Die erste wirklich priesterlose (und völlige illegale) Pfarrei

Bischof Herbreteau bei der Beauftragung der Laienkuraten der ersten priesterlosen Pfarrei
Bischof Her­bre­teau bei der Beauf­tra­gung der Lai­en­ku­ra­ten der ersten prie­ster­lo­sen Pfarrei

(Paris) Wer vom Weg abkommt, läuft Gefahr, sich immer mehr zu ver­ir­ren. Ähn­lich ver­hält es sich mit dem vom Kle­rus haus­ge­mach­ten Prie­ster­man­gel bei gleich­zei­ti­ger „Kle­ri­ka­li­sie­rung“ von haupt- und ehren­amt­li­chen Lai­en. Die Fol­gen des „all­ge­mei­nen Prie­ster­tums“, das anstel­le des sakra­men­ta­len Prie­ster­tums her­vor­ge­kehrt wird, waren vom ersten Tag an abseh­bar. Das Prie­ster­tum wird ver­schämt ver­steckt, sei­ner Wür­de und man­gels Vor­bild weit­ge­hend sei­ner Anzie­hungs­kraft beraubt. 

Im Gegen­zug wur­den um so beflis­se­ner im Sin­ne von Demo­kra­ti­sie­rung und Eman­zi­pa­ti­on immer neue Ämter für Lai­en geschaf­fen: Pasto­ral­as­si­sten­tIn­nen, Gemein­de­re­fe­ren­tIn­nen, Kom­mu­ni­ons­pen­de­rIn­nen, haupt- und neben­be­ruf­li­che, ver­hei­ra­te­te und ledi­ge Dia­ko­ne, Wort­got­tes­lei­te­rIn­nen, haupt­amt­li­che und ehren­amt­li­che. Es dürf­te kei­ne Diö­ze­se geben, jeden­falls nicht im deut­schen Sprach­raum, in der es noch mehr Prie­ster als haupt­amt­li­che Lai­en­seel­sor­ge­rIn­nen gibt.

Entfremdung der Priester von den Pfarreien

Die Zahl der Prie­ster sinkt, jene der haupt­amt­li­chen Lai­en steigt. Eine Par­al­lel­be­we­gung, die in bei­den Fäl­len haus­ge­macht ist. In den geschaf­fe­nen Pfarr­ver­bän­den, Pfarr­ge­mein­schaf­ten, Seel­sor­ge­ein­hei­ten, Seel­sor­ge­räu­me oder wie immer man die Zusam­men­fas­sung meh­re­rer Pfar­rei­en auch nennt, sind Prie­ster häu­fig nur mehr ein Bei­werk an der Sei­te haupt­amt­li­cher Lai­en. Jeder Prie­ster hat zwar gleich meh­re­re Pfar­rei­en, letzt­lich aber kei­ne wirk­lich. Er wird zum hei­mat­lo­sen Rei­sen­den, der von Pfar­rei zu Pfar­rei zieht, über­all einen gut orga­ni­sier­ten Lai­en­ap­pa­rat vor­fin­det, der alles fest im Griff hat, und eigent­lich gar kei­nen Prie­ster braucht. So „gut“ machen das die Laien.

Die Lai­en sind damit die Her­rIn­nen, wäh­rend der Pfar­rer zum Frem­den im eige­nen Haus wird, wenn nicht gar zum „Spiel­ver­der­ber“, wenn er es wagen soll­te, sei­ne Vor­stel­lun­gen in längst lai­kal fer­tig­ge­stell­te und beschlos­se­ne Kon­zept ein­brin­gen zu wollen.

Mehr noch, einer sol­cher­art erst ein­mal ein­ge­wur­zel­ten Lai­en­herr­schaft fällt es nicht schwer, einen vom Bischof ernann­ten Prie­ster not­falls schnell wie­der aus dem Ort zu mob­ben. Die Fol­gen: Prie­ster wer­den den Pfar­rei­en ent­frem­det, lit­ur­gi­scher und dok­tri­nel­ler Wild­wuchs, lai­ka­le Arro­ganz, laten­te oder offe­ne Rebel­li­on gegen die kirch­li­che Auto­ri­tät, schlei­chen­de Ableh­nung von Glau­bens­wahr­hei­ten und ein stän­dig fort­schrei­ten­der Rück­gang der Priesterberufungen.

Tabuzone: keine Ursachenforschung für Priestermangel

Bischof Herbreteau von Agen
Bischof Her­bre­teau von Agen

Und wer vom Weg abkommt, läuft manch­mal auch Gefahr, sich töd­lich zu ver­ir­ren. Nach dem Domi­no­ef­fekt läßt ein Stein den ande­ren fal­len. Bischof Hubert Her­bre­teau von Agen in Aqui­ta­ni­en setz­te den näch­sten Schritt und errich­te­te die erste wirk­lich prie­ster­lo­se Pfar­rei Frankreichs.

„Die Diö­ze­se Agen liegt wie mehr oder weni­ger fast alle Diö­ze­sen Frank­reichs wegen Prie­ster­man­gels im Ster­ben“, so Ripo­ste Catho­li­que. Man­che Bischö­fe ver­su­chen Pfar­rei­en Gemein­schaf­ten anzu­ver­trau­en, die Beru­fun­gen haben. Auf die Gesamt­heit aller Diö­ze­sen bezo­gen, spielt das aber nicht wirk­lich eine Rol­le. Auch Zusam­men­fas­sun­gen meh­re­rer Pfar­rei­en zu Ver­bän­den ver­schaf­fen besten­falls eine kur­ze Gna­den­frist. Rund 60 Pro­zent der Ein­woh­ner der Diö­ze­se sind Katholiken.

Wenn in der Diö­ze­se Agen ein Prie­ster stirbt oder in den Ruhe­stand tritt, kann ihn der Bischof nicht erset­zen. Die Fra­ge nach den Wur­zeln die­ses Übels wird aber nicht gestellt, ganz im Gegen­teil gemie­den wie der Teu­fel das Weih­was­ser mei­det. Statt des­sen wer­den immer neue Plä­ne für struk­tu­rel­le Refor­men des Pfarr­net­zes gesucht, vor­ge­legt und dis­ku­tiert. Das hält von der Ursa­chen­su­che und offen­bar auch vom Den­ken ab. Und so wird seit Jah­ren flei­ßig grup­piert und umgrup­piert und wie­der neu gruppiert …

„Tödliche Idee“ priesterloser Pfarreien

Die „töd­li­che Idee“ (Ripo­ste Catho­li­que) von prie­ster­lo­sen Pfar­rei­en fällt in der Diö­ze­se Agen auf frucht­ba­ren Boden. Begrün­det wird sie wie zuvor schon jede der Grup­pie­run­gen und Umgrup­pie­run­gen: immer mit dem „Not­stand“ des Prie­ster­man­gels für den jede Ursa­chen­for­schung aber, wie schon gesagt, tabu ist.

Pater Jean Rigal, Pro­fes­sor am Katho­li­schen Insti­tut von Tou­lou­se, eine Kory­phäe der „Öff­nung“ in Frank­reich, hat in der Diö­ze­se zahl­rei­che Anhän­ger. Uner­müd­lich ver­öf­fent­lich­te Rigal sei­ne sub­ver­si­ven Ideen mit immer neu­en Büchern wie „Hand­wer­ker einer neu­en Kir­che“ (1976), „Die Zukunft der Kir­che vor­be­rei­ten“ (1990), „Bau­stel­le Kir­che“ (1994), „Neue Hori­zon­te für die Kir­che“ (1999), „Die Kir­che auf der Suche nach dem Kom­men­den“ (2003), „Die Kir­che auf dem Prüf­stand ihrer Zeit“ (2007), usw.

Im jün­ge­ren Kle­rus hat sich das Blatt zwar gewen­det, doch die Jün­ger von Rigal & Co. sind sehr gut eta­bliert. Sie sit­zen an den Schalt­he­beln aller wich­ti­gen Posten in der Diö­ze­se. Die pro­gres­si­ven Cli­quen wuß­ten sich fest­zu­sau­gen wie Blut­egel. Die kir­chen­recht­li­chen Ange­le­gen­hei­ten hat einer von ihnen, der stän­di­ge Dia­kon Geor­ges Morin, Kano­nist, Pro­fes­sor am Katho­li­schen Insti­tut von Tou­lou­se und ein­fluß­rei­cher Kanz­ler der Diö­ze­se Agen, in der Hand.

Kirchenrecht: „Kein Pfarrleben ohne Pfarrer und ohne Sakramente“

Der Codex Iuris Cano­ni­ci von 1983 regelt die Fra­ge, wie in einer Zeit der Prie­ster­knapp­heit mit Pfar­rei­en umge­gan­gen wer­den soll. Im Canon 517, Para­graph 2 heißt es:

„Wenn der Diö­ze­san­bi­schof wegen Prie­ster­man­gels glaubt, einen Dia­kon oder eine ande­re Per­son, die nicht die Prie­ster­wei­he emp­fan­gen hat, oder eine Gemein­schaft von Per­so­nen an der Wahr­neh­mung der Seel­sorgs­auf­ga­ben einer Pfar­rei betei­li­gen zu müs­sen, hat er einen Prie­ster zu bestim­men, der, mit den Voll­mach­ten und Befug­nis­sen eines Pfar­rers aus­ge­stat­tet, die Seel­sor­ge leitet.“

Das Wort „lei­tet“ ist in der Spra­che des Kir­chen­rechts ein­deu­tig. Der Codex ver­deut­licht, daß es kein Pfarr­le­ben ohne Pfar­rer und ohne Sakra­men­te gibt. Wenn es nicht für jede Pfar­rei einen eige­nen Pfar­rer gibt, so wird ein Mode­ra­tor ernannt, meist der Pfar­rer einer Nach­bar­pfar­rei. Mode­ra­tor meint dabei einen nicht in der Pfar­rei resi­die­ren­den Prie­ster. Eine Rege­lung, mit der sich die Anhän­ger einer „hori­zon­ta­len Kir­che“ kei­nes­wegs zufrie­den­ge­ben wollen.

Bischof Herbreteau: „Kreativität gefragt: neue Wege beschreiten, Kirche zu machen“

Erstkommunion Heilige Messe nicht viel besser als Wortgottesfeier
Erst­kom­mu­ni­on: Hei­li­ge Mes­se in der ersten prie­ster­lo­sen Pfar­rei „nicht viel bes­ser als Wortgottesfeier“

Bischof Her­bre­teau und sein Kanz­ler Morin haben sich daher ihre eige­ne „Inter­pre­ta­ti­on“ des Kir­chen­rechts zusam­men­ge­braut. Als Expe­ri­men­tier­feld wähl­ten sie die Pfar­rei Saint Pierre et Saint Mar­ti­al des Coteaux, ein Pfarr-Agglo­me­rat, das sich über das Gebiet von 20 poli­ti­schen Gemein­den und dop­pelt so vie­len Kir­chen erstreckt. Der bis­he­ri­ge Pfar­rer, Arn­aud Las­su­de­rie, geht nach Neu­ka­le­do­ni­en. Anstatt die Pfar­rei einem Orden oder einer Gemein­schaft der Tra­di­ti­on anzu­ver­trau­en, ließ Bischof Her­bre­teau die fas­sungs­lo­sen Pfarr­an­ge­hö­ri­gen wis­sen: „In Ihrer Pfar­rei ist nun Krea­ti­vi­tät gefragt. Die Zeit ist gekom­men, in unse­rer Orts­kir­che ande­re Wege zu beschrei­ten, Kir­che zu machen“, so der Bischof.

Bischof und Kanz­ler mach­ten sich auf die Suche nach einem „enga­gier­ten Lai­en“, der imstan­de war, „schö­ne Erklä­run­gen vor der Pres­se“ abzu­ge­ben, und das Ende der „pyra­mi­da­len Kir­che“ bekannt­zu­ge­ben. Genau wie es Rigal in sei­nen Bücher ver­kün­det. Gefun­den haben sie ihn in Chri­sti­an Millot.

Am 29 Dezem­ber 2014 unter­zeich­ne­te Bischof Her­bre­teau fol­gen­des Dekret: „Herr Chri­sti­an Mil­lot, Pasto­ral­ver­tre­ter, wur­de für drei Jah­re zum Ver­ant­wort­li­chen der Pfar­rei Saint-Pierre et Saint-Mar­ti­al des Coteaux ernannt, begin­nend ab 1. Janu­ar 2015“.

Ein Laie als neuer Pfarrer, wenn er auch nicht Pfarrer genannt wird

Öffent­lich bekannt­ge­ge­ben wur­de die Ernen­nung am Sonn­tag, den 11. Janu­ar 2015. Chri­sti­an Mil­lot nimmt seit­her alle nicht sakra­men­ta­len Voll­mach­ten eines Pfar­rers in der Pfar­rei wahr, sitzt aber auch neben den Prie­stern in den Ver­samm­lun­gen des Deka­nats, kann wie ein Pfar­rer alle Ent­schei­dun­gen in den Berei­chen Kate­che­se und Lit­ur­gie tref­fen, lei­tet das Lai­en­seel­sor­ge­team und führt die Pfarrbücher.

Der „Lai­en­ku­rat“ wird von zwei „Lai­en­vi­ka­ren“, Pierre Cha­nut und Isa­bel­le Gary, unter­stützt, die sich mit Begei­ste­rung in die „Her­aus­for­de­rung“ stürz­ten. Die neue Situa­ti­on in der Pfar­rei sehen sie als „Zei­chen für neue Zei­ten“. Sie haben den erklär­ten Ehr­geiz, auch „ein Zei­chen für ande­re Pfar­rei­en zu sein, die in naher Zukunft sich in der glei­chen Situa­ti­on befin­den wer­den“. Die prie­ster­lo­se Pfar­rei wird euphe­mi­stisch als „Rück­kehr zu den ersten christ­li­chen Gemein­den“ dar­ge­stellt, denn – wie Jean Rigal in sei­nen Bücher wahr­heits­wid­rig behaup­tet – sei „das Wei­he­sa­kra­ment erst viel spä­ter erfun­den“ worden.

„Legitime Autorität“ sind Laien, Priester bieten noch „brüderliche Unterstützung“

Im Pfarr­blatt vom Mai 2015 hieß es dann, der 77 Jah­re alte, ehe­ma­li­ge Dom­pfar­rer von Agen, Jean-Pierre Orthol­an, wer­de Chri­sti­an Mil­lot und des­sen Seel­sor­ge­team „beglei­ten“. Die auf den Kopf gestell­te kir­chen­recht­li­che Ord­nung des neu­en „Modells“ lau­tet dem­nach: Die „legi­ti­me Auto­ri­tät“ wird von Lai­en aus­ge­übt, wäh­rend der Prie­ster noch „brü­der­li­che Unter­stüt­zung“ bietet.

Für Tau­fen und Hoch­zei­ten holen Mil­lot und sein Team einen Dia­kon aus Ville­neuve-sur-Lot oder Sain­te-Liv­ra­de. Für die Meß­fei­ern kommt ein­mal im Monat Pater Guil­lauma von den Assump­tio­ni­sten aus Ville­neuve-sur-Lot und ein­mal im Monat Jean-Pierre Orthol­an aus Agen. Vom Buß­sa­kra­ment ist ohne­hin kei­ne Rede.

Von Sonn­tag zu Sonn­tag wech­seln sich Hei­li­ge Mes­se und Wort­got­tes­fei­er ab, die von Mil­lot gelei­tet wer­den. Sie wer­den „Ver­samm­lung des Wor­tes“ genannt, offen­bar eine Remi­nis­zenz an den in der Gegend ein­mal star­ken Cal­vi­nis­mus. Sie bestehen aus Schrift­le­sun­gen, Gesang und Lai­en­pre­digt durch Chri­sti­an Mil­lot, ohne Kom­mu­ni­on. „Die Hei­li­gen Mes­sen von Pater Orthol­an, wie bei der Erst­kom­mu­ni­on am 7. Juni, sind aber nicht bes­ser“, so Ripo­ste Catho­li­que. Wie soll­te es auch anders sein: Wer kann noch das Eine vom Ande­ren unterscheiden?

Bischof Hubert Her­bre­teau hat mit sei­nem Kanz­ler im Geist von Jean Rigal die erste wirk­lich prie­ster­lo­se Pfar­rei Frank­reichs geschaf­fen und das alles in völ­li­ger Illegalität.

Text: Giu­sep­pe Nardi
Bild: Ripo­ste Catholique/Diocese d’A­gen (Screen­shot)

8 Kommentare

  1. Gleich nach dem Kon­zil begann man mit dem Slo­gan “ Prie­ster­lo­se Gemein­de “ als einen Fort-
    schritt dar­zu­stel­len. In einer Zeit als noch genü­gend Prie­ster vor­han­den waren, wur­den durch die
    Auf­wer­tung des all­ge­mei­nen Prie­ster­tums, die Orts­kir­che und die Lai­en­gre­mi­en instal­liert. Laien
    soll­ten außer der Wand­lung, alles bewerk­stel­li­gen und der Prie­ster der meh­re­re Gemein­den be-
    treut, kommt nur zur Opfer­hand­lung und Wand­lung und fährt dann zum näch­sten Got­te­dienst. Da-
    mals sprach man von der “ Traum­ge­meind B „, wel­che sich jetzt in unse­rer Zeit ver­wirk­licht. Ge-
    nau­so war es mit dem soge­nann­ten “ Volks­al­tar „. Obwohl es kei­ner­lei Vor­schrif­ten gege­ben hat
    und bis heu­te kein gibt, wur­den die­ser welt­weit ein­ge­führt. Die­se Tat­sa­che muss einem zu den-
    ken geben ! Natür­lich hat­te man auf ein­mal kei­nen Platz mehr für einen Taber­na­kel. Die­ser wur-
    de ver­schämt in eine Ecke gestellt. Was danach kam, kann man heu­te sehen und niemand
    braucht sich wun­dern, denn der Nie­der­gang war eingeläutet. 

    Maria, Mut­ter der Kir­che bit­te für uns !!

  2. Weiß nicht, wie­so sich alle so auf­re­gen. Es ist zwar scha­de um die gewach­se­nen Struk­tu­ren, die Gebäu­de etc. — aber es ist doch abzu­se­hen, daß die­se Pfar­rei in weni­gen Jah­ren ver­schwun­den sein wird. Müs­sen wir eben von vor­ne begin­nen… aber es glaubt doch sowie­so kein Mensch, daß sich die­se neu­er­fun­de­nen Struk­tu­ren hal­ten kön­nen, oder?

    • Der Bischof kann doch kei­ne Lai­en mit der Lei­tung einer Gemein­de als Qua­si-Prie­ster betrau­en. Die letz­te Stu­fe war illegal.

  3. Ich fin­de die­sen Satz aus dem CIC, der oben zitiert wird, absurd:

    „Wenn der Diö­ze­san­bi­schof wegen Prie­ster­man­gels glaubt, einen Dia­kon oder eine ande­re Per­son, die nicht die Prie­ster­wei­he emp­fan­gen hat, oder eine Gemein­schaft von Per­so­nen an der Wahr­neh­mung der Seel­sorgs­auf­ga­ben einer Pfar­rei betei­li­gen zu müs­sen, hat er einen Prie­ster zu bestim­men, der, mit den Voll­mach­ten und Befug­nis­sen eines Pfar­rers aus­ge­stat­tet, die Seel­sor­ge leitet.“

    Wenn ein objek­ti­ver Man­gel an einem Prie­ster besteht und der Bischof glaubt, er müs­se einen oder meh­re­re Nicht­prie­ster an den Seel­sor­ge­auf­ga­ben „betei­li­gen“, soll aber den­noch — also obwohl er kei­nen Prie­ster hat — einen Prie­ster mit pfarr­herr­li­chen „Leitungs“-Aufgaben die­sen nicht­prie­ster­li­chen Per­so­nen gegen­über betrauen…

    …das ist doch nicht machbar!

    Denn hät­te er einen Prie­ster, müss­te er doch gar nicht ande­re an des­sen Statt einsetzen…

    Im übri­gen ist es nicht rich­tig, dass man kei­ne prie­ster­lo­sen Zei­ten kenn­te — das ist so alt wie die Kir­che und ein Not­stand. Das war 200 Jah­re so in Viet­nam oder Japan, in Japan sogar ohne Bischof. Auch gab es sol­che Lagen seit 200 Jah­ren an allen mög­li­chen Orten in der Welt­kir­che, man den­ke da an Nord­ko­rea, an denen man die Kir­che schwer ver­folgt hat.

    Die Gläu­bi­gen sol­len ja den­noch zusam­men­kom­men. Kon­stru­iert man den Laden so, dass er ohne Prie­ster aus­ein­an­der­fällt, ist auch etwas ganz schief gelaufen.
    Ob wir die­se Lage hier haben, steht auf einem ande­ren Blatt. Aber den­noch ist der CIC-Satz wider­sin­nig, wenn es tat­säch­lich an einem Prie­ster mangelt!
    Gibt der CIC denn kei­ne Ant­wort auf die Fra­ge, was dann zu tun ist — eben wenn es defi­ni­tiv kei­nen Prie­ster gibt?
    Die der­zei­ti­ge Stra­te­gie, einen armen Prie­ster rein theo­re­tisch über 50 000 See­len zu set­zen, führt doch genau dazu, dass er Funk­tio­nen und Auf­ga­ben, auch „Herr­schaft“ abge­ge­ben muss. es ist unmög­lich, dass er „lei­tet“, ohne Mit-Lei­ten­de zu haben. Er ist ja kein Tyrann, und in einer gesun­den Mon­ar­chie kommt kein Mon­arch ohne star­ke Mini­ster, welt­lich auch eine star­ke Köni­gin und star­ke Ver­we­ser aus! Die Fra­ge ist sowie­so, ob ein sol­ches Amts­ver­ständ­nis so ver­engt auto­ri­tär gedacht, funk­tio­nie­ren kann, wenn Chri­sten in der für sie nor­ma­en Situa­ti­on leben: dass sie den Kreuz­weg gehen und nicht wie die Made im Speck mit­ten in der Welt ein poli­ti­sches und öko­no­mi­sches Macht­im­pe­ri­um auf­ge­schla­gen haben, wie wir uns das, am Evan­ge­li­um vor­bei, seit Jahr­hun­der­ten ange­maßt haben, als hät­te Jesus doch wie die Füch­se einen Ort besetzt, an den er sein Haupt legen konnte!

  4. Noch ein Nach­trag: Der Bischof hat den Lai­en defi­ni­tiv nicht mit den Auf­ga­ben betraut, die nur ein Prie­ster erfül­len kann: der Sakra­men­ten­spen­dung. Inso­fern ist da auch nichts „ille­gal“.

    Man muss sich hier klar­ma­chen, dass das Kir­chen­recht in den aller­mei­sten Tei­len kein gött­li­ches, son­dern mensch­li­ches Recht ist, also nicht zwin­gend so gestal­tet wer­den muss. Wir iws­sen ja, dass selbst der Prie­ster­z­ö­li­bat KEIN gött­li­ches Recht ist. 

    Was also in admi­ni­stra­ti­ven oder auch päd­ago­gi­schen Din­gen, die man zu Zei­ten gro­ßer welt­li­cher Macht der Kir­che dem Prie­ster anver­trau­te, die Kapa­zi­tä­ten eines Prie­sters nicht mehr aus­rei­chen, ist es prin­zi­pi­ell jeder­zeit mög­lich, das Kir­chen­recht zu ändern.
    Ledig­lich die Sakra­men­ten­spen­dung darf nicht in ande­re Hän­de gelegt wer­den — denn das wäre Ver­let­zung gött­li­chen Rechtes.

    Der Prie­ster ist ja schon, das wird oft ver­ges­sen, nur ein „famu­lus des Bischofs“ und muss sich von dem­sel­ben die Geneh­mi­gung geben las­sen, dass er Beich­ten abneh­men kann. Prie­ster kön­nen die­se Lizenz ent­zo­gen bekommen.
    Ursprüng­lich hat­te die Kir­che erst mal nur Bischö­fe. Mit dem Anwach­sen der Kir­che ent­wickel­te man das Kon­zept des „Prie­ster­tums“.

    Eben­so wur­den Lai­en und Lai­in­nen auch bis­her schon regel­recht „gesen­det“, auch wenn sie kei­ne Wei­hen inne­hat­ten — in der soge­nann­ten „Mis­sio“.

    Die „Gemein­de“ oben umfasst 20 poli­ti­sche Gemein­den! Jeder muss sofort erken­nen, dass sich die­ses Mon­strum nicht im Sti­le des 19. Jh durch einen ein­zi­gen „Pfarr­her­ren“ lei­ten lässt — denn damals gab es dort wahr­schein­lich 20 Priester…

  5. „Prie­ster“ kommt von „Pres­by­ter“, was mit „Älte­ster“ über­setzt wird, genau­er: „Älte­rer“ (Kom­pa­ra­tiv), so im Neu­en Testa­ment. Ein „sacer­dos“ wur­de dar­aus erst Jahr­hun­der­te spä­ter, als die Kir­che römi­sche Reichs­kir­che gewor­den war. Im Neu­en Testa­ment gibt es nur einen Prie­ster im Sin­ne des alt­te­sta­ment­li­chen Opfer­prie­sters: den ewi­gen Hohen­prie­ster Jesus Chri­stus nach der Ord­nung Melchisedechs.

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