Kommissar Volpi gesteht Verleumdung ein — 20.000 Euro Schadenersatz

Kommissar Volpi und Papst Franziskus. 20.000 Euro Schadenersatz an Familie Manelli
Kom­mis­sar Volpi und Papst Fran­zis­kus. 20.000 Euro Scha­den­er­satz an Fami­lie Manelli

(Rom) „Der Fuchs im Hüh­ner­stall rich­tet immer Scha­den an“ (Don Camil­lo). Um einer Ver­ur­tei­lung wegen Ver­leum­dung zuvor­zu­kom­men, leg­te Pater Volpi (ita­lie­nisch Fuchs), der Kom­mis­sar der Fran­zis­ka­ner der Imma­ku­la­ta ein Schuld­ein­ge­ständ­nis ab. Er muß der Fami­lie des Ordens­grün­ders 20.000 Euro Scha­den­er­satz wegen Ver­leum­dung zah­len und sich in einem Rund­schrei­ben an alle Ordens­an­ge­hö­ri­gen entschuldigen.

Der Kapu­zi­ner Fidenzio Volpi wur­de am 11. Juli 2013 von der römi­schen Ordens­kon­gre­ga­ti­on zum Apo­sto­li­schen Kom­mis­sar der Fran­zis­ka­ner der Imma­ku­la­ta ernannt.  Papst Fran­zis­kus gab sei­ne Zustim­mung in einer Form, die dem Orden jede Mög­lich­keit zum Ein­spruch nahm. Die Ordens­lei­tung und dem Ordens­grün­der Pater Ste­fa­no Maria Manel­li wur­de abge­setzt. Seit­her trifft der päpst­li­che Kom­mis­sar alle Ent­schei­dun­gen im Orden und ist dabei nicht zimperlich.

Am ver­gan­ge­nen 12. Febru­ar nahm der zustän­di­ge Rich­ter in Rom eine Eini­gung zwi­schen Kom­mis­sar Volpi und der Staats­an­walt­schaft an. Damit wird kein Haupt­ver­fah­ren gegen Pater Volpi wegen des Vor­wurfs der Ver­leum­dung eingeleitet.

Die Verleumdung

Bis heu­te wur­den vom Hei­li­gen Stuhl kei­ne Grün­de für den radi­ka­len Ein­griff in den jun­gen und vor allem beru­fungs­rei­chen Orden genannt. In den ersten Mona­ten nach Beginn der kom­mis­sa­ri­schen Ver­wal­tung wur­de vom Kom­mis­sar und sei­nem Umfeld Infor­ma­tio­nen in die Welt gesetzt, die offen­bar als Ersatz­be­grün­dun­gen für die dra­sti­schen Maß­nah­men die­nen soll­ten, die die Gemü­ter unter den Ordens­an­ge­hö­ri­gen, ihren Fami­li­en und Gläu­bi­gen erreg­ten. „Infor­ma­tio­nen“, bei denen es sich in Wirk­lich­keit um Ver­leum­dun­gen han­del­te, wie Kom­mis­sar Volpi vor Gericht eingestand.

Am 8. Dezem­ber 2013 hat­te der Kom­mis­sar in einem Rund­schrei­ben an alle Brü­der des Ordens von einer „extrem schwer­wie­gen­den Sache“ geschrie­ben, die er allen Ordens­an­ge­hö­ri­gen „offi­zi­ell zur Kennt­nis brin­gen“ wol­le. Der Kom­mis­sar warf dem abge­setz­ten und unter Haus­ar­rest gestell­ten „Ordens­grün­der Ste­fa­no Maria Manel­li, des­sen Fami­li­en­an­ge­hö­ri­gen und Eltern eini­ger Ordens­schwe­stern“ vor, durch Trans­ak­tio­nen „beweg­li­che und unbe­weg­li­che Güter des Ordens“ der Zugriffs­mög­lich­keit des Kom­mis­sars ent­zo­gen zu haben. Mit ande­ren Wor­ten: Er warf der Fami­lie vor, Geld und Ordens­be­sitz unter­schla­gen zu haben. Gegen die „Urhe­ber“ schleu­der­te Volpi einen mora­li­schen Bannstrahl.

Die Anschul­di­gun­gen wur­den im Gefol­ge gegen Kri­ti­ker des vati­ka­ni­schen Ein­griffs ins Feld geführt nach dem Mot­to: etwas wer­de im Orden schon undurch­sich­tig sein, was ein har­tes Durch­grei­fen Roms recht­fer­ti­ge. Dem wird umge­kehrt bis heu­te ent­ge­gen­ge­hal­ten, daß Rom doch ein­fach die Grün­de für die kom­mis­sa­ri­sche Ver­wal­tung nen­nen sol­le. Straf­maß­nah­men ohne Ankla­ge und ohne die Mög­lich­keit sich zu ver­tei­di­gen, sei­en Will­kür. Die Behaup­tun­gen des Kom­mis­sars zu Immo­bi­li­en­trans­ak­tio­nen eig­ne sich jeden­falls nicht als Recht­fer­ti­gung für die kom­mis­sa­ri­sche Ver­wal­tung, da sie – wie selbst dem Brief des Kom­mis­sars ent­nom­men wer­den kann – erst als Reak­ti­on auf den Ein­griff der Ordens­kon­gre­ga­ti­on erfolgt sein sollen.

Die Anzeige

Die Fami­lie Manel­li sprach von Ver­leum­dung und erstat­te­te Anzei­ge gegen den Apo­sto­li­schen Kom­mis­sar. Damit hät­te die­ser sei­ne Anschul­di­gun­gen bewei­sen müs­sen. Das aber konn­te er nicht, weil es die „extrem schwer­wie­gen­den“ Vor­komm­nis­se nie gege­ben hat. Um einer gericht­li­chen Ver­ur­tei­lung zuvor­zu­kom­men, wil­lig­te Kom­mi­sar Volpi nun in eine Straf­zu­mes­sung auf Antrag ein, die in der ita­lie­ni­schen Straß­pro­zeß­ord­nung „patt­eg­gia­men­to“ genannt wird. Staats­an­walt und Beschul­di­ger eini­gen sich über die Höhe der Stra­fe. Die erziel­te Eini­gung wird dem zustän­di­gen Rich­ter vor Ein­lei­tung eines Haupt­ver­fah­rens vor­ge­legt, der sie in Urteils­form annimmt oder ablehnt und ein Haupt­ver­fah­ren eröff­net. Durch eine sol­che Eini­gung mit Schuld­ein­ge­ständ­nis spart sich der Statt eine Haupt­ver­hand­lung. Damit wird zudem auf eine Beweis­auf­nah­me ver­zich­tet. Das bedeu­tet auch, daß damit auch die Fra­ge nach den Grün­den der kom­mis­sa­ri­schen Ver­wal­tung nicht vor einem Gericht auf­ge­wor­fen wird.

Das Strafmaß

Kom­mis­sar Volpi muß der Fami­lie Manel­li 20.000 Euro Scha­den­er­satz wegen Ver­leum­dung zah­len, die Anwalts- und Gerichts­spe­sen über­neh­men und auf den Inter­net­sei­ten des Ordens und in einem Rund­schrei­ben an alle Brü­der und Schwe­stern eine Ent­schul­di­gung veröffentlichen.

Die Sei­te Don Camil­lo stell­te nach Bekannt­wer­den der Ver­ur­tei­lung die Fra­ge in den Raum, ob Pater Fidenzio Volpi damit als Apo­sto­li­scher Kom­mis­sar noch trag­bar sei. Die Sei­te Chie­sa e post­con­ci­lio fragt sich hin­ge­gen, ob Kom­mis­sar Volpi die 20.000 Euro aus den Kas­sen der Fran­zis­ka­ner der Imma­ku­la­ta bezah­len wird.

Text: Giu­sep­pe Nardi
Bild: Chie­sa e postconcilio

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