Netanjahu stoppt Zwang zu getrennten Bussen für Palästinenser und Juden

Israel: Autobusse
Segre­ga­ti­on an der Bus­hal­te­stel­le

(Jeru­sa­lem) Heu­te soll­ten neue israe­li­sche Sicher­heits­be­stim­mun­gen in Kraft tre­ten. Den Palä­sti­nen­sern soll­te die Ver­wen­dung von Bus­sen der Juden ver­bo­ten wer­den. Mini­ster­prä­si­dent Ben­ja­min Netan­ja­hu stopp­te im letz­ten Moment die Ver­ord­nung sei­nes Ver­tei­di­gungs­mi­ni­sters, nach­dem es zu hef­ti­ger Kri­tik gekom­men war.

Die Maß­nah­men soll­ten die Palä­sti­nen­ser betref­fen, die in Isra­el arbei­ten, aber aus den von Isra­el besetz­ten Gebie­ten stam­men. Sie soll­ten mit dem heu­ti­gen Tag nicht mehr die­sel­ben Bus­se ver­wen­den dür­fen wie die jüdi­schen Sied­ler. Zudem soll­ten sie bei der Rück­kehr am Abend den­sel­ben Kon­troll­punkt pas­sie­ren müs­sen, über den sie am Mor­gen nach Isra­el kom­men.

Die vom Ver­tei­di­gungs­mi­ni­ster Mos­he Yaa­lon ver­füg­te Neu­re­ge­lung soll­te, nach israe­li­schen Anga­ben, dem Schutz der jüdi­schen Sied­ler in den besetz­ten Gebie­ten die­nen. Im April waren zwei jun­ge Palä­sti­nen­ser bei Aus­schrei­tun­gen in Hebron und Ost-Jeru­sa­lem von israe­li­schen Sicher­heits­kräf­ten erschos­sen wor­den. Seit Herbst des Vor­jah­res kommt es in den besetz­ten Palä­sti­nen­ser­ge­bie­ten ver­mehrt zu Angrif­fen auf israe­li­sche Sicher­heits­kräf­te, die von Ein­zel­tä­tern aus­ge­führt wer­den. Dabei wird vor­nehm­lich an Bus­hal­te­stel­len ver­sucht, mit Autos israe­li­sche Sol­da­ten und Poli­zi­sten und jüdi­sche Sied­ler zu über­fah­ren.

Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­tio­nen wie Yesh Din (Jesch Din) spra­chen dage­gen von „Ras­sis­mus“ und einer „Schan­de für Isra­el“. Laut den Anga­ben von Micha­el Sfard von Yesh Din wür­de sich der täg­li­che Arbeits­weg der Palä­sti­nen­ser teils um mehr als zwei Stun­den ver­län­gern, so Asia­news.

Vor­erst soll­te die Neu­re­ge­lung für drei Mona­te gel­ten, dann eine end­gül­ti­ge Ent­schei­dung getrof­fen wer­den, so das Ver­tei­di­gungs­mi­ni­ste­ri­um ursprüng­lich. Dort weist man Segre­ga­ti­ons­vor­wür­fe zurück und spricht von „sicher­heits­tech­ni­schen“ Erfor­der­nis­sen.

Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­tio­nen berei­te­ten gegen die Maß­nah­men eine Ein­ga­be beim Ober­sten Gerichts­hof Isra­els vor. Sie hof­fen, soll­te die Rege­lung doch noch in Kraft tre­ten, daß die Rich­ter die neu­en Regeln nicht unter dem Gesichts­punkt des Ver­tei­di­gungs­mi­ni­ste­ri­ums beur­tei­len, son­dern dar­in eine Ungleich­be­hand­lung zwi­schen den Volks­grup­pen erken­nen und damit als Ele­ment der „eth­ni­schen Spal­tung“ und der „Segre­ga­ti­on“ ver­ur­tei­len. Die Maß­nah­men wür­den nicht auf den Schutz Isra­els abzie­len, son­dern sich gegen die Bevöl­ke­rung von Gebie­ten rich­ten, die von Isra­el besetzt sind.

Die Maß­nah­me hät­te Chri­sten wie Mos­lems getrof­fen.

Micha­el Sfard von Yesh Din sprach noch gestern von „einer beschä­men­den und ras­si­sti­schen Maß­nah­me, die Isra­el mora­lisch in die Tie­fe zieht“.

Text: Asianews/Giuseppe Nar­di
Bild: Asia­news

18 Kommentare

  1. Dar­über kann man sicher debat­tie­ren — und tut es in einem offen­sicht­lich frei­en und streit­ba­ren Staat, ohne gleich einen Kopf kür­zer geam­cht zu wer­den!

    Die Fra­ge ist, ob ver­gleich­ba­re selbst­kri­ti­sche Debat­ten in den rei­nen Palä­sti­nen­ser­ge­bie­ten mög­lich wären.

    Und da sehe ich aber ganz ganz schwarz — denn die Fra­ge, war­um sich Isra­el über­haupt sol­che Schutz­maß­nah­men aus­den­ken muss, dürf­te mit ganz weni­gen auf­rich­ti­gen Sät­zen beant­wor­tet sein.

    Die­sel­ben Chri­sten, die hier einen Rie­sen­auf­stand machen, sobald ein Mus­lim auch nur sei­ne fried­li­che Nasen­spit­ze hebt, haben kein Ver­ständ­nis, wenn Isra­el, das weit­ge­hend Tole­ranz prak­ti­ziert, auf gewalt­tä­ti­ge Nasen­spit­zen, deren es dort sehr sehr vie­le gibt und gab seit Jahr­zehn­ten, mit Anti-Gewalt-Apart­heid reagiert?

    Ich bin befrem­det — nichts ande­res als sol­che u.ä. poli­ti­sche Maß­nah­men wün­schen sich doch hier­zu­lan­de (in Euro­pa) Mil­lio­nen bra­ver Bür­ger — vor allem ganz from­me Chri­sten.
    Wie war das mit den zwei­er­lei Maß?

    Und ich den­ke auch an die Frie­dens­be­we­gungs­pro­te­ste, die in den 80ern in mei­ner jun­gen Erwach­se­nen­zeit dafür plä­dier­ten, dass man sich um des lie­ben Frie­dens wil­len lie­ber abknal­len lässt … ja, so durch­mi­schen sich die Argu­men­te… grün, schwarz, rot, braun…

  2. Der Papst hat in der ver­gan­ge­nen Wochen eine der schlimm­sten, viel­leicht die schlimm­ste Ent­schei­dung sei­nes Pon­ti­fi­kats getrof­fen: sei­ne Unter­stüt­zung für die soge­nann­te Zwei-Staa­te-Lösung. Mit die­sem Aus­druck wird umschrie­ben, dass dem Volk Isra­el Land abge­nom­men wer­den soll, das ihm gehört. Der Papst gesellt sich damit offi­zi­ell zu den Fein­den Isra­els. Damit setzt er aller­dings nur fort, was vor ihm schon die Vor­kon­zil­späp­ste taten, die sich von Anfang an gegen die Rück­kehr der Juden in das von Gott ihnen für immer zuge­teil­te Land stell­ten. Die­ser Schritt des Pap­stes und des Vati­kans wird Fol­gen haben, und zwar kei­ne guten.

    • @Leo Laemm­lein
      Es war vor allem Papst Pius X., der Theo­dor Herzl lei­der nicht ver­stand und ihm die Hil­fe ver­sag­te. Trotz alle­dem pro­kla­mier­te David Ben Gur­i­on am 10. Mai 1948 die Staats­grün­dung Isra­els. In der­sel­ben Nacht erklär­te die gesam­te ara­bi­sche Liga Isra­el den Krieg. Dass die ara­bi­schen Län­der, die ja zum guten Teil nicht mehr wis­sen wohin mit dem vie­len durch’s Oel geschef­fel­te Geld, die Palä­sti­nen­ser nicht in ihren Län­dern auf­neh­men ist eh‘ eine Absicht.

      • Pius X. war zeit­lich aller­dings auch noch jen­seits völ­kisch-faschi­sti­scher Model­le. Ich den­ke, das hat er noch nicht im Blick gehabt. Für ihn gab es ein­fach kei­nen Grund, nun einen eige­nen Staat auf­zu­ma­chen. Solan­ge man als Jude auch so gut leben kann — wozu einen eige­nen Staat. Außer­dem war Pius X. nicht klar über den Sta­tus des Hei­li­gen Lan­des — damals noch unter den Tür­ken. Gegen jüdi­sche Bewoh­ner der Regi­on hat­te er ja def­in­tiv nichts!

        Die Kir­che hat­te sich bis dato ja an sich von natio­na­li­sti­schen Volks­ideen abge­grenzt und abso­lut nicht aner­kannt, jedes „Volk“ müs­se nun auch sei­nen eige­nen Staat haben.

        Zu sei­ner Zeit gab es noch den Viel­völ­ker­staat Öster­reich, auch das Viel­völ­ker­ge­bil­de des Osman­si­chen Rei­ches — und das waren gera­de auf­grund die­ser Viel­falt nicht die schlech­te­sten Gebil­de. Ver­gli­chen mit den muf­fig-zwang­haf­ten Natio­nal­staa­ten, die sich her­nach bil­de­ten jeden­falls.

        Im Natio­na­lis­mus erkennt man, was Jesus vor­her­ge­sagt hat: „Ein Volk wird sich über das ande­re erhe­ben…“

        Nicht nur die Juden, son­dern zahl­rei­che ande­re Volks­grup­pen gerie­ten durch den Natio­nal­staats­wahn in gro­ße Bedräng­nis, wur­den ver­trie­ben, unter­drückt oder ermor­det.
        Denn wo gab es schon je „rein­ras­si­ge“ Wohn­ge­bie­te? Das ist ein Mythos und ein Wahn, der aber sei­nen Gip­fel vor Pius X. Tod noch gar nicht erreicht hat­te!
        Dass nach die­sem Gip­fel man­che ihren Schutz nur noch dadurch sichern konn­ten, DASS sie dann eben doch einen eige­nen Staat haben, steht auf einem ande­ren Blatt — beson­ders gilt das für Isra­el. Es ist FOLGE — nicht Ursa­che der Pro­ble­me.

        Man kann sich da nicht auf Pius X. rück­be­zie­hen — es ist viel­mehr die Fra­ge, was er lehr­amt­lich gesagt hät­te, wenn er bis 1945 gelebt hät­te — und er hat in der Tat ja nichts Lehr­amt­li­ches dazu gesagt, son­dern mit Herzl eine Unter­hal­tung von weni­gen Wor­ten geführt, in der er eine eher unschlüs­sig wir­ken­de Skep­sis an den Tag leg­te. Mehr nicht.

    • Herr Laemm­lein: Sie kön­nen sich beru­hi­gen – im Gegen­satz zu mir. Der Begriff «Zwei-Staa­ten-Lösung» ist das Code-Wort zuhan­den des israe­li­schen Regie­rung für: Macht wei­ter so mit Eurem Raub­sied­ler­tum wie bis­her, baut neue ille­ga­le Sie­de­lun­gen, schafft immer neue Sach­zwän­ge, die berech­tig­te palä­sti­nen­si­sche Ansprü­che in alle Ewig­keit ver­un­mög­li­chen. Wird aus dem Mun­de Fran­zis­kus von Net­an­ya­hu wohl auch so ver­stan­den. Die ob der peri­odi­schen Schläch­te­rei an der seit Jahr­hun­der­ten hier leben­den Bevöl­ke­rung zuneh­mend beun­ru­hig­te Chri­sten­heit soll mit der Flos­kel ruhig­ge­stellt wer­den.
      Anders wür­de es aus­se­hen, wenn Fran­zis­kus die Ein­staa­ten­lö­sung for­dern wür­de, das was die ein­wan­dern­den Juden schon immer hät­ten haben kön­nen: Dass auf dem hei­li­gen Land, auf dem unser Herr gewan­delt ist, alle Men­schen unab­hän­gig ihrer Eth­nie und Reli­gi­on mit glei­chen Rech­ten fried­lich mit­ein­an­der hät­ten leben kön­nen. So hat es Pius X gese­hen, sei­ne Absa­ge an Herzl gera­de­zu pro­phe­tisch.

      • Jedem, der sich dafür inter­es­siert, wem aus der Sicht Got­tes das Hei­li­ge Land gehört, emp­feh­le ich, die fol­gen­den Bibel­stel­len zu lesen:
        Gene­sis 17,8; 26,2–5; 28,1–4,13–14; Römer 1,16; Gene­sis 17,7; 1 Chro­nik 16,17–18; Psalm 105,8–11; Römer 9,4; 3,1–4; 11,29; 9,27; 9,4.
        Wenn der Papst Gott wider­spricht und ich wäh­len muss, dann ent­schei­de ich mich für Gott.

      • Die Zwei-Staa­ten-Lösung, also Tei­lung Isra­els, ist längst eine hin­ter den Kulis­sen beschlos­se­ne Sache, nur wur­de es der Öffent­lich­keit, auch dem israe­li­schen Volk, noch nicht mit­ge­teilt. Jeru­sa­lem wird inter­na­tio­na­li­siert, schon wer­den Check­points errich­tet, an denen die Zufahrt nach Jeru­sa­lem kon­trol­liert wer­den wird. Der Vati­kan wird den Drit­ten Tem­pel bau­en und ihn in ein inter­re­li­giö­ses Zen­trum ver­wan­deln. Isra­el lässt sich dar­auf ein, weil es unter inter­na­tio­na­lem Druck steht und ihm im Gegen­zug Frie­de und Sicher­heit ver­spro­chen wird. Das ist eine Illu­si­on und Lüge.

      • @ Klaus­pe­ter

        Bit­te, lesen Sie noch mal, was Pius X. wirk­lich gesagt hat­te — hier: https://www.katholisches.info/2014/05/26/pius-x-und-theodor-herzl-geste-der-entschuldigung-durch-papst-franziskus/

        Von einem Wan­deln aller Reli­gio­nen im Frie­den im Hei­li­gen Land hat Pius X. über­haupt nicht gere­det!

        Sei­ne Rede ist uns nur durch Herzl über­lie­fert — es fehlt also ein vati­ka­ni­sches Gegen­stück. Inso­fern ist es ohne­hin schwie­rig, hier mit den Wor­ten Pius X. zu argu­men­tie­ren. Audia­tur et alte­ra pars — auch in einem sol­chen Fall!

        Pius X. hat sich nicht lehr­amt­lich geäu­ßert zu dem The­ma.

        Nun hat aber @ Leo Lämm­lein damit recht, dass das Land ver­spro­chen wur­de FÜR IMMER. Im Fal­le einer Bekeh­rung der Juden wäre die­ses Volk ja nicht ein­fach „auf­ge­löst“ wor­den — hier liegt Ihr Fehl­schluss. Das Hei­li­ge Land ist Hei­mat der Israe­li­ten, dar­an gibt es kei­nen Zwei­fel. Ihre Depor­ta­tio­nen ins Fein­des­land sind The­ma des gesam­ten AT, eben­so ihre Rück­füh­run­gen. Und die­se Geschich­te ist noch nicht zu Ende nach der Schrift.

        Vie­le Katho­li­ken unter­schei­den aber nicht zwi­schen der Sub­situ­ti­on bzw. Erwei­te­rung des Neu­en Bun­des über den Alten weit hin­aus und der Exi­stenz des jüdi­schen Vol­kes. Es gibt sogar so drei­ste Leu­te, die behaup­ten, es gäbe gar kei­ne Juden. Nun denn — dann gibt es auch kei­ne Deut­schen!
        Dass es Juden gibt, ist nun mal ein empi­ri­sches Fak­tum, und ich fin­de die berich­te­te Hal­tung Pius X. merk­wür­dig und irgend­wie ungut (vor­aus­ge­setzt Herzl berich­tet kor­rekt).

        Sie geht wie mit einem Rie­sen­schlap­pen über die kom­ple­xe und fast mysti­sche Gedan­ken­füh­rung im Römer­brief hin­weg. Die­se pau­li­ni­sche Gedan­ken­füh­rung spricht davon davon, dass die Juden um der Hei­den wil­len von Gott ver­stockt wor­den sei­en.

        Wenn nun Pius X. gesagt haben soll, schließ­lich hät­ten die Juden 300 Jah­re Zeit gehabt sich zu bekeh­ren und nach 300 Jah­ren sei sozu­sa­gen die Dead­line erreicht gewe­sen, dann wider­spricht das dem Römer­brief, der bezeugt, dass nur Gott die Ver­stockung und ihr Ende kennt.

        Pius X. hat auf poli­ti­scher Ebe­ne gra­vie­ren­de Feh­ler gemacht und das, was er errei­chen woll­te, selbst unter­gra­ben. Berühm­te­stes Bei­spiel die Tat­sa­che, dass er poli­tisch ein­knick­te und von sei­nem rigo­ro­sen Anti­mo­der­ni­sten­eid aus­ge­rech­net die dis­pen­sier­te, die die Keim­zel­le der moder­ni­sti­schen Theo­lo­gie bil­de­ten: die deut­schen Hoch­schul­pro­fes­so­ren!

        Ich sage das nicht ankla­gend, son­dern dar­um, weil man einen gro­ßen Feh­ler macht, aus jeder sei­ner rein welt­li­chen Äuße­run­gen wie im Kaf­fee­satz zu lesen, wenn schon die admi­ni­stra­ti­ven Ent­schei­dun­gen teil­wei­se ver­hee­ren­de Fol­gen hat­ten.

      • zeit­schnur — 22. Mai 2015 um 8:43

        Ich sehe es auch so. Da sind wirk­lich Feh­ler pas­siert. Das soll­te man erken­nen — auch als Katho­lik. Die Staats­grün­dung Isra­els war von Gott geführt und die­ses Land wur­de dem jüdi­schen Volk von Gott zuge­sagt.

  3. Leo Laemm­lein, zeit­schnur und Jeann dArc,

    ich muss noch ein­mal kom­men, eigens noch Pfing­sten abge­war­tet, um viel­leicht schlau­er über Euch zu wer­den und um Euch nicht zu ver­let­zen. Sehe ich das rich­tig – in der Kon­se­quenz Eurer Aus­füh­run­gen gedacht, hät­ten zum Zeit­punkt des Beginns der zio­ni­sti­schen Kolo­ni­sie­rung Palä­sti­nas ab aus­ge­hen­dem 19. Jahr­hun­dert nach(!!!) Chri­stus, und somit schon Jahr­hun­der­te vor­her die ein­ge­bo­re­ne Bevöl­ke­rung mit Aus­nah­me der Juden kei­ne recht­mä­ssi­gen Titel auf Land und Lie­gen­schaf­ten haben kön­nen. Alles was sie an dies­be­züg­li­chen Rech­ten und Papie­ren vor­zu­wei­sen hat­ten auf­grund ihrer jahr­hun­der­te­lan­gen Rechts­tra­di­ti­on wäre null und nich­tig gewe­sen kraft höhe­ren, unmit­tel­ba­ren gött­li­chen, not­falls durch Gewehr­läu­fe ver­mit­tel­ten Rechts? Die Sied­ler, vor­nehm­lich aus Ost­eu­ro­pa, waren Ihrer Mei­nung nach im Recht, wenn sie auf Wider­stand bei Ent­eig­nun­gen sofort gewalt­tä­tig wur­den – sie durf­ten nicht nur, ja sie muss­ten letzt­lich und not­falls töten und gewalt­sam ver­trei­ben – um den Wil­len Got­tes zu erfül­len? Und auf wel­ches Gebiet genau wür­de sich Eurer Mei­nung nach die­ser gött­li­che Frei­brief bezie­hen. Die israe­li­sche Regie­rung hat sich jeden­falls noch nie auf defi­ni­ti­ve Gren­zen ihres so von Gott direkt und unmit­tel­bar zuge­wie­sen Gebie­tes fest­le­gen wol­len.
    Und wei­ter: hät­ten die­se gött­li­chen Rechts­an­sprü­che der Juden sich auch auf Mada­gas­kar über­tra­gen las­sen, das war ja für Herzl schliess­lich auch eine val­ab­le Opti­on?

    Absur­di­tät über Absur­di­tät! Zum Glück resul­tie­rend nur aus Eurer rein pri­va­ten Bibel­ex­ege­se. Hät­te sie für mein per­sön­li­ches See­len­heil Rele­vanz, wäre dies mit Sicher­heit durch das kirch­li­che Lehr­amt auf mich gekom­men, mit Sicher­heit auch wäre ich dann am Glau­ben irre gewor­den, weil ich hät­te ein­ge­ste­hen müs­sen, trotz auf­rich­ti­ger Bemü­hun­gen und auch Gebet, rein gar nichts ver­stan­den zu haben von unse­rem Glau­ben. Hat nicht zeit­schnur kürz­lich hier ein ähn­li­ches Pro­blem gehabt – über Schmid­ber­gers Glau­bens­ver­ständ­nis gespot­tet, als er Früch­te eines spe­zi­el­len päpst­li­chen Gebe­tes dar­in zu sehen glaub­te, als die anglo-zio­ni­sti­sche Aggres­si­on gegen Syri­en über Nacht abge­bla­sen wur­de, sinn­ge­mäss: Gott ist kein Auto­mat – oben Geld rein, unten Kau­gum­mi raus. Tut mir leid. Eurer Auto­ma­ten-Gott scheint mir noch viel unplau­si­bler, er braucht nicht ein­mal ein Gebet, viel weni­ger, man darf athe­istisch sein, darf sogar auf Jesus unse­ren Herrn spucken, man muss ein­fach die rich­ti­gen Gene oder ein pro­fa­nes Abstam­mungs­pa­pier vor­wei­sen kön­nen und das ergibt dann einen Titel auf Land.

  4. Fortsetzung/Abschluss

    Vor eini­gen Jah­ren jetzt, in mei­ner vor­ka­tho­li­schen Zeit, hat­te ich mich noch im Rah­men einer 68er-Links­par­tei inten­siv mit dem Nah­ost­kon­flikt aus­ein­an­der­ge­setzt. Um ja nicht ins anti­se­mi­ti­sche abzu­drif­ten, zog ich damals aus­schliess­lich jüdi­sche Quel­len zum The­ma her­an; auf unse­ren Ver­samm­lun­gen spra­chen mei­stens unse­re jüdi­schen Kader. Der Begriff «Selbst­hass­ju­de» wur­de dann für die­sen Fall kre­iert. Min­de­stens ein sol­cher jüdi­scher «Selbst­hasser» den ich ken­ne, hat aus Scham vor den Ver­bre­chen der Zio­ni­sten zu Chri­stus gefun­den.

    Die gan­ze Sache irri­tiert mich auch des­halb so, weil ich von Euch drei Ange­spro­che­nen hier schon so oft Bemer­kens­wer­tes gefun­den habe. Ins­be­son­de­re von zeit­schnur mei­ne ich schon Eini­ges gelernt und mir hin­ter die Ohren geschrie­ben zu haben, beson­ders was die The­men Liebe/Sexualität betrifft. Was tun? Ich wer­de in die­sem Dis­sens, wenn auch mit einem gewis­sen Schmerz, leben kön­nen. Wie heisst es: Behal­tet das Gute, ver­werft das Schlech­te. Kon­kret, was von Euch zu The­ma Nah­ost kommt, über­ge­he ich, alles ande­re lese ich auf­merk­sam.

    • Puh — was soll man da sagen? Was Sie zumin­dest mir an Gedan­ken und Mei­nun­gen unter­le­gen, hat mit mei­nen Gedan­ken kaum zu tun.

      Sie haben offen­bar kei­ne all­zu ent­spann­ten Vor­aus­set­zun­gen für das The­ma: die Lin­ke ist genau­so anti­zio­ni­stisch und teil­wei­se offen anti­se­mi­tisch wie die Schwarz- und Braunka­tho­li­ken. Man sieht da v.a., was man sehen will und fin­det immer auch einen jüdi­schen Kron­zeu­gen, der das bestä­tigt, weil es natür­lich auch da Leu­te gibt, die irgend­wel­che Rechun­gen im eige­nen Lager offen­ha­ben. Ich ver­las­se mich da lie­ber auf gesun­den Men­schen­ver­stand und Erfah­run­gen, die ich über­blicken kann.

      Ich habe durch pri­va­te und fami­liä­re Bezie­hun­gen zu Isra­el bzw. dem Juden­tum ein völ­lig ande­res Bild! Gera­de gestern sprach ich dar­über mit mei­nen Eltern nach ihre letz­ten Israe­l­auf­ent­halt! Ich las­se mir aus dem katho­lisch-faschi­sti­schen Lager die­se Het­ze ein­fach nicht auf­schwät­zen. Sie ist nicht nur flach, son­dern auch ver­zerrt und teil­wei­se offen ver­lo­gen. Damit will ich nichts zu tun haben. Das rächt sich!

      Das, was sich jahr­hun­der­te­lang (teil­wei­se) abspiel­te im katho­li­schen Lager ist sur­re­al und abstrus. Immer wie­der muss­ten sowohl Päp­ste als auch v.a. welt­li­che Mon­ar­chen mäßi­gend ein­grei­fen. Päp­ste muss­ten aus­drück­lich das Ver­leum­den der Juden ver­bie­ten. Der Kai­ser muss­te sie aus­drück­lich schüt­zen, damit gewis­se Chri­sten nicht wie eine Meu­te von Wahn­sin­ni­gen über sie her­fie­len.

      Da ist soviel schief­ge­lau­fen, dass man von die­ser unse­li­gen „Tra­di­ti­on“ wirk­lich Abstand neh­men muss, um nicht sel­ber sich des Heils ver­lu­stig zu machen.
      Es gab Kräf­te in der Kir­che, die scheu­ten vor kei­ner Lüge und Gewalt­tat an Juden zurück:
      Wie wuss­ten schon die alten Römer: Der Teu­fel sitzt am lieb­sten auf den Hör­nern des Alta­res!

      Die Schrift gibt uns eine ziem­lich genaue Aus­kunft über das, was die Israe­li­ten und uns betrifft — auch dass ihr Land nun mal ihr Land ist und dass sie dort­hin wie­der­zu­rück­keh­ren wür­den, WEIL GOTT ES SO WILL.
      Und dass sie am Ende der Zei­ten Chri­stus erken­nen wer­den.
      Wol­len Sie sich mit die­sen Katho­li­ken gegen den Wil­len Got­tes ver­ge­hen?

      Wel­ches Pro­blem haben Sie also?

      Die Besied­lungs­ge­schich­te?
      Da soll­ten Sie ent­spann­te und neu­tra­le Lite­ra­tur dazu lesen — immer­hin leben in Isra­el 20% Ara­ber als Staats­bür­ger, die sich durch­aus mei­stens nicht als „Fein­de“ Isra­els sehen, son­dern völ­lig nor­ma­le Leben leben und völ­lig nor­ma­le Kon­tak­te mit Juden haben. Wie sag­te ein ara­bi­scher Freund mei­ner Mut­ter: den gan­zen Affen­zir­kus brocken uns die „lea­der“ ein — nicht zuletzt die ara­bi­schen…
      Die Sied­lungs­po­li­tik ist sehr kom­plex und die Fra­ge von Lega­li­tät und Ille­ga­li­tät ist hei­kel — auch vor der UNO.
      Man kann das hier nicht abhan­deln.
      Aber eines ist gewiss: die braun­schwar­zen Katho­li­ken haben nicht nur in die­ser Fra­ge ein äußerst laxes Ver­hält­nis zum 8. Gebot.
      Ich wür­de an Ihrer Stel­le nicht allem glau­ben, was irgend­wie fromm tut, son­dern sach­li­che und neu­tra­le Quel­len prü­fen.

      • @zeitschnur —- Das sehe ich auch so !

        Hier die Bibel­stel­len: Jesa­ja 11, 10–12, Sach­ar­ja 12, 1–10, Jere­mia 30–32 (bes. 30, 3 + 31, 8) und Eze­chi­el 36, 24–28.

  5. In die­sem Zusam­men­hang möch­te ich die Bücher von Dr. Derek Prince emp­feh­len, die einen sehr guten Über­blick geben:
    Bibli­sche Pro­phe­tie und der Nahe Osten, ISBN 3–932341-29–5,
    http://www.ibl-dpm.de/index.php/component/jshopping/buecher/b34ge?Itemid=0 oder http://www.amazon.de/Biblische-Prophetie-Nahe-Osten-Weltenuhr/dp/3932341295/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1432715619&sr=8–1&keywords=Derek+Prince+Biblische+Prophetie+und+der+Nahe+Osten
    und das Buch:
    Anti­se­mi­tis­mus — Der Anteil der Chri­sten, ISBN 3–932341-01–5, http://www.amazon.de/Serie-Nachfolge-Konkret-Antisemitismus-Christen/dp/3932341015/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1432715782&sr=8–1&keywords=Derek+Prince+Antisemitismus%2C+Der+Anteil+der+Christen

    • Ergän­zung: Die Bücher von Dr. Derek Prince sind Grund­la­gen­for­schung zu die­sem The­ma. Er war einer der Ersten, der ab den 80ziger Jah­ren sich damit aus­ein­an­der­setz­te und vie­le ande­re Autoren nach ihm haben dies von ihm auf­ge­grif­fen und brin­gen nicht viel Neu­es. In sei­nen Büchern wer­den jedoch die Quel­len am besten kom­pi­liert.

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