Bischofssynode und progressive Propagandamanöver

Kardinal Giuseppe Siri
Kar­di­nal Giu­sep­pe Siri

(Rom) Die außer­or­dent­li­che Bischofs­syn­ode hat ihre zwei­wö­chi­gen Bera­tun­gen begon­nen. Der tra­di­ti­ons­ver­bun­de­ne Blog „Cor­dia­li­ter“ ver­öf­fent­lich­te dazu einen Auf­ruf, die Syn­ode im Gebet zu beglei­ten, dem wirk­sam­sten Mit­tel, das den Gläu­bi­gen zur Ver­fü­gung steht. Dazu publi­zier­te er eini­ge Über­le­gun­gen über den pro­gres­si­ven Druck, der mit Hil­fe der Mas­sen­me­di­en auf die Bischofs­syn­ode ver­sucht wird, aus­zu­üben.

Die noto­risch bekann­ten Ver­ei­ne, wie der von der exkom­mu­ni­zier­ten Mar­tha Hei­zer gelei­te­te Ver­ein „Wir sind Kir­che“, oder die vom ehem­li­gen Wie­ner Gene­ral­vi­kar Hel­mut Schül­ler geführ­te „Pfar­rer-Initia­ti­ve“ unge­hor­sa­mer Prie­ster for­dern „Ände­rung der kirch­li­chen Moral­leh­re“ und „Aner­ken­nung der Lebens­wirk­lich­keit“ und fin­den damit Ein­gang in die Medi­en. Die­se haben sich von der Neu­en Zür­cher Zei­tung über den ORF bis zu Katholisch.de, dem Inter­net­por­tal der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz begie­rig auf einen in der Jesui­ten­zeit­schrift Civil­tà  Cat­to­li­ca ver­öf­fent­lich­ten Arti­kel gestürzt, der das Kon­zil von Tri­ent ver­zerrt und eine „Öff­nung“ in Rich­tung „Zweit­ehe“ ver­tritt (sie­he Bericht Vene­zia­ni­sche „Zweit­ehe“? Über­ra­schungs­coup zum Auf­takt der Bischofs­syn­ode mit Ver­zer­rung des Kon­zils von Tri­ent).

Hier eini­ge Über­le­gun­gen von Cor­dia­li­ter, die zusam­men mit dem Gebets­auf­ruf ver­öf­fent­licht wur­den.

 

von Cor­dia­li­ter

In tra­di­tio­nel­len Krei­sen herrscht gro­ße Besorg­nis wegen der destruk­ti­ven Des­in­for­ma­ti­on, die von der pro­gres­si­ven Pro­pa­gan­da mit­tels Zugang zu den Mas­sen­me­di­en rund um die Bischofs­syn­ode betrie­ben wird. Vie­le pro­gres­si­ve Jour­na­li­sten machen glau­ben, daß die Katho­li­sche Kir­che wie eine Art Par­la­ment sei, in dem Geset­ze je nach momen­ta­ner par­la­men­ta­ri­scher Mehr­heit geän­dert wer­den kön­nen. Was von einer kon­ser­va­ti­ven Mehr­heit als Straf­tat ver­bo­ten wer­den kann, kann eben­so­gut von einer spä­te­ren pro­gres­si­ven Mehr­heit lega­li­siert wer­den.

Die katho­li­sche Glau­bens­leh­re ist eine ern­ste Sache, die nicht dem Rela­ti­vis­mus vor­ge­wor­fen wer­den darf. Wäh­rend die Geset­ze der Kir­che mit Klug­heit geän­dert wer­den kön­nen, kann das ewi­ge Gesetz Got­tes von kei­nem Geschöpf ver­än­dert wer­den. Den­ken wir an die Ver­hü­tungs­mit­tel, deren Gebrauch intrin­sisch dem Natur­recht wider­spricht, das Gott in unse­re Her­zen ein­ge­schrie­ben hat und den des­halb kei­ne wie auch immer gear­te­te „pro­gres­si­ve Mehr­heit“ für mora­lisch erlaubt erklä­ren wird kön­nen.

Die geg­ne­ri­sche Pro­pa­gan­da ver­ur­sacht lei­der gro­ße Ver­wir­rung unter den Men­schen, die in Fra­gen der Glau­bens­leh­re nicht sat­tel­fest sind. Sie streut Zwei­fel, ob es nicht doch mög­lich sein könn­te, zu ändern, was die Kir­che immer bezüg­lich Schei­dung und „Homo-Ehe“, Ver­hü­tungs­mit­tel, vor­ehe­li­chen Geschlechts­ver­kehr und ande­ren Fra­gen der Sexu­al­mo­ral gelehrt hat. Ein nicht schwe­res Unter­fan­gen in einer Zeit, in der „Demo­kra­tie“ häu­fig als Frei­brief miß­ver­stan­den wird, über alles bestim­men zu kön­nen, auch über das Leben ande­rer, wie in den Berei­chen Abtrei­bung und Eutha­na­sie. Der Papst kann nur Geset­ze ändern, die allein von der Kir­che erlas­sen wur­den (zum Bei­spiel das Alter der Kar­di­nä­le, die am Kon­kla­ve teil­neh­men dür­fen). Der Ein­druck führt daher in die Irre, den die Medi­en ver­mit­teln, wenn sie die Gläu­bi­gen glau­ben machen wol­len, der Papst habe auch die Voll­macht, zu ändern, was Gott in Sei­ner unend­li­chen Weis­heit fest­ge­legt hat.

Kardinal Giuseppe Siri zur Unveränderlichkeit der Glaubenslehre

Es ist nicht das erste Maß, daß pro­gres­si­ve Mas­sen­me­di­en Ver­wir­rung unter den Gläu­bi­gen stif­ten. Der gro­ße Kar­di­nal Giu­sep­pe Siri sag­te am 12. Dezem­ber 1965, als er aus Rom zurück­kam in Genua zu Jour­na­li­sten:

„Ich neh­me an, Ihr erwar­tet Euch von mir irgend­ei­ne Nach­richt (…) über etwas kann ich sofort spre­chen und ich tue es ger­ne, und bin mir sicher, zu klä­ren und in die rich­ti­ge Dimen­si­on zu brin­gen, was die Vul­ga­ri­tät der Infor­ma­ti­ons­mit­tel, die alle auf die Sen­sa­ti­ons­mel­dung abzie­len und oft auf klein­gei­sti­ge Par­tei­lich­keit, häu­fig an Genau­ig­keit, Respekt und Maß ver­mis­sen las­sen. (…) Mehr als einer hat geglaubt, das Kon­zil wür­de die Tür zur sünd­haf­ten Gebur­ten­be­schrän­kung öff­nen und ver­kün­de­te den Män­nern und Frau­en Ver­gnü­gen ohne kla­re Pflich­ten in Bezug auf Nach­wuchs. Nun gut, lest Euch das Kapi­tel des zwei­ten Teils des berühm­ten Sche­mas 13, das der Ehe gewid­met ist und Ihr wer­det sehen, daß das genaue Gegen­teil der Fall ist.

(…) ich bin ver­pflich­tet, Euch dar­an zu erin­nern, daß nichts von allem, was bereits zur siche­ren Leh­re der Kir­che und in wel­cher Art auch immer direkt oder indi­rekt zur Wahr­heit des Glau­bens und der Moral gehört, nichts von der Kon­sti­tu­ti­on der Kir­che, nichts von dem, was von Chri­stus und – auf sei­nen Auf­trag hin – von den Apo­steln fest­ge­legt wur­de, ver­än­dert wer­den kann. Die gan­ze Welt der Mit­tel und Instru­men­te, der Regeln und Bestim­mun­gen, die immer geän­dert wer­den kön­nen, liegt jen­seits die­ser unab­ding­ba­ren Linie. (…)

Man hat viel Lärm gemacht um die Kol­le­gia­li­tät der Bischö­fe, als kön­ne die­se die Voll­mach­ten des Stell­ver­tre­ters Chri­sti ein­schrän­ken. Die Kol­le­gia­li­tät aber ver­leiht den Bischö­fen in der Welt­kir­che nichts mehr als das, was man vor­her auch schon wuß­te, und der Pri­mat des Pap­stes ist der, der er immer war. (…) Nicht daß es nicht an sol­chen fehl­te, die davon träum­ten, die päpst­li­che Auto­ri­tät zumin­dest indi­rekt ein­zu­schrän­ken. Wenn dem so war, haben sie eine bit­te­re Ent­täu­schung erlebt. (…) Nun ist es not­wen­dig dafür zu arbei­ten, daß nie­mand die Kon­zils­do­ku­men­te ver­zerrt oder schlecht inter­pre­tiert (…). Ich sehe bereits den Ver­such einer Ver­dre­hung vor­aus und war­ne davor.“

Über­set­zung: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Cor­dia­li­ter

12 Kommentare

  1. aha, also Doku­men­te super, dann lei­der ver­dreht wor­den? Das ist fast zu wenig, dass ich mir als Jahr­gang 1972 die fast völ­li­ge Implo­si­on der Kir­che in vie­len Län­dern erklä­ren kann… Nicht viel­leicht doch zu schwam­mi­ge, sozio­lo­gi­sche, dehn­ba­re Doku­men­te, aus denen jeder das raus­le­sen kann, was ihm passt? So als vor­weg genom­me­ne Fran­zis­kus-Per­len?

    Bin kein Spe­zia­list und kann nicht alle Doku­men­te lesen, aber ich spe­ku­lie­re vom Ergeb­nis her…

  2. An der Reak­ti­on der Chri­sten auf die momen­ta­ne pro­gres­si­ve Pro­pa­gan­da kann man erken­nen, wer glau­bens­treu ist und sich über­haupt für die Leh­re der katho­li­schen Kir­che inter­es­siert, und wer nicht. Die Chri­sten auf der gan­zen Welt wer­den sozu­sa­gen durch­ge­siebt, übrig blei­ben auf der einen Sei­te die Got­testreu­en, wenn auch in gerin­ger Zahl, und auf der ande­ren Sei­te, die zahl­rei­chen vom (wahren)Glauben Abge­fal­le­nen.
    Genau das ist nichts ande­res als ein Schis­ma, eine Kir­chen-Spal­tung, die wir in die­ser ohne­hin chao­ti­schen Zeit auf Erden erle­ben. Es ist trau­rig zu sehen, zu wel­chen Mit­teln man­che katho­li­schen Wür­den­trä­ger grei­fen, wenn es dar­um geht, die eige­nen pro­gres­si­ven Zie­le zu errei­chen. Manch einer von ihnen scheint zu den­ken, die Höl­le wäre für sie weni­ger heiß, wenn sie dem Teu­fel zuar­bei­ten. Aber zwi­schen ewi­gem Lohn und ewi­ger Stra­fe herrscht ein Rie­sen­un­ter­schied, wie schon das Gleich­nis vom rei­chen Mann und vom armen Laza­rus erzählt(Lukas 16, 19–31). Die Ewig­keit hört nie­mals auf, was nutzt es da schon, viel­leicht ein paar Jahr­zehn­te lang ein erfüll­tes, aber gott­lo­ses Leben auf Erden zu haben, wenn das was nach­her kommt jeden Hor­ror­film in den Schat­ten stellt. Was auf Erden ange­nehm ist, wird man nach­her nur dann haben wenn man Gott vor­her schon durch Gebet und best­mög­li­ches Erfül­len aller sei­ner Gebo­te nahe war. Man kann nie­mals oft genug an die Ewig­keit erin­nern, denn dar­auf soll­te sich idea­ler­wei­se unser gan­zes Den­ken und Han­deln aus­rich­ten.

    • Dass hier ein Sie­ben statt­fin­det — statt­ge­ge­ben. Aber der Front­ver­lauf ist nicht mehr offen­kun­dig. Denn auch die, die sich so ger­ne „tra­di­ti­ons­treu“ nen­nen, sind es ja längst nicht mehr.

      Dafür ist auch Siri ein gutes Bei­spiel — war er so ver­na­gelt, dass er im Ernst nicht erkann­te, dass die­ses Kon­zil der Auf­takt zur schlei­chen­den Zer­stö­rung wer­den wür­de?

      Und ist es nicht ein Zei­chen des Glau­bens­ab­falls, dass auch die Kon­ser­va­ti­ven sich ein­lul­len lie­ßen davon, dass die Päp­ste erst mal (außer in der Ver­tau­schung der Ehe­zwecke — was an sich schon ver­hee­rend ist — und die „Tra­di­ti­on“ hats nicht erfasst!) das 6. Gebot weit­ge­hens unan­ge­ta­stet lie­ßen, jeden­falls ober­fläch­lich gese­hen? Solan­ge das Sex­the­ma noch stimmt, ist man ger­ne bereit, das Mess­op­fer, die Got­tes­mut­ter und wesent­li­che ande­re Dog­men mit Füßen zu tre­ten, wenn es der „Hei­li­ge Vater“ vor­macht.…

      Das heißt im Klar­text: auch die Kon­ser­va­ti­ven und „Tra­di­ti­ons­treu­en“ haben die Zeit mit alber­nen Spiel­chen ver­bracht. Dazu gehört auch, dass man auf Bie­gen und Bre­chen häre­ti­sche Päp­ste aner­ken­nen muss und theo­lo­gisch alles so lan­ge ver­biegt, bis es passt, dabei aber unbe­merkt da ankommt, wo der Moder­nis­mus vor 100 Jah­ren sei­nen Aus­gangs­punkt nahm: in der Bestrei­tung der Lehr­ge­walt, die ja eh nie oder so gut wie nie wirk­sam wür­de und der Behau­tung, dass sich der Papst ja doch meist irren würde…Die Tra­di­ti­on steht den Post­mo­der­ni­sten viel näher als ihr bewusst ist.

      Nun reißt Ber­go­glio dem nach­kon­zi­lia­ren Papst­tum die letz­te Mas­ke vom Gesicht: nach lan­gem „päpst­li­chen“ Keusch­heits- und Anstands­ge­säu­sel nach dem Kon­zil, in des­sen Wind­schat­ten man unbe­sorgt sein anti-dog­ma­ti­sches Zer­stö­rungs­werk tun konn­te, outet sich die­se (Pseudo-)„Kirche“ nun als das, was sie immer woll­te — die Ver­nei­nung des Wil­lens Got­tes total. Mit dem letz­ten Sakra­ment, das zwar wich­tig, aber kein unaus­lösch­li­ches Merk­mal in die See­le prägt, und sei­ner Auf­lö­sung, ist die Zer­stö­rung dann kom­plett.

      Wer wird das über­ste­hen? Ich mei­ne — wer hat die Kraft, das gei­stig aus­zu­hal­ten? Ich jeden­falls ohne Gna­de nicht.
      Gott steh uns bei!

      • Da haben sie ganz klar Recht, man weiß heu­te wirk­lich nicht mehr, wer von den katho­li­schen Prie­stern und Wür­den­trä­gern noch tra­di­ti­ons­treu und kon­ser­va­tiv ist und wer nicht. Jeden­falls ver­ste­he ich es so, dass die­se von ihnen gemeint sind, so wie auch in mei­nem Kom­men­tar.
        Ich den­ke außer­dem, dass sich vie­le von den ver­nünf­ti­gen Katho­li­ken, die der ursprüng­li­chen Leh­re treu geblie­ben sind ange­sichts der vie­len pro­gres­si­ven Stim­men inner­halb der Kir­che nichts mehr zu sagen trau­en. Ohne Got­tes Hil­fe lässt sich das Kom­men­de mit Sicher­heit nicht aus­hal­ten. Wenn ein­mal das Hei­li­ge Mess­op­fer abge­schafft wer­den wird(Pater Pio hat es vor­aus­ge­sagt), dann wer­den sich vie­le inner­halb der katho­li­schen Kir­che ent­schei­den MÜSSEN, da kann man nur hof­fen dass der Tag X nicht all­zu nahe bevor­steht.

      • Wenn die Mes­se abge­schafft ist: Dann wird auch ein Pater Pio die katho­li­sche Kir­che ver­las­sen. Wenn das Fass ganz aus­ge­höhlt sein wird, wird es umfal­len.
        Als Ber­go­glio zum Papst gewählt wur­de, habe ich ein Gedicht geschrie­ben, das mir heu­te wie eine Weis­sa­gung scheint. Dar­in hieß es:
        Zuerst jubeln sie dir zu,
        dann aber,
        wenn du vom T(h)ron gestie­gen bist,
        wenn Sie dir alles Gold uns Sil­ber (Glau­bens­schät­ze)
        ent­ris­sen haben,
        stei­ni­gen sie dich.

        So sinn­ge­mäß. Ich will es jetzt nicht her­vor­kra­men. Zumin­dest sehe ich, dass ihn alle Men­schen fei­ern. Schließ­lich, wenn es bei ihm nichts mehr an Aner­ken­nung zu ent­rei­ßen gibt — denn sei­ne Popu­la­ri­tät lebt vom Nim­bus sei­ner Vor­gän­ger, er ist jetzt der Pop­star zum Anfas­sen — neh­men sie ihn besten­falls nicht mehr ernst. Dann hat er aber das Amt der Ein­heit geop­fert.
        Aber die Kir­che wird nicht unter­ge­hen. Erst, wenn alle Ord­nung ent­ris­sen wor­den ist, wer­den die Men­schen wie­der in eine Sehn­sucht nach Ori­en­tie­rung kom­men. Dann wird in Euro­pa aller­dings der Islam herr­schen. Deutsch­land schafft sich ja bekannt­lich ab.

      • @ dhmg

        Das Hl. Mess­op­fer ist seit 1970 abge­schafft!

        Ich mein­te es aber wei­ter­ge­fasst — nicht nur kon­zils­kirch­li­che Prie­ster, son­dern auch die der FSSPX eben­so wie vagan­te Prie­ster und Bischö­fe und vor allem die vie­len Lai­en, von denen jeder sich beru­fen glaubt, nun die Leh­re zu ret­ten, wobei die alt­backe­nen, teil­wei­se aber­gläu­bi­schen oder poli­ti­schen Bei­mi­schun­gen den mei­sten wich­ti­ger sind, als die Leh­re selbst…

        Es ist ein unüber­seh­ba­res Cha­os, und man kann nir­gends hin­ge­hen und sagen: ach ja, da ist noch alles „sau­ber“. Oft­mals hängt ein segens­rei­cher Ort von einem ein­zi­gen Prie­ster oder einer ein­zi­gen Ordens­frau oder einem Lai­en ab, der oder die noch irgend­wie glaub­wür­dig den Wil­len des Vaters tun wol­len, um sich aber Per­so­nen sam­meln, die von ande­ren Moti­ven getra­gen sind. Stirbt der- oder die­je­ni­ge, bricht ein ande­rer Geist aus.

      • @Zeitschnur: einer­seits kann ich ihre Schwie­rig­kei­ten nach­voll­zie­hen, einen wirk­lich segens­rei­chen Ort zu fin­den, ande­rer­seits:

        1) erwar­ten Sie da nicht irgend­wo das Para­dies auf Erden?
        2) war das frü­her bes­ser?
        3) Kommt es nicht auch ein biss­chen so rüber, dass ausser Ihnen kei­ner mehr weiß, was ein segens­rei­cher Ort ist?

      • @ kostan­ti­nov

        Sie bre­chen ein objek­ti­ves Pro­blem, das ich for­mu­lie­re, auf eine pri­va­te oder sub­jek­ti­ve Äuße­rung her­un­ter.

        Damit wer­den Sie dem, was ich zu beden­ken gebe, nicht gerecht, son­dern len­ken dadurch ab, dass Sie per­sön­lich wer­den.

        Es geht doch nie­mals drum, ob nur ich etwas weiß — schrieb ich nicht „Wer wird das über­ste­hen? Ich mei­ne – wer hat die Kraft, das gei­stig aus­zu­hal­ten? Ich jeden­falls ohne Gna­de nicht.
        Gott steh uns bei!“

        Damit habe ich klar aus­ge­drückt, dass auch ich in gewis­ser Wei­se rat­los bin, aber dar­auf set­ze, dass Gott einen irgend­wie mit den rech­ten Gefähr­ten ver­bin­den wird.

        Ich ver­ste­he schon, dass die­ser Gedan­ke so schmerz­haft ist, dass Sie ihn abstrei­fen wol­len wie ein Kleid, das Ihnen unan­ge­nehm auf der Haut liegt. Es hilft aber nichts.
        Frü­her war das natür­lich im prak­ti­schen Ergeb­nis „vor Ort“ kaum „bes­ser“ — nur war das Lehr­amt eben nicht häre­tisch. Das depo­si­tum fidei wur­de klar und nach­voll­zieh­bar defi­niert. Das war aller­dings frü­her ganz ganz anders! Immer!

      • Das hl. Mess­op­fer ist ein leben­di­ges Opfer. Man kann es nicht abschaf­fen, da es Jesus sel­ber ist.
        Pater Pio ant­wor­te­te einer Frau, die sich beklag­te:
        „Pater Pio, immer bin ich so krank, dass ich nicht zur hl. Mes­se gehen kann.“
        Pater Pio ant­wor­te­te ihr:
        „Wenn du die hei­li­ge Mes­se nicht mit­fei­ern kannst, weil du krank bist, DANN LEBST DU DIE HEILIGE MESSE!“
        Hüten wir uns des­halb, dass wir die Form ver­ab­so­lu­tie­ren und den Geist nicht mehr wir­ken las­sen.
        Gott sagt auch: ICH WILL NICHT EURE OPFER (hier gedan­ken­lo­se Brand­top­fer), ICH WILL EURE HERZEN.
        Sie kön­nen tau­send Mes­sen besu­chen. Das nützt Ihnen rein gar nichts, wenn sie nicht die Lie­be in sich haben. VERSÖHNE DICH ZUERST MIT DEINMEM BRUDER, DANN KOMME UND BRINGE DEIN (Liebes)OPFER.
        Die Mes­se will uns zei­gen und uns bestär­ken, was wir im All­tag ver­wik­licht haben bzw. bewir­ken sol­len. ITE MISSA EST.
        Die Kir­che ist ein Bild für unse­re HEZENS- und SEELENRÄUME.
        In einer Zeit, wo sich die Men­schen sel­ber fei­ern und den Huma­nis­mus auf den Altar ihrer Ich­sucht stel­len, ist es von Nöten, die Aus­rich­tung auf GOTT/JESUS und sei­ne Füh­rer­schaft im Ritus der ALTEN MESSE zu ver­deut­li­chen. Wer jedoch den Geist hat, kann Gott auch im NEUEN RITUS wür­dig begeg­nen.
        Und ich bin über­zeugt, dass des­halb die Mes­se 1970 nicht abge­schafft wur­de!!!!
        Was nützt es uns 1000 Mal Weih­nach­ten zu fei­ern, wenn Chri­stus nicht zuerst in uns Mensch wird??
        Wenn wir im Gei­ste CHRISTI erwacht sind, SIND wir GESANDTE, leben­di­ge Mes­se.
        Wenn man das Gesag­te jetzt wie­der zer­plückt, kann man sicher eini­ges Häre­ti­sches und Blas­phe­mi­sches bemä­keln. Wich­tig hin­ter allem ist aber, wes­sen Gei­stes Kind einer ist.
        Und das erweist sich meist in den Situa­tio­nen des Lebens und des All­tags, aus denen wir in das leben­di­ge Zeug­nis hin­aus­tre­ten müs­sen.
        Hal­ten wir die Gebo­te? Besu­chen wir Kran­ke, sind wir inte­ger? Oder suchen wir den Streit? Sind wir vor allen Din­gen klug und reden dann, wenn wir gefragt wer­den? Oder immer dann, wenn es uns passt?
        Wie wer­den wir nach außen hin wahr­ge­nom­men?
        Kurz und gut: Inhalt und Form sind eine Ein­heit. Wenn es uns gelingt MIT DER ALTEN MESSE die Welt zu ver­än­dern, ver­än­dern wir sie. Denn bewäh­ren müs­sen wir und nach dem Zwie­ges­rüch mit unse­rem Gott immer noch in der Welt da drau­ßen! Sie deckt unser Inne­res auf.

      • Kom­men­tar zur Aus­sa­ge von Zeit­schnur:
        „Es ist ein unüber­seh­ba­res Cha­os, und man kann nir­gends hin­ge­hen und sagen: ach ja, da ist noch alles „sau­ber“. Oft­mals hängt ein segens­rei­cher Ort von einem ein­zi­gen Prie­ster oder einer ein­zi­gen Ordens­frau oder einem Lai­en ab, der oder die noch irgend­wie glaub­wür­dig den Wil­len des Vaters tun wol­len, um sich aber Per­so­nen sam­meln, die von ande­ren Moti­ven getra­gen sind. Stirbt der- oder die­je­ni­ge, bricht ein ande­rer Geist aus.“
        Jawohl, das Cha­os ist da. Das muss man unum­wun­den zuge­ben. Nun gibt es aber wohl zwei For­men, dem Cha­os zu begeg­nen:
        LIe­be 1) Ich ver­lan­ge die voll­kom­me­ne Befol­gung der Gebo­te, die Erfül­lung der Gerech­tig­keit. Denn erst dann kommt die Freu­de in das Herz der Men­schen und der Gerech­tig­keit folgt die Barm­her­zig­keit. Ohne Umkehr also kei­ne heil­brin­ge­de Freu­de und Barm­her­zig­keit.
        LIe­be 2) Ich sehe das Cha­os, die Abir­rung über­all, ich vestricke mich bei dem Ver­such, einer dif­fu­sen mensch­li­chen Lie­bes­sen­sucht (eigent­lich die Sehn­sucht nach der Begeg­nung mit Gott) mit der Wahr­heit der Gerech­tig­keit Got­tes zu begeg­nen. Aber ich unterliege.Alles durch­mischt sich noch mehr.
        Lie­be 3) Ich zie­he mich zurück in die Wüste/Einsamkeit/Kloster/ins Gebet, um mich in der Wahr­heit zu befe­sti­gen. Dann gehe ich wie­der hin­aus zu den Men­schen.
        Lie­be 4) Ich erken­ne die eige­ne Schwä­che und tre­te einem kon­tem­pla­ti­ven Orden bei (z.B. Fr. der Imma­cu­la­ta). Ich glau­be durch das Gebet zu wir­ken und dass Gott star­ke, recht­schaf­fe­ne Füh­rer­ge­stal­ten erweckt. Dass er Hei­li­ge her­vor­bringt. Dass er Beru­fung zum Ordens- und Prie­ster­stand bewirkt.
        Alles in allem sehe ich momen­tan nur ein ein­zi­ges Heil­mit­tel: sich selbst auf dem Boden der Beschei­den­heit ein­zu­pflan­zen. Denn eine über­züch­te­te Kon­sum­welt hat kein offe­nes Ohr für die Rufe Got­tes. WIR SIND EINE KULTUR DES TODES.
        Dem­nach ist die Pius­bru­der­schaft eigent­lich ein kon­tem­pla­ti­ver Orden der Beschei­den­heit. Ich den­ke, ohne Beschei­den­heit ist die selbst­lo­se christ­li­che Lie­be, die Chri­stus mit der Freu­de des Her­zens ver­gillt, undenk­bar.
        Abschlie­ßend möch­te ich sagen, dass es tat­säch­lich auf DICH als ein­zel­nen ankommt, der im Wor­te Got­tes steht, wirk­lich steht, denn das heißt zu wir­ken begin­nen. Wiken heißt ‚echt sein‘, ehr­lich sein. War­um bewir­ken wir nichts?? Weil wir Chri­stus nicht ernst neh­men.
        Aber trö­sten wir uns: alles wur­de vor­ausg­sagt, wie es gera­de kommt. Die Kir­che Chri­sti wird nicht unter­lie­gen. Und wenn alles dar­nie­der­liegt, kommt Chri­stus sel­ber (wie­der), um alles neu (auf-) zu — rich­ten.

      • Ver­zei­hung @ Pater Pio, ich hab es nicht so mit der Psy­cho­lo­gie. Wir lei­den vor allem und eigent­lich aus­schließ­lich unter der gei­sti­gen Ver­wir­rung.

        Die­se Ver­wir­rung ist eine ECHTE Ver­wir­rung — also eine, der man nicht mehr irgend­wie „gekonnt stra­te­gisch“ begeg­nen kann.

        An genau die­ser Tat­sa­che schei­tert ja die selbst­er­nann­te Tra­di­ti­on seit Jahr­zehn­ten.

        Ich bin nicht mut­los, aber ich weiß, dass es zu spät ist. Die Zeit wur­de ver­tan mit Halb­hei­ten, pseu­do­ka­tho­li­schen Wahn­ideen und heil­lo­sen Ver­mi­schun­gen. Das ist auf der Tra­di-Sei­te des­halb beson­ders ver­hee­rend, weil sich dort ja die ein­fin­den, die eigent­lich das Wah­re suchen. Die Wahr­heit wird ihnen jedoch kon­ta­mi­niert dar­ge­bo­ten, gespickt mit poli­ti­schen Häre­si­en von rechts, dem Geist der Lüge, der das Unlieb­sa­me auf der rech­ten Sei­te ein­fach weg­leug­net oder schön­re­det und bigot­tem Mora­lis­mus, gar­niert mit einer hyste­ri­schen „Lie­be“ zum alten Ritus.

        Ich sehe ein Rie­sen­pro­blem: der Lef­eb­vris­mus hat sich „die“ Tra­di­ti­on gewis­ser­ma­ßen als eige­ne Mar­ke paten­tie­ren las­sen. Das, was er dar­un­ter ver­kauft, ist nur teil­wei­se noch das, was mal Tra­di­ti­on war. Der ande­re Teil ist Per­so­nen­kult, Anma­ßung, Unred­lich­keit, Aus­er­wählt­heits­ideo­lo­gie, Über­grif­fig­keit.
        Geschickt und erfolg­reich wur­de jeder ande­re Ver­such, an der Tra­di­ti­on fest­zu­hal­ten als „Sediva­kan­tis­mus“ ideo­lo­gisch nie­der­ge­macht.

        Resul­tat: es gibt kaum noch jeman­den, der die gei­sti­ge oder allei­ne die zeit­li­che und leib­li­che Kraft hat, sich in die ech­te, ja „remo­ta“ vor­lie­gen­de Tra­di­ti­on zu ver­tie­fen. Bzw. es gibt ja kei­nen mehr, der die­se Tra­di­ti­on selbst noch erfah­ren hat und dar­aus einen Weg ablei­ten könn­te.

        Ja, wir wis­sen, dass das so kom­men muss! Des­halb kön­nen wir ja auch auf­wärts schau­en — aber nicht durch die Bril­le „der“ Tra­di­ti­on, son­dern durch Maria auf Jesus. Aber Mari­as Herz wur­de auch durch­bohrt, wie ihr Sime­on wiessag­te, genau wie das Herz Jesu. Einen ande­ren Weg gibt es nicht. Und schön­re­den kann man das Desa­ster auch nicht. Man soll­te Leid Leid nen­nen dür­fen und nicht weg­psy­cho­lo­gi­sie­ren.

      • Ich gebe zeit­schnur recht (s.o.).
        Im Übri­gen: Wenn wir die Wahr­heit befol­gen, geht es natü­rich nicht in erster Linie um gute Gefüh­le, wie es die Psy­cho­lo­gen­zunft lehrt, also in der Form wie: ‚Mache, was dir Spaß macht, und du wirst heil‘. ‚Löse dich von dei­nem Part­ner, und du wirst frei.‘ ‘ Schla­ge zurück, und dein Selbst­be­wusst­sein wächst.‘ ‚Du musst wis­sen, was DU willst.‘ ‚Am Ende muss man an sich sel­ber den­ken, auch schon mal über Lei­chen gehen.‘
        Ich bin des­halb im Grun­de auch kein Freund der klas­si­schen Psy­cho­lo­gie und mache um Psy­cho­lo­gen einen gro­ßen Bogen. Denn mei­ner Ansicht nach sug­ge­rie­ren sie eher eine Krank­heit und ver­decken damit die Wur­zeln der Pro­ble­me, also die Sün­de und die Ein­sicht in deren Sucht­po­ten­ti­al. End­lo­se The­ra­pie­ge­sprä­che glei­chen einem Krei­sen um sich selbst, mit dem Effekt des tota­len Abhän­gig­wer­dens und der Ent­mün­di­gung der Gewis­sen. Äng­ste und Kon­flik­te wer­den immer wei­ter abge­drängt und füh­ren die Per­son schließ­lich in die Angst­er­kran­kung, an deren Ende die Sucht nach Psy­cho­phar­ma­ka steht. Im Ein­zel­fall kön­nen Psych­lo­gen sicher hel­fen, ins­ge­samt war­ne ich aber davor sich von ihnen abhän­gig zu machen und ihre säku­la­ren Welt­bil­der zu über­neh­men.
        Wenn ich den Ter­mi­nus ‚Psy­cho­lo­gie‘ über­haupt benut­ze, dann spre­che ich immer von der Erfah­rung der ‚auf Gott hin geschaf­fe­nen See­le‘. Also den Erfah­run­gen der Betrüb­nis, die die See­le macht, wenn sie sich von Gott ent­fernt und der Freu­de, die sie in der Nähe Göt­tes machen kann. Etwas ande­res ist frei­lich wie­der die hei­li­ge Betrüb­nis der dunk­len Nacht der See­le. Hier lei­det die See­le, aber ist gleich­zwei­tig bereit, für ‚die Bekeh­rung der Sün­der‘ tau­sen­de Tode zu ster­ben.
        Ins­ge­samt gese­hen bin ich über­zeugt, dass sich ein jeder, der die Sün­de begeht, sich im letz­ten see­lisch ver­letzt, d.h. auch Gefahr läuft, die leben­di­ge Verna­be­lung zu sei­nem Gott zu ver­letz­ten oder sogar ganz zu kap­pen. Er kann nicht froh wer­den. Im Kon­sum­rausch mag er gleich einem Dro­gen­ab­hän­gi­gen der Täu­schung eines erfüll­ten Lebens unter­lie­gen. Sei­ne See­le bleibt aber leer und er fin­det kei­ne Ruhe und kei­nen Frie­den. Das Gewis­sen ver­dun­kelt immer mehr. Der schein­ba­ren Freu­de weicht die Ver­zwei­fe­lung (sie­he Judas) spä­te­stens dann, wenn das geschaf­fe­ne Cha­os eines Lebens ‚fern ab von Got­tes Gebo­ten‘ den Men­schen sel­ber ein­holt. Auch in den Prü­fun­gen der Krank­heit ver­mö­gen nach außen gerich­te­te See­len (ohne Got­tes­be­zug) den Lebens­wil­len nicht auf­recht zu erhal­ten.
        WER SEIN LEBEN GEWINNEN WILL, DER WIRD ES VERLIEREN. WER ES ABER UM MEINETWILLEN GERING ACHTET, DER WIRD ES GEWINNEN:

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