Offener Brief einer besorgten amerikanischen Katholikin an Papst Franziskus

Papst Franziskus Offener Brief einer besorgten Katholikin
Papst Fran­zis­kus: Offe­ner Brief einer besorg­ten Katho­li­kin

(Washington/Rom) Die ame­ri­ka­ni­sche Katho­li­kin Mai­ke Hick­son ver­faß­te einen Brief an Papst Fran­zis­kus, den sie Katholisches.info zur Ver­fü­gung stell­te. Der mit ehr­li­cher Lie­be für die Kir­che ver­faß­te Brief zeigt die gefähr­li­chen geist­li­chen und sozia­len Gefah­ren auf, die durch die „Öff­nun­gen“ dro­hen, mit denen die Unauf­lös­lich­keit der Ehe in Fra­ge gestellt wer­den. Sie lie­fert dabei grund­le­gen­de Über­le­gun­gen zum Ver­ständ­nis von Sün­de. Sie betont die Not­wen­dig­keit, an zwei Fron­ten zu kämp­fen. Einer­seits nicht dar­in nach­zu­las­sen Zeug­nis für die Wahr­heit abzu­le­gen und sich gleich­zei­tig nicht ent­mu­ti­gen zu las­sen, son­dern die Rüstung des Gebets anzu­le­gen und sich beson­ders des Rosen­kran­zes zu bedie­nen, bis der Herr die nöti­ge Hil­fe zukom­men läßt, den Glau­ben bestärkt und die Hir­ten erleuch­tet.

Die in Deutsch­land gebo­re­ne pro­mo­vier­te Aka­de­mi­ke­rin, stu­dier­te Geschich­te und Fran­zö­si­sche Lite­ra­tur. Nach meh­re­ren Jah­ren in der Schweiz hei­ra­te­te sie den ame­ri­ka­ni­schen Histo­ri­ker und Kul­tur­wis­sen­schaft­ler Robert Hick­son, der als Pro­fes­sor für Stra­te­gic and Cul­tu­ral Stu­dies an ver­schie­de­nen uni­ver­si­tä­ren Ein­rich­tun­gen des ame­ri­ka­ni­schen Ver­tei­di­gungs­mi­ni­ste­ri­ums lehr­te. Das Ehe­paar hat zwei Kin­der und lebt in den USA. Mai­ke Hick­son publi­zier­te bereits in zahl­rei­chen Wochen- und Monats­zeit­schrif­ten.

  1. Dezem­ber 2014

Ein Schrei des Herzens einer Konvertitin

„Lie­ber Chef­re­dak­teur, lie­ber Ric­car­do, war­um schrei­be ich Dir die­se gan­zen Din­ge? Weil ich heu­te nacht nicht schla­fen konn­te. Und weil ich ver­ste­hen will – und ich rich­te die­se Fra­ge an die Leser der Bus­so­la – was noch in die­ser Kir­che pas­sie­ren muß, damit die Katho­li­ken auf­ste­hen, sich end­lich erhe­ben. Damit sie sich erhe­ben und von den Dächern ihre gan­ze Empö­rung hin­aus­schrei­en.
Ach­tung: ich wen­de mich an die ein­zel­nen Katho­li­ken, nicht an die Ver­ei­ni­gun­gen, die Krei­se, Zir­kel, Bewe­gun­gen oder irgend­wel­che Sek­ten, die seit Jah­ren ver­su­chen im Namen ande­rer die Gehir­ne der Katho­li­ken zu ver­wal­ten, indem sie den Adep­ten die Linie vor­ge­ben. Sie alle schei­nen mir unter Auf­sicht gestellt, als wären sie minus habens, fremd­ge­steu­ert von mehr oder weni­ger cha­ris­ma­ti­schen und mehr oder weni­ger ver­trau­ens­wür­di­gen Figu­ren. Nein: ich rich­te mei­nen Appell an das Gewis­sen jedes Ein­zel­nen, an ihr Herz, an ihren Glau­ben, an ihre Leben­dig­keit, bevor es zu spät ist.“ (Offe­ner Brief von Mario Palma­ro an Ric­car­do Cascio­li, Schrift­lei­ter der Nuo­va Bus­so­la Quo­ti­dia­na v. 8. Janu­ar 2014)

Lieber Heiliger Vater,

mit der Besorg­nis des Her­zens habe ich mich ent­schlos­sen, die­sen offe­nen und ehr­li­chen Brief zu schrei­ben. Ich wer­de über Din­ge spre­chen, die ich unter nor­ma­len Bedin­gun­gen nie öffent­lich gemacht hät­te. Ich tue es, oder möch­te es jeden­falls tun, für das Wohl der Kir­che, zur grö­ße­ren Ehre Got­tes und zum Heil der Men­schen. Sie kön­nen dar­über urtei­len.

Ver­gan­ge­ne Nacht konn­te ich nicht schla­fen. Die Lage der Hei­li­gen Mut­ter Kir­che besorgt mich. Im Lau­fe des Jah­res 2014, beson­ders durch Ihre öffent­li­che Wert­schät­zung für den Vor­schlag von Kar­di­nal Wal­ter Kas­per, daß die „wie­der­ver­hei­ra­te­ten“ Geschie­de­nen die hei­li­ge Kom­mu­ni­on emp­fan­gen kön­nen, haben Sie, Hei­li­ger Vater, die Tür zu viel Ver­wir­rung bezüg­lich der Moral der Katho­li­schen Kir­che und zu viel Leicht­sinn durch die kirch­li­che Hier­ar­chie auf­ge­tan.

Eini­ge Erklä­run­gen bei der Bischofs­syn­ode über die Fami­lie im Okto­ber 2014 haben die­se Ver­wir­rung noch ver­schärft. Im Dezem­ber 2014 haben Sie selbst in einem Inter­view mit La Naci­on eine laxe Hal­tung der Kir­che gegen­über jenen emp­foh­len, die außer­halb der Kir­che nach einer Schei­dung gehei­ra­tet haben, indem Sie sag­ten: „Nur die Kom­mu­ni­on ist nicht die Lösung. Die Lösung ist die Inte­gra­ti­on“. Es scheint, daß es Ihre Absicht ist, daß die­se nicht nur die hei­li­ge Kom­mu­ni­on emp­fan­gen kön­nen, son­dern auch am kirch­li­chen Leben als Lek­to­ren oder Tauf­pa­ten der Kin­der teil­neh­men sol­len.

Die­se Hal­tung hie­ße die Sün­de zu igno­rie­ren oder auf­zu­wie­gen oder sogar nach­zu­las­sen. Damit wür­de die Unter­schei­dung zwi­schen jenen ver­wischt, die im Stand der hei­lig­ma­chen­den Gna­de leben, die Gott so wohl­ge­fäl­lig ist, weil sei­ne Gebo­te und Rat­schlä­ge befolgt wer­den, und jenen, die objek­tiv im Stand der Sün­de leben und daher Gott miß­fal­len wegen der man­geln­den Beach­tung des Geset­zes und der Weis­heit Got­tes. Ein sol­cher Weg wür­de zur Anar­chie und zur Zer­stö­rung der mora­li­schen Fun­da­men­te der Katho­li­schen Kir­che füh­ren. Man käme schnell zur Regel eines „Alles ist erlaubt“.

Wenn die „wie­der­ver­hei­ra­te­ten“ Paa­re die hei­li­ge Kom­mu­ni­on emp­fan­gen kön­nen, war­um soll es dann nicht auch jeder ande­re Sün­der tun kön­nen, der sich eben­so wei­gert, zu bereu­en und Buße zu tun? Ein chro­ni­scher Säu­fer, ein Ehe­mann, der regel­mä­ßig sei­ne Frau schlägt, ein Gewohn­heits­ver­bre­cher, oder eine Frau, die ihr Kind im Mut­ter­leib getö­tet hat und kei­nes­wegs bereut? War­um soll­te irgend­ein Katho­lik noch auf die Geset­ze der Kir­che hören und ihnen fol­gen, wenn es kei­ner­lei mora­li­sche Dis­zi­pli­nar­maß­nah­me gegen ihn gibt?

Und wie steht es selbst mit Wor­ten von Jesus Chri­stus? Haben Sie kei­ne Bedeu­tung mehr? Eine Ände­rung des katho­li­schen Geset­zes über den Ehe­bruch hie­ße, Chri­stus selbst her­aus­zu­for­dern. Der Ein­la­dung von Mario Palma­ro fol­gend wider­set­ze auch ich mich öffent­lich der Rich­tung, in die Sie die Kir­che, wie es scheint, füh­ren wol­len.

Las­sen Sie mich erklä­ren, war­um.

Ich habe mich vor zehn Jah­ren bekehrt. Ich wur­de 1972 gebo­ren, bin in Deutsch­land auf­ge­wach­sen und lebe nun in den USA. Ich habe eine Welt ver­las­sen, die immer stär­ker ver­sucht, in das Leben der Katho­li­schen Kir­che ein­zu­drin­gen, es umzu­stür­zen, um nicht zu sagen, zu durch­drin­gen. Eine Welt, der Sie, wie es scheint, sich nun unter­wer­fen und die sie unter­stüt­zen. Ich bin ohne Glau­ben auf­ge­wach­sen in einer zer­stör­ten Fami­lie, in einer Welt von Zusam­men­le­ben, Abtrei­bun­gen, Schei­dun­gen und Ego­is­mus. Ich kann­te nicht ein­mal die Zehn Gebo­te. Erst recht habe ich sie nicht gelebt. Ich hat­te weder eine gesun­de Fami­lie, die mir eine star­ke Iden­ti­tät geben konn­te, noch eine siche­re Zuflucht oder eine mora­li­sche Füh­rung. Die­ser Lebens­stil führ­te mich in eine Sack­gas­se und in die Depres­si­on. Als ich mei­nen künf­ti­gen Ehe­mann ken­nen­lern­te, war es, als wür­de zum ersten Mal Chri­stus in mein Herz ein­tre­ten, lang­sam aber kon­ti­nu­ier­lich.

Es gab zwei sehr wich­ti­ge Aspek­te des kirch­li­chen Lebens, die für mich Gna­den­flüs­se waren und durch die ich sehr stark von ihr ange­zo­gen wur­de, und das geschah bevor ich einen wirk­li­chen über­na­tür­li­chen Glau­ben hat­te. Das war an erster Stel­le die wun­der­schö­ne über­lie­fer­te Lit­ur­gie, die Mes­se und das gesun­ge­ne Stun­den­ge­bet mit sei­nen Gre­go­ria­ni­schen Gesän­gen. Und zwei­tens, gera­de die Moral­leh­re der Kir­che mit ihrem voll­kom­me­nen Ver­ständ­nis und der Wahr­heit über die mensch­li­che Natur.

Da ich ein zügel­lo­ses Leben ohne Rück­sicht auf die Sün­de oder irgend­ei­ne tie­fer­ge­hen­de Treue geführt hat­te, wur­de mir nun bewußt, daß die­ser Weg nur zur Ent­mu­ti­gung und zum radi­ka­len Pes­si­mums gegen­über jeder Form von tra­gen­der und dau­er­haf­ter Lie­be oder jed­we­der bestän­di­gen Lebens­wei­se führt. Als ich zum Bei­spiel die Moral­leh­re der Kir­che über die Keusch­heit und ihre Bedeu­tung vor der Ehe stu­dier­te und auch die Unauf­lös­lich­keit des sakra­men­ta­len Ver­spre­chens, wur­de mir die dar­in lie­gen­de Wahr­heit bewußt, wenn auch damals noch nach einem natür­li­chem Ver­ständ­nis.

Die Moral­leh­re der katho­li­schen Kir­che ist ein Bal­sam zur Hei­lung für alle See­len, die im Stolz, in der Sinn­lich­keit, in der Unehr­lich­keit und der Ver­ach­tung für das Wohl ihrer eige­nen Kin­der ver­lo­ren sind. Die­ser Ego­is­mus, der dazu führt, einen gelieb­ten Gefähr­ten zu ver­las­sen und zu einer ande­ren Per­son zu wech­seln, sobald etwas nicht paßt, indem man das Bedürf­nis und den Wunsch der Kin­der, die man in der vori­gen Ver­bin­dung hat­te, nach einem eige­nen siche­ren und sta­bi­len Zuhau­se, ist auch für die See­len schäd­lich, die die­se ego­isti­schen Hand­lun­gen bege­hen und dar­in ver­har­ren. Wenn sie auf die­se Wei­se sün­di­gen, sind sie immer weni­ger frei. Die Sün­de ist nicht gut für den Men­schen. Das ist es, was ich Stück für Stück ver­stan­den habe. Ich habe ver­stan­den, daß nur dann, wenn man vor der Ehe keusch bleibt und sich von einer vor­zei­ti­gen phy­si­schen Bin­dung an eine lie­be Per­son fern­hält, und nur dann, wenn man ein kla­res Bewußt­sein dafür hat, eine Ver­pflich­tung für das gan­ze Leben ein­zu­ge­hen, wenn man hei­ra­tet, nur dann wird es mit Hil­fe der Gna­de eine wohl vor­be­rei­te­te Ver­bin­dung um dau­er­haft zu sein. Das Gewis­sen muß geschult wer­den, um vor­be­rei­tet zu sein und zu wis­sen, daß es in einer Ehe, trotz aller Pro­ble­me, die auf­tre­ten kön­nen, immer einen Weg gibt, „in guten wie in schlech­ten Tagen“ zusam­men­zu­blei­ben.

Ich habe auch ver­stan­den, da ich zuvor eine eif­ri­ge Stu­den­tin der neo­pe­la­gia­ni­schen Auf­klä­rung des 18. Jahr­hun­derts war, daß wir Men­schen nicht nur abstrak­te Idea­le brau­chen, son­dern auch kla­re Hin­wei­se, wie wir ein gutes und auch bes­se­res Leben füh­ren kön­nen. Es genügt nicht von der Schön­heit des Mensch­seins zu spre­chen, von der Brü­der­lich­keit, der Lie­be und so wei­ter. Man muß wis­sen, wie man kon­kret die­se Zie­le errei­chen kann. Die Kir­che exi­stiert, um uns anzu­lei­ten und um über unse­re gefal­le­ne Natur mit ihren sünd­haf­ten Nei­gun­gen und ihrer star­ken Nei­gung zum Ego­is­mus und der Ver­zweif­lung hin­aus­zu­he­ben.

Mein per­sön­li­ches Leben ist ein Zeug­nis dafür. Die Kir­che mit ihren Vor­schrif­ten und Rat­schlä­gen hat mich aus dem Dreck der Sün­de und des Ego­is­mus her­aus­ge­zo­gen. Und nun, Hei­li­ger Vater, scheint es, daß Sie die Kir­che genau in die­sen Dreck hin­ein­zie­hen wol­len. Sie sagen zum Sün­der, daß das, was er ist und was er tut, trotz allem gut so ist, wie es ist. Sie erhe­ben uns nicht zum höhe­ren Vor­bild Chri­sti, wie es die Kir­che als Lehr­mei­ste­rin der Völ­ker immer getan hat. Sie las­sen uns dort, wo wir sind, bestär­ken oder beru­hi­gen uns sogar in unse­rer Sün­de. Dar­in liegt die Grau­sam­keit der Gefühls­du­se­lei, die kei­ne wirk­li­che Barm­her­zig­keit ist!

Eine Lax­heit gegen­über den Gebo­ten und Rat­schlä­gen Got­tes führt nur zu mehr Sün­de. Das ist es, was wir an uns selbst erlebt haben, wir, die Kin­der der 68er-Kul­tur­re­vo­lu­ti­on in Deutsch­land. Sie haben uns erlaubt, schran­ken­los im Dreck zu spie­len, und unse­rer Befrie­di­gung und Träg­heit zu frö­nen. Die Fol­ge war die Unmensch­lich­keit. Vie­le Eltern und Leh­rer woll­ten ihre Kin­der nicht mehr stra­fen, wenn sich die­se schlecht ver­hiel­ten. Folg­lich haben sie das Auf­tre­ten unmo­ra­li­scher und unmensch­li­cher Ver­hal­tens­wei­sen geför­dert. Ich selbst war Zeu­gin der Aus­wir­kun­gen die­ser anti­au­to­ri­tä­ren Erzie­hung an der Schu­le, als ein Mäd­chen mei­ner Klas­se von ihren Mit­schü­lern aus dem ein­zi­gen Grund belä­stigt wur­de, weil sie eine gute Schü­le­rin sein woll­te. Der Leh­rer in sei­ner Lax­heit hat sich die­sem Ver­hal­ten nicht wider­setzt, so daß das Mäd­chen bald dar­auf die Schu­le ver­las­sen muß­te.

Hier aber geht es um weit mehr, näm­lich um die Fra­ge nach den See­len und ihre Ret­tung. Hel­fen Sie als Ober­haupt der Kir­che den See­len dabei in den Him­mel zu kom­men, indem Sie sie in ihrer Sün­de bestär­ken? Hat das der Hei­li­ge Igna­ti­us von Loyo­la sei­nen Jesui­ten gelehrt? Ist es nütz­lich, wenn Sie die Din­ge vage und zwei­deu­tig, unklar, wirr und miß­ver­ständ­lich machen? Wie vie­le Paa­re, die lan­ge um ihre Ehe gerun­gen haben, aber dank der unver­kürz­ten Leh­re und Wahr­heit Chri­sti treu zusam­men­ge­blie­ben sind, wer­den nach Ihren jüng­sten Wor­ten und nach eini­gen Erklä­run­gen der Bischofs­syn­ode nun in die Lax­heit abglei­ten und ihre Ehe auf­ge­ben, indem sie den­ken, daß es für sie nun ja letzt­lich eine „zwei­te Mög­lich­keit“ gibt? Was wird gesche­hen, wenn Sie jeman­den einer momen­ta­nen Ver­zweif­lung ent­rei­ßen, aber zur Anma­ßung ver­lei­ten, die zusam­men mit der Ver­zweif­lung eine der bei­den Haupt­sün­den gegen die Tugend der Hoff­nung ist? Sie wer­den sich eines Tages für jede die­ser See­len vor Gott ver­ant­wor­ten müs­sen, und ich bit­te Sie, dar­über nach­zu­den­ken, was ich Ihnen zu sagen ver­su­che. Ich kann Ihnen sagen, daß ihre Vor­ge­hens­wei­se zu kei­nem guten Ergeb­nis führt. Nur die Auf­for­de­rung zur Umkehr und der kla­re Hin­weis, wie die­se geschieht und wie man in ihr bleibt nach dem Bei­spiel des hei­li­gen Johan­nes dem Täu­fer, wird die See­len in den Him­mel füh­ren. Man darf den Sün­der nicht in der Sün­de unter­stüt­zen, son­dern muß ihn wie­der­auf­rich­ten und ihn aus der Sün­de her­aus­füh­ren! Das ist es, was ein guter katho­li­scher Prie­ster mit mir getan hat und wofür ich Ihm und der hei­li­gen Kir­che immer dank­bar sein wer­de.

Ich bit­te Sie, Hei­li­ger Vater, die Welt ob ihrer Sün­den zu ermah­nen, eine Welt, die in so viel Unmensch­lich­keit ein­ge­taucht ist, weil sie weder Unter­wei­sung noch eine Mut­ter hat, die sie an die Geset­ze Got­tes erin­nert und sie manch­mal auch tadelt. Die Geset­ze Got­tes sind gut für uns! Sie zei­gen der sün­di­gen Welt, wie sie bes­ser wer­den kann. Sie zei­gen allen zusam­men­le­ben­den und geschie­de­nen Men­schen, wie sie treu wer­den kön­nen. Treu ihrem Ehe­part­ner und vor allem, vor Gott, treu ihren Kin­dern. Sie erlau­ben es uns nicht, wei­ter zu zer­bre­chen, was zer­bro­chen wur­de, son­dern hel­fen uns, es zu repa­rie­ren und zu hei­len.

Es gilt die Eltern zu ermah­nen, ihren Ego­is­mus zu zügeln und zuerst an ihre Kin­der zu den­ken und an deren höhe­res Wohl. Die Schei­dung ist der Tod der See­le eines klei­nen, ver­wund­ba­ren Kin­des, sei­ner Hoff­nun­gen, sei­ner Sicher­hei­ten und sei­ner Gefüh­le. Ich spre­che aus Erfah­rung. Jetzt aber spre­che ich auch als Mut­ter. Wie kön­nen Sie von uns erwar­ten, daß ich und mein Mann unse­ren Kin­dern die Zehn Gebo­te leh­ren und daß wir wirk­lich unse­re Sün­den bereu­en, wenn wir beich­ten, wenn die Kir­che gleich­zei­tig bald jenen, die sich offen den Geset­zen Got­tes wider­set­zen und dar­in behar­ren, die hei­li­ge Kom­mu­ni­on gewährt ?

Rich­ten Sie uns Sün­der alle auf. Rufen Sie uns zur Hei­lig­keit, einer Hei­lig­keit, die in einer tie­fen Lie­be für Chri­stus und sei­ne Mut­ter grün­det, und geben Sie uns kla­re Anwei­sun­gen zu dem, was gut und bes­ser ist. Abschlie­ßend zitie­re ich Mario Palma­ro, des­sen Auf­for­de­rung zu offe­nem Wider­stand ich mit die­sem Brief fol­ge und des­sen Pro­test vor sei­nem Tod mein Herz und das Herz vie­ler ande­rer berührt hat.

„Der Umstand, daß ein Papst den Leu­ten ‚gefällt‘ ist in der zwei­tau­send­jäh­ri­gen Logik der Kir­che völ­lig irrele­vant: Der Papst ist der Stell­ver­tre­ter Chri­sti auf Erden und muß Unse­rem Herrn gefal­len. Das bedeu­tet, daß die Aus­übung sei­ner Voll­macht nicht abso­lut, son­dern der Leh­re Chri­sti unter­ge­ord­net ist, die sich in der katho­li­schen Kir­che fin­det, in ihrer Tra­di­ti­on, und vom Gna­den­le­ben durch die Sakra­men­te gespeist ist.“

Ich bete für Sie, Hei­li­ger Vater, jeden Tag. Gleich­zei­tig muß ich in die­sem Tal der Trä­nen den treu­en Wor­ten von Mario Palma­ro Glau­ben schen­ken:

„In irgend­ei­nem klei­nen, abge­le­ge­nen Kirch­lein wird es immer einen Prie­ster geben, der hei­lig das Meß­op­fer zele­briert, in irgend­ei­ner klei­nen Woh­nung wird es immer eine ein­sa­me alte Frau geben, die mit uner­schüt­ter­li­chem Glau­ben den Rosen­kranz betet, und in irgend­ei­nem ver­bor­ge­nen Win­kel wird es immer eine Ordens­schwe­ster geben, die für ein Kind sorgt, des­sen Leben von allen als wert­los betrach­tet wird. Auch wenn alles ver­lo­ren zu sein scheint, strahlt die Kir­che, die Stadt Got­tes wei­ter ihr Licht auf jene der Men­schen aus.“

Hei­li­ger Vater, ich bit­te Sie, damit das Licht des Glau­bens und der Lie­be Got­tes in die Welt strahlt, der Welt die Wahr­heit zu sagen, daß sich Tei­le der Schöp­fung im Auf­stand gegen Gott befin­den, und der Welt auf­zu­zei­gen, wo sie irrt, und das auch auf die Gefahr hin zu tun, Ihre der­zei­ti­ge Popu­la­ri­tät und Ihren ver­meint­lich guten Ruf in der Welt zu ver­lie­ren. Die Welt braucht das gan­ze Zeug­nis der katho­li­schen Kir­che heu­te mehr denn je, wie es scheint. Kom­pro­miß­los und mit der gan­zen Wahr­heit. Dann wer­den sie auch viel Ver­trau­en bekom­men, eine grö­ße­re erzie­he­ri­sche Auto­ri­tät und wirk­li­chen Respekt.

Über­set­zung: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Asia­news

7 Kommentare

  1. Dan­ke an Frau Mai­ke Hick­son und die Redak­ti­on.
    Ein muti­ger, ehr­li­cher Brief, der an den ande­ren Brief von Frau Lucrecia Rego de Pla­nas vom 23.9.2013 erin­nert (https://www.katholisches.info/2013/10/21/er-liebt-es-von-allen-geliebt-zu-werden-dramatischer-brief-einer-katholikin-an-papst-franziskus/).
    Damals, vor andert­halb Jah­ren, konn­ten Opti­mi­sten noch auf Bes­se­rung hof­fen.
    Heu­te muss man fürch­ten, dass Frau Hick­sons Satz „Das war an erster Stel­le die wun­der­schö­ne über­lie­fer­te Lit­ur­gie, die Mes­se und das gesun­ge­ne Stun­den­ge­bet mit sei­nen Gre­go­ria­ni­schen Gesän­gen“ — dass ein sol­cher Satz zu Maß­nah­men gegen die Gre­go­ria­nik füh­ren kann… (Ach ich weiß, das war ätzend. Aber ist die Rea­li­tät nicht noch ätzen­der?)
    Beten wir um ein Bekeh­rungs­wun­der!

    • Dan­ke Ihnen für den Ein­wurf und die Erin­ne­rung, dass es wirk­lich schon ein­ein­halb Jah­re her ist, seit­dem Frau Rego de Pla­nas ihren Brief an Papst Fran­zis­kus ver­öf­fent­licht hat. Eine Reak­ti­on von F. dar­auf war für mich in kei­ner Wei­se wahr­nehm­bar, im Gegen­teil.
      Jetzt soll­te klar sein, dass es eine Aus­sicht auf Bes­se­rung nicht mehr gibt und nie wirk­lich gab, was die Amts­füh­rung von Papst Fran­zis­kus angeht.
      Bei aller gege­be­nen Frei­heit, die jeder Papst in gewis­sem Maße hat und bei aller gebo­te­nen Näch­sten­lie­be oder Respekt gegen­über dem Papst bzw Papst­amt als sol­chem, muss uns doch die Zeit nun end­lich klug gemacht haben.
      Es wäre hilf­reich, eine Chro­no­lo­gie auf­zu­stel­len bezüg­lich der vie­len Unge­reimt­hei­ten und unge­wöhn­li­chen Vor­komm­nis­se die das Pon­ti­fi­kat von Papst Fran­zis­kus bis­her mit sich gebracht hat. In Zei­ten des, salopp gesagt, kol­lek­ti­ven Gedächtnisschwunds(durch Infor­ma­ti­ons­über­an­ge­bot und Reiz­über­flu­tung) wür­de das eine Beur­tei­lung erheb­lich erleich­tern.
      Der Brief von Mai­ke Hick­son wird im Vati­kan wohl kaum Beach­tung fin­den, so wie alle bis­he­ri­gen Ver­su­che, Papst Fran­zis­kus einen guten Rat zu geben.
      Wer sich an die Glau­bens­leh­re der katho­li­schen Kir­che hält, der irrt nie. Wie sag­te doch Jesus (Mt 24,35) „Him­mel und Erde wer­den ver­ge­hen, aber mei­ne Wor­te wer­den nicht ver­ge­hen“. In die­sem Sin­ne.

  2. Dank an Mai­ke Hick­son für die­sen Brief der so vie­les anspricht, was uns Katho­li­ken auf der See­le brennt.

  3. Die­sen Brief könn­te ich,Zeile für Zei­le unterschreiben,denn mir erging es ähn­lich wie der Schrei­be­rin.
    Aller­dings befürch­te ich,das die­se so gut gemein­ten Brie­fe ins Lee­re zielen,da bin ich wohl schon einen Schritt wei­ter als die Schrei­be­rin­nen.
    Der Adres­sat wird sie ent­we­der acht­los bei­sei­te legen oder,was viel­leicht noch schlim­mer ist,hämisch grin­sen.
    Aber zum Tele­fon­hö­rer wird er,mit Sicherheit,nicht grei­fen !

    • Nicht auf­ge­ben lie­be Zeit­schnur! Leu­te von Ihrem intel­lek­tu­el­len For­mat soll­ten auch sol­che Brie­fe schrei­ben …

      Sie haben mir schon mehr­fach vor­ge­wor­fen, Din­ge, die ich für die Tra­di­ti­on hal­te (FSSPX, FSSP) zu posi­tiv zu sehen bzw. ein Träu­mer zu sein… alles Gro­ße beginnt doch mit einem Traum und jeder Traum mit einem Träu­mer… wenn dann noch das Gebet dazu kommt, wer weiß!

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