Chiara Lubich — Seligsprechungsverfahren wird eröffnet

Chiara Lubich (1920-2008)
Chia­ra Lub­ich (1920–2008)

(Rom) Am kom­men­den 27. Janu­ar fin­det die Zere­mo­nie zur Eröff­nung des Selig­spre­chungs­ver­fah­rens für Chia­ra Lub­ich, die Grün­de­rin der Foko­lar­be­we­gung, einer katho­li­schen Lai­en­be­we­gung statt.

Die Eröff­nung durch Bischof Raf­fa­el­lo Mar­ti­nel­li fin­det in der Kathe­dra­le von Fra­sca­ti bei Rom statt. In die­ser Diö­ze­se befin­det sich in Roc­ca dei Papi das inter­na­tio­na­le Zen­trum der Foko­lar­be­we­gung. Dort ver­brach­te Lub­ich einen Groß­teil ihres Lebens. Dort ist sie gestor­ben und wur­de in der Kapel­le des Zen­trums begra­ben.

Internationales Zentrum in Frascati

Die Pri­ma Ses­sio genann­te Zere­mo­nie beginnt um 16 Uhr mit der Ves­per. Es wird das Dekret zur Ein­lei­tung des Selig­spre­chungs­ver­fah­rens ver­le­sen sowie das Nul­la Osta des Hei­li­gen Stuhls. Es folgt die Ein­set­zung des vom Bischof ernann­ten Tri­bu­nals und die Ver­ei­di­gung sei­ner Mit­glie­der sowie der Postu­la­to­ren. Die Zere­mo­nie wird direkt im Inter­net über­tra­gen, wie Maria Voce, die Vor­sit­zen­de der Foko­lar­be­we­gung bekannt­gab.

Chia­ra Lub­ich schrieb über die Hei­lig­keit: „Wir fin­den die Hei­lig­keit in Jesus Chri­stus, der in uns blüht, weil wir lie­ben. Wür­den wir die Hei­lig­keit ihrer selbst wil­len anstre­ben, wür­den wir sie nie errei­chen. Lie­ben, also, und nichts ande­res. Alles ver­lie­ren, auch die Anhäng­lich­keit an die Hei­lig­keit, um allein eines zu ver­su­chen, zu lie­ben“.

Einheit, Geschwisterlichkeit, Dialog

In der Aus­sendung der Foko­lar­be­we­gung heißt es, daß in den sechs Jah­ren seit ihrem Tod mehr als 120.000 Men­schen „aus den ver­schie­de­nen Kon­ti­nen­ten und reli­giö­sen Tra­di­tio­nen, Kar­di­nä­le und Bischö­fe, Aka­de­mi­ker, Poli­ti­ker, Fami­li­en und Jugend­li­che, Mit­glie­der von Ver­ei­ni­gun­gen und Bewe­gun­gen, Men­schen aus nicht reli­giö­sen Kul­tu­ren, Kin­der vor der Erst­kom­mu­ni­on und Erwach­se­ne auf der Suche nach Hoff­nung“ das Grab von Chia­ra Lub­ich auf­such­ten. Die Gemein­schaft selbst nennt „Ein­heit und Geschwi­ster­lich­keit“ als Haupt­zie­le.

Die ersten Schrit­te für ein Selig­spre­chungs­ver­fah­ren wur­den bereits am 7. Dezem­ber 2013 anläß­lich des 70. Grün­dungs­ta­ges der Foko­lar­be­we­gung gesetzt. Damals stell­te die Foko­lar­be­we­gung den offi­zi­el­len Antrag an den Bischof von Fra­sca­ti, der die vor­ge­se­he­nen kano­ni­schen Schrit­te ein­lei­te­te. Mit der offi­zi­el­len Eröff­nung des Selig­spre­chungs­ver­fah­rens kann Chia­ra Lub­ich als Die­ne­rin Got­tes ange­spro­chen wer­den.

Gründung der Fokolarbewegung mitten im Krieg

Die junge Chiara Lubich
Die jun­ge Chia­ra Lub­ich

„Gegrün­det“ wur­de die Foko­lar­be­we­gung am 7. Dezem­ber 1943. Chia­ra Lub­ich war damals eine 23 Jah­re alte Volks­schul­leh­re­rin in der von deut­schen Trup­pen besetz­ten Stadt Tri­ent. Vor anglo­ame­ri­ka­ni­schen Luft­an­grif­fen in den Luft­schutz­kel­ler geflüch­tet, über­gab Chia­ra Lub­ich ihr Leben Chri­stus. Lub­ich such­te nach einer inne­ren Glau­bens­ver­tie­fung, die im klei­nen Kreis gelebt wer­den soll­te, daher die Bezeich­nung „Foko­lar“ von ital. Foco­la­re (Herd­stel­le, Haus­halt). 1947 erfolg­te die erste kirch­li­che Aner­ken­nung durch den Bischof von Tri­ent, 1962 die päpst­li­che Aner­ken­nung durch Johan­nes XXIII.

Vorsitzende immer eine Frau

Maria Pace. seit 2008 Vorsitzende der Fokolarbewegung
Maria Voce. seit 2008 Vor­sit­zen­de der Foko­lar­be­we­gung

Seit dem Tod von Lub­ich im Jahr 2008 führt Maria Voce die katho­li­sche Bewe­gung, die nach eige­nen Anga­ben mehr als 140.000 Mit­glie­der und rund zwei Mil­lio­nen lose Ange­hö­ri­ge zählt. In der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land gibt es unge­fähr 5.000 Mit­glie­der und an die 40.000 lose Ange­hö­ri­ge. Laut den 2007 vom Hei­li­gen Stuhl appro­bier­ten Sat­zun­gen kön­nen auch Ange­hö­ri­ge ande­rer Kon­fes­sio­nen und Reli­gio­nen Mit­glie­der der Foko­lar­be­we­gung sein, auch in den Lei­tungs­gre­mi­en. In Alge­ri­en etwa sol­len fast alle Mit­glie­der Mos­lems sein. Die Sta­tu­ten schrei­ben vor, daß immer eine Frau an der Spit­ze der Foko­lar­be­we­gung ste­hen muß.

Die Bewe­gung errich­te­te eige­ne soge­nann­te Modell­sied­lun­gen, in denen Mit­glie­der unter­schied­li­chen Stan­des in Gemein­schaft leben kön­nen. Der­zeit bestehen welt­weit 35 sol­cher Sied­lun­gen. Die amtie­ren­de Vor­sit­zen­de, die heu­te 77 Jah­re alte Juri­stin Maria Voce, lebt seit 44 Jah­ren in der Gemein­schaft. Der Foko­lar­be­we­gung gehört sie seit 1959 an. Inner­halb der Bewe­gung wird sie „Emma­us“ genannt, ein Über­na­me, den ihr Chia­ra Lub­ich gab.

Bene­dikt XVI. ernann­te Voce 2009 zur Con­sultorin des Päpst­li­chen Lai­en­rats und 2011 als ein­zi­ge Frau zur Con­sultorin der Kon­gre­ga­ti­on für die Evan­ge­li­sie­rung der Völ­ker.

Hat Dialog einen Preis?

imagesDie Ziel­set­zun­gen von „Ein­heit, Dia­log, Geschwi­ster­lich­keit, Ver­ständ­nis und Frie­den“ las­sen die Bewe­gung für inter­na­tio­na­le Insti­tu­tio­nen ver­träg­lich erschei­nen. Chia­ra Lub­ich wur­de zu Leb­zei­ten mit einer Rei­he von Ehrun­gen aus­ge­zeich­net. 1977 erhielt sie den Tem­ple­ton-Preis für den Fort­schritt der Reli­gio­nen, 1988 den Augs­bur­ger Frie­dens­preis, 1996 den UNESCO-Preis für Frie­dens­er­zie­hung und 1998 den Men­schen­rechts­preis des Euro­pa­ra­tes.

Eini­ge Foko­lar-Initia­ti­ven wer­den von der EU geför­dert, so das Prä­ven­ti­ons­pro­jekt gegen Gewalt an Schu­len „Stark ohne Gewalt“. Die Bewe­gung ist als NGO bei der UNO akkre­di­tiert und Mit­glied in der World Con­fe­rence of Reli­gi­ons for Peace (WCRP). Eine Mit­wir­kung, die der argen­ti­ni­sche Prie­ster Juan Clau­dio Sana­hu­jo als „naiv“ bezeich­ne­te.

Der „Dia­log“ wird von der Foko­lar­be­we­gung abso­lut gesetzt. Das hat sei­nen Preis. Obwohl die Foko­lar­be­we­gung aus­drück­lich mit dem Forum Poli­tik und Geschwi­ster­lich­keit zu Wirt­schaft und Poli­tik Stel­lung nimmt und nach „geschwi­ster­li­chen“ Model­len sucht und aktiv ist, sucht man auf den Inter­net­sei­ten der Foko­lar­be­we­gung des deut­schen Sprach­raums ver­ge­bens nach „Reiz­wör­tern“. Zum bren­nen­den The­ma Abtrei­bung und Lebens­recht etwa fin­det sich in der Schweiz und Öster­reich gar nichts und in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land muß man auf das Jahr 1978 zurück­ge­hen, wo Chia­ra Lub­ich in einem Arti­kel das Stich­wort „Abtrei­bung“ in einer Auf­li­stung erwähnt, wenn auch nicht the­ma­ti­siert.

Zur Dia­log­be­reit­schaft gehört auch, daß die Foko­lar­be­we­gung in ihrer Sym­bo­lik weit­ge­hend auf das Kreuz oder über­haupt christ­li­che Sym­bo­le ver­zich­tet.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Wikicommons/Fokolarbewegung

2 Kommentare

  1. Das hal­te ich doch für reich­lich über­stürzt. Mir gibt die­se „Bewe­gung“ gar nichts. Das ist eine poli­ti­sche Rich­tungs­ent­schei­dung, der die Grund­la­ge fehlt.

  2. Abge­se­hen davon, dass ich mit die­ser Bewe­gung nie etwas anfan­gen konn­te (ich hat­te eine Schul­ka­me­ra­din, die sich in den 70ern den Foco­la­ri anschloss), bin ich mir aber nicht sicher, ob der letz­te Satz des Arti­kels ganz rich­tig ist.

    Chia­ra Lub­ich hat ein Buch unter dem Titel „Der Schrei der Gott­ver­las­sen­heit: Der gekreu­zig­te und ver­las­se­ne Jesus in Geschich­te und Erfah­rung der Foko­lar-Bewe­gung“ geschrie­ben. (hier: http://www.amazon.de/Der-Schrei-Gottverlassenheit-gekreuzigte-Fokolar-Bewegung/dp/3879965374)

    Ver­mut­lich hat sie das aber nicht tra­di­tio­nell gedeu­tet.

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