Bischof von Linz spendet am 4. Juli im Dom Priesterweihe im überlieferten Ritus

Erste Priesterweihe im alten Ritus seit Liturgiereform im Dom von Linz
Erste Prie­ster­wei­he im alten Ritus seit Lit­ur­gie­re­form im Dom von Linz

(Linz) Am 4. Juli 2015 wird im Dom von Linz ein Dia­kon der tra­di­ti­ons­ver­bun­de­nen Prie­ster­bru­der­schaft St. Petrus (FSSP) zum Prie­ster geweiht. Das Ereig­nis ist bemer­kens­wert, da der Wei­he­jahr­gang der Petrus­bru­der­schaft tra­di­tio­nell in Wigratz­bad bzw. einer geeig­ne­ten Kir­che der Umge­bung geweiht wird. Vor allem aber, weil erst­mals eine Prie­ster­wei­he im über­lie­fer­ten Ritus durch den Hei­mat­bi­schof des Kan­di­da­ten in der Kathe­dral­kir­che der Hei­mat­diö­ze­se statt­fin­det. Ein ein­zig­ar­ti­ges Novum im deut­schen Sprach­raum seit Grün­dung der Petrus­bru­der­schaft im Jahr 1988.

Zum Prie­ster geweiht wird Dia­kon Phil­ipp Faschin­ger aus dem ober­öster­rei­chi­schen Vord­er­wei­ßen­bach. Die Wei­he in Linz erfolgt auf Wunsch von Diö­ze­san­bi­schof Lud­wig Maria Schwarz SDB, der soeben sein 75. Lebens­jahr voll­ende­te, weil die Diö­ze­se Linz 2015 kei­nen eige­nen Prie­ster­kan­di­da­ten hat. Der Bischof möch­te sei­ne Amts­zeit nicht ohne eine Prie­ster­wei­he been­den, wie es aus dem Umfeld des Bischofs heißt.

Die Gene­ral­lei­tung der Petrus­bru­der­schaft stimm­te schließ­lich der Aus­nah­me zu, da in die­sem Jahr auch bei den fran­zö­si­schen Kan­di­da­ten eine sol­che gewährt wur­de. Die fran­ko-kana­di­schen Kan­di­da­ten des Wei­he­jahr­gangs 2015 wer­den erst­mals in Kana­da geweiht.

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Neuer Dom von Linz
Der Neue Dom von Linz

Die Diö­ze­se Linz erleb­te in jüng­ster Zeit meh­re­re Jah­re, in denen kei­ne Prie­ster­wei­he für die Diö­ze­se statt­fand. Die Beru­fun­gen in der Diö­ze­se befin­den sich auf einem Tief­punkt. Anders sieht es bei der Petrus­bru­der­schaft von Linz aus, die aktu­ell eben­so vie­le Semi­na­ri­sten haben soll, wie die gesam­te Diö­ze­se Linz.

Jun­ge Män­ner, die sich beru­fen füh­len, suchen in der Diö­ze­se Linz ent­we­der eine Gemein­schaft der Tra­di­ti­on oder die Gemein­schaft eines alten Klo­sters. Im ver­gan­ge­nen Stu­di­en­jahr wan­der­ten zwei Diö­ze­san­se­mi­na­ri­sten in Klö­ster ab. Die Diö­ze­se füllt die aus­ge­dünn­ten Rei­hen der Semi­na­ri­sten zum Teil mit afri­ka­ni­schen Kan­di­da­ten auf, die es vor­zie­hen in Euro­pa zu blei­ben.

Die Prie­ster­wei­hen spre­chen eine deut­li­che Spra­che: In der Diö­ze­se Linz wer­den 2015 ein Kan­di­dat der Petrus­bru­der­schaft im über­lie­fer­ten Ritus und zwei Ordens­prie­ster im neu­en Ritus geweiht. Am 16. August wird Bischof Schwarz dem Zister­zi­en­ser­mönch Otto Rot­ham­mer in der Stifts­kir­che Wil­he­ring die Prie­ster­wei­he spen­den, und am 13. Sep­tem­ber dem Prä­mon­stra­ten­ser-Chor­herr Mat­thä­us Stu­phann in der Stifts­kir­che Schlägl.

Berufene wählen die Tradition oder alte Klöster

Am 4. Juli Priesterweihe, am 5. Juli Primiz
Am 4. Juli Prie­ster­wei­he, am 5. Juli Pri­miz

Ursprüng­lich soll­te die Prie­ster­wei­he von Dia­kon Faschin­ger am 29. Juni, dem Fest der Apo­stel­für­sten Petrus und Pau­lus und tra­di­tio­nel­lem Wei­he­tag in den Diö­ze­sen statt­fin­den. Dage­gen reg­te sich eini­ger Wider­stand in der Diö­ze­se, da an die­sem Tag tra­di­tio­nell auch die Prie­ster­ju­bi­la­re der Diö­ze­se gefei­ert wer­den. Nicht allen, so hieß es, sei der „alte Ritus zumut­bar“. Als Kom­pro­miß wur­de für die Prie­ster­wei­he der 4. Juli gewählt.

Am 29. Juni wird nun doch uner­war­tet im Dom von Linz ein viet­na­me­si­scher Zister­zi­en­ser im neu­en Ritus zum Prie­ster geweiht wer­den. Der Mönch Gre­gor Nguy­en von der Abtei An Phuoc stu­dier­te in Hei­li­gen­kreuz. Das Stu­di­um wur­de ihm durch die Unter­stüt­zung des ober­öster­rei­chi­schen Zister­zi­en­ser­stifts Schlier­bach ermög­licht. Nach der Prie­ster­wei­he wird er in sei­ne Abtei in Viet­nam zurück­keh­ren. Die Wei­he in Linz kam offen­bar so über­ra­schend und kurz­fri­stig zustan­de, daß selbst das Stift Schlier­bach sie noch nicht ankün­digt. Der plötz­li­che „Aus­gleich“ einer Wei­he im alten und einer Wei­he im neu­en Ritus habe in der Diö­ze­san­hier­ar­chie „man­chen erleich­tert“.

Die Prie­ster­wei­he von Phil­ipp Faschin­ger FSSP im Mari­en­dom (Neu­er Dom) beginnt am Sams­tag, den 4. Juli um 10 Uhr. Am Sonn­tag, den 5. Juli wird der Neu­prie­ster in der Kir­che der Petrus­bru­der­schaft in Linz sei­ne Pri­miz fei­ern. Das fei­er­li­che Hoch­amt in der Mino­ri­ten­kir­che von Linz (Land­haus­kir­che) beginnt um 8.30 Uhr.

Dom von Linz der Unbefleckten Empfängnis geweiht

Der Dom von Linz ist eine Mari­en­kir­che. Er ist der Unbe­fleck­ten Emp­fäng­nis geweiht und wird von den Lin­zern auch ein gan­zes Jahr­hun­dert nach sei­ner Ein­wei­hung noch immer „Neu­er Dom“ genannt. Sei­ne Erbau­ung geht auf den Lin­zer Bischof, den Die­ner Got­tes Franz Joseph Rudi­gier (1811–1884) zurück. Bischof Rudi­gier gilt als her­aus­ra­gen­de Gestalt unter den Diö­ze­san­bi­schö­fen der 1785 errich­te­ten, und daher nach kirch­li­chem Ver­ständ­nis noch jun­gen Diö­ze­se. Die Ver­kün­di­gung des Dog­mas der Unbe­fleck­ten Emp­fäng­nis durch Papst Pius IX. im Jahr 1854 ver­an­laß­te Bischof Rudi­gier, den Bau einer neu­en Bischofs­kir­che vor­an­zu­trei­ben, die dem Mari­en­dog­ma gewid­met sein soll­te. Bis dahin dien­te die ehe­ma­li­ge Jesui­ten­kir­che, im Volks­mund noch heu­te „Alter Dom“ genannt, als Kathe­dral­kir­che.

Die eigent­li­chen Bau­ar­bei­ten zum neu­go­ti­schen Mari­en­dom began­nen mit der Grund­stein­le­gung 1862. 1924 erfolg­te nach einer kriegs­be­ding­ten Unter­bre­chung die Wei­he der Kir­che, die erst 1935 voll­endet wur­de. Der zwei­tür­mi­ge Lin­zer Dom ist an Aus­ma­ßen und Fas­sungs­ver­mö­gen die größ­te Kir­che Öster­reichs. Die Imma­cu­la­ta-Glocke von mehr als acht Ton­nen ist die zweit­größ­te Glocke Ober­öster­reichs.

In der Minoritenkirche erfolgte der Brückenschlag für den Ritus aller Zeiten

Die Mino­ri­ten­kir­che von Linz, in der am 5. Juli die Pri­miz statt­fin­den wird, stammt bereits aus dem frü­hen 13. Jahr­hun­dert. Die­se erste Nie­der­las­sung der Min­de­ren Brü­der in Ober­öster­reich ist 1235 urkund­lich belegt, dürf­te aber bereits unmit­tel­bar nach dem Tod des hei­li­gen Franz von Assi­si ent­stan­den sein. Sie Fran­zis­ka­ner spiel­ten von da an in der Seel­sor­ge der Stadt eine zen­tra­le Rol­le. Im Zuge der pro­te­stan­ti­schen „Refor­ma­ti­on“ gin­gen die Beru­fun­gen so stark zurück, daß das Klo­ster auf­ge­las­sen wer­den muß­te. Die Land­stän­de ris­sen die Kon­vents­ge­bäu­de 1562 ab und errich­te­ten an des­sen Stel­le das Land­haus. Die Kir­che wur­de durch eini­ge Jahr­zehn­te von den Jesui­ten betreut. 1679 kehr­ten die Fran­zis­ka­ner im Zweig der Mino­ri­ten nach Linz zurück und über­nah­men wie­der die Seel­sor­ge in ihrer Kir­che. Neben Kir­che und Land­haus errich­te­ten sie ein neu­es Klo­ster und bau­ten ab 1751 die goti­sche Kir­che im spät­ba­rocken Stil mit Roko­ko-Ansät­zen um. Das Chor­ge­stühl im hin­te­ren Kir­chen­schiff stammt noch aus der goti­schen Kir­che. 1785 wur­de das Lin­zer Mino­ri­ten­klo­ster im Klo­ster­sturm Kai­ser Josephs II. auf­ge­ho­ben. Auch das zwei­te Klo­ster wur­de als Teil des Land­hau­ses inte­griert. Die Kir­che gehört seit­her dem Land Ober­öster­reich, wes­halb sie auch als „Land­haus­kir­che“ bezeich­net wird.

Zur Beson­der­heit in der Diö­ze­se Linz wur­de die Mino­ri­ten­kir­che durch die Lit­ur­gie­re­form von 1969/1970. Der Diö­ze­san­prie­ster Josef Kron­stei­ner, von 1943–1981 Dom­ka­pell­mei­ster in Linz, Dozent am diö­ze­sa­nen Prie­ster­se­mi­nar und Pro­fes­sor am Bruck­ner-Kon­ser­va­to­ri­um (heu­te Anton-Bruck­ner Pri­vat­uni­ver­si­tät für Musik, Schau­spiel und Tanz), lehn­te die Lit­ur­gie­re­form ab und zele­brier­te wei­ter­hin im über­lie­fer­ten Ritus. Wegen sei­nes Anse­hens in der Diö­ze­se wur­de ihm schließ­lich die Land­haus­kir­che zur Ver­fü­gung gestellt. Damit wur­de der Musi­ker, Kom­po­nist und vor allem Prie­ster Josef Kron­stei­ner zum Brücken­bau­er in der Zeit, durch den die Zele­bra­ti­on im über­lie­fer­ten Ritus in der Diö­ze­se Linz nie abbrach. Nach sei­nem Tod führ­te ein ande­rer pen­sio­nier­ter Diö­ze­san­prie­ster die Zele­bra­ti­on im über­lie­fer­ten Ritus fort, bis 1991 die Seel­sor­ge an der Mino­ri­ten­kir­che der 1988 gegrün­de­ten Petrus­bru­der­schaft über­tra­gen wur­de.

Die Petrus­bru­der­schaft ver­fügt über eine eige­ne Nie­der­las­sung in Linz, die von meh­re­ren Prie­stern betreut wird. Die Petrus­bru­der­schaft trägt Sor­ge für eine wür­di­ge und ehr­fürch­ti­ge Zele­bra­ti­on der hei­li­gen Lit­ur­gie. Sie ist einer Ver­kün­di­gung, Sakra­men­ten­ver­wal­tung und Seel­sor­ge ver­pflich­tet, die die gesam­te, bald zwei­tau­send­jäh­ri­ge Tra­di­ti­on der katho­li­schen Kir­che umfaßt und sich treu dem Auf­trag und der Wei­sung Jesu Chri­sti ver­pflich­tet weiß. Eine Aus­saat, die auf frucht­ba­ren Boden fällt, wie die Beru­fun­gen zei­gen.

Text: Wen­zel Huber-Chwateck
Bild: Wikicommons/Gloria.tv (Screen­shot)

5 Kommentare

  1. und wenn ich rich­tig gele­sen habe, ver­stärkt und ver­jüngt der Neu­prie­ster ab Spät­som­mer «mei­ne» Per­so­nal­pfar­rei in Zürich 🙂

    und die hat ver­mut­lich dann die drei jüng­sten Prie­ster der Stadt, ein Hoff­nungs­schim­mer in einer reli­giö­sen Wüste…

  2. Bischof Schwarz wur­de zwar — 1964 — noch sicher gül­tig zum Prie­ster geweiht, die Bischofs­wei­he erfolg­te jedoch im Neu­en Ritus erst 2001, ist also mit gro­ßer Wahr­schein­lich­keit ungül­tig, weil der NO-Bischofs­wei­he wesent­li­che Merk­ma­le feh­len.
    Ein Prie­ster kann aber kei­nen Prie­ster wei­hen.

  3. Die apo­sto­li­sche Suk­zes­si­on ist ohne­hin, bis auf mini­ma­le Aus­nah­men, längst unter­bro­chen. Unse­re „Bischö­fe“ sind Ver­wal­tungs­be­am­te, wie im Pro­te­stan­tis­mus, und so tre­ten sie ja auch auf. Im übri­gen erstaunt es mich sowie­so, daß Bischof Schwarz über­haupt in der Lage ist, im Alten Ritus zu zele­brie­ren und eine Wei­he vor­zu­neh­men. Muß­te er da nicht einen Crash­kurs bele­gen?

    • siri @ Da kann man Ihnen nur Zustim­men. Wenn man bedenkt, wel­che Nega­tiv­schlag-
      zei­len Bischof Schwarz in den letz­ten Jah­ren fabri­ziert hat, so kann man sich nur wun-
      dern. Ein Wun­der ist hier mit Sicher­heit nicht gesche­hen, eher ein zur Schau stel­len und
      Auf­merk­sam­keit zu erlan­gen. in dem sonst fla­chen Wir­ken eines Bischofs.

  4. „Nicht zuletzt dan­ke ich [Mgr. Schwarz] dafür, dass die Öku­me­ne in Ober­öster­reich als muster­gül­tig gilt und inten­si­ver gelebt wird als anders­wo“, so [Lan­des­haupt­mann] Püh­rin­ger.“
    http://www.dioezese-linz.at/portal/home/news/article/25877.html

    Gut. In die­ser Diö­ze­se scheint es ohne­hin bunt wie in einem Zoo zu- und her­zu­ge­hen — war­um da nicht mal eine Wei­he im Alten Ritus abhal­ten?

    @Kostadinov: Wenn’s allein aufs Alter drauf ankä­me, müss­te dies schon heu­te der Fall sein 😉

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