Sklaverei im Islam — Islam und Gewalt (11)

Islam und Sklaverei
Islam und Sklaverei

Die Wie­der­ein­füh­rung der Skla­ve­rei durch den ‚Isla­mi­schen Staat’ kann sich auf den Koran, die isla­mi­sche Tra­di­ti­on und 1300 Jah­re mus­li­mi­sche Skla­ven­hal­tung stütz­ten. In sau­di-ara­bi­schen Schul­bü­chern wird die isla­mi­sche Skla­ve­rei bis heu­te gerechtfertigt.

Ein Gast­bei­trag von Hubert Hecker.

Im Som­mer 2014 erober­ten die Ter­ror-Mili­zen des Isla­mi­schen Staa­tes (IS) die Regio­nen im Nord-Irak, in denen die Stäm­me der Jesi­den leb­ten. Die­se Volks- und Reli­gi­ons­ge­mein­schaft gilt den isla­mi­schen Herr­schern seit jeher als Poly­the­isten oder ‚Göt­zen­die­ner’. Sie wer­den nach der tra­di­tio­nel­len Rechts­aus­le­gung von Koran und Früh­is­lam als Men­schen ohne jeg­li­ches Recht behan­delt. Seid dem 15. Jahr­hun­dert wur­den unter der tür­ki­schen Sul­ta­nats-Herr­schaft etwa eine Mil­li­on Jesi­den im Namen des Islam mas­sa­kriert. So han­del­ten auch die IS-Mus­li­me, die die gefan­gen genom­me­nen jesi­di­schen Män­ner erschos­sen oder ander­wei­tig hin­ge­rich­tet haben. Dabei bezie­hen sie sich auf Moham­meds Anwei­sung in Sure 9,5: „…tötet die (ungläu­bi­gen) Poly­the­isten, wo immer ihr sie fin­det; nehmt sie gefan­gen oder bela­gert sie und lau­ert ihnen auf allen Wegen auf.“

Die Rückkehr der islamischen Sklavenhaltung von Andersgläubigen

Die Frau­en und Kin­der der Jesi­den teil­te man unter den IS-Kämp­fern als Beu­te auf, „nach­dem ein Fünf­tel von ihnen der Regie­rung des IS-Staa­tes als Steu­er über­ge­ben wur­de“. Die­se Erklä­rung des ISla­mi­schen Pro­pa­gan­da-Maga­zins ‚Dabiq’ bezieht sich aus­drück­lich auf das ‚Vor­bild’ Moham­med: Nach­dem der Pro­phet in Medi­na etwa 400 Män­ner des jüdi­schen Stam­mes Banu Qurai­za wegen angeb­li­chen Ver­rats hat­te ent­haup­ten las­sen, ver­teil­te er die Beu­te sowie die Frau­en und Kin­der antei­lig unter die berit­te­nen und unbe­rit­te­nen Krie­ger sei­ner Anhän­ger­schaft auf, für sich selbst reser­vier­te er ein Fünf­tel der sach­li­chen und mensch­li­chen Beu­te. Die ver­sklav­ten Frau­en und Kin­der der Qurai­za tausch­te er spä­ter gegen Pfer­de und Waf­fen ein.

Genau­so hand­habt es auch der Isla­mi­sche Staat: Er bie­tet sei­nen Fünf­tel-Anteil jesi­di­scher Frau­en und Kin­der auf dem ara­bi­schen Skla­ven­markt zum Ver­kauf an. Die Prei­se die­ser Sex-Skla­vin­nen rich­ten sich nach dem Alter der Ver­kaufs­an­ge­bo­te – von 34 Euro für eine 40 bis 50jährige Jesi­din bis zu 130 Euro für jesi­di­sche Mäd­chen im Kin­des- oder Jugend­al­ter. In dem IS-Arti­kel des ‚Dabiq’ wird „Die vor­zei­ti­ge Wie­der­kehr der Skla­ve­rei“ – so die Titel­ge­schich­te – mit Hin­weis auf Koran und Früh­is­lam gerecht­fer­tigt. Ins­be­son­de­re ver­tei­di­gen die ISla­mi­sten die Ver­wen­dung der Jesi­din­nen als Sex­skla­vin­nen für ihre Kämp­fer. Die Tages­zei­tung ‚Die Welt’ geht von bis zu 7000 ent­führ­ten und ver­sklav­ten Jesi­din­nen aus.

Sklaverei als Teil der natürlichen, allah-gewollten Ordnung

Sklaverei im IslamZur Zeit der Ent­ste­hung fand der Islam die Skla­ve­rei als sozia­le Insti­tu­ti­on vor und behielt sie bei. Moham­med und sei­ne mus­li­mi­schen Anhän­ger besa­ßen, erbeu­te­ten, erwar­ben und ver­kauf­ten Skla­ven oder benutz­ten Skla­vin­nen als Kon­ku­bi­nen. Der Pro­phet ver­fe­stig­te sogar das skla­vi­sche System, indem er es mit Allahs Wil­len begrün­de­te. In der Sure 16, Vers 71ff wird die Unter­schei­dung in Freie und Skla­ven als Teil der natür­li­chen, gott­ge­woll­ten Ord­nung aus­ge­wie­sen. Ähn­lich stellt die Sure 30,28 das Ver­mö­gen der Frei­en als Allahs Gabe hin — ein­schließ­lich der Sklaven.
Nach isla­mi­schem System kön­nen Mus­li­me durch Krie­ge oder Raub­zü­ge gegen Ungläu­bi­ge neue Skla­ven gewin­nen. Mus­li­mi­sche Glau­bens­brü­der dage­gen dür­fen nie­mals ver­sklavt wer­den. Auch ein Über­tritt zum Islam macht einen Skla­ven nicht frei. Recht­lich wer­den die Skla­ven einer­seits dem Sachen­recht zuge­ord­net, inso­fern sie ge- und ver­kauft, ver­schenkt, ver­lie­hen oder ver­erbt wer­den kön­nen. Ande­rer­seits wer­den sie als Knechts­men­schen mit min­de­rem Recht ein­ge­stuft, die etwa mit Geneh­mi­gung ihrer Her­ren Auf­trä­ge erle­di­gen und hei­ra­ten dür­fen. Als sol­che Leib­eig­ne haben sie Anspruch auf Für­sor­ge und Verpflegung.

Mus­li­men, die den Braut­preis für freie Frau­en nicht auf­brin­gen kön­nen, erlaub­te Moham­med die Ehe mit (gläu­bi­gen) Skla­vin­nen. Eben­falls kön­nen gläu­bi­ge Skla­ven als Süh­ne für Mein­eid oder Tot­schlag frei­ge­las­sen wer­den. Ein Skla­ve kann sich auch selbst durch Arbeit oder Ver­trag los­kau­fen. Nach der Hadith bewahrt ein Frei­kauf von Skla­ven vor dem Höllenfeuer.

Millionen Christen durch Muslime versklavt

In der Geschich­te der ver­schie­de­nen isla­mi­schen Rei­che bil­de­te die mus­li­mi­sche Skla­ven­hal­tung über 1200 Jah­re wich­ti­ge öko­no­mi­sche Bedin­gun­gen für die isla­mi­sche Herr­schaft. Wie in der Anti­ke wur­den Skla­ven in Berg­wer­ken, Land­wirt­schaft, Hand­werk und Haus­wirt­schaft ein­ge­setzt. Eine isla­mi­sche Beson­der­heit war das Mili­tär­skla­ven­tum. Nach Tho­mas Sowell sind etwa 14 Mil­lio­nen Men­schen durch den Islam ver­sklavt worden.

Zwi­schen 630 und 720 n. Chr. unter­war­fen mus­li­mi­sche Hee­re zahl­rei­che Län­der und erober­ten sich so ein Welt­reich von Spa­ni­en bis nach Indi­en, vom Sene­gal bis zum Hin­du­kusch. Im 11./12. und ab dem 14. Jahr­hun­dert setz­ten wei­te­re Erobe­rungs­wel­len ein. Die­se Dschi­had-Krie­ge erbrach­ten rie­si­ge Skla­ven­men­gen für die isla­mi­schen Herren.

Im Bereich des Mit­tel­mee­res waren haupt­säch­lich Chri­sten Opfer der mus­li­mi­schen Skla­ven­nah­me – etwa in den christ­li­chen Regio­nen Nord­afri­kas. Bei der Unter­wer­fung Spa­ni­ens bis 720 ver­sklav­ten die ara­bisch-mau­ri­schen Her­ren 150.000 Chri­sten. In den Jahr­hun­der­ten danach waren die Mit­tel­meer­in­seln und Ita­li­en stän­dig Pira­ten­über­fäl­len und Flot­ten­an­grif­fen aus­ge­setzt, bei denen die Mus­li­me wei­te­re Hun­dert­tau­sen­de von Chri­sten in die Skla­ve­rei depor­tier­ten. Die Herr­scher von Al Anda­lus führ­ten regel­mä­ßig Men­schen­raub­zü­ge gegen die christ­li­chen Städ­te und Regio­nen in Nord­spa­ni­en sowie in Süd­frank­reichs durch. In Ana­to­li­en und Arme­ni­en waren die Chri­sten eben­falls bis ins 10. Jahr­hun­dert regel­mä­ßig isla­mi­schen Kriegs- und Raub­zü­gen ausgesetzt.

Indien als Sklavenreservoir

Islam und SklavereiDas zwei­te gro­ße Skla­ven-Erobe­rungs­ge­biet der Mus­li­me war Indi­en. Schon bei der ersten Erobe­rung des indi­schen Sind im Jah­re 712 ver­schlepp­ten die Sie­ger 60.000 Skla­ven. Ab dem 11. Jahr­hun­dert führ­ten afgha­ni­sche Rei­ter­hee­re Dau­er­an­grif­fe gegen indi­sche Regio­nen, aus denen sie hun­dert­tau­sen­de Inder ver­schlepp­ten über den „Hin­du­kusch“ (= Hin­du-Tod). Der Ein­tausch von Step­pen­pfer­den in Turk­me­ni­stan gegen indi­sche Skla­ven beför­der­te wie­der­um den Krieg der mus­li­mi­schen Hee­re — zu neu­en Skla­ven-Rekru­tie­run­gen. Im 14 Jahr­hun­dert unter­hielt das Sul­ta­nat Delhi ein Heer von 150.000 Mili­tär­skla­ven, die auf dem gan­zen indi­schen Kon­ti­nent ein­ge­setzt wur­den – ins­be­son­de­re zur Sklavenjagd.

Turk- und Monogolenvölker jagen christliche Slawen als Sklaven

Die drit­te Lie­fer­zo­ne für Skla­ven war das Kul­tur- und Gras­land vom sla­wi­schen Mit­tel­ost­eu­ro­pa über Russ­land bis nach Zen­tral­asi­en. Die mus­li­mi­schen Rei­che im Mitt­le­ren Osten (ver-) brauch­ten vom 9. bis 14. Jahr­hun­dert meh­re­re Mil­lio­nen Mili­tär­skla­ven, von denen etwa 1/3 Sla­wen und 2/3 turk­spra­chi­ge Völ­ker waren. Nach­dem die mei­sten Turk­völ­ker im Hoch­mit­tel­al­ter isla­mi­siert waren, kon­zen­trier­ten sich die mus­li­mi­schen Herr­scher wie­der auf den Kauf von christ­li­chen Sla­wen, Arme­ni­er und Georgier.

In die­sem Gebiet spiel­ten Rei­ter­völ­ker als Skla­ven­jä­ger und Skla­ven­ver­käu­fer eine ent­schei­den­de Rol­le. Die mus­li­mi­schen Krim­ta­ta­ren ver­sklav­ten und ver­kauf­ten zwi­schen 1470 und 1700 etwa zwei Mil­lio­nen Ukrai­ner, Polen und Rus­sen über die Schwarz­meer­hä­fen ins osma­ni­sche Reich. Bis zum Mon­go­len-Ein­fall hat­ten die skan­di­na­vi­schen Rus den Sla­wen-Skla­ven­ver­kauf an das Kali­fat von Bag­dad dominiert.

Auch der tür­ki­sche Sul­tan begann ab 1360 mit der Ver­skla­vung und Zwangs­is­la­mi­sie­rung christ­li­cher Jun­gen, um sei­ne Mili­tär­skla­ven­trup­pe auf­zu­bau­en. Für das Jani­tscha­ren-Korps als Kern­trup­pe der tür­ki­schen Erobe­rungs­ar­mee ver­brauch­te man in den vier­ein­halb Jahr­hun­der­ten sei­nes Bestehens mehr als eine Mil­li­on christ­li­cher Jungen.

Im 16./17. Jahr­hun­dert erhöh­ten die mili­tä­ri­schen Akti­vi­tä­ten der soge­nann­ten isla­mi­schen „Schieß­pul­ver-Rei­che“ die Skla­ven­aus­beu­te. Die indi­schen Mogul-Herr­scher über­schwemm­ten Zen­tral­asi­en mit süd­in­di­schen Skla­ven, per­si­sche Macht­ha­ber führ­ten Men­schen­raub­zü­ge in der Kau­ka­sus­re­gi­on durch. Die Ber­ber-Emi­ra­te des Maghreb ver­wü­ste­ten regel­mä­ßig die Küsten­re­gio­nen des west­li­chen Mit­tel­mee­res und ver­sklav­ten vom 16. bis 18. Jahr­hun­dert etwa 1,2 Mil­lio­nen christ­li­che Europäer.

Afrika als größte Sklaven-Lieferzone für islamische Länder

Islamischer SklavenhandelDie vier­te und größ­te Lie­fer­zo­ne für Skla­ven in mus­li­mi­sche Län­der war Afri­ka. Die ost­afri­ka­ni­schen Küsten­re­gio­nen waren schon in vor­is­la­mi­scher Zeit von Ara­bern kolo­ni­siert wor­den. Die Kali­fen lie­ßen 37 afri­ka­ni­sche Städ­te vom Horn von Afri­ka bis nach Mocam­bi­que als Han­dels­stütz­punk­te aus­bau­en, um von dort Mas­sen von schwar­zen Skla­ven zu ver­schif­fen — in den Irak, nach Per­si­en, auf die ara­bi­sche Halb­in­sel und nach Indi­en. Die Skla­ven wur­den durch regel­mä­ßi­ge Raub­zü­ge der ara­bi­schen Emi­re besorgt oder von afri­ka­ni­schen Häupt­lin­gen gekauft. Nach Schät­zun­gen von Ralph Austen expor­tier­ten die Ara­ber von der Ost­kü­ste Afri­kas 3,9 Mil­lio­nen Schwar­ze als Skla­ven in mus­li­mi­sche Länder.

Ein wei­te­res Skla­ven-Trans­port­sy­stem exi­stier­te auf drei inner­afri­ka­ni­schen Nord-Süd-Rou­ten zwi­schen Nord­afri­ka und den sub­tro­pi­schen Regio­nen. Ägyp­ten und die Maghreb-Emi­ra­te impor­tier­ten gro­ße Mas­sen von Arbeits‑, Mili­tär- und Sex-Skla­ven sowie Eunu­chen. Ber­ber­stäm­me und Sahel-Völ­ker besorg­ten den mehr­mo­na­ti­gen Trans­port durch die Saha­ra und am Nil ent­lang. Allein an die nord­afri­ka­ni­schen Staa­ten von Marok­ko bis Tunis wur­den pro Jahr etwa 10.000 schwar­ze Skla­ven geliefert.

Araber als Sklavenjäger und von Sklaven Gejagte

Am süd­li­chen Rand der Saha­ra wie­der­um ent­stand eine Rei­he von Mili­tär­staa­ten und krie­ge­ri­schen Rei­chen, die sich auf die Skla­ven­jagd im Sub­sa­ha­ra-Gebiet kon­zen­trier­ten. Das wich­tig­ste Instru­ment der Men­schen­jagd waren auch hier Pfer­de, die mit den Ein­nah­men aus dem Skla­ven­ver­kauf in die Sahel-Zone impor­tiert wur­den – um damit Skla­ven zu jagen. Im Süd-Sudan war die­se Form von Skla­ven­jag­den durch ara­bi­sche Rei­ter­mi­li­zen noch bis vor eini­gen Jah­ren üblich.

Vom 7. bis 9. Jahr­hun­dert waren hun­dert­tau­sen­de von ost­afri­ka­ni­schen Skla­ven auch im heu­ti­gen Süd­irak auf Zucker­plan­ta­gen und zur Boden­ver­bes­se­rung beschäf­tigt. Hier kam es zu drei grö­ße­ren Skla­ven­auf­stän­den. Bei der zwei­ten Revol­te 694 besieg­ten die Skla­ven­trup­pen sogar eine mus­li­mi­sche Armee, muss­ten aber spä­ter kapi­tu­lie­ren. Nach dem drit­ten Skla­ven­auf­stand konn­te sich eine Herr­schaft der selbst­be­frei­ten Skla­ven 14 Jah­re bis zum Jah­re 883 halten

Islamischer Hautfarben-Rassismus

Auf dem Höhe­punkt der schwarz-afri­ka­ni­schen Skla­ven­im­por­te im 9. Jahr­hun­dert began­nen isla­mi­sche Theo­re­ti­ker eine Ras­sen­theo­rie zu ent­wickeln, mit der man die Mas­sen­skla­ve­rei von Schwarz­afri­ka­nern recht­fer­tig­te. Dabei kom­bi­nier­ten sie Ari­sto­te­les’ Kli­ma­theo­rie zur Erklä­rung eines angeb­lich skla­vi­schen Cha­rak­ters von Men­schen mit dem Haut­far­ben-Merk­mal gan­zer Eth­ni­en. Bald nach den Auf­stän­den der schwar­zen Skla­ven im Irak stell­te ein Anony­mus die The­se auf, die hei­ßen Zonen Afri­kas wür­den defi­zi­en­te Unter­men­schen her­vor­brin­gen mit den äußer­li­chen Merk­ma­len: kraus­haa­rig, übel­rie­chend und uneben­mä­ßig. Dem ent­sprä­chen die inne­ren Eigen­schaf­ten wie man­gel­haf­ter Ver­stand und ver­kom­me­ne Lei­den­schaf­ten. Der mus­li­mi­sche Phfilo­soph Avicen­na (+1037) betrach­te­te die Schwarz­afri­ka­ner als intel­lek­tu­ell min­der­wer­tig. Ibn Khal­dun (+1406) ließ kei­nen Zwei­fel am Unter­men­schen­tum der Afri­ka­ner: Die schwar­zen Völ­ker sei­en in der Regel der Skla­ve­rei unter­wor­fen, denn sie hät­ten wenig Mensch­li­ches, in ihren Eigen­schaf­ten sei­en sie eher den stum­men Tie­ren zuzu­ord­nen. Die­ser Haut­far­ben­ras­sis­mus gegen die Schwar­zen wur­de noch mit einer alt­te­sta­ment­li­chen Begrün­dung ver­tieft. Dabei wur­de der bibli­sche Skla­ven-Fluch Noahs über sei­nen Enkel Kana­an kom­bi­niert mit dem wei­te­ren Enkel Kusch, dem Stamm­va­ter der Schwarzen.

Rassistische Theorien der Aufklärer zur Begründung der atlantischen Sklaverei

Als die Por­tu­gie­sen sich im 15. Jahr­hun­dert in den isla­mi­schen Skla­ven­han­del ein­klink­ten, impor­tier­ten sie den Haut­far­ben­ras­sis­mus nach Euro­pa. Im euro­päi­schen Chri­sten­tum des Mit­tel­al­ters waren die Reprä­sen­tan­ten der Schwar­zen noch als edle Men­schen ange­se­hen – etwa der schwar­ze Mel­chi­or der Drei­kö­ni­ge oder der Hei­li­ge Mau­ri­ti­us. Erst mit den anti­christ­li­chen Auf­klä­rern im 18. Jahr­hun­dert setz­te sich der isla­mi­sche Haut­far­ben­ras­sis­mus auch in Euro­pa durch. Vol­taire behaup­te­te, die Neger und Hot­ten­tot­ten sei­en in ihren kör­per­li­chen, gei­sti­gen, psy­chi­schen und sozia­len Merk­ma­len zwi­schen Tie­ren und Men­schen anzu­sie­deln – übri­gens ähn­lich wie die Juden. Imma­nu­el Kants Aus­sa­gen zu den Schwar­zen (1775) zei­gen ver­blüf­fen­de Ähn­lich­kei­ten mit den ras­si­sti­schen Behaup­tun­gen der mus­li­mi­schen Skla­ve­rei-Theo­re­ti­kern: Dem­nach sei die „schwar­ze Race“ äußer­lich gekenn­zeich­net durch dicke Stülp­na­sen und Wurst­lip­pen sowie fau­li­ge Aus­dün­stun­gen. Ihr inne­rer Cha­rak­ter wäre durch „Träg­heit, Faul­heit, Dumm­heit, Aber­glau­be, Eifer­sucht und den Hang zu Dro­gen­kon­sum“ geprägt.

Haben Christentum und christliche Staaten nicht genauso…?

Nach die­ser Dar­stel­lung von mil­lio­nen­fa­cher mus­li­mi­scher Skla­ven­hal­tung durch­ge­hend über 1200 Jah­re muss sich der Anklä­ger dem klas­si­schen Gerichts­ein­wand stel­len: Tu quo­que – Du aber auch! Haben das Chri­sten­tum und christ­li­che Staa­ten nicht ähn­lich wie der Islam Skla­ve­rei begrün­det und praktiziert?

Haben sie nicht!

Weder in der neu­te­sta­ment­li­chen Bibel noch bei den Kir­chen­vä­tern wird Skla­ve­rei gött­lich begrün­de. Die Skla­ve­rei galt als ein Ele­ment der erb­sünd­li­chen Welt. Mit den Leh­ren von der Got­tes­eben­bild­lich­keit des Men­schen in der Schöp­fungs­ord­nung sowie dem Erlö­sungs­tod Chri­sti für alle Men­schen schuf das Chri­sten­tum aber eine Basis, um die Skla­ve­rei abzu­schaf­fen. Die Kir­chen­vä­ter Gre­gor von Nys­sa (+394) und Chryso­sto­mus (+407) set­zen sich mit die­ser Argu­men­ta­ti­on für die Auf­he­bung der Skla­ve­rei ein. Skla­ven­hal­tung wur­de im Römi­schen Reich mehr und mehr als sün­dig ange­se­hen, je stär­ker das Chri­sten­tum die römi­sche Gesell­schaft durchdrang.

Mit der früh­mit­tel­al­ter­li­chen Völ­ker­wan­de­rung und den Ger­ma­nen­rei­chen wur­de die Skla­ven­hal­tung wie­der üblich in Euro­pa, spä­ter abge­mil­dert in der Form der Leib­ei­gen­schaft. Aber je län­ger und je tie­fer die Kir­che Kul­tur und Moral der euro­päi­schen Völ­ker beein­flus­sen konn­te, desto stär­ker wur­de das Bewusst­sein von der Schöp­fungs­gleich­heit der Men­schen. Im 13. Jahr­hun­dert sang man das Lied: „Als Adam grub und Eva spann – wo war denn da der Edel­mann?“ Der Sach­sen­spie­gel von 1235 war das erste Rechts­buch der Welt­ge­schich­te ohne Skla­ven­re­geln. König Phil­ipp der Schö­ne ver­an­lass­te 1299 die Frei­las­sung aller Leib­ei­ge­nen auf sei­nen Krongütern.

Das atlantische Sklavensystem – ein Produkt der Antiken-Wiedergeburt

Das Wie­der­auf­le­ben der Skla­ve­rei in dem atlan­ti­schen Skla­ven­sy­stem war ein Pro­dukt der Neu­zeit, begrün­det und begün­stigt durch das Her­ren­men­schen­tum der Renais­sance. Spa­ni­sche Ordens­brü­der kämpf­ten prak­tisch und in der Theo­rie gegen die neue ‚huma­ni­sti­sche’ Skla­ve­rei­be­grün­dung nach Ari­sto­te­les. Papst Paul III. dog­ma­ti­sier­te 1537 die kirch­li­che Leh­re von der frei­heit­li­chen Selbst­ver­fü­gung und den natür­li­chen Rech­ten aller Men­schen. Doch die Kir­che konn­te sich in die­sem Kampf nicht durch­set­zen — für drei Jahr­hun­der­te. Erst evan­ge­li­ka­le Min­der­hei­ten ent­fach­ten um die Mit­te des 18. Jahr­hun­derts neu den Kampf gegen die Skla­ve­rei – mit dem alten katho­li­schen Argu­ment: ‚Die Skla­ve­rei wider­spricht der Got­tes­bild­lich­keit des Men­schen.’ und: ‚Chri­stus hat uns von der Skla­ve­rei der Sün­de erlöst.’ Der Histo­ri­ker Egon Flaig resü­miert: ‚Die Welt ver­dankt die Abschaf­fung der Mas­sen­skla­ve­rei der euro­päi­schen Kul­tur auf christ­li­cher Grundlage.’

Abschaffung der muslimischen Sklaverei durch die europäischen Kolonialmächte

In der ersten Hälf­te des 19. Jahr­hun­derts schlos­sen sich die mei­sten euro­päi­schen Län­der sowie die ame­ri­ka­ni­schen Staa­ten dem Skla­ven­han­dels­ver­bot und spä­ter auch der Abschaf­fung von Skla­ven­hal­tung an. Das setz­ten die Kolo­ni­al­mäch­te auch in den von ihnen beherrsch­ten isla­mi­schen Län­dern durch. Auf den osma­ni­schen Sul­tan übten sie Druck aus, ein Ver­bot des Skla­ven­han­dels zu erlas­sen. Nur im waha­bi­ti­schen Ara­bi­en blieb nach anti­tür­ki­schen Pro­te­sten Skla­ven­han­del und –hal­tung als isla­mi­sche Tra­di­ti­on erlaubt. Sau­di-Ara­bi­en schaff­te als eines der letz­ten Län­der erst 1963 die Skla­ve­rei offi­zi­ell ab.

Arabische Schüler lernen bis heute: „Sklaverei ist Teil des Islam.“

Waha­bi­ti­sche Islam-Gelehr­te recht­fer­ti­gen bis heu­te die isla­mi­sche Skla­ve­rei – so der sau­di-ara­bi­sche Scheich Saleh ibn-Faw­zan, pro­mi­nen­tes Mit­glied im Höch­sten Rat der Rechts­ge­lehr­ten. Er erklär­te laut einer auf­ge­nom­me­nen Rede: „Skla­ve­rei ist Teil des Islam.“ Und: „Skla­ve­rei ist Teil des Dschi­had, und der Dschi­had wird solan­ge blei­ben, wie es den Islam gibt.“ Die­ser Mann ist Haupt­au­tor der isla­mi­schen Lehr­plä­ne für ca. fünf Mil­lio­nen Schü­ler und Stu­den­ten in Ara­bi­en. Die­se isla­mi­schen Geist­li­che haben den Boden für den ISla­mi­schen Staat im Irak berei­tet und für die dor­ti­ge Wie­der­ein­füh­rung der isla­mi­schen Sklaverei.

Die Lehr­plä­ne von Scheich ibn-Faw­zan gel­ten auch für die sau­di-ara­bi­schen Aus­lands­schu­len. So kann man anneh­men, dass auch in den bei­den ara­bi­schen Schu­len in Bonn und Ber­lin die isla­mi­sche Skla­ven­hal­tung gerecht­fer­tigt wird. Der Direk­tor der Schu­le hat­te sich schon vor 10 Jah­ren jede Kri­tik an den Inhal­ten der sau­di-ara­bi­schen Schul­bü­chern ver­be­ten. Die nord­rhein-west­fä­li­schen Schul­be­hör­den lie­ßen das als Mul­ti-Kul­ti durchgehen.

Wei­ter­füh­ren­de Lite­ra­tur: Egon Flaig, Welt­ge­schich­te der Skla­ve­rei, Mün­chen 2009

Text: Hubert Hecker
Bild: SCRoma/Wikicommons

20 Kommentare

    • Unser Diö­ze­san­bi­schof hat in sei­nem Fasten­wort als erstes Anlie­gen nichts Bes­se­res, als zu mehr Gast­freund­schaft gegen­über Frem­den auf­zu­ru­fen, und das unter dem Fran­zis­kus-Stich­wort „Lam­pe­du­sa“. Das Gan­ze war eine Fran­zis­kus­pre­digt vom ersten bis zum letz­ten Satz. Das zwei­te Anlie­gen war die Gebets­ver­an­stal­tung für den „Herrn“. Wenn Fran­zis­kus „Herr“ sagt, ohne einen Namen zu nen­nen, krie­ge ich Gän­se­haut, denn –Gott sei’s geklagt– bei ihm bin ich mir nicht sicher, wel­chen Herrn er meint.
      Kein Wort für das gepei­nig­te Chri­sten­volk im Nahen und Mitt­le­ren Osten, in Afri­ka und zuneh­mend all­über­all auf der Erde, kein Wort für die christ­li­chen Märtyrer !
      Che „ver­go­gna“ !

      • @ Leo Laemm­lein — 22. Febru­ar 2015 um 12:35

        Rich­tig ! Weil näm­lich GELEBTES CHRISTENTUM, das ist, was im Ori­ent ja ver­folgt wird, und das ist hier im Westen ja was ‚alt­backe­nes‘, das die eige­nen Machen­schaf­ten und das eige­ne Bewußt­sein kon­fron­tiert. Auch Poli­ti­ker ver­mei­den sol­che Begriff­lich­kei­ten, sie­he hier: http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/geostrategie/michael-snyder/isis-vergiesst-im-nahen-osten-kuebelweise-das-blut-von-christen.html

      • Ich wür­de das geleb­te Chri­sten­tum im Ori­ent nicht über­hö­hen — die Leu­te sind genau­so abge­drif­tet wie wir auch!
        Bloß nicht anhand der­sel­ben Themen.
        Aber ihre Nei­gung zum Pan­ara­bis­mus hat bei ihnen einen „Öku­me­nis­mus“ eige­ner Cou­leur geschaf­fen und auch bei ihnen haben vie­le ihr Christ­sein nur noch ober­fläch­lich oder irr­gläu­big gelebt.
        Ich habe sehr viel Lite­ra­tur von ara­mäi­schen Chri­sten (aller­dings kei­nen Neu­be­be­kehr­ten aus dem evan­ge­li­ka­len Spek­trum, son­dern aus den alten Kir­chen dort) und erken­ne dort nix ande­res als hier auch. Wenn man nur Rafik Shami liest — wie­viel Wert misst er sei­nem „Chri­sten­tum“ bei?
        Eben.
        Und so gibt es vie­le dort.
        Auch sie sind dem natio­na­li­sti­schen Den­ken erle­gen und ern­ten dar­aus man­che Frucht.

        Unser aller Pro­blem: wir neh­men ein­fach nicht ernst, dass wir nicht von die­ser Welt sind und nicht sein dür­fen, wenn es mit uns recht ste­hen soll.

      • @zeitschnur — 23. Febru­ar 2015 um 14:35
        Ken­nen Sie die paki­sta­ni­sche Katho­li­kin Saba­ti­na James ? Sie hat als Kon­ver­ti­tin vom Islam zum katho­li­schen Glau­ben ihr Leben in Gefahr gebracht und lebt unter Poli­zei­schutz. Sie hat immer wie­der betont, dass das Chri­sten­tum in Paki­stan und ande­ren mus­li­mi­schen Län­dern, in denen Chri­sten ver­folgt wer­den, ganz anders ist als unser euro­päi­scher Weich­spül­glau­be. Eben­so ist es in der Unter­grund­kir­che in Chi­na. Ich habe die Kop­ten in Ägyp­ten erlebt. Ihr All­tags­glau­be und ihr geleb­tes Mit­ein­an­der in der christ­li­chen Gemein­schaft ist was ganz ande­res, als das, was hier von vie­len Chri­sten der west­li­chen Welt im Wohl­stands­le­ben gelebt wird.

      • @ Jean­ne d’Arc

        Sie spre­chen von einer Neu­be­kehr­ten! Und sie wie­der­um spricht von Neu­be­kehr­ten! Das ist was erheb­lich anderes!

        Allei­ne die Tat­sa­che, dass ins­be­son­de­re evan­ge­li­ka­le Grup­pen, aber auch die katho­li­sche Kir­che den alt­ori­en­ta­li­schen Kir­chen (die nicht mit Rom uniert sind) mas­sen­haft die Leu­te abwer­ben, soll­te Sie doch auf­mer­ken lassen!

        Das ist ähn­lich wie in Süd­ame­ri­ka, wo die alten Kir­chen eben­so lau gewor­den sind wie bei uns. Den­ken Sie doch allei­ne an leu­te wie Tarik Aziz — das ist viel­leicht eher der typi­sche ori­en­ta­li­sche Christ: pan­ara­bisch, lau, regio­naö öku­me­ni­stisch angehaucht.

        Dass nun, in der Not, und nach zer­platz­ten pan­ara­bi­sti­schen Träu­men, sowohl die Soli­da­ri­tät der Geäch­te­ten als auch die Rück­wen­dung zur Reli­gi­on etwas gestie­gen ist, mag sein. Wir hat­ten sel­bi­ges Phä­no­men nach dem Krieg auch. da waren die gera­de eben noch lau­en Chri­sten plötz­lich ach so fromm. Und weni­ge Jah­re spä­ter, als es dann auf­wärts ging, leer­ten sich die Kir­che wie­der und sind nun noch lee­rer als vor ihrer vor­läu­fi­gen Wiederauffüllung.

        Blei­ben wir nüchtern.

        Der Eifer der Neu­be­kehr­ten hat phä­no­me­nal aller­dings mit dem Schlen­dri­an uralter und eta­blier­ter Chri­sten, die selbst­ver­ständ­lich auch nicht in „Unter­grund­kir­chen“ leben, nichts zu tun.

        Lei­der macht aus die­sem Grun­de auch das Evan­ge­li­ka­le der­zeit das gro­ße Ren­nen in den ori­en­ta­li­schen See­len — von den alten Kir­chen und der katho­li­schen sowie­so, ist kein Mis­si­ons­ei­fer zu erwar­ten… Aber die Got­tes­mut­ter sieht die Situa­ti­on und wird die­sen Neu­ge­tauf­ten schon den rech­ten Weg wei­sen, wenn wir bzw. unse­re „Hir­ten“ es nicht tun.

      • @zeitschnur
        Es kann sein, dass Sie mal auf­mer­ken solt­ten, dass in der Römisch-Katho­li­schen Kir­che etwas Grund­le­gen­des ver­lo­ren gegan­gen, ver­leug­net und kaputt gemacht wor­den ist. Und dar­über hin­aus ist Saba­ti­na James Mit­glied der Römisch-Katho­li­schen Kir­che. Viel­leicht soll­ten Sie sich mal Gedan­ken dar­über machen war­um die sogen. „Evan­ge­li­ka­len“ so erfolg­reich sind und die Men­schen bei ihnen etwas bekom­men, was in der katho­lisch-phi­lo­s­phisch-theo­lo­gi­schen Geschwätz­kir­che nicht mehr auf­find­bar ist. Von mir aus kön­nen Sie mich ja jetzt auf Ihren theo­lo­gisch-phi­lo­s­po­phi­schen Inqui­si­ti­ons­schei­ter­hau­fen schmei­ßen (Iro­nie off).

  1. Eins muß ich jedoch auch sagen. Es gibt vie­le Mos­lems die vor Maria die unse­re Mut­ter ist mehr Respeckt haben als man­che katho­li­sche Theologen.
    Per Mari­am ad Christum.

  2. Also wenn ich gläu­bi­ger Mos­lem wäre und durch Euro­pa gehen wür­de was wür­de ich ich denken.
    Ich wür­de sagen Allah hat recht, schlagt sie Tot die­se Idioten.
    Abtrei­bung, Por­no­gra­fie und alles ist geil sogar die Gur­ke im Gemü­se­la­den. Und als Krö­nung wer­den die fei­nen Damen von Pus­sy Riot gefei­ert als hät­te der Him­mel sie geschickt. Frau­en lau­fen vor den Män­ner rum als ob sie zu wenig Geld haben um sich rich­tig anzu­zie­hen. Also wir getauf­ten Chri­sten ver­tre­ten unse­ren Herrn und Gott nicht beson­ders glaub­wür­dig vor die­sen Herr­schaf­ten. Viel Spaß für die Zukunft.
    Per Mari­am ad Christum.

Kommentare sind deaktiviert.