Präsident auf Lebenszeit? Goldenes Reiterstandbild für turkmenisches Staatsoberhaupt

Goldenes Reiterstandbild für präsidentialen Personenkult
Gol­de­nes Rei­ter­stand­bild für prä­si­den­tia­len Personenkult

(Asch­ga­bat) Seit 25 Jah­ren ist das zen­tral­asia­ti­sche Turk­me­ni­stan ein unab­hän­gi­ger Staat. Der Hang zum auto­ri­tä­ren Regime ist jedoch geblie­ben. Das turk­me­ni­sche Par­la­ment ist dabei Staats­prä­si­dent Gur­ban­gu­ly Ber­dim­u­ha­me­dow eine lebens­lan­ge Amts­zeit zu verschaffen.

90 Pro­zent der Ein­woh­ner Turk­me­ni­stans sind Mos­lems, in der Haupt­sa­che Sun­ni­ten. Knapp neun Pro­zent sind Chri­sten, vor allem ortho­do­xe Rus­sen. Die Reli­gi­ons­aus­übung ist nur in einem rigid vom Staat kon­trol­lier­ten Rah­men gestattet.

Staats­prä­si­dent Ber­dim­u­ha­me­dow, Jahr­gang 1957, regiert das Land seit dem Jahr 2006 und könn­te es bald noch lan­ge regie­ren und das, ohne sich wirk­lich frei­en Wah­len stel­len zu müs­sen. Ber­dim­u­ha­me­dow ist der zwei­te Staats- und Regie­rungs­chef des zen­tral­asia­ti­schen Lan­des seit der Unab­hän­gig­keit 1991. Sein Vor­gän­ger und poli­ti­scher Zieh­va­ter, Sapar­my­rat Nyà½a­zow, war bereits zu Sowjet­zei­ten Erster Sekre­tär der Kom­mu­ni­sti­schen Par­tei Turk­me­ni­stans, Vor­sit­zen­der des Ober­sten Sowjet der Sozia­li­sti­schen Repu­blik Turk­me­ni­stan und Mit­glied des Ober­sten Sowjet der Sowjet­uni­on. Naht­los setz­te sich sei­ne Macht im unab­hän­gi­gen Turk­me­ni­stan fort, das er fünf­zehn Jah­re nach der Unab­hän­gig­keits­er­klä­rung bis zu sei­nem Tod 2006 beherrschte.

Reiterstandbild aus 24karätigem Gold — Präsidentenkult

Turkmenistan: Staatspräsident auf Lebenszeit?
Turk­me­ni­stan: Staats­prä­si­dent auf Lebenszeit?

Der­zeit gilt in der Ver­fas­sung eine Man­dats- und Alters­be­gren­zung für das höch­ste Staats­amt, das nach drei Amts­pe­ri­oden und mit Errei­chung des 70. Lebens­jah­res auf­ge­ge­ben wer­den muß. Amts­vor­gän­ger Nyà½a­zow starb im Alter von 66 Jah­ren. Wie Akdzha Nur­ber­dy­e­wa, die Spre­che­rin des Maj­lis, des turk­me­ni­schen Par­la­ments am 29. Mai bekannt­gab, wer­den die Beschrän­kun­gen fal­len, „um lang­fri­sti­ge Pro­gram­me erfolg­reich umset­zen zu kön­nen“. Die bis­her fünf­jäh­ri­ge Amts­zeit soll zudem auf sie­ben Jah­re erwei­tert wer­den. Inter­na­tio­na­le Beob­ach­ter bezeich­ne­ten die Prä­si­dent­schafts­wah­len von 2012, bei denen Ber­dim­u­ha­me­dow mit sowje­ti­schen 97 Pro­zent der Stim­men im Amt bestä­tigt wur­de, als „weder frei noch unpar­tei­isch“. Damit könn­te Ber­dim­u­ha­me­dow nach den Refor­men bis an sein Lebens­en­de regieren.

Staats­prä­si­dent Ber­dim­u­ha­me­dow zele­brier­te ver­gan­ge­ne Woche sich selbst, indem er eine Rei­ter­sta­tue, die sei­ne Per­son hoch zu Roß zeigt, aus 24karätigem Gold errich­ten ließ. Das Denk­mal ist 21 Meter hoch. Auf einem enor­men Sockel aus wei­ßem Mar­mor steht das gol­de­nen Rei­ter­stand­bild des Prä­si­den­ten. Bereits sein Amts­vor­gän­ger Nyà½a­zow betrieb als Turk­men­baschi (Füh­rer der Turk­me­nen) einen aus­ge­präg­ten Personenkult.

„Repor­ter ohne Gren­zen“ rei­hen Turk­me­ni­stan bezüg­lich Demo­kra­tie und Bür­ger­rech­ten an 178. Stel­le von 180 über­prüf­ten Staa­ten. Die christ­li­che Min­der­heit hat sich mög­lichst unauf­fäl­lig zu ver­hal­ten. Sie zer­fällt in regi­strier­te, staat­li­che aner­kann­te Gemein­schaf­ten, wie die rus­sisch-ortho­do­xe und die katho­li­sche Kir­che, und in nicht regi­strier­te evan­ge­li­ka­le und pfingst­le­ri­sche Gemein­schaf­ten, die unter noch stär­ke­rem Ver­fol­gungs­druck ste­hen. Der Schutz der Chri­sten hängt in erster Linie von den aktu­el­len Bezie­hun­gen Turk­me­ni­stans zu Ruß­land ab.

Text: Asianews/Giuseppe Nardi
Bild: Asianews

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