Malleus (aliquorum) cardinalium — Harte Zeiten für „Abweichler“ unter Kardinälen

Harte Zeiten für Kardinäle, die vom Weg von Papst Franziskus abweichen
Har­te Zei­ten für Kar­di­nä­le, die vom Weg von Papst Fran­zis­kus abwei­chen

(Rom) „Har­te Zei­ten“ herr­schen für Kar­di­nä­le, die als „Abweich­ler“ gel­ten vom Weg, den der der­zei­ti­ge Papst vor­gibt. Das „ultra­ber­go­glia­ni­sche“ (Magi­ster) Inter­net­por­tal Vati­can Insi­der, das unter Mit­wir­kung von Andrea Tor­ni­el­li, dem Haus- und Hof­va­ti­ka­ni­sten von Papst Fran­zis­kus ent­stand, teil­te inner­halb weni­ger Tage Hie­be gegen drei Kar­di­nä­le aus, die sich angeb­lich die­ses Ver­ge­hens schul­dig gemacht hät­ten.

Gegen Kardinal Rayond Burke

Am 14. Febru­ar griff Vati­can Insi­der mit Eifer einen Ein­trag von Erz­bi­schof Donald Kar­di­nal Wuerl von Washing­ton auf, den die­ser gegen sei­nen ame­ri­ka­ni­schen Mit­bru­der, Ray­mond Kar­di­nal Bur­ke ver­faß­te. Obwohl Kar­di­nal Wuerl sei­nen Mit­bru­der Bur­ke gar nicht nament­lich nann­te, ver­öf­fent­lich­te Vati­can Insi­der die­sen sogar fett­ge­druckt, damit jeder den Adres­sa­ten, sprich Ange­klag­ten erkennt. Wuerl warf sei­nem Mit­bru­der wegen sei­ner Kri­tik an Ent­schei­dun­gen von Papst Fran­zis­kus Maje­stäts­be­lei­di­gung vor.

Gegen Kardinal George Pell

Am 16. Febru­ar infor­mier­te Vati­can Insi­der mit einer Rei­he bis­her unbe­kann­ter Details über Schrit­te, die der Päpst­li­che Rat für die Geset­zes­tex­te im Auf­trag von Papst Fran­zis­kus unter­nom­men hat, um die Ent­schei­dungs­be­fug­nis­se und Zustän­dig­kei­ten von Geor­ge Kar­di­nal Pell als Prä­fekt des neu­en Wirt­schafts­se­kre­ta­ri­ats ein­zu­schrän­ken. Dabei war es Fran­zis­kus, der Kar­di­nal Pell, damals noch Erz­bi­schof von Syd­ney in Austra­li­en, vor genau einem Jahr nach Rom berief und an die Spit­ze des neu­en Dikaste­ri­ums stell­te.

Gegen Kardinal Joseph Zen

Am 19. Febru­ar wid­me­te Vati­can Insi­der der sar­ka­sti­schen Kri­tik eines unbe­kann­ten chi­ne­si­schen Prie­sters und Blog­gers brei­ten Raum, die die­ser gegen Joseph Kar­di­nal Zen, den eme­ri­tier­ten Bischof von Hong Kong und unbe­strit­te­ne Gal­li­ons­fi­gur der rom­treu­en katho­li­schen Unter­grund­kir­che Chi­nas ritt. Ihm wur­de in bis­si­gem Ton unter­stellt, jeden Ver­such eines „Appease­ment“ zwi­schen dem Hei­li­gen Stuhl und der kom­mu­ni­sti­schen Regie­rung in Peking zu boy­kot­tie­ren.

Jagd auf das „Känguru“ Pell eröffnet

Nach dem Päpst­li­chen Rat für die Geset­zes­tex­te stieg auch der Pen­si­ons­fonds des Vati­kans gegen den austra­li­schen Kar­di­nal in den Ring. Am 20. Febru­ar teil­te er in einer Pres­se­er­klä­rung mit, daß die Pen­sio­nen der Vati­kan­be­dien­ste­ten gesi­chert sind und „Unru­he stif­ten­de“ Nach­rich­ten der ver­gan­ge­nen Mona­te unbe­grün­det sei­en.

Es ist Kar­di­nal Pell, der seit Mona­ten beun­ru­higt Alarm schlägt wegen des vati­ka­ni­schen Pen­si­ons­fonds. Erst­mals tat er dies im Juli 2014 mit der Ankün­di­gung, ein Exper­ten­ko­mi­tee ein­ge­setzt zu haben, um die Pro­ble­me zu stu­die­ren. Er wie­der­hol­te es in der bri­ti­schen Wochen­zei­tung Catho­lic Herald im ver­gan­ge­nen Dezem­ber sowie am 13. Febru­ar auf der Inter­net­sei­te Crux des Bos­ton Glo­be.

Gegen den Ver­such von Kar­di­nal Pell, Ord­nung in den Pen­si­ons­fonds zu brin­gen, reagier­te der Ver­wal­tungs­rat des­sel­ben. Den Vor­sitz dort führt Dome­ni­co Kar­di­nal Cal­ca­g­no, Prä­si­dent der Güter­ver­wal­tung des Apo­sto­li­schen Stuhls (APSA), die Dom­bau­hüt­te von St. Peter, die Pro­pa­gan­da Fide, das Staats­se­kre­ta­ri­at, Radio Vati­kan und das Gover­na­to­rat der Vati­kan­stadt. „Kurz­um, die Ver­tre­ter aller die­ser Insti­tu­tio­nen haben einen Macht­kampf mit Pell begon­nen, um ihre wirt­schaft­lich-finan­zi­ell Auto­no­mie zu bewah­ren“, so Magi­ster.

Damit schrei­ten die Ein­krei­sungs­ma­nö­ver gegen jenen Mann vor­an, der von den eng­lisch­spra­chi­gen Medi­en ger­ne als „Zar“ der Vati­kan­fi­nan­zen bezeich­net wird, der inner­halb der Hei­li­gen Mau­ern aber, und das sogar in altis­si­mis, ziem­lich pro­sa­isch das „Kän­gu­ru“ genannt wird

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Secretum meum mihi

29 Kommentare

  1. Es scheint so, als ob jene Kar­di­nä­le, die nicht gewillt sind, die Uni­form der „poli­tisch Kor­rek­ten“ zu tra­gen,
    lang­sam aber sicher einer Äch­tung anheim­fal­len.
    Kar­di­nal Rafa­el Mer­ry del Val — unter dem hl. Papst Pius X. Kar­di­nal­staats­se­kre­tär — über das wah­re Han­deln:

    -
    „Han­deln wir nie­mals, um der Welt zu gefal­len. Haben wir den Mut, die Kri­tik, die Miss­bil­li­gung der Welt zu ertra­gen; wenn Gott zufrie­den ist, braucht uns nichts ande­res zu küm­mern.

    Wir müs­sen den Mut haben, die Wahr­heit zu bezeu­gen und kei­ner Auf­ga­be aus­zu­wei­chen. 
    Wir müs­sen den Mut haben, dem Lächer­li­chen die Stirn zu bie­ten, 
    denn oft besteht unse­re Auf­ga­be im Spott der Welt. 
    Tut das aus Lie­be zu Unse­rem Herrn, 
    und um Ihm nach­zu­ei­fern.“
    -

  2. Was wuer­de eigent­lich pas­sie­ren, wenn sich eini­ge die­ser muti­gen (?) Kar­di­nae­le der FSSPX anschlie­ssen wuer­den?

    Habe das Wort „mutig“ mit einem Fra­ge­zei­chen ver­se­hen, da der ech­te Mut ja noch zu zei­gen wae­re, wenn bei der Syn­ode die Leh­re dem Zeit­geist geop­fert wird…

    • Pascal13: Dazu müss­ten die­se Her­ren erst alle Zeit­bom­ben des 2. VK als sol­che erken­nen und dage­gen ange­hen (nicht nur bei — gem. Fr. Zeit­schnur — „Sexthe­men“); ihren Äuße­run­gen zufol­ge sind sie davon weit ent­fernt, wes­halb ein sol­cher Anschluss für sie gar nicht in Fra­ge kommt.

      Es wird des­halb bei ein biss­chen mehr oder weni­ger Oppo­si­ti­on blei­ben, aber bei den Ver­samm­lun­gen wer­den sie sich alle schön ein­rei­hen, so wie dies bei Bene­dikt XVI. umge­kehrt bei­spiels­wei­se die Kar­di­nä­le Mar­ti­ni und Leh­mann auch taten. Denn am Ende wird es immer „das Kon­zil, das Kon­zil!“ hei­ßen. Ist doch klar, denn wann hat schon ein sol­ches in Rekord­zeit allein bis­her 2 hei­lig- und 1 selig­ge­spro­che­nen Papst erwun­dert?

      • Lie­ber Car­lo,

        mit dem 2. VK haben Sie natür­lich Recht. Aber ist es nicht so, dass es bei eini­gen Kar­di­nä­len eine star­ke Kor­re­la­ti­on gibt zwi­schen a) die kath. Glau­bens­leh­re ver­tei­di­gen, b) regel­mä­ßig die alte Mes­se fei­ern und c) auch ein Fra­ge­zei­chen an das 2. VK machen?

        Bei­spie­le sind doch die Kar­di­nä­le Bur­ke und Ran­jith, die bei­de offen gegen den aktu­el­len Rom-Kurs sind, regel­mä­ßig die Mes­se aller Zei­ten fei­ern (Bur­ke scheint dies öffent­lich nur noch zu tun) und offen auspre­chen, dass das 2. VK und des­sen Fol­gen dis­ku­tiert wer­den müs­sen… (sie­he z.B. hier https://www.katholisches.info/2015/01/22/das-zweite-vatikanische-konzil-ein-ausstehender-diskurs/)

        Ich habe die Hoff­nung, dass falls es nach der Syn­ode zu einem Schis­ma käme, sich dann die wah­re Kir­che durch einen Zusam­men­schluss von FSSPX, FSSP und wei­te­ren Kar­di­nä­len à la Bur­ke, Ran­jith, Brand­mül­ler,… (und Bischö­fen wie Huon­der etc.) her­aus­bil­det. Viel­leicht ist die­se Vor­stel­lung naiv (und Frau Zeit­schnur wür­de mir das bestimmt atte­stie­ren, viel­leicht sogar zu recht), aber es war wahr­schein­lich auch naiv 1988 auf den Fall der Mau­er zu hof­fen…

      • Pascal13
        Sie schrei­ben:
        //Ich habe die Hoff­nung, dass falls es nach der Syn­ode zu einem Schis­ma käme, sich dann die wah­re Kir­che durch einen Zusam­men­schluss von FSSPX, FSSP und wei­te­ren Kar­di­nä­len à la Bur­ke, Ran­jith, Brandmüller,… (und Bischö­fen wie Huon­der etc.) her­aus­bil­det. Viel­leicht ist die­se Vor­stel­lung naiv //
        Ich hal­te das für ein rea­li­sti­sches Sze­na­ri­um. Bes­ser wäre eine Besin­nung, Reue, Umkehr und Bekeh­rung der Kir­che, ohne Spal­tung. Lei­der ist gera­de das der unrea­li­sti­sche Hand­lungs­ver­lauf, wenn man von der heu­ti­gen Situa­ti­on aus­geht und bedenkt, wie schnell die Zeit und wie wenig Zeit es bis zur Syn­ode ist. Die Neue­rer sind aber zum Äußer­sten ent­schlos­sen, wie gera­de die jüng­ste Erklä­rung Kar­di­nal Mar­xens wie­der gezeigt hat, und wer­den sich nach mensch­li­chem Ermes­sen von ihrem bösen Plan, so muss ich das nen­nen, nicht abbrin­gen las­sen. Dann aber ist eine Tren­nung von Gut und Böse, von Wahr­heit und Lüge, was äußer­lich die Form eines Schis­mas annimmt, vor­zu­zie­hen. Je mehr es auf die Syn­ode zugeht, desto mehr wer­den die bei­den Lager der Kir­che Gestalt anneh­men, schon jetzt zeich­nen sie sich ja ab.

      • @Pascal (und L.L.)

        Natür­lich habe ich kei­ne Ahnung über das, was kommt.

        Aber wie sag­te der sel. Bern­hard Lich­ten­berg: „Die Taten eines Men­schen sind die Kon­se­quen­zen sei­ner Grund­sät­ze. Sind die Grund­sät­ze falsch, wer­den die Taten nicht rich­tig sein.“

        Also muss man fal­sche Grund­sät­ze able­gen, ja sie bekämp­fen, weil aus ihnen fal­sche Taten ent­ste­hen.

        Auch wenn die von Ihnen genann­ten Kar­di­nä­le sicher inte­gre Per­sön­lich­kei­ten sind… wer­den sie dies außer in bezug auf die Ehe­leh­re ins­be­son­de­re auch auf die „Reli­gi­ons­frei­heit“, den Öku­me­nis­u­mus und die „Kol­le­gia­li­tät“ des V2 anwen­den, hm? Dane­ben nur Sym­pa­thien für die über­lie­fer­te Mes­se haben, fin­de ich etwas dürf­tig.

        Und was Ihre Spe­ku­la­tio­nen betrifft, möch­te ich mich gar nicht wei­ter vom Wesent­li­chen ablen­ken las­sen, des­halb again: Adij­to­ri­um nostrum in nomi­ne Domi­ni.

  3. Die Kari­ka­tur ist vor­treff­lich.
    Wie schön, daß uns die Redak­ti­on an solch herz­er­fri­schen­der Sati­re teil­ha­ben läßt.

  4. at Pascal13:
    Tja, und Card. Bur­ke stürmt mit dem Mal­te­ser­or­den die Syn­ode­nau­la, erklärt den Häre­ti­kern, wie sie sich selbst exkom­mu­ni­ziert haben, ver­haf­tet Card. Kas­per und Co und schickt sie zusam­men mit Franz I. in die tief­sten Ver­lie­ße der Engels­burg und Msgr. Fel­lay wird Chef der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on…
    So sehen mei­ne kühn­sten Träu­me aus!

    • Mei­ne auch 🙂

      Aber im Ernst, sie­he mei­nen Kom­men­tar an Car­lo oben: war­um nicht davon träu­men, dar­auf hof­fen und dafür beten!?

      • Das Pro­blem die­ses Traums ist, dass die Pius­bi­schö­fe doch gar nicht so weit weg sind von den kon­zils­kirch­li­chen „Abweichler“-Bischöfen.

        Ihre Posi­ti­on ist doch ein­fach nur eine irgend­wie bür­ger­lich-kon­ser­va­ti­ve bis „reak­tio­nä­re“ (wor­auf man­che ach so stolz sind, als wäre das Auf­ga­be der Kir­che, poli­tisch „reak­tio­när“ zu sein!) — in gewis­sem Sinn sym­me­trisch zum Moder­nis­mus mit sei­nem Pro­gres­si­ons­wahn.

        Ich sehe eher, dass die Struk­tur des Reak­tio­nä­ren bzw. Kon­ser­va­ti­ven die­sel­be ist und eben­so häre­tisch wie des des Pro­gres­si­ven bzw. Moder­ni­sten.

        Und mir fällt zuneh­mend auf, dass es kaum einen Katho­li­ken gibt, schon gar kei­nen Bischof (lei­der!), der gei­stig und v.a. geist­lich dazu in der Lage wäre, ohne das Stütz­kor­sett solch irdi­scher Struk­tu­ren zu den­ken.
        Die tap­pen doch alle im Dun­keln.

        Und bei­de Sei­ten — die FSSPX eben­so wie die amts­kirch­li­chen „Tra­dis“ UND die Moder­ni­sten und Pro­gres­si­sten hal­ten eben doch die „Mes­se aller Zei­ten“ eben­so wie den NOM für gül­tig, also logisch den Aus­druck ein und des­sel­ben Ritus (wie Bene­dikt es sag­te).

        Wenn einer sagt: der NOM ist ungül­tig, dann kann er auch nicht Aus­druck des­sel­ben Ritus sein und sei­ne Instal­la­ti­on ist ein Sakri­leg. Zu die­ser Hal­tung hat sich aber kon­se­quent tat­säch­lich nur der ver­leum­de­te Bischof Thuc bekannt.

        Das logi­sche Pro­blem: wer das nicht bekennt, kann fol­ge­rich­tig im Ritus nicht das wirk­li­che ech­te Pro­blem sehen, ohne sich zu wider­spre­chen und wird daher Stell­ver­tre­ter­krie­ge füh­ren.
        Sexthe­men und Kla­mot­ten­fe­ti­schis­mus und dergl. eige­nen sich dabei her­vor­ra­gend und spre­chen v.a. den natür­li­chen, ungeist­li­chen Men­schen beson­ders schnell und leicht an — da ist jeder dabei und fühlt sich „zu Hau­se“ — wie im Islam. dass die bei­den angeb­lich kon­trä­ren „Sei­ten“ in Wahr­heit ein und den­sel­ben ver­äu­ßer­lich­ten Stell­ver­tre­ter­krieg füh­ren, neh­men sie selbst nicht wahr — etwa so, wie nazis und Kom­mu­ni­sten sich für Feu­er und was­ser hiel­ten, in Wahr­heit aber im sel­ben engen Ter­rain Schwarz­weiß-Rol­len spiel­ten.

        Ich träu­me auch — davon, dass Gott ein Wun­der tut, denn in der Gefechts­la­ge gibt es schlicht und ein­fach kei­nen mensch­li­chen Hoff­nungs­trä­ger!

      • Dass der NOM mit Män­geln behaf­tet ist, dar­in sind sich vie­le gläu­bi­ge, tra­di­ti­ons­ver­bun­de­ne Katho­li­ken einig. Aber dass er ungül­tig sei, ist eben nur eine Mei­nung, und kein Dekret. Ich hal­te ihn für man­gel­haft, aber nicht für an und für sich ungül­tig. Ungül­tig kann die Neue Mes­se nur unter beson­de­ren Umstän­den wer­den, etwa wenn der Prie­ster nicht die rech­te Inten­ti­on hat. Aber das kann sogar bei der Alten Mes­se der Fall sein. Das 2. Vati­ka­num muss revi­diert wer­den, aber weder das Kon­zil noch die gan­ze Ent­wick­lung danach kann aus­ra­diert wer­den. (Hier­in habe ich mei­ne Mei­nung geän­dert. Ich dach­te ein Zeit­lang, ein Reset auf 1958 sei not­wen­dig.) Inso­fern hal­te ich den „Traum“ von Pascal13 für einen rea­li­sti­schen Weg zu einer gerei­nig­ten Kir­che.

      • @ zeit­schnur
        Rein­heit im sexu­el­len Bereich ist nichts, wor­über so abfäl­lig dahin­ge­schrie­ben wer­den soll­te, son­dern ein wich­ti­ger Grad­mes­ser, wie ernst es einem mit dem christ­li­chen Leben ist.

      • Die Alles-oder-nichts-Hal­tung des Sedis­va­kan­ti­stis­mus gegen­über dem 2. Vati­ka­num ist m.E. nicht rich­tig. Auch bei Öku­me­ni­schen Kon­zi­li­en des ersten Jahr­tau­sends kam es vor, dass ein Papst ein Kon­zil aner­kann­te, mit Aus­nah­me bestimm­ter Kanons (die der Osten gegen Rom beschlos­sen hat­te). Das Kon­zil von Kon­stanz wur­de von dem Papst, den es wähl­te, her­nach ver­wor­fen, mit Aus­nah­me eben jenes Beschlus­ses, mit dem er gewählt wor­den war. Die Wirk­lich­keit ist oft kom­ple­xer und kom­pli­zier­ter, als es im Lehr­buch steht. („Grau, teu­rer Freund, ist alle Theo­rie und grün des Lebens gold­ner Baum“) Nicht alles, was seit 1965 gesche­hen ist, lässt sich rück­gän­gig machen, und es wäre nicht ein­mal zu wün­schen.

      • @ LL

        Ich habe nicht über „Rein­heit im sexu­el­len Bereich abfäl­lig“ geschrie­ben, son­dern es ist kein gutes Zei­chen, dass die mei­sten Kon­ser­va­ti­ven erst auf­wa­chen, wenn es um Sexthe­men geht.

        Das ist etwas ande­res, und ich hof­fe, Sie ver­ste­hen die­sen evi­den­ten Unter­schied!

        Ähn­lich ist es bei den ande­ren The­men — ich habe logi­sche Pro­ble­me geschil­dert, und die der­zei­ti­ge Lage ist mit kei­ner histo­ri­schen ver­gleich­bar. Prin­zi­pi­ell sowie­so nicht und auch auf­grund der Sach­la­ge nicht…

        Und ich sag­te es schon oft: „schäd­li­che“ Sakra­men­te kann es per defi­ni­tio­nem nun mal nicht geben.
        Wer das glaubt, soll­te mir erklä­ren, was er eigent­lich unter einem Sakra­ment ver­steht!

      • @ LL

        Zum The­ma „Sedis­va­kan­tis­mus“:

        Ihr Ver­gleich mit alten Kon­zi­li­en hängt total schief. Wenn auf einem Kon­zil Cano­nes ver­kün­det wer­den, kann man sich auf sie bezie­hen. Ein Papst, der sie nicht abge­seg­net hat­te, kann sie selbst­re­dend ver­wer­fen. Vor allem wenn die­se Kon­zi­li­en von welt­li­chen Herr­schern ange­führt und ein­be­ru­fen wor­den waren…

        Nun hat aber das Vati­ca­num II kei­ne Cano­nes! Es kennt weder Lehr­sät­ze noch Ver­wer­fun­gen, weicht also allei­ne schon inten­tio­nal und sti­li­stisch von jedem dage­we­se­nen Kon­zil ab! Es hat durch die­sen Stil ver­hin­dert, dass man ein­zel­ne Lehr­sät­ze, sofern sie ohne das Ein­ver­ständ­nis des Pap­stes for­mu­liert wor­den wären, ver­wer­fen könn­te — man ist sach­lich förm­lich gezwun­gen, es ganz anzu­neh­men oder ganz abzu­leh­nen, weil nir­gends inhalt­li­che oder for­mel­le Zäsu­ren gesetzt wur­den.

        Gra­vie­rend hier aber auch, dass das alles unter dem Vor­sitz eines „Pap­stes“ geschah, der es auch bewusst und wil­lent­lich abge­zeich­net hat.

        Das ist auch auf dem Kon­stan­zer Kon­zil anders gewe­sen, das mit drei Päp­sten begann, deren Recht­mä­ßig­keit aktu­ell nicht mehr erkannt wer­den konn­te. Syn­oden­do­ku­men­te wie „Haec sanc­ta“ wur­den ja eben nicht von einem sicher recht­mä­ßi­gen Papst gelehrt, son­dern von einer Syn­oden­ge­mein­schaft, die ande­rer­seits unter dem Druck stand, wie­der zu einem Papst zu kom­men. Mar­tin V. und mit ihm alle, die derm Fel­sen Petri anhin­gen haben die­se Situa­ti­on als Son­der­si­tua­ti­on auf­ge­fasst, die ein­ma­lig durch eine Aus­nah­me­re­ge­lung gelöst wer­den muss­te, die aber des­halb nicht zur stän­di­gen Ein­rich­tung wer­den konn­te wie sich das das Theo­lo­gen­do­ku­ment vor­stell­te — denn wie gesagt: die­ses Doku­ment war kein lehr­amt­lich hieb- und stich­fe­stes, vom Papst gewoll­tes Doku­ment. Folg­lich hat es auch kei­nen ver­bind­li­chen Zukunf­st­wert mehr…

        Mit die­ser dama­li­gen, total ver­wor­re­nen Lage kann man die Vor­gän­ge auf dem Vati­ca­num II nicht ver­glei­chen.

        Aus einer Ver­wer­fung die­ses gesam­ten Kon­zils folgt ande­rer­seits nicht — wie Sie befürch­ten — es müs­se alles wie­der „wie vor dem Kon­zil“ ein­ge­führt wer­den.
        Es ist fal­sche Leh­re der Tra­di­tio­na­li­sten, dies zu tun und dabei allen mög­li­chen Schrott, der in der Kir­che viru­lent, aber nie lehr­amt­lich gewiss war, v.a. wenn es sich um poli­tisch-reak­tio­nä­re Son­der­leh­ren han­delt, wie­der auf­zu­wär­men und als „bes­ser“ zu ver­kau­fen.

        Dass aber ein Neu­an­satz in dog­ma­ti­scher, lehr­amt­li­cher Sicht kurz vor dem Kon­zil gemacht wer­den muss, ist an sich klar — das Kon­zil hattte die Absicht, alles zu ver­än­dern (wie die Eröf­fungs­re­de ein­deu­tig beweist), und das muss zurück­ge­wie­sen wer­den.

        Msgr. Thuc war in vie­ler Hin­sicht über­haupt nicht „tra­di­tio­na­li­stisch“, son­dern an der Leh­re ori­en­tiert. Sei­ne Kri­tik an Zustän­den der vor­kon­zi­lia­ren Kir­che (nicht der Leh­re!) hat ihm aber unter euro­päi­schen Tra­dis den Vor­wurf des „Ultra­pro­gres­si­ven“ ein­ge­bracht.
        Ein wenig wie Leo XIII., dem sich ja eben­falls die Kon­ser­va­ti­ven sei­ner Zeit bewusst wider­setz­ten.

  5. Viel­leicht ist das ein Trost für uns, die wir träu­men:

    aus den Visio­nen der Anna Katha­ri­na-Emme­rich:

    „… In der Mit­te über Micha­el stand Maria, wel­che unzäh­li­ge Krei­se von lich­ten See­len, von Engeln und Jung­frau­en um sich hat­te. Durch Maria hin­durch geht die Gna­de aus Jesus über auf die drei Erz­engel. Ein jeder der Erz­engel aber strahlt drei­er­lei Got­tes­ga­ben auf drei Engel­chö­re von den neun unte­ren Chö­ren; und die­se wir­ken die­sel­ben wie­der wei­ter in die gan­ze Natur und Geschich­te.

    … Ein Bild sah ich noch von einer unge­heu­ren Schlacht. Das gan­ze Feld war voll Dampf; sie schos­sen über­all aus Gebü­schen, wel­che voll Sol­da­ten lagen. Der Ort lag nied­rig, in der Fer­ne lagen gro­ße Städ­te. Ich sah den hl. Micha­el mit einer gro­ßen Schar Engel nie­der­kom­men und die Strei­ten­den aus­ein­an­der­trei­ben. Das wird aber erst gesche­hen, wenn alles schon ver­lo­ren scheint. Es wird ein Füh­rer den hl. Micha­el anru­fen, und dann wird der Sieg nie­der­kom­men.“

    • Fort­set­zung:

      „… Ich sah nun in der Kir­che, wel­che nach dem über­stan­de­nen Kamp­fe ganz wie eine Son­ne strahl­te, ein gro­ßes Fest. Ich sah vie­le Pro­zes­sio­nen hin­ein­zie­hen. Ich sah einen neu­en, sehr ern­sten und stren­gen Papst. Ich sah vor dem Beginn des Festes sehr vie­le Bischö­fe und Hir­ten ver­sto­ßen von ihm, weil sie schlecht waren. Ich sah die­ses Fest in der Kir­che beson­ders von den hei­li­gen Apo­steln mit­fei­ern. Da sah ich das ‚Herr, zukom­me uns dein Reich‘ recht nahe. Es war, als sehe ich himm­li­sche, leuch­ten­de Gär­ten von oben nie­der­stei­gen und sich mit auf Erden ent­zün­de­ten Plät­zen ver­ei­ni­gen und unten alles in ein ursprüng­li­ches Licht ein­tau­chen. Die Fein­de, wel­che aus dem Kamp­fe geflo­hen waren, wur­den nicht ver­folgt, aber sie schie­den sich ab.“

      • @ Ben Hur
        O ja ! Die gro­ssen Ver­hei­ßun­gen aus den Schau­un­gen der Sl. Anna-Katha­ri­na Emme­rich ! Das ist rich­tig See­len­bal­sam. Deckt sich übri­gens mit den Pro­phe­zei­un­gen des Pfr. Bar­tho­lo­mä­us Holz­hau­ser (17. Jht.) und des Pfr. Franz Sales Hand­wer­cher (19. Jht.). 1 Mio Likes !

  6. Weil hier so viel von Träu­men gespro­chen wird möch­te ich mei­nen auch nicht ver­heh­len.
    Ich träu­me das der Herr mir einen eiser­nen Besen gibt und sagt „Fege mit ihm alles raus aus Rom was dort nicht hin­ge­hört. Wei­ter schicke Kar­di­nal Kas­per wie wei­land Bugni­ni zur Medi­ta­ti­on in die per­si­schen Wüste auf das ihm die fri­sche Luft gut bekom­me.“ Die­ser Traum hat nur einen Hacken, allei­ne wür­de das nie schaf­fen. Der Herr müß­te mir schon sei­ne Mut­ter zur Unter­stüt­zung mit­ge­ben dann gin­ge es. Ich träu­me ger­ne sol­che Din­ge. „Wenn ihr nicht wer­det wie die Kin­der .….“
    Per Mari­am ad Chri­stum.

  7. @Fr. Zeit­schnur:

    Las­sen wir die Prie­ster­bru­der­schaft mal wie­der bei­sei­te (ich weiß, „auch wenn es dazu eini­ges noch zu sagen gäbe!“).

    Bezüg­lich Mt 7:17: „Even so EVERY good tree brin­geth forth good fruit…“, inter­es­siert es mich, wo sie die­se bei Mgr. Ngô Đình Thục orten.

    • Wie haben Sie es geschafft, die­se viet­na­me­si­chen Zei­chen zu schrei­ben?

      Ja, @ Car­lo, wie ortet man gute Früch­te?
      Das ist gene­rell im Moment schwer, wohin man sieht.
      Mir scheint eher, die Früch­te der Gei­stes­strö­me gären z.Zt. noch aus.

      Kon­kret kann es bei Thuc einer­seits nur um die von ihm geweih­ten ver­nünf­ti­gen Bischö­fe und Prie­ster gehen. Ande­rer­seits ist das theo­lo­gi­sche Erbe die­ses Man­nes noch nicht gesich­tet.

      Hier steht fast alles noch unter dem „Noch nicht“.

      Ich will nicht zuviel sagen: aber ken­nen Sie denn über­haupt einen ein­zi­gen Prie­ster aus der Thuc-Linie, der gesund und ver­nünf­tig ist? Ich schon .. man müss­te Berüh­rungs­äng­ste über­win­den und Pius-Vor­ur­tei­le mal aus­blen­den, um hier die Wahr­neh­mung zu öff­nen …
      (dass es bei Pius UND bei Thuc einen Hau­fen Wahn­sin­ni­ge gibt, las­sen wir hier auch mal bei­sei­te, da das offen­bar zum Spiel gehört, also ich mei­ne: das ist nicht thuc­spe­zi­fisch…)

      Mei­ne Pius­kri­tik ist jedoch nicht auf Merk­wür­den und Ver­rück­te bezo­gen (die gehö­ren wie gesagt zum Spiel), son­dern auf theo­lo­gi­sche Fra­gen.

      Thuc ist auf jeden Fall unbe­hel­ligt und unbe­fan­gen von der euro­päi­schen Poli­tik-Kir­che-Kiste, die so ungu­te Früch­te her­vor­ge­bracht hat — er hat das frei geäu­ßert, und wur­de dafür prompt von euro­päi­schen Reak­tio­nä­ren nie­der­ge­macht.
      Er hat aber so tat­säch­lich den Boden gehabt, theo­lo­gisch aus dem Schla­mas­sel hin­aus­zu­den­ken!

      Ich habe bis­lang ohne Ergeb­nis ver­sucht, mal an sei­ne Schrif­ten zu kom­men. Das ist nicht leicht — aber bevor das nicht getan ist, kann man nur schwer weit­rei­chen­de Urtei­le fäl­len, nicht wahr?

      • @Fr. Zeit­schnur

        Also wer Merk­wür­den und Ver­rück­te sind, ent­hal­te ich mich einer Beur­tei­lung. Und natür­lich ken­ne ich kei­nen­durch Mgr. Thục geweih­ten Prie­ster, geschwei­ge denn Bischö­fe. Auch das durch ihn ange­rich­te­te Palma­ri­er-Cha­os ken­ne ich nur aus all­ge­mei­nen Inter­net­quel­len.

        Erstaun­lich fin­de ich hin­ge­gen schon, welch Hoff­nung Sie in ihn set­zen, wo er doch sel­ber zwi­schen Paul VI. hin- und her­pen­del­te. Auch ver­moch­te mich das dür­re Bio­gra­phie­chen, das der geschätz­te GW hier mal gepo­stet hat­te, über­haupt nicht zu über­zeu­gen.

        Nichts­de­sto­trotz bin ich an Ihrer Nach­for­schung und deren Ergeb­nis­se natür­lich inter­es­siert.

        P.S. Viet­na­me­sisch sieht tat­säch­lich inter­es­sant aus, war hier aber — lei­der — nur simp­les copy/paste ex Wiki.

      • Ach @ Car­lo — ich set­ze doch kei­ne Hoff­nung auf einen Men­schen, noch dazu in einer so ver­zwick­ten Lage.

        Er ist nicht „zwi­schen Paul VI. hin und her gepen­delt“ (was ohne­hin nicht geht). Man­che wer­fen ihm vor, dass er ihn noch als Hei­li­gen Vater ange­spro­chen habe oder so ähn­lich.

        Ver­ges­sen wir aber nicht, dass erst mit Paul VI. das Schis­ma ein­deu­tig ein­ge­lei­tet wur­de. Bei Johan­nes XXIII. war das noch nicht zu fas­sen, außer­dem regier­te er zu kurz. Ein wenig Zeit zu prü­fen und zu beten müs­sen Sie schon ein­räu­men. dann aber, nach­dem es auch unter JPII immer schlim­mer wur­de, hat er die Sedis­va­kanz öffent­lich aus­ge­spro­chen. Es geht dabei nicht um Spitz­fin­dig­kei­ten, son­dern dar­um, dass auf dem Stuhl Petri kei­ne Irr­leh­rer in Serie sit­zen kön­nen. Das ist unmög­lich! Folg­lich sind die­se Irr­leh­rer nicht der Papst. Für den phi­lo­so­phi­schen Thuc war das logisch son­nen­klar!

        Thuc wird jedoch nach allem, was ich weiß, bewusst ver­zer­rend dar­ge­stellt.
        Die Palma­rier­wei­hen gin­gen zurück auf eine Emp­feh­lung Msrg. Lef­eb­v­res — das macht die Sache pikant… Thuc hat Lef­eb­v­re und des­sen Urtei­len offen­bar damals noch sehr ver­traut.

        Es ist aber auch eine Tat­sa­che, dass Thuc, sobald er erkann­te, was hier gespielt wur­de und wor­auf er rein­ge­fal­len war, öffent­lich (!!!) und ohne Schmin­ke zugab einen Feh­ler gemacht zu haben und dass er ihn bedau­ert. Eben­so hat er sich von den Palma­ri­ern total distan­ziert.

        Das ist glaub­wür­dig, und wer einem, der etwas bereut und öffent­lich bekennt, nach­trägt, sün­digt an ihm schwer.
        Weil Jesus das so gelehrt hat, ist mir klar, dass man Thuc die­sen Feh­ler nicht wei­ter vor­wer­fen darf. Ein­fach wegen der Tat­sa­che, dass er bereut hat und Gott ihm dies des­we­gen fel­sen­si­cher ver­zie­hen hat!

        Es gibt ein Buch, das aber auch vie­les nicht auf­ge­ar­bei­tet hat, was ich inter­es­sant fän­de. Es ist von Oskar Schmitt http://www.amazon.de/w%C3%BCrdiger-Verwalter-Weinberg-unseres-Christus/dp/3833453850

        Inter­es­sant wären alle Rede­bei­trä­ge Thucs auf dem Kon­zil, inter­es­sant ande­re Schrift­stücke aus sei­ner Zeit als Bischof in Viet­nam. Inter­es­sant wären sei­ne Bezie­hun­gen zu sei­nem Bru­der, der Staats­prä­si­dent von Süd­viet­nam war, sei­ne Sicht auf die Ver­wick­lun­gen mit den Ame­ri­ka­nern, von deren bös­ar­ti­gen Stra­te­gien in Viet­nam er offen­bar tief ent­täuscht war.

        Thuc war ein hoch­in­tel­li­gen­ter, mehr­fach pro­mo­vier­ter Theo­lo­ge, der ent­schei­den­de Zeit­er­eig­nis­se aus asia­ti­scher Per­spek­ti­ve mit­er­lebt hat.

        Viel­leicht fin­det sich ja ein­mal ein gebil­de­ter Lands­mann oder eine bril­lan­te Lands­frau von ihm, der oder die das Erbe die­ses Bischofs über­haupt erst ein­mal „sich­tet“ und ins rech­te Licht setzt.

        Der Voll­depp, als der er immer hin­ge­stellt wird, auch in Pius­krei­sen, war er mit Sicher­heit nicht.

        Ich zäh­le außer­dem 1+1 zusam­men. Von Pius­sei­te aus ist nichts zu erwar­ten. Die­se Bischö­fe sind alle vier auf ihre Art Sack­gas­sen und selbst Irr­leh­rer. Bleibt die ande­re Sei­te, in der viel Cha­os, aber auch noch eini­ges zu ent­decken sein könn­te.

      • Ach, Fr. Zeit­schnur, da ist über­haupt nichts „pikant“: Wohl schei­nen sich die Palmar-Leu­te ursprüng­lich an Mgr. Lef­eb­v­re gewandt zu haben, der aber mit ihnen offen­sicht­lich nichts zu tun haben woll­te.

        Dafür scheint Mgr. Ngô Đình, trotz mehr­fa­cher Pro­mo­ti­on, zu einer nüch­ter­nen Über­prü­fung der­je­ni­gen Per­so­nen, die ihn immer­hin um die Bischofs(!)-Weihe baten, nicht fähig gewe­sen zu sein (was jedem pas­sie­ren kann). Über­haupt scheint er mit dem Hän­de­auf­le­gen sehr flei­ßig gewe­sen zu sein. Der ewi­ge Rich­ter allein weiß, wie ernst er’s dabei mit der due Dili­gence genom­men hat­te.

        Aber da Sie um ihn her­um for­schen, wer­den Sie viel­leicht auch das ergrün­den.

        Wo haben Sie übri­gens gele­sen, dass er dies öffent­lich BEDAUERT hat? Ich fin­de näm­lich nur eine „Erklä­rung“, wo er die ein­ge­tre­te­ne Dyna­mik („Papst“ Gre­gor XVII.) „miss­bil­ligt“. Sich von Havoc, den man sel­ber ange­rich­tet hat, bloß zu distan­zie­ren, ist etwas völ­lig ande­res, als ihn öffent­lich zu bedau­ern!

        Fol­gen­des zu sei­ner Stand­haf­tig­keit:

        - bis 1968 gehor­sam (mit Kon­zils­aus­sa­gen indes nicht ein­ver­stan­den)
        — 1976 Exkom­mu­ni­ka­ti­on
        — 1977 Versöhnung/Exkommunikationsaufhebung
        — 1981 (1983 öffentl.) exkom­mu­ni­ziert; indes kei­ne Löschung im Annu­ai­re pon­ti­fi­cal!
        — 1984 ver­stor­ben „Micro­Da­ta Sum­ma­ry“ ist makel­los. Er scheint sich am Schluss wie­der ver­söhnt zu haben.
        http://www.catholic-hierarchy.org/bishop/bngo.html

      • @ car­lo

        Das mit den Palma­ri­ern war aber nach mei­nen Infor­ma­tio­nen etwas weni­ger ein­fach… Sie mer­ken es ja selbst: wenn Msgr. Lef­eb­v­re tat­säch­lich miss­trau­isch gewe­sen war, müss­te man sich fra­gen, ober ver­rückt war (oder die Situa­ti­on aus­nutz­te?!), die Leu­te dann an einen andern „Konkurrenz“-Bischof zu emp­feh­len! Die Sache ist, um es kurz zu machen, bis heu­te nicht auf­ge­klärt oder sau­ber dar­ge­stellt wor­den.
        Es blei­ben zu vie­le Fra­gen offen…

        Drin­hän­gen tun sie aber bei­de — sowohl Lef­eb­v­re als auch Thuc.

        Er hat sehr wohl öffent­lich bekun­det, dass er bereut — daher kommt ja der Kon­takt zu Paul VI.. ich zitie­re Ihnen aus Wiki­pe­dia:

        „Ngô Đình Thục kam aber schon kurz nach den Wei­hen zur Schluss­fol­ge­rung, „einen gro­ßen Feh­ler“ gemacht zu haben, obwohl in gutem Glau­ben. Er kam zu der Ansicht, dass die Erschei­nun­gen doch nicht echt gewe­sen sei­en. Erz­bi­schof Ngô Đình Thục bat um Ver­ge­bung und emp­fing die Los­spre­chung sowie die Auf­he­bung der Exkom­mu­ni­ka­ti­on und der kirch­li­chen Stra­fen.“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Palmarianisch-Katholische_Kirche)

        Wie ich schon sag­te, war das noch in den 70ern — also nicht lan­ge nach der Lit­ur­gie­re­form, als es für alle noch nicht klar war, wohin es geht.

        Die Palma­ri­er haben ja eine ähn­li­che Wahn­idee wie ande­re Kon­ser­va­ti­ve sie eben­falls pfleg(t)en. Ich nen­ne sie die Kyff­häu­ser-Wahn­idee. Näm­lich, dass Paul VI. einen Dop­pel­gän­ger habe und in den Ver­lie­ßen des Vati­kans gefan­gen­ge­hal­ten wor­den sei. Etc. pp.

        Was sagt uns das?
        Es sagt uns, dass die Men­schen es ein­fach nicht glau­ben konn­te, was da abging. Sie konn­ten nicht glau­ben, dass der „Papst“ mit sei­nen schreck­li­chen geist­li­chen Unta­ten wirk­lich der ech­te Papst sein soll­te…

        Ich ken­ne selbst hier in mei­nenr Ex-Amts­kir­chen-Hei­mat­ge­mein­de eine from­me Dame, die im vol­len Ernst Paul VI. nach wie vor für einen „Mär­ty­rer­papst“ hält. Die Men­schen waren so dar­auf fixiert, dass der Papst nie­mals feh­len kön­ne, wenn sie auch allen ande­ren Kle­ri­kern alles zutrau­ten (!), dass sie teil­wei­se bis heu­te noch nicht rea­li­siert haben, dass die­se Män­ner Anti­päp­ste sind — und zwar ohne gefan­gen­ge­hal­te­ne edle Dop­pel­gän­ger im Ver­ließ…

        Die Men­schen wuss­ten unter Paul VI. noch nicht, wohin die Rei­se geht. Auch die Pius­leu­te glaub­ten ja, nach sei­nem Tod wür­de sich alles wie­der ein­ren­ken…

        Das müs­sen Sie dann auch Thuc zugu­te hal­ten.

        Wir lie­gen fas­lch, wenn wir einen per­fek­ten „Hel­den“ erwar­ten. Wir lie­gen aber auch falsch, wenn wir einem sicht­lich imper­fek­ten, irr­leh­ren­den Tra­di­tio­na­li­sten wie Lef­eb­v­re, der nicht ein­sicht­lig war (!) alles nach­se­hen.

        Für mich ist ent­schei­dend, ob einer irr­lehrt oder nicht und ob er began­ge­ne, für die Öffent­lich­keit rele­van­te Feh­ler öffent­lich ein­sieht.

      • Nach­trag:

        Die angeb­lich Ver­söh­nung am Schluss sei aber — so habe ich ver­schie­dent­lich gele­sen — von der Kir­che behaup­tet wor­den, ohne dass Thuc dies je bestä­tigt hät­te bzw. hät­te noch bestä­ti­gen kön­nen.

        Wiki­pe­dia:

        „Auf Ein­la­dung des Sedis­va­kan­ti­sten-Bischofs Lou­is Veze­lis rei­ste Thuc Ende 1982 in die Ver­ei­nig­ten Staa­ten, wo er am 13. Dezem­ber 1984 unter unge­klär­ten Umstän­den ver­starb. Vom Hei­li­gen Stuhl wur­de in einer Pres­se­mit­tei­lung zu sei­nem Tod erklärt, dass Erz­bi­schof Thuc am Ende sei­nes Lebens sei­ner sedis­va­kan­ti­sti­schen Posi­ti­on abge­schwo­ren habe.“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Pierre_Martin_Ng%C3%B4_%C4%90%C3%ACnh_Th%E1%BB%A5c)

        Ich bit­te Sie, @ car­lo: erle­ben wir nicht täg­lich, dass im Vati­kan und von­sei­ten der Pres­se­spre­cher gelo­gen wird, dass sich die Bal­ken bie­gen?
        Die Getreu­en Thucs sagen, die Amts­kir­che habe hier eine ver­lo­ge­ne Intri­ge gespielt, um das Wir­ken Thucs gewis­ser­ma­ßen zu annul­lie­ren: Ver­nich­tung durch Umar­mung.

        Auch wenn nie­mand das von hier aus bewei­sen kann: mög­lich ist das sehr wohl, sehr mög­lich sogar! Und vor allem nach allem, was wir erle­ben mit Rom, sogar extrem wahr­schein­lich…

      • Eher stel­le ich mir vor, dass Mgr. Lef­eb­v­re 1. zu jenem Zeit­punkt ganz ande­re Pro­ble­me hat­te (frz. Bischö­fe ver­leum­den ihn; unzu­stän­di­ge Instanz ver­fügt die Auf­he­bung von Ecône etc.), 2. waren jene Palmar-Wei­he­aspi­ran­ten nicht in sei­nem Semi­nar aus­ge­bil­det wor­den und ihm somit unbe­kannt. Nach­dem er bereits rei­che Erfah­rung als Leh­rer und Regens an ver­schie­de­nen Semi­na­ren hat­te, dürf­te ihm 1. Tim 5,22 eine wohl­be­kann­te Mah­nung gewe­sen sein.

        Wie­so soll­te er übri­gens Mgr. Ngô Đình als „Kon­kur­renz“ gese­hen haben? Doch eher im Gegen­teil, da jener auf­grund sei­ner tra­di­tio­nel­len Hal­tung auf dem Kon­zil mög­li­cher­wei­se eben­falls im Coe­tus mit­ge­ar­bei­tet hat und erst noch fran­ko­phon war; zudem war er damals nicht gera­de über­be­schäf­tigt und hät­te wohl Zeit gehabt, sich die­se hei­ße Sache gründ­lich anzu­schau­en. Aber fair enough, was sein Bedau­ern sei­ner Hand­lun­gen betrifft.

        Durch­aus mög­lich, dass die vati­ka­ni­sche Büro­kra­tie schon damals so intri­gant war, wie offen­bar heu­te. Frei­lich leuch­tet mir nicht ein, wes­halb sich Rom die­sen Bischof nach sei­nem Able­ben tat­sa­chen­wid­rig ans Revers hät­te hef­ten wol­len, da mit ihm — der den Sitz Petri für vakant erklärt hat­te — nun wirk­lich kein Staat zu machen war. Find out, Fr. Zeit­schnur !

        Wie Sie, erwar­te ich kei­nen per­fek­ten Hel­den. Sicher stim­men wir auch über­ein, dass dies seit dem Sün­den­fall — Maria aus­ge­nom­men — auch gar nicht mög­lich ist. Den­noch gibt es auf Erden nicht nur einen, son­dern sogar DEN Per­fek­ten: Der­je­ni­ge im Taber­na­kel.

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