Kirche in Kanada: Feldzug für das Leben und gegen die Verweltlichung

Basilika Maria Königin der Welt in Montreal nach dem Vorbild römischer Patriarchalbasiliken errichtet.
Basi­li­ka Maria Köni­gin der Welt in Mont­re­al nach dem Vor­bild römi­scher Patri­ar­chal­ba­si­li­ken errichtet.

(Otta­wa) Von der katho­li­schen Öffent­lich­keit kaum wahr­ge­nom­men, fin­det in Kana­da eine gro­ße Aus­ein­an­der­set­zung zwi­schen über­zeug­ten gläu­bi­gen Katho­li­ken einer­seits und moder­ni­sti­schen Hir­ten und ihrem ver­welt­lich­ten Appa­rat statt.
Das ist beson­ders auf­fal­lend, war Kana­da für die römisch-katho­li­sche Kir­che doch sehr lan­ge ein wenig pro­ble­ma­ti­sches, ja frucht­ba­res Gebiet.

Im Osten eine mehr als vier Jahr­hun­der­te alte fran­zö­sisch­spra­chi­ge katho­li­sche Anwe­sen­heit mit vie­len gro­ßen Mis­sio­na­ren, dar­un­ter vie­len Jesui­ten, vie­len Mär­ty­rern, einer gro­ßen mis­sio­na­ri­schen Tätig­keit und einer tie­fen Ver­an­ke­rung in der fran­zö­sisch-kana­di­schen Bevölkerung.

Im west­li­chen anglo­pho­nen Teil von Kana­da eine star­ke Prä­senz von Ein­wan­de­rern aus katho­li­schen Län­dern mit star­ken Ein­flüs­sen aus den USA und aus Groß­bri­tan­ni­en, sowohl was die Orden als auch typi­sche Cha­rak­te­ri­sti­ken betrifft durch den Kon­takt und den Umgang mit Angli­ka­nern und pro­te­stan­ti­schen Denominationen.

Blühende Kirche unter Druck geraten

In den ver­gan­ge­nen 50 Jah­ren ist die­ses Gefü­ge sehr schwer unter Druck gera­ten, wie auf der Web­site www.dici.org genau doku­men­tiert ist.

In den fran­zö­sisch­spra­chi­gen Gebie­ten trat eine gewal­ti­ge Ver­welt­li­chung bei der Bevöl­ke­rung ein. Das 2. Vati­ca­num und sei­ne loka­le „Umset­zung“ sorg­ten für eine gewal­ti­ge Des­ori­en­tie­rung bei dem dor­ti­gen Kle­rus und inhalt­li­che Lee­re und lit­ur­gi­sche Ver­lot­te­rung brach­ten eine gewal­ti­ge Ent­frem­dung der ursprüng­lich zum über­gro­ßen Teil streng­gläu­big-katho­li­schen Bevöl­ke­rung von der Kir­che zuwege.

Sehr vie­le Kir­chen, dar­un­ter auch Kathe­dra­len, wer­den geschlos­sen, ver­kauft, pro­fa­niert, nicht sel­ten abge­bro­chen. Trotz­dem scheint die Haupt­ak­ti­vi­tät vie­ler inzwi­schen nume­risch sehr klei­nen Diö­ze­sen (bis zu 8.000 Gläu­bi­gen) offen­sicht­lich die Bekämp­fung der Prie­ster­bru­der­schaft St. Pius X. zu sein (wie jetzt im Bis­tum Chi­cou­ti­mi, wo der Bischof nie­mals durch gro­ßen neue­van­ge­li­sie­ren­den Eifer auf­ge­fal­len ist).

Wallfahrtskirche Oratoire Saint-Joseph du Mont-Royal von Montreal
Wall­fahrts­kir­che Ora­toire Saint-Joseph du Mont-Roy­al von Mont­re­al (1937 im Bau)

Seit­dem Gläu­bi­ge dort in Saguen­ay einen Besuch durch einen Pater der FSSPX orga­ni­sier­ten, lie­gen die Ner­ven blank. Erstens wur­de bei der Rei­se ein stark über­al­te­ter Augu­sti­ne­rin­nen­kon­vent besucht, wo eine 90jährige Non­ne vor Freu­de fast kol­la­bier­te, weil nach über einem hal­ben Jahr­hun­dert end­lich ein katho­li­scher Geist­li­cher in Sou­ta­ne vor der Tür stand (soweit zur all­täg­li­chen pasto­ra­len Betreuung).

Zwei­tens hat der Pater am 15. Febru­ar 2015 eine Hei­li­ge Mes­se im tra­di­tio­nel­len Ritus gefei­ert, was bei der nach Reli­gi­on dür­sten­den Bevöl­ke­rung sehr viel Inter­es­se her­vor­rief, aber bei der Bis­tums­lei­tung zu schlimm­sten Dro­hun­gen und Ver­wün­schun­gen gegen eine Teil­nah­me hier­an geführt hat.

Eine sehr befremd­li­che Reak­ti­on, ist die Ent­kirch­li­chung im fran­zö­sisch­spra­chi­gen Que­bec doch die höch­ste in der Welt mit einem Rück­gang der prak­ti­zie­ren­den Katho­li­ken um 95 Pro­zent von 1965 bis jetzt. Vie­le Orden zie­hen sich zurück oder ver­schmel­zen sich mit den anglo­ka­na­di­schen Brü­dern und Schwe­stern. Man den­ke als beson­ders bezeich­nen­des Bei­spiel dar­an, daß die frü­her sehr gro­ße und stol­ze Jesui­ten­pro­vinz Que­bec mit eige­nem Aus­bil­dungs­se­mi­nar in der eng­lisch­spra­chi­gen Jesui­ten­pro­vinz Cana­da auf­ge­gan­gen ist.

Verdunsten der katholischen Orden

Die Cana­di­an Reli­gious Con­fe­rence bezif­fert im Augen­blick die Zahl der Kommunitäten/Ordensniederlassungen auf 200, mit ca. 16.000 Mit­glie­dern, davon 94 Pro­zent älter als 60 Jah­re, und nicht weni­ger als 50 Pro­zent älter als 80 Jahre!

In Anglo­ka­na­da dage­gen ste­hen die römisch-katho­li­schen Gläu­bi­gen mit ihrer jün­ge­ren Ein­wan­de­rungs­tra­di­ti­on (Iren, Ita­lie­ner, Spa­ni­er, Por­tu­gie­sen, Filip­pi­ner) deut­lich mehr zu ihrem Glau­ben und zur katho­li­schen Leh­re. Die Mit­glie­der sind durch­schnitt­lich jün­ger und es gibt auch pro­zen­tu­al mehr reli­giö­sen Nachwuchs.

Zu glei­cher Zeit gibt es durch die Nach­bar­schaft mit den USA und durch die gemein­sa­me Spra­che enge Kon­tak­te und ähn­li­che Ver­hal­tens­wei­sen bei Pro­ble­men und Bedro­hun­gen. Der Kle­rus und beson­ders das Epi­sko­pat sind meist sehr pro­gres­siv und ganz auf Dia­log und Ver­ständ­nis für die Welt ein­ge­stellt. Auch eini­ge Orden mit Schwer­punkt in Kana­da sind sehr moder­ni­stisch aus­ge­rich­tet: beson­ders bekannt hier die „Basi­li­an Fathers“.

Säkularisierungsdruck durch den Staat

Seit eini­gen Jah­ren wird nun vom säku­la­ren Staat eine aggres­si­ve Kam­pa­gne für das Recht auf Abtrei­bung, für Gen­der, für frü­he und rabia­te Sexu­al­erzie­hung in den Schu­len und gegen das Son­der­stel­lungs­merk­mal der Mann-Frau-Kin­der-Fami­lie geführt, sehr ähn­lich wie in den USA und in Frank­reich. Dage­gen hat sich star­ker Pro­test ent­wickelt, z.B. durch die Cam­pai­gn for Life Coali­ti­on, durch PAFE (Par­ents as First Edu­ca­tors), durch REAL Women of Cana­da. Juri­stisch wehrt man sich durch die CCRL (Catho­lic Civil Rights League) gegen die Bevor­mun­dung durch den Staat.

Das Epi­sko­pat hat dage­gen schon lan­ge kapi­tu­liert. Kar­di­nal Tho­mas Col­lins von der Erz­diö­ze­se Toron­to, auf Dia­log mit der Welt und Ver­mei­dung von Kon­flik­ten aus­ge­rich­tet und ver­ständ­nis­voll für die Moder­ne, gab vor kur­zem die Erklä­rung ab: „Schools have a respon­si­bi­li­ty to teach the cur­ri­cu­lum set out by the Mini­stry of Edu­ca­ti­on“ (Schu­len haben eine Ver­pflich­tung, den Lehr­plan des Bil­dungs­mi­ni­ste­ri­ums zu unter­rich­ten). Hier­mit gab er die eige­ne Iden­ti­tät der frei­en katho­li­schen Schu­len preis.

Kapitulation der Bischöfe, Widerstand der Eltern

Der säku­la­re Staat recht­fer­tig­te sich, daß er beim Insti­tu­te of Catho­lic Edu­ca­ti­on (1986 durch die Bischofs­kon­fe­renz gegrün­det) nach­ge­fragt hat­te und die­ses (durch fort­schritts­lie­ben­de Per­so­nen besetz­te) Gre­mi­um mit Ein­ver­ständ­nis durch Kar­di­nal Col­lins „feed­back and advice“ gege­ben habe.

Inzwi­schen haben Zehn­tau­sen­de Eltern eine Pro­test­pe­ti­ti­on an die Regie­rung und an das kana­di­sche Epi­sko­pat unterschrieben.
Im Web wird sehr aus­führ­lich und enga­giert berich­tet. Die Web­site www.LifeSiteNews.com brach­te einen aus­führ­li­chen Arti­kel und ver­link­te ihn auch mit der Aus­sa­ge von Kar­di­nal Robert Sarah: „Detaching pasto­ral prac­ti­ce from catho­lic doc­tri­ne is a dan­ge­rous schi­zo­phre­nic patho­lo­gy“ (Die Tren­nung der pasto­ra­len Pra­xis von der katho­li­schen Leh­re ist eine gefähr­li­che schi­zo­phre­ne Patho­lo­gie). Die Aus­sa­ge stammt aus dem Buch „Dieu ou Rien“ (Gott oder Nichts) von Kar­di­nal Sarah, in Paris bei Fay­ard her­aus­ge­ge­ben, aus dem merk­wür­di­ger­wei­se das ange­kün­dig­te Vor­wort von Papst em. Bene­dikt XVI. ver­schwand (sie­he eige­nen Bericht).

Schwaches Episkopat

Die Bischofs­syn­ode über die Fami­lie von 2015 wird im katho­li­schen Kana­da mit Argus­au­gen abgewartet.

Sehr viel Auf­merk­sam­keit bekam eine obszö­ne Beschimp­fung von Kar­di­nal Ray­mond Bur­ke am 7. Febru­ar 2015 durch Father Timo­thy Scott, dem lang­jäh­ri­gen Spre­cher der Basi­li­an Fathers. Erst nach mas­si­ven und gehar­nisch­ten Pro­te­sten wur­de des­sen Tweet am 22. Febru­ar 2015 gelöscht. Bis dato ist unbe­kannt, ob die­ser Prie­ster wei­ter­hin Spre­cher der Basi­li­an Fathers ist. Die­ser Orden ließ nur ein kur­zes „Sor­ry too“ (Es tut uns leid) verlauten.

Das kana­di­sche Epi­sko­pat schweigt (so wie das fran­zö­si­sche Epi­sko­pat bei der Manif pour Tous und bei den Veil­leurs). Aus dem Vati­kan hört man auch nichts.

Mißbrauchsskandal

Beson­ders bri­sant wird die Situa­ti­on in Kana­da weil sich hier eini­ge von den größ­ten und abscheu­lich­sten Mas­sen­miß­brauchs­fäl­len in der Kir­che abspiel­ten. Der aus West­flan­dern stam­men­de Obla­ten­mis­sio­nar Eric Deja­eg­her wur­de gera­de Ende Janu­ar 2015 zu einer sehr hohen Gefäng­nis­stra­fe ver­ur­teilt. Ein näch­stes Ver­fah­ren steht gegen ihn in Edmon­ton im Staat Alber­ta an. An dem St. Joseph‘s Col­le­ge in Edmon­ton war übri­gens der oben genann­te Father Timo­thy Scott Rektor.

Vie­le Bis­tü­mer sind durch die Ent­schä­di­gungs­zah­lun­gen für Miß­brauchs­fäl­le von Kir­chen­ver­tre­tern auf den Bet­tel­stab gekom­men. 2013 wur­de über die Schlie­ßung von zwei Kir­chen im Erz­bis­tum Anti­go­nish wegen finan­zi­el­ler Pro­ble­me durch Ent­schä­di­gungs­zah­lun­gen berichtet.

Das aktuelle Bild

Stark sen­si­bi­li­sier­te und kämp­fe­risch moti­vier­te Gläu­bi­ge; schwer­ste Mis­se­ta­ten inner­halb der Kir­che; fun­da­men­ta­le Bedro­hung der kirch­li­chen Leh­re; Ver­ach­tung und Obszö­ni­tät gegen­über tap­fe­ren seriö­sen Kar­di­nä­len; schlaf­fe Hir­ten, ein­ge­knickt vor dem Welt­geist; gro­ße finan­zi­el­le Pro­ble­me und pasto­ra­ler Rück­zug auf brei­ter Flä­che. In Kana­da scheint es sich nicht mehr um loka­les Geplän­kel lan­ge vor der Haupt­au­sein­an­der­set­zung zu han­deln. Viel­mehr fin­det hier schon eine gewal­ti­ge Schlacht in ver­min­tem Gelän­de statt.

Text: Amand Timmermans
Bild: Wikicommons

3 Kommentare

  1. Ein wei­te­rer Mit­bru­der des Basi­lia­ners Fr. Scotts ist Fr. Rosi­ca steht der­zeit eben­falls wenig rühm­lich im Mit­tel­punkt der eng­lisch­spra­chi­gen katho­li­schen Welt. Als Grün­der des in Toron­to ansä­ßi­gen Salt & Light Tele­vi­si­on Net­work ist öffent­lich sehr prä­sent und ein häu­fi­ger Red­ner zu katho­li­schen The­men. Zudem ist er als Sekre­tär P. Lom­bar­dis für die eng­lisch­spra­chi­gen Beiträge.

    So droh­te Rosi­ca wenig katho­lisch einem kana­di­schen Blog­ger mit einer Kla­ge soll­te die­ser wei­ter­hin sich zu sei­ner Per­son äußern. So konn­ten bis jetzt die hete­ro­do­xen Äuße­run­gen von Fr. Rosi­ca auf dem blog Vox Can­to­ris nach­ge­le­sen werden.
    Es kur­sie­ren jedoch zahl­rei­che Quel­len, die auf sein Abwei­chen von der Leh­re hinweisen:
    “Will this Pope re-wri­te con­tro­ver­si­al Church doctrines?” Fr. Rosi­ca said in the lec­tu­re, which was posted to You­tube. “No. But that isn’t how doc­tri­ne chan­ges. Doc­tri­ne chan­ges when pasto­ral con­texts shift and new insights emer­ge such that par­ti­cu­lar­ly doc­tri­nal for­mu­la­ti­ons no lon­ger media­te the saving mes­sa­ge of God’s trans­for­ming love.”
    Fr. Rosi­ca con­ti­nued: “Doc­tri­ne chan­ges when the Church has lea­ders and tea­chers who are not afraid to take note of new con­texts and emer­ging insights. It chan­ges when the Church has pastors who do what Fran­cis has been insi­sting: lea­ve the secu­ri­ties of your chan­ce­ries, of your rec­to­ries, of your safe places, of your epi­scopal resi­den­ces go set asi­de the small-min­ded rules that often keep you locked up and shiel­ded from the world.”

    https://www.lifesitenews.com/news/catholics-shouldnt-sue-one-another-cardinal-burke-comments-on-fr.-rosicas‑l

    Die Tren­nung der pasto­ra­len Pra­xis von der katho­li­schen Leh­re ist eine gefähr­li­che schi­zo­phre­ne Patho­lo­gie. K. Sarah

    P.S: Fr. Rosi­ca ist ein Schü­ler von K. Mar­ti­ni und ein glü­hen­der Bergoglianer.

    • Apro­pos „Sekre­tär“ und „schi­zo­phren“

      Mich wür­de wirk­lich mal inter­es­sie­ren, wie es dem kop­ti­schen zwei­ten Papst­se­kre­tär Pater Yoan­nis Lah­zi Gaid inzwi­schen geht, der den Islam ganz klar als „Kul­tur des Todes“ (s. Katholisches.info vom 23.04.2014) bezeich­net und nun einem Papst dient, der den Koran ein „pro­phe­ti­sches Buch des Frie­dens“ nennt. Da muss man doch schi­zo­phren werden.

  2. WICHTIGE DOKU: Ähn­lich gela­gert, aber auch wich­tig, und betrifft uns hier in Deutschland: 

    Genia­le Doku über den GENDERISMUS-PLAN hier in Deutsch­land ! Mit Spre­chern der AFD:

    https://www.youtube.com/watch?v=Jo-1ZaTpCwo

    Es soll ja welt­weit der nivel­lier­te, iden­ti­täts­lo­se „Ein­heits­mensch“ geschaf­fen wer­den. Vor­bei an der Öffent­lich­keit und per UNO-EU-Beschluss wird über die Lan­des­par­la­men­te ver­sucht ein ‚heim­li­cher‘ Plan der Bil­dungs­po­li­tik ab der Grund­schu­le durch­zu­zie­hen. Dies betrifft vor allem auch uns Katho­li­ken, die wir das Klas­si­sche Fami­li­en­bild leben wol­len und nicht die­sen Müll.

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