Was sind traditionelle Katholiken?

Pius X.
Pius X.

von Father Peter Caro­ta, Diö­ze­san­prie­ster in den USA

Als tra­di­tio­nel­le Katho­li­ken […] müs­sen wir defi­nie­ren, wer wir sind und was unse­re Mis­si­on in die­sem kur­zen Leben ist. Hier sind 20 Punk­te, die vie­le unter uns tra­di­tio­nel­len Katho­li­ken ent­deckt haben, womit wir uns iden­ti­fi­zie­ren und die uns zu dem gemacht haben, was wir heu­te sind.

1. Wir sind schlicht Katho­li­ken, wel­che die ver­gra­be­nen Schät­ze Got­tes ent­deckt haben.
2. Es begann damit, über die Mes­se aller Zei­ten zu ler­nen (auch latei­ni­sche Mes­se oder triden­ti­ni­sche Mes­se genannt), als Papst Bene­dikt Summorum Pon­ti­fi­cum pro­mul­gier­te.
3. Davon aus­ge­hend haben wir den gro­ßen Unter­schied zwi­schen der neu­en Mes­se (auch Novus Ordo genannt) – wel­che den mei­sten von uns aus­schließ­lich bekannt war – und der latei­ni­schen Mes­se ent­deckt.
4. Wir ent­deck­ten, zu unse­rer gro­ßen Über­ra­schung, dass erst­mals in der Kir­chen­ge­schich­te das römi­sche Mess­buch dra­stisch ver­än­dert wur­de, durch Bugni­ni und das Con­ci­li­um, mit Unter­stüt­zung von Papst Paul VI., pro­mul­giert im Jah­re 1969.
5. Wir fan­den her­aus, dass die latei­ni­sche Mes­se jahr­hun­der­te­lang ein Teil der Katho­li­ken des römi­schen Ritus war und sich sehr lang­sam in win­zi­gen Schrit­ten über jene Jahr­hun­der­te ent­wickel­te, begin­nend beim Letz­ten Abend­mahl und dem Opfer Jesu am Kreuz.
6. Wir fan­den her­aus, dass vie­le Din­ge der neu­en Mes­se (das zwei­te Hoch­ge­bet, wel­ches bei­na­he aus­schließ­lich ver­wen­det wird in allen katho­li­schen Mes­sen) sowie die neu­en Rubri­ken von Bugni­ni und dem Con­ci­li­um geschaf­fen wur­den.
7. Wir fan­den her­aus, dass die pro­te­stan­ti­schen Bera­ter beim Zwei­ten Vati­ka­num sehr erfolg­reich dabei waren, zu hel­fen, die neue Mes­se zusam­men­zu­stel­len und sie in die Mut­ter­spra­che zu über­tra­gen.
8. Wir sehen deut­lich den Fokus auf das Opfer Jesu auf dem Kal­va­ri­en­berg in der latei­ni­schen Mes­se.
9. Wir sehen deut­lich, dass der Fokus in der neu­en Mes­se auf das Letz­te Abend­mahl gerich­tet ist und das „Tut dies zu mei­nem Gedächt­nis“, wie der Pro­te­stant Mar­tin Luther es sich wünsch­te.
10. Wir sehen deut­lich die pro­te­stan­ti­sche Beto­nung auf die Gemein­de und den Vor­ste­her der Ver­samm­lung gegen­über der Beto­nung in der latei­ni­schen Mes­se auf den Prie­ster, der das Opfer in per­so­na Chri­sti dar­bringt.
11. Wir erle­ben die men­schen­zen­trier­te Zusam­men­kunft bei der neu­en Mes­se, zu der die Leu­te kom­men, um sich gut zu füh­len, den Prie­ster anzu­schau­en, der ihnen gefällt, um zu tun, was sie wol­len, sich zu klei­den, wie sie wol­len (sexy Frau­en unan­stän­dig und Män­ner arm­se­lig mit kur­zen Hosen beklei­det), zu reden, wann sie wol­len, um die Pre­digt zu hören, die sie wol­len, und mit dem Han­dy zu spie­len, wenn sie gelang­weilt sind. Dage­gen ist es in der latei­ni­schen Mes­se sehr still, die mei­sten Leu­te klei­den sich ordent­lich und sind respekt­voll gegen­über Jesus im Taber­na­kel, sie knien zum Gebet, und die Frau­en tra­gen Schlei­er.
12. Wir stel­len fest, dass die Leu­te früh zur latei­ni­schen Mes­se kom­men, um zu beten, und län­ger blei­ben, um Dank zu sagen. Beim Novus Ordo kom­men eini­ge Leu­te zu spät und gehen frü­her.
13. Beim Novus Ordo hören wir zumeist Lie­der, die den Men­schen gefal­len (Hip Hop), mit Chö­ren, die vor­ne in der Kir­che ange­ben. Dage­gen ist der Chor bei der latei­ni­schen Mes­se ver­steckt auf der Orgel­em­po­re, ein­fach um die hei­li­ge latei­ni­sche Mes­se zu unter­stüt­zen, mit Orgel­mu­sik, gre­go­ria­ni­schem Cho­ral und ande­ren alten hei­li­gen Lie­dern – und vie­le die­ser Lie­der sind in latei­ni­scher Spra­che.
14. Dann fan­den wir her­aus, dass die neu­en Riten der Sakra­men­te der katho­li­schen Kir­che vie­le der äußerst wich­ti­gen Gebe­te (wie Exor­zis­men gegen den Teu­fel) eli­mi­niert und sie durch neue Gebe­te und Rubri­ken ersetzt haben.
15. Wir sehen den gro­ßen Unter­schied, der ent­hal­ten ist in den Wor­ten und Rubri­ken der Sakra­men­te vor dem Zwei­ten Vati­ka­num, und aus die­sem Grund las­sen wir unse­re Kin­der die Sakra­men­te im alten latei­ni­schen Ritus emp­fan­gen.
16. Wir erle­ben die ver­wäs­ser­ten Pre­dig­ten bei der neu­en Mes­se und die tie­fen geist­li­chen und prak­ti­schen Pre­dig­ten bei der latei­ni­schen Mes­se.
17. Wir sehen viel Gere­de über Lie­be in der Kir­che des Novus Ordo, aber wenig Lie­be für die Ret­tung von See­len aus der Hand des Teu­fel oder dem Fege­feu­er. Die Lie­be der Katho­li­ken des Novus Ordo ist sel­ten gezeigt gegen­über uns tra­di­tio­nel­len Katho­li­ken. Statt­des­sen has­sen sie uns, ver­fol­gen uns und machen es bei­na­he unmög­lich, die Sakra­men­te im alten Ritus zu haben, den Papst Bene­dikt für alle Katho­li­ken seit Summorum Pon­ti­fi­cum im Jah­re 2007 erlaubt hat.
18. Wir haben viel Gere­de über Umwelt und sozia­le Gerech­tig­keit in der Kir­che des Novus Ordo gehört, aber ohne jemals zu den Wur­zeln die­ser Pro­ble­me zu gehen, näm­lich per­sön­li­cher Sün­de.
19. Wir haben gese­hen, dass die Ände­run­gen in der Kate­che­se die Früch­te pro­du­ziert hat, dass fast alle unse­rer Fami­li­en Athe­isten, Agno­sti­ker, Pro­te­stan­ten oder Frei­kirch­ler wur­den. Sie glau­ben nicht län­ger an Sün­de, hören Rock oder Hip Hop, klei­den sich unan­stän­dig, leben mit wem auch immer sie wol­len, haben über­all Kin­der, haben Abtrei­bun­gen und haben schwer­wie­gen­de Laster wie Dro­gen­miss­brauch, Alko­hol­miss­brauch und Por­no­gra­fie. Und sie sehen nicht ein, dass etwas falsch ist mit ihren eige­nen Sün­den oder mit homo­se­xu­el­lem Ver­kehr oder homo­se­xu­el­ler „Ehe“.
20. Wir tra­di­tio­nel­len Katho­li­ken glau­ben an die 2000 Jah­re katho­li­scher Leh­re, Pra­xis und Tra­di­ti­on. Wir glau­ben, dass Sün­de Sün­de ist, wie Jesus es lehr­te. Wir glau­ben an die Hei­li­ge Schrift als das tat­säch­li­che ver­bind­li­che Wort Got­tes. Wir glau­ben an den Gehor­sam gegen­über den Geset­zen Got­tes, die in unse­rem katho­li­schen Glau­ben ent­hal­ten sind. Wir glau­ben an Him­mel, Höl­le, Fege­feu­er, den Teu­fel und sei­ne Dämo­nen. Wir glau­ben, dass eine schwe­re Sün­de, die nicht bereut und gebeich­tet wur­de, uns zur ewi­gen Ver­damm­nis führt.

Dies ist mehr oder weni­ger, was wir ent­deckt haben und glau­ben. Vie­le von uns glau­ben, dass das Zwei­te Vati­ka­num ein Desa­ster war. Die Leu­te der neu­en Kir­che glau­ben, dass es das beste ist, was je in der Geschich­te der katho­li­schen Kir­che pas­siert ist, und sie wol­len es immer mehr imple­men­tie­ren oder sogar ein noch libe­ra­le­res Drit­tes Vati­ka­ni­sches Kon­zil haben.

Im Gro­ßen und Gan­zen glau­ben wir tra­di­tio­nel­len Katho­li­ken, dass die Häre­si­en des Moder­nis­mus, Säku­la­ris­mus und Pro­gres­si­vis­mus, ver­ur­teilt durch Papst Pius X., all die Pro­ble­me in der Kir­che ver­ur­sacht hat. Sie sind heu­te quick­le­ben­dig und aktiv in bei­na­he allen Tei­len der Sakra­men­te und der Hier­ar­chie der Kir­che. […]

Über­set­zung: Katholisches.info/b360s
Bild: Wiki­com­mons

13 Kommentare

  1. Heu­te sind die mei­sten Katho­li­ken unan­sprech­bar für die mei­sten die­ser genann­ten Punk­te.
    Es ist auch fast sinn­los, dar­über mit so vie­len gro­ße Debat­ten zu füh­ren.
    Man kann nur in Lie­be und Demut klein anfan­gen, jeder für sich. Heu­te muß man die Men­schen trö­sten, ihnen guten Mut zuspre­chen, denn sie sind von all den Ideo­lo­gien, dem Mate­ria­lis­mus usw. so ver­hetzt und krank gemacht wor­den, daß sie wirk­lich nur für Taten der Lie­be, ganz klei­ne, noch emp­fäng­lich sind. Alles ande­re kann man Gott in die Hän­de legen.
    Was nützt die „rich­ti­ge“ hl. Mes­se und drau­ßen bren­nen die Häu­ser ab, wis­sen die Men­schen nicht mehr wei­ter?
    Zuerst das eine, dann wird auch wie­der der Sinn für eine wirk­lich hl. Mes­se wach­sen. Nicht umge­kehrt. „Wir“ ste­hen am Anfang- wie vor knapp 2000 Jah­ren; etwas anders wie damals, aber eben­falls am Anfang.
    Die­se gan­ze Dis­kus­sio­nen über Tra­di­ti­on und Nicht-Tra­di­ti­on, auch über Nicht-Tra­di­ti­on, die ja von ihren Anhän­gern eben­so vehe­ment geführt wird, ver­feh­len das Anlie­gen Chri­sti.
    Wie gesagt: zuerst die Pflicht, dann die Kür.

  2. Das ist ein schie­fes Gewöl­le aus Wah­rem und Fal­schem und bestä­tigt her­vor­ra­gend das, was ich mei­ne mit den Merk­ma­len derer, die sich selbst als „Tra­di­ti­on“ bezeich­nen.

    Bei allem Ver­ständ­nis für die Trau­er und Abnei­gung gegen die Exzes­se der Moder­ne und Post­mo­der­ne — aber das ist ein­fach nur ober­fläch­lich und anma­ßend, was der Mann vor­trägt.

    Er bezwei­felt den NOM, aber nicht sei­ne fal­sche Wei­he im NOM. Er schaut nur aufs Äuße­re und erwähnt das, was den Glau­ben aus­macht, fast gar nicht.
    Offen­bar hat er selbst kei­ne Ahnung davon, was ein­mal „Tra­di­ti­on“ war.
    Und dass Bene­dikt mit SP eben nicht eine illu­sio­nä­re „Tra­di­ti­on“, die offen­bar v.a. aus „anstän­di­ger Klei­dung“ (ja, da stür­zen sich gleich wie­der alle drauf und jeder weiß noch zwang­haf­ter, was das ist!), pseu­do­tra­di­tio­nel­len Neue­run­gen (wie dem „Schlei­er“, der nur regio­nal üblich war in eini­gen süd­eu­ro­päi­schen Län­dern und nie­mals vom neu­zeit­li­chen Lehr­amt gene­rell gefor­dert wur­de), wacke­ren Gebets­lei­stun­gen vor und nach der Hl. Mes­se und einer Ableh­nung bestimm­ter Musik­sti­le im Pri­vat­le­ben (was selbst Pius X. aus­drück­lich in „Tra le solli­ci­tu­di­ne“ nicht so gedacht haben woll­te!!!), „wie­der auf­wer­ten woll­te“, hat der gute Mann auch nicht ver­stan­den.
    Bereits gestern habe ich die Links zu Bene­dikts bei­den Tex­ten (SP und das Begleit­schrei­ben) hier ver­linkt: Bene­dikt woll­te eine gegen­sei­ti­ge Befruch­tung bei­der Riten, die er im übri­gen für Aus­druck ein und des­sel­ben Ritus hält!

    Ja — wenn das die „Tra­di­ti­on“ ist, hat die Kir­che end­gül­tig ihre Kon­ti­nui­tät ver­lo­ren. Das, was da oben steht ist nichts wei­ter als eine katho­li­sche Ver­si­on des Hut­te­rers — vom Lehr­amt stets abge­lehnt.

    Es genügt nicht, bestimm­te, post­mo­dern ver­leug­ne­te Bestand­tei­le der Leh­re mehr oder weni­ger geist­los neu in den Raum zu stel­len.

    Anstatt sich mit einem bür­ger­li­chen Anstands­den­ken über die Unge­reimt­hei­ten der gesam­ten Lage hin­weg­zu­täu­schen und zu befrie­di­gen, stellt die­ser „Father“ näm­lich sämt­li­che grund­le­gen­den Fra­gen nicht.
    Die­se grund­le­gen­den Fra­gen wären: Wenn das „Lehr­amt“ einen der­ma­ßen schäd­li­chen und ungül­ti­gen Ritus ein­führt und die Sit­ten so bewuss hat ver­lot­tern las­sen, dass man um das See­len­heil der Gläu­bi­gen ban­gen MUSS, dann ist es gera­de­zu fahr­läs­sig, die Leu­te in die­ser Kir­che und an die­sen „Päp­sten“ fest­zu­hal­ten — „anstän­di­ge“ Klei­dung hin oder her. Sie jeden­falls schützt am wenig­sten vor der Höl­len­fahrt. Und höchst­wahr­schein­lich ungül­tig geweih­te Prie­ster einer sol­chen „Kir­che“ haben dann ohne­hin kei­ne — wenn auch tra­di­tio­nell auf­po­lier­ten — „Leh­ren“ zu ver­kün­den, um das raus­zu­hau­en, was die eigent­lich dafür ein­ge­setz­ten und beru­fe­nen Män­ner tun müss­ten…

    Kein „Prie­ster“, auch nicht der gül­tig Geweih­te, hat das Recht, nun für Päp­ste und Bischö­fe in die Bre­sche zu sprin­gen.
    Er kann — sofern gül­tig geweiht — allen­falls Not­fallsa­kra­men­te spen­den und vor aller Welt ein­ge­ste­hen, dass er selbst im Moment ohne insti­tu­tio­nel­len Hir­ten ist und sei­ne TRADITIONELLE Kom­pe­tenz nicht über­schrei­ten darf!

  3. In der Liste sind sehr vie­le Punk­te aus sehr vie­len ver­schie­de­nen Berei­chen. Die Latei­ni­sche Mes­se und auch vie­le Inhal­te der vor­kon­zi­lia­ren Tra­di­ti­on sind wun­der­bar und rich­tig. Hass gegen alles Neue oder Anders­ar­ti­ge hal­te ich jedoch für nicht ange­bracht. Eine tra­di­tio­nel­le Sicht­wei­se, in der Anti­se­mi­tis­mus oder ein Nicht­be­ten-Wol­len für Anders­ar­ti­ge Raum haben, ist mir jedoch zu extre­mi­stisch.

  4. Die im Arti­kel prä­sen­tier­te Auf­fas­sung von Tra­di­ti­on ist mir zu ver­engt und been­gend.
    Tat­sa­che ist, dass man­che Refor­men vor 50 Jah­ren über­fäl­lig waren.
    Man soll das Vati­ka­num 2 nicht ver­teu­feln.
    Die Hei­li­gung des Chri­sten ist fast nur auf das Sakra­men­ta­le zurück­ge­führt. Sie umfasst aber die gan­ze Lebens­füh­rung. Das fehlt hier. Gala­ter 5 und 6 füh­ren hier wei­ter.
    Klei­dung und Ver­hal­ten sind durch­aus wich­tig, aber nicht nur sonn­tags im Got­tes­haus.

    • @ Leo Laemm­lein — 23. Febru­ar 2015 um 16:23: „Die im Arti­kel prä­sen­tier­te Auf­fas­sung von Tra­di­ti­on ist mir zu ver­engt und been­gend.“

      Geht mir in man­chen Punk­ten auch so. Die Latei­ni­sche Mes­se, vie­le alte Gebe­te und auch ande­re wich­ti­ge Din­ge sind essen­ti­ell wich­tig, dass sie erhal­ten blei­ben. In ideo­lo­gi­schen Berei­chen gibt es Erneuerungs‑, Veri­fi­zie­rungs- und Erwei­te­rungs­be­darf. Mir gefällt der Begriff „Tra­di­ti­on & Inno­va­ti­on“.
      Klei­dung etc.: Das mit der Klei­dung, was sie postu­lie­ren, ist für mich ein bis­serl schwie­rig, weil ich u.a. mit Pfer­den arbei­te und als Frau im Win­ter im Western­sat­tel Ther­mo­ho­sen anzie­hen muss, sonst komm ich in die Kli­nik.

      • Wir erle­ben, scheint mir, einen gro­ßen Zusam­men­bruch um uns her­um, wie in Zeit­lu­pe. Der Zusam­men­bruch kann sogar uns selbst ergrei­fen, indem man­ches, was uns lie­be Gewohn­heit war, frag­wür­dig wird, ihm die Grund­la­ge ent­zo­gen wird. Es bricht aber nur Unech­tes zusam­men, und wenn doch Ech­tes, dann Unwe­sent­li­ches. Übrig­blei­ben wird, wie Sie in einem ande­ren Kom­men­tar schrei­ben, ein gerei­nig­ter Glau­be, aus dem eine gerei­nig­te Zivi­li­sa­ti­on ent­ste­hen kann. Die­ser Glau­be wird katho­lisch sein, aber in einem schlich­ten, ursprüng­li­chen, wesent­li­chen Sinn, gerei­nigt von Pomp und vie­lem Bei­werk der Jahr­hun­der­te.

      • …und wo, lie­ber LL, ist das in der Schrift ver­hei­ßen? Ver­hei­ßen ist uns, dass Gott die­se Erde ver­nich­tet und einen neue schafft, das „himm­li­sche Jeru­sa­lem“…

        Die „lieb­ge­won­ne­nen Gewohn­hei­ten“ betref­fen dann aber auch die Kon­ven­tio­nen und Gewohn­hei­ten frü­he­rer Zei­ten und nie­mand ist in der Lage, hier zu wis­sen, was nun das „Rich­ti­ge“ war. Wie scham­los teil­wei­se die mit­tel­al­ter­li­che Klei­dung, übri­gens fast aus­schließ­lich der Män­ner (!), war, wis­sen wir alle… genau­so die höfisch-scham­lo­se Klei­dung der früh­neu­zeit­li­chen Dame etc. etc.

        Zum Glück ist sowohl die Schrift als auch das Lehr­amt unend­lich mode­rat geblie­ben in die­sen Neben­sa­chen: wir sol­len dezent geklei­det sein. Nicht mehr und nicht weni­ger.

        Über bestimm­te Klei­der­for­men haben weder Schrift nich Lehr­amt je etwas gesagt, und das ist auch gut so! Klei­dung ist und bleibt eine Fra­ge der Kul­tu­ren und Kon­ven­tio­nen.

        Scha­de, dass wir nur die Ver­än­de­rung des Äuße­ren bekla­gen, das doch ohne­hin nicht frü­her „bes­ser“, son­dern wel­len­ar­tig mal dezen­ter mal scham­lo­ser war…

        Was uns heu­te wirk­lich fehlt, ist der tie­fe inne­re Glau­be, der das Herz ver­än­dert und die See­len bereit macht für die Ver­ei­ni­gung mit Chri­stus. Es ist eigent­lich ein Graus, dass wir offen­bar nichts ande­res im Hirn haben, als über die belang­lo­se Klei­dung zu qua­ken wie eine gewis­se ver­fin­ster­te Reli­gi­on, die dar­aus eben­falls eine post­mo­der­ne, zwang­haf­te Ideo­lo­gie macht…

        Auch das ist eine Art „Assi­si“ — bloß kon­ser­va­tiv.

      • Ergän­zung, wg. Klei­der­or­nung:
        Ich tra­ge kei­ne Röcke, die ober­halb vom Knie sind. Zumeist jedoch Hosen (Nie­ren­krank­heit) und in bestimm­ten Berei­chen geht es nur mit männl. Klei­dung. Ich bin Kara­te-Blau­gurt. Im Rock schlecht trai­nier­bar. Hier Bei­spiel: https://www.youtube.com/watch?v=7HAvpHAZsGQ — Selbst­ver­tei­di­gung könn­te auf­grund des zuneh­men­den Cha­os hier in Euro­pa wich­ti­ger wer­den (vor allem für Frau­en). Möch­te damit nur sagen, dass ich mich anstän­dig anzie­he, vor allem im Got­tes­dienst (ich has­se Turn­schu­he u.ä. im Got­tes­dienst).

      • @ zeit­schnur — 24. Febru­ar 2015 um 12:10
        Zu Ihrer Fra­ge. Mei­ne Pro­gno­se ist von einer Pro­phe­zei­ung des jun­gen Joseph Ratz­in­ger aus dem Jahr 1970 inspi­riert, wor­in er von der Kir­che der Zukunft spricht, die aus der jet­zi­gen Kri­se her­vor­ge­hen wird:
        „Aus der Kri­se von heu­te wird auch die­ses Mal eine Kir­che mor­gen her­vor­ge­hen, die viel ver­lo­ren hat. Sie wird klein wer­den, weit­hin ganz von vor­ne anfan­gen müs­sen. … Aber bei allen die­sen Ver­än­de­run­gen, die man ver­mu­ten kann, wird die Kir­che ihr Wesent­li­ches von neu­em und mit aller Ent­schie­den­heit in dem fin­den, was immer ihre Mit­te war: Im Glau­ben an den drei­ei­n­i­gen Gott, an Jesus Chri­stus, den mensch­ge­wor­de­nen Sohn Got­tes, an den Bei­stand des Gei­stes, der bis zum Ende reicht. Sie wird in Glau­be und Gebet wie­der ihre eigent­li­che Mit­te erken­nen und die Sakra­men­te wie­der als Got­tes­dienst, nicht als Pro­blem lit­ur­gi­scher Gestal­tung erfah­ren. … Aber nach der Prü­fung die­ser Tren­nun­gen wird aus einer ver­in­ner­lich­ten und ver­ein­fach­ten Kir­che eine gro­ße Kraft strö­men. Denn die Men­schen einer ganz und gar geplan­ten Welt wer­den unsag­bar ein­sam sein. Sie wer­den, wenn ihnen Gott ganz ent­schwun­den ist, ihre vol­le, schreck­li­che Armut erfah­ren. Und sie wer­den dann die klei­ne Gemein­schaft der Glau­ben­den als etwas ganz Neu­es ent­decken. Als eine Hoff­nung, die sie angeht als eine Ant­wort, nach der sie im ver­bor­ge­nen immer gefragt haben. So scheint mir gewiss zu sein, dass für die Kir­che sehr schwe­re Zei­ten bevor­ste­hen. Ihre eigent­li­che Kri­se hat noch kaum begon­nen. Man muss mit erheb­li­chen Erschüt­te­run­gen rech­nen. Aber ich bin auch ganz sicher dar­über, was am Ende blei­ben wird: Nicht die Kir­che des poli­ti­schen Kul­tes, die schon in Gobel geschei­tert ist, son­dern die Kir­che des Glau­bens. Sie wird wohl nie mehr in dem Maß die gesell­schafts­be­herr­schen­de Kraft sein, wie sie es bis vor kur­zem war. Aber sie wird von neu­em blü­hen und den Men­schen als Hei­mat sicht­bar wer­den, die ihnen Leben gibt und Hoff­nung über den Tod hin­aus.« Der voll­stän­di­ge Text: http://www.kath.net/news/44468

        Biblisch wür­de ich es begrün­den mit dem Chri­sten­tum, das uns im Neu­en Testa­ment vor­ge­stellt wird, in den christ­li­chen Gemein­den, von denen wir in der Apo­stel­ge­schich­te, in den Apo­stel­brie­fen und in den Send­schrei­ben der Offen­ba­rung des Johan­nes lesen.

      • @ LL

        Ob Ratz­in­ger damit etwas „pro­phe­zei­en“ woll­te?

        Ist das nicht ein­fach nur eine Pro­gno­se?

        In dem, was er sagt, ist viel Wah­res, aber auch viel Pro­ble­ma­ti­sches.

        Wenn er z.B. sagt „Sie wird in Glau­be und Gebet wie­der ihre eigent­li­che Mit­te erken­nen und die Sakra­men­te wie­der als Got­tes­dienst, nicht als Pro­blem lit­ur­gi­scher Gestal­tung erfah­ren.“, dann fra­ge ich mich, was er damit eigent­lich sagen will.

        Wenn die lex oran­di die lex creden­di ist, dann ist es abwe­gig, so zu spre­chen.
        Denn man muss fra­gen, wie und was man lit­ur­gisch gestal­tet, um nicht den Glau­ben zu ver­feh­len und Gott zu lästern.
        Gegen wen zielt sei­ne Aus­sa­ge : gegen die, die an der über­lie­fer­ten Mess­form hän­gen (was anzu­neh­men ist 1970)?

        Wesent­lich aber ver­kennt er, dass es nicht mög­lich ist, „rei­nen“ Glau­ben zu leben — ohne Ver­flech­tung ins „Poli­ti­sche“.

        So sehr ich immer wie­der drauf hin­wei­se, dass die­ser „Schul­ter­schluss“ in älte­ren Zei­ten auch der Aus­gangs­punkt für das Böse in der Kir­che war und ist, so sehr erscheint es mir klar, dass dies auf Erden nicht anders mög­lich war und ist und uns auch nichts ande­res ver­hei­ßen ist:

        Mit dem Evan­ge­li­um reift auch das Geheim­nis des Bösen aus — das jeden­falls steht in der Schrift.

        Allei­ne schon der Wahn, man kön­ne dem ent­ge­hen, ist häre­sie­ver­däch­tig.
        Die Kir­che hat daher sämt­li­che pro­te­stan­ti­sche Sek­tie­rei, die sol­chen Puri­ta­nis­mus pfle­gen woll­te, ver­wor­fen.

        Wir leben im Glau­ben — NICHT im Schau­en.

        Dass die Kir­che ein­mal sehr „prä­sent“ war, ist nichts, wor­auf sie heils­ge­schicht­lich einen Anspruch hät­te. Es ging dar­um, mög­lichst effi­zi­ent alle Men­schen mit dem Evan­ge­li­um bekannt­zu­ma­chen, damit Jesus wie­der­kom­men kann. Die Kir­che hat den Samen gesät und zugleich hat der Feind den bösen Samen gesät. Auch von einer sol­chen Sicht aus, ist es gleich, ob man das Gleich­nis nun auf Welt oder Kir­che oder bei­des anwen­det — es wäre jeden­falls absurd, die Jün­ger zu mah­nen, aus­schließ­lich IN DER WELT bei­des auf­wach­sen zu las­sen, denn die­se Tren­nung kön­nen wir ja nicht so genau vor­neh­men, wenn die Kir­che die­se Welt so stark „durch­säu­ert“ hat. Dass in der Welt das Böse gras­siert, dürf­te nie­man­den wun­dern oder auf die Idee brin­gen, nun mit Feu­er und Schwert „das Böse“ aus­zu­rei­ßen unter Leu­ten, die eh nicht glau­ben.… Rele­vant ist für die Apo­stel ja nur, was in der Kir­che mit­ein­an­der auf­wächst…

        Aber rein histo­risch ein wich­ti­ger Gedan­ke: es mag noch vor Jahr­hun­der­ten man­ches recht­gläu­big erschie­nen sein oder mit dem Glau­ben kom­pa­ti­bel, was sich heu­te als Fluch erweist.

        Ein sol­cher erkenn­ba­rer Frucht­stand ist sicher der „Schul­ter­schluss“ mit der Poli­tik, der stets schlimm war, auch wenn das Evan­ge­li­um so bekannt wur­de, was z.B. Leo XIII. als Papst frei­mü­tig zuge­steht — als Bischof hat­te er es noch geleug­net.

        Was die Apo­ka­lyp­se betrifft: „Gesich­te“ sind immer in gewis­ser Wei­se „alle­go­risch“. Das ist auch das Pro­blem ihrer Deu­tung — das Geschau­te passt nicht 1:1 in unse­re Begrif­fe und Vor­stel­lun­gen. Vor­sicht also.

      • @ Jean­ne d’Arc

        Sie müs­sen sich weder recht­fer­ti­gen noch ver­un­si­chern las­sen:

        A. hat das Lehr­amt nun mal kei­ne Fest­le­gun­gen getrof­fen, und nur das ist für uns rele­vant — egal was irgend­wel­che selbst­er­nann­ten „Leh­rer“ nun for­dern. Wir müs­sen nur dem gehor­chen, was uns das Lehr­amt abver­langt! Abver­langt wird uns all­ge­mein: Dezenz, Sitt­sam­keit — ver­nünf­tig und nüch­tern ver­stan­den bit­te­schön!

        B. ist der gan­ze Kla­mot­ten­krieg trotz tat­säch­li­cher ver­brei­te­ter Unan­stän­dig­keit ein zwang­haf­ter Stell­ver­tre­ter­krieg unin­spi­rier­ter Gei­ster!

        C. weiß jeder was anstän­dig ist — und das hat man leicht erfüllt. Wir alle wis­sen, dass bei der Klei­dung schon die Pose aller­hand aus­löst — nicht unbe­dingt das Klei­dungs­stück an sich selbst…

        D. sind Spitz­fin­dig­kei­ten, ins­be­son­de­re wenn der Pha­ri­sä­er Anstoß am Zöll­ner nimmt, eines Katho­li­ken nicht wür­dig!

        E. muss ich folg­lich erst mal mei­ne eige­nen unan­stän­di­gen Gedan­ken zügeln, bevor ich ande­ren irgend­wel­che Klei­der­ord­nun­gen abzwin­gen will, die weder Gott noch das Lehr­amt je gefor­dert haben — dem sitt­lich Ver­kom­me­nen ist am Schluss die blo­ße sicht­ba­re Exi­stenz des ande­ren schon „Reiz“.
        In sol­chen sitt­lich ver­kom­me­nen Kul­tu­ren wer­den dann beson­ders Frau­en gleich ganz weg­ge­schlos­sen…

        Blei­ben wir also maß­voll und lesen nicht im Kla­mot­ten­kaf­fee­satz.

  5. In 20 Punk­ten auf den Punkt brin­gen, was einen tra­di­tio­nel­len Katho­li­ken aus­macht, ist schon ein gewag­tes Unter­fan­gen, aber es ist erstaun­lich gut gelun­gen! Nicht als Kri­tik, son­dern als Ergän­zung: die Königs­herr­schaft Chri­sti beschränkt sich nicht auf den Raum der Kir­che, daß in ihr sein Wil­le der alles bestim­men­de sein soll und daß man dann die Welt so läßt, wie sie ist, nur um sich dann so radi­cal wie mög­lich von ihr abzu­son­dern! Daß gera­de die wich­ti­gen Berei­che unse­res Lebens, Poli­tik, Wirt­schaft und Kunst so prak­ti­ziert wer­den, als gäbe es kei­nen Gott, der sich offen­bart hat, daß man die „rela­ti­ve“ Auto­no­mie der Welt aner­kennt, um als Christ nur noch pri­vat christ­lich zu leben, das ist aus tra­di­tio­nel­ler Sicht inak­zep­ta­bel! Aber seit dem Ende der kon­stan­ti­ni­schen Epo­che, von Kai­ser Kon­stan­tin bis Kai­ser Wil­helm II, neigt die Kir­che dazu-in Fol­ge des Reform­kon­zi­les-sich als rei­ne Pri­vat­or­ga­ni­sa­ti­on zu ver­ste­hen, als wäre sie nur für ihre „Ver­eins­mit­glie­der“ zustän­dig und wenn sie sich dann am öffent­li­chen Dis­kurs betei­ligt, spricht sie nur noch huma­ni­stisch, weil die Welt von Gott nichts mehr hören wol­le.
    Uwe C. Lay/ Pro Theol Blog­spot

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