Fadenscheinige Rechtfertigungen für Ende der alten Liturgie in Blackfen

Heilige Messe im überlieferten Ritus in Blackfen ist Vergangenheit
Hei­li­ge Mes­se im über­lie­fer­ten Ritus in Black­fen ist Vergangenheit

(Lon­don) Rund um das Aus für die über­lie­fer­te Mes­se im eng­li­schen Black­fen nahe Lon­don gibt es neue Ent­wick­lun­gen und Stel­lung­nah­men. Zunächst hat­te der neue Pfar­rer, Father Ste­ven Fisher, ange­kün­digt, bis Ende Sep­tem­ber alle Mes­sen, die dem Ritus von 1962 fol­gen, ein­zu­stel­len. Wie Joseph Shaw, Chair­man der „Latin Mass Socie­ty“, nun auf sei­nem Blog berich­tet, habe Fisher im Okto­ber wei­ter­hin die Sonn­tags­mes­sen gefei­ert. In den andert­halb Mona­ten sei­ner „Amts­zeit“ in Black­fen hat Fisher jedoch bereits die „Rück­trit­te“ von Sakri­stan, Zere­mo­ni­ar und allen Mit­glie­dern des Chors her­bei­ge­führt, indem er die tra­di­ti­ons­ver­bun­de­nen Gläu­bi­gen durch sei­ne Äuße­run­gen in ein denk­bar schlech­tes Licht stell­te. Im aktu­el­len Pfarr­brief schreibt er daher, er wer­de auf­grund des merk­wür­di­gen Rück­gangs an Mess­be­su­chern den Pfarr­ge­mein­de­rat befra­gen, wie die Zukunft der alten Lit­ur­gie in Black­fen aus­se­hen soll.

Shaw kom­men­tiert: „Das Resul­tat wird natür­lich das­sel­be sein, aber falls sich jemand wun­dern soll­te, war­um bloß die Zahl der Mess­be­su­cher abge­nom­men hat, so ist sei­ne Bemer­kung, dass die Mes­sen in die­ser und der letz­ten Woche nicht statt­fin­den wür­den, eine aus­rei­chen­de Erklä­rung dafür, ohne jede wei­te­re Überlegung.“

Eine Dame, die Mit­glied der Pfar­rei von Black­fen ist und unter dem Namen „Mulier For­tis“ einen Blog betreibt, hat sich am letz­ten Don­ners­tag nach eini­ger Zeit vor­neh­mer Zurück­hal­tung end­lich zu Wort gemel­det. Es habe bereits 2008 und 2009 eini­ge Unstim­mig­kei­ten inner­halb der Pfar­rei gege­ben. Damals beschwer­te sich eine Grup­pe von Gläu­bi­gen bei Erzb­si­chof Peter Smith von Sou­thwark, nach­dem der dama­li­ge Pfar­rer, Father Tim Finigan, begon­nen hat­te, eine von vier Sonn­tags­mes­sen im über­lie­fer­ten Ritus zu fei­ern. Eine dar­auf­hin durch­ge­führ­te Umfra­ge habe erge­ben, dass sich die mei­sten Pfarr­an­ge­hö­ri­gen mit dem Kurs von Finigan ein­ver­stan­den zeig­ten, auch wenn sie per­sön­lich mit der alten Mes­se nicht unbe­dingt etwas zu tun hat­ten. Eine Hand­voll von Gläu­bi­gen habe dar­auf­hin die Gemein­de ver­las­sen – obwohl die rest­li­chen drei Sonn­tags­mes­sen wei­ter­hin dem Novus Ordo folg­ten –, wobei die näch­sten Pfar­rei­en nur fünf bzw. zehn Minu­ten ent­fernt sind. Ande­rer­seits stie­ßen vie­le Gläu­bi­ge aus umlie­gen­den Pfar­rei­en zur alt­ri­tu­el­len Gemein­de in Black­fen. Nach der Beschwer­de­ak­ti­on und dem anschlie­ßen­den Ver­las­sen der Pfar­rei durch eini­ge weni­ge Gläu­bi­ge habe es kei­ne wei­te­ren Pro­ble­me und „Spal­tun­gen“ gegeben.

Die der Tra­di­ti­on ver­bun­de­nen Katho­li­ken in Black­fen hät­ten Father Ste­ven Fisher als ihren neu­en Pfar­rer will­kom­men gehei­ßen und ihn bereits einen Monat vor sei­ner Ankunft zum Mit­tag­essen im Anschluss an eine Mes­se im alten Ritus ein­ge­la­den. Fisher habe abge­lehnt, was natür­lich nicht auto­ma­tisch sei­ner ableh­nen­den Hal­tung gegen­über den besag­ten Gläu­bi­gen geschul­det sein muss. Zudem habe Fisher bemerkt, dass es kei­ne Plä­ne gebe, etwas an der Mes­se um 10:30 Uhr – also an der Mes­se in der über­lie­fer­ten Form – zu ändern.

Einen Tag nach sei­ner Ankunft in Black­fen kün­dig­te Father Fisher an, die für eini­ge Fest­ta­ge geplan­ten Mes­sen nicht zu fei­ern, da es nicht erlaubt sei, an Wochen­ta­gen zwei Mes­sen zu zele­brie­ren. Auch hier habe man eine wohl­wol­len­de Hal­tung ange­nom­men und Fisher vor­ge­schla­gen, an den jewei­li­gen Tagen einen aus­wär­ti­gen Prie­ster nach Black­fen zu holen. Die­ser Vor­schlag wur­de abge­lehnt. Im Rah­men sei­ner ersten Sonn­tags­mes­se im alt­ehr­wür­di­gen Ritus habe Fisher vor der Kom­mu­ni­ons­pen­dung erklärt, dass in Eng­land und Wales die Hand­kom­mu­ni­on erlaubt sei, eben auch in der tra­di­tio­nel­len Mes­se. Dies wider­spricht ein­deu­tig den Bestim­mun­gen der Instruk­ti­on Uni­ver­sঠEccle­sià¦, wo es heißt: „Das Motu­pro­prio Summorum Pon­ti­fi­cum ist dar­über hin­aus ein Spe­zi­al­ge­setz und dero­giert daher für den ihm eige­nen Bereich von jenen nach 1962 erlas­se­nen Geset­zen, die sich auf die hei­li­gen Riten bezie­hen und unver­ein­bar sind mit den Rubri­ken der lit­ur­gi­schen Bücher, die 1962 in Kraft waren.“

Am zwei­ten Sams­tag nach sei­ner Ankunft in Black­fen sag­te der neue Pfar­rer, so „Mulier For­tis“, die Anhän­ger der alten Lit­ur­gie sei­en „gif­tig und lieb­los, sowie die Ursa­che eine mas­si­ven Spal­tung in der Pfar­rei“. Zwei sei­ner Freun­de, die er als „Spio­ne“ bezeich­net habe, hät­ten ihm erzählt, sie sei­en schockiert gewe­sen ange­sichts der Posi­tio­nen, wel­che die alt­ri­tu­el­le Gemein­de nach der letz­ten Sonn­tags­mes­se ver­tre­ten hät­ten. Aus die­sem Grund wür­de er die soge­nann­te „außer­or­dent­li­che Form“ zum Monats­en­de ein­stel­len und durch eine Mes­se im Novus Ordo ersetzen.

„Mulier For­tis“ schließt nach die­sen har­ten Fak­ten mit eini­gen Spe­ku­la­tio­nen. So sei die Ver­set­zung von Father Tim Finigan nach Mar­ga­te eher eine Degra­die­rung als eine Beför­de­rung. Finigan jedoch sei kein Kar­rie­rist und ent­spre­chend, wie aus sei­nem Blog her­vor­geht, zufrie­den mit sei­ner neu­en Posi­ti­on. Was Father Ste­ven Fisher angeht, so habe er durch­aus das Recht, Ände­run­gen in sei­ner neu­en Pfar­rei vor­zu­neh­men. „Aber so vie­le Ver­än­de­run­gen so schnell vor­zu­neh­men weist dar­auf hin, dass dies von Beginn an sorg­fäl­tig geplant war.“ Die größ­te Ent­täu­schung dabei sei der Man­gel an Auf­rich­tig­keit. Es sei bewusst der Ein­druck ver­mit­telt wor­den, dass mit der alten Mes­se alles beim Alten blie­be. „Und da Father Fisher nicht selbst für sei­ne Ver­set­zung nach Black­fen sorg­te, kann man ver­nünf­ti­ger­wei­se schluss­fol­gern, dass Erz­bi­schof Smith und Bischof Lynch [Weih­bi­schof in Sou­thwark] die gan­ze Sache ein­ge­fä­delt haben.“

Text: M. Bene­dikt Buerger
Bild: Blackfencatholic.org

3 Kommentare

  1. Mich wür­de inter­es­sie­ren, ob die besag­ten Gläu­bi­gen, die sich beschwert hat­ten, alle 4 Sonn­tags­mes­sen besuch­ten und die­se nur im Novus Ordo akzep­tie­ren, obwohl doch der Vetus Ordo eben­so gül­tig ist. Fürch­ten sie sich etwa, dass sie nur 3 mal pro Tag die hei­li­ge Kom­mu­ni­on emp­fan­gen, da die Kon­se­kra­ti­on im Vetus Ordo ihrer Mei­nung nach ungül­tig ist?
    Per Mari­am ad Christum.

  2. Es ist mir neu, daß an Wochen­ta­gen nicht 2 Mes­sen zele­briert wer­den dür­fen, und ich kann mir das auch nicht vor­stel­len. Wo steht das eigentlich?

  3. CODEX IURIS CANONICI
    CIC Can. 905-§1. Mit Aus­nah­me der Fäl­le, in denen es nach Maß­ga­be des Rechts erlaubt ist, mehr­mals am sel­ben Tag die Eucha­ri­stie zu zele­brie­ren oder zu kon­ze­le­brie­ren, ist es dem Prie­ster nicht erlaubt, mehr als ein­mal am Tag zu zelebrieren.
    §2. Wenn Prie­ster­man­gel besteht, kann der Orts­or­di­na­ri­us zuge­ste­hen, daß Prie­ster aus gerech­tem Grund zwei­mal am Tag, ja sogar, wenn eine seel­sorg­li­che Not­la­ge dies erfor­dert, an Sonn­ta­gen und gebo­te­nen Fei­er­ta­gen auch drei­mal zelebrieren.
    Ich hof­fe ich konn­te die­se Anfra­ge damit gut beant­wor­ten. Denn der Sonn­tag und Gebo­te­ne Fei­er­tag sind für den Katho­li­ken Pflicht, der Wochen­tag nicht. Dar­um die Erlaub­nis zur mehr­ma­li­gen Zele­bra­ti­on inner­halb eines Tages.

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