Papst Franziskus empfing „liebe Schwester“ Antje Jackelen, lutherische Erzbischöfin von Uppsala

Papst Franziskus und Antje Jackelen
Papst Fran­zis­kus und Ant­je Jackelen

(Rom) Eigent­lich stammt sie aus Deutsch­land. Ant­je Zöll­ner, in Her­decke an der Ruhr gebo­ren, hei­ra­te­te nach Schwe­den. Dort ist sie seit 2007 luthe­ri­sche Bischö­fin und seit 2014 als Erz­bi­schö­fin von Upp­sa­la sogar Pri­mas von Schweden.

Gestern wur­de Jacke­len von Papst Fran­zis­kus im Vati­kan emp­fan­gen. „Geschätz­te Frau Jacke­len, geschätz­te Schwe­ster, lie­be Freun­de!“, mit die­sen Wor­ten wand­te sich der Papst an die vom geist­li­chen Ober­haupt ange­führ­te Dele­ga­ti­on der evan­ge­lisch-luthe­ri­schen Kir­che Schwedens.

Jackelen politisch korrekt: „Klimawandel“ und „Flüchtlingsproblem“

Ant­je Jacke­len hat­te vor ihrem Besuch im Vati­kan betont, daß die Stim­me des Pap­stes „grund­le­gend für die Gerech­tig­keit und die Ver­söh­nung“ sei. Ihrer­seits nann­te sie zwei poli­tisch kor­rek­te The­men von gemein­sa­mem Inter­es­se, „den Kli­ma­wan­del und das Flücht­lings­pro­blem“. Jacke­len hob zudem die Fei­ern zu 500 Jah­re Refor­ma­ti­on Luthers im Jahr 2017 hervor.

Papst Fran­zis­kus sprach ande­re The­men an, dar­un­ter die in meh­re­ren Län­dern statt­fin­den­de, teils blu­ti­ge Chri­sten­ver­fol­gung, die er im Licht einer Ver­tie­fung der Öku­me­ne betrach­te­te. Das Zeug­nis der ver­folg­ten Chri­sten eine die ver­schie­de­nen Kon­fes­sio­nen. Der Papst beton­te vor allem die Not­wen­dig­keit, zu den The­men Leben, Fami­lie und Sexua­li­tät unter­schied­li­che Posi­tio­nen zu vermeiden.

Papst: „Neue Differenzen“ in Sachen Menschenwürde Familie, Ehe, Sexualität wären „eine Sünde“

Antje Jackelen besucht das Franziskanerkloster von Assisi
Ant­je Jacke­len besucht das Fran­zis­ka­ner­klo­ster von Assisi

„Von drän­gen­der Aktua­li­tät ist dann die Fra­ge der immer zu ach­ten­den Wür­de des mensch­li­chen Lebens, wie auch der The­ma­ti­ken, die mit der Fami­lie, der Ehe und der Sexua­li­tät zusam­men­hän­gen, die nicht ver­schwie­gen und igno­riert wer­den kön­nen aus Furcht, den bereits erreich­ten öku­me­ni­schen Kon­sens zu gefähr­den. Es wäre eine Sün­de, wenn in die­sen wich­ti­gen Fra­gen sich neue kon­fes­sio­nel­le Dif­fe­ren­zen ver­fe­sti­gen würden.“

Papst Fran­zis­kus dank­te der luthe­ri­schen Kir­che Schwe­dens für die Auf­nah­me „vie­ler süd­ame­ri­ka­ni­scher Migran­ten in der Zeit der Dik­ta­tu­ren“. Eben­so dank­te er, der „lie­ben Schwe­ster“, für die Ernen­nung „mei­nes gro­ßen Freun­des, Pastor Anders Root, mit dem ich den Lehr­stuhl für Spi­ri­tu­el­le Theo­lo­gie geteilt habe und der mir im geist­li­chen Leben sehr gehol­fen hat“.

Ökumenedekret Unitatis Redintegratio

Papst Fran­zis­kus beton­te, wie bereits bei ande­rer Gele­gen­heit, sei­ne „Dank­bar­keit“ gegen­über Gott, daß „wir im ver­gan­ge­nen Jahr den 50. Jah­res­tag des Öku­men­e­de­krets des Zwei­ten Vati­can­ums Uni­ta­tis Red­in­te­gra­tio fei­ern konn­ten, das nach wie vor der ent­schei­den­de Bezugs­punkt für den öku­me­ni­schen Ein­satz der katho­li­schen Kir­che dar­stellt“. Mit die­sem Doku­ment sei deut­lich gemacht wor­den, daß es ohne Öku­me­ne nicht mehr gehe. Das Dekret „lädt alle katho­li­schen Gläu­bi­gen ein, die Zei­chen der Zeit zu erken­nen und den Weg der Ein­heit zu beschrei­ten, um die Spal­tun­gen zwi­schen den Chri­sten zu über­win­den, die nicht nur offen dem Wil­len Chri­sti wider­spre­chen, son­dern auch der Welt ein Ärger­nis sind und das hei­lig­ste aller Anlie­gen beschä­di­gen: Die Ver­kün­di­gung des Evan­ge­li­ums an jedes Geschöpf“.

„Gemeinsames lutherisch-katholisches Reformationsgedenken 2017“?

Der Papst erin­ner­te zudem an das im Juni 2013 ver­öf­fent­lich­te „Stu­di­en­do­ku­ment“ der Luthe­ri­sch/­Rö­misch-katho­li­schen Kom­mis­si­on für die Ein­heit, das den Titel „Vom Kon­flikt zur Gemein­schaft — Gemein­sa­mes luthe­risch-katho­li­sches Refor­ma­ti­ons­ge­den­ken im Jahr 2017“ trägt. Her­aus­ge­ge­ben wur­de es vom Luthe­ri­schen Welt­bund (LWB) und dem Päpst­li­chen Rat zur För­de­rung der Ein­heit der Chri­sten. „Wir wün­schen uns von Her­zen, daß die­se Initia­ti­ve dazu ermu­ti­gen möge, mit der Hil­fe Got­tes und unse­rer Mit­ar­beit mit ihm und unter uns, wei­te­re Schrit­te auf dem Weg der Ein­heit zu set­zen“, so das katho­li­sche Kir­chen­ober­haupt. Sei­ne Anspra­che schloß der Papst mit den Wor­ten: „In der Hoff­nung, daß sich die Zusam­men­ar­beit zwi­schen Luthe­ra­nern und Katho­li­ken ver­stär­ke, bete ich zum Her­ren, daß er jeden von euch und eure Gemein­schaft reich­lich segne.“

Das Bistum Uppsala

Seit der Zeit um 1060 ist für Upp­sa­la ein Bischof belegt, der von Bre­men zur Chri­stia­ni­sie­rung dort­hin ent­sandt wor­den war. Das Bis­tum wur­de gesi­chert im 12. Jahr­hun­dert kano­nisch errich­tet und ist seit­her Sitz des Pri­mas von Schwe­den. In der offi­zi­el­len Zäh­lung seit 1164 wer­den 33 katho­li­sche Erz­bi­schö­fe aufgeführt.

1526 wur­de der letz­te resi­die­ren­de katho­li­sche Erz­bi­schof Johan­nes Magnus durch die Refor­ma­ti­on ver­trie­ben. Nach des­sen Tod im Exil ernann­te Papst Paul III. noch des­sen Bru­der Olaus Magnus zum Erz­bi­schof von Upp­sa­la, der sein Bis­tum aller­dings nie betre­ten konn­te. Als Olaus Magnus 1557 in Rom starb, brach die Linie der katho­li­sche Bischö­fe von Upp­sa­la ab.

Seit 1531 sit­zen Luthe­ra­ner auf dem Erz­bi­schofs­stuhl von Upp­sa­la. Bis 1990 wur­den 38 luthe­ri­sche Erz­bi­schö­fe gezählt. 1990 wur­de ein zwei­tes Bischofs­amt geschaf­fen. Seit­her gibt es einen Bischof von Upp­sa­la, der die Diö­ze­se lei­tet, und einen Erz­bi­schof von Upp­sa­la, der die Auf­ga­ben der Gesamt­lei­tung der evan­ge­lisch-luthe­ri­schen Kir­che Schwe­dens wahr­nimmt. Ant­je Jacke­len ist die erste Frau, die das Amt eines Pri­mas innehat.

Text: Giu­sep­pe Nardi
Bild: CTV (Screenshot)/Messaggero di San Francesco

2 Kommentare

  1. Ohne jetzt dem Hei­li­gen Vater – Ent­schul­di­gung: dem Bischof von Rom – Unrecht tun zu wol­len, aber viel­leicht hat­te er ja auch sei­ne Grün­de die­se pro­te­stan­ti­sche Häre­ti­ke­rin als „Schwe­ster“ zu bezeichnen.
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    „Kön­nen Wir dul­den, was doch eine gro­ße Gott­lo­sig­keit wäre, dass die Wahr­heit, und zwar die von Gott geof­fen­bar­te Wahr­heit zum Gegen­stand von Ver­hand­lun­gen gemacht wird? (…) In die­ser Fra­ge gehen auch jene fehl, die da mei­nen, der Schatz der Glau­bens­wahr­hei­ten sei zwar irgend­wo auf Erden vor­han­den, er müs­se aber unter so müh­sa­mer Arbeit und unter so lang dau­ern­den Stu­di­en und Erör­te­run­gen gesucht wer­den, dass ein Men­schen­le­ben kaum aus­rei­che, um die­sen Schatz zu fin­den und sich zu eigen zu machen.“ –– Papst Pius XI., Enzy­kli­ka «Mor­ta­li­um ani­mos» (06.01.1928), Nr. 8.

  2. Ein unaus­sprech­li­cher Skan­dal! Doch die­ser Ber­go­glio ist ja eines Gei­stes mit die­ser pro­te­stan­ti­schen „Bischö­fin“. Gleich und Gleich gesellt sich gern.

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