Marxens „Notstand“ eine Seifenblase? — Diözesen: Kaum Interesse der „katholischen Basis“

Kardinal Marx und der katholische Notstand
Kar­di­nal Marx und der katho­li­sche „Not­stand“

(Bonn) Der von Kar­di­nal Wal­ter Kas­per und noch laut­stär­ker von Kar­di­nal Rein­hard Marx aus­ge­ru­fe­ne „Not­stand“ in der katho­li­schen Kir­che ent­puppt sich als Sturm im Was­ser­glas, wie die Diö­ze­sen nun selbst zuge­ben muß­ten. „Wir kön­nen nicht war­ten“ tön­te der Erz­bi­schof von Mün­chen-Frei­sing noch vor einem Monat im Rah­men der Früh­jahr­voll­ver­samm­lung der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz (sie­he eige­nen Bericht „Gott bewah­re uns vor den Deut­schen“ – Mar­xens Dro­hung gegen Rom) und droh­te Rom ziem­lich offen mit einem Schisma.

Der nach dem Mot­to „Und seid ihr nicht wil­lig, so brauch ich …“ han­deln­de mäch­tig­ste deut­sche Kir­chen­fürst behaup­te­te einen unauf­schieb­ba­ren pasto­ra­len Not­stand, der sofor­ti­ge Ant­wor­ten ver­lan­ge. So drin­gen­de Ant­wor­ten, daß nicht ein­mal die Bischofs­syn­ode im Okto­ber abge­war­tet wer­den kön­ne. Beob­ach­ter rie­ben sich erstaunt die Augen. Eine so unver­hoh­le­ne Dro­hung mit einem Schis­ma? Die „lei­den­den wie­der­ver­hei­ra­te­ten Geschie­de­nen müs­sen Schlan­ge ste­hen vor Deutsch­lands Kir­chen und Bischofs­re­si­den­zen“ mut­maß­te der meist­ge­le­se­ne katho­li­sche spa­ni­sche Blog La Cigue­ña de la Tor­re. Doch von Schlan­gen kei­ne Spur. Nicht ein­mal vor dem erz­bi­schöf­li­chen Palais Holn­stein in München.

Antworten werden „ausgewertet“ — „Gesamtdokument“ von Fachleuten

Der Spre­cher der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz (DBK), Mat­thi­as Kopp, gab heu­te fol­gen­des bekannt. Die auf die zwei­te Befra­gung zum „The­ma Fami­lie und Sexua­li­tät“ der „katho­li­schen Basis“, so die katho­li­schen Nach­rich­ten­agen­tu­ren KNA und KAP, ein­ge­gan­ge­nen Ant­wor­ten wür­den nun „aus­ge­wer­tet“. Die­se sei­en aus den 27 bun­des­deut­schen Diö­ze­sen und „auch über vie­le Ver­bän­de und Insti­tu­tio­nen eingegangen“.

Aus den Ant­wor­ten wür­den „Fach­leu­te ein Gesamt­do­ku­ment“ erstel­len, das bis zum 15. April dem Gene­ral­se­kre­ta­ri­at der Bischofs­syn­ode über­mit­telt und von der DBK ver­öf­fent­licht wer­de. Das klingt gut, ist aber längst nicht so gut, wie es klingt.

Diözesen klagen: Nur geringe Beteiligung an zweiter Befragung zur Synode

Unter­des­sen wird die Liste der Diö­ze­sen län­ger, die zuge­ben, daß kaum Ant­wor­ten auf die zwei­te Befra­gung ein­ge­gan­gen sind. Bereits vor Tagen sprach das Bis­tum Mag­de­burg von einer nur gerin­gen Betei­li­gung. Inzwi­schen gestan­den auch die Diö­ze­sen Erfurt und Ber­lin das gerin­ge Inter­es­se der „katho­li­schen Basis“ ein. Allein das Erz­bis­tum Mün­chen mel­de­te trot­zig gegen den Trend, es gebe „vie­le Teil­neh­mer“ und es sei­en „sehr detail­lier­te“ Ant­wor­ten auf die römi­schen Fra­gen eingegangen.

Dar­über, was unter „vie­le Teil­neh­mer“ zu ver­ste­hen ist, mögen die Mei­nun­gen aus­ein­an­der­ge­hen. Die der Redak­ti­on vor­lie­gen­den Infor­ma­tio­nen bestä­ti­gen kei­nen Trend­un­ter­schied für Mün­chen. Auch vie­le glau­bens­treue Katho­li­ken, die 2014 noch auf die erste Befra­gung ant­wor­te­ten, haben 2015 nicht mehr geant­wor­tet. Der Grund: Weil sie sich von den Diö­ze­san­lei­tun­gen unbe­ach­tet und über­gan­gen fühlen.

Einseitiges „Gesamtdokument“ 2014

Bereits 2014 waren die Ant­wor­ten „aus­ge­wer­tet“ und ein „Gesamt­do­ku­ment“ nach Rom geschickt wor­den. Dar­in fand sich jedoch weit­ge­hend nur die Mei­nung einer bestimm­ten Rich­tung wie­der, die offe­ne Sym­pa­thie mit dem Vor­schlag von Kar­di­nal Wal­ter Kas­per zeig­te. Die zahl­rei­chen detail­lier­ten Ant­wor­ten glau­bens­treu­er Katho­li­ken, die ein kla­res Wort der Bekräf­ti­gung der katho­li­schen Ehe­leh­re und der kirch­li­chen Pra­xis for­der­ten und auf eine Rei­he von Miß­stän­de hin­wie­sen, blie­ben unberücksichtigt.

Schon im Vor­feld zeich­ne­te sich hin­ter den Kulis­sen eine Ein­heits­mei­nung ab, die abwei­chen­de Mei­nun­gen als uner­wünscht aus­klam­mert. Zur Mono­po­li­sie­rung soll­ten nur die Bischofs­kon­fe­ren­zen im Block eine Mei­nung nach Rom über­mit­teln. Dem kam für die Schweiz Bischof Vitus Huon­der von Chur zuvor und ver­öf­fent­lich­te für sei­ne Diö­ze­se, wie es das Kir­chen­recht vor­sieht und Rom wünsch­te, eine eige­ne Stel­lung­nah­me. Glei­ches tat zwar auch die Erz­diö­ze­se Köln, ließ damit aber nur erken­nen, daß die Nach-Meis­ner-Ära bereits begon­nen hat­te (sie­he Bericht Fra­ge­bo­gen: Ant­wor­ten von Chur und Köln im Ver­gleich).

Glaubenstreue Katholiken fühlen sich unberücksichtigt

Aus dem gerin­gen Inter­es­se, an der zwei­ten römi­schen Befra­gung zur Bischofs­syn­ode teil­zu­neh­men, las­sen sich schon jetzt zwei Din­ge able­sen: Der von Kar­di­nal Marx, Kar­di­nal Kas­per und eini­gen ande­ren deut­schen Ober­hir­ten behaup­te­te „Not­stand“ exi­stiert nicht. Und zwei­tens: Glau­bens­treue Katho­li­ken füh­len ihre Über­zeu­gung in die­ser Fra­ge bei den mei­sten Bischö­fen nicht in guten Händen.

In Öster­reich und der Schweiz geht es vor den Kulis­sen zwar ruhi­ger zu, doch in der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz gibt Kar­di­nal Marx den Ton an. Um ihn scha­ren sich sei­ne Sekun­dan­ten, wäh­rend die Bischö­fe, die zu Leh­re und Pra­xis am kirch­li­chen Erbe fest­hal­ten wol­len, in ein mehr oder weni­ger tie­fes Schwei­gen gefal­len sind. Mit ein Grund, wes­halb sich gläu­bi­ge Katho­li­ken von den Bischö­fen und Ordi­na­ria­ten unbe­rück­sich­tigt fühlen.

Text: Giu­sep­pe Nardi
Bild: MiL

15 Kommentare

  1. Die glau­bens­treu­en Leu­te sehen natür­lich kein Pro­blem — klar. Und Ver­trau­en in einen Bischof hat man heu­te sowie­so nicht mehr. Darf man um des eige­nen See­len­heils nicht mehr haben. Jeden­falls nicht unbesehen.

    Ich kann aber zumin­dest aus mei­nem Umfeld berich­ten, dass das The­ma unter Nor­ma­lo-Katho­li­ken den­noch viru­lent ist und sehr vie­le für eine Locke­rung plä­die­ren würden. 

    Aller­dings ist es auch gleich, ob F. das nun auch noch von Rom her pasto­ral zulässt… denn in der pasto­ra­len Pra­xis wird das ja ohne­hin schon seit Jah­ren, von unse­ren Bischö­fen hier sogar seit Jahr­zehn­ten akzep­tiert und ins­ge­heim auch beför­dert, dass Geschie­de­ne in Zweit­he­he zum „Tisch des Herrn“ gehen.

    Das Des­in­ter­es­se an der Umfra­ge zeigt also weni­ger, dass der Not­stand nicht exi­stie­re als dass die Leu­te ohne­hin sicher wis­sen, dass es okay ist, wenn sie in schwe­ren Sün­den kom­mu­ni­zie­ren. Übri­gens nicht nur wenn sie wie­der­ver­hei­ra­tet sind und der eigent­li­che Part­ner noch lebt.

    Rom zieht allen­falls nach und besie­gelt das, was doch schon längst durch­ge­setzt IST.

  2. Ich kann mich ger­ne täu­schen. Es könn­te sehr gut mög­lich sein, daß vie­le von den­je­ni­gen, die die Leh­ren und die Wahr­heit zu Fall brin­gen, soz. ver­kapp­te Homo­se­xu­el­le sind. Das muß man wohl ins Kal­kül ziehen.
    Im Grun­de genom­men kämp­fen sie mit unaus­ge­go­re­nen Pro­ble­men, und müß­ten sich ihr Unver­mö­gen ein­ge­ste­hen. Statt­des­sen wer­den die Leh­ren Chri­sti und der Kir­che bekämpft. Es han­delt sich um Trieb­men­schen; in der Regel unbe­lehr­bar und wie fremd­ge­steu­ert, gefährlich.

    Mög­li­cher­wei­se, ein sicher ande­res The­ma, war der Selbst­mord­at­ten­tä­ter der Ger­manwings­ma­schi­ne eben­falls ein homo­se­xu­el­ler Trieb­tä­ter. Zitat eines Arti­kels aus der „WELT“:
    „Ein Freund schrieb laut „Rhein-Zei­tung“ kurz nach dem Absturz des Ger­manwings-Flugs in einem sozia­len Netz­werk: „Noch gestern haben wir uns unter­hal­ten, was wir nach dei­ner Rück­kehr alles machen kön­nen. Jeden Tag hast du mich zum Lächeln gebracht …““

    • Das dürf­te wohl nicht rich­tig sein — sovie­le Homo­se­xu­el­le wie es falsch leh­ren­de Män­ner in der Kir­che gab, gibt es wie­der­um in der Mensch­heit gar nicht. Ihr Pro­zent­satz ist viel klei­ner als immer behaup­tet wird.

      Außer­dem sagt uns doch Pius X. in „Pas­cen­di“ doch, dass die­sel­ben Falsch­leh­rer in aller Regel auf mora­li­schem Gebiet eher nicht angreif­bar sind, was natür­lich nicht aus­schließt, dass es auch ein paar Ver­que­re und Schwei­ne dar­un­ter gibt.

      • @zeitschnur
        „Das dürf­te wohl nicht rich­tig sein – sovie­le Homo­se­xu­el­le wie es falsch leh­ren­de Män­ner in der Kir­che gab, gibt es wie­der­um in der Mensch­heit gar nicht. Ihr Pro­zent­satz ist viel klei­ner als immer behaup­tet wird.“
        Die­sen Satz hal­te ich für abso­lut falsch. Ich wür­de ihn dem Inhalt nach genau umdre­hen. Dann hiel­te ich ihn für richtig.
        Zudem glau­be ich, dass sich von 1000, die vor­ge­ben aus Lie­be zu Chri­stus enthal­sam zu leben, allen­falls einer befin­det, der das nicht nur heuchelt.
        Dar­um mache ich die Wider­be­le­bung des Glau­bens, die Erlan­gung von Gna­den und die Fähig­kei­ten zum Hir­ten­dienst unbe­dingt fest an der Reinheit.
        Es geht nicht, dass man stän­dig am 6. Gebot in rela­ti­vi­sti­schen For­mu­lie­run­gen herumwerkelt.
        Das ist mei­ne ganz per­sön­li­che Ansicht. — Aber beden­ken Sie, eine Tod­sün­de bleibt eine Tod­sün­de. Und war­um ist unse­re Gesell­schaft tot, weil sie im 6. Gebot tot ist; weil der unte­re Mensch zu sehr lebt, kann der obe­re nicht erwa­chen. Der Mensch ist gewis­ser­ma­ßen von unten her verstopft.
        Homo­se­xu­el­le Hand­lun­gen gehö­ren wie jede aus­er­halb der Ehe prak­ti­zier­te Sexua­li­tät in den Bereich der Unzucht und des Lasters. Sie sind Tod­sün­den und löschen das Leben der See­le aus.

      • Ver­steh nicht ganz, was Sie mei­nen, @ Pater Pio — ich habe nur gewarnt davor, Homo­se­xua­li­tät zur Vor­aus­set­zung für fal­sches Leh­ren zu machen.

        Es kommt und kam auch extrem viel fal­sche Leh­re von Män­nern, die kei­nes­wegs homo­se­xu­ell sind.

        Ob nun Zöli­ba­tä­re alle wirk­lich rei­ne Moti­ve haben, soll­te man auch nicht mit Homo­se­xua­li­tät in zwin­gen­de Ver­bin­dung bringen.

        Ein jun­ger Mann macht sich über vie­les Illu­sio­nen. Viel­leicht über­schätzt er sich selbst auch. Den Zöli­bat kann er nur bestehen, wenn er beru­fen ist und ganz in Chri­stus wur­zelt. Wenn dies nicht der Fall ist, kann das zu vie­len ver­schie­de­nen Schief­la­gen füh­ren — ich wür­de das tren­nen von die­sem Ver­dacht, da müss­te ja dann wohl etwas Homo­se­xu­el­les im Hin­ter­grund schwe­len. Heu­te fehlt die prie­ster­li­che Chri­stus­hin­ga­be in der rech­ten Wei­se, und lei­der wird sie den jun­gen Män­nern ja auch nur noch auf eine unge­sun­de Wei­se vermittelt.
        Es ist sicher enorm schwer, als Prie­ster heu­te einen gang­ba­ren, ech­ten, unge­kün­stel­tenund gott­ge­fäl­li­gen Weg zu finden.
        Dass aber nun Homo an allem schuld sein soll glau­be ich nicht, und es lässt sich empi­risch auch nicht belegen.

      • Mir war die Pole­mik Ihres Sat­zes auf­ge­fal­len. Dem muss man aller­dings in Rech­nung stel­len, dass Sie Bezug auf @Franzel neh­men, des­sen Ver­mu­tung ich auch nicht ablei­ten wür­de. Man soll­te nicht hin­ter allem und jedem etwas hin­ein­deu­ten. @Franzel hat dann aller­dings ein­ge­räumt, dass er nicht dif­fa­mie­ren will, son­dern nur eine Ver­mu­tung äußert. In die­sen Din­gen wäre ich, und dies gin­ge als mei­ne Kri­tik an ihn, etwas vor­sich­ti­ger. Gerüch­te sind sehr leicht in die Welt gesetzt. Das war ja auch Ihr eigent­li­cher Kritikpunkt.
        Aller­dings wür­de ich Ihre Ansicht nicht tei­len, dass es so sehr vie­le Irr­leh­rer gibt. Ich habe mir zwar eini­ge Ihrer wirk­lich gut les­ba­ren Aus­füh­run­gen auf ihrer Sei­te durch­ge­le­sen (alle Ach­tung) und ver­ste­he nun auch, wie sie sich ins­ge­samt zum 6. Gebot posi­tio­nie­ren. Das hängt bei Ihnen nicht in der Luft. Sie sehen es umfas­sen­der. Sie machen sich wirk­lich vie­le Gedan­ken; viel­leicht zu vie­le. Ich jeden­falls blicke nicht so sehr auf die Irr­leh­rer. Ich blicke mehr auf die Hei­li­gen und bin da wohl auch weni­ger intel­lek­tu­ell veranlagt/begabt. Zudem weiß ich nicht alles, was sich in der Kir­chen­ge­schich­te zuge­tra­gen hat. Ich sehe viel­mehr, dass sich die Kir­che immer mehr oder weni­ger dar­um bemüht hat, den Men­schen zu Gott zu brin­gen, ihn zu bestär­ken, ihm Kraft zu geben. Das ist ihr Auf­trag. Sie kann mein Heil aber nicht machen.
        Aller­dings mei­ne ich, man darf ins­ge­samt auch nicht zu schwarz sehen. Sonst hat man ja kei­ne ruhi­ge Minu­te mehr. Ich bin nach wie vor davon über­zeugt, dass Gott das feh­len­de, was in der Kir­che durch die Geschich­te an Wahr­hei­ten ver­lo­ren ging, im guten Wil­len des Gläu­bi­gen, sofern vor­han­den, ersetzt. Wenn ich vor Gott im Gei­ste Chri­sti mein (Lebens-) Opfer brin­ge, bin ich gewiss, dass er es auch annimmt.
        Ich glau­be, es geht nur­mehr über die Selbst­hei­li­gung, die Ein­hal­tung der Gebo­te, das Gebet und ein Ver­trau­en in die Geschich­te als Heils­ge­schich­te, gegen alle schein­ba­ren Zeit­strö­mun­gen der Zer­stö­rung. Zumin­dest wer­den wir nicht im Cha­os enden. Das wur­de uns zuge­sagt, wenn wir Gott treu blei­ben. Das ist unser Glau­be. Viel­leicht muss erst die gan­ze Mensch­heit am Kreuz Satans haf­ten, bis ER wie­der­kommt und uns zu neu­em Leben auf­er­ste­hen lässt.
        Ich tei­le Ihre Ansicht, dass wir uns nicht in Äußer­lich­kei­ten erschöp­fen kön­nen, wie es etwa die Tra­di­ti­on häu­fig leicht macht. Die Gefahr ist doch ersicht­lich, dass vie­les zur Staf­fa­ge und Ver­eins­meie­rei ver­flacht. Aller­dings kann man Ten­den­zen nicht gene­ra­li­sie­ren und die mei­sten wer­den wohl aus vol­ler Über­zeu­gung und mit der aller­be­sten Absicht Tra­di­tio­na­li­sten sein. Auch gegen den Papst kön­nen wir uns nicht mit Recht stel­len, müs­sen wohl aber sei­ne Wor­te prü­fen, kön­nen zustim­men, kön­nen ableh­nen. In Fra­gen des Gewis­sens kann nie­mand befehlen.
        Den Schlüs­sel aller Schlüs­sel sehe ich aber nicht im Unglau­ben, einer Irr­leh­re oder einer fal­schen Kon­fes­si­ons­zu­ge­hö­rig­keit an sich, son­dern in unse­rer Kon­sum­men­ta­li­tät. Nur Not lehrt bekannt­lich beten.

    • …und was den Copi­lo­ten betrifft … das Zitat legt aber für sich genom­men noch nicht nahe, dass er ein „homo­se­xu­el­ler Trieb­tä­ter“ war.
      Etwas sehr über­zo­gen (!) in zwei­er­lei Hinsicht:
      a. wäre er allen­falls ein Selbst­mör­der, der aus uner­klär­li­chen Grün­den Hun­der­te von Men­schen mit in den Tod riss. Er hat sich dabei bestimmt nicht ein­sam im Cock­pit schwul befrie­digt (was eh nicht geht…)…
      b. ist das Zitat ein­fach erst mal freund­schaft­lich und lie­be­voll unter dem Schock der Ereig­nis­se gesagt. So etwas solls auch ein­fach so zwi­schen Men­schen geben… und selbst wenn der Schrei­ber homo wäre, könn­te man nicht schlie­ßen, dass der Täter es auch ist oder eine sol­che Bezie­hung zu dem Autoren hatte.

      Vor­sicht also mit sol­chen Spe­ku­la­tio­nen. Sie nüt­zen eh nichts. Nüch­tern blei­ben, kei­ne Gerüch­te in die Welt setzen.

      • Ich habe mir den Zei­tungs­ar­ti­kel ja selbst nicht aus den Fin­gern gezo­gen. Ich habe ihn nur gele­sen und mir ein paar Gedan­ken gemacht.
        War­um soll man aus den Zei­len, die da ein Freund schreibt, nicht an Homo­se­xua­li­tät den­ken? Das wäre ja nicht abwe­gig. War­um tabuisieren?
        Von einer Freun­din, was nor­mal wäre bei einem jun­gen erfolg­rei­chen Mann, ist jeden­falls in den Medi­en nicht die Rede, weil es kei­ne gibt.

        Ich bin mal gespannt, ob man in die­ser Rich­tung (even­tu­el­le homs. Ten­den­zen beim Co-Pilo­ten) recher­chiert. Auch das wür­de ja zur Auf­klä­rung gehö­ren. Es soll ja alles dafür getan wer­den, sag­te die Bundeskanzlerin.

  3. Die Weis­heit aller Zei­ten weiß: Ent­we­der man beherrscht sei­ne Lei­den­schaf­ten, oder man wird von ihnen beherrscht. Ab einem gewis­sen Zeit­punkt darf es kein Sprin­gen mehr geben. Das ist dem Men­schen unbe­dingt zuzutrauen.
    Ein Trieb­mensch deu­tet die Welt durch sei­nen Trieb. Kann er ihn nicht aus­le­ben, wird er rasend. Das zeigt sich in vie­len Schattierungen.
    Es mag auch fal­sche Sub­li­mie­run­gen geben. Wo also jemand sei­nen Trieb bekämpft und alle nega­ti­ve Ener­gie nicht in Lie­be, son­dern Hass und Eng­her­zig­keit oder eben falsch ver­stan­de­ne Barm­her­zig­keit umwandelt.
    Die Kämp­fe und Anfech­tun­gen blei­ben frei­lich bestehen. Das ist selbst Jesus nicht erspart geblie­ben. Doch er hat sie klar, ein­deu­tig und mit Auto­ri­tät und Voll­macht von sich gewie­sen. Das kann nie­mand, der sich nicht andau­erd in Zucht nimmt, wozu übri­gens Arbeit und Gebet gut geeig­net sind. Ja ohne die­se wird es kaum gelingen.
    Bei vie­len Kle­ri­kern kann man alles Mög­li­che beob­ach­ten, sel­ten aber trifft man auf die tie­fe Bereit­schaft zur Kreu­zes­nach­fol­ge. Wer die­se für sich sel­ber nicht leben kann, wird sie schwer­lich von ande­ren ein­for­dern, son­dern wird den brei­ten Weg ebnen wollen.
    Aus vie­ler Prä­la­ten Gesicht schreit es einem gera­de­zu ent­ge­gen: Seht mich, nehmt mich wahr, liebt mich, ehrt mich, ach­tet mich. Ist das das Wesen des Prie­ster­tums? Schaue ich auf den Pfar­rer von Ars, begeg­net mir ein ande­rer Typus.
    Was mich zudem sehr ver­wun­dert ist der Umstand, dass so weni­ge wie­der­ver­hei­ra­tet Geschie­de­ne nicht bereit sind, wenn auch mögi­cher­wei­se im Unrecht, für ihre Kir­che und für das Ide­al der Unauf­lös­lich­keit einer Ehe in Chri­stus zu lei­den. Sie sehen nur sich und ihr Ver­lan­gen hin­zu­zu­ge­hö­ren, dem Prä­di­kat „aus­ge­schlos­sen“ ent­le­digt zu sein.
    Auch ich schwan­ke bis­wei­len zwi­schen Gerech­tig­keit und Barm­her­zig­keit. Dann erscheint es mir, als müs­se man den Men­schen, die nicht voll­be­wusst eine Ehe ein­ge­hen, eine zwei­te Chan­ce geben.
    Gewis­ser­ma­ßen mag aber der von Guisep­pe Nar­di for­mu­lier­te Sach­ver­halt Klä­rung brin­gen. Er sagt sinn­ge­mäß, dass man von der Norm über­geht zum Ein­zel­fall; dass es also, wenn ich ihn recht ver­ste­he, nur noch Ein­zel­fall­ent­schei­dun­gen geben wird, womit sich die Norm auf­löst oder zumin­dest ihre Leit­funk­ti­on ver­liert. Dann haben wir, so glau­be ich, wirk­lich eine von Men­schen gemach­te Theo­lo­gie, für Men­schen, aber ohne die Auto­ri­tät und Wei­sung Got­tes, die for­dert, dass der Mensch ins Herz Got­tes über die Ein­hal­tung der Gebo­te hin­ein­wach­sen muss. Das Prin­zip wird dann unwei­ger­lich der Erfah­rung fol­gen: klei­ner Fin­ger, gan­ze Hand.
    Man ver­spielt des­halb den Glau­bens­satz von der Unauf­lös­lich­keit. Man ver­ju­belt die Gerech­tig­kand Got­tes unter der Hand der mensch­li­chen Barmherzigeit.
    Ich glau­be auch, dass nun durch eine Libe­ra­li­sie­rung im 6. Gebot alles nur noch schlim­mer wür­de. Die Pro­te­stan­ti­sie­rung des Katho­li­schen und damit die tota­le Säku­la­ri­sie­rung wäre damit abge­schlos­sen. Oder ist sie das nicht schon?!

  4. Die gan­ze Debat­te ist zudem eine kon­stru­ier­te. Jemand sag­te es hier vor eini­gen Tagen tref­fend: Für 0,1 % der Betrof­fe­nen — gemeint sind all jene wie­der­ver­hei­ra­tet Geschie­de­nen, die eine wirk­li­che Sehn­sucht zum Sakra­me­ten­emp­fang haben — wird 100 Auf­wand betrie­ben. An einer Ver­tie­fung der Prä­la­ten in Jesus Chri­stus man­gelt es wirk­lich von hin­ten bis vor­ne. Nicht Anglei­chung ist gefragt, son­dern Umkehr.
    Wie behan­delt man eigent­lich am Wir­kungs­voll­sten eine Krank­heit? Viel­leicht kann man aus der Medi­zin ler­nen. Wenn sich ein­mal ein Virus breit gemacht hat, hat der Kran­ke die Pflicht, nie­man­den ande­ren anzu­stecken. Er hält sich so lan­ge zu Hau­se auf, bis er wie­der gesund ist. Will man aber nicht die Hei­lung, son­dern eine epe­de­mi­sche Ver­brei­tung der Krank­heit, muss man es umge­kehrt machen: Alle Gesun­den las­sen sich von den Kran­ken anstecken, um am Ende zu sagen: Wir sind alle krank. Dann deu­tet man noch schnell alle Begrif­fe um und sagt zu Krank­heit Gesund­heit. Und schon haben sich alle lieb. Aber die Krank­heit schwält wei­ter und die Gesell­schaft brennt von innen aus; sie wird schwä­cher und schwä­cher, bis sie ins­ge­samt kola­biert. Jetzt holt man gesün­de­re Men­schen von außen, die noch in der Lage sind, sich fort­zu­pflan­zen; denn bei ihnen ist die Krank­heit noch nicht auf die Fort­pflan­zungs­or­ga­ne gegena­gen. Natü­rich hofft man, auch die­se wer­den sich als­bald anpas­sen. Doch die­se sind ganz ande­rer Natur. Sie sehen die Krank­heit der Gesell­schaft und brin­gen gleich­zei­tig eine ande­re in sie hin­ein: die des Has­ses auf alles Christ­li­che (I****). Das führt nun dazu, dass sie abwar­ten, bis die kran­ke Gesell­schaft immer schwä­cher und krän­ker wird, und dann setzt sich das Virus der tota­len Into­le­ranz und Inhu­ma­ni­tät noch oben drauf. Die Gesell­schaft wird von Ter­ror­an­schlä­gen und all­mäh­lich auch Zwän­gen in der poli­ti­schen Land­schaft heim­ge­sucht. Die Mei­nungs- und Gewis­sens­frei­heit wird ver­bo­ten, ein Über­wa­chungs­staat ist da. Die Scha­ria wird ein­ge­führt… usw, usf. Wie wir sehen hängt alles mit allem zusam­men. Und wer nur in einem Gebot fehlt, lie­fert alle ande­ren aus…
    Der Ver­gleich hinkt sicher hier und da. Aber so in etwa ver­hält es sich doch.

  5. @zeitschnur und @Pater Pio: nach neue­sten Mel­dun­gen hat­te der Co-Pilot eine Freundin.
    Die Fra­ge ist somit erledigt.

    Nicht erle­digt ist die Fra­ge, ob Geist­li­che, die die Leh­ren der Kir­che ableh­nen, psy­chisch nor­mal oder krank sind, auch homo­se­xu­ell. Es kann kein Zwei­fel dar­an bestehen, daß Bischö­fe wie Kar­di­nal Marx im Grun­de genom­men Schwer­kri­mi­nel­le sind und durch­aus ver­gleich­bar mit dem Todes­pi­lo­ten Andre­as L. Ganz im Gegen­teil: Kar­di­nal Marx ist noch Got­tes­lä­ste­rer dazu.
    Und er hat­te ja bekannt­lich Fege­feu­er und Höl­le als nicht-exi­stent erklärt, so daß er selbst wie auch Andre­as L. schnur­stracks in den Him­mel kom­men wird, falls Kar­di­nal Marx den auch nicht schon abge­schafft hat- zumin­dest für sich.
    Was in der Kir­che in unse­ren Brei­ten abläuft, dafür gibts kei­ne Wor­te mehr. Aber wel­cher Staats­an­walt klagt an? Wo ist einer, der einen Schein­bi­schof sei­nes Amtes ent­he­ben und hin­ter Schloß und Rie­gel brin­gen würde?

    • Nun ja — weder @ Pater Pio noch ich haben ja behaup­tet, dass der Copi­lot hom­se­xu­ell sei, son­dern wir haben bei­de Ihrer Spe­ku­la­ti­on und Gerüch­te­kü­che deut­lich und klar widersprochen.

      Wenn wir schon beim Kri­mi­nel­len sind: das Ver­leum­den und Hin­ten­her­um­re­den ist lt. Pau­lus eine schwe­re Sünde. 

      Ihre Aus­sa­ge, Kar­di­nal Marx sei „schwer­kri­mi­nell“ ist unsach­lich und unzu­läs­sig: dar­über könn­te nur ein welt­li­ches Gericht ent­schei­den! Und dann noch der Ruf nach dem Staat! Marx ver­stößt gegen kein ein­zi­ges staat­li­ches Gesetz — jeden­falls nicht, dass wir wüssten!

      Etwas ande­res ist sein Glau­bens­ab­fall. Für den ist aber nicht unse­re Justiz zustän­dig, son­dern Rom, Ihr ver­ehr­ter Papst F., der den­sel­ben Mann noch in sei­nen G8-Rat beru­fen hat. War­um den Die­ner für sei­nen Herrn tre­ten, den Herrn aber verteidigen?

      Ich ver­ste­he nicht, wie­so Sie sich so erhe­ben über die­sen bedau­erns­wer­ten Andre­as L. oder Marx — wie gesagt: der Copi­lot ist für uns ver­bor­gen in sei­ner Pro­ble­ma­tik. Heu­te läuft so viel Kri­mi­nel­les — dies­mal wirk­lich „Kri­mi­nel­les“ — im Arbeits­le­ben, aber nicht von­sei­ten der armen Teu­fel, die ange­wie­sen sind drauf, dass sie arbei­ten und Geld ver­die­nen, son­dern von­sei­ten derer, die sie aus­beu­ten und quä­len. Ich bin inzwi­schen in einem Alter, wo ich soviel gese­hen habe, dass ich völ­lig illu­si­ons­los gewor­den bin. Unge­fe­stig­te oder anfäl­li­ge Leu­te, v.a. Män­ner, ste­hen die­se Lage heu­te kaum noch durch und stür­zen in Straf­ta­ten ab. Dies wäre ja nicht der erste „Amok­lauf“ durch einen Mann. Frau­en reagie­ren eher mit Auto­ag­gres­si­on auf die Lage. Ich weiß aus abso­lut zuver­läs­si­ger Quel­le, dass heu­te vie­le sol­che „Arbeit­ge­ber“ gezielt ihre Mit­ar­bei­ter beob­ach­ten und bereits son­die­ren, wer Amok lau­fen könn­te. Man drückt sol­che Män­ner dann ger­ne raus, oder bleibt immer haar­scharf unter­halb der Gren­ze, die sie zum Aus­ra­sten bräch­te. Die Frau­en sind dank­ba­re Aus­beu­tungs­ob­jek­te, weil sie die Aggres­sio­nen gegen sich selbst rich­ten und den Feh­ler immer erst mal bei sich selbst suchen. So sieht das heu­te aus. 

      Was also immer hier gelau­fen ist — es könn­te auch ganz ganz anders sein, als wir über­haupt ahnen.

      Und Marx fin­det sei­nen Rich­ter. Das soll nicht unse­re Sor­ge sein. Dass er aber ein ris­kan­tes und per­fi­des Spiel spielt, sehe ich auch, habe das auch in ande­ren Kom­men­ta­ren schon nach­ge­wie­sen, v.a. was sein Fai­ble für die „Ent­wick­lung der Glau­bens­leh­re“ betrifft.

      • Hier sind Sie wie­der glas­klar. Aber mit dem Hl. P. Pio vom Gar­ga­no schei­nen Sie es nicht so zu haben.
        Mein HIn­weis: Es gibt vie­le gute Bücher über ihn. Ich wür­de aller­dings nicht das von Bernd Har­der über ihn zuerst lesen.

      • @ Pater Pio

        In aller Freund­schaft — nein! Bei Pater Pio, ich mei­ne dem ech­ten, ist soviel unklar und dubi­os, auch sehr ober­fläch­lich und über­grif­fig gewe­sen (ich schrieb auch noch bei dem andern Arti­kel davon was an Sie), dass ich größ­te Zwei­fel an ihm habe.

        Der Ein­druck, dass mit ihm irgend­et­was nicht gestimmt hat, nimmt eher zu mit allem, was ich über ihn höre.
        Auch die­se stän­di­gen Teu­fels­an­grif­fe am Altar, sei­ne selt­sa­men Jugend­er­leb­nis­se, die­ses selt­sa­me psy­c­gi­sche Pro­fil — nein, das hat mit dem, was ich über ande­re Hei­li­ge weiß, über­haupt nichts zu tun.
        Es ist eine her­ri­sche und gekün­stel­te Düster­nis um ihn — anders aknn ich es nicht wahr­neh­men. Ich erken­ne unsern Herrn ein­fach nicht. Bei den alten Hei­li­gen aber kann ich den Herrn ganz leicht erkennen!

        Und theo­lo­gisch ist kaum etwas übrig geblie­ben. Man­che Kri­ti­ker haben zu Recht ange­merkt, dass bei ihm alles insze­niert wirkt, auch in den Brie­fen — es fehlt das Ori­gi­nä­re, er ist wie einer, der die Merk­ma­le der Hei­lig­keit ande­rer alle auf sich gezo­gen und zu einem Megamy­sti­ker zusam­men­ge­braut hat, bis hin in die For­mu­lie­run­gen offen­bar das gei­sti­ge Gut ande­rer Hei­li­ger. Er hat nicht mit kla­rer und offe­ner Theo­lo­gie über­zeugt, son­dern mit lau­ter mysti­schen „Gaben“, die kei­ner über­prü­fen konn­te, aber den beque­men und wun­der­fit­zi­gen Men­schen anlocken.

        Es tut mir leid, aber ich kann da nicht fol­gen. Wer einem „Hei­li­gen“ nicht folgt oder des­sen Ein­ge­bun­gen nicht glaubt, sün­digt nicht. Das ist feste Leh­re der Kir­che. Wer aber einem fal­schen Pro­phe­ten auf­sitzt, hat ein Pro­blem. Und dem will ich mich nicht aus­set­zen, da ich wirk­lich so gro­ße Zwei­fel habe.

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