Antikatholische Medien-Konstrukte seit Diderots „Die Nonne“

Sexueller KindesmißbrauchAb Ende Janu­ar 2010 walz­te eine Medi­en­kam­pa­gne von rie­si­gem Aus­maß das Anse­hen der katho­li­schen Kir­che nie­der. Im März und April vor fünf Jah­ren hat­te die media­le Miss­brauchs-Skan­da­li­sie­rung ihren Höhe­punkt erreicht. Die Frank­fur­ter Neue Pres­se stell­te in einem Inter­view alle katho­li­schen Prie­ster unter Miss­brauchs­ver­dacht.

Von Wer­ner Rothen­ber­ger

Vor 15 Jah­ren deck­te die Frank­fur­ter Rund­schau auf, dass Direk­tor und Leh­rer der hes­si­schen Oden­wald­schu­le ihre anver­trau­ten Schü­ler „in infla­tio­nä­rem Umfang“ miss­braucht hat­ten. Die­ser erst­ma­li­gen Ent­hül­lung von unge­heu­er­li­chen Vor­gän­gen folg­ten kei­ne wei­te­ren Pres­se­be­rich­te. Lag es an der reform­päd­ago­gisch und links­ori­en­tier­ten Schu­le, dass die Jour­na­li­sten ihrer Pflicht zu Recher­che und Infor­ma­ti­on der Öffent­lich­keit nicht nach­ka­men? Waren die Medi­en­leu­te zu fei­ge, am Image der Unesco-Schu­le zu krat­zen? Hat­ten die pro­mi­nen­ten Eltern der Schü­ler die Medi­en ein­ge­schüch­tert, bedroht oder gar Jour­na­li­sten für ihr Schwei­gen gekauft? Jeden­falls hät­ten vor 14 Jah­ren der Direk­tor und eini­ge sei­ner Miss­brauchs­leh­rer noch zur Rechen­schaft gezo­gen wer­den kön­nen, wenn die Medi­en damals an die­ser und ande­ren öffent­li­chen Heim­schu­len zu den ver­tusch­ten Miss­bräu­chen recher­chiert hät­ten.

Die Medi­en betrei­ben Ruf­schä­di­gung der Kir­che

Ganz anders reagier­ten die Medi­en, als die Ber­li­ner Jesui­ten­schu­le Cani­si­us-Kol­leg von sich aus zu ver­gan­ge­nen Miss­brauchs­vor­fäl­len aktiv wur­de, indem die Schul­lei­tung die ehe­ma­li­gen Schü­ler anschrieb. In den Mona­ten ab Ende Janu­ar 2010 ver­brei­te­te die Pres­se auf allen Kanä­len Hun­der­te von Arti­keln über Miss­bräu­che im kirch­li­chen Bereich seit 1945. Das Ergeb­nis die­ser Medi­en­kam­pa­gne war eine mani­pu­lier­te Sicht der Gesell­schaft auf die Kir­che: Die Mehr­heit der Bevöl­ke­rung war danach der Ansicht, dass Miss­bräu­che im kirch­li­chen Bereich häu­fi­ger als in ande­ren gesell­schaft­li­chen Insti­tu­tio­nen wie Schu­len, Inter­na­ten oder Ver­ei­nen vor­kä­men. Dage­gen bewe­gen sich die tat­säch­li­chen Zah­len nach den For­schun­gen der Pro­fes­so­ren Pfeif­fer und Kör­ber eher im Pro­mil­le-Bereich.

Wie kommt es, dass die Medi­en jeder­zeit „sprung­be­reit“ sind zur Aus­wal­zung von Miß­stän­den in der Kir­che? War­um wer­den tat­säch­li­che oder ver­meint­li­che sexu­el­le Ver­feh­lun­gen im kirch­li­chen Bereich von der Pres­se unver­hält­nis­mä­ßig auf­ge­bauscht und skan­da­li­siert?

Vor zwei Jah­res lief eine Neu­ver­fil­mung von Dide­rots „Die Non­ne“ in den Kinos an. Der fran­zö­si­sche Auf­klä­rer hat­te sich in sei­nem gleich­na­mi­gen Roman dar­um bemüht, Ste­reo­ty­pe über katho­li­sches Ordens­le­ben zu ver­brei­ten: In Klö­stern herr­sche Unfrei­wil­lig­keit und Unter­drückung. Und: Das Gelüb­de der Ehe­lo­sig­keit bei Non­nen, Mön­chen und Prie­stern füh­re zu sexu­el­len Ver­feh­lun­gen. Seit­her sind die­se anti­ka­tho­li­schen Kli­schees tief in der euro­päi­schen Lite­ra­tur und Publi­zi­stik ver­an­kert.

Ein anti-katho­li­scher Pogrom als Signal zu Bis­marcks Kul­tur­kampf

Bismarcks Kulturkampf gegen die Katholische Kirche
Bis­marcks Kul­tur­kampf gegen die Katho­li­sche Kir­che

Der Preu­ßi­sche Kul­tur­kampf gegen die katho­li­sche Kir­che (1872–78) war durch eine Medi­en­kam­pa­gne von Ber­li­ner Zei­tun­gen gegen zwei Klo­ster­grün­dun­gen in Ber­lin-Moa­bit vor­be­rei­tet wor­den. Eine durch Medi­en­het­ze auf­ge­peitsch­te Men­ge von 3.000 Men­schen stürm­te im August 1869 in einem anti­ka­tho­li­schen Pogrom die bei­den Klö­ster, um die angeb­li­chen Sitt­lich­keits­ver­bre­chen von katho­li­schen Orden­leu­ten auf­zu­decken und ver­meint­lich ein­ge­sperr­te Non­nen zu befrei­en.

In den Kul­tur­kampf­jah­ren wur­de die anti­ka­tho­li­sche Pole­mik ver­brei­tert. Die weit­ge­hend von libe­ral-pro­te­stan­ti­schen Kräf­ten beherrsch­te Pres­se bedien­te dabei ein anti-kle­ri­ka­les Vor­ur­teils­mu­ster, dass seit der Auf­klä­rung gepflegt wur­de: In den Prie­ster­se­mi­na­ren und Kna­ben­kon­flik­ten sowie den Klö­stern wür­de eine jähr­lich stei­gen­de Zahl von Sitt­lich­keits­ver­bre­chen vor­kom­men. Die­se Fäl­le sei­en in der „Natur der Kir­che“ begrün­det – so der Medi­zi­ner Virchow damals. Denn Zöli­bat und Klo­ster­ge­lüb­de wür­den zu gehei­men und unna­tür­li­chen Befrie­di­gun­gen des Sexu­al­triebs ver­lei­ten. Nach­dem sich die Pres­se auf die Jesui­ten als die eigent­li­chen kle­ri­ka­len Draht­zie­her ein­ge­schos­sen hat­te, wur­den sie als „Unge­zie­fer“ und „Volks­schäd­lin­ge“ vom Staat ver­bo­ten bzw. aus­ge­wie­sen.

Ohne die lang andau­ern­de Medi­en­kam­pa­gne wären die mas­si­ven Ein­griffs­ge­set­ze Bis­marcks gegen die katho­li­sche Kir­che kaum durch­setz­bar gewe­sen. Schlim­mer noch: Die Kan­zel-Geset­ze sowie das Ver­bot und die Aus­wei­sung katho­li­scher Orden waren ein­deu­ti­ge Ver­stö­ße gegen die zumin­dest in Preu­ßen ver­fas­sungs­mä­ßig garan­tier­ten Grund­rech­te von Mei­nungs- und Ver­ei­ni­gungs­frei­heit. In die­ser Situa­ti­on pro­sti­tu­ier­te sich das Gros der Medi­en an den all­mäch­ti­gen Staat und ver­kauf­te ihren Auf­trag zur Kri­tik an unrecht­mä­ßi­gen staat­li­chen Über­grif­fen für das Lin­sen­ge­richt der staat­li­chen Belo­bi­gung.

Die Kam­pa­gne der Goe­b­bels­pres­se zu kirch­li­chen „Sitt­lich­keits­ver­bre­chen“

Reichspropagandaminister Joseph Goebbels
Reichs­pro­pa­gan­da­mi­ni­ster Joseph Goe­b­bels

Was die natio­nal-libe­ra­le und staats­treue Pres­se im Kul­tur­kampf an anti-katho­li­schen Berichts­mu­stern her­vor­ge­bracht hat­te, soll­te 60 Jah­re spä­ter die Nazis wie­der her­vor­ho­len. In den Jah­ren 1936/37 führ­te die Goe­b­bels­pres­se eine kon­zen­trier­te Kam­pa­gne gegen die Kir­che durch. Die damals gleich­ge­schal­te­ten Medi­en waren von der NS-Schalt­zen­tra­le ange­wie­sen wor­den, detail­liert und mit vor­ge­ge­be­nen Fol­ge­run­gen über die soge­nann­ten Sitt­lich­keits­pro­zes­se zu kirch­li­chen Per­so­nen zu berich­ten. Es ging dabei haupt­säch­lich um homo­se­xu­el­le Bezie­hun­gen zwi­schen Erwach­se­nen bei Prie­stern und Ordens­an­ge­hö­ri­gen. Bei den ins­ge­samt ca. 250 Pro­zes­sen in zwei Jah­ren wur­den weit unter einem Pro­mil­le der Geist­li­chen in Deutsch­land ver­ur­teilt. Im glei­chen Zeit­raum führ­ten die Nazi-Gerich­te mehr als 16.000 Pro­zes­se gegen zivi­le Homo­se­xu­el­le durch, von denen aber die Pres­se kei­ne län­ge­ren Berich­te brin­gen durf­te.

Das von den Nazis erstreb­te Ergeb­nis in der öffent­li­chen Mei­nung war es, dass „Sitt­lich­keits­ver­bre­chen“ vor­wie­gend mit katho­li­schen Geist­li­chen, dem Zöli­bat und Klö­stern in Ver­bin­dung gebracht wer­den soll­ten. Die Wir­kung der natio­nal­so­zia­li­sti­schen Ruf­mord­kam­pa­gne gegen die Kir­che fruch­te­te vor allem in den Köp­fen und Vor­ur­tei­len der nicht-katho­li­schen Bevöl­ke­rung. Bei den Katho­li­ken gab es von 1937 bis 1939 nur einen gerin­gen Anstieg der Kir­chen­aus­tritts­zah­len.

Media­le Mani­pu­la­ti­on der Öffent­lich­keit zum Scha­den der Kir­che

Die mona­te­lan­ge Kon­zen­tra­ti­on der Pres­se auf Miss­bräu­che in Bereich der katho­li­schen Kir­che im Früh­jahr 2010 zeig­te frap­pie­ren­de Par­al­le­len und ähn­li­che Ergeb­nis­se zu frü­he­ren anti­ka­tho­li­schen Medi­en­kam­pa­gnen. Wie in der Bis­marck­zeit tra­ten fast alle Medi­en ohne irgend­wel­chen staat­li­chen Gleich­schal­tungs­druck, gleich­wohl gleich­ge­rich­tet auf gegen Miss­bräu­che in katho­li­schen Ein­rich­tun­gen. Die Medi­en ver­mit­tel­ten der Bevöl­ke­rung den Ein­druck, als wenn ein Rie­sen­an­teil an der Gesamt­zahl von sexu­el­len Über­grif­fen auf Min­der­jäh­ri­ge im Bereich der Kir­che gesche­hen wür­de. Tat­säch­lich stamm­ten nur 0,1 Pro­zent der Miss­brauch­stä­ter aus dem kirch­li­chen Bereich – so der Kri­mi­no­lo­ge Prof. Chri­sti­an Pfeif­fer. Die Medi­en hat­ten durch die gleich­ge­rich­te­te Fokus­sie­rung ihrer Miss­brauchs­pu­bli­ka­ti­on auf die Kir­che ein gro­tesk ver­zerr­tes Bild von der Wirk­lich­keit kon­stru­iert. Durch die hoch­ge­peitsch­ten Skan­da­li­sie­rungs­mel­dun­gen wur­de die öffent­li­che Mei­nung extrem mani­pu­liert: Im Som­mer 2010 glaub­te nach einer Allens­bach-Befra­gung 47 Pro­zent der Deut­schen, dass Miss­bräu­che in der katho­li­schen Kir­che „häu­fig“ vor­kä­men.

An einer ein­zi­gen öffent­li­chen Schu­le mehr Miss­brauchs­op­fer als in drei hes­si­schen Bis­tü­mern

Odenwaldschule
Oden­wald­schu­le

In Wahr­heit kom­men Miss­brauchs­fäl­le im kirch­li­chen Bereich signi­fi­kant weni­ger vor als in ande­ren gesell­schaft­li­chen Berei­chen wie Fami­lie, Nach­bar­schaft, Ver­ei­nen, Schu­len etc. In einer reprä­sen­ta­ti­ven Stu­die des Kri­mi­na­li­sti­schen For­schungs­in­sti­tuts Nie­der­sach­sen bezeich­ne­ten sich von 11.500 Befrag­ten 683 als Opfer von sexu­el­lem Miss­brauchs­er­fah­run­gen. Aber nur eine ein­zi­ge Per­son gab an, von einem Prie­ster miss­bräuch­lich belä­stigt wor­den zu sein. Knapp 60 Per­so­nen (8,6 Pro­zent der Opfer) erwähn­ten Lehr­per­so­nen als Miss­brauch­stä­ter. Als Quo­te von Miss­brauchs­op­fern ermit­tel­te das Insti­tut die Zahl von 6,4 Pro­zent für Frau­en und 1,3 Pro­zent für Män­ner.

Die ver­gleichs­wei­se nied­ri­gen Miss­brauchs­zah­len im kirch­li­chen Bereich wer­den auch durch die Ent­schä­di­gungs­pra­xis bestä­tigt. Seit März 2011 konn­ten Geschä­dig­te Anträ­ge auf Geld- oder The­ra­pie-Zah­lun­gen bei den Bis­tü­mern stel­len. In den drei hes­si­schen Diö­ze­sen Ful­da, Lim­burg und Mainz wur­de an 61 Opfer von Miss­brauchs­hand­lun­gen von der Kir­che „in Aner­ken­nung des Leids“ eine Art Schmer­zens­geld zwi­schen 1.000 und 13.000 Euro gezahlt. Die­se Zahl der Miss­brauchs­op­fer aus allen hes­si­schen Pfar­rei­en, kirch­li­chen Ver­ei­nen, Schu­len und son­sti­gen Ein­rich­tun­gen war dem­nach nur halb so hoch wie die an einer ein­zi­gen öffent­li­chen Schu­le: An der Oden­wald-Inter­nats­schu­le zählt man 132 Schul­kin­dern als Ver­ge­wal­ti­gungs­op­fer vom Schul­di­rek­tor Becker und sie­ben wei­te­ren Lehr­per­so­nen.

Prie­ster und Zöli­bat unter Gene­ral­ver­dacht

Neben die­ser Ver­zer­rung und Mani­pu­la­ti­on zu den quan­ti­ta­ti­ven Dimen­sio­nen des gesell­schaft­li­chen Miss­brauchs­skan­dals hat­ten die Medi­en gleich­zei­tig auch eine inhalt­li­che Kam­pa­gne zur Ruf­schä­di­gung der Kir­che ange­fah­ren. Die auf­ge­bausch­ten Miss­brauchs­fäl­le und –zah­len wur­den wie seit 150 Jah­ren viel­fach mit dem Zöli­bat in struk­tu­rel­le Bezie­hung gebracht. Dut­zen­de Pres­se-Kom­men­ta­to­ren frön­ten der Bou­le­vard-Psy­cho­lo­gie, dass die durch den Zöli­bat „unter­drück­te natür­li­che Sexua­li­tät“ sich ein Ven­til suche müs­se. Auf dem Höhe­punkt des anti-kirch­li­chen Skan­da­li­sie­rungs­pro­zes­ses hat­ten sogar seriö­se Pres­se­or­ga­ne kei­ne Beden­ken mehr, pau­scha­le Ver­leum­dun­gen wie die von Oswalt Kol­le zu prä­sen­tie­ren, mit denen alle Prie­ster unter den Gene­ral­ver­dacht von poten­zi­el­len Miss­brauch­stä­ter gestellt wur­den: „So wie die Prie­ster Pfar­rer gewor­den sind, damit sie leich­ter an Kin­der her­an­kom­men kön­nen mit ihrem prie­ster­li­chen Geha­be. Ich sag’ immer: Die Sou­ta­ne ist des­halb so groß, weil sich dar­un­ter so leicht Zwölf­jäh­ri­ge ver­ber­gen las­sen“ (Frank­fur­ter Neue Pres­se vom 9. 3. 2010, inzwi­schen gelöscht). Das Pari­ser Schmutz-Sati­reblatt „Char­lie Heb­do“ stell­te auf einer Titel­sei­te Papst Bene­dikt XVI. als Kin­der­schän­der dar. Die Zeich­nung wur­de mit den Wor­ten unter­legt: „Mal was ande­res als immer die­se Mess­die­ner“.

In den ver­gan­ge­nen 15 Jah­ren wur­de in Deutsch­land gegen etwa 150 Prie­ster wegen Miss­brauchs ermit­telt – das ist ein Pro­mil­le der Tat­ver­däch­ti­gen in die­sem Bereich. Für Prof. Pfeif­fer sind die­se Zah­len und wei­te­re Stu­di­en ein Beleg dafür, dass die Grup­pe der zöli­ba­tä­ren Prie­ster signi­fi­kant weni­ger häu­fig in Miss­brauchs­ver­hal­ten ver­wickelt ist als ande­re Män­ner der ent­spre­chen­den Alters­grup­pe. Noch deut­li­cher ergibt sich die­se kir­chen-ent­la­sten­de Ten­denz aus den For­schun­gen des Kri­mi­no­lo­gen Hans-Lud­wig Krö­ber – wie Pfeif­fer ein unver­däch­ti­ger Fach­mann bei nicht-katho­li­scher Kon­fes­si­on. Dem­nach sind die Miss­brauchs­zah­len bei katho­li­schen Geist­li­chen 36 Mal nied­ri­ger als beim männ­li­chen Durch­schnitt der Bevöl­ke­rung.

Die Medi­en scha­den der gesell­schaft­li­chen Miss­brauchsprä­ven­ti­on

Die katho­li­sche Kir­che war und ist Opfer der ver­zerr­ten Medi­en­dar­stel­lung. Eben­so fatal wie die Ruf­schä­di­gung der Kir­che war aber auch der gesell­schaft­li­che Scha­den der ein­sei­ti­gen Medi­en­be­richt­erstat­tung. Dazu Prof. Krö­ber: „Das Ärger­li­che an der Debat­te ist unter kri­mi­no­lo­gi­schem und Kin­der­schutz-Aspekt, dass die Auf­merk­sam­keit der Öffent­lich­keit auf den Bereich gelenkt wird, aus dem den Kin­dern in Wahr­heit am wenig­sten Gefahr droht.“ Oder anders gesagt: Mit der Fokus­sie­rung auf den kirch­li­chen Bereich signa­li­sier­ten die Medi­en den 99 Pro­zent der nicht-kirch­li­chen Miss­brauch­stä­tern in ande­ren Berei­chen, dass sie rela­tiv unge­stört wei­ter­ma­chen könn­ten und wenig an medi­al-öffent­li­cher Auf­deckung befürch­ten müss­ten. Der von den Medi­en insze­nier­te Miss­brauchs­skan­dal zu Lasten der Kir­che war eigent­lich ein Medi­en­skan­dal zum Nach­teil der gro­ßen Mas­se der Miss­brauchs­op­fer.

Selbst­kri­ti­sche Refle­xi­on ist Sache der gro­ßen Medi­en­häu­ser offen­bar nicht. Obwohl in den letz­ten fünf Jah­ren in ver­schie­de­nen gesell­schaft­li­chen Insti­tu­tio­nen Miss­bräu­che auf­ge­deckt wur­den (Oden­wald­schu­le, DDR-Hei­me etc.), repro­du­ziert eine neue­re ARD-Doku­men­ta­ti­on den alten Tun­nel­blick allein auf die katho­li­sche Kir­che. Schon der Titel „Das Schwei­gen der Män­ner“ deu­tet die Ten­denz an, der Kir­che etwas anhef­ten zu wol­len. Doch dazu spä­ter eine genaue­re Medi­en­ana­ly­se.

Bild: Trashget/Wikicommons/tomschrat

10 Kommentare

  1. Ja so ist das. Die Hei­li­ge Kir­che muß die Prü­gel ein­stecken die eigent­lich der Herr krie­gen soll. Sie muß ihren Buckel wegen ihm hin­hal­ten. Wenn sie die Prü­gel nicht mehr haben will braucht sie ein­fach nur zu sagen „Wir haben mit dem nichts zu tun“ und schon hat sie ihre Ruhe und kann machen was sie will. Das gilt auch für jeden ein­zel­nen Katho­li­ken. Wenn man in die­ser Welt gut ankom­men und Kar­rie­re machen will soll­te man sei­nen katho­li­schen Glau­ben gut ver­stecken oder wenig­stens nicht offen­siv ver­tre­ten. Sonst gibt es Pro­ble­me. Der moder­ne Katho­lik hat es da auch ganz ein­deu­tig bes­ser. Er sagt, ich bin zwar katho­lisch aber mit den Rege­lun­gen aus dem fin­ste­ren Mit­tel­al­ter wie zb. Zöli­bat und Beich­te bin ich über­haupt nicht ein­ver­stan­den und die­se anti­se­xu­el­le Lei­bes­feind­lich­keit ist so lieb­los und sowas von gestern davon distan­zie­re ich mich in aller Form. Wenn man die­se Din­ge gut beherrscht kann man auch als Katho­lik in die­ser Welt gut leben. Aber wehe man gibt die­ser Welt zu ver­ste­hen was man von ihr hält.
    Seg­ne uns Maria dass wir nicht dumm wer­den vor dei­nem Sohn.
    Per Mari­am ad Chri­stum.

  2. Dass der „Welt“ dar­an liegt, die Kir­che zu dif­fa­mie­ren, ist das eine.

    Das ande­re aber ist, dass es in der Kir­che tat­säch­lich vie­le Miss­stän­de gab und gibt, die nicht offen ver­han­delt, son­dern unter den Tep­pich gekehrt oder mar­gi­na­li­siert wur­den. Es ist schon ein Pro­blem, dass Kir­chen­män­ner teil­wei­se ver­hee­rend mit­ge­mischt haben in der Poli­tik, dass sie sich instru­men­ta­li­sie­ren lie­ßen durch regio­na­le Für­sten und vor Ver­bre­chen nicht zurück­schreck­ten — Haut­p­sa­che, ihre welt­li­che Macht blieb erhal­ten.

    Man kann durch­aus den Ein­druck gewin­nen, dass die gesam­te Zeit der Kir­che seit Kon­stan­tin vie­le Kle­ri­ker mehr um ihre welt­li­che Macht ran­gen als um ihre geist­li­che Auto­ri­tät.

    War­um soll­te wohl auch in La Salet­te gera­de die­ses Pro­blem so deut­lich ange­spro­chen wor­den sein, wenn das alles nur böse Erfin­dun­gen der „Welt“ sind?
    Vor­ge­formt ist dies alles in der jüdi­schen Reli­gi­ons­ka­ste zur Zeit Jesu — auch sie buhl­ten nur um eines: um welt­li­che Macht. Geist­li­ches Ver­sa­gen galt als Kava­liers­de­likt.

    Wir müs­sen, wenn wir ehr­lich sind, zuge­ben, dass man auch heu­te noch so denkt: Geist­li­ches Ver­sa­gen ist ein Kava­liers­de­likt. Gera­de die­ser Tage hat­ten wir das auch hier im Forum… Jeder, der einen gewis­sen Anspruch an den Lebens­stil und die Kon­se­quenz in der Nach­fol­ge Chri­sti als Zei­chen des wah­ren Chri­sten ansieht, ist ja schon ein hoch­mü­ti­ger „Pha­ri­sä­er“. Als ob Jesus nie ein­ge­for­dert hät­te, dass wir der Sün­de flie­hen sol­len. Als ob wir nicht gemahnt wor­den wären, dass ein Glau­be ohne Gei­stes­früch­te tot, heuch­le­risch, nicht vor­han­den ist!
    Lehr­irr­tü­mer des Pap­stes haben inzwi­schen den Sta­tus läss­li­cher Sün­den, wenn man die Mehr­heits­mei­nung der kon­ser­va­ti­ven Katho­li­ken so liest…

    Das ist Wahn­sinn, und die „Welt“ hat recht, wenn sie uns aus dem Tief­schlaf der per­ma­nen­ten Selbst­ab­so­lu­ti­on im schwe­ren Sün­di­gen her­aus­reißt.

    Immer­hin sol­len wir — im Gegen­satz zu einer Oden­wald­schu­le & Co. und dem Heer ver­kom­me­ner Fami­li­en­vä­ter, die ihre Kin­der miss­brau­chen, Licht der Welt, Salz der Erde sein.

    Mit Recht erwar­tet die Welt von uns mehr Gerech­tig­keit und Rein­heit als von denen, die noch im Unglau­ben fest­sit­zen.
    Eine der Gei­stes­früch­te ist übri­gens die Keusch­heit…

    Wenn wir die Ungläu­bi­gen durch unse­ren Wan­del über­zeu­gen sol­len, dann muss von uns mehr ver­langt wer­den kön­nen — auch nach der Schrift.
    Und umso schlim­mer ist es, wenn wir ver­sa­gen und im Ver­sa­gen dann noch Selbst­mit­leid üben.

    Auch wenn böse Gei­ster die schlim­me Lage und den Macht­miss­brauch der Kle­ri­ker mit Kuss­hand auf­grei­fen, um zu bewei­sen, dass das Chri­sten­tum nichts taugt, soll­ten wir wei­nen dar­über, dass vie­le von uns ihnen die­se Muni­ti­on gelie­fert haben — und nicht erst seit 5 Jah­ren…

  3. „Das ist Wahn­sinn, und die „Welt“ hat recht, wenn sie uns aus dem Tief­schlaf der per­ma­nen­ten Selbst­ab­so­lu­ti­on im schwe­ren Sün­di­gen her­aus­reißt.“

    Ich weiß nicht ob das eine gute Idee ist. Die Welt kann uns doch gar nicht aus dem Tief­schlaf rei­ßen den in dem gro­ßen Mist­hau­fen in dem sie sel­ber steckt kann sie uns doch gar nicht sehen geschwei­ge den beur­tei­len. Ich brau­che nur an den Goe­b­bels den­ken. Ich fin­de die Mut­ter Got­tes hat schon recht wenn sie uns auf­ruft „Kehrt um und tut Buße, betet für die Prie­ster und Ordens­leu­te“. Wer das tut braucht die Welt nicht mehr als Ober­leh­rer. Aber wenn die Welt eines Tages uns auch auf­ruft Buße zu tun und zu Jesus Chri­stus umzu­keh­ren hof­fe ich das mir einer Bescheid sagt denn das möch­te ich nicht ver­pas­sen. Aber ich habe wenig Hoff­nung. In Glau­bens­din­gen soll­te man sich bes­ser nicht auf die­se Welt ver­las­sen denn die schmeißt auch trotz ihrer Sün­den stän­dig Stei­ne auf die katho­li­sche Kir­che. Da wird sich nichts ändern.

    „Mit Recht erwar­tet die Welt von uns mehr Gerech­tig­keit und Rein­heit als von denen, die noch im Unglau­ben fest­sit­zen.“
    Ich kann­te das noch von frü­her wenn Katho­li­ken böses und schlech­tes getan haben. „Und das wol­len Katho­li­ken sein“ sag­ten die die nicht katho­lisch waren. Das hat sich heut­zu­ta­ge nun erle­digt man bemerkt uns fast gar nicht mehr.
    Per Mari­am ad Chri­stum.

    • Vom „Auf die Welt ver­las­sen“ hat­te ich aller­dings auch nicht gespro­chen…
      Den­noch wis­sen die Nicht­glau­ben­den instink­tiv, was man von einem Katho­li­ken erwar­ten soll­te.
      Und wir wer­den x‑fach auf­ge­for­dert im NT, den Nicht­glau­ben­den kei­nen Anstoß durch unge­nier­tes Sün­di­gen zu geben.

      Im obi­gen Arti­kel wird bewusst der Unter­schied zwi­schen den rea­len Sün­den der Katho­li­ken und der unter­stell­ten Sün­de ver­wischt.

      Das fin­de ich ein­fach nicht red­lich und unauf­rich­tig.
      Man kann Goe­b­bels Pro­pa­gan­da nicht guten Gewis­sens über einen Kamm sche­ren mit dem Ent­set­zen, das medi­al natür­lich auch auch über­stra­pa­ziert wur­de, wegen der vie­len Miss­bräu­che durch katho­li­sche Prie­ster.
      Es scheint drum zu gehen, dass man mög­lichst das Nest nicht beschmut­zen lässt.
      Das Nest IST aber beschmutzt wor­den — von innen.

      Ob nun der Miss­brauch in der RKK ver­hält­nis­mä­ßig gerin­ger oder stär­ker ist als anders­wo, ist eben kein Argu­ment: Gera­de in der Kir­che soll­te so etwas über­haupt nicht vor­kom­men! Jeder Prie­ster stellt Jesus dar! Denn dort wür­de man es weni­ger erwar­ten als an allen andern Orten!

      Die Ent­täu­schung ist ein­fach sehr groß.

      • „Ob nun der Miss­brauch in der RKK ver­hält­nis­mä­ßig gerin­ger oder stär­ker ist als anders­wo, ist eben kein Argu­ment:“
        Genau das ist es auch nicht. Aber die Welt arbei­tet knall­hardt mit der Ver­schleie­rung damit und die gro­ße Mas­se die nicht beson­ders nach­denk­lich ist wird gegen die Kir­che in Stel­lung gebracht. Das Wort „Miß­brauch“ fällt und das Unter­be­wußt­sein spuckt sofort wie auf Knopf­druck „katho­li­sche Kir­che“ aus. Und genau so ist es gewollt. Sie sind hoch­in­tel­li­gent und wis­sen natür­lich ganz genau das wir stän­dig mani­pu­liert wer­den. Ich bin fel­sen­fest über­zeugt das auch wir die hier schrei­ben nicht mehr ganz sicher sein kön­nen das im unse­ren Unter­be­wußt­sein Din­ge gespei­chert sind von denen wir nichts wis­sen und die uns jeder­zeit in die Irre füh­ren kön­nen wenn eine bestimm­te Situa­ti­on enstan­den ist. Aber durch das stän­di­ge Gebet (am besten den Rosen­kranz) ent­steht eine Macht die uns sehr effi­zi­ent schüt­zen kann.
        Per Mari­am ad Chri­stum.

      • Immer wenn einer etwas auf eine rhe­to­risch geschick­te Art vor­trägt, fin­det er viel Zustim­mung.
        Immer wenn einer es schafft, unter­be­wuss­te Bedürf­nis­se zu befrie­di­gen, wird er Anhän­ger fin­den.
        Nicht nur böse Frei­mau­rer, son­dern auch reak­tio­nä­re Katho­li­ken befrie­di­gen ihre Fan­clubs. Und das Schlim­me ist: fast alle Men­schen, ob Kathol oder nicht, wol­len mani­pu­liert und mit ein­fa­chen Ant­wor­ten bedient wer­den…

        Es ist sicher gut und wich­tig, den Rosen­kranz zu beten — ich tue das auch — um bewahrt zu blei­ben vor Irr­tü­mern.

        Die ande­re Ver­pflich­tung ist aber die, sich nicht irre­füh­ren zu las­sen — und dies durch den Ein­satz des nüch­ter­nen und gerech­ten Den­kens, das sich auch nicht von stra­te­gi­schen, auch nicht von kon­ser­va­ti­ver oder reak­tio­nä­rer Mei­nungs­ma­che und Mani­pu­la­ti­on beein­flus­sen lässt. Und die gibt es lei­der auch.

        Ihr Argu­ment ist viel­leicht unbe­wusst ein rein stra­te­gi­sches: man soll Sachen nicht sagen, weil sie stra­te­gisch gese­hen scha­den könn­ten. Die böse Welt will nichts als die Kir­che in Miss­kre­dit brin­gen. Oder so ähn­lich. Die Wahr­heit ist hier auch Ihnen kei­ne Erwäh­nung mehr wert.

        Lie­ber @ shu­ca — das kanns doch nicht sein!

        Ein Teil der „Welt“ sucht Grün­de und nimmt sie dank­bar an, die Kir­che zu dif­fa­mie­ren.
        Ein ande­rer Teil aber sehnt sich nach einer intak­ten, glaub­wür­di­gen und sta­bi­len Kir­che.

        Ist es nicht auch Ergeb­nis einer schlim­men Mani­pu­la­ti­on, wenn man als Katho­lik hin­ter allem, was die Men­schen so äußern hin­sicht­lich der Kir­che nur noch das Übel­ste anzu­neh­men ver­mag, nur noch Ver­schwö­run­gen und Het­ze riecht, auf alles mit dem Reflex des Selbst­mit­lei­des reagiert, dar­über völ­lig kri­ti­kun­fä­hig und selbst­ge­recht wird und den Ruf nach Glau­bens­zeug­nis nicht mehr wahr­nimmt, lie­ber dif­fa­miert man auch das als alten „Frei­mau­rer­trick“…

        Ein biss­chen wohl­wol­lend vor­aus­ge­setz­tes Ver­trau­en in die Echt­heit einer Äuße­rung soll­ten wir — solan­ge kein Gegen­be­weis vor­liegt — schon inver­stie­ren.

        Ich weiß schon, was Sie mei­nen, @ shu­ca, aber ich sehe hier min­de­stens zwei Sei­ten. Sie sehen nur eine.

        Es ist eine anthro­po­lo­gi­sche Kon­stan­te, dass sich JEDER Mensch, ob gläu­big oder nicht, all­zu­leicht durch die sozia­le Gemein­schaft, der er sich ver­pflich­tet sieht, mani­pu­lie­ren lässt.
        Ich wür­de es nicht zu hoch hän­gen — die Jour­na­li­sten schrei­ben sich auch bei ande­ren The­men gegen­sei­tig alles ab.

      • „Ich weiß schon, was Sie mei­nen, @ shu­ca, aber ich sehe hier min­de­stens zwei Sei­ten. Sie sehen nur eine.“
        Sie soll­ten mich nicht unter­schät­zen. Ich sehe sie auch und lese ihre Bei­trä­ge. Also zwei Sei­ten haben ich min­de­stens. Es sind aber noch ein paar mehr für mich allei­ne.
        Per Mari­am ad Chri­stum.

      • Ver­zei­hung — ich unter­schät­ze Sie nicht, son­dern schät­ze Sie ein­fach als Poster. Alles ande­re stün­de mir über­haupt nicht zu…

        Hier aber nahm ich das zur Grund­la­ge, was Sie im kon­kre­ten Fall gepo­stet haben. Und das leg­te ein ein­sei­ti­ges Gewicht.

    • „Hier aber nahm ich das zur Grund­la­ge, was Sie im kon­kre­ten Fall gepo­stet haben. Und das leg­te ein ein­sei­ti­ges Gewicht.“
      Was sie als ein­sei­ti­ges Gewicht erwo­gen haben ent­spricht ihrer Gewichts­ver­tei­lung und hat mit mei­nem wie­gen und Gewich­ten nicht viel zu tun.
      Per Mari­am ad Chri­stum.

  4. Anti­ka­tho­li­sche Medi­en­ar­beit.
    Lei­der sind die amt­li­chen Ver­tre­ter der Kir­che zu schnell über das hin­ge­hal­te­ne Stöck­chen „Miss­brauch“ gesprun­gen. Sie hoff­ten ver­geb­lich durch „Trans­pa­renz“ die Kuh vom Eis zu holen. Den mei­sten Medi­en war es nicht um die Sache, son­dern um die Dis­kre­di­tie­rung der Kir­che gegan­gen. Sie kön­nen das The­ma gar nicht lan­ge genug bena­gen.

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