„Sie wollen genmanipulierte Menschen schaffen. Hören wir auf damit“ — Wissenschaftler fordern weltweites GVO-Moratorium

Moratorium gegen Zeugung genmanipulierter menschlicher Embryonen gefordert
Mora­to­ri­um gegen Zeu­gung gen­ma­ni­pu­lier­ter mensch­li­cher Embryo­nen gefordert

(Rom) „Sie wol­len gen­ma­ni­pu­lier­te mensch­li­che Orga­nis­men schaf­fen und damit die Zukunft der Mensch­heit aufs Spiel set­zen. Hören wir auf damit“. Die­sen dra­ma­ti­schen Appell rich­tet der For­scher und Pro­fes­sor für Bio­lo­gie an der Uni­ver­si­tät Mai­land-Bicoc­ca, Ange­lo Ves­co­vi, an sei­ne Wis­sen­schaft­ler-Kol­le­gen, an Poli­tik und Gesell­schaft. Der „Agno­sti­ker“ warnt vor den Tech­ni­ken zur DNA-Ver­än­de­rung an mensch­li­chen Embryo­nen, die in den ver­gan­ge­nen Wochen ver­öf­fent­licht wurden.

„Sie wol­len gen­ma­ni­pu­lier­te mensch­li­che Orga­nis­men schaf­fen und damit die gan­ze Spe­zi­es Mensch gefähr­den. Ich über­trei­be nicht.“ Ein ähn­li­cher Appell gegen die­se Art von Expe­ri­men­ten ist vor kur­zem in einer der bekann­te­sten natur­wis­sen­schaft­li­chen Fach­zeit­schrif­ten Natu­re erschie­nen. Es hei­ße zwar, die­se Expe­ri­men­te wür­den dazu die­nen, Krank­hei­ten zu hei­len, doch in Wirk­lich­keit „brin­gen sie die Zukunft der Mensch­heit in Gefahr“, so Vescovi. 

Das Inter­view führ­te Bene­det­ta Fri­ge­rio und wur­de von der Wochen­zeit­schrift Tem­pi ver­öf­fent­licht.

Der Appell in Natu­re stammt von Fyo­dor Urnov, Pro­fes­sor für Gene­tik und Gen­for­schung am Insti­tut für Mole­ku­lar- und Zell­bio­lo­gie der Uni­ver­si­tät von Kali­for­ni­en in Ber­ke­ley und Lei­ter eines San­ga­mo-For­schungs­teams. Urnov ist füh­rend in der Stamm­zell­for­schung tätig. Er und sei­ne Fach­kol­le­gen Edward Lan­phier, Sarah Ehlen Haecker, Micha­el Wer­ner und Joan­na Smo­len­ski gehö­ren alle dem Fach­ver­band Alli­an­ce for Rege­ne­ra­ti­ve Medi­ci­ne (ARM) an oder arbei­ten an Pro­jek­ten der geno­me-edit­ing com­pa­ny San­ga­mo. Mit ande­ren Wor­ten, sie wis­sen genau, wovon sie spre­chen. Sie for­dern ein welt­wei­tes Mora­to­ri­um für die gene­ti­sche Ver­än­de­rung mensch­li­cher Embryonen.

Der Appell stammt vom Vor­sit­zen­den der Alli­an­ce für Rege­na­ti­ve Medi­ci­ne (ARM) und wei­te­ren vier For­schern, dar­un­ter auch Fyo­dor Urnov, einem der Pio­nie­re in die­sem Bereich. Wie kommt das?

Ves­co­vi: Die Tech­ni­ken zur Ver­än­de­rung des gene­ti­schen Erbes wer­den bereits ange­wandt, um das Genom einer Zel­le zu edi­tie­ren. Die­ser Pro­zeß ist wie die Kern­fu­si­on zu beur­tei­len, die für gute, aber auch für ver­hee­ren­de Zwecke ver­wen­det wer­den kann. Er kann sehr nütz­lich sein bei soma­ti­schen Zel­len des Kör­pers, um Pro­ble­ma­ti­ken zu kor­ri­gie­ren zu ver­su­chen, die nicht den gan­zen Orga­nis­mus beein­flus­sen, son­dern nur bestimm­te Zell­ty­pen. Ein Pro­blem aber wird es, und daher der Appell, wenn man die soge­nann­te Keim­bahn ver­än­dern will und damit jene Struk­tu­ren, die direkt oder indi­rekt zur Ver­än­de­rung der gan­zen Abstam­mung führen.

War­um ist es pro­ble­ma­tisch, wenn die DNA ver­än­dert wird, um Krank­hei­ten zu bekämpfen?

Wenn man es grund­sätz­lich betrach­tet, scheint es im enge­ren Sinn noch ein Hei­lungs­ver­such zu sein. In Wirk­lich­keit ist dem aber nicht so, denn bei die­sen Expe­ri­men­ten wird ein kran­kes Indi­vi­du­um gezeugt, das dann geheilt wer­den soll, indem man sei­en DNA ver­än­dert. Das ist, als wür­de man sagen: „Kei­ne Sor­ge, ich laß dich krank zur Welt kom­men, aber dann ver­such ich dich zu hei­len“, das aber mit unvor­her­seh­ba­ren Fol­gen. Sind wir uns des­sen bewußt, was wir hier tun?

War­um unvor­her­seh­ba­re Folgen?

Um das Gen A zu kor­ri­gie­ren, muß ich Feh­ler oder intrin­si­sche Ver­lu­ste wegen der Natur des Ver­fah­rens in Rech­nung stel­len. Die­sel­ben Enzy­me, die auf natür­li­che Wei­se die DNA repa­rie­ren, machen Feh­ler. Dadurch erschwert sich die Situa­ti­on. Man pro­du­ziert im Labor ein kran­kes Indi­vi­du­um, um dann zu ver­su­chen, es zu hei­len, ohne zu wis­sen, ob das gelingt und obwohl man weiß, daß man auf alle Fäl­le Feh­ler machen wird, deren Kon­se­quen­zen unbe­kannt sind. Die­ser Pro­zeß hat einen Namen: bru­ta­ler Deter­mi­nis­mus gegen­über den Ungeborenen.

Wie kann man eine sol­che Tech­nik rechtfertigen?

Man sagt, daß auch die Enzy­me, die auf natür­li­che Wei­se die DNA eines jeden Indi­vi­du­ums repa­rie­ren, in einer neu­en Genera­ti­on rund 50 Muta­tio­nen anhäu­fen. Nun gut, wenn dem schon von Natur aus so ist, was tun wir dann? Wir fügen ein­fach absicht­lich noch wei­te­re hin­zu? Das ist eine sinn­wid­ri­ge Argu­men­ta­ti­on. Zudem ken­nen wir die Spe­zi­es Mensch sehr genau: die­se auf die Keim­bahn ange­wand­te Edit­ing-Tech­ni­ken kön­nen ange­wandt wer­den, um Gene zu ver­än­dern, die nichts mit der Krank­heit zu tun haben. Zum Bei­spiel, um die Wider­stands­fä­hig­keit gegen eini­ge Infek­tio­nen zu heben. Wir sind damit bereits beim näch­sten Schritt, wo ich nicht mehr eine Krank­heit hei­len will, son­dern nur mehr stär­ker wer­den will. Stär­ker als es unse­rer Natur ent­spricht. Wenn ich aber zum Bei­spiel die DNA mutie­re, um sie HIV-resi­stent zu machen [ein For­schungs­zweig, in den der­zeit viel Geld inve­stiert wird] mit vira­len oder bak­te­ri­el­len Popu­la­tio­nen, die sich viel schnel­ler ver­än­dern als die mensch­li­chen, könn­te der Virus zwar viel­leicht nicht mehr bei die­sen Pati­en­ten Wur­zel fas­sen, aber sich auch auf eine sol­che Wei­se ver­än­dern, daß er in Zukunft auch die Muta­ti­on über­brückt. Das aber wür­de bedeu­ten, daß man durch die von Men­schen­hand geschaf­fe­ne Muta­ti­on HIV noch töd­li­cher gemacht hät­te, als er bereits ist. Und dies auf einen beacht­li­chen Teil der Bevöl­ke­rung ange­wandt, wür­de die gesam­te Spe­zi­es Mensch gefährden.

Gibt es noch ande­re mög­li­che Folgen?

Die banal­ste Sache, die hypo­the­tisch pas­sie­ren könn­te, wäre das Auf­tre­ten von Tumo­ren. Die schlimm­ste Sache könn­te nach eini­gen Genera­tio­nen das völ­li­ge Aus­blei­ben der Repro­duk­ti­ons­fä­hig­keit des Men­schen sein mit dra­ma­ti­schen Aus­wir­kun­gen auf die Fort­pflan­zung der mensch­li­chen Spe­zi­es. Um ehr­lich zu sein, müs­sen wir sagen, daß die Fol­gen die­ses zügel­lo­sen Deter­mi­nis­mus schlicht­weg unkal­ku­lier­bar sind. Ich wie­der­ho­le: Wir haben kei­ne Fähig­keit, abzu­se­hen, was pas­sie­ren wird. Wir kön­nen uns nur auf eini­ge epi­de­mio­lo­gi­sche Stu­di­en stüt­zen: Wir kön­nen ver­su­chen, im Ver­lauf von Genera­tio­nen zu beob­ach­ten, was gesche­hen wird. Es wird Jahr­hun­der­te brau­chen. Ange­sichts der Gefah­ren kann man nur zum Schluß kom­men: Die Spe­zi­es Mensch kann und darf nicht als Ver­suchs­ka­nin­chen miß­braucht werden.

Ist es unmög­lich auf die­sem Weg weiterzugehen?

Es ist ein extre­mer Schritt. Die­se Ver­än­de­run­gen könn­ten dazu gebraucht wer­den, um die Augen­far­ben oder die Kör­per­grö­ße eines Kin­des zu ver­än­dern. Wer­den wir das ver­hin­dern? Auch wenn es gesetz­li­che Regeln geben soll­te, wis­sen wir aus Erfah­rung, daß es immer jeman­den gibt, die bereit ist, wenn etwas tech­nisch mög­lich wird, die Regeln zu ver­letz­ten. Braucht es so viel Phan­ta­sie, um sich Eltern vor­zu­stel­len, die bereit wären, Mil­lio­nen zu bezah­len, um ein ‚per­fek­tes‘ Kind zu haben? Ich möch­te dar­an erin­nern, daß es Men­schen gibt, die ihre Pfer­de ins Flug­zeug set­zen und jedes Jahr Mil­lio­nen Euro allein dafür aus­ge­ben, um die­se Pfer­de aus Atmungs­grün­den für die Sauer­stoff­zu­fuhr in die Höhe hinaufzubringen.

Über­trei­ben Sie da nicht?

Lei­der nicht. Erin­nern wir uns, als vor 20 Jah­ren inten­siv öffent­lich über das Klo­nen gespro­chen wur­de. Ich und ande­re Wis­sen­schaft­ler warn­ten, daß hier Türen zur gene­ti­schen Mani­pu­la­ti­on auf­ge­sto­ßen wer­den. Man hat uns gera­de­zu wie Ver­rück­te belä­chelt. Und heu­te? Heu­te pro­du­zie­ren wir bereits gen­ma­ni­pu­lier­te mensch­li­che Orga­nis­men, indem wir ihre Gesund­heit aufs Spiel set­zen, die Natur des Indi­vi­du­ums, aber auch die Zukunft der gan­zen Mensch­heit. Nein, ich über­trei­be keineswegs.

Der Auf­ruf in Natu­re für ein Mora­to­ri­um der Gen­ma­ni­pu­la­ti­on am Men­schen wur­de von einer Grup­pe von Wis­sen­schaft­lern unter­zeich­net, die kei­nes­wegs reli­giö­sen Krei­sen nahestehen.

Hier geht es um Natur­wis­sen­schaft, nicht um Reli­gi­on. Ich bin Agno­sti­ker. Doch hier geht es um den Respekt vor dem mensch­li­chen Wesen. Aus die­sem Grund tre­te ich dafür ein, daß man sich wei­gern muß, ihn, sei­ne Abstam­mung und damit die Mensch­heit einem so gefähr­li­chen Risi­ko aus­zu­set­zen. Es geht dar­um, einen Wahn der All­mäch­tig­keit zu stop­pen, der durch ideo­lo­gi­sche und vor allem öko­no­mi­sche Inter­es­sen geför­dert wird. Und natür­lich kom­men noch per­sön­li­che Ambi­tio­nen von Wis­sen­schaft­lern dazu. Wer immer es wagen sol­len, zu behaup­ten, daß jene, die hier zur Vor­sicht mah­nen, Mora­li­sten oder schlim­mer noch Obsku­ran­ten oder Bigot­te sind, der soll­te sich nackt vor den Spie­gel stel­len und er wird erken­nen, daß er nur einen nack­ten Affen sieht, der die Logik ver­ge­wal­tigt. Und soll­te sich schämen.

Wel­chen Wahn mei­nen Sie?

Wir mei­nen, daß wir alles machen und alles kon­trol­lie­ren kön­nen. Das aber ist nur eine wahn­wit­zi­ge Illu­si­on, denn in Wirk­lich­keit ist unse­re Igno­ranz abgrund­tief. Abgrund­tief ist sogar noch viel zu wenig, um aus­zu­drücken, was wir wirk­lich sind. Wir sind nicht mehr als Igno­ran­ten, die ver­su­chen, zu ver­ste­hen. Wenn es hoch­kommt, ver­ste­hen wir gera­de ein Mil­li­on­stel von dem, was die mensch­li­che Phy­sio­lo­gie ist, oder anders aus­ge­drückt, alle Phä­no­me­ne, die Geburt, Tod und Han­deln eines Men­schen regeln. Der Appell mei­ner Kol­le­gen hat mich daher kei­nes­wegs erstaunt. Es sind Wis­sen­schaft­ler, die genau wis­sen, wovon sie spre­chen. Sie alle haben in den Abgrund geschaut. Ich kann mich ihrem Auf­ruf nur anschlie­ßen. Mei­ne Damen und Her­ren, wir gehen zu weit. Gehen wir nicht wei­ter, hal­ten wir inne!

Text: Tempi/Giuseppe Nardi
Bild: Natu­re (Screen­shot)

2 Kommentare

  1. Pas­send zum Arti­kel: Pater Stei­ner von der Pius-Bru­der­schaft benennt den Kult des Todes vortrefflich:
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    „Euer auf­klä­re­ri­sches System ist an die Gren­ze gestoßen.
    Dort, wo es nur noch Gott kor­ri­gie­ren könnte.
    Aber in eurer ach so auf­ge­klär­ten Demokratie
    gibt es eben kei­nen Gott mehr.
    Nur noch in den Wohn­zim­mern und Hinterhöfen.
    Im Privatleben.
    Nicht im Bun­des­tag und im Par­la­ment, dort,
    wo ihr eure gott­frei­en Abstim­mun­gen vollzieht.
    Und auch die beru­fe­nen Pro­phe­ten­der Kir­che, die euer Tun längst hät­ten ver­ur­tei­len müs­sen, sie sit­zen wie Blin­de dane­ben und schweigen.

    Hit­ler woll­te den ras­sisch rei­nen Menschen.
    Er woll­te einen Men­schen, der den Wer­ten der Ras­se genügt.
    Ihr seid schon längst dabei, den Desi­gner-Men­schen zu erschaffen!
    Einen Men­schen, der den Wer­ten der Ich-Gesell­schaft und des Mate­ria­lis­mus genügt:
    ohne Behin­de­rung, ohne Fehl und Makel, blond, blau­äu­gig. Ja, Mary Shel­leys Fran­ken­stein ist Wirk­lich­keit geworden.

    Was ist das Näch­ste, über das ihr in eurer gren­zen­lo­sen Hybris abstim­men werdet?
    Über die Todes­pil­le für alte Menschen?
    Weil das Sozi­al­sy­stem nicht mehr halt­bar sein wird, in fünf, in zehn oder zwan­zig Jahren?
    Dann wird Ausch­witz nicht mehr in Polen sein,
    son­dern überall.
    In jedem Altenheim,in jeder Pflegeanstalt.
    So wie Ausch­witz schon längst in allen Abtrei­bungs­kli­ni­ken ist, wo unwer­tes Leben ver­nich­tet wird.
    Ja, unwer­tes Leben.
    Ihr nennt es nicht so, damit man nicht sieht, wie der „demo­kra­ti­sche Mensch“ dem ras­si­sti­schen Men­schen gleicht.
    [.…]
    So wie alle Ideo­lo­gen des 20. Jahr­hun­derts zur Errich­tung ihrer Rei­che erst Gott töteten.
    Du bist so wie alle dei­ne Vor­gän­ger der einen Ursün­de anheim gefal­len, die bereits im Para­dies den Men­schen zum Ver­der­ben wurde:
    „Eri­tis sicut Deus – Ihr wer­det sein wie Gott.“
    Ihr baut an der „Reli­gi­on der Demo­kra­tie“ und setzt damit den Men­schen auf eine Stu­fe, die er nicht haben kann: an die Stel­le Gottes.
    Ihr lehrt die Men­schen abzu­stim­men über das, was sie gar nicht bestim­men können.
    Ihr wollt die Men­schen glau­ben machen, dass ein Para­dies entsteht.
    In Wirk­lich­keit kon­stru­iert ihr die Hölle.
    Für die Schwäch­sten unter uns, die Unge­bo­re­nen, das kei­men­de Leben, die Alten und Kran­ken hat sie längst begonnen!“
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  2. „Sie wol­len gen­ma­ni­pu­lier­te mensch­li­che Orga­nis­men schaf­fen und damit die Zukunft der Mensch­heit aufs Spiel set­zen. Hören wir auf damit“.
    Aus­sichts­los. Sie wer­den alles tun was ihnen mög­lich ist und vor nichts zurück­schrecken. Das ewi­ge Leben in die­ser Welt ist ihr Ziel. Aber der Baum der Erkennt­nis ist nicht der sel­be wie der des ewi­gen Lebens. Chri­stus wird siegen.
    Per Mari­am ad Christum.

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