Wenn sogar ein Priester aufruft, keine Weihnachtskrippe aufzurichten

Stört die Weihnachtskrippe?
Stört die Weih­nachts­krip­pe?

(Rom) Wie ande­re christ­li­che Sym­bo­le, stößt auch die Weih­nachts­krip­pe zuwei­len auf Ableh­nung durch eine anti­christ­li­che Feind­se­lig­keit. Zuwei­len? Zuwei­len kann es sogar ein Prie­ster sein, der dazu auf­for­dert, kei­ne Weih­nachts­krip­pe auf­zu­rich­ten. So gesche­hen in der nord­ita­lie­ni­schen Diö­ze­se Cre­mo­na. Diö­ze­sanrchi­var Don Andrea Foglia ver­öf­fent­lich­te in der Tages­zei­tung La Pro­vin­cia einen Bei­trag, auf den eine katho­li­sche Frau mit einem Leser­brief reagier­te, wie Cor­ris­pon­den­za Roma­na berich­te­te.

Am 8. Dezem­ber, dem Fest der ohne Erb­sün­de emp­fan­ge­nen Jung­frau und Got­tes­mut­ter Maria, schrieb Don Foglia, daß für ihn Weih­nach­ten nicht mit „beson­de­ren Gefüh­len“ ver­bun­den sei: „Es gibt kei­ne emo­ti­ven Ansatz­punk­te oder Anläs­se, die es zu etwas Beson­de­rem machen wür­den“. Dem­nach stellt die Mensch­wer­dung Got­tes in einer Welt voll Wider­sprü­chen und Abwen­dung vom Heils­weg nichts Beson­de­res dar und schon gar nicht einen Grund der stau­nen­den, inne­ren Freu­de? Jeden­falls nicht nach dem Diö­ze­san­ar­chi­var von Cre­mo­na und Pfar­rer der Stadt­pfar­rei San Abbon­dio.

Weih­nach­ten als „Myste­ri­um des ‚wun­der­sa­mes Tau­sches‘“, wie es im Kate­chis­mus der Katho­li­schen Kir­che (Nr. 526) heißt, wo der Schöp­fer selbst „mensch­li­ches Leben“ annimmt und „aus der Jung­frau gebo­ren“ wird, um uns „gött­li­ches Leben“ zu schen­ken, wie es in der Anti­phon der Ves­pern in der Weih­nachts­ok­tav heißt, bie­te, so Don Foglia, kei­ne geeig­ne­ten Ele­men­te mehr für eine Dank­bar­keit des Men­schen. Aus die­sem Grund bestün­de auch kein Grund mehr, lae­ti tri­um­phan­tes zu sein. Statt die Men­schen ein­zu­la­den, gei­stig nach Bet­le­hem zu eilen, wie es im Ade­ste fide­les gesun­gen wird, sei es not­wen­dig, sie davon abzu­hal­ten. Sie sol­len ein­fach zu Hau­se blei­ben.

Krippe nur „künstliche und prunkvolle Äußerlichkeit“?

Der Pfar­rer von San Abbon­dio stimmt ein ande­res „Lied“ an: „Die­ses Jahr wird mein Weih­nach­ten gewöhn­lich und nor­mal sein, ein Weih­nach­ten auf nie­de­rer Ebe­ne, das mehr im Inne­ren zu leben ist, als im Äuße­ren“. Soweit so gut, man könn­te es rich­tig ver­ste­hen. Doch dann heißt es wei­ter: „Ich wer­de kei­ne Krip­pe auf­stel­len, jeden­falls nicht zu Hau­se, weil ich ein Weih­nach­ten ohne äußer­li­che Zei­chen will, ohne Künst­li­chem, ohne Klim­bim und Prunk“.

Die Weih­nachts­krip­pe ist für den Diö­ze­san­ar­chi­var „künst­li­che und prunk­vol­le Äußer­lich­keit“? Die Krip­pe, die vom Hei­li­gen Franz von Assi­si erfun­den wur­de, dem Armuts­mo­dell schlecht­hin? Don Foglia hin­ge­gen will ein Weih­nach­ten „im Gehei­men mei­nes Her­zens“. Das aber ist das Gegen­teil der from­men und päd­ago­gi­schen Absicht des Grün­ders des Fran­zis­ka­ner­or­dens. Die Hal­tung des Diö­ze­san­ar­chi­vars, da er sie öffent­lich kund­tut, birgt die Gefahr des frucht­lo­sen Solip­sis­mus, des Sub­jek­ti­vis­mus, des Indi­vi­dua­lis­mus und ver­gißt gänz­lich die „öffent­li­che Dimen­si­on des Glau­bens“, wie sie mehr­fach in den lehr­amt­li­chen Schrei­ben von Bene­dikt XVI. und Johan­nes Paul II. betont wur­de. Sie warn­ten vor den impli­zi­ten Gefah­ren eines rein inner­li­chen Glau­bens, der in die Sakri­stei­en ein­ge­schlos­sen bleibt oder gar in ein­zel­ne Kör­per. Ein Glau­ben, der auf eine exklu­siv per­sön­li­che und pri­va­te Ebe­ne redu­ziert wird.

Krippe „des Herzens“ aus dem Handbuch für politische Korrektheit

Was der Cre­mo­ne­ser Pfar­rer und Diö­ze­san­ar­chiv mit sei­ner The­se einer Krip­pe „des Her­zens“ nahe­legt, scheint einem Hand­buch für poli­ti­sche Kor­rekt­heit ent­nom­men. So erklärt er einen „Femi­nis­mus der Got­tes­mut­ter“ mit den Wor­ten „die Frau auch in der Kir­che ohne Vor­ur­tei­le, mit glei­chen Rech­ten wie die Män­ner, zu sehen“. Eine jene satt­sam bekann­ten, zwei­deu­ti­gen For­mu­lie­run­gen, die andeu­tet, aber nicht aus­spricht (Frau­en­or­di­na­ti­on, Prie­ste­rin­nen, Frau­en­pre­digt …). Die fik­ti­ve Krip­pen­fi­gur einer Frau, die einen Korb auf dem Kopf trägt, deu­tet der krip­pen­lo­se Don Foglia als Mah­nung, „die Res­sour­cen der Natur nicht zu ver­geu­den und an jene zu den­ken, die nichts haben“. Zum Femi­nis­mus also der Drit­te-Welt-Uni­ver­sa­lis­mus. So wer­den in der Phan­ta­sie des Diö­ze­san­ar­chi­vars aus den Hei­li­gen Drei Köni­gen, die sich trotz ihres Ran­ges aus den ent­fern­te­sten Gegen­den auf den Weg mach­ten, um mit rei­chen Geschen­ken den als Neu­ge­bo­re­nes in die Welt tre­ten­den Ret­ter anzu­be­ten, Ein­wan­de­rer – ob bekehr­te oder nicht, ver­steht man nicht – deren ein­zi­ge „Leh­re“ es ist „Frem­de nicht miß­trau­isch oder als lästig anzu­se­hen“ und „einen Sinn des Mit­leids für Situa­tio­nen der Aus­gren­zung wie­der­zu­ge­win­nen“. Ohne jede geist­li­che Dimen­si­on wird die Krip­pe zum mage­ren Hilfs­mit­tel für „huma­ni­tä­res“ Han­deln.

Die Reaktion einer Leserbriefschreiberin

Eine Katho­li­kin ant­wor­te­te mit einem Leser­brief und stell­te die Fra­ge, ob Don Foglia die Chri­sten unter­schwel­lig dazu ver­lei­ten möch­te, die Weih­nachts­krip­pe zu mei­den, um Anders­gläu­bi­ge nicht zu belei­di­gen, oder anders­rum gefragt: „Will er mit die­sen Wor­ten Anders­gläu­bi­gen gefal­len, beson­ders den Mos­lems?“ Die Leser­brief­schrei­be­rin füg­te abschlie­ßend hin­zu: „Ich fürch­te, daß der Anti­christ mit sei­ner Arbeit zur Zer­stö­rung der Kir­che des Petrus bereits begon­nen hat und sich para­do­xer­wei­se dabei sogar der (bewuß­ten?) Mit­tä­ter­schaft ihrer Amts­trä­ger bedient. Daß der Anti­christ in der Kir­che zu wir­ken begon­nen hat, war bereits Papst Paul VI. bewußt gewor­den.“

Doch inter­es­sant ist auch, was Don Foglia über eine ande­re zen­tra­le Gestalt der Weih­nachts­krip­pe schreibt, den Hei­li­gen Joseph. Die­ser erin­ne­re dar­an, „daß man manch­mal sich sei­ner Ver­ant­wor­tung bewußt sein muß“. Dazu gehört wohl auch die Auf­rich­tung der Krip­pe, die kei­nes­wegs nur Kin­der erfreut und für sie anschau­lich ist, son­dern gera­de auch den Erwach­se­nen vor Augen führt, was die Mensch­wer­dung Got­tes als hilf­lo­ses klei­nes Kind und das Ein­tre­ten des Heils in die Welt für jeden Men­schen bedeu­tet.

Text: CR/Giuseppe Nar­di
Bild: Cor­ris­pon­den­za Roma­na

8 Kommentare

  1. Dazu fällt mir nur ein Spruch ein, näm­lich: „Nur die aller­grös­se­ten Käl­ber, suchen sich den Metz­ger sel­ber.“
    Kein wei­te­rer Kom­men­tar!

  2. … was es nicht alles gibt. Natür­lich gera­de in der heu­ti­gen Zeit, wo alles und schon auch für­he­res aus­ge­gra­ben wird und wo auch For­schun­gen gemacht wer­den um Sachen zu bewei­sen oder zumin­dest der Ver­such dazu unter­nom­men wird. Dies ist in der Regel meisst gar nicht rele­vant und hat auch nicht zu inter­res­sie­ren. Den Leu­ten ist ein­fach zu lang­wei­lig, oder Sie wol­len sich bewei­sen oder in das Schein­wer­fer Licht stel­len und dis­ku­tie­ren den gan­zen lie­ben Tag um Sachen, in des­sen Zeit man ande­ren Leu­ten, ja Hilfs­be­dürf­ti­gen hel­fen könn­te und so noch eine gute Tat machen konn­te.

    Also es lebe die Krip­pe, da ja dort unser Erlö­ser auf die Welt kam. Die Krip­pe muss sein, sie kann aber viel­fäll­tig sein ( Far­be, For­men, Figu­ren ) aber die Haupt­dar­stel­ler dür­fen­nicht feh­len.

    Fro­he und geseg­ne­te Weih­nach­ten mit Jesu und Ochs und Esel !

    • @Sina. Ich hof­fe, die­ser Fran­zis­kus wird nicht mal ein Bäum­chen. Das lässt der All­mäch­ti­ge Gott nicht zu. Er ist eine Frucht mit gif­ti­gen Samen, womög­lich gen­tech­nisch behan­delt. Viel­leicht sogar eine Frucht des Euro­pä­ers in Süd­ame­ri­ka. Nicht mal ein Pla­stik­baum.

  3. „Die Weih­nachts­krip­pe ist für den Diö­ze­san­ar­chi­var „künst­li­che und prunk­vol­le Äußer­lich­keit“?“
    Wenn schon eine Krip­pe für den erwähn­ten Herrn „künst­li­che und prunk­vol­le Äußer­lich­keit“ ist, was wür­de er nur sagen, wenn Jesus in einem Palast zut Welt gekom­men wäre?
    Per Mari­am ad Chri­stum.

  4. es ist für mich ein­fach unglaub­lich was ein geweih­ter Prie­ster und als Pfar­rer in geho­be­ner pasto­ra­ler Ver­ant­wor­tung da erzählt.@ benn hat das rich­tig analysiert.Man wird inter­es­sant als infla­tio­nä­re extra­ver­tier­te lob­süch­ti­ge Per­son-wenn man wich­ti­ge, beson­ders der Volks­fröm­mig­keit ver­bun­de­ne und för­der­li­che Ele­men­te des Glau­bens per­ver­tiert oder verhöhnt.einfach her­un­ter­macht.
    ich sehe , wie wich­tig es ist für den geist­li­chen Stand zu beten und zu opfern, damit Umkehr und Hin­kehr zu Gott und sei­ner Kir­che nicht ver­lo­ren gehen.Da steht mir das alte deut­sche Mär­chen vom Hans im Glück vor Augen-wie leicht gerät der Mensch auf die schie­fe Bahn wenn er nicht stän­dig-durch alle Höhen und Tie­fen hin­durch auf Jesus, den mensch­ge­wor­de­nen Got­tes und Mari­en­sohn schaut.Tragen wir doch den kost­ba­ren Schatz-die kost­ba­re Per­le in zer­brech­li­chen Gefässen.In die­sem Sinn hat die mit­tel­al­ter­li­che Ver­eh­rung des Jesukin­des-Pra­ger Jesus­kind, bei uns Sar­ner Jesus­kind-Gegen­steu­er gegeben.und kann das noch heute.Der Kom­po­nist Gum­pelz­hai­mer hat zur Pest­zeit so ein Trost­lied gesun­gen: Jesukind Got­tes­kind, nimm auf dich unser Sünd, nimm auf dich unser Sünd..

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