Piusbruderschaft antwortet Bischof Semeraros Exkommunikationsdrohung

Kathedrale von Albano
Kathe­dra­le von Albano

(Rom) Die Pius­bru­der­schaft (FSSPX) ver­öf­fent­lich­te eine Ant­wort auf das Schrei­ben von Bischof Mar­cel­lo Semer­a­ro von Alba­no (sie­he Bericht Kir­che und Pius­bru­der­schaft: Ver­trau­ter des Pap­stes droht Gläu­bi­gen mit Exkom­mu­ni­ka­ti­on). Der Brief an die Pfar­rer sei­ner Diö­ze­se sorg­te für inter­na­tio­na­les Auf­se­hen, da er im Wider­spruch zu den jüngst wie­der­auf­ge­nom­me­nen Gesprä­chen zwi­schen dem Hei­li­gen Stuhl und der Pius­bru­der­schaft zu ste­hen scheint und Bischof Semer­a­ro ein enger Ver­trau­ter von Papst Fran­zis­kus und Sekre­tär des C9-Kar­di­nal­s­rats ist. 

Als Hin­ter­grund wird genannt, daß der Bischof sich über mehr als 60 Kin­der ärge­re, die der Kate­che­se der Pius­bru­der­schaft für die Erst­kom­mu­ni­on fol­gen und rund 30 Kin­der, denen von Bischof de Galar­re­ta (FSSPX) Anfang Okto­ber die Fir­mung gespen­det wur­de. Ob diö­ze­san­in­ter­ne oder dar­über hin­aus­ge­hen­de Grün­de Anlaß für den bischöf­li­chen Brief waren, bleibt vor­erst unklar.

Anfragen an Bischof Semeraro

„Vie­le Din­ge könn­ten wir Msgr. Semer­a­ro aus sei­nem Blick­win­kel fra­gen“, heißt es in der Erklä­rung des Ita­lie­ni­schen Distrikts der Pius­bru­der­schaft. „Wir könn­ten fra­gen, ob er weiß, daß die Prie­ster­bru­der­schaft St. Pius X. 1970 mit der Appro­ba­ti­on des Bischof von Frei­burg [im Ücht­land] errich­tet wur­de; daß der Hei­li­ge Stuhl ihr 1971 das Decretum lau­dis aus­stell­te; daß das Haus der Bru­der­schaft in Alba­no mit sei­nem halb­öf­fent­li­chen Ora­to­ri­um zur Spen­dung der Sakra­men­te von sei­nem Vor­gän­ger Msgr. Raf­fae­le Maca­rio am 22. Febru­ar 1974 (Prot. Nr. 140/74) kano­nisch errich­tet wurde.“

Und wei­ter: „Wir könn­ten ihn eben­so fra­gen, wie er sei­ne Ver­bo­te mit den offi­zi­el­len Erklä­run­gen des Hei­li­gen Stuhls in Ein­klang bringt, der mit einer Ant­wort der Päpst­li­chen Kom­mis­si­on Eccle­sia Dei vom 18. Janu­ar 2003 erklär­te, daß die Sonn­tags­pflicht durch Teil­nah­me an einer von einem Prie­ster der Pius­bru­der­schaft zele­brier­ten Mes­se erfüllt wer­den kann“.

„Wir könn­ten ihn auch fra­gen, war­um er, der Bischof, eine öku­me­ni­sche Vigil in der Kathe­dra­le (18. Janu­ar 2014) orga­ni­sie­ren kann, um mit Men­schen zu beten, die sich mit Sicher­heit nicht „in Gemein­schaft mit der Katho­li­schen Kir­che“ befin­den, dar­un­ter eine evan­ge­li­sche Pasto­rin und ein ortho­do­xer Bischof, wäh­rend sei­ne Gläu­bi­gen nicht mit ande­ren Katho­li­ken die Mes­se bei der Bru­der­schaft fei­ern kön­nen sollen.

Homosexuelle und Protestanten willkommen, nicht aber traditionsverbundene Katholiken?

Wir könn­ten ihn auch fra­gen, war­um sein Geist der Offen­heit so groß ist, daß er das Erste Forum homo­se­xu­el­ler Chri­sten mit­ein­schließt, das am ver­gan­ge­nen 26.–28. März im Haus des Somas­ker­or­dens statt­fand, aber nicht, wer der Tra­di­ti­on der katho­li­schen Kir­che ver­bun­den bleibt.“

Die Bru­der­schaft erwar­te sich kei­ne Ant­wort auf die­se Punk­te, die „die offen­sicht­li­chen Wider­sprü­che von Msgr. Semer­a­ro erken­nen lassen“.

Die Pius­bru­der­schaft grün­de ihren Auf­trag „gera­de auf die Not­wen­dig­keit, die Irr­tü­mer gegen den römisch-katho­li­schen Glau­ben zu bekämp­fen, die in der Kir­che sogar von Bischö­fen ver­brei­tet wer­den“. Die Aus­sendung nennt in die­sem Zusam­men­hang „öku­me­ni­schen Indif­fe­ren­tis­mus“, der allen Reli­gio­nen die glei­che Gül­tig­keit zuspre­che, als wären sie eigen­stän­di­ge und gleich­wer­ti­ge Heils­we­ge. Dadurch wer­de das Erste Gebot Got­tes miß­ach­tet; eine „Lit­ur­gie“, die sich davon ent­fer­ne, Aus­druck der katho­li­schen Dog­men zu sein, um „semi-pro­te­stan­tisch und ehr­furcht­los“ zu wer­den. „Irr­tü­mer, die immer wei­ter vor­an­ge­trie­ben wer­den, wie die jüng­ste Syn­ode gezeigt“ habe, „bei der unter dem Vor­wand der Barm­her­zig­keit, die Ände­rung des Sech­sten Gebots dis­ku­tiert wur­de und der Ver­zicht auf die Unauf­lös­lich­keit der christ­li­chen Ehe“.

„Drohungen und ungerechte kirchenrechtliche Sanktionen“

Die Pius­bru­der­schaft wer­de wei­ter­hin nach dem Vor­bild ihres Grün­ders „unver­kürzt das depo­si­tum fidei und die katho­li­sche Moral wei­ter­ge­ben und sich offen gegen die Irr­tü­mer wen­den, die die­se ent­stel­len wol­len“. Dabei fürch­te man „weder Dro­hun­gen noch unge­rech­te kir­chen­recht­li­che Sank­tio­nen, da weder Msgr. Semer­a­ro noch irgend­ein ande­res Mit­glied der kirch­li­chen Hier­ar­chie die­ses depo­si­tum ändern“ kön­ne. Es sei wich­ti­ger Gott zu gehor­chen als den Men­schen, zitiert die Aus­sendung abschlie­ßend den Apo­stel Paulus.

In die­sem Sin­ne wer­de die Bru­der­schaft ihre Seel­sor­ge fort­set­zen und „jeder Gläu­bi­ge, der die Sakra­men­te emp­fan­gen möch­te, wie sie die Kir­che immer gespen­det hat, der einen authen­ti­schen Kate­chis­mus für sei­ne Kin­der wünscht und eine ent­spre­chen­de Unter­wei­sung für Erwach­se­ne, der eine geist­li­che Lei­tung wünscht und eine Stär­kung für die Kran­ken, wird immer will­kom­men sein“, so der Distrik­t­o­be­re für Italien.

Text: Giu­sep­pe Nardi
Bild: Wikicommons/FSSPX (Screen­shot)

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