Zwei Jahre nach der Wahl von Papst Franziskus — Kleine Rückblende an den Beginn des Pontifikats

Kardinal Bergoglio verläßt nach seiner Wahl als Papst Franziskus die Sixtinische Kapelle
Kar­di­nal Ber­go­glio ver­läßt nach sei­ner Wahl als Papst Fran­zis­kus die Six­ti­ni­sche Kapelle

(Rom) Heu­te vor zwei Jah­ren wur­de Jor­ge Mario Kar­di­nal Ber­go­glio zum Papst gewählt und nann­te sich Fran­zis­kus. Zwei Jah­re spä­ter spricht ein Teil der Katho­li­schen Kir­che von einem „wun­der­ba­ren Geschenk“, ein ande­rer Teil hin­ge­gen von einer „Stra­fe“ Got­tes. Weni­ge Stun­den nach­dem sich Papst Fran­zis­kus auf dem Peters­platz dem Volk gezeigt hat­te, ver­öf­fent­lich­te der katho­li­sche Histo­ri­ker und Intel­lek­tu­el­le Rober­to de Mattei am 14. März 2013 einen ersten kur­zen Auf­satz zum begin­nen­den Pon­ti­fi­kat. Es lohnt die­se Zei­len auf Distanz von zwei Jah­ren nach­zu­le­sen. Wel­che Erwar­tun­gen wur­den gehegt? Was ist dar­aus geworden?

Die Bezü­ge sind von Bedeu­tung, um die Kir­chen­ge­schich­te, beson­ders die deut­sche bes­ser zu ver­ste­hen, eben­so die der­zei­ti­ge Situa­ti­on und ihre Kri­se. 1522/1523 tag­te in Nürn­berg der Reichs­tag. Das gan­ze Reich war durch die Glau­bens­spal­tung in Unru­he. Papst Hadri­an VI., vor Bene­dikt XVI. der letz­te deut­sche Papst, und daher mit den Ver­hält­nis­sen im Reich sehr gut ver­traut, ließ durch sei­nen Gesand­ten eine Bot­schaft verlesen.

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Wird Papst Franziskus den Ursachen der Krise entgegentreten? Das Beispiel Hadrians VI.

13. März 2013: Habemus Papam Franciscum
13. März 2013: Habe­mus Papam Franciscum

von Rober­to de Mattei*

Die Kir­che hat einen neu­en Papst: Jor­ge Mario Ber­go­glio. Der erste nicht-euro­päi­sche Papst, der erste latein­ame­ri­ka­ni­sche Papst, der erste namens Fran­zis­kus. Die Mas­sen­me­di­en ver­su­chen über sei­ne Ver­gan­gen­heit als Kar­di­nal, als Erz­bi­schof von Bue­nos Aires und als ein­fa­cher Prie­ster zu erra­ten, was die Zukunft der Kir­che unter sei­nem Pon­ti­fi­kat sein wird. Der Trä­ger wel­cher Revo­lu­ti­on wird er sein? Hans Küng bezeich­net ihn als die „best­mög­li­che Wahl“ (La Repub­bli­ca, 14.3.2013) Aber erst nach der Ernen­nung sei­ner Mit­ar­bei­ter und nach sei­nen ersten pro­gram­ma­ti­schen Reden wird man die Aus­rich­tung des Pon­ti­fi­kats von Papst Fran­zis­kus abschät­zen kön­nen. Für jeden Papst gilt, was 1458 Kar­di­nal Enea Sil­via Pic­co­lomi­ni im Augen­blick sei­ner Erwäh­lung zum Papst mit dem Namen Pius II. sag­te: „Ver­geßt Enea, hört auf Pius“.

Die Geschich­te wie­der­holt sich nie genau gleich, die Ver­gan­gen­heit hilft aber, die Gegen­wart zu ver­ste­hen. Im 16. Jahr­hun­dert durch­leb­te die katho­li­sche Kir­che eine nie dage­we­sen Kri­se. Der Huma­nis­mus mit sei­nem unmo­ra­li­schen Hedo­nis­mus hat­te die römi­sche Kurie und selbst die Päp­ste ange­steckt. Gegen die­se Kor­rup­ti­on war die pro­te­stan­ti­sche Pseu­do­re­form von Mar­tin Luther ent­stan­den, die von Papst Leo X. aus der Fami­lie der Medi­ci als ein „Zank unter Mön­chen“ abge­tan wur­de. Die Häre­sie war gera­de dabei sich aus­zu­brei­ten, als nach dem Tod Leos X. 1522 uner­war­tet ein deut­scher Papst, Adri­an von Utrecht, gewählt wur­de, der sich den Namen Hadri­an VI. gab. Die Kür­ze sei­nes Pon­ti­fi­kats ver­hin­der­te es, daß er sei­ne Pro­jek­te zu Ende füh­ren konn­te. Im beson­de­ren gel­te das, wie der bekann­te Papst­hi­sto­ri­ker Lud­wig von Pastor schreibt, für den gigan­ti­schen Krieg gegen die Viel­zahl von Miß­bräu­chen, die die römi­sche Kurie wie fast die gesam­te Kir­che ent­stell­ten. Selbst wenn sein Pon­ti­fi­kat län­ger gedau­ert hät­te, war das Übel in der Kir­che zu sehr ver­wur­zelt, bemerkt von Pastor, als daß ein ein­zi­ges Pon­ti­fi­kat jene gro­ße not­wen­di­ge Ver­än­de­rung bewir­ken hät­te kön­nen. Das gan­ze Übel, das seit meh­re­ren Genera­tio­nen began­gen wur­de, konn­te nur durch eine lan­ge kon­ti­nu­ier­li­che Arbeit über­wun­den werden.

Ausmaß des Übels erkennen und die Verantwortung, die Kirchenvertreter  dafür trugen

Hadri­an VI. erkann­te das Aus­maß des Übels und die Ver­ant­wor­tung, die Män­ner der Kir­che  dafür tru­gen. Das geht ein­deu­tig aus der Inst­ruc­tio her­vor, die der apo­sto­li­sche Nun­ti­us Fran­ces­co Chi­e­re­ga­ti im Namen des Pap­stes am 3. Janu­ar 1523 auf dem Nürn­ber­ger Reichs­tag ver­las. Lud­wig von Pastor unter­streicht die außer­or­dent­li­che Bedeu­tung die­ses Doku­ments, nicht nur um die Vor­stel­lun­gen des Pap­stes zur Erneue­rung der Kir­che ken­nen­zu­ler­nen, son­dern weil es sich um einen Text han­delt, wie es ihn in der Kir­chen­ge­schich­te zuvor noch nie gege­ben hatte.

Nach­dem er dar­in zunächst die luthe­ri­sche Häre­sie ver­wirft, behan­delt er im letz­ten und bedeu­ten­de­ren Teil der Instruk­ti­on das Ver­sa­gen der höch­sten kirch­li­chen Auto­ri­tät vor den Umstürzlern.

Wir beken­nen offen, daß Gott die­se Ver­fol­gung sei­ner Kir­che gesche­hen läßt wegen der Sün­den der Men­schen und beson­ders der Prie­ster und Prä­la­ten. Fest­steht, daß sich die Hand Got­tes nicht zurück­ge­zo­gen hat, weil Er uns nicht ret­ten kann, son­dern weil uns die Sün­de von ihm trennt und Er des­halb uns nicht erhört. Die Hei­li­ge Schrift lehrt ein­deu­tig, daß die Sün­den des Vol­kes in den Sün­den der Geist­lich­keit ihren Ursprung haben und des­halb, wie der hl. Chryso­sto­mus dar­legt, unser Hei­land, als er die kran­ke Stadt Jeru­sa­lem rei­ni­gen woll­te, zuerst in den Tem­pel ging, um an erster Stel­le die Sün­den der Prie­ster zu bestra­fen, wie ein guter Arzt, der die Krank­heit an der Wur­zel heilt. Wir haben nie die päpst­li­che Wür­de ange­strebt und hät­ten viel lie­ber unse­re Augen in der Stil­le des Pri­vat­le­bens geschlos­sen: Ger­ne hät­ten wir auf die Tia­ra ver­zich­tet, und nur aus Got­tes­furcht, der Recht­mä­ßig­keit der Wahl und der Gefahr eines Schis­mas haben uns ver­an­laßt, das Amt des höch­sten Hir­ten anzu­neh­men, das wir weder aus Ehr­geiz aus­üben wol­len, noch um unse­re Ange­hö­ri­gen zu berei­chern, son­dern ein­zig um der Hei­li­gen Kir­che, der Braut Got­tes ihre ursprüng­li­che Schön­heit zurück­zu­ge­ben, um den Unter­drück­ten zu hel­fen, um wei­se und fähi­ge Män­ner zu för­dern, um über­haupt alles zu tun; was einem guten Hir­ten und wah­ren Nach­fol­ger Petri geziemt. Jedoch soll sich nie­mand wun­dern, wenn wir nicht mit einem Schlag alle Miß­bräu­che besei­ti­gen, denn die Krank­heit ist tief ver­wur­zelt und sehr ver­zweigt. Man wird daher einen Schritt nach dem ande­ren set­zen und zuerst den schwe­ren, gefähr­lich­sten Übeln durch rich­ti­ge Arz­nei begeg­nen, um nicht durch über­eil­te Reform alles noch mehr zu ver­wir­ren. Denn, wie Ari­sto­te­les sagt, jede plötz­li­che Ver­än­de­rung ist für ein Gemein­we­sen gefährlich.

Ursprung der Kirchenkrise in doktrinellen und moralen Mängeln der Kirchenvertreter

Die Wor­te Hadri­ans VI. hel­fen uns zu ver­ste­hen, wie die heu­ti­ge Kri­se der Kir­che ihren Ursprung in dok­tri­nel­len und mora­li­schen Män­geln der Män­ner der Kir­che im hal­ben Jahr­hun­dert seit dem 2. Vati­ka­ni­schen Kon­zil haben kann. Die Kir­che ist unfehl­bar. Aber ihre Glie­der, auch die hohen kirch­li­chen Auto­ri­tä­ten  kön­nen Feh­ler machen und müs­sen bereit sein, ihre Schuld auch öffent­lich ein­zu­ge­ste­hen. Wir wis­sen, daß Hadri­an VI. den Mut hat­te, die­se kri­ti­sche Über­prü­fung der Ver­gan­gen­heit anzu­ge­hen. Wie wird der neue Papst dem Pro­zeß der dok­tri­nel­len und mora­li­schen Selbst­zer­stö­rung der Kir­che ent­ge­gen­tre­ten und wel­che Hal­tung wird er gegen­über einer moder­nen Welt ein­neh­men, die von einem tie­fen anti­christ­li­chen durch­drun­gen ist? Nur die Zukunft wird auf die­se Fra­gen Ant­wort geben, aber sicher ist, daß die Ursa­chen für die Dun­kel­heit unse­rer gegen­wär­ti­gen Zeit in unse­rer jüng­sten Ver­gan­gen­heit liegen.

Die Geschich­te sagt uns auch, daß auf Hadri­an VI. mit dem Namen Cle­mens VII. (1523–1534) Giu­lio de Medi­ci folg­te. Unter sei­nem Pon­ti­fi­kat geschah am 6. Mai 1527 der schreck­li­che Sac­co di Roma durch die luthe­ri­schen Lands­knech­te Kai­ser Karls V. Die Zer­stö­run­gen und Sakri­le­ge, die damals began­gen wur­den, und die jene des Jah­res 410 über­tra­fen, las­sen sich kaum beschrei­ben. Mit beson­de­rer Bru­ta­li­tät wur­de gegen Kir­chen­leu­te vor­ge­gan­gen: Ordens­frau­en ver­ge­wal­tigt, Prie­ster und Mön­che ermor­det oder als Skla­ven ver­kauft, Kir­chen, Palä­ste und Häu­ser zer­stört, Reli­qui­en zer­streut und weg­ge­schafft. Auf das Gemet­zel folg­ten in schnel­ler Abfol­ge Hun­ger und Pest. Die Bewoh­ner wur­den dezimiert.

Das katho­li­sche Volk inter­pre­tier­te das Ereig­nis als ver­dien­te Stra­fe für die eige­nen Sün­den. Erst nach der schreck­li­chen Plün­de­rung begann sich das Leben grund­le­gend zu ver­än­dern. Das Kli­ma des mora­li­schen und reli­giö­sen Rela­ti­vis­mus löste sich auf und in der all­ge­mei­nen Not mach­te sich in der Hei­li­gen Stadt ein ern­stes, schlich­tes und reue­vol­les Kli­ma breit. Die­se neue Atmo­sphä­re mach­te die gro­ße reli­giö­se Wie­der­be­le­bung der katho­li­schen Gegen­re­for­ma­ti­on des 16. Jahr­hun­derts möglich.

*Rober­to de Mattei, Histo­ri­ker, Vater von fünf Kin­dern, Pro­fes­sor für Neue­re Geschich­te und Geschich­te des Chri­sten­tums an der Euro­päi­schen Uni­ver­si­tät Rom, Vor­sit­zen­der der Stif­tung Lepan­to, Schrift­lei­ter der Monats­zeit­schrift Radi­ci Cri­stia­ne und der Online-Nach­rich­ten­agen­tur Cor­ris­pon­den­za Roma­na, von 2003 bis 2011 stell­ver­tre­ten­der Vor­sit­zen­der des Natio­na­len For­schungs­rats von Ita­li­en, Autor zahl­rei­cher Bücher, zuletzt erschie­nen: Vica­rio di Cri­sto. Il pri­mato di Pie­tro tra nor­ma­li­tà  ed ecce­zio­ne (Stell­ver­tre­ter Chri­sti. Der Pri­mat des Petrus zwi­schen Nor­ma­li­tät und Aus­nah­me), Vero­na 2013; in deut­scher Über­set­zung zuletzt: Das Zwei­te Vati­ka­ni­sche Kon­zil – eine bis­lang unge­schrie­be­ne Geschich­te, Rup­pich­teroth 2011.

Einleitung/Übersetzung: Giu­sep­pe Nardi
Bild: vatican.va (Screen­shot)

16 Kommentare

  1. Wenn man die Sache mit den luthe­ri­schen Brand­mör­dern liest, könn­te man auf die Idee kom­men, das die­se „Rol­le“ heu­te die Mord­ge­sel­len des isla­mi­schen Allah spie­len. Und es ist auch so: die Chri­sten im Ori­ent, in Afri­ka usw. „bezah­len“ mit ihrem Lei­den und Blut fak­tisch für die schwe­ren Sün­den der west­li­chen Chri­sten­heit: Got­tes­lä­ste­run­gen, Got­tes­fer­ne all­ge­mein, Hedo­nis­mus, Ego­is­mus, alle Arten von Lastern usw. 

    „Papst Fran­zis­kus“ aber hält die Mos­lems nicht auf, son­dern lie­fert wei­ter Zun­der wie es aus­sieht. Es ist schreck­lich in wel­che Irrun­gen und wel­ches Dor­nen­ge­strüpp sich die Kir­che im sog. Westen ver­fan­gen hat. Muß es soweit kom­men, daß die Stadt Rom mit­samt dem Vati­kan wie­der­um zer­stört wird, dies­mal von Süden oder Süd­osten her, ehe eine deut­li­che Bes­se­rung eintritt?

    Der Name „Fran­zis­kus“ ist für mei­ne Begrif­fe für einen Papst/Petrus nicht pas­send, falls ich mich nicht täu­sche. Franz v. Assi­si steht für sich selbst und ist unkopier­bar für ein hohes Kir­chen­amt sozu­sa­gen, auch wenn er miß­braucht wird wie z.Bsp. auch als Gali­ons­fi­gur für schwär­me­ri­sche Naturmythologie.

  2. EIN WAHRER DIES ATER in der neue­ren Kirchengeschichte.
    Es spricht für das Niveau des „hei­li­gen Kol­le­gi­ums“, die­sen nar­ziß­ti­schen Psy­cho­pa­then, den sei­ne eige­nen Obe­ren als Ver­rück­ten erkann­ten, auf die­se Stel­le beför­dert zu haben.
    Er han­delt nicht als Stell­ver­tre­ter Chri­sti und Hirt sei­ner Her­de, son­dern wie ein anti­christ­li­cher Auf­trags­mör­der sei­ner Schafe.
    Ber­go­glio ist die Stra­fe Got­tes für die apo­sta­ti­sche Kon­zils­kir­che, für die sich der letz­te Akt abzeich­net vor der gro­ßen Kathar­sis, an deren Ende das Unbe­fleck­te Herz Mari­ens tri­um­phie­ren wird.

  3. Der hl. Vin­zenz von Lérin in „Com­mo­ni­to­ri­um“:
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    „Alle wah­ren Katho­li­ken sol­len begrei­fen, dass sie gemein­sam mit der Kir­che die Leh­rer anneh­men müs­sen, nicht aber gemein­sam mit den Leh­rern den Glau­ben der Kir­che ver­las­sen dür­fen“ (comm. 17, 2).
    [.…]
    „Folg­lich ist der­je­ni­ge wah­rer und ech­ter Katho­lik, der die Wahr­heit Got­tes, der die Kirche.…liebt, der der gött­li­chen Reli­gi­on, der dem katho­li­schen Glau­ben nichts vor­zieht, nicht mensch­li­che Auto­ri­tät, nicht per­sön­li­che Wert­schät­zung, nicht genia­le Bega­bung, nicht rhe­to­ri­sche Fähig­kei­ten, nicht phi­lo­so­phi­sche Anschau­un­gen, son­dern der dies alles gering­schätzt und, im Glau­ben fest ver­an­kert, stand­haft und aus­dau­ernd, ent­schlos­sen ist, nur dar­an gläu­big fest­zu­hal­ten, wor­an die Kir­che nach sei­ner Erkennt­nis von alters her all­ge­mein fest­ge­hal­ten hat, alles aber, was nach sei­ner Fest­stel­lung von irgend­ei­ner Ein­zel­per­son spä­ter in Abson­de­rung oder in direk­tem Gegen­satz zur Gesamt­heit der Hei­li­gen als neu und unbe­kannt ein­ge­führt wird, als nicht zur Reli­gi­on, son­dern viel­mehr zu einer Prü­fung gehö­rig ansieht“ (comm. 20,1–2).“
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    • Mir wur­de es so gelehrt: Es waren die Lands­knech­te des sehr katho­li­schen römisch-deut­schen Kai­sers und kei­ne luthera­ni­schen Trup­pen (gab’s noch nicht) die Rom ein­ge­nom­men haben. Es war Karl V., der Rom und den Papst bekrieg­te und dem es dank Frunds­berg gelun­gen ist, das Papst­tum zu demütigen.

    • Las­sen wir den Histo­ri­ker Gre­go­ro­vi­us aus sei­nem Werk „Geschich­te der Stadt Rom“ von 1889 sprechen:

      „Den toten Six­tus IV. schütz­te nur die Festig­keit sei­nes bron­ze­nen Grab­mals. Man wür­fel­te auf den Hoch­al­tä­ren, man zech­te mit Dir­nen aus Meß­po­ka­len. In den Sei­ten­schif­fen und Kapel­len, wie im Vati­ka­ni­schen Palast stell­te man Pfer­de ein. Zur Streu dien­ten Bul­len oder Hand­schrif­ten, die einst huma­ni­sti­sche Päp­ste gesam­melt hat­ten. Nur mit Mühe ret­te­te Ora­ni­en die Vati­ka­ni­sche Biblio­thek, da er im Palast Woh­nung genom­men hatte. (…)

      „Die Non­nen­klö­ster San­ta Maria in Cam­po Mar­zo, S. Sil­ve­stro und das auf Mon­te Cito­rio wur­den mit namen­lo­sen Greu­eln erfüllt. Wo man in arme Klö­ster ein­brach, räch­te man die Täu­schung mit empö­ren­der Wut.“

      „Hier sah man nur bac­chan­ti­sche Auf­zü­ge von Lands­knech­ten, wel­che von halb­nack­ten Hetä­ren beglei­tet zum Vati­kan rit­ten, dem Papst Tod oder Gefan­gen­schaft zuzu­trin­ken. Luthe­ra­ner wie Spa­ni­er und Ita­lie­ner ergötz­ten sich damit, die hei­li­gen Zere­mo­nien nach­zu­äf­fen. Man sah Lands­knech­te auf Eseln als Kar­di­nä­le ein­her­rei­ten, einen als Papst ver­klei­de­ten Knecht in ihrer Mit­te; so zogen sie oft­mals bis vor die Engels­burg, wo sie schrien, daß sie jetzt nur from­me und dem Kai­ser gehor­sa­me Päp­ste und Kar­di­nä­le machen wür­den, wel­che kei­ne Krie­ge mehr füh­ren soll­ten, und wo sie Luther zum Papst aus­rie­fen. Trun­ke­ne Söld­ner beklei­de­ten einen Esel mit geist­li­chen Gewän­dern und zwan­gen einen Prie­ster, ihm das Sakra­ment zu geben, wäh­rend das Tier auf Knien lag. Der unse­li­ge Geist­li­che ver­schluck­te jedes­mal die Hostie, bis ihn sei­ne Quä­ler zu Tode mar­ter­ten. Andern Prie­stern preß­te man unter gräß­li­chen Mar­tern die Beich­te wirk­li­cher oder erdich­te­ter Ver­bre­chen ab.“

      Es ist zwar wahr, dass die poli­ti­schen Kampf­li­ni­en ver­wor­ren waren.

      Den­noch sind die ver­üb­ten Greu­el ein­deu­tig pro­te­stan­ti­scher Natur. kein wah­rer Katho­lik wür­de so etwas auch nur im Ansatz bege­hen. Auch wenn die Söld­ner für Karl V. ursprüng­lich kämp­fen soll­ten, waren sie doch zu gro­ßen Tei­len Lutheraner.

      Online kann man dar­über hier lesen: http://www.kriegsreisende.de/neuzeit/sacco-roma.htm

      • Und da kein „wah­rer Katho­lik“ so etwas tun wür­de, müs­sen es Luthe­ra­ner gewe­sen sein? Dann kön­nen Sie bestimmt auch erklä­ren, war­um in dem nie­der­rhei­ni­schen Wall­fahrts­ort kroa­ti­sche Trup­pen des katho­li­schen Kai­sers unter der katho­li­schen Bevöl­ke­rung ein Mas­sa­ker anrich­te­ten, wor­an heu­te noch das Denk­mal in der Kroa­ten­stra­ße erin­nert. Müs­sen wohl luthera­ni­sche Kroa­ten gewe­sen sein. Denn „wah­re Katho­li­ken“ tun so etwas nicht. Oder waren es gar Islamisten.

  4. Dan­ke für die Bereit­stel­lung die­ses kur­zen, aber aus­sa­ge­kräf­ti­gen Arti­kels von Prof. de Mattei.

    Hadri­an VI. war zwei­fel­los eine der edel­sten Erschei­nun­gen des Papst­tums. Eine nähe­re Beschäf­ti­gung mit ihm wür­de sich zwei­fel­los loh­nen. L. v. Pastor schrieb aus­führ­li­cher über ihn. Hadri­an hat das Gebot der Stun­de erkannt. Sei­ne Vor­gän­ger und Nach­fol­ger lei­der nicht.

  5. Die Refor­ma­ti­on hat wie­der­ent­deckt, dass Got­tes Wort über Men­schen­wort steht und Got­tes Auto­ri­tät über Men­schen­au­to­ri­tät. Bei all ihren Feh­lern und Män­geln ist das ihre gro­ße blei­ben­de Wahr­heit, hin­ter die es kein Zurück gibt.

    • Und damit hat Luther exor­bi­tant star­ken Ein­fluß auf die Kir­che genommen.
      (Lei­der als Häre­ti­ker und nicht als Kirchenvater)

    • Sie hat etwas „ent­deckt“, was zu kei­nem Zeit­punkt je Dog­ma oder so geglaubt wur­de. Das ist 1500 Jah­re unter der zuge­si­cher­ten Lei­tung des Hl. Gei­stes anders auf­ge­fasst worden!

      Denn die Schrift ist nicht der Koran, auch wenn sie unter den Haupt­quel­len der Offen­ba­rung die höch­ste ist…
      Und weil sie nach der Leh­re der Kir­che eben nicht wie der Koran direkt aus Got­tes Mund kommt, son­dern durch Men­schen, die vom Hl. Geist ange­trie­ben waren, hat die Kir­che immer gelehrt, dass Chri­stus am Grün­don­ners­tag auch das Lehr­amt ein­ge­setzt hat, bei dem sol­che, die eben­falls den Hl. Geist für ihr Amt erhal­ten haben, auch die rech­te Aus­le­gung erhalten.

      Bereits das NT zeigt uns, dass es nicht weit her ist, wenn jeder das „Wort Got­tes“ meint höchst­selbst und rich­ter­lich ver­ste­hen zu sollen.
      Nir­gends ist der Mensch anfäl­li­ger für sata­ni­sche Ver­su­chun­gen als in die­sem Wahn.
      Bestes Bei­spiel sind die Ver­su­chun­gen Jesu Chri­sti in der Wüste. Der Satan konn­te den Men­schen­sohn nicht ver­wir­ren, aber uns kann er leicht ver­wir­ren, wenn uns nie­mand wei­det, denn der Böse argu­men­tiert nur mit dem „Wort Got­tes“. Damit hat er schon Eva hereingelegt.

      Noch bes­se­res Bei­spiel sind die Juden, die auch das „Wort Got­tes“ hat­ten und — wie Jesus bezeugt — vor lau­ter Wort­klau­be­rei den Men­schen den Weg ins Reich Got­tes ver­sperr­ten — gewis­ser­ma­ßen die Eska­la­ti­on des Rein­falls Evas in der jüdi­schen Schriftgelehrtenkaste…

      Für Katho­li­ken gilt, dass die Aus­le­gung durch das Lehr­amt ver­bind­lich ist. Mit Maria, „mutans Evae nomen“ bewe­gen wir die uns gesag­ten Wor­te im Her­zen und beja­hen sie. Wel­che Gestalt sie dann anneh­men, das erwar­ten wir mit der Got­tes­mut­ter, allen vor­an ein recht­gläu­bi­ger Papst, der die rech­te Aus­le­gung emp­fängt — als Hir­te für alle.
      Um alles, was (noch) nicht defi­niert oder in der Schrift nicht ganz ein­deu­tig dar­ge­legt ist, muss gerun­gen wer­den. Das mei­ste aber ist nach 2000 Jah­ren for­mu­liert, definiert.

      Das 2. Vati­ca­num hat sich die pro­te­stan­ti­sche Anma­ßung weit­ge­hend zu eigen gemacht und woll­te das Rad auch neu erfinden.
      Und wir wis­sen alle, mit wel­chem Ergebnis.
      Und dies alles dank der wun­der­ba­ren „Wie­der­ent­deckung“ Luthers.
      Maria ora pro nobis!

  6. Die­ser Satz „Die Hei­li­ge Schrift lehrt ein­deu­tig, daß die Sün­den des Vol­kes in den Sün­den der Geist­lich­keit ihren Ursprung haben“ ist jedoch jahr­zehn­te­lang ver­kehrt worden.

    Immer wie­der wur­de uns ein­ge­trich­tert, die armen Päp­ste woll­ten ja nur da Gute und das böse Kir­chen­volk wider­set­ze sich…Selbst Mari­en­er­schei­nun­gen tra­ten mas­siv auf und bestä­tig­ten die­se Mei­nung: man müs­se nur ja auf jeden Fall hin­term Papst ste­hen und dann wer­de alles wie­der gut.

    Das Ergeb­nis liegt uns vor.

    Den­noch darf aus der Tat­sa­che, dass die Ver­kom­men­heit der Geist­li­chen auch den Nie­der­gang der Gläu­bi­gen initi­ie­re, nicht geschlos­sen wer­den, dass umge­kehrt alles Gute nun von der Geist­lich­keit kom­me, wie dies Msgr. Wil­liam­son sich in pein­li­cher Anma­ßung ein­bil­det. Das Gute kommt immer von Gott und von kei­nem Men­schen. Der prie­ster ist aber eine Art „Kanal“.

    Die Beschei­den­heit des Pap­stes oben ist auch in die­ser Hin­sicht lehr­reich: der gute Hir­te ist der, der nichts für sich oder von sich will, son­dern alles für die Scha­fe, damit sie ihre guten Talen­te und die guten Geschen­ke Got­tes, die Er in den ein­zel­nen erweckt, maxi­mal ent­fal­ten können.

  7. Wenn wir ein­mal das wun­der­bar demü­ti­ge und vor­bild­li­che Gebet eines Kle­ri­kers lesen wol­len, dann das Gebet des Nehe­mi­as im 1. Kapi­tel des gleich­na­mi­gen bibli­schen Buches. Ich kopie­re es ein­fach mal hier herein: 

    Und es geschah, als ich die­se Wor­te hör­te, da setz­te ich mich hin und wein­te und trug Leid etli­che Tage lang; und ich faste­te und bete­te vor dem Gott des Him­mels 5 und sprach: Ach, Herr, du Gott des Him­mels, du gro­ßer und furcht­ge­bie­ten­der Gott, der den Bund und die Gna­de denen bewahrt, die ihn lie­ben und sei­ne Gebo­te hal­ten! 6 Laß doch dei­ne Ohren auf­mer­ken und dei­ne Augen offen sein, daß du auf das Gebet dei­nes Knech­tes hörst, das ich nun vor dir bete Tag und Nacht für die Kin­der Isra­els, dei­ne Knech­te, und mit dem ich die Sün­de der Kin­der Isra­els beken­ne, die wir an dir began­gen haben! Auch ich und das Haus mei­nes Vaters haben gesün­digt! 7 Wir haben sehr ver­werf­lich gegen dich gehan­delt, daß wir die Gebo­te, die Sat­zun­gen und Rechts­be­stim­mun­gen nicht befolgt haben, die du dei­nem Knecht Mose gebo­ten hast. 8 Geden­ke doch an das Wort, das du dei­nem Knecht Mose gegeben3 hast, indem du sprachst: »Wenn ihr treu­los han­delt, so will ich euch unter die Völ­ker zer­streu­en; 9 kehrt ihr aber zu mir um und befolgt mei­ne Gebo­te und tut sie — selbst wenn eini­ge von euch bis ans Ende der Him­mel ver­sto­ßen wären, so wür­de ich sie doch von dort sam­meln und sie an den Ort brin­gen, den ich erwählt habe, damit mein Name dort woh­nen soll!« 10 Sie sind ja doch dei­ne Knech­te und dein Volk, das du erlöst hast durch dei­ne gro­ße Kraft und durch dei­ne mäch­ti­ge Hand. 11 Ach Herr, laß doch dein Ohr auf­merk­sam sein auf das Gebet dei­nes Knech­tes und auf das Gebet dei­ner Knech­te, die das Ver­lan­gen haben, dei­nen Namen zu fürch­ten, und laß es doch dei­nem Knecht heu­te gelin­gen, und gib ihm Barm­her­zig­keit vor die­sem Mann!
    (http://www.bibleserver.com/text/SLT/Nehemia1 )

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