Kardinal Schönborn macht Diskussion um Gültigkeit der Wahl von Papst Franziskus salonfähig und rückt Ehe-Verteidiger in die Nähe Putins

Kardinal Christoph Schönborn und das Gradualitätsprinzip
Kar­di­nal Chri­stoph Schön­born und das „Gra­dua­li­täts­prin­zip“

(Wien) Wiens Erz­bi­schof, Chri­stoph Kar­di­nal Schön­born, läßt in Sachen „neue Barm­her­zig­keit“ nicht locker. „Öff­nun­gen“ für wie­der­ver­hei­ra­tet Geschie­de­ne sei­en umzu­set­zen, andern­falls ver­hal­te sich die Kir­che wie der älte­re Bru­der des „ver­lo­re­nen Soh­nes“. Schön­borns Emp­feh­lung ist die Anwen­dung des „Gra­dua­li­täts­prin­zips“ auf die Patch­work-Fami­li­en. Gleich­zei­tig nimmt er als erster Papst­wäh­ler zu Zwei­feln Stel­lung, ob die Wahl von Papst Fran­zis­kus gül­tig ist und macht damit die Fra­ge zum offi­zi­ell dis­ku­tier­ba­ren The­ma.

Sei­ne Aus­füh­rung zum The­ma beginnt der Kar­di­nal mit einer Kri­tik an den gläu­bi­gen Katho­li­ken. Ein Ver­hal­ten, das durch ver­gleich­ba­re Äuße­run­gen von Papst Fran­zis­kus in Mode gekom­men scheint. Funk­tio­nal dient die Kri­tik, prä­ven­tiv die Gegen­sei­te mit der Moral­keu­le zu „beschen­ken“ und in die Defen­si­ve zu drän­gen. „Die guten Katho­li­ken erin­nern mich manch­mal an den älte­ren Bru­der“, des ver­lo­re­nen Soh­nes, der „ent­täuscht ist und sich nicht belohnt fühlt für sei­ne Loya­li­tät. Die Ant­wort des Vaters ist einer der schön­sten Sät­ze des neu­en Testa­ments: ‚Du bist immer bei mir und alles was mir gehört, gehört auch dir‘.“

Moralische Präventivanklage gegen Verteidiger des Ehesakraments

Die von Kar­di­nal Schön­born vor­ge­nom­me­ne Rol­len­ver­tei­lung ist damit klar abge­steckt. Die Fra­ge ist nur: Was hat das Gleich­nis vom ver­lo­re­nen Sohn mit der Kom­mu­ni­on für die wie­der­ver­hei­ra­tet Geschie­de­ne zu tun?

Jüngst ver­öf­fent­lich­te die Her­der Kor­re­spon­denz (68 (2014), Heft 12) ein Inter­view mit Wiens Erz­bi­schof. Mit dem Gleich­nis vom ver­lo­re­nen Sohn zieht der Kar­di­nal eine Par­al­le­le zur Bischofs­syn­ode über die Fami­lie und beson­ders zu den Beden­ken ande­rer Syn­oden­vä­ter, daß Katho­li­ken, die treu in „regu­lä­ren Ehe­si­tua­tio­nen“ leben, sich zurück­ge­setzt füh­len könn­ten gegen­über Katho­li­ken, die in „irre­gu­lä­ren Ehe­si­tua­tio­nen“ leben. Die Unter­schei­dung „regu­lä­rer“ und „irre­gu­lä­rer“ Ehe­si­tua­tio­nen und Fami­li­en wur­de von Kar­di­nal Schön­born gebraucht.

Auch in die­sem Fall stellt sich die Fra­ge: Ist das der ent­schei­den­de Gegen­satz oder wird der Blick auf einen rein mensch­li­chen Neben­schau­platz gelenkt?

Den „regu­lä­ren“ Fami­li­en möch­te der Kar­di­nal „sagen“, daß sie glück­lich und dank­bar sein soll­ten, Zeu­gen sein zu dür­fen, daß Ehen gelin­gen kön­nen, aber auch über jene jubeln und die­se zu Hau­se will­kom­men hei­ßen sol­len, die die­ses Ide­al nicht errei­chen. Erstaunt reibt sich der Katho­lik die Augen. Das spe­zi­fisch Katho­li­sche ist dem­nach nur ein Ide­al, auf einer Stu­fe mit jener ande­ren, nicht katho­li­schen Lebens­form, die eben­so beju­belt wer­den soll. Zumin­dest der „mün­di­ge Christ“ hat ver­stan­den. Alles ist erlaubt. Idea­le sind schön und gut, aber letzt­lich kaum erreich­bar, wie man ohne­hin längst wuß­te. Die Kir­che habe den Men­schen zwei­tau­send Jah­ren mit uner­füll­ba­ren For­de­run­gen ein uner­träg­li­ches „Joch“ auf­er­legt.

Das „Gradualitätsprinzip“

Kar­di­nal Schön­born geht in dem vor weni­gen Tagen erschie­ne­nen Inter­view noch wei­ter. Er „staunt“ über die Reak­ti­on eini­ger Mit­brü­der bei der Syn­ode und deren „Befürch­tun­gen“ als Reak­ti­on auf sei­nen Vor­schlag, die „posi­ti­ven Ele­men­te“ in irre­gu­lä­ren Bezie­hun­gen anzu­er­ken­nen. Als Grund­la­ge der Aner­ken­nung nennt der Kar­di­nal das „Gra­dua­li­täts­prin­zip“, das er auf der Bischofs­syn­ode im ver­gan­ge­nen Okto­ber unter­brei­te­te. Das „Gra­dua­li­täts­prin­zip“ dien­te der Unter­stüt­zung des Kas­per-Vor­schlags, geht aber weit dar­über hin­aus. Es ist von einer Radi­ka­li­tät, die das gesam­te Kir­chen­ver­ständ­nis, die Glau­bens­leh­re und die kirch­li­che Ord­nung spren­gen könn­te. Schön­born möch­te das von ihm vor­ge­schla­ge­ne Prin­zip auf alle Sakra­men­te ange­wandt sehen.

Denn, so die Begrün­dung des Erz­bi­schofs, auch irre­gu­lä­re Bezie­hun­gen kön­nen auf dem Weg der Ehe sein. Die­se Aner­ken­nung impli­zie­re zwar nicht ein theo­re­ti­sches Gut­hei­ßen die­ser Lebens­for­men, prak­tisch läuft es unwei­ger­lich dar­auf hin­aus, denn was ande­res soll­te es sein, wenn man sich darüber„freuen“ und vor­be­halt­los „will­kom­men­hei­ßen“ soll. Das „Gra­dua­li­täts­prin­zip“ hat nur mehr wenig mit dem soli­den katho­li­schen Grund­satz gemein­sam, mil­de gegen­über dem Sün­der, aber ent­schlos­sen gegen die Sün­de zu sein. Letz­te­rer Teil fie­le still­schwei­gend unter den Tisch. Ever­y­body’s Darling scheint die Mar­ke­ting­stra­te­gie der „neu­en Barm­her­zig­keit“ zu lau­ten und nach (kurz­le­bi­gem) Applaus zu gie­ren.

Gegenspieler in Nähe Putins gerückt

Kar­di­nal Schön­born holt dann zu einem per­fi­den Schlag aus. Er rückt die Ver­tei­di­ger der Glau­bens­wahr­heit in die Nähe von Ruß­lands Prä­si­den­ten Wla­di­mir Putin. Die­ser wird seit Mona­ten vom west­li­chen Estab­lish­ment in Pro­pa­gan­da­kam­pa­gnen belie­big als „ultrare­ak­tio­när“, „faschi­stisch“, „men­schen­ver­ach­tend“, „dik­ta­to­risch“ beschimpft. Für den Durch­schnitts­bür­ger ist es schwer, sich dem Pro­pa­gan­da­sog zu ent­zie­hen und sich zwi­schen Pro­pa­gan­da und Gegen­pro­pa­gan­da ein kri­ti­sches Urteils­ver­mö­gen zu bewah­ren.

Und was sag­te Schön­born? Eini­ge ande­re Kar­di­nä­le, so der Kar­di­nal, hät­ten sich posi­tiv über Putins Ver­tei­di­gung der Fami­lie geäu­ßert, das sei „sehr besorg­nis­er­re­gend“. Schön­borns (und Kas­pers) Kri­ti­ker, schlim­mer noch, die Ver­tei­di­ger der Recht­gläu­big­keit wer­den in ein von der vor­herr­schen­den Mei­nung als unver­tret­bar und inak­zep­ta­bel dar­ge­stell­tes Eck gedrängt. Ange­sichts sol­cher Grenz­wer­tig­keit, so die impli­zit sug­ge­rier­te Bot­schaft, müs­se man sich erst gar nicht mit deren Argu­men­ten, Ein­wän­den, Beden­ken aus­ein­an­der­set­zen.

Schönborn ortet „Versuchung einer mächtigen Kirche wie in den 30er Jahren“

Wiens Erz­bi­schof prä­sen­tiert sich selbst als cou­ra­gier­ten Kir­chen­mann, der der „Putin-Ver­su­chung“ wider­ste­he. Es gebe näm­lich, so Schön­born, der­zeit die „Ver­su­chung“. von einer „mäch­ti­gen Kir­che“ und einem „poli­ti­schen Katho­li­zis­mus zu träu­men“, der die Men­schen wie in den 30er Jah­ren beein­drucken kön­ne. Der Katho­lik reibt sich sprach­los die Augen und fragt sich, ob er und Kar­di­nal Schön­born schon die­sel­be Kir­che mei­nen und im glei­chen Jahr­hun­dert leben. Neben Putin kom­men auch noch die 30er Jah­re ins Spiel. Mehr „gefühl­ten“ Vor­wurf an Dik­ta­tur, Tota­li­ta­ris­mus, Vor­ur­tei­len, Ver­ur­tei­lens­wer­tem ist in der domi­nan­ten Sprach­re­ge­lung des Westens kaum mehr mög­lich.

Schönborn macht Diskussion über Gültigkeit der Wahl von Papst Franziskus diskutabel

Span­nen­der, ja fast dra­ma­tisch ist, daß Kar­di­nal Schön­born die Fra­ge der Gül­tig­keit der Wahl von Papst Fran­zis­kus auf­greift und damit als erster Kar­di­nal und Papst­wäh­ler offi­zi­ell the­ma­ti­siert. Bis­her wur­den Zwei­fel im katho­li­schen Samis­dat geäu­ßert. Mit Büchern von Anto­nio Soc­ci und Austen Ive­r­eigh wur­den sie offen aus­ge­spro­chen oder zumin­dest unab­sicht­lich geför­dert. Auf offi­zi­el­ler Kir­chen­ebe­ne wur­de die Fra­ge jedoch igno­riert. Bis jetzt.

Schön­born hält Zwei­fel an der Gül­tig­keit der Wahl zwar für bedau­er­lich, mach­te sie damit jedoch salon­fä­hig. Am Ende der Bischofs­syn­ode habe er Papst Fran­zis­kus gefragt, ob die Kon­tro­ver­sen nicht zu inten­siv gewor­den sei­en. Fran­zis­kus habe jedoch geant­wor­tet, auf Gott zu ver­trau­en: „Es ist der Herr, der die Kir­che führt und auch durch die­se Kon­tro­ver­sen füh­ren wird“.

Kirche müsse eigene Überzeugung verteidigen ohne sich zum Richter aufzuschwingen

In einem wei­te­ren Inter­view mit den Vor­arl­ber­ger Nach­rich­ten und der Tiro­ler Tages­zei­tung, das am 14. Dezem­ber ver­öf­fent­licht wur­de, erklär­te Kar­di­nal Schön­born, daß die Kir­che in der plu­ra­li­sti­schen Gesell­schaft „die eige­nen Über­zeu­gun­gen ver­tei­di­gen und leben“ müs­se, ohne sich zum Rich­ter auf­zu­schwin­gen. Das gel­te auch zur Abtrei­bungs­fra­ge mit ihrem lega­len Mas­sen­mord an unge­bo­re­nen Kin­dern.

Denn, so der Kar­di­nal als Emp­feh­lung an alle Syn­oden­vä­ter, die sich im Okto­ber 2015 zur ordent­li­chen Bischofs­syn­ode über die Fami­lie ver­sam­meln wer­den: Bevor man urtei­le, müs­se man die Lebens­rea­li­tät wahr­neh­men.

Die Patch­work-Fami­li­en wür­den nicht „zum Spaß“ ent­ste­hen, son­dern weil es Schwie­rig­kei­ten wirt­schaft­li­cher oder geist­li­cher Art gebe oder in der Bezie­hung. Er selbst kom­me aus einer Patch­work-Fami­lie, weil sich sei­ne Eltern schei­den lie­ßen. Es gebe aber auch in die­sen „viel Glau­ben und Groß­zü­gig­keit“, aber natür­lich auch vie­le Wun­den. Aber für Gott sei kein Sturz ohne Hoff­nung. Die auf der Ehe gegrün­de­te Fami­lie blei­be wei­ter­hin die Grund­zel­le der Gesell­schaft und das beste und sicher­ste Netz in Kri­sen­mo­men­ten.

Bleibt abschlie­ßend noch die Fra­ge an den Kar­di­nal, wer die­se „Grund­zel­le der Gesell­schaft“ aber noch ver­tei­di­gen soll, wenn die Kir­che es nicht mehr tut, son­dern im „Gra­dua­li­täts­prin­zip“ Abschied davon nimmt.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: CR

 

23 Kommentare

  1. Gra­dua­li­täts­prin­zip
    gelingt nicht immer, aber man ist auf einem guten Weg, man freut sich und heißt vor­be­halt­los will­kom­men:
    — Zöli­bat (Prie­ster mit Frau­en, Sexu­al­kon­tak­ten wel­cher Art auch immer?)
    — Mör­der (beson­ders, wenn die Opfer schnell ster­ben und nicht gefol­tert wer­den?),
    — Poli­ti­ker (arbeit­sam für ame­ri­ka­ni­sche Groß­kon­zer­ne und gegen das Volk?)
    — Gen­de­ri­sten ( als Leh­rer, die Kin­der miss­brau­chen und mani­pu­lie­ren?)
    Bei sol­chen, von anti-katho­li­schen Medi­en beju­bel­ten Hir­ten gibt es schon die Kir­chen­spal­tung. Jetzt ist mir auch ver­ständ­lich, wes­halb die Kir­che nur noch mit sich und ihrer Ände­rung beschäf­tigt ist und sich für die Gläu­bi­gen nicht mehr ein­setzt.
    Die Poli­tik und die die dahin­ter die „Strip­pen zie­hen“ wol­len Satans „neue Welt­ord­nung“ und in der katho­li­schen Kir­che gibt es lei­der auch „Strip­pen­zie­her“, die dazu pas­send die sata­ni­sche Ein­heits­re­li­gi­on für alle ein­füh­ren wol­len.
    Der Herr wird aber weder den Men­schen, noch die Schöp­fung noch Sei­ne Hl. katho­li­sche Kir­che ganz zer­stö­ren las­sen, Er wird bald wie­der­kom­men.

  2. Das Inter­view von Kar­di­nal Schön­born zu Fra­gen des katho­li­schen Glau­bens und des Ehe­sa­kra-
    men­tes bestä­ti­gen ein­mal mehr, das die­ser Kar­di­nal, wie vie­le sei­ner Mit­brü­der, schon längst nicht
    mehr auf katho­li­schem Boden ste­hen. Wor­um es lang­fri­stig geht ist, die Abschaf­fung der Sakra-
    men­te ins­ge­samt, wie im Pro­te­stan­tis­mus. Die­se Leu­te wol­len eine ande­re Kir­che, weg von Rom
    und der katho­li­schen Glau­bens­leh­re. Par­al­lel dazu, schielt man auch auf die von der Kir­che gelehr-
    ten Dog­men. Was ist das Ziel ? Eine wie immer gear­te­te Leh­re die den Ohren schmei­chelt ( Pau -
    lus ). Das was als Sün­de gilt, soll rela­ti­viert wer­den. Eine schein­ba­re Barm­her­zig­keit ( Fran­zis -
    kus ) soll einer Frei­heit des Chri­sten­men­schen ( Luther ) wei­chen. Einer Frei­heit die in Will­kür aus-
    artet, wie sie zum Teil schon heu­te besteht. Moral und was damit zusam­men hängt, wie das Natur-
    recht, wird neu for­mu­liert. Die­se Art von Kar­di­nä­len die­nen nicht der Kir­che, sie suchen ihr Heil in
    einer Aner­ken­nung und erre­gen Auf­se­hen, mit dem End­ziel einer Kar­rie­re. Ein­her geht, dass die
    Got­tes­furcht nicht mehr vor­han­den zu sein scheint, gepaart mit einem schwa­chen Glau­ben. Was
    wird wer­den ? Nach Rom zu schau­en ist zur Zeit zweck­los. Also bleibt nur das Gebet.

    Hei­li­ge Mut­ter Maria, hilf unse­rer hei­li­gen Kir­che Got­tes !

    • Kar­di­nal Schön­born kennt es sicher­lich. Lei­der scheint das Kir­chen­recht ver­gli­chen mit einer Stra­ßen­land­schaft vol­ler Ver­bots­schil­der, Abschran­kun­gen und Ein­bahn­stra­ßen zu sein. Ähn­lich wie Kar­di­nal Kas­per ver­sucht er sich da durch­zu­win­den und fährt dabei dreist über den Acker…
      Auf dem Acker ste­hen mög­li­cher­wei­se auch Pol­ler, unbe­leuch­te­te…

  3. Vor zwei­ein­halb Jah­ren gab die Wet­ter­fah­ne fol­gen­des von sich, man kann es nach­le­sen:
    Nach der Auf­re­gung um die Wein­viert­ler Pfar­re Stüt­zen­ho­fen hat der Wie­ner Erz­bi­schof Kar­di­nal Chri­stoph Schön­born bekräf­tigt, dass die Kir­che ihre Hal­tung gegen­über Homo­se­xu­el­len nicht ände­re. Die Pfar­rer müss­ten sich dabei streng an die Leh­ren der Kir­che hal­ten: „Wir sind über­zeugt, dass die­se Leh­ren zum Glück füh­ren. Wir müs­sen jedem hel­fen, ein Leben zu füh­ren, das die­sen Leh­ren ent­spricht. Ein Weg der Bekeh­rung ist not­wen­dig“, sag­te Schön­born am Don­ners­tag der ita­lie­ni­schen Tages­zei­tung „La Stam­pa“.
    […]
    Wir dür­fen gewis­se Situa­tio­nen nicht recht­fer­ti­gen, son­dern eine Ände­rung for­dern. Als Hir­te habe ich in die­ser beson­de­ren Situa­ti­on fest­ge­stellt, dass es Bewe­gung gab. Die Posi­ti­on der Kir­che gegen­über die­sen The­men hat sich nicht geän­dert, und es han­delt sich nicht um einen Prä­ze­denz­fall. Es ist nur ein beson­de­rer Fall, wie es vie­le gibt. Die Kir­che hat stets Barm­her­zig­keit den Sün­dern gegen­über gezeigt — und wir sind alle Sün­der.“
    […]
    „Ein Weg der Bekeh­rung ist not­wen­dig: Das gilt sowohl für wie­der­ver­hei­ra­te­te Geschie­de­ne, als auch für die­je­ni­gen, die in homo­se­xu­el­len Bezie­hun­gen leben [empha­sis mine]. Man muss ihnen hel­fen ein­zu­se­hen, dass dies nicht der Plan Got­tes ist. Wenn sie unfä­hig sind, den Leh­ren der Kir­che zu fol­gen, sol­len sie das mit Demut ein­se­hen, Gott um Hil­fe bit­ten, beich­ten und ver­su­chen, nicht mehr zu sün­di­gen. Wir kön­nen Got­tes Plan nicht ändern. Wir kön­nen uns aber dar­an erin­nern, dass Gott mit unse­ren Sün­den end­los barm­her­zig ist.“
    Kro­nen­zei­tung, 17.05.2012
    Die Wet­ter­fah­ne läuft Gefahr, dass ihr die Dreh­ach­se zu heiß wird.

  4. V e r g e b l i c h

    Schon recht. Du willst als Phi­lo­soph
    Die Wahr­heit dir gewin­nen;
    Du machst mit Wor­ten ihr den Hof,
    Um so sie ein­zu­spin­nen.

    Nur sage nicht, daß zwi­schen dir
    Und ihr schon alles rich­tig.
    Sie ist und bleibt, das wis­sen wir,
    Jung­fräu­lich, keusch und züch­tig.

    ( Wil­helm Busch, pro­te­stan­tisch )

  5. Was die angeb­li­che Fra­ge nach der Gül­tig­keit der Wahl angeht, hat unser verrehr­te Papst eme­ri­tus bereits ein­deu­tig Stel­lung bezo­gen, Kar­di­nal Schönbprn war also nicht der erste:
    http://www.faz.net/aktuell/politik/portraets-personalien/ohne-die-last-seines-amtes-vater-benedikt-im-gespraech-13306544.html

    Wenn ich die­sen Arti­kel zudem recht lese, haben eini­ge Bischö­fe in der Syn­ode den Ver­gleich mit Putin gesucht, nicht der Wie­ner Kar­di­nal, der die­sen Ver­gleich nur auf­greift.

    Was die Gra­dua­li­tät angeht: das ist bei wei­tem nichts Neu­es, fin­det sich z.b. in Fami­lia­ris Con­sor­tio von Johan­nes Paul II: http://www.vatican.va/holy_father/john_paul_ii/apost_exhortations/documents/hf_jp-ii_exh_19811122_familiaris-consortio_ge.html (Num­mern 9 und 34). Ich den­ke Kar­di­nal Schön­born wird mit der Unter­schei­dung der Gra­dua­li­tät des Gesetz­tes und Gesetz der Gra­dua­li­tät voll­stän­dig über­ein­stim­men.

    • @Alfons Bau­er

      zu dem FAZ-Arti­kel:

      Der FAZ glau­be ich gar nichts mehr und schon gar nicht die­sem Jörg Bre­mer. Er war ver­ant­wort­lich für den fol­gen­den Bericht vom 19.10.2013 über Bischof Tebartz-van Elst, der eine Rüge des Deut­schen Pres­se­ra­tes zur Fol­ge hat­te.

      http://www.faz.net/aktuell/politik/limburger-bischof-warten-auf-franziskus-12624882-p2.html

      Die Rüge unter die­sem Text lau­tet:

      Wegen die­ser Bericht­erstat­tung hat der Deut­sche Pres­se­rat am 11. März 2014 eine Rüge aus­ge­spro­chen. Der mitt­ler­wei­le berei­nig­te Arti­kel hat­te den Ver­dacht einer psy­chi­schen Krank­heit von Bischof Tebartz-van Elst, zu der sich angeb­lich der Bru­der des Bischofs ein­ge­las­sen hat­te, ver­brei­tet.
      Der Beschwer­de­aus­schuss kam zu der Über­zeu­gung, dass ein Ver­stoß gegen Zif­fer 8, Richt­li­nie 8.6 und gegen Zif­fer 2 des Pres­se­ko­dex vor­lie­ge. Obwohl der Arti­kel bereits vor der Ent­schei­dung ent­fernt wur­de, kam der Aus­schuss zu dem Ergeb­nis, eine Rüge aus­zu­spre­chen.
      Der Pres­se­rat ist zwar der Auf­fas­sung, dass von öffent­li­chem Inter­es­se sei, ob der umstrit­te­ne Bischof unter Beru­fung auf eine Krank­heit abbe­ru­fen wer­den kön­ne. Nicht von öffent­li­chem Inter­es­se sei hin­ge­gen die Art der Erkran­kung und die genaue Dia­gno­se. Die­se habe nicht ohne Ein­ho­lung einer Stel­lung­nah­me ver­öf­fent­licht wer­den dür­fen.
      —–

      Wiki­pe­dia: Jörg Bre­mer ist evan­ge­li­scher Christ und gehört dem Johan­ni­ter-Orden an. Außer­dem ist er Mit­glied im Lions-Club Han­no­ver.

      • soll­te sich der Frei­mau­rer Bre­mer nicht um sei­nen eigen Laden (prot. Kir­che) küm­mern-gera­de im Hin­blick auf das unse­li­ge Revo­lu­ti­ons­ju­bi­lä­um 2017?

    • Selbst­ver­ständ­lich ist Fami­lia­ris Con­sor­tio von Johan­nes Paul II etwas Neu­es.
      Ich ste­he zuneh­mend unter dem Ein­druck, daß die neo­ka­tho­li­schen Moder­ni­sten aus ihrem Morast nicht her­aus­kom­men und ihre viel­be­schwo­re­ne Offen­heit doch nur beschränkt auf den eige­nen Hori­zont ist.

    • „Es bedarf einer fort­ge­setz­ten, stän­di­gen Bekeh­rung, die, obwohl sie die inne­re Los­lö­sung von allem Bösen und die Annah­me des Guten in sei­ner Fül­le erfor­dert, sich kon­kret in Schrit­ten voll­zieht, in einem dyna­mi­schen Pro­zeß von Stu­fe zu Stu­fe…“ (FC 9)

      Will Schön­born wirk­lich, dass die z.B. Wie­der­ver­hei­ra­te­ten einen kon­kre­ten Schritt vor­zie­hen in der Rich­tung der inne­ren Los­lö­sung von allem Bösen und der Annah­me des Guten in sei­ner Fül­le?

      Das glau­be ich nicht. Er miss­ver­steht völ­lig die Gra­dua­li­tät, die eine Gra­dua­li­tät der Bekeh­rung sein soll, und nicht eine Suche nach dem Guten in der Sün­de.

  6. Es waren die Prie­ster die Jesus ermor­det haben, nicht Hero­des und nicht Pila­tus.
    Die Prie­ster.
    Also: nix neu­es im Land.
    @Alfredus: fast voll­stän­dig mei­ne Zustim­mung, ich fürch­te nur, dass wir nicht Rich­tung Pro­te­stan­tis­mus gelei­tet wer­den sol­len.
    Die dick­sten Kum­pel sind doch der­zeit die aus Rich­tung Mek­ka, oder? Per­sön­lich schei­ne ich der­zeit ganz­kör­pero­phob zu sein.
    Homo­phob, Isla­mo­phob, Fran­zis­kus­o­phob, Schön­bor­no­phob, Kas­pero­phob und jeder ver­sucht mir ein­zu­re­den das ich falsch den­ke.
    Mir kom­men also täg­lich 1000 Gei­ster­fah­rer entgegen…zwinker 😉
    Ganz schön blöd.

  7. Völ­lig unklar ist, war­um die Macht­ha­ber im Vati­kan die poten­zi­el­len Syn­oden­vä­ter mit sol­chen Appel­len bear­bei­ten, anstatt den Franz ein­fach machen zu las­sen. Der hat doch als Super­du­per-Papst die Voll­macht, die kirch­li­che Dis­zi­plin zu ändern. Soll der Franz doch allei­ne ent­schei­den, was Chri­stus von Sei­ner Kir­che erwar­tet. Die­se Bet­te­lei um Unter­stüt­zung der Bischö­fen ist ein­fach nur erz­pein­lich.

  8. Hier dürf­te das Zitat von Ales­san­dro Gnoc­chi und Mario Palma­ro durch­aus pas­sen; es ist:
    -
    „.…nicht mehr die Welt, die im Licht des Evan­ge­li­ums geformt wird, son­dern das Evan­ge­li­um defor­miert im Licht der Welt und der moder­nen Kul­tur. “
    -

  9. „Kar­di­nal Schön­born holt dann zu einem per­fi­den Schlag aus. Er rückt die Ver­tei­di­ger der Glau­bens­wahr­heit in die Nähe von Ruß­lands Prä­si­den­ten Wla­di­mir Putin.“

    Ich fühl mich in der Nähe Putins sau­wohl.

    • Bra­vo! So geht s mir auch. Jeder,. der vom Gra­fen von Schön­born in die Nähe Putins gerückt wird, darf dies als Rit­ter­schlag neh­men. Und der Herr Graf hat sich schon lan­ge als ernst­zu­neh­men­der Bischof ins Abseits gestellt. Es lebe das Hei­li­ge Russ­land!

      • Ich ver­ste­he nicht, wie­so vie­le mei­ner „Mit­kon­ser­va­ti­ven“ sich so für Putin ein­set­zen, der zum einen nicht katho­lisch (wie Oba­ma) und zum ande­ren in ein Russ­land zur Zeit des Kom­mu­nis­mus ver­narrt ist. Und wenn es was unchrist­li­ches, ja sogar anti­ka­tho­li­sches in Russ­land gibt, dann sind es die Spu­ren von Kom­mu­nis­mus!

  10. Das Gute bei Putin ver­wirft Schön­born, das Gute bei ehe­bre­che­ri­schen Ver­hält­nis­sen will er aber aus­drück­lich und offi­zi­ell wür­di­gen und will­kom­men hei­ßen. Von Prin­zi­pi­en läßt sich die­ser Mann wahr­lich nicht lei­ten. Sei­ne Posi­ti­on ist schlicht nicht glaub­wür­dig und wider­sprüch­lich. Die Grün­de, die er nennt, kön­nen daher nicht die eigent­li­chen sein. Und das nennt man Falsch­heit.

    • Genau, Putin ist wie er ist, nicht bes­ser oder schlech­ter, aber der Westen rutscht immer tie­fer in die Per­ver­si­on, inklu­si­ve Tei­len der Kir­che.

  11. Wenn die Kir­che kommt, die Schön­born, Kas­per und Kon­sor­ten sich offen­bar vor­stel­len (sehr auf­schluss­reich heu­te auch der Kath.net-Kommentar von Johan­nes Graf zu einem Frei­bur­ger Fun­da­men­tal­theo­lo­gen), dann weiß ich nicht mehr, was die Kir­che eigent­lich soll. Eine Kir­che des „anything goes“ nützt mir per­sön­lich jeden­falls nichts. Ich bin geneigt, ganz dra­stisch zu for­mu­lie­ren: „Was soll der Quatsch dann eigent­lich noch, wenn sich die Kir­che von der Welt nicht mehr unter­schei­det?“. Man soll ja auf den Hei­li­gen Geist ver­trau­en, der die Kir­che führt und lei­tet, aber zur Zeit fällt es mir total schwer.

    Hin­zu­kommt, dass es in mei­ner Stadt im Osten Deutsch­lands (etwa 500.000 Ein­woh­ner) schon jetzt offen­bar kei­ne ein­zi­ge Sonn­tags­mes­se in einer Pfarr­kir­che mehr gibt, die eine wirk­lich wür­de­vol­le Lit­ur­gie auf­zu­wei­sen hat. So lei­de ich u. a. dar­un­ter, dass jetzt im Advent die wun­der­scho­nen deut­schen Advents­lie­der in der Sonn­tags­mes­se fast voll­stän­dig gezielt ver­mie­den wer­den. Sie wer­den ein­fach nicht gesun­gen. Man kann sich das kaum vor­stel­len, aber es ist so. Advent­li­che Vor­freu­de auf Weih­nach­ten in der Sonn­tags­mes­se ist für mich so nicht spür­bar.

    Letz­ten Sonn­tag berei­te­te eine Mess­die­ne­rin zu Beginn der Gaben­be­rei­tung den Altar vor, indem sie ein Tuch dar­auf leg­te und aus­fal­te­te. Zu mei­ner Zeit als Mess­die­ner in den 70/80igern gab es das nicht. Zur glei­chen Zeit hielt der Prie­ster bereits Hosti­en­scha­le und Kelch in den Hän­den. Für etwa 10 Sekun­den, wirk­te die Mess­die­ne­rin wie die eigent­li­che Akteu­rin hin­ter dem Altar und der Prie­ster stand wie ein Depp war­tend dane­ben, dass sie mit ihrer Ver­rich­tung fer­tig wur­de. Wo leben wir eigent­lich? Hat das noch etwas mit „katho­lisch“ zu tun?

    • Hat das noch was mit „katho­lisch“ zu tun?

      Ganz Ent­fernt. Es hat aber auch abso­lut nichts mit pro­te­stan­tisch zu tun.
      Mar­tin Luther wäre ent­setzt, käme er in Ihre Mes­se.
      Käme er in einen ent­spre­chen­den evan­ge­li­schen Got­tes­dienst,
      bekä­me er erst einen cho­le­ri­schen Anfall und danach einen Schlag­an­fall.

  12. „Ich habe euch schon oft gesagt, was ich jetzt unter Trä­nen wie­der­ho­le: Vie­le wan­deln als Fein­de des Kreu­zes. Ihr Ende ist Ver­der­ben, ihr Gott ist der Bauch, ihr Ruhm besteht in ihrer Schan­de, ihr Sin­nen geht auf das Irdi­sche. Unser Wan­del aber ist im Him­mel.“ Pau­lus.

    Er meint nicht zuerst die Ungläu­bi­gen und die Hei­den, nein, er meint die Chri­sten, die als Fein­de des Kreu­zes wan­deln. Und er zählt vier Merk­ma­le auf, wel­che die Fein­de des Kreu­zes kenn­zeich­nen: ihre Welt­an­schau­ung, ihre Lebens­wei­se, ihr Den­ken und ihre Aus­sicht.
    Der hei­li­ge Pau­lus ver­ur­teilt alle, die sich selbst für Gott hal­ten. Alle, die glau­ben, die Erlö­sung sich selbst ver­schaf­fen zu kön­nen.
    Fein­de des Kreu­zes sind jene, die ihre eige­nen Vor­stel­lun­gen vor die objek­ti­ve Wahr­heit stel­len, die ihren Wil­len höher als das Gebot Got­tes stel­len, die ihre Ansich­ten für ein Gesetz hal­ten. Wer so zu den­ken anfängt, der ist in Gefahr, dass der „Bauch“ sein Gott wird. Man kann alle­mal sagen: Der Feind des Kreu­zes passt die objek­ti­ve Wirk­lich­keit sei­nen Wün­schen an.
    (Aus einer Pre­digt von Hw Prof. Georg May über die Fein­de des Kreu­zes im Nov.14)

Kommentare sind deaktiviert.