Bischofssynode: Chiles Jesuiten stellen sich hinter entlassenen Mitbruder Costadoat

Päpstliche Katholische Universität von Chile
Päpst­li­che Katho­li­sche Uni­ver­si­tät von Chi­le

(Sant­ia­go de Chile/Madrid) Der Kon­flikt um die bevor­ste­hen­de Bischofs­syn­ode über  die Fami­lie und  die Kas­per-The­se  der „neu­en Barm­her­zig­keit“ tobt der­zeit in Chi­le. Die chi­le­ni­schen Jesui­ten stel­len sich dabei  hin­ter ihren Mit­bru­der Pater Jor­ge Costa­do­at Carr­a­sco, dem Erz­bi­schof Ricar­do Kar­di­nal Ezza­ti von Sant­ia­go de Chi­le die Lehr­be­fug­nis an der Päpst­li­chen Katho­li­schen Uni­ver­si­tät von Chi­le ent­zo­gen hat.

Costa­do­at behaup­te­te, „wie­der­ver­hei­ra­te­ten“ Geschie­de­nen die hei­li­ge Kom­mu­ni­on zu ver­wei­gern, sei „eine Leug­nung der ‚Wahr­heit‘ des Evan­ge­li­ums“. Eben­so sei Homo­se­xua­li­tät unein­ge­schränkt anzu­er­ken­nen (sie­he Jesu­it von Lehr­stuhl ent­fernt – Kas­per-Frak­ti­on ver­liert Ver­tre­ter).

Der Jesu­it beschul­dig­te impli­zit die Kir­che, zwei­tau­send Jah­re die „Wahr­heit des Evan­ge­li­ums“ geleug­net zu haben. Das war selbst einem so mil­den Erz­bi­schof wie Kar­di­nal Ezza­ti zuviel. In sei­ner Funk­ti­on als Groß­kanz­ler der Uni­ver­si­tät ent­fern­te er den Jesui­ten.

Jesuitenprovinzial: „Bewunderung und Solidarität mit P. Costadoat“

In einer offi­zi­el­len Erklä­rung bezeich­ne­te nun der Pro­vin­zi­al der chi­le­ni­schen Jesui­ten, Pater Cri­sti­an del Cam­po, den Ent­zug der mis­sio cano­ni­ca für Pater Jor­ge Costa­do­at als „sehr har­ten Schlag“, der „uns als Jesui­ten tief getrof­fen und Schmer­zen ver­ur­sacht hat“.

Der Pro­vin­zi­al erklär­te, er wol­le „nicht pole­mi­sie­ren“, drück­te aber „Bewun­de­rung und Soli­da­ri­tät mit Jor­ge“ aus. In der Erklä­rung des Pro­vin­zi­als heißt es wei­ter, der Jesui­ten­or­den habe die Theo­lo­gi­sche Fakul­tät der Uni­ver­si­tät seit deren Grün­dung unter­stützt und dort „vie­le Genera­tio­nen von Prie­stern, Ordens­män­nern und Ordens­frau­en, Lai­en und den Groß­teil der chi­le­ni­schen Jesui­ten geformt“.

Der Orden habe Jor­ge Costa­do­at den Auf­trag erteilt, sich aus­zu­bil­den, um den Lehr­kör­per der Fakul­tät zu ergän­zen. „Das hat er auf ver­ant­wor­tungs­vol­le Wei­se und hoch­qua­li­fi­ziert an der PUC und der Gre­go­ria­na in Rom getan“. Seit­her habe er „mehr als 20 Jah­re an der Fakul­tät gelehrt“ und eine Rei­he höch­ster aka­de­mi­scher Ämter beklei­det. „In die­ser Zeit war er für die Uni­ver­si­täts­lei­tung qua­li­fi­ziert genug“, so der Pro­vi­ni­zi­al pole­misch.

Provinzial sieht kein  Problem mit dem Lehramt — Kritik an Kardinal Ezzati

Pro­vin­zi­al del Cam­po lob­te, daß die Theo­lo­gi­sche Fakul­tät in die­ser Zeit ihre „aka­de­mi­sche Tätig­keit im brü­der­li­chen Ambi­en­te und theo­lo­gisch sti­mu­lie­rend ent­fal­tet“ und „den Plu­ra­lis­mus der Kir­che“ wider­ge­spie­gelt habe. Der Pro­vin­zi­al beton­te, daß sowohl der Dekan der Fakul­tät als auch der Fakul­täts­rat den Erz­bi­schof auf­for­der­ten, sei­ne Ent­schei­dung „zu über­den­ken“.

Der Pro­vin­zi­al kann offen­bar kein Pro­blem sei­nes Mit­bru­ders Costa­do­at mit dem Lehr­amt der Kir­che erken­nen. In die­sem Zusam­men­hang kri­ti­sier­te er ledig­lich, daß durch Kar­di­nal Ezza­ti „in die­sen Tagen die Behaup­tung von Pro­ble­men von P. Costa­do­at mit dem Lehr­amt der Kir­che öffent­lich gemacht wur­de, ohne daß dies Jor­ge vor­her mit­ge­teilt wur­de“.

Obwohl die­ser „Moment sehr trau­rig ist, wer­den wir als Jesui­ten unse­rem Dienst für die Kir­che mit Nach­druck nach­kom­men“.

Provinzial hält dem Kardinal Worte von Papst Franziskus entgegen

Dann hält Pro­vin­zi­al del Cam­po dem Erz­bi­schof von Sant­ia­go de Chi­le, Wor­te von Papst Fran­zis­kus ent­ge­gen. In einer Gruß­bot­schaft zum 100. Grün­dungs­tag der Theo­lo­gi­schen Fakul­tät der Katho­li­schen Uni­ver­si­tät von Argen­ti­ni­en hat­te der Papst unter ande­rem geschrie­ben: „Theo­lo­gie leh­ren und stu­die­ren bedeu­tet, im Grenz­be­reich zu leben“.Und wei­ter: „Die zu ent­wickeln­de Theo­lo­gie hat sich auf die Offen­ba­rung und die Tra­di­ti­on zu grün­den, muß aber auch die kul­tu­rel­len und sozia­len Pro­zes­se beglei­ten, beson­ders die schwie­ri­gen Über­gän­ge. Gleich­zei­tig muß sich die Theo­lo­gie auch der Kon­flik­te anneh­men: nicht nur jener, die wir in der Kir­che erle­ben, son­dern auch jene, die die gan­ze Welt betref­fen und die in den Stra­ßen Latein­ame­ri­kas gelebt wer­den.“

Wor­te, die Pro­vin­zi­al Cri­sti­an del Cam­po offen­kun­dig zugun­sten einer pro­gres­si­sti­schen Les­art aus­legt. „Wir hof­fen, daß in naher Zukunft“, die Maß­nah­me gegen Costa­do­at, „zurück­ge­nom­men wird. Inzwi­schen bin ich mir sicher, daß die theo­lo­gi­schen Über­le­gun­gen von P. Jor­ge Costa­do­at Früch­te brin­gen wer­den“, so der Pro­vin­zi­al.

Kardinal Ezzati: Costadoat hielt sich nicht an Lehrprogramm — Vertrauen erschüttert

Wegen der anhal­ten­den pro­gres­si­sti­schen Pole­mik gab Kar­di­nal Ezza­ti eine zwei­te Erklä­rung zum Fall Costa­do­at ab. Dar­in beton­te der Kar­di­nal, daß Pater Costa­do­at „sich in wesent­li­chen Tei­len nicht an das Lehr­pro­gramm gehal­ten hat“.

Mit ande­ren Wor­ten: Der ent­las­se­ne Jesu­it kam an der Theo­lo­gi­schen Fakul­tät nicht sei­nem Auf­trag nach, die katho­li­sche Leh­re zu ver­mit­teln, son­dern miß­brauch­te sei­nen Lehr­stuhl, um den Stu­den­ten sei­ne per­sön­li­che Son­der­mei­nung bei­zu­brin­gen. Das habe das Ver­trau­ens­ver­hält­nis erschüt­tert und Pater Costa­do­at für eine wei­te­re Lehr­tä­tig­keit dis­qua­li­fi­ziert.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: PUC (Screen­shot)

3 Kommentare

  1. Das übli­che Hin- und Her­ge­zer­re, wie es für die Kon­zils­kir­che typisch ist!
    Es geht hier nicht mehr um die Wahr­heit und die Ver­kün­di­gung einer über 2000 Jah­re alten Leh­re, son­dern um Macht, Ein­fluß und um die Anpas­sung an den Zeit­geist, koste es was es wol­le.

  2. „Der Jesu­it beschul­dig­te impli­zit die Kir­che, zwei­tau­send Jah­re die „Wahr­heit des Evan­ge­li­ums“ geleug­net zu haben.“

    Muß das nicht weh tun wenn eine Mücke ver­sucht Kame­le zu ver­schlucken?

    „In einer offi­zi­el­len Erklä­rung bezeich­ne­te nun der Pro­vin­zi­al der chi­le­ni­schen Jesui­ten, Pater Cri­sti­an del Cam­po, den Ent­zug der mis­sio cano­ni­ca für Pater Jor­ge Costa­do­at als „sehr har­ten Schlag“, der „uns als Jesui­ten tief getrof­fen und Schmer­zen ver­ur­sacht hat“.“

    Da ist man ja beru­higt wenn die Jesui­ten von heu­te sich getrof­fen füh­len und Schmer­zen haben. Es besteht also noch Hoff­nung.

    „Obwohl die­ser „Moment sehr trau­rig ist, wer­den wir als Jesui­ten unse­rem Dienst für die Kir­che mit Nach­druck nach­kom­men.“

    Wenn das kei­ne Dro­hung ist emp­feh­le ich mit Nach­druck euren Dienst für die Kir­che in der Ata­ca­ma­wü­ste abzu­hal­ten. Dort nervt und stört ihr kei­ne nor­ma­len Katho­li­ken.
    Per Mari­am ad Chri­stum.

  3. Wie tief wol­len Tei­le des Jesui­ten­or­dens noch sin­ken? Einst ein Garant der uner­schüt­ter­li­chen Recht­gläu­big­keit, ist der Jesui­ten­or­den heu­te viel­fach zu einem Tro­ja­ni­schen Pferd gewor­den.
    Am 1. Sep­tem­ber 1910 hat der
    hl. Papst Pius X.
    den
    Anti-Moder­ni­sten­eid gelei­stet.
    Wohl auch vor­aus­ah­nend, was an libe­ral moder­ni­sti­schen Unter­mi­nie­run­gen der Hei­li­gen Mut­ter Kir­che bevor­ste­hen wür­den.

    Heu­te ist die­ser ad acta geleg­te Eid viel­fach 
    von einem „zeit­ge­mäss“ frei­gei­stig ange­hauch­ten pro­fa­nen 
    „soli­da­risch brü­der­li­chen Gemein­schafts­den­ken“ 
    gleich­sam ver­pul­ve­ri­siert wor­den.
    Wie vie­le der heu­ti­gen Jesui­ten könn­ten die­sen Eid noch lei­sten ?

    Hier ein kur­zer Aus­zug aus dem genann­ten Anti-Moder­ni­sten­eid:

    —-

    [.…]
    „So hal­te ich denn fest und bis zum letz­ten Hauch mei­nes Lebens 
    wer­de ich fest­hal­ten den Glau­ben der Väter an die siche­re Gna­den­ga­be der Wahr­heit, die in der Nach­fol­ge des bischöf­li­chen Amtes seit den Apo­steln ist, war und immer sein wird, so dass nicht das Glau­bens­ge­gen­stand ist, was ent­spre­chend der Kul­tur eines jeden Zeit­ab­schnit­tes  bes­ser und pas­sen­der schei­nen könn­te, son­dern daß nie­mals in ver­schie­de­ner Wei­se geglaubt, nie anders ver­stan­den wur­de die abso­lu­te, unab­än­der­li­che Wahr­heit, die seit Anfang von den Apo­steln gepre­digt wur­de.

    Ich gelo­be, daß ich das alles getreu, unver­sehrt 
    und rein beob­ach­ten und unver­letzt bewah­ren, 
    daß ich in der Leh­re oder in jeder Art von Wort und Schrift nie davon abwei­chen wer­de.
    So gelo­be ich, so schwö­re ich, so hel­fe mir Gott und die­ses hei­li­ge Evan­ge­li­um Got­tes.“
    -

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