens) mit dem Preis geehrt.

Der Preis 1997 wur­de der Preis, im wahr­sten Sin­ne des Wor­tes nach­träg­lich, dem Insti­tut Cana­di­en de Mon­tré­al, einer frei­mau­re­risch inspi­rier­ten Gesell­schaft des 19. Jahr­hun­derts ver­lie­hen. Die Grün­der stamm­ten aus dem Par­ti rouge von Lou­is-Antoi­ne Des­saulles, der ideo­lo­gisch an die Ideen des Par­ti patrio­te anknüpf­te, des­sen Vor­sit­zen­der Des­saulles Vater war. Die Gesell­schaft, die offen die Leh­re der katho­li­schen Kir­che bekämpf­te, bestand for­mal von 1844–1880. 1859 exkom­mu­ni­zier­te der Bischof von Mont­re­al die Mit­glie­der.

1998 ging der Preis an die Unter­zeich­ner des Refus Glo­bal (glo­ba­le Ver­wei­ge­rung), eines poli­ti­schen und künst­le­ri­schen Mani­fests von 1948, das inhalt­lich zutiefst anti­christ­lich ist und sich gegen die tra­di­tio­nel­len Wer­te des katho­li­schen Que­bec rich­te­te. Die dar­in ange­grif­fe­ne, katho­lisch gepräg­te Nach­kriegs­zeit wird von eini­gen Histo­ri­kern Gran­de Noir­ceur (als gro­ße Fin­ster­nis) bezeich­net. Eine Wort­wahl, die dem frei­mau­re­ri­schen Sprach­ge­brauch ent­lehnt scheint. Bezeich­nend ist in die­sem Zusam­men­hang, daß die links­li­be­ra­le Gegen­be­we­gung ab 1960 heu­te Révo­lu­ti­on tran­quil­le genannt wird.

1999 wur­de der Preis der Ver­ei­ni­gung Ophe­lins de Duples­sis verie­hen, die eine Miß­hand­lung gei­stes­kran­ker Kin­der wäh­rend der Regie­rung von Mau­rice Duples­sis (1944–1959) kri­ti­sier­te, und wegen der Zusam­men­ar­beit zwi­schen der damals regie­ren­den Kon­ser­va­ti­ven und der katho­li­schen Kir­che zur öffent­li­chen Ankla­ge gegen bei­de mach­te.

2000 ging der Preis an den libe­ra­len Poli­ti­ker Jac­ques Hebert (1923–2007). Der 1867 gegrün­de­te Par­ti libe­ral, den Hebert im Par­la­ment ver­trat, steht ideen­ge­schicht­lich in der Tra­di­ti­on des Par­ti rouge und damit des Par­ti patrio­te. Hebert war so libe­ral, daß er als „Ver­eh­rer“ Kubas, die mei­sten Zeit sei­ner letz­ten Lebens­jah­re auf der von einer kom­mu­ni­sti­schen Dik­ta­tur beherrsch­ten Kari­bik­in­sel ver­brach­te.

Einbindung kirchlicher Vereinigungen

Fondation Humaniste Quebec
Fon­da­ti­on Huma­ni­ste Que­bec

Ohne alle Preis­trä­ger zu nen­nen, wird bereits durch die genann­ten ein weit­ver­zweig­tes Netz­werk sicht­bar, in dem die huma­ni­sti­sche Stif­tung und die lai­zi­sti­sche Bewe­gung nur zwei Ele­men­te sind. Ein Netz­werk das mit hoher Fle­xi­bi­li­tät jede Grup­pe oder Ein­zel­per­son zu inte­grie­ren ver­steht, mit der es Gemein­sam­kei­ten gibt, ob anti­kle­ri­ka­le, phil­an­thro­pi­sche, mar­xi­sti­sche, poli­ti­sche, kul­tu­rel­le, gewerk­schaft­li­che Ver­ei­ni­gun­gen oder sol­che, die sich für die Frei­ga­be der Abtrei­bung und für die „sexu­el­le Frei­heit“ ein­set­zen.

In das Netz­werk ein­ge­wo­ben fin­den sich auch Orga­ni­sa­tio­nen, die der katho­li­schen Kir­che ange­hö­ren. Dazu gehört das Insti­tut Pà¨re Iré­née Beau­bi­en benannt nach einem Que­be­cer Jesui­ten. Das Insti­tut, eine der zahl­rei­chen Ein­rich­tun­gen, die um den Jesui­ten­or­den in Kana­da krei­sen, ver­tritt einen beson­ders radi­ka­len Öku­me­nis­mus im Sin­ne eines inter­re­li­giö­sen Plu­ra­lis­mus, der als Wert an sich betrach­tet wird. Das Insti­tut beruft sich dabei „spi­ri­tu­ell“ auf den Jesui­ten Car­lo Maria Kar­di­nal Mar­ti­ni und Erz­bi­schof Oscar Rome­ro. Das Mou­ve­ment Tra­di­ti­on Qué­bec schrieb dazu: das Insti­tut “unter­gräbt die Katho­li­sche Kir­che Kana­das von innen her­aus, nach­dem es jahr­zehn­te­lang den Dia­log mit der Frei­mau­re­rei und den fal­schen Reli­gio­nen geför­dert hat“. Zu die­ser Ein­schät­zung tru­gen Initia­ti­ven bei, wie das „Gemein­sa­me For­schungs­ko­mi­tee zu den Bezie­hun­gen zwi­schen Frei­mau­rern und Katho­li­ken“ in Que­bec, das vom Insti­tut Pà¨re Iré­née Beau­bi­en von 1973–1975 vor­an­ge­trie­ben wur­de.

Verurteilung der Freimaurerei „nicht mehr angemessen“?

Das Komi­tee gelang­te nach zwei Jah­ren der „For­schung“ über die Groß­lo­ge von Que­bec zum Schluß, daß in den Kon­sti­tu­tio­nen der Frei­mau­re­rei nichts „legi­ti­mer­wei­se erlaubt, zu den­ken oder zu sagen, daß sie gegen die Katho­li­sche Kir­che ein Kom­plott schmie­den“. Der eigent­li­che Zweck war aller­dings ein ande­rer, der sich zur sel­ben Zeit mit gleich­ar­ti­gen Bemü­hun­gen in ver­schie­de­nen Län­dern, dar­un­ter auch im deut­schen Sprach­raum, deck­te: Das Komi­tee for­der­te mit Unter­stüt­zung des Insti­tuts die Auf­he­bung der Exkom­mu­ni­ka­ti­on für Frei­mau­rer. Es sei „unan­ge­mes­sen“ von sei­ten der katho­li­schen Kir­che, an der Ver­ur­tei­lung fest­zu­hal­ten. Viel­mehr sei­en die jewei­li­gen „Wer­te“ gegen­sei­tig anzu­er­ken­nen.

Das Gegen­teil davon schrieb Bischof Hen­ri Delas­sus von Cam­brai (1836–1921) in sei­nem Buch „Die anti­christ­li­che Ver­schwö­rung“, um nur eine Stim­me zu zitie­ren, aller­dings bewußt eine fran­zö­si­sche. Dar­in beklag­te Bischof Dela­sus, wie es den Logen gelin­ge, um sich her­um, „Tau­sen­de von Grup­pen und Ver­ei­ni­gun­gen“ zu bil­den, „in denen sie ihren Ein­fluß aus­üben“, ohne daß jemand den Zusam­men­hang bemer­ke, und die sie zu ihren „Arme­en“ machen, die vor­pre­schen, wäh­rend gleich­zei­tig die wirk­li­che „okkul­te Macht“ dahin­ter ver­bor­gen und getarnt blei­be, um dar­an zu arbei­ten, „die Denk­fä­hig­keit einer Nati­on völ­lig zu ver­nich­ten“.

„Letzt­lich genügt es, die genann­ten kana­di­schen Namen von Per­so­nen und Ver­ei­ni­gun­gen durch die Namen eines euro­päi­schen Lan­des zu erset­zen, um zu erken­nen, daß die Vor­gangs­wei­se und die Ziel­set­zun­gen iden­tisch sind“, so Cor­ris­pon­den­za Roma­na. Sicht­bar wird ein sich erneu­ern­des Spin­nen­netz, das seit 300 Jah­ren im Ver­bor­ge­nen auf natio­na­ler und inter­na­tio­na­ler Ebe­ne gespon­nen wird.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: CR/FHQ/MLQ (Screen­shots)

3 Kommentare

  1. Das ist alles sehr schlimm — Gott sei’s geklagt -, noch schlim­mer aber ist es, wenn Abtrei­bungs­po­li­ti­kern und ‑poli­ti­ke­rin­nen päpst­li­che Ehren­or­den ver­lie­hen wer­den und die „fal­sche Öku­me­ne“, wie es seit Jahr­zehn­ten geschieht, von den Päp­sten selbst betrie­ben wird, natür­lich „alter­na­tiv­los“ und „unum­kehr­bar“.

  2. Ein ehe­ma­li­ger Hoch­grad-Frei­mau­rer des 33. Gra­des 
    — Dr.Kurt Reichl — umriss nach sei­ner Tren­nung von der Frei­mau­re­rei 
    unter dem Pseud­onym „Kon­rad Lerich“ in
    “ Der Tem­pel der Frei­mau­rer“ 
    die Machen­schaf­ten der Hoch­gra­de, ins­be­son­de­re bez. der „Ver­eins­grün­dun­gen“:
    -

    „Das Ate­lier der Rosen­kreu­zer (18°)
    ist eine rei­ne Akti­ons­lo­ge. 
    Da wird die Abhal­tung einer gro­ßen Ver­samm­lung bera­ten, in der die Öffent­lich­keit über den Zweck der Frei­mau­re­rei auf­ge­klärt wird, da wird die Grün­dung einer Liga der Men­schen­rech­te beschlos­sen oder es wer­den Bei­trä­ge bewil­ligt zur Unter­stüt­zung kul­tur­po­li­ti­scher Ver­ei­ne, die frei­mau­re­ri­sche Grün­dun­gen sind, ohne daß die Öffent­lich­keit etwas davon weiß, oder für Orga­ni­sa­tio­nen, die durch per­sön­li­che Zusam­men­hän­ge unter der Füh­rung der Loge ste­hen, ohne daß die Mehr­heit der Mit­glie­der es weiß.“

    -

    Dies schrieb er bereits im Jah­re 1937 !
    Heu­te sind gera­de die 
    „Ser­vice-Clubs“ wie „Rota­ry“, „Lions“, „Kiwa­ni“, „Round Table“ etc.…gleichsam die Tee­stu­ben der Frei­mau­re­rei.….

    Hören wir doch eini­ge ent­lar­ven­de frei­mau­re­ri­sche Stim­men dazu:
    -

    Rudolf Cefa­rin schreibt in sei­nem Buch „Kärn­ten und die Frei­mau­re­rei“ unter der Über­schrift „Frei­mau­rer­ähn­li­che Orga­ni­sa­tio­nen“:
    -

    „… so fin­den wir auch in der Gegen­wart eine 
    gan­ze Anzahl von Orga­ni­sa­tio­nen, 
    die nach Form und Inhalt, nach Gebrauch­tum und Ziel­set­zung 
    als frei­mau­re­ri­sche Sei­ten­zwei­ge bezeich­net wer­den kön­nen 
    [.…]
    Beschränkt sich die Schla­raf­fia auf deutsch­spra­chi­ge Mit­glie­der, so ist der Rota­ry-Bund ziel­be­wußt auf inter­na­tio­na­le Ver­stän­di­gung ein­ge­stellt.

    -

    Wir erin­nern uns.…
    die­ser Club rühmt sich der „Ehren- oder Voll­mit­glied­schaft“ 
    so man­cher kirch­li­cher Wür­den­trä­ger.…
    dar­un­ter Kar­di­nal Marx,(!) , Kar­di­nal Leh­mann, Bischof Alger­mis­sen, Bischof Fürst etc.

    Frei­mau­rer-Maga­zin „Humanität„vom März 1989 mach­te Wer­bung für:
    -
    „Loge, Lions und Rota­ri­er, Gemein­schafts­ak­ti­on in Nien­burg“.
    -

    Euro­päi­sche Frei­mau­rer-Zei­tung „Euro­pean Maso­nic Review vom April 1964 
    lässt die Kat­ze denn aus dem Sack:
    -
    „Ich nen­ne unter vie­len ande­ren bloß den 
    Rota­ry-Club, den Lions-Club, den Round-Table-Club, … 
    Es sind abge­zweig­te jun­ge Schöß­lin­ge,
    die vom alten Stamm der Frei­mau­re­rei her­kom­men.“
    -

  3. Die Ereig­nis­se sind für die direkt Betrof­fe­nen mit Sicher­heit sub­jek­tiv und an ihrem klei­nen Ort quä­lend. Es ist scha­de, wenn man denkt, man hät­te noch ein Stück­chen „hei­le Welt“ auf­recht erhal­ten, und nun wird sie einem genom­men.
    Aller­dings gilt auch hier hin­sicht­lich der gesam­ten Umstän­de, die wir nicht wis­sen, und die aus dem Arti­kel auch nicht her­vor­ge­hen: Bevor wir nicht die gesam­te Sto­ry in allen Aspek­ten ken­nen, soll­ten wir nicht reflex­haft Posi­ti­on ergrei­fen.
    Die Reak­ti­on des einen Athe­isten kann auch noch ganz ande­re Grün­de haben, die nichts mit „Frei­mau­rer-Ver­schwö­run­gen“ zu tun haben! Viel­leicht spielt hier auch Mensch­lich-All­zu­mensch­li­ches hin­ein.

    Aber ehr­lich gesagt ver­ste­he ich die­sen lan­gen „Schwanz“ an Frei­mau­rer-Refle­xio­nen nicht. Wenn das der Aus­fluss von deren Stra­te­gien wäre, dann ist das doch nicht kon­spi­ra­tiv, son­dern eben ganz offen.
    Außer­dem scheint die katho­li­sche Kir­che durch eini­ge ihrer kle­ri­ka­len und aus Rom nicht zurück­ge­pfif­fe­nen Ver­tre­ter hier ja selbst ent­spre­chend mit­zu­mi­schen.

    Dar­über hin­aus ist es wirk­lich eine Fra­ge, wie man in einem reli­gi­ös neu­tra­len Staat, in dem vie­le ver­schie­de­ne Bekennt­nis­se zusam­men­le­ben, ver­fah­ren soll, ohne die­ses Neu­tra­li­täts­ge­setz zu ver­let­zen.
    Man wür­de als Katho­lik auch ein erzwun­ge­nes isla­mi­sches oder pro­te­stan­ti­sches Ein­gangs­ge­bet als Dis­kri­mi­nie­rung emp­fin­den.
    Bei vie­len ist noch nicht ange­kom­men, dass auch ein Staat wie Cana­da auch ohne kon­spi­ra­ti­ve FM-Akti­vi­tä­ten nun mal kei­ne katho­li­sche Staats­re­li­gi­on hat.

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