Eifrige Gläubige statt gläubige Eiferer – Pater Niklaus Pfluger über die Lage der Kirche, der Piusbruderschaft und die Zukunft der Tradition

Kleriker der Piusbruderschaft vor dem Petersdom
Kle­ri­ker der Pius­bru­der­schaft vor dem Petersdom

Die am 20. Dezem­ber erschei­nen­de Weih­nachts­aus­ga­be der Jugend­zeit­schrift der Prie­ster­bru­der­schaft St. Pius X. ent­hält ein Inter­view von Pater Niklaus Pflu­ger über die Her­aus­for­de­run­gen der Zeit, das Katholisches.info vor­ab zuge­schickt wurde. 

Pater Pflu­ger gilt als Peter Scholl-Latour der Pius­bru­der­schaft, weil der Erste Assi­stent des Gene­ral­obe­ren, Bischof Ber­nard Fel­lay, welt­weit die ver­schie­de­nen Nie­der­las­sun­gen des von Erz­bi­schof Mar­cel Lef­eb­v­re gegrün­de­ten Werks besucht. Wie der ver­stor­be­ne Jour­na­list eilt ihm der Ruf vor­aus, auch unan­ge­neh­me Din­ge anzusprechen.

Die Pius­bru­der­schaft sei „nicht so mis­sio­na­risch“, wie sie sein könn­te, meint er zum Bei­spiel. Der Grund dafür sei, weil man­che Gläu­bi­ge „ein­fach kei­ne Ver­än­de­rung“ woll­ten und „neue Leu­te – mit ande­ren Ideen und Erfah­run­gen – nicht wirk­lich will­kom­men hei­ßen, denn ein Gemein­de­wachs­tum ist ja immer eine Veränderung“. 

Statt des­sen müs­se das Kli­ma in der Pius­bru­der­schaft „attrak­tiv und mis­sio­na­risch“ sein. „Die Fried­hofs­ru­he ist eine ganz gefähr­li­che Ruhe“. Es gel­te zu über­zeu­gen, Ver­trau­en zu schaf­fen, Mut zu machen. Nicht alles sei „immer nur ein Zei­chen für den Nie­der­gang der Welt“, son­dern manch­mal auch eine Form der „Rea­li­täts­ver­wei­ge­rung, die bei uns lie­gen kann. Tole­ranz und Libe­ra­li­tät sind immer typisch für die Kir­che gewe­sen, die eine Welt­kir­che ist: groß, alt und ewig jung, erfahren“. 

„Unbehagen“ eine pastorale Herausforderung — Piusbruderschaft müsse „attraktiv und missionarisch“ sein

Den tie­fe­ren Grund für eine teils anzu­tref­fen­de „Enge“ sieht Pater Pflu­ger in „all den trau­ma­ti­schen Erfah­run­gen in Kir­che und Gesell­schaft seit nun­mehr über 50 Jah­ren“, da sei „Neu­es suspekt“. Die­se Hal­tung stel­le eine „grund­sätz­lich pasto­ra­le Her­aus­for­de­rung“ für die Pius­bru­der­schaft dar. Aus­nah­men sei­en Afri­ka, Nord­ame­ri­ka, der ehe­ma­li­ge Ost­block und die Phil­ip­pi­nen, doch in „ein­ge­ses­se­nen tra­di­tio­nel­len Krei­sen“ habe sich ein gewis­ses „Unbe­ha­gen“ aus­ge­brei­tet, das Aus­druck einer „tief­rei­chen­den Ermü­dung“ sei. 

In den „Anfän­gen“ sei die „Begei­ste­rung all­ge­gen­wär­tig“ gewe­sen. Auch Erz­bi­schof Lef­eb­v­re sei „in den Anfän­gen der Bru­der­schaft der festen Über­zeu­gung“ gewe­sen, „die Kri­se wer­de sich bald legen“ und die Kir­che wer­de bald ihre Tra­di­ti­on wie­der­fin­den. Doch nun müs­se man fest­stel­len, daß die Kri­se „dau­ert und dau­ert“ und „schlim­mer und schlim­mer“ wer­de. Die Rea­li­tät sei eben „nicht so sim­pel, wie man­che sich das aus­ge­dacht haben“. Auch in der Bru­der­schaft sei zum Teil die eige­ne „Situa­ti­on idea­li­siert“ worden.

2012 wurde „nichts und niemand verraten“

Mit der Hal­tung gegen­über Rom im Jahr 2012, als die Bemü­hun­gen um ein Ein­ver­neh­men schei­ter­ten, sei „nichts und nie­mand ver­ra­ten“ wor­den, son­dern „in einer schwie­ri­gen Zeit“ der Weg der Bru­der­schaft „abge­steckt“ wor­den. Der beste Beweis dafür sei, daß sowohl jene, die unbe­dingt eine Eini­gung mit Rom möch­ten, als auch jene, die sie unbe­dingt nicht möch­ten, den Vor­wurf erhe­ben, „ver­ra­ten“ wor­den zu sein. 

2006 habe das Gene­ral­ka­pi­tel aus der dama­li­gen Situa­ti­on her­aus den Weg abge­steckt, nicht mehr und nicht weni­ger. Damals habe nie­mand ahnen kön­nen, daß 2008 das Exkom­mu­ni­ka­ti­ons­de­kret zurück­ge­nom­men und der Papst in einem Motu pro­prio erklä­ren wür­de, die soge­nann­te Alte Mes­se sei „nie­mals abge­schafft wor­den“, son­dern habe „ein Recht in der Kir­che“. 2006 sei die Hal­tung Roms „aggres­siv, apo­dik­tisch“ gewe­sen. Seit­her sei „eini­ges in Bewe­gung geraten“. 

Beim jüng­sten Tref­fen mit Kar­di­nal Mül­ler und der Glau­ben­kon­gre­ga­ti­on sei „offen­sicht­lich“ gewe­sen, „daß der Hei­li­ge Stuhl rie­si­ge Pro­ble­me zu bewäl­ti­gen“ habe. „Die Bewe­gung der Tra­di­ti­on ist kei­ne ‚quan­ti­té nég­li­ge­ab­le‘ mehr, pasto­ra­le Eska­pa­den des Pap­stes und Hei­lig­spre­chun­gen en mas­se hin oder her“, so Pater Pfluger.

Vor sechs Jah­ren habe der Gene­ral­obe­re bei der gro­ßen Wall­fahrt in Lour­des nicht zele­brie­ren dür­fen. In die­sem Jahr „heißt uns der Orts­bi­schof herz­lich will­kom­men und unse­re drei Bischö­fe fei­ern Pon­ti­fi­kal­äm­ter in der Pilgerbasilika“. 

Ein Kardinalspräfekt ist gegen einen andern; Kardinäle der heiligen Kirche kritisieren offen den Papst, und dieser lässt über Moralfragen abstimmen!

Man müs­se sich vor Augen hal­ten: „Ein Kar­di­nal­sprä­fekt ist gegen einen andern; Kar­di­nä­le der hei­li­gen Kir­che kri­ti­sie­ren offen den Papst, und die­ser lässt über Moral­fra­gen abstim­men! Auch uns gegen­über gibt es kei­ne ein­heit­li­che Poli­tik mehr: der Papst sagt offen, wir sei­en katho­lisch, ein Orts­bi­schof dekre­tiert, wir sei­en schis­ma­tisch“. Die Ein­heit sei dahin, nie­mand wis­se, wohin die ange­kün­dig­te Reform der Kurie füh­ren werde. 

Auf die Fra­ge, ob es auch außer­halb der Pius­bru­der­schaft „geist­li­che Früch­te“ gebe, ant­wor­te­te Pater Pflu­ger: „Extra Eccle­sia nul­la salus“ -: das gilt für die Una Sanc­ta, die hei­li­ge Kir­che, und die­se ist grö­ßer als die Bru­der­schaft!“ Es wäre eine „ganz und gar unkirch­li­che Ver­su­chung, die auch nicht durch die Kir­chen­kri­se oder die Skan­da­le in der Kir­che zu recht­fer­ti­gen ist“, zu den­ken, „die tra­di­tio­nel­le Bewe­gung sei die Kir­che; außer­halb gebe es kei­nen wah­ren Glau­ben, kei­ne geist­li­chen Früch­te“. Die „wah­re gro­ße Tra­di­ti­on“ sei auch nicht „mit den Tra­di­tio­nen zu ver­wech­seln“. In Indi­en „tra­gen die Män­ner Röcke und die Frau­en Hosen! In Tokio muß­te ich das Sonn­tags­amt ohne Schu­he zele­brie­ren“. Es sei in tra­di­tio­nel­len Krei­sen „ein wenig so“, daß alles was der „Rou­ti­ne des 19. oder 20. Jahr­hun­derts“ wider­spre­che, „schnell mal ‚moder­ni­stisch‘, ‚libe­ral‘, ‚frei­mau­re­risch‘ sei. „Eine sol­che falsch ver­stan­de­ne Tra­di­ti­on ist nicht attrak­tiv, kann nicht über­zeu­gen“. Da sei „viel For­mung und Auf­klä­rung nötig“, denn „Klug­heit und Unter­schei­dungs­ga­be“ täten not. „Mit Kli­schees und Schnell­schüs­sen“ sei kein Staat zu machen. Es gel­te viel­mehr, „den gro­ßen Reich­tum der Tra­di­ti­on und der Chri­sten­heit zu ent­decken und frei zu graben“. 

Die Kirche sei allein „allgemein und vollkommen“

Die Kir­che sei allein „all­ge­mein und voll­kom­men“, so Pater Pflu­ger. Sie wer­de „von außen nicht berei­chert, schon gar nicht durch ande­re Reli­gio­nen“. Wenn die Bewe­gung der Tra­di­ti­on „’nur‘ ein Teil der Kir­che ist, wenn gleich ein äußerst wich­ti­ger, dann besitzt sie nicht den gan­zen Reich­tum der Kir­che und deren Tra­di­ti­on, und sie kann nicht dar­auf ver­zich­ten, mit ande­ren Gemein­schaf­ten in Kon­takt zu sein und ande­re Ele­men­te zu über­neh­men, die sie nicht besitzt“. Es „wäre zu ein­fach“, alles, was der Bewe­gung der Tra­di­ti­on nicht ent­spricht, „als unfrucht­bar, häre­tisch und kon­zi­li­ar zu bezeich­nen“. Abge­se­hen davon gebe es „theo­lo­gi­sche Gra­de bei den Ent­schei­dun­gen und Defi­ni­tio­nen der Kir­che“. „Eine Häre­sie, ein von der Kir­che ver­ur­teil­ter Irr­tum“, sei etwas ande­res als ein nach dem theo­lo­gi­schen Urteil der Pius­bru­der­schaft bezeich­ne­ter Irr­tum und noch ein­mal etwas ande­res sei eine theo­lo­gi­sche Meinung.

Es sei belegt, daß es „dau­er­haft nur dort, wo die Lit­ur­gie und die Glau­bens­ver­kün­di­gung stim­men, katho­lisch blei­ben wird, es geist­li­che Früch­te gibt und die Kir­che sich erneu­ern kann“. „Als der Pro­phet Eli­as nie­der­ge­schla­gen war und ster­ben woll­te, weil er jah­re­lang gegen Hei­den­tum und Untreue des Vol­kes ver­ge­bens gekämpft hat­te und mein­te, er sei als ein­zi­ger Recht­gläu­bi­ge übrig geblie­ben, muss­te ihn Gott beleh­ren, dass es noch 7000 waren, „die ihr Knie vor Baal nicht gebeugt haben.““

Die Piusbruderschaft ist Teil einer Erneuerungsbewegung, die aus der Tradition schöpft

Löscht den Geist nicht aus“, zitiert Pater Pflu­ger den Apo­stel Pau­lus: „Wir ken­nen das berühm­te Chri­stus-Wort: ‚Wer nicht für mich ist, der ist gegen mich‘. Aber es heißt auch, ‚wer nicht gegen euch ist, der ist für euch‘.“ Die Pius­bru­der­schaft sei „Teil einer Erneue­rungs­be­we­gung, die aus der Tra­di­ti­on schöpft und des­halb Kraft“ habe. „Wir sind ein wesent­li­cher Teil, und wegen der Ret­tung der Römi­schen Lit­ur­gie, die ja fak­tisch das Werk des Erz­bi­schofs ist, sogar ein unver­zicht­ba­rer. Dar­auf sind wir stolz. Das ist etwas ganz Beson­de­res, es ist eine Erwäh­lung!“ Das bedeu­te aber nicht, „alle ande­ren sei­en weni­ger wert oder hät­ten kei­ne geist­li­chen Früch­te“, denn wer so den­ke, „der sehe, dass er nicht fal­le. Man mag schon manch­mal den Ein­druck gewin­nen, dass die Erneue­rungs­be­we­gung stol­pert, lei­der, weil sie nicht geeint ist“. Spal­tung sei „nie ein Werk Christi“.

Die Bewe­gung der Tra­di­ti­on sei „aus der Ableh­nung der Refor­men nach dem Zwei­ten Vati­ka­num ent­stan­den“. Die Pius­bru­der­schaft sei „das Ret­tungs­boot für vie­le wirk­lich from­me Katho­li­ken, die in den 1970ern, 1980ern plötz­lich ihre Kir­che nicht mehr wie­der­erkannt haben. Und die genau des­halb schät­zen, was sie haben. Nun müs­sen wir aber erklä­ren, dass wir nicht mehr in die­ser Zeit leben, dass sich die Din­ge wei­ter­ent­wickelt haben, und dass wir uns des­halb auch immer neu posi­tio­nie­ren müs­sen. Nun sehen die Gläu­bi­gen aber auch, dass die Kri­se der Kir­che nicht über­wun­den ist, ja, dass es doch eigent­lich immer schlim­mer wird. Es ent­steht also ein inne­rer Wider­spruch zwi­schen den Erfah­run­gen und Sor­gen der einen und den Erwar­tun­gen der ande­ren, sicher auch der Rea­li­tät außer­halb.“ Und die­ser Wider­spruch mache der Pius­bru­der­schaft auch „zu schaf­fen. Wir haben uns vor dem Nie­der­gang nach dem Kon­zil geret­tet, aber wir haben eben auch durch unse­re Son­der­si­tua­ti­on neue Probleme.“ 

Gläubige Eiferer

Es gebe nicht „nur die Gefahr durch den reli­giö­sen Moder­nis­mus“, es gebe neben Skyl­la „auch Cha­ryb­dis“. „Wort­füh­rern“, die zwar für die Reli­gi­on strei­ten, aber nicht erken­nen wür­den, daß die Kir­che „immer grö­ßer“ ist, als sie selbst, müs­se kla­rer wider­spro­chen wer­den. „Die­se Leu­te sind kei­ne eif­ri­gen Gläu­bi­gen, es sind gläu­bi­ge Eife­rer“, die nur „sich selbst“ ver­tre­ten würden. 

Unter­des­sen „toben die Stür­me“ wei­ter, wie die Dis­kus­sio­nen und Strei­te­rei­en auf der Bischofs­syn­ode über die Fami­lie vom ver­gan­ge­nen Okto­ber gezeigt habe. Der Gene­ral­obe­re der Pius­bru­der­schaft habe in Zusam­men­hang „keine Ver­schwö­rungs­theo­rien, kei­ne Apo­ka­lyp­tik, son­dern con­tra spem in spem“ die „Tugend der Hoff­nung“ gepre­digt. „Hoff­nung wider alle Hoff­nung. Das ist katholisch.“ 

Text: Giu­sep­pe Nardi
Bild: Dici

45 Kommentare

  1. (…) „Erschei­nun­gen sind nur Ergän­zun­gen, die der lie­be Gott uns durch die Ver­mitt­lung der Aller­se­lig­sten Jung­frau schenkt, aber sie sol­len nicht die Grund­la­ge unse­rer Spi­ri­tua­li­tät sein, sie soll­ten nicht Grund­la­ge unse­res Glau­bens sein; auch ohne Erschei­nun­gen wäre unser Glau­be immer noch der­sel­be und die Grund­la­gen unse­res Glau­bens wären immer noch die­sel­ben.… Wenn man nach Fati­ma geht, wenn man nach Lour­des geht, wenn man even­tu­ell und indi­vi­du­ell in Damia­no oder in Gara­band­al betet, gut! La Salet­te, gut! Wenn man das aber zu einer Bedin­gung macht, wenn jemand nicht dort­hin geht, oder, was weiß ich, nicht dem folgt, was jemand gehört hat, oder einer Bot­schaft nicht folgt, wel­che jemand bei die­sen Erschei­nun­gen hat, wenn man dann nicht mehr katho­lisch ist, nicht mehr christ­lich ist, wenn man die­sen Wor­ten nicht folgt, die von der Mut­ter­got­tes durch jene Per­son, die dort war, sozu­sa­gen ver­kün­det wor­den sind, dann wird das ein­fach unmög­lich! Das geht so nicht!…Durch Din­ge die­ser Art kann man sich nicht lei­ten las­sen, das ist unmög­lich! … und unglück­li­cher­wei­se muss man sagen, dass die­se Krank­heit, wenn man es so sagen kann, sich in den tra­di­tio­na­li­sti­schen Krei­sen ganz enorm aus­brei­tet. In Deutsch­land und in der deutsch­spra­chi­gen Schweiz viel­leicht noch mehr…“ (Erz­bi­schof Mar­cel Lef­eb­v­re, Mit­tei­lungs­blatt der FSSPX Dezem­ber 2014,S.43, 44)

    Lei­der ist die FSSPX in Deutsch­land die­ser Krank­heit weit­ge­hend zum Opfer gefal­len. Der Rosen­kranz, ein ganz wich­ti­ges katho­li­sches Gebet, ver­drängt alle ande­ren Gebe­te. Die Got­tes­mut­ter von Fati­ma hat es so befoh­len. Ein Ein­spruch dage­gen ist nicht mehr mög­lich. Sakra­ment­s­an­dach­ten, in denen der eucha­ri­sti­sche Herr ange­be­tet wird, wie es das Kon­zil von Tri­ent drin­gend vor­schreibt, sind Aus­nah­men. Es sei denn, man meint, mit dem Rosen­kranz unse­ren Herrn anzu­be­ten. Herz-Jesu-Frei­tag — Aus­set­zung und Rosen­kranz. „Die Got­tes­mut­ter will es so, sie hat es gesagt…Jesus will, dass sie immer mehr ver­ehrt wird, sie hat es gesagt…“

    In der Kir­che kön­nen inzwi­schen alle zen­tra­len Glau­bens­wahr­hei­ten geleug­net wer­den, für nicht weni­ge FSSPX-Prie­ster in Deutsch­land ist die angeb­lich nicht von Pius XII. erfolg­te Wei­he Russ­lands an das unbe­fleck­te Herz Mari­ens die Ursa­che allen Übels.

    Das ist muf­fig, das ist stickig, das ist vor allem nicht katho­lisch. Und es schließt alle Katho­li­ken aus, die nicht durch und durch maria­nisch geprägt sind. Die sich wei­gern, die Pri­va­tof­fen­ba­rung in Fati­ma oder La Salet­te, oder… zum Herz ihres geist­li­chen Lebens zu machen.

    Hier hät­te Pater Pflu­ger anzu­set­zen, und ich weiß nicht, war­um er es nicht tut.

    • „angeb­lich nicht von Pius XII. erfolg­te Wei­he Russlands“

      Papst Pius XII. hat eine Welt­wei­he voll­zo­gen ohne Nen­nung Russlands.
      Also nicht „angeb­lich nicht erfolgt“, son­dern tat­säch­lich nicht erfolgt.

    • „alle Katho­li­ken … die nicht durch und durch maria­nisch geprägt sind.“
      Das ist ein Wider­spruch, das gibt es nicht.

      Ent­we­der katho­lisch und zugleich maria­nisch oder nichts von beidem.

      • Papst Pius XII. hat am 7. JULI 1952 Russ­land dem unbe­fleck­ten Her­zen Mari­ens geweiht:

        „Damit Unse­re und eue­re Gebe­te leich­ter Erhö­rung fin­den, und um euch einen Beweis Unse­res beson­deren Wohl­wol­lens zu geben, wei­hen wir heu­te alle Völ­ker Ruß­lands dem­sel­ben Unbe­fleck­ten Her­zen, so wie Wir vor eini­gen Jah­ren die gan­ze Welt dem Unbe­fleck­ten Her­zen der jung­fräu­li­chen Got­tes­mut­ter geweiht haben. Wir tun es in dem si­cheren Ver­trau­en, daß durch den Schutz und die Hil­fe der aller­se­lig­sten Jung­frau Maria bal­digst beglücken­de Wirk­lich­keit jene Wün­sche wer­den mögen, die Wir und ihr und alle guten Men­schen hegen, um wah­ren Frie­den, um brü­der­li­che Ein­tracht, um die jedem zuste­hen­de Frei­heit, in erster Linie die der Kir­che. So möge durch das Gebet, das Wir mit euch und allen Chri­sten zu Gott empor­sen­den, das heil­brin­gen­de Reich Chri­sti, das da ist „das Reich der Wahr­heit und des Lebens, das Reich der Hei­lig­keit und der Gna­de, das Reich der Gerech­tig­keit, der Lie­be und des Frie­den­s”, in allen Tei­len der Welt dau­ern­den Bestand er­langen. Demü­tig bit­ten Wir die mild­rei­che Mut­ter, Sie möge jedem von euch in den Drang­sa­len die­ser Tage bei­ste­hen und von Ihrem gött­li­chen Sohn eue­rem Gei­ste Erleuch­tung des Him­mels erfle­hen und eue­ren See­len Tugend und Kraft, auf daß ihr mit Hil­fe der gött­lichen Gna­de allen Irr­tum und alle Gott­losigkeit sieg­reich zu über­win­den vermöget.”
        (EPISTULA APOSTOLICA CARISSIMIS RUSSIAE POPULIS AD UNIVERSOS RUSSIAE POPULO, zweit­letz­ter Absatz, siehe:
        http://w2.vatican.va/content/pius-xii/la/apost_letters/documents/hf_p-xii_apl_19520707_sacro-vergente-anno.html )

        Nur nicht alle Bischö­fe der Welt haben sich damals angeschlossen.

  2. „Tole­ranz und Libe­ra­li­tät sind immer typisch für die Kir­che gewe­sen…“, behaup­tet der 1. Assi­stent der FSSPX.
    Tole­ranz, Wei­te, Offen­heit sind ganz gewiss typisch für die katho­li­sche Kir­che gewe­sen. Aber Libe­ra­li­tät? Wie bit­te? Die katho­li­sche Kir­che mit ihrem unbe­ding­tem Wahr­heits­an­spruch sei immer „libe­ral“ gewesen? 

    Der katho­li­sche Glau­be ist emp­fan­ge­ner, geof­fen­bar­ter Glau­be! Und somit mit einem unbe­ding­ten Wahr­heits­an­spruch untrenn­bar ver­bun­den. Das ist ein unüber­brück­ba­rer Gegen­satz zur „Libe­ra­li­tät“, die sich gegen jeden unbe­ding­ten Wahr­heits­an­spruch lei­den­schaft­lich wehrt.

    Wenn man 40 Jah­re lang gera­de­zu ver­femt wird, weil man den katho­li­schen Glau­ben voll­um­fäng­lich ver­tei­digt, dann bil­den sich enge Struk­tu­ren, ein star­res Grupp­pen­den­ken, ein selbst­zu­frie­de­nes Schmo­ren im eige­nen Saft. Doch ist dem bei­zu­kom­men, in dem man rela­ti­vi­stisch, „libe­ral“ wird, sich dem Zeit­geist anpasst?

    Die­se Fra­ge wür­de ich gern an Herrn Pater Pflu­ger stellen…

    • Geehr­te @Zeitlos,

      Ich ver­mu­te daß Pater Pflu­ger hier­mit das liber­um Arbi­tri­um, den frei­en Wil­len, meinte;
      wir müs­sen uns tets wie­der ent­schei­den, für das Gute, gegen das Böse; wir müs­sen Wich­ti­ges, Fun­da­men­ta­les vom Neben­säch­li­chen tren­nen- das ist die berühm­te dis­cre­tio v. St.Ignatius von Loyo­la, die „Tren­nung der Geister“.

      Ihre vor­letz­te Sät­ze ent­hal­ten sehr viel Wahres.
      Unter 40-jäh­ri­ger Kujon­nie­rung, Aus­gren­zung, Über­schüt­tung mit Geläch­ter ist das Ent­ste­hen einer Wagen­burg­men­ta­li­tät mög­lich und gut verständlich.
      Tak­tisch ist es sehr nütz­lich um schwie­ri­ge Zei­ten zu durchstehen.
      Und die­se tie­fe Treue zur Tra­di­ti­on trägt jetzt Früchte:
      Die Triden­ti­ni­sche Mes­se ist nicht gestor­ben-im Gegen­teil, sie wird soviel gefei­ert wie nie seit dem 2.vat. Kon­zil; an vie­len Stel­len ist die FSSPX der ein­zi­ge christ­li­che Kri­stal­li­sie­rungs­punkt für die Gläu­bi­gen, wird dort die christ­li­che Tra­di­ti­on hoch­ge­hal­ten, mit Lit­ur­gie, mit Pasto­ral, und mit Folk­lo­re-jawohl, war­um nicht?
      Wenn ich die Situa­ti­on von vor 42 Jah­ren mit jetzt vergleiche:
      wel­cher Fort­schritt! Wel­che rei­che Frucht von soviel Einsatz!
      Und wie­viel Gläu­bi­gen und wie­viel Unterstützer.
      Hier muß man zual­ler­erst dank­bar sein und wei­ter ackern.

  3. Ein sehr guter Bei­trag von Pater Pflu­ger. Ich sel­ber (24) hat­te noch nicht die Gele­gen­heit, die Tra­di­ti­on im ech­ten Leben ken­nen­zu­ler­nen, inter­es­sie­re mich aber sehr dafür und ver­su­che mich auch im Inter­net zu infor­mie­ren. In der Arbeit und den Wer­ken der Bru­der­schaft sehe ich viel Wahr­heit und Glau­ben. Jedoch tat­säch­lich abschreckend fin­de ich die Bei­trä­ge vie­ler Wort­füh­rer hier in eben­die­sem Forum, die tat­säch­lich alles hoch­zu­hal­ten schei­nen, was irgend­wie mal vor dem Kon­zil in Mode war, aus dem ein­fa­chen Grund, dass es vor­kon­zi­li­ar war: Mon­ar­chie, kirch­li­cher Anti­se­mi­tis­mus, kirch­li­che Für­sten­tü­mer sind wohl die exzen­trisch­sten Posi­tio­nen, aber man hat oft das Gefühl, man­che Leu­te wol­len einen genau­en Klon nicht nur der Kir­che, son­dern der Gesamt­ge­sell­schaft von 1950 erschaf­fen. Mei­ner Mei­nung nach hat das nicht viel mit Chri­sten­tum zu tun. Die Zeit 50 Jah­re zurück­zu­dre­hen ist zu kurz gedacht, auch die­se Zeit hat­te ihre unchrist­li­chen Makel. Man muss sich immer nach Chri­stus ori­en­tie­ren und erhal­ten, was gut ist, nicht, was alt ist. Von daher füh­le ich mich von Pater Pflü­ger tief ver­stan­den und das gibt Mut, irgend­wann doch Kon­takt aufzunehmen.
    P.S. Unter Bene­dikt war ich eif­ri­ger Kirch­gän­ger im Neu­en Ritus, aber jetzt sind alle Däm­me gebro­chen und die Leu­te gestal­ten Lit­ur­gie und Glau­bens­wahr­hei­ten nur noch, wies der Zeit­geist befiehlt. Von daher mein Inter­es­se für den Alten Ritus.

    • Sie haben recht. Es gibt man­che Fori­sten hier, die alles ver­su­chen, die Sache der Tra­di­ti­on zu dis­kre­di­tie­ren. Die sehen in jedem einen Pal­la­din Satans, der nicht ihre per­sönl­che Mei­nung teilt oder sich gar um dif­fe­ren­zier­te Gedan­ken bemüht.
      Es ist völ­lig in Ord­nung, auch exzen­tri­sche Mei­nun­gen zu haben. Ich fin­de auch die otto­nisch-sali­sche Reichs­kir­che ide­al. Aber unab­hän­gig davon, daß die­se kei­ne aktu­el­le Opti­on ist, ist es mei­ne Auf­fas­sung, und nicht der Maß­stab des Katholischen.
      Auch mein Kon­takt mit der FSSPX war bis­her nur spo­ra­disch, fast nur in Zaitz­ko­fen. Und ich kann Ihnen ver­si­chern, daß die dor­ti­ge Mann­schaft nicht ansatz­wei­se den hier ver­tre­te­nen Fana­ti­kern entspricht.

    • Lie­ber Oberschlesien!

      Ich selbst habe vor eini­gen Jah­ren begon­nen mich für die Alte Mes­se zu inter­es­sie­ren (bin wenig älter als Sie). Sehr wich­tig war für mei­ne eige­ne Ent­wick­lung das Stu­di­um des Buches von Mar­tin Mose­bach „Häre­sie der Form­lo­sig­keit“, das ich Ihnen sehr emp­feh­len kann. Danach habe ich mir einen alten Schott gekauft (gibt es z.B. bei Introibo.net) und habe auch die­sen stu­diert. Erst danach und noch nach einem wei­te­ren Mose­bach-Buch bin ich zum ersten Mal zu einer alten Mes­sen gegan­gen. Auch sehr lesens­wert ist das Buch von der Pius­bru­der­schaft „Katho­li­scher Kate­chis­mus zur kirch­li­chen Krise“. 

      Heu­te besu­che ich die Mes­se aller Zei­ten regel­mä­ßig (gehe aber auch noch zur Neu­en). Je nach­dem, wie es logi­stisch und von der ange­bo­te­nen Uhr­zeit bes­ser ein­zu­rich­ten ist, sowohl bei diö­ze­sa­nen Prie­stern, bei der Petrus­bru­der­schaft und auch bei der Pius­bru­der­schaft. Ich habe fest­ge­stellt (und das ist sehr beru­hi­gend), dass die Mes­se über­all genau gleich zele­briert wird, es über­all mal gute und mal schlech­te Pre­dig­ten gibt und dass, wenn man nicht weiß wo man gera­de ist, dies bei jeder der drei „Prie­ster-Kate­go­rien“ sein könn­te. Nur eines ist auf­fäl­lig unter­schied­lich, bei der Petrus- und auch bei der Pius­bru­der­schaft sind die Gläu­bi­gen im Schnitt viel jün­ger (sehr vie­le jun­ge Fami­li­en) als i.d.R. bei diö­ze­sa­nen Mes­sen im alten Ritus (aber auch hier ken­ne ich eine Ausnahme).

      Was das Forum hier angeht: ich glau­be nicht alle die hier manch­mal über das Ziel hin­aus­schie­ssen (ich gehö­re da sicher auch dazu) sind per se schelch­te Chri­sten oder „fal­sche“ Ver­tre­ter der Tra­di­ti­on. In der gro­ßen Kri­se, in der sich die Kir­che aktu­ell unter dem unsäg­li­chen Pon­ti­fi­kat vom „Tan­go-Fran­ze“ befin­det, reagiert nun­mal jeder etwas anders — man­che eben sehr emo­tio­nal. Davon kann und muss man abstra­hie­ren — ich ver­ste­he aber wenn das abschreckend wirkt. Wenn Sie län­ger im Forum sind, sehen Sie aber, dass nicht alle immer emo­tio­nal über das Ziel hin­aus­schie­ssen, son­dern dass jeder mal sei­ne Aus­rei­ßer hat. 

      Das ein­zi­ge was mich per­sön­lich wirk­lich stört, ist wenn ver­sucht wird Strö­mun­gen der Tra­di­ti­on wie Petrus- und Pius­bru­der­schaft gegen­ein­an­der aus­zu­spie­len und die einen als gut, die ande­ren als schlecht daste­hen zu las­sen. In der jetz­ti­gen Kri­se (und sie wird noch schlim­mer wer­den!!!) ist es doch wich­tig, dass alle Strö­mun­gen der Tra­di­ti­on fest zusammenstehen!

    • Ich bin selbst in etwa in Ihrem Alter und habe die Alte Mes­se erst vor eini­gen Jah­ren ken­nen­ge­lernt. Ich kann Ihnen sagen, dass ich seit da zumin­dest unter den jün­ge­ren Gläu­bi­gen bei der Petrus­bru­der­schaft nie jeman­den getrof­fen habe, der die aktu­el­le Situa­ti­on der Kir­che mit einer sol­chen Ver­bis­sen­heit und Bit­ter­keit kom­men­tie­ren, wie es in den Kom­men­tar­spal­ten die­ser Sei­te lei­der zuwei­len geschieht. Dafür durf­te ich gera­de beson­ders unter mei­nen Alters­ge­nos­sen vie­le gute und enga­gier­te Katho­li­ken ken­nen­ler­nen. Und auch bei man­chem Prie­ster der Petrus­bru­der­schaft spürt man Förm­lich ein Stre­ben nach Heiligkeit.

  4. @ zeit­los

    Nicht weil die Got­tes­mut­ter es 1917gesagt hat, betet die Kir­che seit 1000 Jah­ren den Rosen­kranz. Zeit­lo­sig­keit hin Zeit­lo­sig­keit her.

    Der Rosen­kranz als Gebets-Hil­fe der GESAMTEN Kir­che in gro­ßer Not ist min­de­stens 500 Jah­re bezeugt und durch das Lehr­amt bestä­tigt — ich weiß, was bedeu­tet dies, wenn der Erz­bi­schof sein gro­ßes How eben anders als das vor­kon­zi­lia­re Lehr­amt sprach… es sei denn, Pro­phe­zei­hun­gen konn­te er sich selbst zuschrei­ben, daaaann war das natür­lich was ganz ande­res (man lese sei­ne Pre­digt bei den Bischofs­wei­hen 1988). So schwank­te der gru­ße Guru hin und her, wie es gera­de oppr­tun war, und jeder pickt sich raus, was ihm passt, bis heute…ein schö­ner Setz­ka­sten für eigen­wil­li­ge Gei­ster — allei­ne das spricht schon gegen ihn.

    „Papst Pius V. führt als Dank für den Sieg in der See­schlacht von Lepan­to (am 7. Okto­ber 1571), durch den das christ­li­che Euro­pa vom Islam bewahrt blieb, das Fest „Maria vom Sie­ge“ am 7. Okto­ber (1572) in den Römi­schen Fest­ka­len­der ein. Weil in Rom die „Rosen­kranz­bru­der­schaf­ten“ um einen Sieg gebe­tet hat­ten, wur­de es bald in „Rosen­kranz­fest“ umbenannt.[2] 1573 gestat­te­te Papst Gre­gor XIII. ein „Fest des hei­li­gen Rosen­kran­zes“ für alle Kir­chen, die einen „Rosen­kranz­al­tar“ besa­ßen. [3] Nach dem neu­er­li­chen Sieg über die Tür­ken in Ungarn (Peter­ward­ein) 1716 dehn­te Papst Cle­mens XI. das Fest auf die gesam­te Kir­che aus; es wur­de nun am ersten Sonn­tag im Okto­ber began­gen, bis Papst Pius X. es 1913 wie­der auf den 7. Okto­ber leg­te.“ http://www.kathpedia.com/index.php?title=Rosenkranz

    Ein biss­chen Respekt vor der tat­säch­li­chen Tra­di­ti­on der Kir­che soll­te ein­fach sein! 

    Und mit dem, was der Abbé Pflu­ger sagt, hat das ohne­hin nichts zu tun…

    Das ist Kraut und Rüben, Wah­res mit Pro­ble­ma­ti­schem ver­mischt, ein wei­tes Feld, man müss­te 40 Jah­re sek­tie­re­ri­schen Wahn hüben und drü­ben entzerren. 

    Lohnt es sich?

    Es gibt nur eine katho­li­sche Wahrheit?
    Aber wo wird der Herr sie wohl fin­den, wenn Er wiederkommt?

    Gewiss bei den See­len, die ohne Schat­ten­kämp­fe geführt zu haben, in aller Treue und in gro­ßer Buß­fer­tig­keit wie schon vor Lepan­to den Rosen­kranz gebe­tet hat­ten, in aller Stil­le die Sakra­men­te emp­fin­gen und Bre­vier lasen… wie kom­men klei­ne Gei­ster dazu, in die­ser Sache dem Lehr­amt zu wider­spre­chen? Von den zig Rosen­kran­z­en­zy­kli­ken Leos XIII. wol­len wir mal gar nicht reden — dazu müss­te man sich ja klar­ma­chen, dass es vor Pius X. auch schon Päp­ste gab…

    • Wer den kath­pe­dia-Link oben ver­folgt wird wei­ter unten fest­stel­len, dass Leo XIII. sage und schrei­be 17 (!) Rosen­kran­z­en­zy­kli­ken geschrie­ben hat, die auch mit der lit­ur­gi­schen Erhe­bung des­sel­ben bzw. sei­nes Ran­ges als Fest ver­bun­den waren. 

      War das ein Feh­ler? Auch er hat­te ja die­se „pri­va­te“ Visi­on über den Unter­gang des Vati­kans und dar­auf­hin das Gebet an den Erz­engel Micha­el eingeführt.
      Alles nur unwich­ti­ge Privatoffenbarungen?

      Geht es uns gut, seit­dem man das Micha­el­ge­bet weg­lässt, „Pri­va­tof­fen­ba­run­gen“ gegen Ver­knö­che­rung aus­spielt, Gott vor­schreibt wie er gefäl­ligst gei­stig zu wir­ken habe und den Rosen­kranz ver­nach­läs­sigt bzw. ver­zerrt hat?

      Pius XI. und Pius XII., die ja die eigent­li­chen Zeit­nö­te erst wie­der am eige­nen Leib erfuh­ren und gese­hen hat­ten, dass eine admi­ni­stra­ti­ve Ver­knö­che­rung, die mit gro­ßer Geste und bestür­zend klei­nen Ergeb­nis­sen ein­ge­führt wor­den war, die Kir­che kei­nes­wegs geret­tet hat­te, wer­den, weil sie für die Kir­che sor­gen woll­ten, sich schnell wie­der erin­nert haben an das, was gebo­ten war.…

      Aber wir brau­chen ja kei­ne Päp­ste mehr und spie­len eine star­re Tra­di­ti­on gegen sie und ihr leben­di­ges, geist­ge­wirk­tes Lehr­amt. Am besten ist es, einen recht­gläu­bi­gen Papstvge­gen den ande­ren auf­zu­fah­ren — damit wäre dann auch die Pro­phe­tie von La Salet­te per­fekt erfüllt.

      Eine Kir­che ohne Offen­ba­run­gen und Mystik ist undenkbar!
      Die gan­ze Kir­chen­ge­schich­te war sie belebt von Men­schen, die beson­de­re Erkennt­nis­se hatten.
      Fra­ge war nie ob über­haupt, son­dern ob das Erkann­te wahr ist und hilft, die Leh­re zu ver­tie­fen und ver­ständ­li­cher zu machen in die jewei­li­ge zeit hinein.

      Jeder Dik­ta­tor hasst sol­che frei­en Bewe­gun­gen des Hl. Geistes .. 

      Die bei­den letz­ten recht­gläu­bi­gen Päp­ste wie­sen die gesam­te Kir­che noch ein­mal auf die ret­ten­de Bedeu­tung die­ses Gebets hin.

      Der Rosen­kranz erfor­dert eine Buß­hal­tung und gro­ße Demut, wie auch schon Leo XIII. bemerkte.
      Und genau die ist dem Men­schen heu­te zuwider.

  5. @ zeit­los
    Sie monie­ren zu recht den Satz „Tole­ranz und Libe­ra­li­tät sind immer typisch für die Kir­che gewe­sen…“, Die Hal­tung der Tole­ranz ist immer eine Ur — katho­li­sche, aber Libe­ra­li­tät bedeutet
    frei sein von Wer­ten jed­we­der Art, kon­kret kann man sie auch mit Wert(e)losigkeit übersetzen.
    Die­ses ist eine Hal­tung, die dem Katho­li­zis­mus fremd ist. Die bewun­derns­wer­te Kunst der Libe­ra­len bestand immer schon dar­in, die „Wer­te­lo­sig­keit“ als Tugend zu ver­kau­fen und dafür noch in der Öffent­lich­keit gefei­ert zu werden.

  6. Auf dem Bild sehe ich einen Prie­ster der Diö­ze­se Vaduz und einen Prie­ster vom Insti­tut des Guten Hir­ten. Dazu ein paar Brü­der, die kei­ne Kle­ri­ker sind.

  7. Ich kann mich „Ober­schle­si­en“ und Lino nur anschlie­ßen (bin wohl auch in eurem Alter^^. Pater Pflu­ger spricht mir aus der See­le. Groß­ar­ti­ger Bei­trag. Mis­sio­nie­rung und Neue­van­ge­li­sie­rung wird garan­tiert nicht durch ver­bit­ter­te und gei­stig star­re Leu­te pas­sie­ren, die schon in Schnapp­at­mung ver­fal­len, wenn man in der Kir­che auf der „fal­schen“ Sei­te sitzt, hin­ter jeder Ecke einen Frei­mau­rer ver­mu­tet der jeden Augen­blick her­vor­sprin­gen könn­te oder bei denen jeder Satz mit „Frü­her,…“ beginnt, son­dern durch Leu­te die auch gei­stig noch jung geblie­ben sind und trotz­dem oder gera­de des­we­gen an der tra­di­tio­nel­len Leh­re und dem Alten Ritus (den ich regel­mä­ßig besu­che) festhalten.

    Da erin­ne­re ich mich an einen Bericht an einen Pater eines tra­di­tio­nel­len Ordens, der sich jede Woche in eine Dis­ko begibt mit Sou­ta­ne, ein­fach nur dasitzt und den vie­len (gei­stig) Bedürf­ti­gen erst als Ansprech­part­ner zur Ver­fü­gung steht. Für vie­le der erste Kon­takt zu einem Geist­li­chen über­haupt. Das ist für mich genau die unkon­ven­tio­nel­le Hal­tung, die man braucht um Men­schen­fi­scher auch in der heu­ti­gen Zeit zu sein.

    Ein biss­chen mehr Mut und weni­ger Ver­zagt­heit täte man­chem Angän­ger der Tra­di­ti­on wirk­lich gut. Eine gesun­de Por­ti­on katho­li­scher Opti­mis­mus halt, auf Gott ver­trau­en. Dass man dabei kei­ne rosas­ro­te Bril­le auf­set­zen muss, schließt die­ser Opti­mis­mus kei­nes­falls aus.

    Tole­ranz und Libe­ra­li­tät heißt weder das man die Mei­nung des Gegen­über für gut befin­det noch das man die eige­ne über Bord wirft. Aber den Gegen­über erst ein­mal anneh­men wie er ist, als sün­di­ger Mensch, als mein Näch­ster um ihm dann auf (katho­li­sche Wei­se durch Gebet und Vor­bild) klar zu machen dass er irrt wär schon ein Anfang statt den Ober­leh­rer zu spielen.

  8. Ich mei­ne, Pater Pflu­gers „Libe­ra­li­tät“ wur­de hier miss­ver­stan­den. Mit Sicher­heit woll­te er nicht Pro­pa­gan­da für den poli­ti­schen und welt­an­schau­li­chen Libe­ra­lis­mus machen. Libe­ra­lis­mus und Libe­ra­li­tät sind ver­schie­de­ner­lei. Libe­ra­li­tät ist eine gewis­se Duld­sam­keit, Groß­zü­gig­keit, Groß­mü­tig­keit, Scho­nung, Mil­de usw., eine unter Umstän­den durch­aus gün­sti­ge Eigen­schaft. Ein­fach das Wort mal nach­schla­gen, wer es in die­ser Bedeu­tung noch nicht kennt.

  9. Wenn ich das lese, kommt mir vor, Cle­mens V. Olden­dorf wür­de sich in vie­lem Wie­der­fin­den, was P. Pflu­ger hier aus­ge­führt hat. Und wenn ich dann über­le­ge, wie unver­stan­den und ange­grif­fen Olden­dorf oft ist von sol­chen, die qua­si den­ken: La tra­di­ti­on c’est moi oder zumin­dest unaus­ge­spro­chen bean­spru­chen, die ein­zig wah­ren Tra­di­ti­ons­treu­en zu sein…

  10. Lie­ber Zeitlos
    Mir scheint, dass gera­de Sie ein reli­gö­ser Eife­rer sind. Wie­so wol­len sie immer den Rosen­kranz und die Mut­ter Got­tes gegen die Drei­fal­tig­keit im Grun­de gegen den Sohn Got­tes ausspielen.
    Es ist nicht die FSSPX oder die Tra­di­ti­on, die so an den Mut­ter­got­te­s­er­schei­nun­gen hän­gen. Es ist die nach­kon­zi­lia­re, die sen­sa­ti­ons­träch­ti­ge neue Kir­che, die cha­ris­ma­ti­sche Bewe­gung, die von Erschei­nung zu Erschei­nung eilt. Bit­te, wenn sie schon etwas behaup­ten, dann schie­ben sie es nicht der Tra­di­ti­on zu. Infor­mie­ren sie sich zuerst, bevor sie etwas behaup­ten. Sie ken­nen wahr­schein­lich die Strö­mun­gen in der Kir­che nur vom Hörensagen.

  11. Libe­ra­li­tät hat vor allem mit Klug­heit, gei­sti­ger Wei­te und Humor zu tun. Pater Pflu­ger ist sicher­lich der klüg­ste Kopf in der Pius­bru­der und hat auch Humor. Als Vor­den­ker und Archi­tekt des Eini­gungs­pro­zes­ses von 2012 ist er aller­dings mit Pau­ken und Trom­pe­ten an der gei­sti­gen Enge der FSSPX-Anhän­ger­schaft abge­prallt, die er auch hier wie­der moniert.

    Die Eini­gung mit Rom schei­ter­te damals ja vor allem am Wider­stand aus der Anhän­ger­schaft: Inner­halb der eigtl. Bru­der­schaft (also unter den FSSPX-Prie­stern) waren die Skep­ti­ker nur eine — wenn auch hör­ba­re — Min­der­heit und die Eini­gung wäre mit klei­ne­ren Abspal­tun­gen am Ran­de durch­setz­bar gewe­sen. Das Pro­blem, das letzt­lich ein Zurück­ru­dern der Lei­tung nötig mach­te, war die über­ängst­li­che und unbe­weg­li­che Ableh­nung jeder Ver­än­de­rung an Rom sei­tens der Basis (bes. in Frkr., den USA und Süd­ame­ri­ka, weni­ger krass im dt.-spr. Raum).

    Danach sah es zunächst eine Wei­le so aus, als wür­de die FSSPX jetzt in der Bedeu­tungs­lo­sig­keit ver­schwin­den. Sie war inner­lich zer­ris­sen; es war klar, dass sie die unter Papst Bene­dikt ent­stan­de­ne Chan­ce selbst ver­bockt und viel zu stur auf ihren Son­der­mei­nun­gen beharrt hat­te; und man ging davon aus, dass so eine Chan­ce so schnell nicht wie­der­kommt. Die Kir­chen­spit­ze inter­es­sier­te sich anschei­nend nicht mehr für sie. Pflu­ger und sei­ne Rich­tung gerie­ten inner­halb der Bru­der­schaft zunächst unter Recht­fer­ti­gungs­zwang ggü. den radi­ka­le­ren, rom­feind­li­che­ren Ele­men­ten und konn­ten nur mit Mühe den Gene­ral­obe­ren halten.

    In der Situa­ti­on des ver­schärf­ten Kir­chen­kamp­fes der Tra­di­tio­na­li­sten gegen den neu­en Papst gewinnt die FSSPX nun in der letz­ten Zeit aber doch wie­der zuneh­mend an Bedeu­tung. Inner­lich hat sie sich von den Flü­gel­kämp­fen erholt, struk­tu­rell und finan­zi­ell steht sie ziem­lich gut da und ver­bit­ter­te Papst­geg­ner betrach­ten es immer öfter als gang­ba­re Alter­na­ti­ve, sich der FSSPX anzu­nä­hern, auch inner­kirch­lich gewinnt sie an Rele­vanz und man beach­tet sie stär­ker (Pflu­ger beschreibt das sehr anschau­lich und tref­fend am Bsp. Lourdes).

    Dadurch wird Pater Pflu­gers Posi­ti­on heu­te wie­der salon­fä­hig und er traut sich aus der Deckung. Will­kom­men zurück! Die Vor­zei­chen sind jetzt ganz ande­re als 2012, denn heu­te sagt auch die Lei­tung, die Zwit­ter­si­tua­ti­on zwi­schen Irre­gu­la­ri­tät und Kirch­lich­keit, die Pflu­ger vor zwei Jah­ren noch been­den woll­te, sei für alle Sei­ten das Beste. Das ist natür­lich etwas schön­re­dend, aber im Wesent­li­chen beschreibt Pflu­ger die der­zei­ti­ge Lage und die Chan­cen der FSSPX als Auf­fang­becken für Unzu­frie­de­ne rich­tig und ist heu­te vllt. sel­ber froh, dass es damals nicht geklappt hat und die FSPPX sich ihre Rol­le als Außen­sei­ter und „Libe­ro“ bewahrte.

  12. „Libe­ra­li­tät“ heißt, dass man groß­zü­gig und hoch­her­zig ist. Das ist katholisch.
    Den­noch scheint mir hier wie­der was durcheinanderzugehen:
    Sol­che „Libe­ra­li­tät“ wird zusamm­neg­fasst ind er Formel:
    „Sua­vi­ter in modo, for­ti­ter in re.“

    Mil­de in der Art und Wei­se, heißt natür­lich nicht, dass man das im post­mo­der­nen psy­cho­lo­gi­schen Sinn wie­der­um auf die gene­rel­le Vor­trags­wei­se bezie­hen dürf­te. das wäre ein Missverständnis.
    Die Groß­zügg­keit bezieht sich immer auf den Sün­der selbst, die Här­te auf die Sache!

    Die Über­le­gun­gen @ Ks kann ich des­halb nicht unter­stüt­zen. Denn hier wird eben die sache selbst nicht mehr „for­ti­ter“ ver­tre­ten, son­dern letzt­end­lich doch einem libe­ra­li­sti­schen Har­mo­nie­be­dürf­nis geopfert.

    Es gab ein­mal trif­ti­ge Grün­de der FSSPX, zu Rom auf Abstand zu gehen. Die­se Grün­de sind nicht weni­ger geworden!
    Es ist auch inzwi­schen ein alter Hut, dass Kräf­te in der FSSPX bei jedem neu­en Papst dach­ten, es könn­te nunal­les bes­ser wer­den und sich an jeden Stroh­halm geklam­mert haben.

    Wenn es aber nur eine Fra­ge der „Art und Wei­se“ wäre, müss­te man sich fra­gen, ob es über­haupt je eine „res“ gege­ben hat, deret­we­gen man den FSSPX-Auf­wand betrie­ben hat!

    Das hat prin­zi­pi­ell nichts mit Starr­sinn zu tun, son­dern mit tat­säch­li­chen Differenzen!
    dass in der FSSPX-Ideo­lo­gie vie­les extrem unlo­gisch ist, ist dadurch nicht berührt — es sind sach­li­che Dif­fe­ren­zen vor­han­den, und dies ist auch nichts Ehren­rüh­ri­ges! Dass vie­le Tra­di­tio­na­li­sten im Pius­mo­dus wirk­lich ein­fach nur starr­sin­nig sind und eine alte Zeit idea­li­sie­ren und nicht über den euro­päi­schen Tel­le­rand hin­aus­se­hen (dar­auf weist Pater Pflu­ger ganz zu Recht hin!!), stimmt.
    Aber auch das hat mit den rea­len und legi­ti­men Dif­fe­ren­zen nichts zu tun.
    Man müss­te der Fair­ness hal­ber auch Rom einen gewis­sen Starr­sinn vorwerfen…

    Es ist aber aller schlim­mer, als beschrie­ben: sowohl Rom als auch die FSSPX wer­den ja nicht „groß­zü­gi­ger“, son­dern indif­fe­ren­ter. Irgend­wie ist es heu­te schent’s nicht mehr erstre­bens­wert, für etwas Wich­ti­ges zu kämp­fen. Frie­de, Freu­de, Eier­ku­chen geht wohl über alles!
    Und das kann es nicht sein!

  13. Ich (17 Jah­re) kom­me aus Sach­sen-Anhalt. Ich bin in dem soge­nann­ten „Novus Ordo“ auf­ge­wach­sen, und habe eigent­lich nie wirk­lich etwas ande­res ken­nen­ler­nen kön­nen. Trotz­dem ist es heu­te kein Kunst­stück, als gläu­ber Mensch zu bemer­ken, dass irgend­et­was in der Kir­che nicht stimmt. Inter­es­san­ter­wei­se ver­su­chen unse­re Pfar­rer ja immer, so „modern“ und „jugend­lich“ zu wir­ken, was bei dem Alter der mei­sten Pfar­rer rich­tig lächer­lich rüber­kommt. Ich bin ja nicht blind! Eher kommt es mir so vor, dass irgend­wel­che alten Pfar­rer immer noch ver­su­chen, ihre Jugend­träu­me von Frei­heit zu ver­wirk­li­chen, dabei aber nicht mer­ken, dass ihre Denk­welt der neu­en Genera­ti­on zuneh­mend fremd wird. Ich habe zum Bei­spiel kein Inter­es­se dar­an, irgend­wel­che „moder­nen“ Lie­der von wegen „Wir­ha­ben­unsal­le­lieb“ zu träl­lern — da kommt man sich ja vor wie in einem Kin­der­gar­ten. Ich habe auch kei­ne Freu­de dar­an, wenn sich unser Pfar­rer vor der Gemein­de zum Affen macht, weil er denkt, so könn­te er mei­ne Alters­ge­nos­sen in die Kir­che locken. Hal­ten uns die „Moder­ni­sten“ denn für so blöd, dass wir auf bil­li­ge Sozi­al­päd­ago­gik in der Kir­che abfah­ren? Wir sind kei­ne dum­men Kin­der, die bespaßt wer­den wol­len — wir wol­len wol­len einen wahr­haff­ten Glau­ben, kei­ne selt­sa­men Muta­tio­nen von Frei­heits­träu­men unse­rer Eltern‑, und Großelterngeneration. 

    Da ich mich in mei­ner (Novus Ordo) Kir­che zuneh­mend nicht mehr ernst­ge­nom­men gefühlt habe, woll­te ich die Pius­brü­der ken­nen ler­nen. Ich besuch­te deren Char­tres-Wall­fahrt und wur­de erst­mal erschla­gen von der Gläu­big­keit der Teil­neh­mer. Ich habe vor­her nie wirk­lich katho­lisch­gläu­bi­ge Men­schen getrof­fen (liegt wohl an der Gegend, wo ich her­kom­me), und da war das ein umwer­fen­des Erleb­nis. Das hier der Glau­be ernst genom­men wur­de, merk­te man sofort. Und das die kath. Kir­che mit der Alten Mes­se einen Schatz ohnes­glei­chen ver­sto­ßen hat, habe ich sofort begrif­fen. Auch waren die Gläu­bi­gen auf der Wall­fahrt unglaub­lich freund­lich und offen, und doch fühl­te ich mich auch hier fehl am Platz. Die­se Art Reli­giö­si­tät war mir fremd. Es ist schwer zu sagen, was mich damals gestört hat – aber irgend­wie kam mir die gan­ze Sache wie ein zer­brech­li­ches Gebil­de vor. Ein kit­schi­ge Glas­ro­se, die nach dem wah­ren Glau­ben strebt aber den Bezug zur Rea­li­tät ver­lo­ren hat. Ein Gebil­de, vor dem man mit Stau­nen und Erfurcht steht, dass einem aber nicht ergrei­fen kann, weil es gleich wie ein Traum in der Ver­gan­gen­heit stecken geblie­ben ist. 

    Ist es nicht selt­sam, das heut­zu­ta­ge wirk­lich alles immer nur in Extre­men vor­han­den ist? Auf der einen Sei­te wird man der extre­men Lächer­lich­keit und Sinn­lo­sig­keit zum Fraß vor­ge­wor­fen, auf der ande­ren Sei­te schwebt eine Sphä­re voll welt‑, und rea­li­täts­frem­der Hei­lig­keit vor­bei. In kei­nen der bei­den konn­te ich mich voll­kom­men ohne einen selt­sa­men Bei­geschmack nie­der­las­sen. Doch hat mir die­ser Arti­kel von Pater Niklaus Pflu­ger die Hoff­nung gege­ben, dass die Pius­brü­der anschei­nend doch boden­stän­di­ger sind, als ich dach­te! Viel­leicht kann sie sich ja tat­säch­lich von dem Nach­glanz der Ver­gan­gen­heit lösen, und begin­nen, in der Gegen­wart zu erblü­hen. Mei­ne Hoff­nung ist, dass die Pius­brü­der es doch schaf­fen, die Tadi­ti­on zu ret­ten und dabei die Gegen­wart nicht zu ver­schmä­hen – um so dabei zu hel­fen, dass die Katho­li­sche Kir­che wie­der „groß, alt und ewig jung, erfah­ren“ (Pater Pflu­ger) wird.

    • Ich bin um eini­ges älter als Sie, aber ihre Ana­ly­se stimmt.

      Ich den­ke es kommt in der Zeit in der wir leben, auf jeden ein­zel­nen an und wir kön­nen nicht erwar­ten irgend­wo eine Grup­pe zu fin­den, auf jeden Fall auf Dau­er nicht, wo „die Welt noch in Ord­nung ist“.
      Es gibt ein­zel­ne Prie­ster, Grup­pen, Leu­te, die gut sind, aber man hat den Ein­druck, sobald die Grup­pie­rung nur eine gewis­se Grö­ße erreicht, der Prie­ster einen gewis­sen Bekannt­heits­grad, das Apo­sto­lat eine gewis­se Wir­kung, sofort wird es ent­we­der von innen oder von außen zer­stört, oder geht an den eige­nen Wider­sprü­chen zugrun­de, oder wird komisch.

      Man muss es tragen!

    • @sonnenblume
      sei­en Sie nicht zu hastig, Sie erlau­ben sich ein Urteil über etwas, das Sie grad mal flüch­tig ken­nen­ge­lernt haben. 

      Sie sind wie Sie sel­ber sagen im Kin­der­gar­ten groß gewor­den und bis­her trotz Ihrer 17 Jah­re über die­ses Niveau nicht hin­aus­ge­kom­men. Wenn nun ein Kin­der­gar­ten­kind plötz­lich im Latein- oder Grie­chisch­un­ter­richt eines Gym­na­si­ums vor­bei­schaut, dann ist es völ­lig nor­mal, daß ihm das zwar fas­zi­nie­rend, aber welt­fremd vor­kom­men muß. Der Sprung ist zu groß. Um sich ein wirk­li­ches Urteil zu bil­den, müß­te der­je­ni­ge schon nach ent­spre­chen­der Vor­be­rei­tung und Ein­wei­sung eine Wei­le dort mit­tun, alles ande­re geht an der Sache vorbei. 

      Mei­ne Erfah­rung ist die, daß die Alte Mes­se für vie­le zunächst anzie­hend wirkt, aber sie haben nicht die Geduld bzw. es fehlt an Unter­wei­sung, die auf­tau­chen­den Fra­gen wer­den nicht beant­wor­tet und dann sind sie wie­der fort. Schade.

      • @M.S.
        „Sie sind wie Sie sel­ber sagen im Kin­der­gar­ten groß gewor­den und bis­her trotz Ihrer 17 Jah­re über die­ses Niveau nicht hinausgekommen.“

        Wie­so konn­te Ihr Kom­men­tar nicht ohne die­se Ver­let­zung auskommen?

        @sonnenblume
        Las­sen Sie sich in Ihrer Suche nicht ent­mu­ti­gen. Ich könn­te vom Alter her Ihre Mut­ter sein und wäre glück­lich über so eine gedan­ken­vol­le Tochter. 😉 .

      • Son­nen­blu­me sei nicht „über das Kin­der­gar­ten Niveau hinausgekommen?hu,ich bin 70 Jahre,aber vor ihnen wer­de ich weglaufen.Die Mes­se aller Zeiten,spricht für sich selbst und das Verständniss,auch in Latein,war auch frü­her bei Menschen,einfach da,ohne die­ser Art Sanf­ter Gewalt,die auch der jetz­ti­ge Papst dau­ernd bringt.Ausnahmen gab es immer.Die Alte Messe,ist nicht Hei­li­ge Mes­se für eine Elite,auch Kinder,sogar beson­ders die Kinder,verstehen.

      • @Ben hur
        das war doch über­haupt nicht als Ver­let­zung gedacht. Son­nen­blu­me hat selbst nüch­tern und sach­lich fest­ge­stellt, daß sie im Novus Ordo auf Kin­der­gar­ten­ni­veau gehal­ten wird. Das war abso­lut nicht auf Son­nen­blu­me gemünzt, son­dern auf den NO. Fakt ist lei­der, daß einer, egal wie alt er ist, nicht wei­ter­kommt, wenn er den NO nicht über­win­det. Er bleibt auf die­sem Niveau. Wenn das jemand reicht, dann ist das in Ord­nung. Son­nen­blu­me aber hat das nicht gereicht. 

        Ich woll­te sie daher ermu­ti­gen, nicht zu schnell Kehrt­wen­de zu machen, wenn sie erst­mal mit dem alten Ritus in Berüh­rung gekom­men ist. Vie­le las­sen sich ver­trei­ben, weil sie kei­ne Geduld haben. Frü­her sind die Kin­der mit dem alten Ritus auf­ge­wach­sen, er war ihnen ver­traut, und das Frem­de war ihnen nicht fremd. Heu­te muß er zunächst fremd erschei­nen. Er ist nicht von die­ser Welt. Wie etwa der neue Ritus.
        Aber wir wol­len heu­te alles sofort. Im Com­pu­ter­zeit­al­ter muß alles gleich da sein, auf Knopf­druck. Wenn das nicht gleich geht, dann sagen vie­le schon, das ist nichts. In den alten Ritus muß man sich hin­ein­ar­bei­ten, und nicht gleich sein Urteil fäl­len — „das ist Folk­lo­re, das ist nicht mehr zeit­ge­mäß, das ist Pseu­do­tra­di­ti­on“. Wer den alten Ritus nur von außen erlebt, der kann auf sol­che Gedan­ken kom­men, aber er wird ihm nicht gerecht.
        Ich glau­be, Son­nen­blu­me hat das schon verstanden.

      • @M.S.

        Ich gebe zu, die Mög­lich­kei­ten der Kom­mu­ni­ka­ti­on in so einem Forum sind doch stark begrenzt, so daß es leicht zu Miß­ver­ständ­nis­sen kom­men kann, die sich in einer Gesprächs­run­de, in der man zusam­men­sitzt gar nicht erst erge­ben wür­den oder, falls doch, unmit­tel­bar aus­ge­räumt wer­den könnten.

        Ihnen und @Sonnenblume wün­sche ich noch eine fro­he und geseg­ne­te Adventszeit.

    • @Sonnenblume, ich schlie­ße mich an: ein wun­der­ba­rer Bei­trag, aus dem die Fri­sche der Jugend und der Geschmack der Wahr­heit spricht!

      Bezüg­lich der Pius­bru­der­schaft wür­de ich Ihnen raten, Ihre Hoff­nung nicht auf­zu­ge­ben und wei­ter die so kost­ba­re Alte Mes­se zu besu­chen. Hel­fen gera­de SIE der Bru­der­schaft, im rich­ti­gen Sinn auf ihr Ziel, die katho­li­sche Kir­che wahr­haft fort­zu­set­zen und zu erneu­ern, zuzu­ge­hen! Es ist der FSSPX zu wün­schen, dass sie vie­le Gläu­bi­ge von Ihrer Intui­ti­on und Klar­sicht in ihren Rei­hen habe!

    • Lie­be @ son­nen­blu­me, das kann ich alles ziem­lich gut ver­ste­hen, auch wenn ich älter bin. Das trifft die Sache ganz gut.

      Wie @ besorg­ter christ es sagt, muss man das wohl aus­hal­ten, aller­dings nicht, indem man sich einem der Rudel kri­tik­los anschließt.

      Uns fehlt der päpst­li­che Hir­te, das ist das eine Problem.
      Uns fehlt aber auch die rech­te Haltung.

      Manch­mal den­ke ich, wir sind — und hier vor allem die 50+ — Genera­ti­on, die noch lebt, total ver­dor­ben wor­den. Die jetzt Älte­ren sind ver­dor­ben durch Kon­sum­den­ken, Psy­cho­lo­gie, „Hin­du­is­mus“, wie Pfar­rer Milch sag­te — damit mein­te er die­sen Wahn, man müs­se alles soft brin­gen, alles auf lei­sen Soh­len, alles inte­grie­ren und dabei irgend­wel­che Gurus oder Guru-Gemein­schaf­ten haben.

      Das phi­lo­so­phi­sche Pro­blem liegt in der Ver­ein­ze­lung und Indi­vi­dua­li­sie­rung: wenn man immer vom Ich aus­geht (tau­sen­de fuh­ren zu mei­ner Jugend­zeit nach Indi­en oder tiger­ten zu Sek­ten­füh­rern hier und Psy­cho­lo­gen, um sich um ihr hei­li­ges Ich zu dre­hen und irgend­ein schi­mä­ri­sches Heil zu finden).
      Die­ses „Vom Ich aus­ge­hen“ hat dazu geführt, dass man die Gren­zen nicht mehr kennt und gna­den­los per­sön­lich wird — in jeder Debat­te. Das ist auch hier im Forum ein gro­ßes Pro­blem — vie­le kom­men nicht aus ohne prsön­li­che Sei­ten­hie­be, ohne Fixie­rung auf ihre Gefüh­lig­keit egal bei wel­chem The­ma oder die­se 68er-Stil­de­bat­te, ob wohl auch alle Sach­bot­schaf­ten in net­ten, ver­träg­li­chen Häpp­chen ver­packt wur­den. Die nack­ten Fak­ten ver­trägt kaum mehr einer. Spä­te­stens ab dann wird es vul­gär und auto­ri­tär, und man wech­selt die Ebe­nen wie ein Cha­mä­le­on, erlaubt sich selbst alles und dem ande­ren nichts mehr…Wir sind ein saum­se­li­ges, ver­trot­tel­tes und „fru­stra­ti­ons­un­fä­hi­ges“ Geschlecht! Und dar­an lei­det auch sicht­lich die gesam­te Kirche.
      Der hl. Pau­lus hät­te gesagt: Wer­det end­lich „männ­lich“!
      Das wäre auch mei­ne ein­zi­ge Kri­tik am Femi­nis­mus: er hat zu die­ser Emp­fin­de­lei und Meta­ebe­nen­UN­kul­tur geführt, die auch vor den Katho­li­ken, ob Modis ob Tra­dis kei­nen Halt gemacht hat. Und irgend­wann kippt das gan­ze Soft­ge­tue dann ab in kru­de­stes und auto­ri­tä­res Nie­der­ma­chen. Ent­we­der Kin­der­gar­ten, wie Sie sagen, oder ohne Vor­war­nung Diktatur.…
      Das ist der Zer­buch der Glas­ro­se und ein Dra­che faucht Sie draus an! Die­sel­ben Leu­te, die so nett zu Ihnen waren, kön­nen Sie bald schwer ent­täu­schen, wenn Sie nicht hüp­fen und sprin­gen, wie die­sel­ben es sich vor­ge­stellt haben.

      Sei­en dar­auf gefasst (ich spre­che aus Erfah­rung UND als Mit­glied der 50+-Generation), blei­ben Sie wei­ter­hin kri­tisch, stö­ren Sie sich aber nicht bis zum Abfal­len an den gra­vie­ren­den Feh­lern der Traditionshüter.
      Denn Gott kann nichts für uns unwür­di­ge Die­ne­rin­nen und Diener!

      Für einen 17jährigen — Hut ab vor die­ser Spra­che und dem Refle­xi­ons­ni­veau. Machen Sie was draus..

  14. Also, Über­le­gun­gen, die man unter­stüt­zen oder nicht unter­stüt­zen könn­te, habe ich in dem State­ment oben ja gar nicht ange­stellt, son­dern nur die Lage beschrie­ben, die im Hin­ter­grund von P. Pflu­gers Wort­mel­dung steht. Die­se Beschrei­bung kann zutref­fen oder nicht zutref­fen, ent­hält aber kei­ne Bewertungen.
    Selbst­ver­ständ­lich unter­stüt­ze ich sel­ber die kir­chen­po­li­ti­schen oder glau­bens­tech­ni­schen Ansich­ten Pater Pflu­gers oder ande­rer Mit­glie­der der FSSPX-Lei­tung kei­nes­wegs, schon gar nicht deren Ein­schät­zun­gen zur Situa­ti­on oder gar Not­wen­dig­keit der Piusbruderschaft.

    Fakt ist aber, dass Pflu­ger ein klu­ger Kopf ist und dass er als einer der füh­ren­den Män­ner die­ser Ver­ei­ni­gung die Not­wen­dig­keit ech­ter kirch­li­cher Ein­bin­dung der FSSPX sei­ner­zeit betont hat und auch imstan­de war, dies gegen­über der eher hals­star­ri­gen und aus Gewohn­heit rom­feind­li­chen Kli­en­tel der Bru­der­schaft rela­tiv über­zeu­gend zu ver­tre­ten. Wenn er auch jetzt wie­der gegen „Eife­rer“ Stel­lung nimmt und (als Schwei­zer) „Libe­ra­li­tät“ ein­for­dert, begrü­ße ich das, weil es wenig­stens in die rich­ti­ge Rich­tung geht. Außer­dem bewun­de­re ich sei­nen ana­ly­ti­schen Scharf­sinn, mit dem er atmo­sphä­ri­sche Ver­än­de­run­gen in der Groß­kir­che wahr­nimmt und sei­ne Beob­ach­tun­gen anschau­lich for­mu­lie­ren kann. Alles in allem ein Mann, mit dem man reden kann und mit dem sich zu reden lohnt. 

    Das bedeu­tet wie gesagt nicht, dass ich sei­ne kru­den tra­di­tio­na­li­sti­schen Ansich­ten und Glau­bens­über­zeu­gun­gen tei­le. Gera­de dar­um geht es aber in der Dis­kus­si­on um die Wahr­heits­fra­ge. Es ist also nicht der Punkt, dass Pflu­ger beson­ders duld­sam oder „libe­ral“ wäre und man des­halb gut mit ihm aus­kommt, son­dern es geht dar­um, dass er ver­stän­dig genug ist, Wahr­heit und Unwahr­heit zu unter­schei­den und begrei­fen zu kön­nen, was wich­tig und rich­tig ist und was nicht. Dar­um muss es in der Dis­kus­si­on mit Abweich­lern wie den Pius­brü­dern gehen, und dafür ist Pflu­ger eine gute Adres­se. „Libe­ra­li­tät“ ist hier also kein Gegen­satz zur „Wahr­heit“, son­dern die Vor­aus­set­zung, um die Wahr­heit über­haupt erken­nen und dar­über debat­tie­ren zu kön­nen. Mit ver­bohr­ten Fana­ti­kern oder „Eife­rern“, die gar nicht ver­ste­hen, was sie mei­nen und sagen und nur aus dem Bauch her­aus aber umso vehe­men­ter für ihre Sache ein­tre­ten, ist dage­gen schwer zu reden und der Aus­tausch bringt einen nicht viel wei­ter, weil sie eh nicht in der Lage sind ein­zu­se­hen, wo sie falsch lie­gen oder sich ver­rannt haben.

    • Wer­ter @K,
      wie steht es eigent­lich mit Ihrer „Libe­ra­li­tät“ bzgl. der Wahrheitsfrage?
      Sie unter­stel­len Pater Pflu­ger „kru­de tra­di­tio­na­li­sti­sche Ansich­ten und Glau­bens­über­zeu­gun­gen“ (was sind eigent­lich „glau­bens­tech­ni­sche Ansich­ten“?), postu­lie­ren „gei­sti­gen Enge der FSSPX-Anhän­ger­schaft“ bezeich­nen sie als „Abweich­ler“.

      „Abweich­ler“ wovon eigent­lich? Die knien­de Mund­kom­mu­ni­on etwa zu for­dern statt ste­hend die Hand­kom­mu­ni­on, die nur durch päpst­li­chen Indult und eigent­lich auch nur in Aus­nah­men erlaubt ist, zu prak­ti­zie­ren? Ist die Trans­sub­stan­tia­ti­on, die Real­prä­senz Chri­sti in der Hostie; ist die Erfurcht vor Gott, dem Schöp­fer aller Din­ge, nicht für die Wahr­heits­fra­ge relevant?

      Mei­nes Wis­sens ist ein mit Rom unge­klär­ter Punkt die Öku­me­ne. Wenn die „Libe­ra­li­tät“ nicht spä­te­stens beim Her­ren­wort endet: „Ich bin der Weg, die Wahr­heit und das Leben. Nie­mand kommt zum Vater außer durch mich“, wie­vie­le Assi­si-Tref­fen und Kor­anküs­se wol­len Sie dann noch debat­tie­ren, um die Abwei­chun­gen vom Wort Got­tes zu erkennen?

      Leug­nung Jesu Chri­sti ist Leug­nung der Wahr­heit. Ist das „kru­de Glaubensüberzeugung“?

      Mag sein dass bei der FSSPX man­ches an Äußer­lich­kei­ten zu ersticken droht, recht betrach­tet kann das aber durch­aus als ein Hilfs­mit­tel zum Kern der Wahr­heit führen. 

      Wie vie­le Hir­ten neh­men das See­len­heil der ihnen anver­trau­ten Scha­fe noch ernst? Es gibt nicht weni­ge, die die Höl­le wegpredigen.

    • Nun ja, lie­ber @ K, das betrifft uns ja mehr oder weni­ger alle — wer hat schon den end­gül­ti­gen Über­blick drü­ber, wer wann wo falsch liegt? Sie etwa? Es klingt ein wenig so… Auf der Ebe­ne kön­nen Sie das tat­säch­li­che Pro­blem nicht beschrei­ben, ohne in die Gru­be zu fal­len, die Sie gegra­ben haben. Man kann letzt­end­lich nur durch sau­be­re Schluss­ver­fah­ren argumentieren.

      Solan­ge ich von etwas über­zeugt bin und es auch gut begrün­den kann, muss ich sogar davon über­zeugt sein. Über­zeu­gun­gen ohne Über­zeugt­sein gibt es nicht. Aber ein Leben ohne Über­zeu­gun­gen mach­te wahnsinnig.

      Ich müss­te anfan­gen, jede Wahr­neh­mung, jeden logi­schen Schluss zu bezwei­feln. Und das wäre krankhaft.

      Die demo­kra­ti­sche Sozia­li­sa­ti­on und die end­lo­se seich­te­ste Quas­sel-Talk­show-Kul­tur hat uns aller­dings dazu ver­lei­tet zu glau­ben, jeder kön­ne und müs­se über­all mit­re­den kön­nen, auch wenn er sach­lich kei­ner­lei Ahnung hat. Ande­rer­seits hat man frü­her dazu geneigt, jedem, der einen Magi­ster- oder Dok­tor­ti­tel spa­zie­ren­führt, gleich ein­mal einen Bonus im Mei­nen zu geben und den­sel­ben auch nicht die sau­be­re Argu­men­ta­ti­on abver­langt, die sie doch erlernt haben müssten…

      Die Wahr­heit indes ist erst mal etwas Logi­sches. Und sie ist nicht abhän­gig davon, wer sie aus­spricht, Titel hin Titel her.
      Aber in der FSSPX hat sich im Prin­zip ein Titel­we­sen eta­bliert, das unlau­ter ist: die Obe­ren, ange­fan­gen beim Ober­gu­ru Lef­eb­v­re, der aus ver­gol­de­tem Bil­der­rah­men auf das Werk blickt und für mehr als jedes ande­re Zeug­nis des Lehr­amts gehal­ten wird, als Richt­schnur im Cha­os und Kor­rek­tor des Papst­tums, wer­den wie Halb­göt­ter gehal­ten. Was sie reden, liegt exakt zwi­schen Gott und dem Papst; was sie urtei­len, wird jedem auf­ge­zwun­gen, auch jeder Kurs­wech­sel. Bis in die letz­ten Äußer­lich­kei­ten machen sie, wie in Sek­ten üblich, Vor­schrif­ten. Von Libe­ra­li­tät kei­ne Spur!

      Die Fra­ge nach der Wahr­heit und die nüch­ter­ne Bemer­kung, dass weder der seli­ge Erz­bi­schof noch sei­ne selbst­ge­weih­ten Bischö­fe und Prie­ster auch nur irgend­ei­ne Lehr­ge­walt und Auto­ri­tät anstel­le des Pap­stes haben, wird mit jeder Ban­da­ge tabuisiert.

      Wenn ich aller­dings die Vor­gän­ge in und um die FSSPX beob­ach­te, fra­ge ich mich inzwi­schen sel­ber, ob es eine ernst­haf­te „res“, um die es ging, je gab…
      War es alles nur viel Lärm um nichts, alles: das Kon­zil, die Refor­men, die FSSPX, der Kampf um die Liturgie?

      Wer war „stur“? Die, die unbe­dingt alles erneu­ern woll­ten und damit einen Scher­ben­hau­fen erzeugt haben, den nie­mand über­se­hen kann oder die Tradis?

      Viel­leicht bei­de? Aber jede Sei­te auf je eige­ne, wenn auch sym­me­tri­sche Wei­se zum Gegner?
      Liegt die Wahr­heit noch wo ganz anders?
      Letz­te­res ist das, was ich glaube.

      • Lie­be @Zeitschnur,

        // Die Fra­ge nach der Wahr­heit und die nüch­ter­ne Bemer­kung, dass weder der seli­ge Erz­bi­schof noch sei­ne selbst­ge­weih­ten Bischö­fe und Prie­ster auch nur irgend­ei­ne Lehr­ge­walt und Auto­ri­tät anstel­le des Pap­stes haben, wird mit jeder Ban­da­ge tabuisiert. //

        Ich fra­ge mich, wel­che Lehr­ge­walt und Auto­ri­tät WILL ein Papst noch haben, wenn er (also Paul VI) die Tia­ra frei­wil­lig — sicht­bar und öffent­lich — weg­legt. Und was bedeu­tet dies für die Suk­zes­si­on der Bischofs und Priesterweihen? 

        Vgl. Lukas 11,52: „Weh euch Geset­zes­leh­rern! Ihr habt den Schlüs­sel (der Tür) zur Erkennt­nis weg­ge­nom­men. Ihr selbst seid nicht hin­ein­ge­gan­gen und die, die hin­ein­ge­hen woll­ten, habt ihr dar­an gehindert.“

        Die Gesamt­si­tua­ti­on scheint zu sein: Die, die woll­ten dür­fen nicht, und die, die dürf­ten wol­len nicht.

      • Das trifft zu, was Sie beschreiben!

        Aber die Ord­nung der Kir­che ist nun mal die, dass nur ein Papst die­se Lehr­ge­walt haben kann.

        Was auch hier im Forum immer wie­der — m.E. durch­ein­an­der geht, ist die Fra­ge, ob und inwie­weit Prie­ster und Lai­en, die „Tra­di­ti­on“ wah­ren kön­nen, wenn der Papst und die Bischö­fe ausfallen.
        Man denkt dann an den Bischof Atha­na­si­us und die vie­len sprich­wört­li­chen „Müt­ter­chen“ (wel­cher Kir­chen­va­ter hat sie so aus­drück­lich erwähnt?), die den wah­ren Glau­ben auf­recht gehal­ten hätten.

        Nun hat­te weder Atha­na­si­us — ohne den Papst — Lehr­ge­walt, noch die Mütterchen.

        Was haben sie gemacht?

        Sie haben doch mehr oder weni­ger mit ihren Mög­lich­kei­ten und Mit­teln gezeugt für das, was ihnen der Hl. Geist als wah­ren Glau­ben im Her­zen leben­dig hielt — das war dann mal „intel­lek­tu­el­ler“, mal weni­ger „intel­lek­tu­ell“ oder mehr bloß „fromm“ (was aber genau­so wich­tig ist!).

        Damals, als Jesus den von Ihnen zitier­ten Satz sag­te und die Hohen­prie­ster und Theo­lo­gen total ver­sag­ten, war ER da, Er wan­del­te mit­ten unter den klei­nen Müt­ter­chen und Atha­na­si­ussen und gab den Weg, Er WAR der Weg und DIE Auto­ri­tät schlechthin.

        Was stel­len Sie sich vor, das wür­de mich inter­es­sie­ren — wie ER uns heu­te sein könn­te, mit der­sel­ben Autorität?
        Ich per­sön­lich den­ke, dass es das Unbe­fleck­te Herz Mari­ens ist, aber viel­leicht haben Sie ja noch ande­re inter­es­san­te Ideen?

        Die Bru­der­schaft kann allen­falls — um im Ver­gleich mit dem 4. Jh zu blei­ben — das „Müt­ter­chen“ oder ein „Atha­na­si­us“ sein, bei­de zwar als wich­ti­ge Zeu­gen, aber, wie gesagt, ohne Lehrgewalt.

      • Lie­be @Zeitschnur,

        ich bin — aus eige­ner Erfah­rung — über­zeugt, dass das Rosen­kranz­ge­bet unend­lich vie­le Gna­den erwir­ken kann; und bin oft­mals pein­lich berührt, wie weit ent­fernt ich von SEINEM Wort bin „betet ohne Unter­lass“; und wie schwer (zumal in die­sen Zei­ten) es bei aller Zer­streu­ung und Ablen­kung gewor­den ist, mit unge­teil­tem Her­zen und Gedan­ken wirk­lich bei IHM zu sein und zu erfah­ren wie leicht die Last unter SEINEN Joch ist. Oder wie der hl. Bern­hard es wun­der­schön for­mu­lier­te: „Tran­quil­lus Deus tran­quil­lat omnia, et quie­tum aspie­ce­re, quie­sce­re est“.
        Inso­fern ist die Mah­nung von Fati­ma, täg­lich den Rosen­kranz zu beten (am besten alle Geheim­nis­se!) ein bedeu­ten­des, äußerst wirk­sa­mes und viel­leicht — das PRIVATESTE – Hilfs­mit­tel zum Heil. Sich mit Maria, der rein­sten Mon­stranz, die Gott für sei­nen Sohn erwähl­te, sich im Gebet zu ver­ei­nen („… zei­ge uns Jesus, die gebe­ne­dei­te Frucht dei­nes Lei­bes“) wird uns auf den rich­ti­gen Weg führen.

        „Wo zwei oder drei in mei­nem Namen bei­sam­men sin­d…“ ist ER bei uns, sowohl im Gebet als auch wie in Emma­us in der Eucha­ri­stie. Die wahr­haf­ti­ge und sicht­ba­re Gegen­wart Chri­sti im hl. Brot hat im Gegen­satz zum Gebet eine grö­ße­re Dimen­si­on, es ver­schafft uns die Mög­lich­keit, Anteil an IHM zu erhal­ten („Wenn ihr das Fleisch des Men­schen­soh­nes nicht esst und sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewi­ge Leben, und ich wer­de ihn auf­er­wecken am Letz­ten Tag“. (Joh. 6,53f.) Es ist sei­ne Zusa­ge: „Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt“ (Mt. 28,20). Ohne IHN wäre nur Fin­ster­nis, Cha­os, kei­ne Ord­nung, die Welt am Ende!

        Was nun die Auto­ri­tät betrifft, so liegt es doch in den Hän­den der Prie­ster, IHN zu ver­ge­gen­wär­ti­gen, in der Wan­dung — solan­ge Wand­lungs­wor­te und Prie­ster­wil­le voll­zo­gen wer­den. Bezüg­lich der päpst­li­chen Auto­ri­tät zu Hei­li­gen, Len­ken und Leh­ren, die mit den drei kro­nen­krän­zen der Tia­ra sym­bo­li­siert wer­den, ist das Wei­he­amt hin­sicht­lich des hl. Mess­op­fers am bedeu­tend­sten und hin­sicht­lich sei­ner Nicht­aus­übung wohl am tra­gisch­sten. Der Kro­nen­kranz des Lehr­am­tes wur­de längst schon mit dem VKII begra­ben als die Leh­re durch die Pasto­ral ver­drängt wur­de- mit allen Fol­gen für den zwei­ten Kranz, der Juris­dik­ti­on, die mit Ein­füh­rung des NOM und Hand­kom­mu­ni­on gera­de­zu per­ver­tier­te Blü­ten trieb und treibt (vgl. auch Exkom­mu­ni­ka­ti­on von SE. Leve­bre, Visi­ta­tio­nen …). Die regu­la fidei pro­xi­ma ist daher m.E. bereits abge­schafft oder jeden­falls aller Kraft beraubt – die regu­la fidei remo­ta umso wich­ti­ger (hier dürf­te wohl Psalm 74,9 zutreffen).
        Die gro­ße Fra­ge ist für mich also das Wei­he­amt, weil damit die Real­prä­senz und über­haupt die Spen­dung der Sakra­men­te, mit­hin das Heil der See­len, hän­gen. Viel­leicht liegt wirk­lich, wenn der Papst den Kro­nen­kranz des Wei­he­am­tes nicht aus­üben will, alles an der Suk­zes­si­on der Bischofs­wei­hen vor 1963/64. (Fort­set­zung folgt)

      • Fort­set­zung:

        Die gro­ße Fra­ge ist für mich also das Wei­he­amt, weil damit die Real­prä­senz und über­haupt die Spen­dung der Sakra­men­te, mit­hin das Heil der See­len, hän­gen. Viel­leicht liegt wirk­lich, wenn der Papst den Kro­nen­kranz des Wei­he­am­tes nicht aus­üben will, alles an der Suk­zes­si­on der Bischofs­wei­hen vor 1963/64. Denn ich glau­be nicht, dass das hl. Mess­op­fer, wie es im Buch Dani­el pro­phe­zeit wur­de, schon abge­schafft wor­den ist. Das muss erst noch gesche­hen. Dann wird es aber sehr hart wer­den – ohne SEINE rea­le Prä­senz, ohne Sakra­men­te – die 1335 Tage aus­zu­hal­ten. Ich gebe zu, dass mich dies zuneh­mend nach­denk­lich und ner­vös macht: die Sor­ge, nicht abzu­fal­len, denn die Tür ist sehr, sehr klein …
        Es scheint zu sein wie es bei Hese­kiel 22,26 heißt: „Und sie wer­den von Pro­phe­ten Gesich­te suchen; aber das Gesetz wird dem Prie­ster ent­schwin­den und den Älte­sten der Rat.“ Auch ich klei­ner, theo­lo­gisch Unbe­darf­ter zu nichts legi­ti­mier­ter habe kei­nen Rat.

        Noch ein Wort zum NOM: m.E. ist (Wand­lungs­wor­te und Prie­ster­wil­len vor­aus­ge­setzt) auch dort der HERR real­prä­sent gegen­wär­tig, aber weni­ger wirk­sam, weil die Rich­tung (ad Deum) dort nicht stimmt und meist die nöti­ge tran­qui­li­tas fehlt, um mit dem Her­zen bei ihm zu sein – sur­sum cor­da wohin? Aus dem Kreis der Sünd­haf­tig­keit aus­zu­bre­chen ist im NOM um ein viel­fa­ches schwerer.

      • Noch ein Nach­trag zu @zeitschnur:
        Es wird wohl viel dar­auf ankom­men, sich die­se tran­qui­li­tas, von der der hl. Bern­hard schreibt, zu bewah­ren und durch Gebet und Buß­übun­gen die Bezie­hung mit dem Her­ren im Her­zen gegen­wär­tig zu hal­ten. — Um vor dem Abfall vom Glau­ben, der kom­men wird (wie es in der Epi­stel zum 4. Advent­sonn­tag bei Pau­lus an die Thes­sa­lo­ni­ker zu hören war) gut gerü­stet zu sein.
        Wenn aber das Mess­op­fer fällt, bleibt uns wohl tat­säch­lich nur die Zuflucht zum unbe­fleck­ten Her­zen Mariens.

    • Auch mich wür­de inter­es­sie­ren, wer­ter @K., was Sie unter „kru­den tra­di­tio­na­li­sti­schen Ansich­ten und Glau­bens­über­zeu­gun­gen“ verstehen…

      („Glau­bens­tech­nisch“: ein kru­der Begriff, nebenbei.)

  15. Die knien­de Mund­kom­u­ni­on ent­spricht bes­ser der eucha­ri­sti­schen Spi­ri­tua­li­tät. Die sogenn­an­te alte Mes­se untestreicht den Opfer­cha­rak­ter des Mess­op­fers. Die neu­en For­men sind aber auch legi­tim, weil sie von einer legi­ti­men Auto­ri­tät kom­men. Eine apo­dik­ti­sche Ableh­nung kommt der Ableh­nung der von Jesus ein­ge­setz­ten Auto­ri­tät gleich. Als Katho­lik kann man frei­mü­tig die eine oder ande­re Form bevor­zu­gen, ohne die ande­re zu ver­dam­men. Auch die neu­en For­men haben ihre Geset­ze und Rubri­ken, wel­che aber des öfte­ren miss­ach­tet wer­den, und so kommt es zu Ver­ze­run­gen des neu­en Ritus, wel­che aber nicht dem Ritus als sol­chem ange­la­stet kön­nen, son­dern dem Leicht­sinn und dem Unge­hor­sam jener wel­che die Fehl­hal­tun­gen verüben.

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