Papst Franziskus: 2017 sollen Katholiken und Lutheraner „gemeinsam 500 Jahre Reformation gedenken“

Deutsche Lutheraner und Lutheranerinnen bei Papst Franziskus
Deut­sche Luthe­ra­ner und Luthe­ra­ne­rin­nen bei Papst Franziskus

(Rom) Papst Fran­zis­kus emp­fing am heu­ti­gen Don­ners­tag eine Dele­ga­ti­on der evan­ge­lisch-luthe­ri­schen Kir­chen Deutsch­lands im Vati­kan. In sei­ner Anspra­che an die Luthe­ra­ner sag­te das katho­li­sche Kir­chen­ober­haupt Erstaun­li­ches. Katho­li­ken und Luthe­ra­ner soll­ten „gemein­sam“ des 500. Jah­res­ta­ges der Refor­ma­ti­on „geden­ken“. Die Kir­chen­spal­tung als gemein­sam zu fei­ern­des Ereig­nis? Eine eigen­wil­li­ge Form der „Histo­ri­sie­rung“ der Reformation?

Wört­lich sag­te der Papst: „Der öku­me­ni­sche Dia­log kann heu­te nicht mehr von der Rea­li­tät und dem Leben unse­rer Kir­chen getrennt wer­den. Im Jahr 2017 geden­ken luthe­ri­sche und katho­li­sche Chri­sten gemein­sam des fünhun­dert­sten Jah­res­tags der Refor­ma­ti­on. Aus die­sem Anlass wer­den Luthe­ra­ner und Katho­li­ken zum ersten Mal die Mög­lich­keit haben, welt­weit ein und das­sel­be öku­me­ni­sche Geden­ken zu hal­ten, nicht in Form einer tri­um­pha­li­sti­schen Fei­er, son­dern als Bekennt­nis unse­res gemein­sa­men Glau­bens an den Drei­ei­nen Gott.“

Gegen die­ses gemein­sa­me „Refor­ma­ti­ons­ge­den­ken“ mel­de­te Miguel Angel Yáñez, der Chef­re­dak­teur von Adel­an­te la fe Beden­ken an: „Ich fra­ge mich wirk­lich: Sol­len wir als Katho­li­ken ernst­haft der unglück­se­li­gen Spa­tung geden­ken, durch die Mil­lio­nen von See­len zum Abfall vom katho­li­schen Glau­ben ver­lei­tet wurden?“

Lutheraner und Lefebvrianer?

Und Yáñez wei­ter: „Wenn die­ser öku­me­ni­sche Dis­kurs kohä­rent ist, dann müß­ten wir schon bald auch fol­gen­de Erklä­rung aus Rom zu hören bekommen:

‚Der öku­me­ni­sche Dia­log kann heu­te nicht mehr von der Rea­li­tät und dem Leben unse­rer Kir­che getrennt wer­den. Im Jahr 2018 geden­ken wir gemein­sam mit den Erz­bi­schof Lef­eb­v­re nahe­ste­hen­den Katho­li­ken des 30. Jah­res­tags der Bischofs­wei­hen, die uns getrennt haben. Aus die­sem Anlass wer­den bei­de Sei­ten zum ersten Mal die Mög­lich­keit haben, welt­weit ein und das­sel­be öku­me­ni­sche Geden­ken zu hal­ten, nicht in Form einer tri­um­pha­li­sti­schen Fei­er, son­dern als Bekennt­nis unse­res gemein­sa­men Glau­bens an den Drei­ei­nen Gott.‘ “ Soweit Miguel Angel Yáñez.

Papst Fran­zis­kus füg­te gegen­über den deut­schen Luthe­ra­nern noch hin­zu: „Möge die­ses Refor­ma­ti­ons­ge­den­ken uns alle ermu­ti­gen, mit Got­tes Hil­fe und mit der Unter­stüt­zung durch sei­nen Geist wei­te­re Schrit­te zur Ein­heit zu voll­zie­hen und uns nicht ein­fach auf das zu beschrän­ken, was wir bereits erreicht haben.“

Die Deut­sche Bischofs­kon­fe­renz bemüht sich aktiv um das „gemein­sa­me“ Geden­ken an die Kir­chen­spal­tung durch Mar­tin Luther. Dazu wur­de eine eige­ne „Pro­jekt­stel­le Refor­ma­ti­ons­ge­den­ken“ eingerichtet.

2017: 100 Jahre Fatima

Das Jahr 2017 bedeu­tet nicht nur 500 Jah­re Kir­chen­spal­tung, son­dern auch 100 Jah­re Erschei­nun­gen von Fati­ma. Zu letz­te­rem Geden­ken nahm Papst Fran­zis­kus bis­her nicht Stel­lung. In Por­tu­gal bemüht man sich jedoch seit 2013 um den Besuch des Pap­stes anläß­lich der 100-Jahr­fei­ern in Fati­ma. Im ver­gan­ge­nen April sag­te der eme­ri­tier­te por­tu­gie­si­sche Kuri­en­kar­di­nal  José Sarai­va Mar­tins, es gebe noch kei­ne siche­re Zusa­ge, doch sei es „natür­lich und nor­mal“, daß der Papst zu einem „so bedeut­sa­men Ereig­nis“ nach Fati­ma komme.

Text: Giu­sep­pe Nardi
Bild: InfoVaticana

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