„Renaissance“ nicht „Reconquista“ – Kardinal Marx: „Lehre der Kirche muß sich weiterentwicklen“

Kardinal Marx: "Lehramt der Kirche entwickelt sich"
Kar­di­nal Marx: „Lehr­amt der Kir­che ent­wickelt sich“

(Mün­chen) Erz­bi­schof Rein­hard Kar­di­nal Marx von Mün­chen-Frei­sing gab der März-Aus­ga­be der fran­zö­si­schen Jesui­ten­zeit­schrift Etu­des ein Inter­view. Dar­in spricht er davon, daß die Kir­che „Erneue­rung“ und „nicht Restau­ra­ti­on“ brau­che. Zur Bischofs­syn­ode sprach der Kar­di­nal von einer „offe­nen Syn­ode“ über die Fami­lie, denn „das Lehr­amt kann sich wei­ter­ent­wickeln“.

„Wir brau­chen nicht reli­giö­se Unter­neh­mer, son­dern Zeu­gen und Zeu­gin­nen“, so der Vor­sit­zen­de der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz (DBK) und Mit­glied des C9-Kar­di­nal­s­rats zur Bera­tung von Papst Fran­zis­kus. Der ita­lie­ni­sche Über­set­zer des Inter­views für Vati­can Insi­der, der mit dem deut­schen Gen­der-Sprech nichts anzu­fan­gen wuß­te, über­setz­te die Stel­le mit „Zeu­gen und Zeug­nis­sen“.

„Ein wich­ti­ger Schritt, um Men­schen zu errei­chen, ist der Schritt zur Selbst-Evan­ge­li­sie­rung“, mein­te der mäch­tig­ste deut­sche Kir­chen­fürst dia­lek­tisch. Der Vor­sit­zen­de der Kom­mis­si­on der Euro­päi­schen Bischofs­kon­fe­ren­zen COMECE sag­te zudem: „Wir sel­ber müs­sen als Kir­che immer wie­der neu das Evan­ge­li­um lesen und ler­nen, danach zu leben.“

„Mit dem Begriff ‚Neuevangelisierung‘ habe ich meine Probleme“

März-Ausgabe von Etudes mit Marx-Interview
März-Aus­ga­be von „Etu­des“ mit Marx-Inter­view

Der Begriff „Neue­van­ge­li­sie­rung“ sei ein Kon­zept, so der Kar­di­nal, das ihm „Pro­ble­me“ berei­tet. „Ich gebe zu, dass ich mit dem Begriff der ‚neu­en Evan­ge­li­sie­rung‘ mei­ne Pro­ble­me habe. Er könn­te ver­wech­selt wer­den mit dem Modell einer geist­li­chen ‚Recon­qui­sta‘, als gehe es dar­um, ver­lo­re­nes Ter­rain wie­der­zu­er­obern. Aber es geht nicht um Restau­ra­ti­on oder Wie­der­ho­lung von dem, was ein­mal war, son­dern um einen neu­en Auf­bruch, um einen neu­en Ansatz, in einer neu­en Situa­ti­on. Und es geht auch nicht nur ein­fach um ein Ver­mitt­lungs­pro­blem. Das wür­de bedeu­ten: Wenn wir mehr Per­so­nen und mehr finan­zi­el­le Mit­tel hät­ten und mehr Medi­en­prä­senz, könn­ten wir das Ziel errei­chen. Ich kann den Begriff aber sehr gut akzep­tie­ren, wenn er unter­strei­chen soll, dass wir, aber nicht nur in Euro­pa, son­dern ins­ge­samt, in einer neu­en Situa­ti­on für den Glau­ben sind und wir dar­auf mit erneu­er­tem Den­ken ant­wor­ten müs­sen. Eigent­lich ist das wirk­lich ein Pro­zess, der durch die gan­ze Kir­chen­ge­schich­te hin­durch geht. Das Evan­ge­li­um ist immer wie­der neu, Eccle­sia sem­per iuve­n­escens, die Kir­che ist immer wie­der jung, so haben es schon die Kir­chen­vä­ter gesagt.

Denn bei „vie­len Kon­zep­ten und Dis­kus­sio­nen über neue Evan­ge­li­sie­rung habe ich den Ein­druck, dass vie­le den­ken: Die gro­ße Geschich­te des Chri­sten­tums liegt hin­ter uns, und vor uns liegt eine unsi­che­re und eher angst­ma­chen­de Zukunft. So kann man jeden­falls nicht evan­ge­li­sie­ren“, so der Kar­di­nal.

Die Kir­che kön­ne vom Evan­ge­li­um „her in allen Berei­chen des mensch­li­chen Wir­kens, Den­kens und Han­delns Berei­che­run­gen ein­brin­gen, Wei­ter­füh­run­gen, Fra­gen, Denk­an­stö­ße. Die Kul­tur­schaf­fen­den, die Poli­ti­ker, die Phi­lo­so­phen und die Künst­ler sind offen für Gesprä­che und Begeg­nun­gen. Das erfah­re ich immer wie­der. Aber in unse­rem Reden, Han­deln, auch in unse­rer Lit­ur­gie, im öffent­li­chen Auf­tre­ten, in der kon­kre­ten Seel­sor­ge vor Ort muss das auch durch die Qua­li­tät unse­rer Arbeit sicht­bar wer­den. Ich den­ke in die­sem Zusam­men­hang oft an den Begriff der „Renais­sance“. Ja, ich glau­be an eine Renais­sance des christ­li­chen Glau­bens, aber es wird ein lan­ger Weg der tie­fen geist­li­chen und gei­sti­gen Erneue­rung sein“, so Mün­chens Erz­bi­schof Marx.

Synode: „Im Bereich Ehe und Familie entscheiden sich die Zukunftsperspektiven der Kirche“

Zur Bischofs­syn­ode über die Fami­lie mein­te der Kar­di­nal: „Es wur­den natür­lich gro­ße Erwar­tun­gen geweckt und auf der ande­ren Sei­te Befürch­tun­gen wach­ge­ru­fen. All das hat sich auch wäh­rend der Dis­kus­si­on in der Syn­ode­nau­la und in den Arbeits­grup­pen gezeigt. Der Hei­li­ge Vater hat in sei­ner Schluss­an­spra­che noch ein­mal deut­lich gemacht, wie sehr er auch gera­de die offe­ne Debat­te geschätzt hat und wünscht. Das ist ein wich­ti­ger Schritt nach vor­ne. Denn beson­ders im Bereich von Ehe und Fami­lie ent­schei­den sich die Zukunfts­per­spek­ti­ven der Kir­che. Also: Für eine Bilanz ist es zu früh. Nach der Syn­ode ist vor der Syn­ode!“

Der Papst, so Marx, „garan­tiert die Ein­heit mit der Tra­di­ti­on und die Ein­heit der Kir­che unter­ein­an­der. Aber gera­de des­halb ist es not­wen­dig, offen mit­ein­an­der in geist­li­cher Wei­se zu strei­ten über den zukünf­ti­gen Weg der Kir­che in die­sen exi­sten­zi­el­len Fra­gen, die ja fast alle Men­schen und alle Gläu­bi­gen berüh­ren.“ „Natür­lich muss man dar­auf ach­ten, dass dar­aus kein poli­tisch-tak­ti­scher Pro­zess wird. Ich weiß nicht, ob wir das immer ver­mie­den haben. Es braucht eine grund­sätz­li­che Offen­heit und ein wirk­li­ches Ver­trau­en, um einen gemein­sa­men Weg zu fin­den. Es darf ja am Ende eines syn­oda­len Weges kei­ne Sie­ger und Besieg­te geben, son­dern alle müs­sen mit­ein­an­der ver­su­chen, auch vom Ande­ren her zu den­ken und neue gemein­sa­me Schrit­te in die Zukunft zu gehen“, so Kar­di­nal Marx.

„Lehre der Kirche muß sich weiterentwickeln“

Inhalt­lich sag­te der DBK-Vor­sit­zen­de zur Fami­li­en­syn­ode: „Auch in der Leh­re muss sich die Kir­che ja wei­ter­ent­wickeln, ohne Posi­tio­nen auf­zu­ge­ben, aber durch die gan­ze Geschich­te der Kir­che hin­durch ist das Dog­ma wei­ter ent­fal­tet und ver­tieft wor­den. Das gilt auch im Blick auf Ehe und Fami­lie. Es gibt also kei­nen End­punkt der Suche nach der Wahr­heit.“

Die „offe­ne Gesell­schaft“ sei unter die­sem Blick­win­kel „doch auch vom Evan­ge­li­um her ein Fort­schritt. Die Fra­ge ist also nicht, ob eine Mehr­heit in allem unse­rer Mei­nung ist, son­dern ob wir mit unse­rer Lebens­wei­se und unse­rem Den­ken auch einer plu­ra­len Gesell­schaft noch etwas zu sagen haben und vie­le gewin­nen kön­nen, dem Weg des Evan­ge­li­ums zu fol­gen in der Gemein­schaft der sicht­ba­ren Kir­che“, so Kar­di­nal Rein­hard Marx zu Etu­des.

Die voll­stän­di­ge deut­sche Über­set­zung des Inter­views wur­de von der deut­schen Jesui­ten­zeit­schrift Stim­men der Zeit ver­öf­fent­licht.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: MiL

36 Kommentare

  1. „Die gro­ße Geschich­te des Chri­sten­tums liegt hin­ter uns, und vor uns liegt eine unsi­che­re und eher angst­ma­chen­de Zukunft. So kann man jeden­falls nicht evan­ge­li­sie­ren“, so der Kar­di­nal.“
    Da ist was dran. Ich traue mich jetzt schon vor lau­ter Angst bei Grün nicht über die Stra­ße.
    Übri­gens die ganz gro­ße Geschich­te haben wir noch vor uns oder wol­len wir unse­ren Gott nicht schau­en. Das kommt davon wenn man zu klein­mü­tig ist und die gerin­ge Höhe der Kir­chen­steu­er beklagt.
    Per Mari­am ad Chri­stum.

  2. Jaja, „Zeu­gen“ wie die­sen Marx, ech­te Vor­bil­der und Bei­spie­le eben:

    „Es ist spät gewor­den an die­sem Frei­tag in der Fasten­zeit, vom Dom­berg aus sieht man die Lich­ter schwir­ren. Beim Essen im Spei­se­saal des Kar­di­nal-Döpf­ner-Hau­ses wird Marx fami­li­är. Den Rot­wein trinkt er in lan­gen Zügen, vom Kalbs­bra­ten mit Rahm­schwam­merl nimmt er zwei­mal nach, beim zwei­ten Mal drei Kru­sten­stücke. Er kaut, schimpft und lacht.“

    Quel­le: Maga­zin Cice­ro, des­sen Jour­na­li­sten ihn wohl eini­ge Tage beglei­tet haben, sie­he auch
    http://www.cicero.de/berliner-republik/kardinal-reinhard-marx-die-gummisohlen-der-macht/58943

    Für mich ist das weder ein Prie­ster, noch ein Bischof, noch ein Kar­di­nal, son­dern ein­fach ein wich­tig­tue­ri­scher, heuch­le­ri­scher, macht­bes­se­ner Ham­pel­mann.

  3. Wir sehen hier die Prqak­ti­sche Anwen­dung jenes Tra­di­ti­ons­be­griffs der laut Johan­nes Pau­lI aus Lumen gen­ti­um her­vor­geht und der laut dem Motu pro­prio Eccle­sia Dei anzu­wen­den ist ‚und man kann es in einer Zeit in der Bene­dikt XVI immer wie­der als Tra­di­tio­nell dar­ge­stellt wird , nicht oft genug sagen des­sen gei­sti­ger Vater Joseph Ratz­in­ger ist

    • Damit nicht genug: Der Renais­sance­fürst auf dem Stuhl des Hl. Kor­bi­ni­an ist im wört­li­chen Sin­ne Crea­tur des Ratz­in­ger-Pap­stes! Gott­lob sind die Tage die­ser Miet­lin­ge gezählt, da Gott sei­ner nicht spot­ten läßt!

  4. Nun hat er so vie­le Wor­te „abge­son­dert“, ohne auch nur einen kon­kre­ten und fass­ba­ren Satz zu sagen!
    Rei­nes Meta­ebe­nen­ge­schwa­fel.
    Und dann die­se „Loya Djirga“-Ideologie: in der Lösung müs­sen sich dann am Ende alle fin­den kön­nen.
    Hach…
    Das ist doch Tyran­nei auf Samt­pfo­ten: Falls einer dann doch nicht ein­ver­stan­den sein soll­te, hat er sich gefäl­ligst den­noch „zu fin­den“ in dem, was das Kol­lek­tiv beschlos­sen hat. Die mei­sten wer­den kuschen, ein paar wer­den irgend­was aus dem Schla­mas­sel krä­hen von wegen „Leh­re der Kir­che“ etc.

    Aber es ist ja wahr, was @ Tho­mas Kovacs schreibt: die Leh­re der Kir­che ist seit dem Vati­ca­num II Gegen­stand des krea­ti­ven Gestal­tens, und vor allem hat er recht damit, dass die­se Idee vor allem von Ratz­in­ger vor­an­ge­trie­ben wor­den ist. Wir las­sen das Alte und Neue mit ein­an­der wett­ei­fern und ver­schmel­zen. Dass die „Ent­fal­tung“ der Dog­men vor dem Kon­zil jedoch einem streng logi­schen Wahr­heits­be­griff ent­lehnt wur­de, über­sieht Marx ent­we­der oder er ist bereits so ver­bil­det, dass er das schlicht nicht mehr weiß…

    Wehe dem, der noch so etwas wie einen Satz mit kon­kre­ten Inhalt sagt!

  5. Es gibt also kei­nen End­punkt auf der Suche nach Wahr­heit laut Marx. was heißt denn das
    wirk­lich ? Das öff­net doch allen „Neu­leh­ren“ Tür und Tor. War­um gilt nicht das „Ja, ja“, „Nein,
    Nein“ ? Was soll das Her­um­schwa­dro­nie­ren ? Wenn die Suche nach wahr­heit nicht been­det wer­den kann, dann gibt es gar kei­ne Wahr­heit.

    • Das ist näm­lich die voll­ende­te Logik:

      „Wenn die Suche nach Wahr­heit nicht been­det wer­den kann, dann gibt es gar kei­ne Wahr­heit.“

    • Kalbs­bra­ten und Rot­wein an einem Frei­tag in der Fasten­zeit? Und das soll ein Erz­bi­schof und Kar­di­nal sein? Da sieht man wie­der in wel­cher ver­kehr­ten Zeit wir heu­te leben. Da geben sich die Bösen gut und die Guten wer­den als böse gebrand­markt.
      JESUS hat 40 Tage in der Wüste gefa­stet, aber Rein­hard Marx soll das nicht nötig haben? Statt­des­sen mästet er sei­nen Wanzt wei­ter­hin als gäbe es kei­ne Fasten­zeit? Und in sei­nen Aus­sa­gen ist wie immer so gut wie kein Klar­text ent­hal­ten, von „euer Ja sei ein Ja, euer Nein sei ein Nein“ kann da kei­ne Rede sein. Die Zukunft des Chri­sten­tums sieht sehr wohl düster aus, wer dem wider­spricht ist ein Rea­li­täts­ver­wei­ge­rer, egal wer es ist.
      Da wer­den Chri­sten im Irak abge­schlach­tet und ver­trie­ben, die Welt sieht taten­los zu, als kön­ne man nichts machen. Wie könn­te da nicht der Ein­druck ent­ste­hen, dass Chri­sten unter den füh­ren­den west­li­chen Poli­ti­kern ver­hasst und ver­schmäht sind? Dazu wird, wenn es so wei­ter­geht, unter dem angeb­lich hei­li­gen Vater Papst Fran­zis­kus die Tod­sün­de und die Unauf­lös­lich­keit der Ehe abge­schafft, die Tra­di­ti­on in der katho­li­schen Kir­che geäch­tet und alles unter dem Deck­man­tel einer angeb­lich not­wen­di­gen Moder­ni­sie­rung in der Welt von heu­te als gut ver­kauft.
      Ich sehe dies­be­züg­lich unter eini­gen Zweck­op­ti­mi­sten die Angst, der Rea­li­tät ins Auge zu sehen.

  6. Immer wenn in der Ver­gan­gen­heit der unsäg­li­che Zollitsch eine noch unsäg­li­che­re Bot­schaft unter‚s Volk streu­te, sprach eine inne­re Stim­me zu mir: Läch­le und sei froh, es könn­te schlim­mer kom­men!“
    Und ich läch­tel­te und war froh, und es kam schlim­mer!!!

  7. Die Wahr­heit steht ein für alle­mal fest, gegrün­det in Jesus Chri­stus.
    Es braucht kei­nen Faden, der in die Zukunft reicht und an des­sen Ende man dann irgend­ei­ne „Wahr­heit“ fin­det.
    Die Wahr­heit ist schon da!
    Jesus: „Ich bin der Weg und die Wahr­heit und das Leben .….“ (Joh 14,6)

  8. „Sym­ma­chus sagt:
    16. Okto­ber 2014 um 10:41
    Immer­hin geht der Münch­ner EB – so wird jeden­falls behaup­tet – seit der letz­ten Papsst­wahl zu Fuß zum Dom.
    Wie oft er das tut wird nicht ange­ge­ben,“

    Eine zur Schau getra­ge­ne Beschei­den­heit ist nicht wirk­lich beschei­den.

    sie­he Cice­ro — der Kar­di­nal geniesst sein Her­ren­mahl!!!

  9. Kar­di­nal ( und Rota­ry-Mit­glied ) Marx wie­der­holt hier ledig­lich sei­ne Wort­mel­dung an der Syn­ode; .…dort hat er fol­gen­de haar­sträu­ben­de „neue Kirche“-Gedankenknäuel von sich gege­ben:
    ( aus „radio­va­ti­can“):
    -
    „Wir soll­ten den Unter­ton ver­mei­den, es habe irgend­wann eine idea­le Rea­li­tät von Ehe und Fami­lie gege­ben. 
    Das ist eine Sicht, die ein biss­chen Requon­qui­sta-mäßig ist. 
    Wir müs­sen wie­der­ge­win­nen, was wir mal hat­ten. 
    Das ist eine fal­sche Sicht, eine unge­schicht­li­che Sicht.“

    Viel­mehr müs­se man „jetzt in die­ser Zeit“ das Evan­ge­li­um von der Fami­lie 
    mit den Men­schen von heu­te „neu erar­bei­ten, neu ent­decken“ – und „nicht nur etwas Altes ent­decken“. 
    Dazu gehö­re auch ein Über­den­ken der mora­li­schen Bewer­tun­gen: “
    Das Men­schen heu­te mora­lisch schlech­ter wären, das ist doch nicht wahr“, so der Kar­di­nal.

    „Die Leh­re der Kir­che ist kein sta­ti­sches Gebil­de. 
    Kar­di­nal Kas­per hat das so schön gesagt, 
    aber da könn­te man auch Bene­dikt XVI. zitie­ren 
    und vie­le ande­re: die Wahr­heit ist kein System, son­dern eine Per­son. 
    Eine Per­son, die mit­geht und mit der wir im Gespräch sind mit den Rea­li­tä­ten unse­res Lebens.“

    Kar­di­nal Marx warn­te vor einer zu apo­dik­ti­schen Beto­nung der Tat­sa­che, dass die katho­li­sche Leh­re auf kei­nen Fall ver­än­dern wür­de.
    „Die Leh­re wird nicht ver­än­dert, aber die ent­wickelt sich.“ 
    Eine Abset­zung der Pasto­ral von der Leh­re wer­de einer ech­ten Pasto­ral nicht gerecht.
    [.…]

    In der Fra­ge der Akzep­tanz homo­se­xu­el­ler Paa­re von Sei­ten der Kir­che — ein wei­te­rer neur­al­gi­scher Punkt aus Sicht der Orts­kir­chen im Westen — sprach Kar­di­nal Marx von einer gewis­sen Dyna­mik. 

    „Homo­se­xu­el­le dür­fen nicht aus­ge­grenzt wer­den. 
    Und ich kann ja nicht sagen, dass in einer homo­se­xu­el­len Bezie­hung viel­leicht die über Jahr­zehn­te geht und treu gelebt wird, ich habe ja sol­che Leu­te erlebt – ich kann nicht sagen, das ist alles nichts.

    Nur weil es eine homo­se­xu­el­le Bezie­hung ist. 
    Das ist ein biss­chen zu stark. 
    Das sind Din­ge, die wir genau­er anschau­en müs­sen. 
    Ein­fach alles über einen Kamm sche­ren, das kann man nicht.“
    -

    Kar­di­nal Marx tritt in die Fuss­stap­fen libe­ra­ler Vor­den­ker wie
    dem libe­ra­len Kar­di­nal Sue­n­ens, einem der „Media­to­ren“ des Vati­ka­num II.. Er schrieb in „Die Welt als Auf­ga­be“:
    -
    „Den Men­schen von sei­ner Ver­ant­wor­tung vor der Geschich­te aus defi­nie­ren,
    heisst die Umris­se des Men­schen unse­rer Zeit bestim­men,
    des Men­schen, den wir in uns und um uns her­an bil­den müs­sen, 
    damit er zur Wür­de eines Lebens in pla­ne­ta­ri­schen Dimen­sio­nen gelangt.
    Einen Huma­nis­mus der Ver­ant­wort­lich­keit ent­wickeln , 
    ist letz­ten Endes die gro­sse Auf­ga­be unse­res Jahr­hun­derts, 
    eine gei­sti­ge und ethi­sche Aufgabe,und nie­mand hat das Recht sich ihr zu ent­zie­hen; 
    am aller­we­nig­sten die Kir­che“
    -

    Schliess­lich noch eine aus dem „St. Atha­na­si­us Bote“ ent­nom­me­ne kaum zu fas­sen­de Äusse­rung des gera­de auch von Papst Fran­zis­kus so hoch geschätz­ten 
    Kar­di­nal Kas­per;
    in sei­nem Buch „Ein­füh­rung in den Glau­ben“ 
    ( 7. Auf­la­ge 1983, Kapi­tel 9,4 S. 148) 
    schrieb er fol­gen­de Unfass­bar­keit.…
    er meint, Dog­men kön­nen
    -
    „durch­aus ein­sei­tig, ober­fläch­lich, recht­ha­be­risch, dumm und vor­ei­lig sein“

    Zur Erin­ne­rung:
    Die Dog­men die­nen dazu beson­ders gefähr­de­te ( d.h. von Irr­leh­ren oder Irr­tü­mern ange­foch­te­ne )Glau­bens­wahr­hei­ten zu ver­tei­di­gen oder zu bekräf­ti­gen.
    Sie sind
    v e r b i n d l i c h e s
    und
    u n a b ä n d e r l i c h e s
    Glau­bens­gut !

  10. Und die Redak­ti­on hat zu die­sen Wor­ten — wenn er nicht Kar­di­nal wäre, wür­de ich sagen ‚Loh­käs‘ — uns alle hier mit einem pas­sen­den Foto beglückt!
    Und die im Loh­käs ver­steck­ten Dro­hun­gen sind übel.

  11. „Dar­in spricht er davon, daß die Kir­che „Erneue­rung“ und „nicht Restau­ra­ti­on“ brau­che.“
    Ihr habt doch ein neu­es Pfing­sten vor kur­zem erst geschaf­fen. Habt ihr den Hei­li­gen Geist nicht ein­ge­bun­den gehabt oder habt ihr sel­ber Hei­li­ger Geist gespielt. Ich ver­ste­he das nicht. Wenn ich in den Kon­zils­do­ku­men­ten stö­be­re sticht mir ein Wort fast immer die Augen aus. Es ist das Wort „Fül­le“. Ihr habt in Wahr­heit den Men­schen sau­ren Wein in kaput­ten Fla­schen ein­ge­füllt und das in „Fül­le“. Von einem schlech­ten Baum kön­nen kei­ne guten Früch­te kom­men egal ob der schlech­te Baum gute Früch­te brin­gen woll­te. Das Kon­zil ist ein schlech­ter Baum und das ein­zi­ge was ihn noch ret­ten kann ist eine gro­ße Säge.
    Per Mari­am ad Chri­stum.

  12. Die römisch-katho­li­sche Kir­che, vorn­weg Papst Fran­zis­kus und sein Neu­ner­rat, soll lie­ber die Ermah­nung des hl. Apo­stels Judas anneh­men, die er uns in sei­nem Brief, Vers 3, gab: „…dass ihr für den Glau­ben kämpft, der den Hei­li­gen ein für alle Mal über­lie­fert wur­de“. Wohl­ge­merkt: 1. bereits über­lie­fert; und 2. ein für alle Mal — nichts dar­über hin­aus ist not­wen­dig und zu erwar­ten, und sie mögen uns bit­te ver­scho­nen mit ihren neu­en „Ent­wick­lun­gen“, die in Wirk­lich­keit Ände­run­gen sind, wor­auf der hl. Apo­stel in Gala­ter 1 ein dop­pel­tes Anathe­ma gelegt hat. Der Glau­be der Apo­stel war ein voll­stän­di­ger, voll­kom­men hin­rei­chen­der Glau­be zur Ret­tung der unsterb­li­chen See­le und zum Auf­bau des Rei­ches Got­tes.

  13. Mein Ein­druck ist, dass die Oster­mann-Geschich­te auf kath.net einen wohl­tä­ti­gen Klä­rungs­pro­zess aus­ge­löst hat. Anschei­nend ist man dort zur Ein­sicht gekom­men, dass die Gei­ster sich zu schei­den begin­nen, und ist viel­leicht bereit, sich auf die rich­ti­ge Sei­te zu stel­len. Das jeden­falls wün­sche ich den kath.net-Machern. Paul Josef Kar­di­nal Cor­des hat Rein­hard Kar­di­nal Marx öffent­lich geant­wor­tet: http://kath.net/news/49704 . Bene­dic­tum sit nomen Domi­ni!

  14. Ein dyna­mi­scher Wan­del — um es ein­mal posi­tiv aus­zu­drücken — ist kei­ne Renais­sance, weder in der Kul­tur noch in der Reli­gi­on.

    O, Herr Kar­di­nal, sie schlei­chen um die Wahr­heit wie die Kat­ze um den hei­ßen Brei!

    • Die­se pola­ri­sie­ren­den Begrif­fe („Recon­qui­sta“ und „Renais­sance“) füh­ren bei­de total in die Irre.

      Marx arbei­tet nach dem­sel­ben rhe­to­ri­schen Prin­zip wie Ber­go­glio: Durch die Pola­ri­sie­rung in zwei unpas­sen­den Begrif­fen, auf deren einen dann unbe­darf­te Kon­ser­va­ti­ve auch noch zugrei­fen und gar nicht mer­ken, dass sie in eine Fal­le getre­ten sind, wird das, wor­um es geht, was eigent­lich im Zen­trum stün­de, bei­sei­te gerückt…

      Es geht bei der Glau­bens­leh­re weder um eine „Wie­der­erobe­rung“ noch um eine „Neu­ge­burt“.

      Argu­ment:

      A. Die Wahr­heit ist logisch und gött­lich und kann nicht erobert wer­den.

      B. Die Wahr­heit muss aner­kannt und bezeugt wer­den.

      C. Die Wahr­heit gebiert nicht stän­dig neu, son­dern ent­wickelt die ihr inne­woh­nen­de Kraft wie­der­um logisch und ohne Wider­sprü­che — auch wenn man­ches viel­leicht para­dox erschei­nen mag, aber logi­sche Wider­sprü­che sind nie­mals in der Wahr­heit ent­hal­ten!

      Marx ist aber hier ganz in der kon­zi­lia­ren Ter­mi­no­lo­gie: Wenn Ron­cal­li ein Neu­es Pfing­sten ankün­dig­te (also eine „Renais­sance“, eine Wie­der­ge­burt nach dem ersten Pfing­sten) und Woity­la bei jeder Gele­gen­heit bereits schon wie­der Neue Pfing­sten zu erblicken wähn­te, und Mon­ti­ni eben­falls Neu­erste­hun­gen der Kir­che wit­ter­te, wenn Ron­cal­li das Kon­zil für einen „zwei­ten“ Abend­mahls­saal hielt, dann wis­sen wir woher Marx sei­ne Ideen hat.

      Wenn man das Kon­zil aner­kennt, muss man Marx die­se Ideen zuge­ste­hen, denn sie ste­hen auf dem Boden des Kon­zils.

      Jeder erken­ne selbst, was dar­aus wie­der­um logisch folg­te!

  15. @ Wer­ter defen­dor.
    „Den Men­schen von sei­ner Ver­ant­wor­tung vor der Geschich­te aus defi­nie­ren,
    heisst die Umris­se des Men­schen unse­rer Zeit bestim­men,
    des Men­schen, den wir in uns und um uns her­an bil­den müs­sen,
    damit er zur Wür­de eines Lebens in pla­ne­ta­ri­schen Dimen­sio­nen gelangt.
    Einen Huma­nis­mus der Ver­ant­wort­lich­keit ent­wickeln ,
    ist letz­ten Endes die gro­sse Auf­ga­be unse­res Jahr­hun­derts,
    eine gei­sti­ge und ethi­sche Aufgabe,und nie­mand hat das Recht sich ihr zu ent­zie­hen;
    am aller­we­nig­sten die Kir­che“

    Ja, das ist das typi­sche Geschwätz von Media­to­ren des Kon­zils. Die fas­sen es heu­te noch nicht das Chri­stus das Ange­bot Satans in der Wüste abge­lehnt hat als er ihm die gan­ze Welt ange­bo­ten hat. Die wagen es wirk­lich in sei­nem Namen ihren Blöd­sinn frei­en Lauf zu las­sen und sind auch noch stolz dar­auf wie klug sie sind. Es macht durch­aus Spaß sich an der Ver­bal­akro­ba­tik der Ver­tre­ter des neu­en Pfing­stens sich zu erfreu­en. Sie reden viel und sagen nichts. Die gro­ße Auf­ga­be unse­rer Zeit wäre eigent­lich „Umkehr und Buße“ aber das ist für Media­to­ren des Kon­zil eine unver­dau­li­che Zumu­tung. Wer sind wir denn der Umkehr und Buße nötig hat? Pla­ne­ta­ri­sche Dimen­sio­nen? Ich fas­se es nicht, die­ser Sonn­tag ist geret­tet.
    „Wer rei­tet so spät durch Nacht und Wind, es ist der Kon­zils­geist mit sei­nem Kind“.
    Per Mari­am ad Chri­stum.

  16. „Ein wich­ti­ger Schritt, um Men­schen zu errei­chen, ist der Schritt zur Selbst-Evan­ge­li­sie­run­g”, mein­te der mäch­tig­ste deut­sche Kir­chen­fürst dia­lek­tisch.“
    Mache ich doch immer. Ich lese mir das durch was ein Kar­di­nal Leh­mann, ein Erz­bi­schof Zollitsch und ein Kar­di­nal Marx sagt, schrei­be mir das dann auf und schmei­ße es in den Schred­der. Danach suche ich mir mein Herrn und Gott sel­ber. Ein sehr ver­läß­li­che Metho­de.
    „Wir brau­chen nicht reli­giö­se Unter­neh­mer, son­dern Zeu­gen und Zeu­gin­nen“,
    Ich bin auch gen­der­ge­recht. In einer Schlan­ge von Brat­wur­stes­sern und Brat­wur­stes­se­rin­nen stel­le ich mich immer hin­ter den Brat­wur­stes­se­rin­nen an denn ich möch­te auch nicht auf­fal­len und immer mit dem Geist die­ser Zeit sein.
    „Das wür­de bedeu­ten: Wenn wir mehr Per­so­nen und mehr finan­zi­el­le Mit­tel hät­ten und mehr Medi­en­prä­senz, könn­ten wir das Ziel errei­chen.“
    Wenn die erbärm­li­che deut­sche Kir­chen­steu­er nicht reicht kauft euch doch ein gut funk­tio­nie­ren­den Laser­drucker und druckt euch das Geld sel­ber was ihr braucht um eure Zie­le zu errei­chen. Medi­en­prä­senz? Die erreicht ihr nur über Miß­bräu­che in der Kir­che nie­mals über die Auf­er­ste­hung des Herrn denn das mögen die nicht.
    „Der Papst, so Marx, „garan­tiert die Ein­heit mit der Tra­di­ti­on und die Ein­heit der Kir­che unter­ein­an­der.“
    Und das bezeich­ne ich als eine Lüge.
    Per Mari­am ad Chri­stum.

  17. Aus einer aktu­el­len Bot­schaft von „Luz de Maria“, 3. März 2015:
    „My Church, My Mysti­cal Body, will be divi­ded, and the divi­si­on will bring about the Schism of which the­re has been so much talk throughout Chri­stia­ni­ty. HE WHO WISHES TO CHANGE WHAT CANNOT BE CHANGED, WISHING TO ADJUST IT TO THE INSTANTS OF EACH GENERATION, IS NOT CHRISTIAN. MY WORD IS ONE; MY LAW IS ONE…“
    ( http://wp.me/p2UUpY-T2 )

    1. Das Schis­ma wird kom­men.
    2. Die Wahr­heit wird auf der Sei­te derer sein, die am Wort fest­hal­ten, nicht derer, die es ändern.

    • Mit Ver­laub — das wird nicht erst noch kom­men, son­dern das haben wir seit Jahr­zehn­ten schon… auch das „Schis­ma“. Wir haben es fak­tisch durch die Exi­stenz der Sedis­va­kan­ti­sten, die den Mut haben, es zu sein und den Kryp­to-Sediva­kan­ti­sten, die dem Papst „Wider­stand“ lei­sten (was so unka­tho­lisch ist wie nur etwas, v.a. wenn es ein genera­tio­nen­über­dau­ern­der Zustand ist!), denen man die Pius­sze­ne zurech­nen kann. Bei allen heim­li­chen und offe­nen Sedis­va­kan­ti­sten ist aber teil­wei­se eine erheb­li­che Lehr­an­ma­ßung ins Spiel gekom­men. Nur ein klei­ner Teil hält dar­an fest, kei­ne Lehr­kom­pe­tenz zu haben — und nur sie sind wahr­haf­tig.

      Und die­ses Schis­ma teilt lei­der nicht in zwei sau­ber abtrenn­ba­re Hälf­ten, son­dern es ist wie ein kräf­ti­ger Schmiss eines Gla­ses auf den Boden: in tau­send Split­ter sind wir doch längst zer­sprun­gen!

      Die­ses pro­te­stan­ti­sche „am Wort fest­hal­ten“ ist abso­lut kein Kri­te­ri­um: auch das haben wir seit 500 Jah­ren mit dem Ergeb­nis einer gigan­ti­schen Zer­split­te­rung unge­zähl­ter Grüpp­chen, die sub­jek­tiv natür­lich alle „am Wort fest­hal­ten“, objek­tiv aber ein­fach nur dem fol­gen, wovon sie glau­ben, ohne Hir­ten fol­gen zu kön­nen, was wie­der­um zu unüber­seh­ba­ren Irr­leh­ren und Wider­sprü­chen zwi­schen den Grüpp­chen geführt hat.

      Auch dazu ist die heu­te schon erwähn­te Schrift J.H. New­mans eine per­fek­te Lek­tü­re („Die Ent­wick­lung der Glau­bens­leh­re“).

    • Wenn das Schis­ma nicht mehr auf­zu­hal­ten ist, dann stellt sich die Fra­ge des Danach. Wer wird dann an der Spit­ze der wah­ren Kir­che ste­hen?
      Es stellt sich die Fra­ge, ob es da schon Gesprä­che unter den treu­en Kar­di­nä­len und Bischö­fen gibt oder gar einen „Plan B“- für den Fall. Es soll­te jeden­falls dem Cha­os vor­ge­beugt wer­den, soll­te man mei­nen.
      Was klar zu sein scheint: die Din­ge spit­zen sich immer mehr zu (auch in Poli­tik und „Welt“) und 2015 wird offen­kun­dig ein Jahr der Ent­schei­dun­gen.

      • Wir kön­nen davon aus­ge­hen, dass ande­re nicht weni­ger als wir die Lage der Kir­che erken­nen, und an einem Not­fall­plan arbei­ten, und zwar nicht erst seit heu­te und gestern. Ande­rer­seits ist die äuße­re Ein­heit des Lei­bes Chri­sti, die zu wah­ren alle Bischö­fe ver­pflich­tet sind, ein hohes Gut, dem gera­de in den letz­ten Jahr­zehn­ten oft die Wahr­heit zum Opfer fiel. (Viel­leicht war das Gut der Wah­rung der äuße­ren Kir­chen­ein­heit auch aus­schlag­ge­bend für den bona-fide-Amts­rück­zug Papst Bene­dikts XVI.) Jedoch kommt dann irgend­wann jene Gren­ze, ab der man guten Gewis­sens ein­fach nicht mehr mit­ma­chen kann, weil man sich sonst zum offe­nen Kom­pli­zen des Bösen macht. Auf die­sem Forum wur­de geta­delt, dass Anlass für die Unter­schei­dung und even­tu­el­le Tren­nung aus­ge­rech­net die Ehe- und Sexu­al­mo­ral ist. Man mag das bekla­gen, aber im Unter­schied zu Streit­the­men, wie bischöf­li­che Kol­le­gia­li­tät, Abgren­zung der Kir­che, inner­christ­li­cher und zwi­schen­re­li­giö­ser Öku­me­nis­mus, u.a., betrifft das Sexu­al- und Ehe­the­ma das Leben jedes ein­zel­nen Men­schen, Chri­sten und Katho­li­ken. Es ist nur natür­lich, dass sich gera­de auf die­sem Feld die Gren­ze zwi­schen den Lagern abzeich­net. Zumal das 6. und das 1. Gebot inner­lich mit­ein­an­der ver­bun­den sind (Abfall vom wah­ren Gott = Ehe­bruch und vice ver­sa). Ein wei­te­rer Gesichts­punkt ist, dass das Fest­hal­ten an der Unzer­trenn­lich­keit der Ehe ein uni­ka­les Merk­mal der römisch-katho­li­schen Kir­che ist, wor­in sie sich tra­di­tio­nell von allen ande­ren christ­li­chen Groß­kir­chen, auch der sonst so „kon­ser­va­ti­ven“ Ortho­do­xie, unter­schei­det. Des­halb trifft ein Ver­rat an die­sem Gebot die Kir­che und die Gläu­bi­gen in ihrem Wesen, in ihrer Herz­mit­te, und sind gera­de des­halb die weni­gen Hier­ar­chen, die katho­lisch blei­ben wol­len, hier beson­ders sen­si­bel. Ich kann das nicht tadeln.

      • Ja, das war ich mit die­ser Kri­tik.
        Und ich gebe Ihnen zu, dass die­ses The­ma der ein­fa­che Mensch am ehe­sten „kapiert“, weil es jeden betrifft.

        Aller­dings hat­te ich v.a. die Hier­ar­chen kri­ti­siert wie Kard. Bur­ke oder Kard. Mül­ler, die eben in den von Ihnen oben genann­ten Punk­ten teil­wei­se sogar in gra­vie­ren­den Wei­se den Irr­tü­mern des Vati­ca­num II fol­gen.
        Und von den Hir­ten darf man schon etwas ande­res erwar­ten, mei­ne ich.

      • Ihr Hin­weis auf die Ein­zig­ar­tig­keit der katho­li­schen Ehe­auf­fas­sung trifft in der Tat zu.
        Aller­dings — wie ich ja oft sagen will — viel viel wei­ter, als es die mei­sten begrei­fen.

        Die Ehe­auf­fas­sung in ihrer Tie­fe (nicht der rein ober­fläch­lich-mora­li­schen Struk­tur) weicht total ab auch von allen natur­recht­li­chen Auf­fas­sun­gen sämt­li­cher Reli­gio­nen und Kul­tu­ren der Welt. Inbe­grif­fen ist hier auch die Höher­schät­zung des Zöli­bats als Vor­weg­nah­me des himm­li­schen Lebens.

        Tat­säch­lich ver­steht man die Ehe­leh­re nur, wenn man sie als Auf­he­bung der Fluch­ord­nung ver­steht und im Kon­text des „Neu­en Men­schen“, der „Chri­stus ange­zo­gen hat“, deu­tet.

        Ich fin­de es pro­ble­ma­tisch, dass vie­le Kon­ser­va­ti­ve das nicht erken­nen und statt­des­sen auf das „Natur­recht“ set­zen.
        Den Vogel schoss bis­her Kard. Mül­ler ab, als er den Vor­schlag mach­te, alle Reli­gio­nen soll­ten sich zusam­men­tun und sich gemein­sam auf der Basis des „Natur­rech­tes“ gegen den Gen­der­wahn zusam­men­tun.

        Er sieht nicht, dass die isla­mi­sche Ehe­auf­fas­sung null mit der christ­li­chen ver­ein­bar ist und er über­sieht, dass gera­de im fer­nen osten der Gen­de­ris­mus z.T. Bestand­teil der Kul­tur ist, wenn auch als Aus­nah­me­erschei­nung, der man einen defi­nier­ten Rah­men gibt.

    • Alle Grup­pen, die den römi­schen Irr­tü­mern nicht fol­gen, haben ihre Argu­men­te, und es ist objek­tiv schwie­rig, unter die­sen Grup­pen die eine wah­re Kir­che auzu­ma­chen.
      Ein offe­nes Schis­ma wegen aktu­el­ler pasto­ra­ler und moral­theo­lo­gi­scher Streit­fra­gen (Geschie­de­ne, Hom­se­xua­li­sten…) wird die­se Situa­ti­on lei­der kaum berei­ni­gen, weil auch das treue­re Lager (Bur­ke, Mül­ler, Brand­mül­ler…) an zweit­va­ti­ka­ni­schen Irr­tü­mern, wie der Hoch­ach­tung vor fal­schen Reli­gio­nen, fest­hält.
      Das Fest­hal­ten an Gott, an Sei­nem Wort und an Sei­nem Gesetz ist kei­ne pro­te­stan­ti­sche Erfin­dung, es ist eine aus­drück­li­che For­de­rung Got­tes in der Bibel und aus dem Mund Jesu Chri­sti.
      Das Wort Got­tes ist nur für sol­che unver­ständ­lich, die dem Hei­li­gen Geist wider­stre­ben.

      • O, damit wider­spre­chen Sie aber ver­schie­de­nen lehr­amt­li­chen Defi­ni­tio­nen, die aus­drück­lich bestrei­ten, dass sich das „rich­ti­ge“ Ver­ständ­nis schon irgend­wie ein­stellt.
        Sie müss­ten die Fra­ge beant­wor­ten, wie­so die Kir­che dann 2000 Jah­re lang ein Lehr­amt gebraucht hat und unter har­ten Kämp­fen bestimm­te ver­ste­hens­wei­sen durch­set­zen muss­te und wie­so sogar Hei­li­ge die eine oder ande­re Defi­ni­ti­on zuvor bestrit­ten haben, bevor sie defi­niert wur­de…

  18. Der Begriff „Ent­wick­lung der Glau­bens­leh­re“ stammt, so weit ich es über­se­he, von John Hen­ry New­man.

    New­man hat eine Stu­die mit die­sem Titel geschrie­ben, die die Fra­ge unter­sucht, woher die moder­ne­ren Dog­men kom­men, die doch schein­bar (nota bene: schein­bar) gar nicht aus dem Glau­bens­gut der alten Kir­che stam­men.

    In die­sem Text schreibt er unter ande­rem:

    „Dass es also eine Wahr­heit gibt; dass es nur eine Wahr­heit gibt; dass reli­giö­ser Irr­tum an sich unmo­ra­li­scher Natur ist; dass, wer ihn ver­tritt – es sei denn unfrei­wil­lig –, sich dadurch schul­dig macht; dass das For­schen nach der Wahr­heit kei­ne blo­ße Befrie­di­gung der Neu­gier ist; dass ihre Erlan­gung nichts von der Erre­gung einer Ent­deckung hat; dass der mensch­li­che Geist der Wahr­heit unter­wor­fen ist, nicht über sie herrscht; dass er ver­pflich­tet ist, statt groß­spu­rig über sie zu reden, ihr in Ehr­furcht zu begeg­nen; dass Wahr­heit und Falsch­heit uns zur Prü­fung unse­rer Her­zen vor­ge­setzt wer­den; dass unse­re Wahl ein schau­de­r­erre­gen­des Aus­wer­fen der Lose ist, auf denen Erret­tung oder Ver­wer­fung geschrie­ben steht; dass es vor allen Din­gen not­wen­dig ist, den katho­li­schen Glau­ben zu hal­ten, das ist das dog­ma­ti­sche Prin­zip, ein Prin­zip vol­ler Kraft“ (Quel­le: http://www.daswerk-fso.org/deutsch/?p=240)

    Kar­di­nal New­man sieht das Pro­blem des reli­giö­sen Libe­ra­lis­mus in sei­nem anti­dog­ma­ti­schen Prin­zip.

    Stellt man sich vor, man ent­wick­le eine Leh­re in einem zumin­dest dog­men­fer­nen Sin­ne, dann bedeu­tet das etwas erheb­lich ande­res, als wenn man eine Leh­r­ent­wick­lung als eine Art gene­ti­scher Ent­fal­tung aus einem von Anfang an fest­ge­leg­ten Gen­code ansieht.

    Wie bei einem Samen­korn sieht man anfangs kei­nes­wegs, dass es ein­mal einen klei­nen Halm von der und der Län­ge, einen Frucht­stand haben wird, Blät­ter, die mög­li­cher­wei­se erst grün erschei­nen, spä­ter aber gelb­lich mit roten Pünkt­chen etc. etc.

    Jede Mut­ter, jeder Vater erlebt die­ses unab­seh­ba­re Wun­der, wie sich das eige­ne Kind ent­fal­tet und immer neue und über­ra­schen­de Züge annimmt — aber die­se Ent­fal­tung geschieht auf der Basis einer unwan­del­ba­ren gene­ti­schen Sub­stanz, die auch feste Aus­prä­gun­gen hat („Dog­men“).

    Will Marx eine „Ent­wick­lung“, wie New­man sie bekämpf­te, die kern­los ist, sub­stanz­los, unab­seh­bar im will­kür­li­chen Sin­ne?

    Für die Leh­re galt immer, dass sehr wohl Din­ge ins Licht des Glau­bens geho­ben wer­den kön­nen, die man zuvor nicht so deut­lich ansah.
    Daher galt ja die „näch­ste Glau­bens­re­gel“, das aktu­el­le Lehr­amt, immer als das ver­bind­li­che­re Wei­sungs­in­sti­tut als die abstrak­te „Leh­re“.

    Es war aber auch klar, dass dabei ein­mal aus­ge­reif­te Dog­men nicht mehr hin­ter­schrit­ten oder gar ins Gegen­teil ver­kehrt wer­den kön­nen:
    Auch ein Mensch von 180 cm wird sich unmög­lich wie­der zu einem Men­schen mit einer gene­tisch ange­leg­ten Lei­bes­hö­he von 120 cm „ent­wickeln“ — und wenn er schrumpf­te oder er sei­ner Glie­der beraubt wür­de, um klei­ner zu wer­den, wäre es eine Gewalt­tat oder patho­lo­gi­sche Zer­stö­rung und kei­ne gesun­de Ent­wick­lung…

    • Dort auf der Web­site heißt es:

      „Den­ken im Glau­ben mar­kiert einen Grund­voll­zug des Men­schen vor Gott. Durch­drin­gung und Refle­xi­on sind für ein Leben im Glau­ben nicht ver­zicht­bar. Daher „muß das Volk Got­tes sein Glau­bens­le­ben stän­dig in sich selbst erwecken oder neu bele­ben, zumal durch eine immer tie­fe­re Refle­xi­on, die sich unter der Füh­rung des Hei­li­gen Gei­stes mit dem Inhalt des Glau­bens selbst aus­ein­an­der­setzt“ (Instruk­ti­on über die kirch­li­che Beru­fung des Theo­lo­gen). Eine Neu­aus­rich­tung ist erfor­der­lich, die dem pro­gram­ma­ti­schen „duc in altum“ (novo mill­en­nio ine­un­te) zu Beginn des drit­ten Jahr­tau­sends Rech­nung trägt. Dies betrifft die Ver­kün­di­gung, die Theo­lo­gie wie auch die Sor­ge um den vita­len Glau­ben jedes Ein­zel­nen, den es je neu zu ent­fa­chen und zu ver­tie­fen gilt.“

      Expo­nen­ten die­ses Insti­tu­tes sind: Tho­mas Schu­ma­cher (Hrsg.), Jörg Splett, Ger­hard Lud­wig Mül­ler, Rein­hard Marx, Hein­rich Mus­sing­hoff und Joa­chim Kar­di­nal Meis­ner

  19. Beim ersten Durch­le­sen hört sich man­ches nicht schlecht an, aber Kar­di­nal Marx hat nicht Chri­stus im Blick, son­dern die Anpas­sung an irgend­wel­che Men­schen. Er schuldet(e) bspw. eine Def­in­ti­on von „plu­ra­ler Gesell­schaft“. Auch der Herr leb­te in einer sol­chen plu­ra­len Gesell­schaft, aber nie ist/war bei ihm die Rede von Leicht­ma­chen und Anpas­sung.
    Kar­di­nal Marx stellt die Inhal­te der christ­li­chen, befrei­en­den Leh­re von den Füßen auf den Kopf. Das Wort „Sün­de“ scheint bei ihm nicht zu exi­stie­ren. Daß sei­ne plu­ra­le Gesell­schaft aber nichts außer der Sün­de hul­digt, sie zum eigent­li­chen Lebens­pro­g­armm erho­ben hat, scheint ihm ent­gan­gen zu sein.

    Des­we­gen auch bei ihm die Anpas­sung der Kir­che, „Wei­ter­ent­wick­lung der Leh­re“ in sei­nem Sin­ne.
    Er bringt also wirk­lich alles durch­ein­an­der. Das ist aber nichts Neu­es bei ihm.
    Das Wort Ver­rat in Bezug auf Kar­di­nal Marx möch­te ich nicht benut­zen, aber was soll man sagen?

  20. „Die Fra­ge ist also, … ob wir mit unse­rer Lebens­wei­se und unse­rem Den­ken auch einer plu­ra­len Gesell­schaft noch etwas zu sagen haben und vie­le gewin­nen kön­nen, dem Weg des Evan­ge­li­ums zu fol­gen in der Gemein­schaft der sicht­ba­ren Kir­che“
    Ich kann nicht erken­nen, dass das die Art und Wei­se ist, auf wel­che unser Herr Jesus Chri­stus wäh­rend sei­ner sicht­ba­ren Prä­senz auf Erden gehan­delt hät­te. Er hat so gehan­delt, dass er am Ende fra­gen muss­te: Wollt auch ihr noch weg­ge­hen?
    Viel­mehr scheint mir hier der viel­be­schwo­re­ne neue Göt­ze der Kir­chen­steu­er­kir­che auf: die soge­nann­te Glaub­wür­dig­keit.

  21. Kar­di­nal Marx ver­wen­det Begrif­fe und Wör­ter im Sin­ne von modern(d)er Sozio­lo­gie und Phi­lo­so­phie so weit ich das ver­stan­den habe @zeitschnur. Das ist aber unzu­läs­sig, denn somit schafft er Ver­wir­rung. Das ist aber gewollt wie es aus­sieht, denn er weiß genau, was er sagt.
    An den Leh­ren der Kir­che und der Leh­re Chri­sti ist ihm nicht gele­gen.

    Sein Auf­tre­ten in Hil­des­heim ist ein offe­ner Putsch gegen Papst Fran­zis­kus und vor allem gegen die Kir­che. Obwohl er ihn ja wähl­te und obwohl Papst Fran­zis­kus gemäß den offen­kun­dig getrof­fe­nen Abspra­chen han­delt, hat ihm Kar­di­nal Marx jetzt gezeigt, wo der Ham­mer zu hän­gen hat. Nach dem Mot­to: und bist du nicht wil­lig, so brau­che ich Gewalt. Man kann sich den­ken, daß Kar­di­nal Marx nicht im Allein­gang han­delt, son­dern daß alles im Gehei­men mit ande­ren Kar­di­nä­len abge­spro­chen war und ist.

  22. Nicht im ent­fern­te­sten ein Putsch, son­dern gewief­te Tak­tik.
    Kar­di­nal Marx und Papst Fran­zis­kus zie­hen an einem Strang.
    Die glei­chen Spiel­chen wie von den Päp­sten Johan­nes XXIII. und Paul VI.
    Man wahrt den kon­ser­va­ti­ven Schein und för­dert die Revo­lu­ti­on, die man dann anschlie­ßend beklagt. („Rauch Satans“)
    Zur Krö­nung wird man schließ­lich selig- und hei­lig­ge­spro­chen.
    Den letz­ten: den ein­fa­chen Gläu­bi­gen, bei­ßen die Hun­de.

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