Vita christiana militia est – Vor einem Jahr starb Mario Palmaro

Mario Palmaro (1968-2014)
Mario Palma­ro (1968–2014)

(Rom) Vor genau einem Jahr, am 9. März 2014, starb der katho­li­sche Rechts­phi­lo­soph Mario Palma­ro nach lan­ger, schwe­rer Krank­heit im Alter von erst 44 Jah­ren. Palma­ro wur­de in sei­nem letz­ten Lebens­jahr zum inter­na­tio­nal bekann­te­sten und scharf­sin­nig­sten Kri­ti­ker von Papst Franziskus.

Sein Leben wid­me­te er der Ver­tei­di­gung der Katho­li­schen Kir­che. Bis zum letz­ten Atem­zug war er publi­zi­stisch tätig. „Wer ihn per­sön­lich kann­te, sei­ne Vor­le­sun­gen an den Uni­ver­si­tä­ten hör­te, sei­nen Vor­trä­gen bei­wohn­te oder sei­ne Bücher gele­sen hat, weiß, daß er ein wirk­li­cher Miles Chri­sti war, der sei­nen guten Kampf bis zum Schluß mit der Ele­ganz und dem Humor eines Gen­tle­man führ­te und der gei­sti­gen Klar­heit und Scharf­sicht, der Stand­haf­tig­keit und Frei­heit von Apo­lo­ge­ten ganz ande­rer Zei­ten“, so die Wochen­zeit­schrift Tem­pi.

Bestechende Kritik am Pontifikat von Papst Franziskus

Mario Palmaro: "Der gute Same bringt reiche Frucht"
Mario Palma­ro: „Der gute Same wird Frucht bringen“

Wegen sei­ner Kri­tik am argen­ti­ni­schen Papst wur­de er weni­ge Mona­te vor sei­nem Tod nach zehn­jäh­ri­ger Mit­ar­beit bei Radio Maria Ita­li­en ent­las­sen. Unmit­tel­ba­rer Aus­lö­ser war sein gemein­sam mit Ales­san­dro Gnoc­chi am 9. Okto­ber in der Tages­zei­tung Il Foglio ver­öf­fent­lich­ter Auf­satz „Chri­stus ist kei­ne Opti­on unter vie­len, schon gar nicht für sei­nen Stell­ver­tre­ter auf Erden – War­um uns die­ser Papst nicht gefällt“. Eine bestechen­de Kri­tik am Pon­ti­fi­kat von Papst Fran­zis­kus, an deren Gül­tig­keit sich nichts geän­dert hat.

Ein Text, der offen­bar beim Hei­li­gen Stuhl auch gele­sen wur­de, denn drei Wochen nach sei­ner Ent­las­sung durch Radio Maria wegen „Kri­tik am Papst“, erhielt Mario Palma­ro einen Tele­fon­an­ruf von Papst Fran­zis­kus, der ihn „über­rasch­te, erstaun­te und vor allem beweg­te“. Die Ent­las­sung durch Radio Maria wur­de den­noch nicht zurückgenommen.

„Für mich als Katho­lik, war das, was ich erleb­te, eine der schön­sten Erfah­run­gen mei­nes Lebens. Ich habe dem Papst mei­ne unbe­ding­te Treue als Sohn der Kir­che ver­si­chert. Ich sah mich aller­dings auch in der Pflicht, den Papst dar­an zu erin­nern, daß ich gemein­sam mit Ales­san­dro Gnoc­chi ganz prä­zi­se Kri­tik an sei­nem Han­deln geäu­ßert habe. Der Papst ließ mich fast den Satz nicht been­den und sag­te, er habe ver­stan­den, daß die­se Kri­tik aus Lie­be gemacht wur­de und wie wich­tig es für ihn ist, sol­che zu bekom­men“, so Palma­ro nach Bekannt­wer­den des Anrufs in einem Inter­view mit der Tages­zei­tung Libe­ro.

„Die Hoffnung ist unsere Gewißheit“

Unmit­tel­bar vor dem Papst-Anruf hat­ten Palma­ro und Gnoc­chi einen wei­te­ren papst­kri­ti­schen Auf­satz ver­öf­fent­licht: Die Kir­che als Feld­la­za­rett der Fol­lo­wers – Zuspruch umge­kehrt pro­por­tio­nal zur Klar­heit der Bot­schaft?  Dar­in schrie­ben sie die gera­de­zu berüh­rend katho­li­sche, deskrip­ti­ve und eben­so pro­phe­ti­sche Aussage:

„In irgend­ei­nem klei­nen, abge­le­ge­nen Kirch­lein wird es immer einen Prie­ster geben, der hei­lig das Meß­op­fer zele­briert, in irgend­ei­ner klei­nen Woh­nung wird es immer eine ein­sa­me alte Frau geben, die mit uner­schüt­ter­li­chem Glau­ben den Rosen­kranz betet, und in irgend­ei­nem ver­bor­ge­nen Win­kel wird es immer eine Ordens­schwe­ster geben, die für ein Kind sorgt, des­sen Leben von allen als wert­los betrach­tet wird. Auch wenn alles ver­lo­ren zu sein scheint, strahlt die Kir­che, die Stadt Got­tes wei­ter ihr Licht auf jene der Men­schen aus.“

Kurzer Lebenslauf

Mario Palma­ro wur­de am 5. Juni 1968 in Cesa­no Mader­no, einer Klein­stadt der nörd­li­chen Lom­bar­dei gebo­ren. Sein Stu­di­um der Rechts­wis­sen­schaf­ten an der Uni­ver­si­tät Mai­land schloß er mit einer Arbeit über die Abtrei­bung ab. Nach­dem er sich durch Stu­di­en am Insti­tut San Raf­fae­le in Mai­land auf Bio­ethik spe­zia­li­siert hat­te, wur­de er wis­sen­schaft­li­cher Mit­ar­bei­ter am Zen­trum für Bio­ethik der Katho­li­schen Uni­ver­si­tät Mai­land. Schließ­lich lehr­te er Bio­ethik an der Päpst­li­chen Uni­ver­si­tät Regi­na Apo­sto­lo­rum in Rom und Theo­re­ti­sche Phi­lo­so­phie, Ethik, Bio­ethik und Rechts­phi­lo­so­phie an der Euro­päi­schen Uni­ver­si­tät von Rom. An der Euro­päi­schen Uni­ver­si­tät ergab sich ein rei­cher intel­lek­tu­el­ler Aus­tausch mit einem ande­ren Ver­tei­di­ger der katho­li­schen Sache, dem Histo­ri­ker Rober­to de Mattei. Palma­ro gehör­te zu den lei­den­schaft­li­chen Ver­tei­di­gern des Motu pro­prio Summorum Pon­ti­fi­cum von Papst Bene­dikt XVI. und war einer der deut­lich­sten Kri­ti­ker eines „jäm­mer­li­chen, teils schä­bi­gen Klein­gei­stes“, mit dem man­che Bischö­fe das Motu pro­prio behindern.

Palma­ro war Vor­sit­zen­der der Lebens­rechts­ver­ei­ni­gung Komi­tee Wahr­heit und Leben und gehör­te der Ver­ei­ni­gung der Juri­sten für das Leben und der Katho­li­schen Juri­sten­ver­ei­ni­gung Ita­li­ens an.

Gemein­sam mit dem katho­li­schen Jour­na­li­sten Ales­san­dro Gnoc­chi ver­öf­fent­lich­te Palma­ro meh­re­re Bücher und eine Viel­zahl von Auf­sät­zen und Arti­keln. Palma­ro und Gnoc­chi wur­den zum kon­ge­nia­len Duo der Denk­schär­fe und sprach­li­chen Gewandtheit.

Mario Palma­ro hin­ter­ließ sei­ne Frau und vier min­der­jäh­ri­ge Kinder.

Bücher zum ersten Todestag

Seit 2000 publi­zier­te Palma­ro auch in der katho­li­schen Monats­zeit­schrift Il Timo­ne. In die­sen Tagen erschei­nen alle sei­ne Bei­trä­ge gesam­melt in einem Band. „Ein Zeit­do­ku­ment und eine Chro­nik der Ereig­nis­se in Kir­che und Welt am Beginn des drit­ten christ­li­chen Jahr­tau­sends von einem unbe­stech­li­chen Chro­ni­sten“, schreibt die Zeit­schrift dazu. Der Erlös kommt der Unter­stüt­zung der Wit­we und der vier Kin­der zugute.

Bereits seit 2. März ist ein Buch über Mario Palma­ro im Buch­han­del erhält­lich. „Il buon seme fior­irà “ (Der gute Same wird Frucht brin­gen), her­aus­ge­ge­ben von sei­nem lang­jäh­ri­gen Freund Ales­san­dro Gnoc­chi. Am ver­gan­ge­nen Sams­tag wur­de es von Gnoc­chi und wei­te­ren Weg­ge­fähr­ten in der Dom­buch­hand­lung von Mon­za, der Hei­mat­stadt Palma­ros vor­ge­stellt. Im Anschluß dar­an wur­de in Mon­za ein See­len­amt für Mario Palma­ro im über­lie­fer­ten römi­schen Ritus zele­briert. Am heu­ti­gen Todes­tag wird eben­falls ein See­len­amt im Dom von Mon­za zelebriert.

Text: Giu­sep­pe Nardi
Bild: Ris­cos­sa Christiana

1 Kommentar

  1. Mario Palma­ro als miles christianus:
    ein höhe­res Lob als die­ser Ter­mi­nus von Eras­mus von Rot­ter­dam in sei­nem „Enchi­ri­dion mili­tis chri­stia­ni“ (Taschen­buch des christ­li­chen Soldaten)von 1501 kann es nicht geben.
    Die Bücher „Der gute Samen wird Frucht brin­gen“ und der Sam­mel­band mit sei­nen Auf­sät­zen soll­ten so schnell wie mög­lich ins Deut­sche über­setzt und publi­ziert werden.

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