Würzburg, 16. März 1945: Zerstörung einer Barockstadt – Vor 70 Jahren (1)

Würzburg nach dem 16. März 1945
Würz­burg nach dem 16. März 1945

In der Nacht des 16. März 1945 leg­te eine bri­ti­scher Bom­ber­flot­te die schö­ne Barock­stadt Würz­burg in Trüm­mer. 21.000 Woh­nun­gen sowie 35 Kir­chen, Kapel­len und der Bischofs­dom mit Tau­sen­den von Kul­tur­schät­zen wur­den vernichtet. 

Ein Gast­bei­trag von Hubert Hecker

Ab dem 25. Sep­tem­ber 1939 bom­bar­dier­te die deut­sche Luft­waf­fe War­schau drei Tage lang in 1180 Ein­sät­zen. Danach bestand die Stadt „nur noch aus Rui­nen“. Theo­re­tisch war das Bom­bar­de­ment mit der Haa­ger Land­kriegs­ord­nung ver­ein­bar, inso­fern offi­zi­ell nur kriegs­wich­ti­ge Zie­le in der mili­tä­risch ver­tei­dig­ten Stadt bei Vor­war­nung der Bevöl­ke­rung ange­grif­fen wur­den. Aber die deut­sche Luft­waf­fen­füh­rung ver­riet im Nach­hin­ein selbst ihre kriegs­ver­bre­che­ri­schen Absich­ten, indem sie von der groß­ar­ti­gen Wir­kung ihrer Spreng- und Brand­bom­ben „auf groß­städ­ti­sche Wohn­blocks“ schwärm­te, wobei sich ein­zel­ne Brand­her­de „aus­dehn­ten bis zu einer Brandkatastrophe“.

Hit­ler hat­te nach einem bri­ti­schen Ver­gel­tungs­an­griff auf Ber­lin im Sep­tem­ber 1940 ver­kün­det: „Wir wer­den ihre Städ­te aus­ra­die­ren.“ Vor­erst blieb aller­dings die Luft­waf­fe bei der Luft­schlacht um Eng­land bei ihren Zie­len, vor­ran­gig Indu­strie- und Hafen­an­la­gen zu tref­fen – auch bei den Angrif­fen auf Coven­try und Lon­don. Tat­säch­lich aber hat­ten die Nacht-Bom­bar­de­ments bei der dama­li­gen Ziel­un­ge­nau­ig­keit oft­mals den Cha­rak­ter von unter­schieds­lo­ser Flächenbombardierung.

Bombardierung von zivilen Wohnstädten: Verbrechen durch Hitlers Kriegsführung

Deutscher Bomber über dem brennenden Warschau
Deut­scher Bom­ber über dem bren­nen­den Warschau

Im wei­te­ren Ver­lauf des Kriegs gab sich die Luft­waf­fe immer weni­ger Mühe, den kriegs­recht­li­chen Anschein zu wah­ren. Nach den zwei­tä­gi­gen Angrif­fen auf Bel­grad Anfang April 1941 began­nen 1942 offe­ne Ter­ror­schlä­ge gegen eng­li­sche Städ­te. Die so genann­ten Baede­ker-Angrif­fe gegen Städ­te wie Bath, Exe­ter oder Can­ter­bu­ry soll­ten mili­tä­risch unwich­ti­ge, allein tou­ri­stisch inter­es­san­te Wohn­städ­te „aus­ra­die­ren“.

Im August 1942 warf die Luft­waf­fe tage­lang flä­chen­deckend Bom­ben auf Sta­lin­grad: etwa 40. 000 Men­schen kamen dabei um, eine bis dahin uner­hör­te Zahl zivi­ler Opfer. 1944 begann schließ­lich die Beschie­ßung bri­ti­scher Städ­te mit den „Ver­gel­tungs­waf­fen“ V1 und V2, die nicht ziel­ge­nau gesteu­ert wer­den konn­ten und wahl­los alles tra­fen. Ins­ge­samt 66. 400 Men­schen star­ben in Groß­bri­tan­ni­en bei deut­schen Luftangriffen.

Zumin­dest die unge­ziel­ten Bom­bar­die­run­gen von Wohn­städ­ten ab 1942 durch die deut­sche Luft­waf­fe waren ein­deu­tig kriegs­ver­bre­che­ri­sche Hand­lun­gen. Da stellt sich natür­lich die Fra­ge: War­um wur­den die­se Ver­bre­chen unter Hit­lers Kriegs­füh­rung von den Alli­ier­ten nicht zum Gegen­stand des inter­na­tio­na­len Kriegs­ver­bre­cher­tri­bu­nals in Nürn­berg gemacht? Die Ant­wort ergibt sich nach der Lek­tü­re der fol­gen­den Ausführungen.

Britische Städtebombardierung, als der Krieg entschieden war

Würzburg: Die Zerstörung einer Stadt
Würz­burg: Die Zer­stö­rung einer Stadt

Mit­te März 1945 war der Krieg zwi­schen Hit­ler­deutsch­land und den Alli­ier­ten fak­tisch ent­schie­den. Um Ber­lin zog sich der rus­si­sche Bela­ge­rungs­ring immer enger zusam­men. Anfang März hat­ten die Ame­ri­ka­ner bei Rema­gen erst­mals den Rhein über­schrit­ten – und bald dar­auf über­quer­ten die Bri­ten den Rhein bei Wesel.

Die inner­städ­ti­schen Wohn­ge­bie­te aller deut­schen Groß­städ­te waren zu 50 bis 80prozentig zer­stört. Man­che Städ­te hat­ten bis zu zwan­zig Luft­an­grif­fe erlebt. Etwa ab Anfang des Jah­res 1945 began­nen die Alli­ier­ten ver­stärkt, mili­tä­risch unbe­deu­ten­de Klein- und Mit­tel­städ­te zu bom­bar­die­ren. Am 12. Febru­ar rich­te­ten ame­ri­ka­ni­sche Bom­ber das „Mas­sa­ker von Swi­ne­mün­de“ (Jörg Fried­rich) mit über 20.000 zivi­len Opfern an. Nach dem bri­ti­schen Bom­ben­an­griff auf Pforz­heim am 23. Febru­ar waren 17.000 Bom­ben­op­fer zu bekla­gen. Am 19. März zer­stör­te eine alli­ier­te Bom­ber­flot­te die idyl­li­sche Kur- und Laza­rett­stadt Nas­sau an der Lahn. Ab Mit­te März waren im Wochen­takt die drei Bischofs­städ­te Würz­burg, Hil­des­heim und Pader­born durch bri­ti­sche Bom­bar­de­ments in Schutt und Asche gelegt.

Verheerender als in Dresden

Würzburg nach dem britischen Luftangriff
Würz­burg nach dem bri­ti­schen Luftangriff

Am Abend des 16. März 1945 rie­fen die heu­len­den Sire­nen die Bewoh­ner von Würz­burg wie vie­le Näch­te vor­her in die Luft­schutz­räu­me. Aber dies­mal waren es nicht Über­flie­ger, vor denen man warn­te — die schö­ne Barock­stadt selbst war das Angriffs­ziel der Bomber.

Ab 21.30 Uhr ver­wan­del­ten 230 bri­ti­sche Bom­ber Würz­burg in eine Feu­er­höl­le. Die tau­send­jäh­ri­ge Kul­tur­stadt in Unter­fran­ken wur­de zu fünf­und­acht­zig Pro­zent vernichtet.

Die bri­ti­schen Krie­ger zer­stör­ten aus der Luft 21.000 Woh­nun­gen, 35 Kir­chen mit Tau­sen­den von Kul­tur­schät­zen, alle städ­ti­schen Archi­ve und histo­ri­schen Biblio­the­ken sowie zahl­rei­che Bau­denk­mä­ler – dar­un­ter den Dom und Tei­le der Würz­bur­ger Resi­denz mit dem Spiegelsaal.

Die Zer­stö­run­gen der welt­be­rühm­ten Barock­stadt Würz­burg waren tota­ler und ver­hee­ren­der als die drei Wochen vor­her in Dresden.

Vor den Angrif­fen der Bri­ten war die Stadt prall­ge­füllt mit Eva­ku­ier­ten, Flücht­lin­gen und Sani­täts­ko­lon­nen. 5.000 Zivi­li­sten – vor allem Kin­der, Frau­en und alte Men­schen – ver­brann­ten bei dem bri­ti­schen Brand­bom­ben­an­griff von 17 Minuten.

Bis zum Febru­ar 1945 stand Würz­burg nicht auf der Liste des bri­ti­schen „Bom­ber Baedeckers“. Denn die alte Resi­denz­stadt war unter dem Gesichts­punkt von Rüstungs­in­du­strie, Schlüs­sel­in­du­strien und Trans­port­li­ni­en stra­te­gisch bedeutungslos.

Schon ab 1942 hat­te die bri­ti­sche Kriegs­re­gie­rung mit dem Wech­sel zum Bom­bar­de­ment von Wohn­ge­bie­ten es weit­ge­hend auf­ge­ge­ben, gezielt das indu­stri­el­le Kriegs­po­ten­ti­al in Deutsch­land zu zer­stö­ren. Bei Kriegs­en­de waren die deut­schen Indu­strie­an­la­gen noch zu über 80 Pro­zent intakt.

Möglichst viele Zivilisten töten

Die bri­ti­sche Bom­ber-Stra­te­gie ziel­te mit ihrem nächt­li­chen Flä­chen­bom­bar­de­ments allein auf Wohn­städ­te – anschei­nend mit der Absicht, mög­lichst vie­le Zivi­li­sten zu töten:

„Wir wol­len mit unse­ren Spreng­bom­ben Boches unter den Trüm­mern ihrer Häu­ser begra­ben und Boches umbrin­gen“ – nahm der ver­ant­wort­li­che Luft­waf­fen­ge­ne­ral, Mar­schall Artur Har­ris (+1984), kein Blatt vor den Mund.

„Boches“ war ein fran­zö­si­sches Schimpf­wort gegen die Deut­schen. Har­ris wur­de im Lau­fe des Krie­ges auch von eng­li­scher Sei­te als „Bom­ber Har­ris“ oder „But­cher Har­ris“ – Metz­ger Har­ris – charakterisiert.

Die bri­ti­sche Regie­rung recht­fer­tig­te ihre Bom­ben gegen Zivi­li­sten als „moral bom­bing“. Durch das Blut­bad an Zivi­li­sten soll­te die Moral der Über­le­ben­den gebro­chen wer­den. Die­se mora­li­sche Ver­un­si­che­rung an der „Hei­mat­front“ soll­te dann auf die Kampf­mo­ral der Front­sol­da­ten aus­strah­len, so dass über Resi­gna­ti­ons­ten­den­zen im deut­schen Heer der Krieg schnel­ler been­det wer­den würde.

Dabei wuss­te die Chur­chill-Regie­rung genau, dass nicht ein­mal die erste Stu­fe der mora­li­schen Desta­bi­li­sie­rungs­stra­te­gie erreicht wer­den wür­de. Die eige­nen Erfah­run­gen von nächt­li­chen Städ­te­bom­bar­de­ments aus dem deut­schen „Blitz“-Krieg von 1940/41 spra­chen dage­gen. Win­s­ton Chur­chill hat­te damals selbst ver­kün­det: „Hit­ler glaubt, die Bewoh­ner die­ser mäch­ti­gen Stadt ter­ro­ri­sie­ren und demo­ra­li­sie­ren zu kön­nen. Er weiß nichts von der Zähig­keit der Lon­do­ner.“ Die Luft­an­grif­fe hat­ten die Gesell­schaft in ihrem Über­le­bens­wil­len noch stär­ker zusammengeschweißt.

Die­se Beschrei­bung traf auch für die bom­bar­dier­ten deut­schen Städ­te zu, ver­stärkt mit den Durch­hal­te­pa­ro­len der Nazi-Pro­pa­gan­da. Somit konn­te auch die ange­ziel­te Demo­ra­li­sie­rung der Front­trup­pen nicht wir­ken. Mit der Erkennt­nis, dass der Krieg durch die jah­re­lan­gen Städ­te­bom­bar­die­run­gen nicht ver­kürzt wur­de, hat­te die moral-bom­bing-Stra­te­gie sei­ne letz­te mora­li­sche Recht­fer­ti­gung ver­lo­ren – erst recht in den letz­ten Kriegsmonaten.

Zum Ende des Krie­ges hat­ten die Bri­ten eine aus­ge­feil­te Zer­bom­bungs­tech­nik ent­wickelt: ein Vor­bom­ber kenn­zeich­ne­te einen mar­kan­ten Ori­en­tie­rungs­punkt vor der Stadt mit roten Ziel­mar­kie­rungs­bom­ben. Bei Würz­burg waren das die Sport­plät­ze im städ­ti­schen Vor­feld. Alle drei Bom­ber­wel­len muss­ten über die­sen Mar­kie­rungs­punkt ein­flie­gen, um dann in abge­steck­ten Sek­to­ren fächer­för­mig über der Stadt mit ihrer töd­li­chen Bom­ben­last aus­zu­schwär­men. Jedem Pilo­ten wur­de eine spe­zi­el­le Flug­bahn zuge­wie­sen, auf der er zeit­ver­setzt sein Bom­ben aus­lö­ste. Auf die­se Wei­se war eine bom­ben­si­che­re Flä­chen­zer­stö­rung der Stadt gewährleistet.

In der ersten Bom­ber-Wel­le wur­den die Dächer und Fen­ster der Alt­stadt mit 256 schwe­ren Spreng­bom­ben und 396 Ton­nen Luft­mi­nen auf­ge­ris­sen, um so die brand­ent­fa­chen­de Wir­kung der nach­her abge­wor­fe­nen 300.000 Stab­brand­bom­ben zu begün­sti­gen. Inner­halb kur­zer Zeit ent­stand aus ver­ein­zel­ten Brand­ne­stern ein ein­zi­ger flä­chen­decken­der Brand­herd, der sich zu einem Höl­len­feu­er mit Tem­pe­ra­tu­ren von 1500 bis 2000 °C ent­wickel­te. Die Men­schen konn­ten nur in pro­vi­so­risch vor­be­rei­te­ten Kel­ler­räu­men Zuflucht suchen, befe­stig­te Bun­ker gab es kaum.
Noch in einer Ent­fer­nung von 240 Kilo­me­tern sahen die bri­ti­schen Flie­ger­be­sat­zun­gen von ihren Flug­zeu­gen aus den Feu­er­schein der bren­nen­den Stadt. Gegen 2.00 Uhr mor­gens am 17. März 1945 kehr­ten die letz­ten Bom­ber wohl­be­hal­ten zu ihren Stütz­punk­ten zurück.

Frauen und Kinder in den Luftschutzkellern erstickten und verschmorten

Das zerstörte Würzburg: Blick auf den Marienberg
Das zer­stör­te Würz­burg: Blick auf den Marienberg

Aus den Trüm­mern der Stadt wur­den in den Fol­ge­ta­gen etwa 3000 Tote gebor­gen. Mit ca. 2000 unter Trüm­mern ver­schüt­te­ten Lei­chen von nicht ange­mel­de­ten Flücht­lin­gen wur­de gerech­net. „Unter den Toten ist jedes Alter und Geschlecht ver­tre­ten, vom Säug­ling bis zum Greis. Es gibt unver­sehr­te, blu­ti­ge, zer­quetsch­te, stau­bi­ge, schwar­ze und ver­brann­te. Auch Tei­le von Lei­bern sind dabei“ – so der Würz­bur­ger Dom­ka­plan Fritz Bau­er. Ein ande­rer Zeit­zeu­ge erzähl­te: „Offen­bar ent­wickel­te sich eine so ent­setz­lich gro­ße Hit­ze mit Rauch­ent­wick­lung, dass sämt­li­che Insas­sen des Luft­schutz­kel­lers, nur Frau­en und Kin­der, schließ­lich erstick­ten und verschmorten. …“

Drei Wochen nach der Bom­bar­die­rung nah­men US-Trup­pen die trost­lo­se Trüm­mer­wü­ste ein, die ehe­mals die schö­ne Barock­stadt Würz­burg gewe­sen war. Acht Wochen spä­ter war der Krieg zu Ende.

Bei sei­ner Radio-Sie­ges­an­spra­che am 13. Mai erwähn­te Chur­chill den Bei­trag der Bom­ber­flot­te zum Sieg über Hit­ler-Deutsch­land mit kei­nem Wort. Die­ses Ver­hal­ten kam einem Ein­ge­ständ­nis gleich, dass die Bom­bar­die­rungs­stra­te­gie ihre Kriegs­zie­le nicht erreicht hat­te. Der rie­si­ge Auf­wand der Bom­ber­flot­te über fast fünf Jah­re, mensch­li­che und sach­li­che Res­sour­cen war kriegs­po­li­tisch weit­ge­hend sinn­los ver­pul­vert wor­den. Das ‚moral bom­bing’ der Bri­ten hat­te sich zu einem unmo­ra­li­schen Bom­ben­krieg ver­kehrt. Die 600.000 deut­schen Zivilop­fer waren eine mora­li­sche Ankla­ge für den Sieger.

Daher soll­ten nach dem Kriegs­en­de die Mas­sa­ker der Alli­ier­ten aus dem öffent­li­chen Blick genom­men wer­den. Das galt ins­be­son­de­re auch in Hin­sicht die Vor­be­rei­tun­gen für das inter­na­tio­na­le Mili­tär-Tri­bu­nal in Nürn­berg. Denn bei den anste­hen­den Bera­tun­gen über den Pro­zess gegen die Besieg­ten soll­ten allein die Unta­ten der natio­nal­so­zia­li­sti­schen Füh­rung Deutsch­lands in den Fokus gerückt werden.

Die Siegermächte bogen sich eine Rechtsgrundlage zu ihren Gunsten zurecht

Bei den Über­le­gun­gen im Som­mer 1945 zu dem Sta­tut des ‘Inter­na­tio­na­len Mili­tär­ge­richts­hofs’ bogen die Sie­ger­mäch­te das Recht so hin, dass ihre eige­nen Kriegs­ver­bre­chen nicht zur Spra­che gebracht wer­den sollten.

Die bestehen­den Völ­ker­rechts­re­geln, die Haa­ger Kriegs­kon­ven­ti­on von 1907 sowie spä­te­re völ­ker­rechts­re­le­van­te Ver­trä­ge hät­ten als Ankla­ge gegen die natio­nal­so­zia­li­sti­schen Kriegs­ver­bre­cher ausgereicht.

Aber eini­ge For­mu­lie­run­gen in den Tex­ten behag­ten den Sie­gern nicht.
In der damals gül­ti­gen Haa­ger Land­kriegs­ord­nung hieß es im 2. Abschnitt, Arti­kel 22:
„Die Krieg­füh­ren­den haben kein unbe­schränk­tes Recht in der Wahl des Mit­tel zur Schä­di­gung des Feindes.“

Nach der Haager Kriegsordnung waren Flächenbombardierungen Kriegsverbrechen

„Bei Bela­ge­rung und Beschie­ßung sol­len alle erfor­der­li­chen Vor­keh­run­gen getrof­fen wer­den, um die dem Got­tes­dienst, der Kunst, der Wis­sen­schaft und der Wohl­tä­tig­keit gewid­me­ten Gebäu­de, die geschicht­li­chen Denk­mä­ler, die Hospi­tä­ler und Sam­mel­plät­ze für Kran­ke und Ver­wun­de­te soviel wie mög­lich zu schonen.“

Doch die bri­ti­sche Kriegs­füh­rung hat­te sich bei den Städ­te­bom­bar­die­run­gen nicht um Kir­chen, Kul­tur- und Kran­ken­häu­ser geschert und gera­de in den letz­ten Kriegs­mo­na­ten bedeu­ten­de Kul­tur­städ­te zerstört.

Es scheint, als wenn die Sie­ger­mäch­te sol­che ein­deu­ti­gen Rechts­for­mu­lie­run­gen zu umge­hen ver­such­ten, indem der Inter­na­tio­na­le Gerichts­hof neue, rück­wir­kend Geset­ze auf­stell­te. Die wur­den mit Grund­sät­zen der natür­li­chen Gerech­tig­keit begründet.

Massentötung von Zivilisten, Zerstörung von Kultureinrichtungen waren mutwillige Terrorakte

Würzburg: Eine zerstörte Stadt
Würz­burg: Eine zer­stör­te Stadt

Aber auch die­se neu­en Rechts­re­geln beinhal­te­ten immer noch Ankla­gen gegen ihre eige­nen Ver­fas­ser: Denn auch „die mut­wil­li­ge Zer­stö­rung von Städ­ten, Märk­ten oder Dör­fer oder jede durch mili­tä­ri­sche Not­wen­dig­keit nicht gerecht­fer­tig­te Ver­wü­stung“ wur­de im Nürn­ber­ger Pro­zess-Sta­tut geäch­tet. Die­se For­mu­lie­run­gen waren auf Hit­lers Ver­nich­tungs­krieg ins­be­son­de­re in der Sowjet­uni­on gemünzt.

Doch den Ter­mi­nus „mut­wil­lig“ hat­te auch Chur­chill in sei­nem Memo­ran­dum vom 28. März 1945 zu den Bom­bar­die­run­gen sei­ner eige­nen Luft­streit­kräf­te gebraucht, als er aus­führ­te: „Ich glau­be, es ist nötig, dass wir uns mehr auf mili­tä­ri­sche Zie­le kon­zen­trie­ren statt auf rei­ne Akte des Ter­rors und der mut­wil­li­gen Zerstörung.“

„Mili­tä­risch not­wen­dig“ waren die bri­ti­schen Flä­chen­bom­bar­de­ments auf Innen- und Wohn­städ­te wäh­rend der drei letz­ten Kriegs­jah­re offen­sicht­lich genau­so wenig wie der ame­ri­ka­ni­sche Bom­ben­an­griff auf Tokio am 9. März 1945 mit 100.000 Toten.

Abso­lut sinn­los im mili­tä­ri­schen Sin­ne waren die alli­ier­ten Flä­chen­bom­bar­de­ments gegen die deut­schen Kul­tur­städ­te in den letz­ten Kriegs­mo­na­ten. Nach die­ser Ein­schät­zung kämen sie in die Nähe der „Ver­bre­chen gegen die Mensch­lich­keit“ als „unmensch­li­che Hand­lun­gen an der Zivil­be­völ­ke­rung“, dem vier­ten Haupt­ankla­ge­punkt des Nürn­ber­ger Kriegsverbrechertribunals.

Aber die Sie­ger­mäch­te ver­hin­der­ten in Nürn­berg jede Erör­te­rung und Ankla­ge gegen alli­ier­te Kriegs­ver­bre­chen. Dar­über hin­aus ver­bot die Sie­ger­ju­stiz aus­drück­lich den Ver­tei­di­gern der deut­schen Ange­klag­ten den Rück­ver­weis auf alli­ier­te Kriegsverbrechen:
Das Recht­s­ar­gu­ment „tu quo­que“ – „du auch“ oder glei­ches Maß für glei­chen Tat­be­stand – wur­de im Nürn­ber­ger Pro­zess­recht expli­zit unter­sagt. Auf die­sem Wege ver­hin­der­ten die Alli­ier­ten als Gerichts­her­ren, dass die von Hit­ler befoh­le­nen kriegs­ver­bre­che­ri­schen Städ­te­bom­bar­die­rung von War­schau, Lon­don, Bel­grad und Sta­lin­grad nicht ange­klagt und geahn­det wurde.

Schlim­mer noch für die Zukunft soll­te sich aus­wir­ken, dass mit der Ver­let­zung des grund­le­gen­den juri­sti­schen Gleich­be­hand­lungs­ge­bo­tes die Völ­ker­rechts­spre­chung nach­hal­tig beschä­digt wur­de: die Füh­rer sieg­rei­cher Groß­mäch­te brau­chen bis heu­te kei­ne Ankla­ge zu Kriegs­ver­bre­chen fürch­ten. So wagt es der Inter­na­tio­na­le Gerichts­hof in Den Haag nicht, Geor­ge W. Bush und sei­ne Regie­rung anzu­kla­gen wegen des Irak-Kriegs 2003.

In die­sem Fall ist unbe­strit­ten, dass die US-Regie­rung damals betei­ligt war an der „Pla­nung und Durch­füh­rung eines Angriffs­kriegs“ – den ersten bei­den der vier Haupt­ankla­ge­punk­te im Nürn­ber­ger Kriegsverbrechertribunal .

Premierminister Chamberlain sprach das Urteil über die britischen Bombardements

Es gibt aller­dings ein mora­li­sches Urteil über die bri­ti­schen Bom­bar­de­ments der deut­schen Städ­te mit bis zu 600.000 Zivil­to­ten. Das hat­te der Vor­gän­ger des bri­ti­schen Pre­mier­mi­ni­sters Win­s­ton Chur­chill aus­ge­spro­chen. Nevil­le Cham­ber­lain erklär­te am 21. Juni 1938 vor dem Bri­ti­schen Unterhaus:

„Erstens ver­stößt es gegen das Völ­ker­recht, Zivil­per­so­nen als sol­che zu bom­bar­die­ren und die Zivil­be­völ­ke­rung vor­sätz­lich anzugreifen.“

„Zwei­tens müs­sen Zie­le, die aus der Luft beschos­sen wer­den, legi­ti­me mili­tä­ri­sche Zie­le sein und iden­ti­fi­ziert wer­den können.“

„Drit­tens muss der Angriff auf die­se Zie­le mit ange­mes­se­ner Sorg­falt aus­ge­führt wer­den, damit nicht aus Unacht­sam­keit Zivil­per­so­nen in der nähe­ren Umge­bung bom­bar­diert werden.“

Zur wei­ter­füh­ren­den Lek­tü­re emp­foh­len: A.C. Gray­ling: Die toten Städ­te. Waren die alli­ier­ten Bom­ben­an­grif­fe Kriegs­ver­bre­chen? deutsch 2007, und der Wiki­pe­dia: Bom­ben­an­griff auf Würz­burg am 16. März 1945.

Text: Hubert Hecker
Bild: s. Web­links zum Wikipedia-Eintrag

13 Kommentare

  1. Die Ter­ror­an­grif­fe gegen die Städ­te im letz­ten Kriegs­jahr sind ver­gleich­bar mit den Mas­sen­mor­den in den Vernichtungslagern.
    Ich wür­de sagen, daß Deutsch­land seit 1933 (bis 1945) ein sata­ni­sches Regime hat­te- und danach mit den frei­mau­re­ri­schen Sie­ger­mäch­ten in Ost und West ja eben­falls- und vie­le Deut­sche ja zuerst die Opfer die­ser Dämo­nen gewor­den sind. Wider­stand dage­gen wur­de mit Mord geahndet.
    Ja: teil­wei­se konn­te sich das Böse durch­set­zen wegen der Ver­sail­ler Schund­ver­trä­ge von 1919, als man Deutsch­land die allei­ni­ge Kriegs­schuld am 1. Welt­krieg gab und auch höch­ste Repe­ra­ti­ons­zah­lun­gen ver­lang­te. Die Fol­ge: Zusam­men­bruch der Wirt­schaft, rie­si­ge Infla­ti­on und wei­te Ver­ar­mung des gesam­ten Vol­kes. Es waren aber Frei­mau­rer­krei­se in Eng­land und anders­wo, die den Mord in Sara­je­wo anord­ne­ten, wodurch dann eine Spi­ra­le in Gang gesetzt wurde.

    Es ging und geht, auch heu­te aktu­ell, den Frei­maue­rern dar­um, Deutsch­land aus­zu­lö­schen. Die Mut­ter­got­tes hat dies der Ida Peer­de­mann (von Amster­dam) sehr deut­lich, offen, deco­diert mitgeteilt.
    War­um Deutsch­land?- Deutsch­land (mit Öster­reich) war mit sei­nen Köni­gen und Kai­sern immer Schutz­herr der römisch-katho­li­schen Kir­che, der Kir­che Chri­sti also, gewe­sen. Daher der Haß von den Anhän­gern Satans, die spä­te­stens seit der sog. Fran­zö­si­schen Revo­lu­ti­on in der Poli­tik das Sagen haben. Auch der Vati­kan­staat wur­de im 19 Jh. von Frei­mau­rern zer­stört und der Papst prak­tisch ein­ge­sperrt. Man nann­te und nennt das „fort­t­schritt­lich“: fast alle Geschichts­bü­cher sind feimaurerisch/satanisch weit­ge­hend ver­seucht- und „wir Dep­pen“ glau­ben das alles zunächst- als Schü­ler usw.
    Die gro­ße Poli­tik ist frei­mau­re­risch ver­seucht wie etwa das Abstim­mungs­er­geb­nis im EU-Par­la­ment zur End­lö­sung der „Kin­der­fra­ge“ vor weni­gen Tagen mal wie­der deut­lich gemacht hat. Des­we­gen herrscht ja auch kras­ses Unrecht.
    Dar­um: beten, den Rosen­kranz beten, immer, immer und immer; auf­op­fern, die Bösen seg­nen, beich­ten, die hl. Eucha­ri­stie in Wür­de und Demut, Lie­be emp­fan­gen, Buße tun wie die Mut­ter­got­tes in Fati­ma und vie­len ande­ren Orten immer wie­der anmahnt. Davon hängt alles ab.

    Man wird die Schul­di­gen an den Bom­bar­de­ments hier auf Erden nicht bestra­fen, aber es gibt ja Got­tes Gericht.

    • Die­se Flä­chen­bom­bar­de­ments und Total­zer­stö­run­gen zivi­ler Innen­städ­te durch geziel­te Über­flü­ge waren eine Eska­la­ti­on und schwer­ste Ver­bre­chen. Auch im Land Baden blieb in fast kei­ner Stadt auch nur ein Stein auf dem ande­ren, selbst klei­nen Städt­chen wie Achern. Schlimm auch die tota­le Zer­stö­rung der Schmuck- und Uhren­stadt Pforz­heim, aber auch der Innen­städ­te von Karls­ru­he und Mannheim.

      Ich möch­te noch ein­mal auf die wun­der­ba­re Erret­tung Rastatts durch die Got­tes­mut­ter erin­nern, das Anfang Janu­ar 1945 eben­falls total zer­stört wer­den soll­te mit über 1000 schwe­ren Flie­ger­bom­ben, die jedoch alle ihr Ziel ver­fehl­ten — durch die Für­spra­che Mariens.
      Agnes Feld­haus hat als Zeit­zeu­gin davon berich­tet in einer klei­nen Bro­schü­re. lei­der ist die katho­li­sche Gemein­de Rastatts heu­te nicht mehr bereit, der Got­tes­mut­ter die not­wen­di­ge Ehre zukom­men zu las­sen oder gar das damals for­mu­lier­te gelöb­nis ihr gegen­über ein­zu­hal­ten — ein Trau­er­spiel. http://zeitschnur.blogspot.de/2014/10/marianische-gedanken-iii-mulier-amicta.html

      Zu den Schand­ta­ten der Alli­ier­ten gehört in die­sem Zusam­men­hang selbst­ver­ständ­lich auch die ver­hee­ren­de Bom­bar­die­rung Tokios und dann die noch ver­hee­ren­de­ren Atom­bom­ben­ab­wür­fe auf Naga­sa­ki und Hiroshima.

      Aber ins­be­son­de­re die Rus­sen und Ame­ri­ka­ner haben ja nach dem 2. Welt­krieg gera­de wei­ter­ge­macht und sind Urhe­ber der Zer­stö­rung gan­zer Natio­nen, die sich nur schwer oder bis heu­te gar nicht mehr erho­len konn­ten: z.B. Viet­nam oder ande­rer­seits Afgha­ni­stan, das zuerst von den Rus­sen besetzt und miss­braucht wur­de. Mit die­ser dama­li­gen rus­si­schen Inter­ven­ti­on begann das Desa­ster, unter dem das Land heu­te immer noch stöhnt!

      • Ja — gera­de letz­te­res ist eine Erfül­lung der Pro­phe­tie von Fati­ma, die vie­le Katho­li­ken heu­te auch nicht mehr hören wollen. 

        Es wür­den, sag­te die Got­tes­mut­ter damals, eini­ge Natio­nen zer­stört wer­den. Und genau dies ist auch geschehen.

        Aller­dings hat sich Deutsch­land ver­gleichs­wei­se gut vom Krieg erholt, eben­so Österreich.

        @ Fran­zel

        Ihre Sicht erscheint daher etwas sehr als die Nabel­schau eines Deut­schen oder Öster­rei­chers. Und Amster­dam ist auch hier sehr zweifelhaft!

        Tat­sa­che ist nicht nur, dass unge­zähl­te Völ­ker seit Fati­ma nahe­zu unter­ge­gan­gen oder total ver­wü­stet wur­den, Deutsch­land und Öster­reich aller­dings nicht dazu gehö­ren — trotz allem!

        Son­dern Tat­sa­che ist auch, dass die­se Mär von der „Schutz­macht“ ein Witz hoch drei ist, der in Tra­di­k­rei­sen ein­fach nicht ver­sach­licht wer­den kann.
        Die­se „Schutz­macht“ hat seit Jahr­hun­der­ten, wenn nicht bald Jahr­tau­sen­den, nur des­halb auf „Schutz­macht“ gemacht, weil sie Kon­kur­renz zum Papst­tum in der Nach­fol­ge des römi­schen Rei­ches war.

        Ich habe neu­lich die ent­spre­chen­de Ein­schät­zung Leos XIII. dazu zitiert. Und es spricht durch­aus für sich, dass Pius X. dies end­gül­tig abge­stellt hat. Nun war aber auch schon vor der franz. Revo­lu­ti­on Öster­reich eben­so ver­kom­men wie Frank­reich in die­ser Hinsicht: 

        Sowohl Lud­wig der XIV. hat den unter ihm eska­lie­ren­den Gal­li­ka­nis­mus, in dem sich der König zum geist­li­chen Ober­haupt auf­bre­zel­te und den Papst weg­kick­te (was der­sel­be streng­stens beklag­te und ohne Erfolg abwies!), als auch der öster­rei­chi­sche Jose­phi­nis­mus fuh­ren eine ein­deu­tig kon­kur­ren­te Stra­te­gie zum Papst­tum und woll­ten sich die Rech­te des Pap­stes in ihrem Land anma­ßen. Auch dies ver­ur­teil­te Rom ohne Erfolg.

        Nicht zuletzt brach sich die­ser rebel­li­sche Geist gegen die Kir­che am kras­se­sten im Pro­te­stan­tis­mus Bahn und im West­fä­li­schen Frie­den, der Unter­ta­nen dazu zwang, die Reli­gi­on des Lan­des­her­ren anzu­neh­men — so, als ob der die geist­li­che Ober­ge­walt hät­te und eben nicht der Bischof oder der Papst.

        Auch das, ver­ehr­ter Fran­zel, ist deut­sches, genu­in deut­sches Erbe.
        Das kann Ihrem Frei­mau­rer­ge­spenst doch gera­de recht sein, so ein Land eben gera­de nicht zu zerstören!
        Und so wars ja auch: wäh­rend heu­te die hal­be Welt in Schutt und Asche liegt: Deutsch­land und Öster­reich hat man wirt­schaft­lich auf­ge­bla­sen oder sich wie­der auf­bla­sen las­sen. Und alle Welt kommt zu uns, weil sie hier eine Zukunft ver­mu­tet, die sie zuhau­se nicht mehr hat!

        Nicht zuletzt war es die deut­sche Theo­lo­gie, die das Vati­ca­num II vor­be­rei­tet hat, und der hl. Papst Pius X., der so rigo­ros über­all anders­wo durch­ge­grif­fen hat, ist hier ein­ge­knickt und hat die deut­schen Pro­fes­so­ren unbe­hel­ligt gelas­sen vom Antimodernisteneid.

        Also der Wahn vom armen Deutsch­land liegt histo­risch total daneben.
        Und auch aktu­ell muss man zuge­ste­hen, dass die­se „Selbst­zer­stö­rung“, die wir hier erle­ben, unse­re Nach­barn teil­wei­se noch schlim­mer durch­füh­ren — allen vor­an Eng­land und Frankreich.

  2. Also geehr­te zeit­schnur: ich bin kein „Deutsch­tüm­ler“. Ich erken­ne aber, daß man mit Deutsch­land ein fal­sches Spiel spielt (immer noch) wie es die Mut­ter­got­tes der Ida Peer­de­man in Amster­dam so wört­lich sagte.
    Ich weiß (wer wüß­te es nicht?), daß vie­le Deut­sche gegen die eige­ne Nati­on, die Hei­mat und das Vater­land ein­ge­stellt sind. Das kommt daher, weil der Name Deutsch­land christ­lich geprägt ist und so vie­le heu­te und schon vor­her mein­ten, ohne den die rk Kir­che und die wah­ren Leh­ren leben zu sol­len. Eine fata­le, kras­se Fehl­ent­schei­dung. Ohne die Bekeh­rung zu Jesus Chri­stus in der hl. rk Kir­che vor 1000 Jah­ren und mehr gäbe es kein „Deutsch­land“. Die eigent­li­che „Bekeh­rung“ kann man sogar datie­ren auf das Jahr 498: das war das Jahr der Tau­fe des Fran­ken­kö­nigs Chlod­wig. Deutsch­land, Frank­reich und Bene­lux gehö­ren zusam­men. In die­ser Tau­fe durch den hl. Bischof Remi­gius in Reims wur­de auch das spä­te­re Deutsch­land getauft. Welch ein gro­ßer Tag, der 8.7.1962, als sich Kon­rad Ade­nau­er und Charles de Gaul­le in der Kathe­dra­le zu Reims als Reprä­sen­tan­ten bei­der Völ­ker versöhnten!

    Deutsch­land mit Öster­reich waren mit dem Papst das bevor­zug­te Angriffs­ziel der Frei­mau­re­rei und sinds bis heu­te geblie­ben. Bei­de Län­der haben sich noch lan­ge nicht erholt von all dem Wider­wär­ti­gen und den inne­ren Ver­wü­stun­gen, was ande­re und auch die eige­nen Lands­leu­te mit ihnen ange­stellt hat­ten- in all den Jahrhunderten.
    D und Ö befin­den sich am Abgrund. Der Mate­ria­lis­mus der west­li­chen Frei­mau­re­rei zu wel­chem auch der Marxismus/Kommunismus gehört, hat Deutsch­land nicht auf die Bei­ne gebracht, son­dern noch wei­ter zer­stört. Man soll sich von dem Wohl­stand, den vie­len Din­gen nicht täu­schen las­sen lie­be zeit­schnur. Das ist nur Fas­sa­de, nur Fas­sa­de und Augenwischerei.

    • Also Fran­zel, wirk­lich in Ehren, aber „Län­der“ kön­nen nicht „getauft“ wer­den. Es ist empi­risch zwar rich­tig, dass ein Land, des­sen Regie­rung sich bekehrt, dies zu den Bür­gern wei­ter­gibt. Aber es ist eine Illu­si­on, von einem „getauf­ten Land“ zu sprechen.
      Ihre Kon­struk­ti­on von Chlod­wig eben­falls in Ehren — aber die Fran­zo­sen sehen ihn als den ihren an und daher nann­te man auch in der Kir­che nicht Deutsch­land, son­dern Frank­reich die „erste Toch­ter der Kirche“.

      Mir ist es wich­tig, hier nicht wegen einer zwei­fel­haf­ten Erschei­nung in Amster­dam die Rea­li­tä­ten aus dem Auge zu verlieren.

      Der Name Deutsch­land ist kei­nes­wegs Syn­onym fürs Katholische!
      Gera­de Deutsch­land ist der Aus­gangs­punkt der Reformation.
      Schon vergessen?

      Es ist sicher wahr, dass vie­le Deut­sche nach dem 2. WK ein gespann­tes, pein­li­ches Ver­hält­nis zur Nati­on hat­ten. Das rührt aber auch daher, dass es ein geein­tes „Deutsch­land“ erst seit 1871 gab. Gera­de die Deut­schen sind eines der zer­klüf­tet­sten und viel­fäl­tig­sten „Völ­ker“, und das Rin­gen um die Fra­ge, wer denn eigent­lich alles zu „Deutsch­land“ gehö­ren kön­ne, wur­de 1848/49 mit klein- und groß­deut­schen Theo­rien aus­führ­lichst und im Prin­zip ohne kla­res Ergeb­nis diku­tiert. Der Rück­zug der mei­sten Deut­schen auf ihre land­schaft­li­che Her­kunft hat nicht nur mit dem 3. Reich zu tun, son­dern viel mehr noch mit der dezen­tra­len histo­ri­schen deutsch­spra­chi­gen Landschaft.

      Ohne­hin soll­te man nicht ein poli­ti­sches Kon­strukt des 19. Jh („Völ­ker“ im Sin­ne der „Kul­tur­na­ti­on“) als Erklä­rungs­mo­dell über die Histo­rie legen. Das wäre ideologisch.

      Gro­ßen Raum nahm auch ein die Fra­ge, inwie­fern man Staats­na­ti­on und Kultru­n­a­ti­on kon­gru­ent bekom­men kön­ne — und genau das hat nicht funktioniert!
      Bis heu­te nicht.
      Hit­ler ist die­sem Wahn mit sei­nem groß­deut­schen Reich noch mal nach­ge­gan­gen, aber er konn­te damit nur scheitern.
      Das Hei­li­ge römi­sche Reich ver­stand sich ja nicht pri­mär als „deutsch“, son­dern als Nach­fol­ge­ge­bil­de des römi­schen „Welt­krei­ses“. Und wenn man in der spä­te­ren Neu­zeit dann das Attri­but „deut­scher Nati­on“ hin­zu­setz­te, ist das kei­nes­wegs im Sin­ne eines Natio­nal­be­grif­fes, wie das 19. Jh ihn präg­te, ideo­lo­gisch zu verstehen.

      Das Hei­li­ge römi­sche Reich aber ist gera­de auf deut­schem Boden schon vor 500 Jah­ren schmerz­lich Aus­gangs­punkt des mas­si­ven Glau­bens­cha­os gewe­sen und geblieben!

      • Lie­be zeit­schnur: die Bot­schaf­ten der Mut­ter­got­tes an Ida Peer­de­man sind wahr und kirch­lich aner­kannt. Maria hat dar­in mehr­mals auf Deutsch­land ver­wie­sen und sag­te auch, daß mit Deutsch­land eine fal­sche Rol­le gespielt werde.
        Wer will das bezwei­feln? Es kommt ja nicht von unge­fähr, daß die Deut­schen nicht mehr ein und aus wis­sen- und sich dann auch zurück­zie­hen und prak­tisch alles schlucken, in der Regel.
        Der Begriff Deutsch­land ist ohne die Über­nah­me der christ­li­chen Bot­schaft nicht zu ver­ste­hen. Das wäre so, als wür­de man bei einem Baum die unsicht­ba­ren Wur­zeln nicht sehen wol­len. Und die Wur­zeln rei­chen ja bereits zurück in die Römer­zeit und vor allem in die gro­ße Fran­ken­zeit. Auch wenn das den Deut­schen nicht gesagt wird, bleibt es doch wahr. Nur nicht so klein­ka­riert den­ken lie­be zeitschnur.
        Mit Deutsch­land ist in erster Linie, war­um muß ich Ihnen das sagen?, das Volk gemeint. Und das Volk wird seit 500 Jah­ren oder so betro­gen: von Lands­leu­ten zunächst wie auch zuneh­mend dann von „außen“.
        Es ist und bleibt für Deutsch­land lebens­not­wen­dig, mit „Rom“ ver­bun­den zu sein und zu blei­ben. Dar­um gehts doch und dage­gen wird seit Jahr­hun­der­ten von fal­schen Men­schen ange­gan­gen mit aller Kraft und Pro­pa­gan­da und lei­der von star­ken Kräf­ten inner­halb der Kir­che von heu­te; neben all den Ideo­lo­gen und Frei­mau­rern. Und dar­in besteht das „Unglück“ Deutsch­lands wie auch ande­rer Völ­ker Europas.

      • Klein­ka­riert?
        Ich will nicht dar­über nach­den­ken müs­sen, auf wen von uns bei­den das eher zutrifft, wür­de aber vor allem dar­um bit­ten, sol­che Belei­di­gun­gen zu unter­las­sen und auf der Argu­men­ta­ti­ons­ebe­ne zu bleiben.

        Amster­dam wur­de erst nach dem Jahr 2000 aner­kannt in der nach­kon­zi­lia­ren „Kir­che“. Das ist für mich nicht „kirch­lich anerkannt“.

        Klein­ka­riert ist allei­ne das natio­na­li­sti­sche oder über­haupt das Natio­nal­den­ken. Im übri­gen war das unter wah­ren Katho­li­ken im 19. Jh noch ein­hel­li­ge Übereinstimmung!

        Nicht zuletzt haben die Päp­ste des 19. Jh es voll­stän­dig abge­lehnt. Auch noch der letz­te Papst des 19. Jh, Leo XIII. hat aus­drück­lich dem wüten­den und gras­sie­ren­den Natio­nal­den­ken mäßi­gend die Mah­nung zur Vater­lands-/Hei­mat­lie­be als einer natür­li­chen Regung ent­ge­gen­ge­setzt, der die Zuge­hö­rig­keit zum völ­ker­über­span­nen­den Reich Got­tes jedoch immer vor­ge­la­gert ist.

        Der Pro­te­stan­tis­mus hat­te aber schon vor Jahr­hun­der­ten mit dem cui­us regio eius reli­gio-Prin­zip erzwun­gen, sich künf­tig nicht mehr auf das Reich Got­tes als Ziel­grö­ße, son­dern auf den Lan­des­her­ren, in der wei­te­ren Ent­wick­lung auf die Nati­on zu stüt­zen. In unse­li­ger Fort­set­zung hat die­ses Prin­zip auch in katho­li­schen Län­dern nach hef­ti­gen Kon­vul­sio­nen bereits im Mit­tel­al­ter sei­ne Frat­ze gezeigt — im Gal­li­ka­nis­mus und im Josefinismus.

        Eini­ge ernst­haf­te Schrift­stel­ler der katho­li­schen Kir­che, die im Ein­klang mit dem Lehr­amt waren und nicht ihre poli­ti­schen Son­der­ler­hen ent­wickel­ten, sahen im Natio­nal­den­ken mit recht eine Fol­ge des Pro­te­stan­tis­mus und des schis­ma­ti­schen Agie­rens und eine Vor­stu­fe zum Anti­christ. Sie leg­ten dabei die Aus­sa­ge Jesu, es wer­de sich ein Volk gegen das ande­re erhe­ben zugrun­de, wobei es zur Lar­moy­anz jedes Natio­na­lis­mus gehört, in sei­nen Ange­hö­ri­gen den Wahn des „Zukurz­ge­kom­men­seins“ oder der „Aus­gren­zung“ oder „Aus­beu­tung“ zu erzeu­gen. Jede Nati­on hat die­sen Wahn, sehen Sie sich doch um!

        Öff­nen Sie doch Ihre Augen: wel­che Nati­on um uns her steckt nicht in tief­sten Pro­ble­men, schrei­tet am Abgrund entlang?
        Jede frisst offen oder ver­steckt vom Fleisch der ande­ren. Jede! Auch das aller­ärm­ste Deutsch­land mit sei­nem noch bedau­er­li­che­ren Brü­der­chen Österreich.

        Das ist die fal­sche Blick­rich­tung. Ich blei­be dabei. Vor allem blei­be ich dabei, weil alle nich recht­gläu­bi­gen Päp­ste das Natio­nal­den­ken ein­deu­tig abge­lehnt haben. Es ist antichristlich.

        Zuvor waren es nur ein paar Natio­nen, die ande­re unter­war­fen und bereits das Gesicht des Anti­chri­sten zeig­ten. So das alte römi­sche Reich.

        Heu­te ist jeder noch so schwa­che Stamm der stol­zen Mei­nung, er müs­se sich in ähn­li­cher Wei­se pro­fi­lie­ren und in der welt ein biss­chen Welt­macht spie­len. Der Anti­christ gebiert so nur noch mehr Köp­fe, als er sie zuvor schon hatte.

        Mit die­sem Geist hat ein ech­ter Katho­lik nichts zu tun.

  3. Die unge­ahn­de­ten Kriegs­ver­bre­chen der Siegermächte.
    Ein guter und wich­ti­ger Bei­trag. Über der bis zum Über­druss betrie­be­nen stän­di­gen deut­schen Ver­gan­gen­heits­be­wäl­ti­gung und Selbst­zer­flei­schung sind die Ver­bre­chen der ande­ren völ­lig in den Hin­ter­grund gerückt.
    Ver­söh­nung kann es aber nur geben, wen alles Unrecht aller Sei­ten abge­ar­bei­tet ist. Ein­sicht, Reue und die Bit­te um Ver­ge­bung stün­den auch den Eng­län­dern, den Rus­sen und den Ame­ri­ka­nern gut an. Aber was geschieht? Als etwa der Opfer des Nie­der­bren­nens Dres­dens gedacht wer­den soll­te, wur­de eilends die Naz­i­keu­le her­vor­ge­holt und das Geden­ken zwangs­wei­se auf alles und jedes aus­ge­dehnt und damit ver­wäs­sert. So ähn­lich wird es auch mit dem Geden­ken an 70 Jah­re Zer­stö­rung Würz­burgs passieren.

  4. Der Krieg ver­roht die Men­schen; wie län­ger desto mehr; und bis in ein unglaub­li­ches Ausmaß.

    Mili­tä­risch nicht not­wen­dig ist vie­les; mili­tä­risch mög­lich fast genau soviel.

    Ein­mal die Bom­ber­waf­fe geschaf­fen und auf mili­tä­ri­sche Zie­le ein­ge­setzt, hat man fest­stel­len müs­sen daß sie zu der Aus­schal­tung von mili­tä­ri­schen Zie­len und Kriegs­in­du­strie­an­la­gen damals nicht sehr effi­zi­ent war und selbst gro­ße Ver­lu­ste einsteckte.
    Es war eine logi­sche Ent­wick­lung daß dann zivi­le Zie­le anvi­siert wur­den: häu­fig nicht gut ver­tei­digt (eine leich­te Beu­te), sehr viel Zer­stö­rung, demon­strier­te Haß auf die Kul­tur und das Leben des geg­ne­ri­schen Volkes.
    Das ist natür­lich Ter­ror von Zivilisten;
    zuglei­cher­zeit ist es das Pen­dant des Kon­zept des „Tota­len Krieges“(Total War), wor­an die west­li­che Welt schon seit der Fran­zö­si­schen Revo­lu­ti­on bastelt („Ein Volk in Waffen“).

    Nicht zu ver­ges­sen: der Krieg ging in sei­nen letz­ten Wochen:
    Der Rhein war schon bei Rema­gen über­quert, das lin­ke Rhein­ufer bei Köln schon besetzt, bei Wesel, Roer­mond und Ven­lo tob­ten hef­ti­ge Kämp­fe für eine zwei­te Rhein­über­que­rung, in dem Schwarz­wald wur­de erbit­tert gekämpft durch die Fran­zo­sen, die Sowjets und Polen stan­den vor den See­lower Höhen und dran­gen schon in Öster­reich hin­ein- und über­all wur­de zum Wider­stand bis zum bit­te­ren Ende aufgerufen.
    Über­all Scharf­schüt­zen, Pan­zer­fäu­sten, Minen und Sprengladungen.
    Kaum Kapitulation.
    Kein Befehls­ha­ber ver­liert am Ende eines Krie­ges ger­ne Männer.
    Und das Wet­ter wur­de- nach sehr viel Nebel und Regen- Mit­te März 1945 sehr schön;
    her­vor­ra­gend geeig­net für Fliegerangriffe.
    Und Würz­burg hat­te in der NS-Zeit eine radi­kal-natio­nal­so­zia­li­stisch gesinn­te Bürgerverwaltung. 

    Der Psal­mist wuß­te schon daß die Sün­de ver­strickt, sich ten­den­zi­ell ausbreitet.
    Ganz sinn­los war die Bom­bar­die­rung von Würz­burg jedoch nicht:
    bei den Kampf­hand­lun­gen in Würz­burg drei Wochen spä­ter kamen ca. 109 deut­sche Sol­da­ten ums Leben (davon meh­re­re Kin­der­sol­da­ten und alte Volks­sturm­män­ner); bei den Kampf­hand­lun­gen in Nürn­berg (sog. Schlacht bei Nürn­berg, ca. 20. April 1945) fie­len in etwa einer Woche ca. 600 Sol­da­ten (der deut­sche Kampf­kom­man­dant war übri­gens identisch).
    Das ist für mich das Frap­pie­rend­ste an der End­pha­se des „Drit­ten Rei­ches“: der unge­heu­re Fana­tis­mus, womit auch Anders­den­ken­de bekämpft wur­den, die tota­le Ver­blen­dung und die Rück­sichts­lo­sig­keit womit Unschul­di­gen geop­fert wurden.
    Ne in Furo­re argu­as me, Domine

  5. Ich dan­ke allen usern für ihre wert­vol­len Kom­men­ta­re. 1941 als Schwei­zer­kind gebo­ren habe ich die­se Gräu­el nur peri­pher erlebt (wir wohn­ten ganz an der Gren­ze zu Deutsch­land) — ich höre heu­te noch das tie­fe Grol­len der nied­rig­flie­gen­den Mit­li­tär­flug­zeu­ge, das Gehäul der Sire­nen, ich sehe die Trä­nen unse­rer Mut­ter in furcht­ba­rer Angst vor einer bedroh­li­chen Zukunft — aber ich höre noch heu­te die Glocken, wel­che den Frie­den 1945 ver­kün­de­ten. Doch was ist das gegen all die­se infer­na­li­schen Lei­den, die die­se armen vom Krieg betrof­fe­nen Men­schen erlit­ten und erdul­det haben. Was ist doch der Krieg eine furcht­ba­re Rea­li­tät, die alles zer­stört, ver­roht soviel Gutes, Wert­vol­les und Schö­nes zunich­te und sei­ne Bewoh­ner. Doch was mich am mei­sten ver­stört hat war der dann aus­bre­chen­de Hass gegen alles, was Deutsch­land betraf-sei­ne Bewohner.-alles was mit die­sem schö­nen Land zusam­men geht. Das hat in mir sofort Antikräf­te geweckt-ich habe die­ses Land, sei­ne wun­der­ba­ren Men­schen sosehr geach­tet und geliebt-und ich bin eigent­lich nie ent­täuscht wor­den. Krieg ist immer etwas Abscheu­li­ches, er bringt nur Ver­lust, Hass und Tod. Man hat mir erzählt wäh­rend des Krie­ges hät­ten die Leu­te bei uns in der Stifts­kir­che Tag und Nacht gebe­tet-man hät­te die Leu­te her­aus­trei­ben müs­sen damit die Sol­da­ten­got­tes­dien­ste gefei­ert wer­den konn­ten-wie schnell ver­ges­sen wir doch die Wohl­ta­ten Got­tes, die Für­bit­te von Bru­der Klaus-beson­ders den Schutz­man­tel der Aller­se­lig­sten Jung­frau-alles was der Him­mel an Ver­schoh­nung und unver­dien­te Gna­de gewährt hat!

Kommentare sind deaktiviert.