Papst Franziskus mag Don Giussanis „Comunione e Liberazione“ (CL) nicht — mit sechs Ausnahmen

7. März 2015: Treffen von Papst Franziskus mit CL
7. März 2015: Tref­fen von Papst Fran­zis­kus mit CL

(Rom) Wie ist das Ver­hält­nis von Papst Fran­zis­kus zu den gro­ßen neu­en Gemein­schaf­ten? Mit der Cha­ris­ma­ti­schen Bewe­gung ver­steht sich Fran­zis­kus präch­tig, egal ob sie katho­lisch ist oder nicht. Glei­ches gilt von der Foko­lar­be­we­gung, die er auf­for­der­te, dem Bei­spiel ihrer Grün­de­rin Chia­ra Lub­ich zu fol­gen und den öku­me­ni­schen und inter­re­li­giö­sen Dia­log fort­zu­set­zen. Sogar mit dem Neo­ka­techu­me­na­len Weg ist er herz­li­cher als je zuvor. Die vor einem Jahr geäu­ßer­ten Vor­hal­tun­gen sind ver­ges­sen. Inzwi­schen hat er des­sen Cha­ris­ma gut­ge­hei­ßen, beson­ders das mis­sio­na­ri­sche. Distan­ziert bleibt das Ver­hält­nis hin­ge­gen zu Com­u­nio­ne e Libe­ra­zio­ne (CL), der von Don Lui­gi Giu­s­sa­ni 1954 gegrün­de­ten Gemeinschaft.

Auf eine Audi­enz ließ er die­se Gemein­schaft am läng­sten von allen war­ten. Als es doch end­lich soweit war, zeig­te sich Papst Fran­zis­kus kalt und mür­risch. Don Giu­s­sa­ni wur­de mit sei­nen Büchern in die Biblio­thek gestellt und damit aus dem akti­ven Blick­feld ent­fernt. „Das Grün­dungs­cha­ris­ma von CL hat Fran­zis­kus nicht gut­ge­hei­ßen, son­dern auf den Index gesetzt“, so der Vati­ka­nist San­dro Magi­ster. CL wird seit dem Tod von Don Giu­s­sa­ni im Jahr 2005 vom spa­ni­schen Prie­ster Juli­an Car­ron gelei­tet. Die Gemein­schaft ist in Latein­ame­ri­ka stark verankert.

CL füllte Petersplatz für Begegnung mit Papst Franziskus

Don Giu­s­sa­ni sag­te in den har­ten Jah­ren des Stu­den­ten­pro­te­stes und der Ein­sam­keit von Paul VI., daß CL ein­mal soweit kom­men müs­se, den Peters­platz allein fül­len zu kön­nen und sich um den Papst zu scha­ren. Das gelingt schon seit eini­ger Zeit pro­blem­los. Vor einer Woche, am 7. März füll­te Com­u­nio­ne e Libe­ra­zio­ne den gan­zen Peters­platz, um die Ver­bun­den­heit mit Petrus zum Aus­druck zu brin­gen. Und viel­leicht auch, um den Papst etwas mil­de zu stim­men. Doch die­ser ließ sich nicht beein­drucken. Gegen die „Selbst­be­zo­gen­heit“ jener, die sagen „Ich bin CL“ äußer­te der Papst in sei­ner Anspra­che ätzen­de Kri­tik. Die so zahl­reich und in Fest­stim­mung ange­rei­sten CL-Ange­hö­ri­gen lausch­ten irri­tiert und unsi­cher dar­über, wie genau der har­te Vor­wurf des Pap­stes zu ver­ste­hen sei.

Distanz zu CL von Don Giussani — Nähe zum CL-Zirkel von Don Tantardini

Don Giussani und Johannes Paul II.
Don Giu­s­sa­ni und Johan­nes Paul II.

Es stimmt zwar, daß Jor­ge Mario Ber­go­glio eini­ge Bücher von Don Giu­s­sa­ni gele­sen hat, wor­an er selbst erin­ner­te. Von Com­u­nio­ne e Libe­ra­zio­ne (CL) kennt der Argen­ti­ni­er aber nur einen Teil. Sei­ne Freun­de, mit denen er seit vie­len Jah­ren Kon­takt pflegt, gehö­ren alle dem römi­schen CL-Zir­kel an, der von Don Gia­co­mo Tan­t­ar­di­ni gelei­tet wur­de. Die­ser Zir­kel gab die inter­na­tio­na­le Monats­zeit­schrift 30 Gior­ni her­aus, die eini­ge Jah­re auch in einer deut­schen Aus­ga­be erschie­nen ist. Eine Zeit­schrift, die zwar als CL-nahe galt, von CL selbst aber nie als offi­zi­el­le Publi­ka­ti­on der Gemein­schaft aner­kannt wurde.

Heu­te wan­deln Don Giu­s­sa­ni und Don Tan­t­ar­di­ni nicht mehr auf Erden. Das Netz von Ber­go­gli­os CL-Freun­den ist aber leben­di­ger denn je. Und es ist im Medi­en­be­reich in vol­lem Ein­satz, um Gewehr bei Fuß den regie­ren­den Papst zu unter­stüt­zen, ganz egal was er sagt oder tut.

Die sechs Papst-Freunde des römischen CL-Zirkels

Noch am Abend sei­ner Wahl zum Papst tätig­te Fran­zis­kus eini­ge Tele­fon­an­ru­fe. Der erste galt Ste­fa­nia Falas­ca vom römi­schen CL-Zir­kel. Das will etwas bedeu­ten. Falas­ca wur­de inzwi­schen zur Chef-Leit­ar­ti­kle­rin des Avve­ni­re, der Tages­zei­tung der Ita­lie­ni­schen Bischofs­kon­fe­renz. Auch das will etwas bedeuten.

Ihr Ehe­mann, Gian­ni Valen­te, arbei­tet für den vati­ka­ni­schen Pres­se­dienst Fides. Dort ent­fal­tet er rege Initia­ti­ven einer Par­al­lel­di­plo­ma­tie an einer ganz beson­de­ren Front, jener der Bezie­hun­gen zwi­schen dem Hei­li­gen Stuhl und der Volks­re­pu­blik Chi­na. Initia­ti­ven, die von Kar­di­nal Joseph Zen, eme­ri­tier­ter Bischof von Hong Kong und unum­strit­te­ne Auto­ri­tät der chi­ne­si­schen Katho­li­ken, beson­ders der ver­folg­ten Unter­grund­kir­che, scharf kri­ti­siert wer­den. Valen­te gehört zudem zur Spit­ze des Infor­ma­ti­ons­por­tals Vati­can Insi­der.

Das 2011 von Andrea Tor­ni­el­li und ande­ren Vati­ka­ni­sten gegrün­de­te mehr­spra­chi­ge Por­tal zählt heu­te zu den meist­ge­le­se­nen Nach­rich­ten­sei­ten rund um die Katho­li­sche Kir­che. Tor­ni­el­li, der Grün­der und Len­ker von Vati­can Insi­der besitzt unter Fran­zis­kus das Pri­vi­leg, per­sön­li­chen Zugang zum Papst zu haben, und die­sen auch häu­fig zu nüt­zen. Über Tor­ni­el­lis Berich­te und Kom­men­ta­re ist mehr oder weni­ger erkenn­bar die Stim­me des Pap­stes zu hören.

Lucio Bru­nel­li wur­de vor allem durch die Ver­öf­fent­li­chung des „Tage­buchs“ eines anony­men Kar­di­nals über das Kon­kla­ve 2005 bekannt. Er ent­hüll­te, daß Kar­di­nal Ber­go­glio bereits damals der eigent­li­che Gegen­spie­ler von Joseph Kar­di­nal Ratz­in­ger um das Pon­ti­fi­kat war und, soweit die Anga­ben kor­rekt sind, in einem Wahl­gang 40 Stim­men auf sich ver­ei­nen konn­te. Der dama­li­ge Vati­ka­nist des Staats­fern­se­hens RAI ist unter Papst Fran­zis­kus zum Chef­re­dak­teur der Nach­rich­ten­sen­dung von TV2000, dem Fern­seh­sen­der der Ita­lie­ni­schen Bischofs­kon­fe­renz gewor­den.

Der Schwa­ger Bru­nel­lis, Mas­si­mo Borg­he­si, Pro­fes­sor für Phi­lo­so­phie an der Uni­ver­si­tät Perugia, ist der Intel­lek­tu­el­le der Grup­pe, auch er ein Ultra­ber­go­glia­ner, der in der Ver­tei­di­gung des argen­ti­ni­schen Pap­stes zuwei­len auch das Maß ver­liert und sich dafür beden­ken­los von Bene­dikt XVI. distan­ziert. So zum Bei­spiel in einer Rei­he von Auf­sät­zen, mit denen er die histo­ri­sche Regens­bur­ger Rede des deut­schen Pap­stes angriff. Ein ande­rer Auf­satz Borg­he­si, der am ver­gan­ge­nen 3. März zum The­ma Papst Fran­zis­kus und die kirch­li­chen Bewe­gun­gen in Terre d’America erschie­nen ist, nahm kurio­ser­wei­se genau Töne und Ton­fall vor­weg, die der Papst weni­ge Tage spä­ter gegen­über CL anschla­gen sollte.

Der Chef­re­dak­teur von Terre d’America ist ein wei­te­rer Freund Ber­go­gli­os aus dem römi­schen CL-Zir­kel. Alver Metal­li, Jour­na­list und Schrift­stel­ler, hat sein Leben zwi­schen Argen­ti­ni­en, Mexi­ko und Uru­gu­ay ver­bracht und lebt heu­te in Bue­nos Aires. Er führ­te mit Papst Fran­zis­kus das Inter­view für La Car­co­va News, Zei­tung der gleich­na­mi­gen „Vil­la“, einem Armen­vier­tel am Ran­de der argen­ti­ni­schen Haupt­stadt. Das Inter­view wur­de am sel­ben 7. März in San­ta Mar­ta geführt, an dem Papst Fran­zis­kus Com­u­nio­ne e Libe­ra­zio­ne die Levi­ten las. Ver­öf­fent­licht wur­de es am ver­gan­ge­nen 10. März.

Der Papst und Kardinal Scolas „verhängnisvolle“ Nähe zu CL

Mit ande­ren Wor­ten: Papst Fran­zis­kus mag CL nicht beson­ders. Eine Distanz, die jedoch eini­ge Aus­nah­men kennt, näm­lich den römi­schen CL-Zir­kel, der bereits Inter­views mit Jor­ge Mario Ber­go­glio ver­öf­fent­lich­te, als in Euro­pa noch kaum jemand sei­nen Namen kann­te, geschwei­ge denn ahnen konn­te, daß er ein­mal den Thron Petri in Rom bestei­gen könnte.

Der dem Papst nahe­ste­hen­de römi­sche CL-Zir­kel ver­sucht mit Hil­fe von Fran­zis­kus die Rich­tung der neu­en Gemein­schaft zu beein­flus­sen, was aber nur mäßig gelingt. Des­halb die päpst­li­che Schel­te, über den der römi­sche Zir­kel schon vor­ab infor­miert und mög­li­cher­wei­se sogar Stich­wort­ge­ber war.

Erz­bi­schof Ange­lo Kar­di­nal Sco­la von Mai­land, dem Favo­ri­ten unter den Papa­bi­li im Kon­kla­ve von 2013 wur­de gera­de sei­ne Nähe und Ver­bun­den­heit zu Com­u­nio­ne e Libe­ra­zio­ne (CL) ange­la­stet und als Argu­ment gegen ihn als Papst ins Feld geführt. Nur ein Aspekt unter meh­re­ren, die im Kon­kla­ve eine Rol­le spiel­ten. Aber mit Erfolg.

Text: Set­ti­mo Cielo/Giuseppe Nardi
Bild: Graciete

7 Kommentare

  1. Man muß die­se Woj­ty­la Sek­te auch nicht mögen, aber dem After­papst ist selbst die­se noch „zu katholisch“!

    • Da will ich schon ger­ne wider­spre­chen, wenn Sie Papst Johan­nes Paul II. so in den Schmutz zer­ren. Ich hal­te Sie für einen Faschist. Katho­lisch, christ­lich wie es ihr Pseud­onym wohl sug­ge­rie­ren soll, sind SIE nicht.

      • Der pol­ni­sche Papst hat kei­ne Sek­te gelei­tet. Das ist doch dane­ben. Die Amts­füh­rung Bedrdoglio ist es, die zu Befrem­den tag­täg­lich Anlass gibt. Las­sen wir den Vaz­i­kan an sei­nem Ort.

  2. Kann womög­lich die nach­fol­gend zitier­te Leit­li­nie des CL zu der päpst­li­chen Abnei­gung geführt haben ?!
    (Zitat aus „Com­u­nio­ne e Libe­ra­zio­ne- Eine Bewe­gung in der Kirche“):
    -
    [.…]
    „ruft sie dazu auf, die christ­li­che Erfah­rung der Tra­di­ti­on in der Gegen­wart zu leben“
    [.…]
    -

  3. Hier haben wir einen hei­lig­mä­ßi­gen Prie­ster (Don Giu­s­sa­ni, Grün­der von CL), und einen in Ita­li­en wohl bekann­ten Jour­na­li­sten, der seit sei­ner Jugend bei CL ist, sich oft auf Don Giu­s­sa­ni beruft, und wohl einer der besten katho­li­schen Jour­na­li­sten ist, in sei­ner prä­zi­sen Scharf­sin­nig­keit, die bereits an Ratio­na­lis­mus grenzt: Anto­nio Socci.

    Und A. Soc­ci ist natür­lich ein wah­rer Dorn im Auge von „Fran­zis­kus“; wenn man die­se Fak­ten kennt, ist alles sonnenklar.

  4. Wer sich von Ber­diglio etwas Posi­ti­ves erhofft, kann mein Mit­ge­fühl nicht bekom­men. Er ist doch längst ent­larvt in die­sem Pon­ti­fi­kat des Niedergangs.

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