Venezianische „Zweitehe“? Überraschungscoup zum Auftakt der Bischofssynode mit Verzerrung des Konzils von Trient

Der Markuslöwe von Venedig
Der Mar­kus­lö­we von Venedig

(Rom) Die römi­sche Jesui­ten­zeit­schrift La Civil­tà  Cat­to­li­ca setzt einen Über­ra­schungs­coup und eilt pünkt­lich zum Beginn der Bischofs­syn­ode Kar­di­nal Wal­ter Kas­per zu Hil­fe. Dafür ver­zerrt die Zeit­schrift mit der beson­de­ren Nähe zum jeweils regie­ren­den Papst das Kon­zil von Trient. 

Zur Unter­stüt­zung der The­se von Kar­di­nal Wal­ter Kas­per hol­te die vier­zehn­tä­gig erschei­nen­de Zeit­schrift mit päpst­li­chem Impri­matur eine Geste aus dem Kel­ler, die dort seit Jahr­hun­der­ten ver­staub­te. Eine Geste des Kon­zils von Tri­ent für die weni­gen Katho­li­ken der grie­chi­schen Inseln, die unter vene­zia­ni­scher Herr­schaft stan­den, von denen eini­ge im dort vor­herr­schen­den byzan­ti­ni­schen Ritus eine Zweit­ehe eingingen.

Auf den Arti­kel von Pater Gian­car­lo Pani SJ in der jüng­sten Aus­ga­be der Civil­tà  Cat­to­li­ca mach­te der Vati­ka­nist San­dro Magi­ster aufmerksam.

Nach Lob für Kaspers „Theologie auf den Knien“, macht sich Jesuitenzeitschrift dessen Position ganz zu eigen

Die Jesui­ten­zeit­schrift ließ sich bis zum 4. Okto­ber, dem Vor­abend zum Beginn der Bischofs­syn­ode Zeit, um ihren Auf­satz zu pla­zie­ren. Abge­se­hen von einem Bei­trag, in dem Kar­di­nal Kas­pers „Theo­lo­gie auf den Knien“ geprie­sen wur­de, han­delt es um den ersten direk­ten Bei­trag zum The­ma „Zweit­ehe“, die hin­ter der Befür­wor­tung des deut­schen Kar­di­nals für die Zulas­sung wie­der­ver­hei­ra­te­ter Geschie­de­ner zur Kom­mu­ni­on steht.

Nicht nur der stra­te­gi­sche Zeit­punkt ist bemer­kens­wert, an dem die renom­mier­te und mit dem Nim­bus eines offi­ziö­sen päpst­li­chen Cha­rak­ters ver­se­he­ne Zeit­schrift ihr Schwei­gen brach. Sie mach­te sich die The­se von Kas­pers Par­tei völ­lig zu eigen. Der deut­sche Kar­di­nal „wird von den ersten Zei­len an als Ori­en­tie­rungs­punkt genannt“, so Magister.

Die Civil­tà  Cat­to­li­ca ist nicht irgend­ei­ne Zeit­schrift, wie die vati­ka­ni­sche Zen­sur zeigt. Seit ihrer Grün­dung wer­den bis zum heu­ti­gen Tag alle Bei­trä­ge vor ihrer Druck­le­gung dem vati­ka­ni­schen Staats­se­kre­ta­ri­at vor­ge­legt und eine Druck­erlaub­nis ein­ge­holt. Dar­aus las­sen sich Schlüs­se zie­hen. Die Bei­trä­ge stam­men aus­schließ­lich aus der Feder von Jesui­ten. Zwi­schen Papst Fran­zis­kus, der selbst dem Jesui­ten­or­den ange­hört, und dem der­zei­ti­gen Schrift­lei­ter der Zeit­schrift, Pater Anto­nio Spa­daro, herrscht „eng­stes Ein­ver­neh­men“ (Magi­ster). Pater Spa­daro ist kir­chen­in­tern das, was Euge­nio Scal­fa­ri außer­halb ist: der wich­tig­ste Inter­pret des päpst­li­chen Den­kens und Handelns.

„Ökumenische“ Öffnung des Konzils von Trient für „Zweitehe“?

Konzil von Trient bekräfigte Unauflöslichkeit der Ehe
Kon­zil von Tri­ent bekrä­fig­te Unauf­lös­lich­keit der Ehe

Um die Bischofs­syn­ode zu einer „Öff­nung“ in Rich­tung „Zweit­ehe“ zu bewe­gen, setz­te die Jesui­ten­zeit­schrift einen Über­ra­schungs­zug. Sie grub das sonst weni­ger beach­te­te Kon­zil von Tri­ent aus, jenes Kon­zil, das mehr als jedes ande­re, die Ein­heit und Unauf­lös­lich­keit des sakra­men­ta­len Ehe­ban­des bekräftigte.

Die­ses Kon­zil habe sich in Wirk­lich­keit einer for­mel­len Ver­ur­tei­lung der „Zweitehe“enthalten, wie sie in den Ost­kir­chen ver­brei­tet ist und zwar nicht nur unter den Gläu­bi­gen des ortho­do­xen Ritus, son­dern auch unter den Katho­li­ken der mit Rom unier­ten Ostkirchen.

„Die Kon­zils­vä­ter von Tri­ent wur­den zu die­ser Geste, die von der Jesui­ten­schrit­schrift als ‚öku­me­nisch‘ ante lit­teram bezeich­net wird, wegen der Katho­li­ken ver­an­laßt, die auf den grie­chi­schen Inseln der Repu­blik Vene­dig leb­ten und mit Geneh­mi­gung ihrer latei­ni­schen Bischö­fe die ortho­do­xen Kir­chen besuch­ten. Die vene­zia­ni­schen Bot­schaf­ter rich­te­ten das Ansu­chen an das Kon­zil, die­sen Katho­li­ken die Bei­be­hal­tung ihrer ‚Riten‘ zu erlau­ben, ein­schließ­lich der Mög­lich­keit einer zwei­ten Ehe­schlie­ßung wenn der Ehe­part­ner Ehe­bruch began­gen hat­te“, so Magister.

Nach einer hef­ti­gen Dis­kus­si­on beschlos­sen die Kon­zils­vä­ter mit 97 gegen 80 Stim­men dem Ansu­chen zu ent­spre­chen und for­mu­lier­ten den Canon neu. Der Canon bekräf­tig­te die Unauf­lös­lich­keit der Ehe, ent­hielt aber nicht mehr eine aus­drück­li­che Ver­ur­tei­lung der öst­li­chen Praxis.

Jesuitenzeitschrift wiederholt überholte, einseitige Darstellung Kaspers

Der Autor des Bei­trags in der Civil­tà  Cat­to­li­ca ist Pater Gian­car­lo Pani SJ, Pro­fes­sor für Kir­chen­ge­schich­te an der Uni­ver­si­tät La Sapi­en­za in Rom. Er rekon­stru­iert die Debat­te auf dem Kon­zil von Tri­ent mit zahl­rei­chen Details, ein­schließ­lich aller Hin­wei­se der Kon­zils­vä­ter auf das Neue Testa­ment und die Kirchenväter.

In sei­ner eige­nen Dar­stel­lung der kirch­li­chen Pra­xis der früh­christ­li­chen Jahr­hun­der­te folgt Pater Pani jedoch aus­schließ­lich der Dar­stel­lung von Gio­van­ni Cere­ti und des­sen Buch Divor­zio, nuo­ve noz­ze e peniten­za nella Chie­sa pri­mi­ti­va (Schei­dung, Wie­der­hei­rat und Buße in der frü­hen Kir­che) von 1977, das im August 2013 pünkt­lich zur neu­en Debat­te neu auf­ge­legt wur­de. Cere­ti ist die wich­tig­ste, wenn nicht ein­zi­ge Bezugs­quel­le von Kar­di­nal Kas­per in sei­ner Rede vor dem Kar­di­nals­kon­si­sto­ri­um im ver­gan­ge­nen Febru­ar. Alle neue­ren Stu­di­en zum The­ma, wie jene der renom­mier­ten Patro­lo­gen Hen­ri Crou­zel und Gil­les Pel­land, bei­de eben­falls Jesui­ten, die Cere­ti „buch­stäb­lich zer­ris­sen“ (Magi­ster), igno­rier­te Kas­per völ­lig und eben­so tut es nun Pater Pani in einem Aufsatz.

Dadurch ent­steht aus dem Arti­kel in der Civil­tà  Cat­to­li­ca der Ein­druck, daß bereits das Kon­zil von Tri­ent eine Geste „evan­ge­li­scher Barm­her­zig­keit“ gesetzt habe, die von der nun tagen­den Bischofs­syn­ode auf­ge­grif­fen und ver­stärkt wer­den sol­le und zwar zum angeb­li­chen Nut­zen „jener Chri­sten, die mit Lei­den eine geschei­ter­te ehe­li­che Bezie­hung leben“.

Konzil von Trient öffnete sich mitnichten gegenüber der „Zweitehe“

„In Wirk­lich­keit“ so Magi­ster, gab es durch das Kon­zil von Tri­ent kei­ner­lei „Öff­nung“ gegen­über der Zweit­ehe: „man ent­schied ledig­lich in die­sem Punkt mit jener Zurück­hal­tung, die auch in den Jahr­hun­der­ten vor­her galt und die auch danach bei­be­hal­ten wur­de, in kei­nen direk­ten Kon­flikt mit den ortho­do­xen Kir­chen zu treten“.

Die Aus­nah­me­si­tua­ti­on, wie sie auf den grie­chi­schen Inseln der See­re­pu­blik Vene­dig herrsch­te, erle­dig­te sich wie­der von selbst, als die Inseln vom Osma­ni­schen Reich besetzt wur­den und für Vene­dig ver­lo­ren­gin­gen. Sie wie­der­hol­te sich nie mehr, nicht ein­mal mehr für jene ost­kirch­li­chen Gemein­schaf­ten, die sich mit der Kir­che von Rom unier­ten. Von ihnen wur­de vor­ab ein Glau­bens­be­kennt­nis ver­langt, mit dem sie aus­drück­lich die Unmög­lich­keit einer Zweit­ehe anerkannten.

Der Arti­kel der Civil­tà  Cat­to­li­ca ver­stärkt den Ein­druck, daß es im Umfeld von Papst Fran­zis­kus eine stra­te­gi­sche Pla­nung zum The­ma gibt, die jene „Öff­nung“ für wie­der­ver­hei­ra­tet Geschie­de­ne för­dert, deren Wort­füh­rer nach außen Kar­di­nal Wal­ter Kas­per ist.

Text: Giu­sep­pe Nardi
Bild: Mar­kus­lö­we (Mar­co Boschi­ni: Kar­te von Kre­ta, 1651)/Konzil von Trient

41 Kommentare

  1. Kath­net hat mich mal wie­der zen­siert. Da wer­den Nach­rich­ten nach Belie­ben ver­dreht oder erfun­den. Unglaublich

    • Dan­ke, habe die­sel­ben Erfah­run­gen gemacht.
      Kath Net ist nicht ernst­zu­neh­men, da ein kri­tik­lo­ses Jubel-Por­tal fuer die sog. „Per­len“ des Herrn Bergoglio.
      Man fasst sich an den Kopf.
      Bald gibt es bestimmt den Wunsch nach Eutha­na­sie-Frei­ga­be nach der Bibel : „Judas nahm einen Strick und erha­eng­te sich“.….….…. und an ande­rer Stelle.…„gehe hin und tue desgleichen “
      Wet­ten das ?

    • habe ich frü­her auch schon erlebt und mein frü­he­rer Account wur­de gelöscht, nach­dem ich zu deut­lich auf sub­jek­ti­ve Feh­ler und Vor­komm­nis­se bei der Bericht­erstat­tung zur Pius­bru­der­schaft hin­ge­wie­sen hat­te, wel­che ein­sei­tig gewe­sen war.

      Zum obi­gen: war eigent­lich zu erwar­ten. Nun kön­nen wir augen­schein­lich mit­er­le­ben, wie es wohl auf dem II. Vat. Kon­zil zuge­gan­gen sein dürf­te und wel­cher Mit­tel sich die rhei­ni­sche Alli­anz, hier in Neu­auf­la­ge Kar­di­nal Kas­par & Co. bedient hat. Hof­fent­lich hält der heu­ti­ge coe­tus Patrea (Kard. Bur­ke, Brand­mül­ler, Mül­ler usw.) gegen und hat mehr Erfolg!
      Beten wir dar­um, dass der Teu­fel sei­ne Plä­ne auf die­ser syn­ode nicht umsaet­zen kann, auch wenn er sich mäch­ti­ger Ver­bün­de­ter, ein­schließ­lich des jet­zi­gen Pon­ti­fex bedient. Wenn auch unbe­wusst, soviel soll­te man zufü­gen; guten Wil­len muss man jedem erst mal unter­stel­len, bis das Gegen­teil bewie­sen ist.

    • Ich habe bei kath.net mei­nen Account mit einer Pro­test­mail gelöscht, da dort jede berech­tig­te Kri­tik an Papst Fran­zis­kus zen­siert wird. Das ist unglaub­lich… und so gar­nicht barm­her­zig und Dia­log­ori­en­tiert wie die­se erbärm­li­chen Gestal­ten immer tun…

      • @Pascal 13: kath.net ist eine rein­ste Zen­sur­stu­be, die sich aus lau­ter Kon­zils­sek­tie­rern und Jub­lern zusammensezt.

    • Mich haben sie auch zen­siert, bin ganz Ihrer Mei­nung bin sehr ent­täuscht habe nur mei­ne Mei­nung über die Pasto­ral­as­si­sten­ten geschrie­ben! Sie las­sen nur die zu Wort kom­men was Ihnen gefällt! Wenn jemand die Wahr­heit schreibt das ver­tra­gen sie nicht! Na ja, neh­me ich von Kath.net eher abstand!

      • Ver­bal nie aus­fal­lend, stets um Sach­lich­keit bemüht, erschie­nen mei­ne Kom­men­ta­re den­noch nicht immer.
        Dann habe ich mir vor­ge­nom­men, dort nicht mehr zu schrei­ben, wur­de mir selbst gegen­über aber immer mal wie­der wortbrüchig.
        Vor­ge­stern erschien mein Kom­men­tar auch wie­der nicht.
        Ich glau­be, es sind nicht nur die Inhal­te allein ‑also Kri­tik bei­spiels­wei­se an Papst Fra­nis­kus- deret­we­gen ein Kom­men­tar nicht erschei­nen darf.
        Es ist die Bri­sanz, die dar­in lie­gen mag und zu wei­te­ren uner­wünsch­ten Über­le­gun­gen und Schluss­fol­ge­run­gen der Mit­le­ser füh­ren könnten.
        Gei­sti­ger Aus­tausch und Dis­kus­sio­nen jedoch sind unter die­sen Zen­sur­be­din­gun­gen kaum möglich.
        Fatal wird es auch, wenn man von einem Mit­dus­katan­ten ganz kon­kret ange­spro­chen wird, ihm aber infol­ge der Zen­sur gar nicht ant­wor­ten kann.
        Die­ser war­tet womög­lich auf unse­re Reak­ti­on und wun­dert sich über das Aus­blei­ben derselben.
        Kom­mu­ni­ka­ti­on wird auf die­se Wei­se jäh unterbrochen!

    • Ich muss mich lei­der hier ein­rei­hen. Auch mich hat kath.net mehr­mals zen­su­riert. Offen­bar scheu­en die das freie Wort wie der Teu­fel das Weihwasser.

  2. Jetzt soll eine extre­me histo­ri­sche Aus­nah­me­si­tua­ti­on auf den damals vene­zia­ni­schen Inseln Grie­chen­lands dafür her­hal­ten, die Zweit­ehe in der gesam­ten Kir­che zu lega­li­sie­ren, obwohl sie nicht ein­mal den heu­ti­gen katho­li­schen Ost­kir­chen gestat­tet ist? Die für die­sen Text ver­ant­wort­li­chen Jesui­ten betrei­ben offen dia­lek­ti­sche Haar­spal­te­rei, um eine Häre­sie nach ihrem Wil­len durch­drücken zu kön­nen. Einst waren die Jesui­ten als Reak­ti­on auf die pro­te­stan­ti­sche Häre­sie her­vor­ra­gen­de Ver­tei­di­ger des Glau­bens, doch heu­te haben sich lei­der zu vie­le von ihnen dem gif­ti­gen Rela­ti­vis­mus verschrieben.

  3. Das Lehr­amt der Kir­che hat von sei­ner höch­sten Auto­ri­tät Gebrauch gemacht 
    und die Unauf­lös­lich­keit der Ehe als 
    Dog­ma definiert.
    Die­ses ver­kün­de­te das 
    Kon­zil von Tri­ent auf sei­ner 24. Sit­zung im Novem­ber 1563:
    -
    „Wer sagt, die Kir­che irre, wenn sie gelehrt hat und lehrt: 
    Nach evan­ge­li­scher und apo­sto­li­scher Leh­re (Mt 19, 6 ff; Mk 10, 6 ff; 1 Kor 7, 10 ff) 
    kön­ne wegen eines Ehe­bruchs des einen Ehe­gat­ten das ehe­li­che Band 
    nicht
    gelöst wer­den und bei­de, auch der unschul­di­ge Teil, 
    der kei­nen Anlaß zum Ehe­bruch gege­ben hat, kön­ne zu Leb­zei­ten des andern Ehegatten 
    keine 
    ande­re Ehe ein­ge­hen; und der Mann 
    bege­he einen Ehebruch, 
    der nach Ent­las­sung der ehe­bre­che­ri­schen Frau eine ande­re heirate, 
    eben­so die Frau, 
    die nach Ent­las­sung des ehe­bre­che­ri­schen Man­nes sich mit einem ande­ren vermähle, 
    der sei ausgeschlossen.”
    -

    • Wer Dog­men der einen, hei­li­gen, katho­li­schen und apo­sto­li­schen Kir­che aus­he­beln möch­te, der han­delt gegen Got­tes Wil­len und somit im Sin­ne Satans.

    • Die Schrift­stel­len Mt 5, 32 und 19, 9 sind tat­säch­lich geeig­net, Aus­nah­men bei Schei­dun­gen gel­ten zu lassen. 

      Hier wird Hure­rei (Brock­haus) bzw. Unzucht (Schlach­ter oder Hamp, Sten­zel, Kürz­in­ger) genannt als Untreue-Tat­be­stand, der eine Schei­dung recht­fer­tigt, inso­fern aus bibli­scher Sicht der treue Part­ner sich vom untreu­en Part­ner schei­den las­sen kann.
      Dies war in bibli­scher Zeit für Jesus der ein­zig legi­ti­me Schei­dungs­grund, wobei alle ande­ren Schei­dungs­grün­de als Sün­de gal­ten, weil man damit den even­tu­el­len Ehe­bruch des ver­las­se­nen Part­ners schuld­haft pro­vo­zier­te, falls die­ser wie­der heiratete.

      Gän­gi­ge jüdi­sche Pra­xis zur Zeit Jesu war das, was in 5. Mose (Deu­te­ro­no­mi­um) Kap. 24, 1 — 4 zu lesen ist, wonach damals jüdi­sche Män­ner ihre Frau­en aus „belie­bi­gen“ Grün­den durch Schei­dungs­zeug­nis aus der Ehe ent­las­sen konn­ten, wobei die Frau gemäß Vers 2 „berech­tigt war, sich wiederzuverheiraten“. 

      Jesus bezog sich auf die­se jüdi­sche gegen­über dem ver­las­se­nen Part­ner hart­her­zi­ge Schei­dungs­pra­xis, als er die Wor­te bezüg­lich Schei­dung sprach und stell­te klar, dass nur die Untreue des Part­ners berech­tigt, sich schei­den zu las­sen, weil der, der sich von einem Ehe­bre­cher schei­den lässt, nicht mehr pro­vo­ziert, dass ein poten­zi­el­ler Ehe­bruch ihm selbst anzu­la­sten ist, weil der Ehe­bruch des Part­ners ja bereits stattfand.

      • Man kann die Stel­len auch so inter­pre­tie­ren, dass eine Ehe nur dann geschie­den wer­den kann und sogar geschie­den wer­den muss, wenn sie die Ehe unzüch­tig ist.
        Also die Ehe des Hero­des udn der Hero­di­as, muss­te geschie­dern wer­den, weil unzüchtig.
        Hein­rich des VIII Ehen mit Anna Boleyn und Nach­fol­ge­rin­nen waren unzüch­tig und Hein­rich hat­te so wie Hero­des die Ver­pflich­tung die jewei­li­gen Frau­en zu entlassen.
        Auch ein bekehr­ter Poly­ga­mist hat die Pflicht sei­ne „über­zäh­li­gen“ Frau­en aus der Ehe zu ent­las­sen und so weiter.
        Und so hät­te ein wie­der­ver­hei­ra­te­ter Geschie­de­ner die Pflicht sei­ne Ehe­frau zu entlassen,
        Auf jeden Fall las­sen sich die Mat­thä­us Stel­len auch so, ganz kon­si­stent erklären

      • Jesus spricht von kei­ner „Berech­ti­gung“.
        Er spricht von einer Pra­xis, aus der man aber kei­ne Schlüs­se über eine erlaub­te Wie­der­ver­hei­ra­tung zie­hen kann und darf.
        Warum?
        Weil schlicht und ein­fach kei­ne Rede davon ist und alles, was Jesus somst dazu sagt, anneh­men lässt, dass er eine Wie­der­ver­hei­ra­tung nach Schei­dung immer — immer! — als Ehe­bruch ansah. Davon zu unter­schei­den ist eine blo­ße Schei­dung ohne Wie­der­hei­rat. Die ließ auch Pau­lus zu.
        Undd amit ist das Ende der bibli­schen Fah­nen­stan­ge auch schon erreicht.

    • Ich muss mich lei­der hier ein­rei­hen. Auch mich hat kath.net mehr­mals zen­su­riert. Offen­bar scheu­en die das freie Wort wie der Teu­fel das Weihwasser.

  4. Dan­ke an Katholisches.Info für die­sen Arti­kel! Ich hat­te das Gan­ze schon auf Vati­ca­n­in­si­der gele­sen, mir fehl­ten jedoch die Quel­len nach­zu­prü­fen, ob das wahr wahr. Mein bis­he­ri­ges Wis­sen vom Kon­zil von Tri­ent sag­te mit jedoch, dass das eine üble Ver­zer­rung, wenn nicht Lüge, sei.

    Dank dem im obi­gen Arti­kel erwähn­ten Cer­re­ti fand ich die­se Rich­tig­stel­lung von Kar­di­nal Brand­mül­ler, der schon vor Mona­ten gegen des­sen Ver­zer­run­gen, in der Tages­post u.a. schrieb:

    „Die Neu­auf­la­ge des 1977 erst­mals erschie­ne­nen Buches im ver­gan­ge­nen Jahr 2013 wur­de offen­bar zur Beein­flus­sung der vati­ka­ni­schen Bischofs­syn­ode im Okto­ber 2014 herausgegeben.“
    http://katholisch-informiert.ch/2014/02/den-vaetern-ging-es-um-die-witwen/

  5. Ist ein Papst, der über den katho­li­schen Glau­ben abstim­men lässt, der das Natur­recht aus­he­belt und die Irr­leh­re, zumin­dest durch sein Wort, begün­stigt noch als Papst anzusehen?
    Im Grun­de soll hier die Tod­sün­de abge­schafft wer­den. Wenn Ehe­bre­cher die Hl. Kom­mu­ni­on ohne Beich­te, Vor­satz, Reue und Genug­tu­ung emp­fan­gen kön­nen, war­um soll­ten dann für Die­be Mör­der oder son­sti­ge Ver­bre­cher ande­re Bedin­gun­gen gel­ten? Um nicht falsch ver­stan­den zu wer­den: Wir alle sind Sün­der, und ich bin viel­leicht der Größ­te! Aber es steht geschrie­ben, man soll das Hei­lig­ste nicht vor die Schwei­ne wer­fen! Sind wir in Got­tes Augen nicht alle Schwei­ne, sofern wir uns von der Sün­de befleckt haben?

    • Die Mög­lich­keit einer zwei­ten kirch­li­chen Ehe ohne Tod des ersten Ehe­part­ners hät­te selbst­ver­ständ­lich ver­hee­ren­de Aus­wir­kun­gen auf die Moral der Gläu­bi­gen. Die Pra­xis der Beich­te wür­de noch wei­ter ver­wäs­sert wer­den, als sie es schon ohne­hin ist in den moder­ni­sti­schen Gemein­den. Die Rege­lung auf den in der frü­hen Neu­zeit vene­zia­ni­schen Inseln Grie­chen­lands war nichts wei­ter als ein Son­der­recht regio­na­ler Besitz­stands­wah­rung, das ein wenig spä­ter über­dies kom­plett hin­fäl­lig gewor­den ist.

    • Wir wol­len uns auch kei­ner Schuld bezich­ti­gen, die so nicht gege­ben ist. Alles möch­te ich nicht in einen Topf wer­fen, denn da kommt gar nichts Brauch­ba­res dabei heraus.

  6. Seit Mona­ten den­ke ich, daß es dar­um geht, ob die katho­li­sche Kir­che an der Rea­li­tät fest­hält, das ein Mensch nicht wür­dig sein kann, die hl. Kom­mu­ni­on zu empfangen.
    Der Zustand, nicht im Stand der hei­lig­ma­chen­den Gna­de zu sein, kann kei­ne wie auch immer gear­te­te Barm­her­zig­keit ohne Reue, Vor­satz, Bekennt­nis und Abkehr von der schwe­ren Sün­de übertünchen.
    Aber haben wir nicht fak­tisch die Situa­ti­on, daß die­se Wahr­heit in den Pfar­rei­en im Sin­ne einer Schwei­ge­spi­ra­le nicht mehr aus­ge­spro­chen wird, weil die­ser Tabu­bruch flä­chen­deckend mit Ver­leum­dung, Iso­la­ti­on und Exil sank­tio­niert wird?
    Eine Ent­schei­dung der Syn­ode hat, wenn über­haupt, nur noch eine Aus­wir­kung auf die­je­ni­gen, die einen Arbeits­ver­trag bei der Kir­che unter­schrie­ben haben, bzw. beab­sich­ti­gen dies zu tun.

  7. Wenn ich das rich­tig ver­ste­he, haben sich die­se grie­chi­schen Inseln eine Dul­dung ihrer Wie­der­ver­hei­ra­tungs­pra­xis ertrotzt und sind danach von den Osma­nen ver­sklavt wor­den. Tol­les Geschäft …

    • Das pro­te­stan­ti­sche Ost­deutsch­land wur­de durch die genia­le, dämo­nisch inspi­rier­te Poli­tik unse­res GröFaZ reka­tho­li­siert, weil jetzt polnisch.

  8. „ ‚In Wirk­lich­keit‘ so Magi­ster, gab es durch das Kon­zil von Tri­ent kei­ner­lei ‚Öff­nung‘ gegen­über der Zweit­ehe: ‚man ent­schied ledig­lich in die­sem Punkt mit jener Zurück­hal­tung, die auch in den Jahr­hun­der­ten vor­her galt und die auch danach bei­be­hal­ten wur­de, in kei­nen direk­ten Kon­flikt mit den ortho­do­xen Kir­chen zu treten‘.“

    Es hät­te auch kei­ne Öff­nung gebraucht. Es liegt hier ein soge­nann­tes fac­tum dog­ma­ti­cum (das auch Magi­ster nicht bestrei­tet) vor. Selbst histo­ri­sche Aus­nah­me­fäl­le genü­gen, um dar­aus spä­ter Hand­lungs­an­wei­sun­gen zu machen. Unser Papst hat einen Prä­ze­denz­fall und den kann er nüt­zen. Dazu hat er die ple­na potestas.

    • Eine gewag­te The­se, fast schon wie die Kas­pers und sei­nes päpst­li­cher Hin­ter­manns. Die Sache mit der Hand­voll latei­ni­scher Vene­zia­ner inmit­ten der ortho­do­xen Grie­chen war Kas­per im Febru­ar sicher noch nicht bekannt. Da hat sich jemand seit­her Mühe gegeben.
      Nun denn. Aus dem Magi­ster-Zitat lese ich her­aus: 1.) dass es weder vor­her noch nach­her in der römi­schen Kir­che eine Zweit­ehe gege­ben hat; 2) wor­aus ein­deu­tig klar­stellt, dass eine sol­che nie Teil der kirch­li­chen Leh­re war und daher auch nie sein kann, 3) dar­an ändert die ortho­do­xe Pra­xis, ob ver­ur­teilt oder nicht, nichts.

      Die Tat­sa­che, dass Tri­ent eine ortho­do­xe Pra­xis nicht expli­zit ver­ur­teil­te, bedeu­tet für die Leh­re der Kir­che schlicht­weg nichts. Man mah es als Höf­lich­keit sehen, um die ortho­do­xen Chri­sten nicht unnö­tig zu provozieren. 

      Fakt ist: Die Zweit­ehen der Vene­zia­ner (wie­vie­le?) auf den grie­chi­schen Inseln, offen­bar mit grie­chisch-ortho­do­xen Frau­en (?), wur­den von Tri­ent eben nicht anerkannt.
      Abge­se­hen davon wür­de das Bei­spiel vor­aus­set­zen, daß Zweit­ehen nicht im latei­ni­schen Ritus geschlos­sen wer­den dürf­ten, son­dern nur in nicht mit Rom unier­ten ortho­do­xen Kir­chen, was die Sache per se ad absur­dum führt.

      Kurz­um: eine net­te Fuss­no­te der Geschich­te, für Histo­ri­ker wie dem genann­ten Jesui­ten inter­es­sant, aber völ­lig belang­los für die Dis­kus­si­on. Da der genann­te Jesu­it etwas ande­res hin­ein­zu­in­ter­pre­tie­ren ver­sucht, wird aus ihm ein ideo­lo­gi­scher Par­tei­gän­ger! Dar­auf stür­zen sich (wie man sieht) nur jene, die für eine Ände­rung der kirch­li­chen Leh­re sind. Ich höre aller­dings schon, wie die Libe­ra­len die vox popu­li damit füt­tern wer­den: es stim­me gar nicht, dass die Kir­che gegen Zweit­ehen sei, sogar das Kon­zil von Tri­ent habe sie erlaubt. Die Vox popu­li ver­langt in der Regel nach kei­nen Details. Und es wird genug geben, die es eif­rig und eben­so igno­rant nach­plap­pern. Ahoi.

      • @ Josa­phat
        Es gibt ein paar sehr sin­ni­ge Regeln zur Inter­pre­ta­ti­on von Kon­zils­äu­ße­run­gen und Dog­men. Dazu gehört die Klä­rung der Hin­ter­grün­de. Wenn Tri­ent ursprüng­lich die ortho­do­xe Zweit­ehe ver­ur­tei­len WOLLTE, es aber nicht tat, son­dern ein­deu­tig eine Ver­ur­tei­lung hint­an­stell­te, um einen Zustand zu tole­rie­ren, den es vor­her ver­ur­tei­len woll­te, dann ist das ein fac­tum dog­ma­ti­cum. Oder ist etwa Tri­ent nicht sei­ner Pflicht die Wahr­heit zu ver­kün­den wider bes­se­res Wis­sen nicht nachgekommen?

    • @Sarah,
      Der Demut der Kir­che, wie v. P. Fran­zis­kus stets so inbrün­stig ver­kün­det, wür­de es dann ent­spre­chen daß die von Bischö­fen und Prie­stern gehörn­te und betro­ge­ne Ehe­man­ner von den „Gna­den“ die­ser Zweit­ehe „genie­ßen“ könnten.
      Arun­del-Brighton läßt grüßen.
      Ich fürch­te nur daß der pasto­ra­le Bene­fit auch und gera­de in sol­chen Fäl­len sehr klein, wenn nicht abwe­send sein dürfte.
      Wenn man erlebt hat wel­che gro­ße Schmer­zen und Leid bei dem frü­hen Tod einer jun­gen Mutter/Vater mit klei­nen Kin­dern vor­han­den sind, und wie mick­rig und leer häu­fig die Wor­te der pasto­ra­len Beglei­tern sind, und man ver­gleicht damit die­sen gan­zen durch das Ober­kom­man­do los­ge­tre­te­nen und wei­ter­ge­führ­ten Hick­hack um Zweit­ehen, tole­rier­te Zweit­be­zie­hun­gen, Kom­mu­ni­on für in neu­er Bezie­hung leben­den Ver­hei­ra­te­ten (fak­tisch: für das Sin­nes­ver­gnü­gen der Leu­ten), dann wird einem die gan­ze Schein­hei­lig­keit die­ser Geschich­te klar.
      Ich wun­de­re mich nur daß hier nicht gestützt auf die Mehr­e­he der Patri­ar­chen und der Viel­wei­be­rei von Salo­mo im hohen Alter jetzt nicht direkt die Poly­ga­mie ein­ge­führt wird.
      Es wür­de bestimmt vie­le männ­li­che Adep­te dafür geben und dies wür­de die Kon­tak­te und die Ähn­lich­keit mit dem Islam deut­lich verbessern.
      Es ist ein gro­ßes Glück daß mein Namen­s­pa­te Pater Adri­en Antoi­ne L.SI dies nicht mehr erle­ben müßte.

  9. Wenn Zweit­ehe geht, geht dann auch eine Dritte­he? Oder eine Viertehe?

    Die Moham­me­da­ner wür­den dies sicher als Akt der Freund­schaft sehen.

    • Sie konn­ten mei­ne Gedan­ken lesen und waren mit Ihrem Posting eini­ge Minu­ten schneller!
      Umge­kehrt natür­lich: wenn jetzt die Katho­li­ken auch noch poly­gam wer­den, und die Chi­ne­sen und die Inder die Schwan­ger­schaf­ten auf das Geschlecht selek­tie­ren, wird es bald ein gewal­ti­ger Frau­en­man­gel geben und vie­le arme Ker­le wer­den natür­lich über­haupt nicht eine Frau bekommen.
      Eine Sache ist dann sicher: P. Fran­zis­kus und die Jesui­ten wer­den dann das neue Pro­blem nicht lösen.

  10. ver­steht ihr nicht
    der arme Kas­per gegen die­se vielen„,konservativen„„, das ist die Taktik
    natür­lich kommt die Zweitehe!

  11. War­um kommt nie­mand auf die Idee, in die­sem klei­nen „Ein­bruch“ in die wah­re Leh­re in Tri­ent, die frei­lich bis dato kei­ner­lei Rol­le spiel­te, weil die recht­gläu­bi­ge Kir­che wuss­te, dass das nicht rech­tens ist und sein kann, ohne dass man das Sakra­ment der Ehe und das Dog­ma der Unauf­lös­lich­keit auf­hebt, bereits das „myste­ri­um ini­qui­ta­tis“ zu ver­mu­ten, das — wie der Apo­stel Pau­lus sagt — von Anfang an in der Kir­che wirk­te und mit der Zeit immer stär­ker anschwel­len würde?
    Denn rein logisch betrach­tet: Wie soll es bei einem Dog­ma „Aus­nah­men“ geben kön­nen, die dem Dog­ma per se wider­spre­chen? Das ist doch absurd! Und in Tri­ent hat man nicht „rela­ti­vi­stisch“ gedacht — das war damals noch nicht Mode.

    Die Erkennt­nis wird zuneh­men mit der Zeit, wie schon der Pro­phet Dani­el es vor­her­sah (also die Ent­fal­tung der Dog­men und der Leh­re), aber auch das myste­ri­um ini­qui­ta­tis (die Unter­lau­fung und Zer­stöung der ent­fal­te­ten Leh­re und Tra­di­ti­on) wird immer offen­ba­rer wer­den. Das sind die bei­den ant­ago­ni­sti­schen Strö­me, mit denen sich die Kir­che aus­ein­an­der­set­zen muss.

    Man muss anneh­men, dass das myste­ri­um ini­qui­ta­tis auch und vor allem durch die wirkt, die der Kir­che ande­rer­seits viel­leicht sogar wert­vol­le Schät­ze hin­ter­las­sen haben. Wie vie­le Kir­chen­vä­ter haben bei allem geist­li­chen „Input“ zugleich häre­ti­sche oder qua­si-häre­ti­sche Leh­ren ver­kün­det oder heim­lich ein­sickern las­sen?! Das Lehr­amt hat das ein­fach über­gan­gen und auf sich beru­hen las­sen. Auch ver­schie­de­ne Hei­li­ge haben hoch­pro­ble­ma­ti­sche Leh­ren ver­kün­det — wie man heu­te erken­nen muss, v.a. hin­sicht­lich des blin­den Gehor­sams (schon bei Katha­ri­na v. Sie­na — die auch die unbe­fleck­te Emp­fäng­nis bestritt (!), wie bereits aus­dis­ku­tiert an ande­rer Stel­le M Kol­be oder Pater Pio u.a.).
    Nie­mand kann bestrei­ten, dass hier von allen Sei­ten her bereits Samen für die Kata­stro­phe gelegt wur­den — sogar aus bestem Mei­nen heraus.
    Ein immer kräf­ti­ge­rer Unter­strom hat sich da angebahnt!
    Dass auf Kon­zi­li­en bzw. bei Päp­sten immer wie­der auf zwei Rädern an der Häre­sie vor­bei­ge­schlit­tert wur­de, kann kaum bestrit­ten wer­den. Gera­de die Debat­te um das Kon­stan­zer Kon­zil mit sei­nen Aus­wüch­sen in Rich­tung Kon­zi­lia­ris­mus und Gal­li­ka­nis­mus offen­bart das. Oder das Filio­que, das gera­de unter Tra­dis abge­wie­gelt wird mit der fal­schen Mei­nung, das sei ja ursprüng­lich in Nicäa nicht aus­drück­lich for­mu­liert und dar­um nicht wahr gewe­sen, gibt bered­tes Zeug­nis über die Pro­ble­ma­tik des ein­sickern­den Bösen in der Kir­che. Die besag­ten Tra­dis, die hier das Filio­que mar­gi­na­li­sie­ren wol­le, obwohl es dog­ma­ti­schen Rang hat (de fide), hän­gen damit bewusst oder unbe­wusst einem aria­ni­schen Got­tes­bild an.
    Und da sind wir auch schon im Herz der Sache: da das Got­tes­bild längst durch Moder­ni­sten genau­so wie „die Tra­di­ti­on“, wie ich in Dis­kus­sio­nen immer wie­der fest­stel­len muss, ver­zerrt ist, wird nun alles — nach jahr­hun­der­te­lan­ger stil­ler und schlei­chen­der Aus­höh­lung — ande­re nach­ge­ben und in einem gewal­ti­gen Erd­rutsch in den Agrund stürzen.

    • Etwas viel auf ein­mal. Im Gan­zen sind die Punk­te durch­aus uner­freu­lich und der Abgrund ist nahe. Wir wer­den stand halten.

  12. Wenn über die Sün­de des Ehe­bruchs dis­ku­tiert wird, muss mei­ner Ansicht nach immer berück­sich­tigt wer­den, dass im Grun­de bei den mei­sten geschlos­se­nen Ehe­part­nern eine sitt­li­che wie gei­sti­ge Unrei­fe vor­liegt. Dem­nach wären die­se Ehen vor Gott nie­mals zustan­de gekom­men, da schlicht­weg das gei­sti­ge Pro­vi­ant, der Unter­bau, die Erweckung im hei­li­gen Geist feh­len. Ein evan­ge­li­scher Pfar­rer drück­te es ein­mal so aus: Wenn ich Ehen schlie­ße, dann sage ich zwar, ‚Was Gott ver­bun­den hat, dass darf der Mensch nicht schei­den‘. Im Grun­de aber müss­te ich sagen: ‚Was Satan ver­bun­den hat, wird der Mensch schei­den‘. Wenn eine Ehe also auf purer Lust auf­baut, wird sie schei­tern, da sämt­li­che Vor­be­din­gun­gen für die Halt­bar­keit und den Bestand im Hei­li­gen Geist fehlen.
    Dem­nach sitzt das Übel der Schei­dun­gen nicht in den Schei­dun­gen selbst, son­dern im Zulas­sen von Spren­kel- und Folk­lo­re­chri­sten (was schon viel ist, wenn man heu­te jeman­den als sol­chen bezeich­nen kann) zum Ehesakrament.
    Das wis­sen auch Kas­per und Ber­go­glio. Solan­ge unse­re Zeit sich nicht ändert und die Her­an­züch­tung von media­len Kon­sum­mon­stern (ehe­mals gei­ster­füll­ten Men­schen) sind Men­schen als Opfer einer Gesell­schaft zu bereich­nen, in der die Sün­de in der Struk­tur ihrer Funk­ti­ons­ab­läu­fe sel­ber liegt.
    Der Sün­de geht die Erkennt­nis vor­aus. Dies müs­sen wir immer berück­sich­ti­gen. Zudem dür­fen wir die heu­ti­gen Men­schen trotz ihrer Sün­den und Ver­ir­run­gen nicht ver­dam­men (rich­tet nicht), denn in der Got­tes­fer­ne tun sie sich sel­ber weh. Wer also das Brot des Herrn unwür­dig emp­fängt, der isst sich das Gericht.
    Vie­le Men­schen der Moder­ne sind see­lisch krank. Psych­ia­ter und Psy­cho­lo­gen wiss­sen von über­bor­den­den War­te­zim­mer zu berich­ten, Selbst­mor­de neh­men wie­der dra­ma­tisch zu (hohe Dun­kel­zif­fer). Das Ruhig­stel­len durch Psy­cho­phar­ma­ka ver­ne­belt die Tat­sa­chen. Der Mensch von heu­te ist ein see­lisch Toter. Um das nicht aus­hal­ten zu müs­sen (Depres­si­on) flüch­tet er sich in den Kon­sum. Nimmt man ihm die Aus­flucht (das Kon­sum­gut) weg, dreht er durch, rennt in den Sui­zid, sucht sich sei­ner in der akti­ven Ster­be­hil­fe (Unwort) selbst zu entledigen.

    • ja und Pad­re genau des­halb müss­te die Kir­che doch ihr Licht leuch­ten las­sen, damit die ver­irr­ten Men­schen wenig­stens eine Ori­en­tie­rung haben und nicht sagen „Wir wis­sen auch nicht was rich­tig ist!“

      • Das sind gute Wor­te. Aber ‚wir‘ sind das Licht, nicht ‚die‘ Kir­che. Im Lich­te wer­den wir zur Kir­che. Wenn wir als Chri­sten den kind­li­chen Glau­ben dar­an ver­lo­ren haben, wir könn­ten als ‚ein­zel­ne im Gei­ste Chri­sti‘ nichts bewe­gen, wer­den wir zu den schlimm­sten Heuchlern.
        Wenn ‚wir unten‘ (Volk) den Glau­ben ver­lo­ren haben, wie sol­len sie ihn oben noch haben? Sie kom­men ja von unten (vom Dienst). Wenn es heu­te ein(e) IS, einen Putin… gibt, dann ist das unser Werk. Alles hängt ja mit allem zu sam­men! Über Hit­ler schrieb man sei­ner­zeit fre­ne­tisch, er sei der fleisch­ge­wor­de­ne Vol­kes­wil­le. Wenn es aber eine Hand voll wirk­lich (!!!) Gerech­ter gibt, wird Gott sein Volk nicht ver­las­sen (kei­ne Heuch­ler; die mei­sten sind Heuch­ler, das spü­ren die Men­schen!!! Die­se kön­nen auch nicht mehr füh­ren.) Wie aber unter­schei­det man das Ech­te vom Falschen?
        Die Rein­heit drückt sich im Leuch­ten der Augen aus. Unter­schwel­lig wird sie als Geruch wahr­ge­nom­men. Irren wir ab, wer­den wir zu Heuch­lern. Wir kom­mu­ni­zie­ren immer! Wenn jeder, der hier schreibt, das lebt, was er ver­tritt, dann schal­tet sich auch der Hei­li­ge Geist in den Köp­fen der Bischö­fe wie­der ein. Gott aber sucht zuerst uns, das Klei­ne. Er will von unten nach oben wahr­ge­nom­men werden.
        Des­halb wün­sche ich mir eben­so­viel Gebet wie (hier gemach­te) Worte.
        Ich schla­ge vor, wenn es nicht ohne­hin schon geschieht, jeden Abend ein Gesätz vom Rosen­kranz zu beten und den Engel des Herrn. Hin­zu neh­me man eine Nove­ne. Man wird fest­stel­len, wie sich der Geist beru­higt. Das Gebet wirkt wie ein Blitz­ab­lei­ter. Wenn wir im Gebet blei­ben und in den Gebo­ten, wer­den wir nach außen zu leuch­ten begin­nen. Wir bekom­men Kraft und immer neue Gaben. Wir begin­nen zu wirken.
        Das Pro­blem sind nicht die Kon­ser­va­ti­ven, wie in die­sem Por­tal ein­mal gesagt wur­de, son­dern die treu­lo­sen Kon­ser­va­ti­ven. Sie haben die Wahr­heit erkannt und hal­ten sie nicht. Das ist die Sün­de wider den Hei­li­gen Geist. Neh­me man sich des­halb selbst in die Ver­ant­wor­tung und mache sich gei­sti­ger­wei­se zu einem Patron für ganz bestimm­te Sün­der, indem wir für sie beten, ihnen Lie­be zuschrei­ben und Licht sen­den. Das ist ein Anfang.

    • Jetzt wol­len wir aber ein­mal die Kir­che im Dorf las­sen. mit der­ar­ti­gen Rund­um­schlä­gen kom­men wir wahr­lich nicht wei­ter. Dass der Mensch von heu­te ein see­lisch toter ist, ist doch stark überpointiert.

  13. Reich­lich infam, eine sol­che „Fuß­no­te der Geschich­te“, wie oben tref­fend gesagt wur­de, auf­zu­ti­schen, in der per­fi­den Hoff­nung, daß bei den Zei­tungs­schrei­bern hän­gen­blie­be, die Zweit­ehe hät­te es schon mal gege­ben. Geschick­ter Schachzug.

    Es geht auch nicht um die Zweit­ehe, das ist bloß der Auf­hän­ger. Die Gläu­bi­gen sol­len end­lich mal umer­zo­gen wer­den und die ewig Gest­ri­gen gehö­ren in die Wüste geschickt…

    Und erst recht ging es nie um die Zulas­sung zur Kom­mu­ni­on der zivil wie­der­ver­hei­ra­tet Geschie­de­nen. Die­se tat­säch­lich Lei­den­den sind doch mitt­ler­wei­le weg­ge­stor­ben und die jün­ge­ren katho­li­schen Ehe­paa­re haben sich doch erst gar nicht kirch­lich trau­en lassen.

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