„Der Papst ist kein Linker, aber er spricht wie ein Linker“ — Franziskus empfing radikale Linke Europas

Alexis Tsirpas vor dem Treffen mit Papst Franziskus auf dem Petersplatz
AlexisT­si­pras vor dem Tref­fen mit Papst Fran­zis­kus auf dem Peters­platz

(Rom) „Der Papst ist kein Lin­ker, aber er spricht wie ein Lin­ker.“ Unter die­sem Titel wid­me­te die links­li­be­ra­le öster­rei­chi­sche Tages­zei­tung Der Stan­dard Papst Fran­zis­kus in der Aus­ga­be vom 19. Sep­tem­ber eine gan­ze Sei­te nicht in den Rubri­ken Reli­gi­on oder Feuil­le­ton, son­dern Inter­na­tio­na­le Poli­tik.

Anlaß ist in der Tat eine „Pre­mie­re“ im Vati­kan. Die radi­ka­le euro­päi­sche Lin­ke wur­de vom Papst emp­fan­gen. Daß die „nicht ver­han­del­ba­ren Wer­te“ durch Papst Fran­zis­kus für die Welt ver­nehm­bar in der Prio­ri­tä­ten­li­ste zurück­ge­stuft wur­den, erleich­tert den Gesprächs­zu­gang. Eine wei­te­re Begeg­nung an allen offi­zi­el­len Pro­to­kol­len vor­bei.

Kein gerin­ge­rer als AlexisT­si­pras , der Vor­sit­zen­de der durch den Zusam­men­bruch der Sowjet­uni­on ent­stan­de­nen „reform­kom­mu­ni­sti­schen“ Nach­fol­ge­par­tei der Kom­mu­ni­sti­schen Par­tei Grie­chen­lands Syn­as­pis­mos (SYN), wur­de von Papst Fran­zis­kus in San­ta Mar­ta emp­fan­gen. 2004 bil­de­te Tsir­pas zusam­men mit ande­ren radi­ka­len Links­grup­pen die von SYN geführ­te Koali­ti­on der Radi­ka­len Lin­ken, kurz SYRIZA genannt, deren Vor­sit­zen­der er eben­falls ist.

Alexis Tsirpas führte Europas Linksradikale bei Europawahl

Nach dem Staats­bank­rott Grie­chen­lands und der Implo­si­on der Sozia­li­sti­schen Par­tei (PASOK) schaff­te die radi­ka­le Lin­ke bei den Par­la­ments­wah­len 2012 mit fast 27 Pro­zent der Wäh­ler­stim­men und 71 von 300 Par­la­ments­sit­zen den Auf­stieg zur zweit­stärk­ste poli­ti­schen Kraft des Lan­des.

Bei den Euro­pa­wah­len im Mai 2014 war Tsir­pas der Kan­di­dat für das Amt des Prä­si­den­ten der Euro­päi­schen Uni­on der Euro­päi­sche Lin­ken, wie sich der Zusam­men­schluß kom­mu­ni­sti­scher und ande­rer links­ra­di­ka­ler Par­tei­en nennt, der aus acht EU-Mit­glieds­staa­ten Abge­ord­ne­te in das Euro­päi­sche Par­la­ment ent­sen­den konn­te, dar­un­ter aus Deutsch­land Die Lin­ke.

Alexis Tsi­pras, so Der Stan­dard, „will mit Fran­zis­kus – trotz kom­plett gegen­sätz­li­cher Welt­an­schau­ung – gegen Wirt­schafts­kri­se und Kriegs­ge­fahr kämp­fen“.

„Angespannt“ in den Vatikan, „gelöst“ heraus

Tsipras nach dem Wahlerfolg 2012
Tsi­pras nach dem Wahl­er­folg 2012

Wie Stan­dard-Kor­re­spon­dent Peter Mayr berich­tet, traf die links­ra­di­ka­le Dele­ga­ti­on um 9.45 Uhr im Vati­kan ein. Tsir­pas, der von sich selbst sagt, Athe­ist zu sein, wirk­te laut Mayr beim Ein­tritt in den Vati­kan „ange­spannt“. Nach zwei Stun­den ver­ließ ein „gelöst wir­ken­der“ Tsir­pas den Vati­kan. Die Rede ist von einem „histo­ri­schen Tref­fen“. 30 Minu­ten habe die Pri­vat­au­di­enz gedau­ert. Die grie­chi­sche Regie­rung habe Druck aus­ge­übt, das Tref­fen abzu­sa­gen. Doch Papst Fran­zis­kus emp­fing den Chef der euro­päi­schen Links­ra­di­ka­len. „Die grie­chi­sche Regie­rung mag nichts, was ich mache“, sag­te Tsir­pas anschlie­ßend im Stan­dard-Gespräch.

Da die Begeg­nung in der der von Papst Fran­zis­kus bevor­zug­ten „inof­fi­zi­el­len“ Form statt­fand, gibt es kei­ne Erklä­rung des Vati­kans. Es blei­ben damit nur die Anga­ben Tsi­pras. Im Gespräch mit dem Papst sei die The­men­pa­let­te „sehr breit“ gewe­sen. Sie habe „Armut, Migra­ti­on, Wirt­schafts­kri­se und die herr­schen­de Kriegs­ge­fahr“ umspannt. „Der Dia­log zwi­schen der Lin­ken und der Kir­che ist wich­tig. Zwar gibt es unter­schied­li­che Ideo­lo­gi­en, in vie­len Punk­ten wol­len wir aber das­sel­be“, zitiert Der Stan­dard Tsir­pas wört­lich.

Der Papst habe die „Wich­tig­keit der Initia­ti­ven, um gegen Unge­rech­tig­kei­ten anzu­kämp­fen“ erkannt. Kurz sei es auch um grie­chi­sche Innen­po­li­tik gegan­gen: „Die Rei­chen wur­den noch rei­cher, die Armen ärmer. Wir haben Ban­ken geret­tet, nicht die Men­schen“, schil­dert  Tsi­pras sei­ne Zusam­men­fas­sung gegen­über dem Papst.

Papst-Audienz vom ehemaligen KPÖ-Vorsitzenden Walter Baier eingefädelt

Walter Baier, 1994-2006 KPÖ-Vorsitzender
Wal­ter Bai­er, 1994–2006 KPÖ-Vor­sit­zen­der

„Ein­ge­fä­delt“, wie der Stan­dard schreibt, wur­de das Tref­fen vom öster­rei­chi­schen Kom­mu­ni­sten Wal­ter Bai­er. Bai­er ist kom­mu­ni­sti­sches Urge­stein. Aus einer kom­mu­ni­sti­schen Fami­lie stam­mend, wur­de der Wie­ner 1977 Vor­sit­zen­der des Kom­mu­ni­sti­schen Stu­den­ten­ver­ban­des (KSV) und ZK-Mit­glied der Kom­mu­ni­sti­schen Par­tei Öster­reichs (KPÖ). 1987 stieg er ins Polit­bü­ro auf und blieb sei­ner Ideo­lo­gie auch nach dem Zusam­men­bruch des Ost­blocks treu. 1991–1994 war er Bun­des­se­kre­tär und von 1994–2006 Bun­des­vor­sit­zen­der der KPÖ. Seit­her ist Bai­er Koor­di­na­tor von trans­form! einem Netz­werk von 25 kom­mu­ni­sti­schen und links­ra­di­ka­len Zeit­schrif­ten in 18 euro­päi­schen Län­dern. Für die­ses Netz­werk sitzt er auch im inter­na­tio­na­len Rat des 2001 als lin­ker Gegen­ver­an­stal­tung zum Davo­ser Welt­wirt­schafts­fo­rum und den Welt­wirt­schafts­gip­feln gegrün­de­ten Welt­so­zi­al­fo­rums (WSF).

Sie­ben Mona­te hät­ten die Vor­be­rei­tun­gen bis zum Tref­fen mit dem Papst gedau­ert. Damit sei die radi­ka­le Lin­ke aber „schnel­ler“ gewe­sen, als Wiens sozi­al­de­mo­kra­ti­scher Bür­ger­mei­ster Micha­el Häupl. Des­sen Emp­fang beim Papst steht noch aus, gibt sich der radi­ka­le Lin­ke Bai­er über den Pre­sti­ge­er­folg über die gemä­ßig­te Lin­ke im ewi­gen Kampf zwi­schen Bol­sche­wi­ken und Men­sche­wi­ken zufrie­den.

„Papst steht Anliegen der Linken aufgeschlossen gegenüber“

Tsirpas blieb auch nach Ende der Sowjetunion seiner Ideologie treu
Tsir­pas blieb auch nach Ende der Sowjet­uni­on sei­ner Ideo­lo­gie treu

Wal­ter Bai­er ist seit 15 Jah­ren im „Dia­log“ mit der katho­li­schen, aber auch evan­ge­li­schen Kir­che aktiv und fin­det immer wie­der offe­nen Ohren und Türen für gemein­sa­me „sozia­le“ Initia­ti­ven. Auch „der Papst steht den Anlie­gen der Lin­ken — sozia­le Gerech­tig­keit, Kapi­ta­lis­mus­kri­tik – auf­ge­schlos­sen gegen­über“, so Bai­er gegen­über dem Stan­dard. Bai­er sieht in der „herr­schen­den Kri­se der insti­tu­tio­na­li­sier­ten Poli­tik- und Par­tei­en­land­schaft“ zwei Insti­tu­tio­nen in einer beson­de­ren Rol­le: „die Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten und die Gewerk­schaf­ten“.

„Bot­schaf­ten wie Hand­lun­gen von Fran­zis­kus las­sen die­se Les­art zu“, sekun­diert der Stan­dard-Kor­re­spon­dent. In Evan­ge­lii Gau­di­um habe der Papst ein „Nein zur sozia­len Ungleich­heit – die Gewalt her­vor­bringt“ gesagt. Zudem habe er eine „Ver­göt­te­rung des Gel­des“ kri­ti­siert.

Evangelii gaudium ist „beißende Kapitalismuskritik“

Bai­er und Tsi­pras sind sich dar­in einig: In Evan­ge­lii Gau­di­um lesen die bei­den Kom­mu­ni­sten „bei­ßen­de Kapi­ta­lis­mus­kri­tik“. Dar­in will die radi­ka­le Lin­ke einen „neu­en Ton“ erken­nen. Ex-KP-Chef und trans­form!-Koor­di­na­tor Bai­er träumt bereits von einer „breit auf­ge­stell­ten Alli­anz“. Die­se kön­ne „mehr Druck auf­bau­en“. Als Nagel­pro­be hat die radi­ka­le Lin­ke bereits den Welt­kli­ma­gip­fel 2015 in Paris im Auge.

Wie es mit dem Dia­log zwi­schen Links­ra­di­ka­len und Papst Fran­zis­kus wei­ter­ge­he, wis­se Tsi­pras nicht. Die­ser Dia­log sei aber „wich­tig“, denn eines sei ihm durch die Begeg­nung klar­ge­wor­den, sag­te Tsi­pras dem Stan­dard: „Der Papst ist kein Lin­ker, aber er spricht wie ein Lin­ker“.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Syriza/KPÖ/Esatchos (Screen­shots)




Sie lesen gern Katholisches.info? Zeigen Sie Ihre Wertschätzung!





30 Kommentare

  1. Die Fra­ge soll­te ja nicht lau­ten, ist nun „Fran­zis­kus I ein Lin­ker oder Nicht“ , son­dern
    „Ist Fran­zis­kus I ein Katho­lik oder nicht??“ Und nicht nur im Bezug auf Evan­ge­lii Gau­di­um ist Fran­zis­kus I ein Radi­ka­ler, aber lei­der eben nicht im Sin­ne Got­tes unse­res Herrn und sei­ner Kir­che.

    Got­tes und Mari­ens Segen auf allen Wegen

  2. Wie­ner Haus­mei­ster­wahr­heit:

    Jo, jo, und da Hidd­la woa koa Nazi ned,
    dea hod a bloß a so don!

    Vox popu­li, vox Rind­vieh! Und der größ­te Mist wird zur Per­le!

    • Ja eben. Das ist doch wie­der eine typi­sche lin­ke Aus­sa­ge, dass einer, der wie ein Lin­ker spricht, kein Lin­ker ist. Was ist er dann ?

      • Eben, und weil das eine typisch lin­ke Aus­sa­ge ist, sind Sie, ver­ehr­ter Ralph, ein ech­ter Rech­ter, weil Sie reden wie ein Rech­ter.

    • Mein lie­bes Engel­chen hat Recht,
      denn nur wahr­haf­tig ist und echt,
      wer, was er denkt auch frei ver­kün­det
      und kei­ne Nebel­ker­zen zün­det.
      Wer mit dem Mun­de fal­sches lehrt,
      den Man­tel nach dem Win­de kehrt
      und des­sen libe­ra­ler Sinn
      ihn reißt zu zwei­fel­haf­ten hin.
      Kurz, wer nicht ganz katho­lisch ist,
      den nennt Sankt Pius: M O D E R N I S T!

  3. Wenig­stens dies ist eine Kon­stan­te:
    Die Abnei­gung, ja die Ver­ur­tei­lung des Staats­bank­rotts, sei es nun von Rechts oder von Links hin­ge­boxt.
    Da schim­mert m.E. die pero­ni­sti­sche Ideo­lo­gie durch.
    Die argen­ti­ni­sche Prä­si­den­tin Kirch­ner, jetzt der links­ra­di­ka­le Tsir­pas- tja: wenig Geld und sehr viel Lärm.
    Auch die Ver­ei­nig­te Staa­ten und Groß­brittan­ni­en (schö­ne Geschen­ke für das Prinz­chen) wur­den wur­den freund­lich emp­fan­gen.
    Auf die Knien dage­gen muß­ten die Fran­zis­ka­nen und die Fran­zis­ka­ne­rin­nen der Imma­cu­la­ta und die mehr tra­di­ti­ons­freund­li­che Bischö­fe der USA.
    In fide con­stans

  4. Wann kommt ein­mal eine posi­ti­ve Nach­richt über die­sen Papst ? Ich schät­ze, da war­ten wir noch lan­ge oder am Ende gar ver­ge­bens. Mit die­sen nicht zuletzt auch demo­kra­tisch und wirt­schaft­lich destruk­ti­ven Kräf­ten muß­te sich Ber­go­glio tref­fen. Was soll denn das ?

  5. Papst Fran­zis­kus ali­as Jor­ge Mario Ber­go­glio beschreibt selbst wie sehr er von sei­ner aus Ita­li­en nach Argen­ti­ni­en aus­ge­wan­der­ten Groß­mutter ange­tan war. Die­se war eine sehr poli­ti­sche Frau und hat, wie es heißt, aus Wider­stand gegen den ita­lie­ni­schen Faschis­mus dem dama­li­gen Ita­li­en den Rücken gekehrt.
    Man kann ver­mu­ten, daß die­se Frau ihrem Enkel da eine gewis­se poli­ti­sche Sup­pe ein­ge­flößt hat. Des­we­gen hat Papst Fran­zis­kus auch kei­ne Berüh­rungs­äng­ste mit Marxisten/Linken wie es aus­schaut. Er betrach­tet sich ja offen­kun­dig als ein Kum­pel von die­sen. So ist das. Gleich und gleich gesellt sich gern.
    Kum­pel Mario und „mein Name ist Hase“.
    Dabei ist es ja in Ord­nung, das Wirt­schafts­sy­stem zu kri­ti­sie­ren, aber braucht er dafür Per­so­nen, die Pro Abrtei­bung und für die Zer­stö­rung der Fami­lie kämp­fen, die für das Reich Satans strei­ten?

    „Nee ‚Mario, ein Arbei­ter­freund bist Du nicht. So wenig wie Dei­ne mar­xi­sti­schen Spieß­ge­sel­len“.

    • “ …aber braucht er dafür Per­so­nen, die Pro Abtrei­bung und für die Zer­stö­rung der Fami­lie kämp­fen.…“
      Sie spre­chen aus, was auch ich mir dach­te.

  6. Par­tei­en aus dem „rech­ten“ Spek­trum, wie z.B. die grie­chi­sche Gol­de­nen Mor­gen­rö­te wird FRan­zis­kus wohl nicht emp­fan­gen. War­um nur die­se Ein­sei­tig­keit?

  7. Der Vati­kan und der Jesui­ten­or­den sind füh­rend an der New-World-Order-Agen­da betei­ligt (sie­he z.B. http://www.cuttingedge.org/ce1037.html). Der Illu­mi­na­ten-Orden hat zwei Jahr­hun­der­te dar­an gear­bei­tet, den Vati­kan zu über­neh­men. So gese­hen ist die Poli­tik von Papst Fran­zis­kus nur fol­ge­rich­tig. Das war die schlech­te Nach­richt. Die gute Nach­richt ist: Chri­stus Sie­ger, Chri­stus König, Chri­stus Herr in Ewig­keit.

  8. Wenn man mich fragt — Ber­go­glio redet nicht wie ein Lin­ker oder sonst einer, der irgend­ein kla­res Kon­zept hat.

    Viel­mehr klaubt er sich Ver­satz­stücke aus zeit­ge­nös­si­schen poli­ti­schen Kraft­s­prü­chen, die das Volk ger­ne hört zusam­men und mischt sie zu einem Zau­ber­trank auf, aus dem er täg­lich neue Pla­stik-Zau­ber-Per­len destil­liert. Das Gesöff wech­selt stän­dig die Kon­si­stenz, gewis­ser­ma­ßen nach Volks-Vor­lie­ben-Quo­te — er hat total ver­in­ner­licht, dass das Ein­tre­ten für eine kla­re Aus­sa­ge immer dem Geschäft scha­det.

    Er redet lei­der nicht wie ein Lin­ker — denn dann krieg­te man ihn ja zu fas­sen. Wäh­rend die Lin­ken für Abtrei­bung und die Homo­ehe plä­die­ren, laut und deut­lich, sagt F. nichts Hal­bes und nichts Gan­zes. Die Lin­ken den­ken: „O, den kön­nen wir evtl. weich­ko­chen!“ Und die Rech­ten den­ken: „Naja, er hat ja den Lin­ken nicht aus­drück­lich recht gege­ben, viel­leicht über­rascht er uns doch noch mit einer rich­ti­gen Ent­schei­dung.“
    Auch Evan­ge­lii gau­di­um ist total inkon­si­stent und ohne roten Faden.

    Links? Rechts? Kalt? Warm?
    Schön wär’s — lau ist der Mann, ein Oppor­tu­nist vom Dienst und ein Cha­mä­le­on.
    Genau­ge­nom­men ist nur sein nega­ti­ver Oppor­tu­nis­mus das ein­zig Kon­zep­tio­nel­le, das man seit dem März 2013 klar erken­nen kann.

      • Nein — ich „sprin­ge“ mit nie­man­dem „um“. Ich ana­ly­sie­re das Auf­tre­ten und die Äuße­run­gen Ber­go­gli­os. Und die Fra­ge ist ein­zig, ob es wahr ist, was ich sage, oder nicht.
        „Links“ und „rechts“ grei­fen heu­te als Kampf­be­grif­fe nicht mehr.
        Ich wür­de mir wün­schen, dass wir mit der Ana­ly­se im Hier und Jetzt ankom­men und nicht irgend­wel­che Begrif­fe aus dem 19. Jh (mit Aus­läu­fer ins 20. Jh) für aktu­el­le Phä­no­me­ne bemü­hen und uns damit ins Nir­va­na irgend­wel­cher ana­chro­ni­sti­schen Wahn­ge­bil­de ver­ab­schie­den.
        Hilf­reich ist nicht, jeman­den als links oder rechts abzu­stem­peln (ohne dass man weiß, was das meint) oder im Inter­net krampf­haft nach den Spu­ren der „frei­mau­re­ri­schen“ Ver­schwö­rer zu suchen — wer soll das genau sein und wo wir­ken die­se Leu­te? — , son­dern auf sei­ne kon­kre­ten Äuße­run­gen ein­zu­ge­hen.

        Und da sehe ich bei Ber­go­glio über­haupt kei­ne Linie. Die­ses ver­wir­ren­de Kon­zept ist sein Pro­gramm. Er ist kein „Moder­nist“! Bei aller Wert­schät­zung für Pius X. — die­ser Kampf­be­griff taugt heu­te nicht mehr. das ist bei Bene­dikt schon das Ver­wir­ren­de gewe­sen, dass er in die­sen Schub­la­den nicht mehr sach­ge­mäß erkannt wer­den konn­te — die einen sahen in ihm einen Moder­ni­sten, die ande­ren einen Kon­ser­va­ti­ven. war­um? weil er bei­des nicht ist, son­dern schon einen Schritt weiter…Tempus fugit! — Tem­po­ra mutan­tur, et nos mutamur in illis.

        Ber­go­glio ist ein post­mo­der­nes Phä­no­men — mit allen Kon­se­quen­zen.

        Ich erklä­re es an einem Bei­spiel:
        Die lin­ke (also: mar­xi­sti­sche oder auch kom­mu­ni­sti­sche oder sozi­al­de­mo­kra­ti­sche Dok­trin ist ein moder­nes Phä­no­men: man ging nach wie vor von Inno­va­ti­on und Fort­schritt, tech­nisch wie sozi­al, aus. Die Post­mo­der­ne ver­wei­gert sich in jedem Fall die­sem Opti­mis­mus mit­samt sei­nen ideo­lo­gi­schen Gesell­schafts­ent­wür­fen. Lesen Sie mal bei Lyo­tard http://de.wikipedia.org/wiki/Jean-Fran%C3%A7ois_Lyotard, wie die post­mo­der­ne Rich­tung defi­niert wird: ein­zig mög­lich ist noch plu­ra­li­sti­scher Libe­ra­lis­mus. Alle „Rah­men­er­zäh­lun­gen“ (Tra­di­tio­nen, Ideo­lo­gi­en etc.) sei­en geschei­tert. Ber­go­glio ver­kör­pert das total — er sieht sich als Inte­gra­ti­ons­fi­gur aller, wer immer das ist, aus­ge­nom­men natür­lich derer, die ver­al­te­ten „Rah­men­er­zäh­lun­gen“ anhän­gen. Im Grun­de geht auch Bene­dikt in die­se Rich­tung und man kann sein Motu pro­prio genau so ver­ste­hen — Plu­ra­lis­mus, lit­ur­gi­scher Plu­ra­lis­mus, des­sen Ende natür­lich offen sein muss…

        Ein „Hei­li­ger Vater“ im post­mo­der­nen Sinn kann nur noch jedem das zuwer­fen, was der hören will. Je bes­ser er das hin­kriegt, desto „hei­li­ger“ („Theo­lo­gie auf Knien“ — das ist der Kotau vor jeder­manns Situa­ti­on, die nicht ver­än­dert, son­dern „erho­ben“ wer­den soll ins „Reich Got­tes“. Es ist logisch: Scal­f­a­ri erfährt die Spie­ge­lung sei­nes Athe­is­mus, er darf sogar das Inter­view erfin­den, und F. zeich­net das ab — er ist Scal­f­a­ri. Schlimm ist nur noch das „Über ande­re reden“ — die „Sün­de, die schlim­mer ist als eine Sün­de“.

        „Wer bin, dar­über zu urtei­len?“ ist das Cre­do einens tota­len, post­mo­der­nen Patri­ar­chen.

  9. In der Tat besteht heu­te gleich­sam ein uni­for­mer Zwang, dem Kult der Huma­ni­tät“ dien­lich sein zu wol­len.
    Die­sen sieht der Phi­lo­soph Mar­cel de Cor­tes gar als auf­kom­men­de Gefahr
    gera­de auch inner­halb der Kir­che, wenn er
    — viel­leicht in etwas über­zo­gen, aber in der Sache doch stim­mig — schreibt:
    -
    „eine spi­ri­tu­el­le Dege­ne­ra­ti­on,
    die tie­fer geht als alles, was die Kir­che in ihrer Geschich­te erfah­ren hat,
    eine Krebs­krank­heit, in der die Zel­len sich schnell ver­viel­fa­chen um das zu zer­stö­ren,
    was noch am mysti­schen Leib gesund ist.
    Es ist ein Ver­such das König­reich Got­tes
    in das Reich des Men­schen zu ver­wan­deln,
    die Kir­che, die für Anbe­tung Got­tes geweiht wur­de
    zu erset­zen durch eine Kir­che, die dem Kult der Huma­ni­tät dient.
    Das ist die schreck­lich­ste und abscheu­lich­ste aller Häre­si­en“.
    -

    Die Kir­che als eine ( unter vie­len ande­ren ?!)
    bana­le „Kraft des Frie­dens“
    zum „Auf­bau des Huma­nis­mus von mor­gen“ ?!.
    So jeden­falls woll­te es wohl auch Kar­di­nal Sue­n­ens — einer der „Mode­ra­to­ren“ am Vati­ca­num II. — sehen:
    -

    „Nichts wird das Papst­tum von jed­we­den Ver­dacht des Abso­lu­tis­mus frei­spre­chen
    als der täg­li­che geüb­te Vor­rang des Die­nens,
    der mehr Wir­kung haben wird als alle Lehr­strei­tig­kei­ten….
    ohne zeit­li­che Macht zu besit­zen,
    hat die Kir­che des II. Vati­ca­num nur das eine Ziel; der Welt zu hel­fen,
    indem sie die Men­schen von Unwis­sen­heit,
    Miss­trau­en und bru­der­mör­de­ri­schen Hass befreit,
    und ihr behilf­lich zu sein
    gemein­sam mit allen Mäch­ten des Frie­dens
    den Huma­nis­mus von mor­gen zu bau­en“
    -

    Die­ser Kar­di­nal Sue­n­ens schrieb im Jah­re 1968 in „Die Mit­ver­ant­wor­tung der Kir­che“

    -
    „Je mehr das kirch­li­che Aggior­na­men­to, das eigent­li­che Ziel des Kon­zils,
    an Gestalt und Festig­keit gewann, umso leuch­ten­der wur­de
    sein uni­ver­sa­ler mensch­li­cher Wert sicht­bar.
    [.…],
    Auf die Welt hören bedeu­tet, sich
    auf die mensch­li­che Ver­fas­sung von heu­te ein­zu­las­sen
    oder wie der Kon­zils­text sagt ‚die Zei­chen der Zeit erfor­schen“

    -

    Und in „Die Welt als Auf­ga­be“ (!?) beton­te er:

    -
    „Den Men­schen von sei­ner Ver­ant­wor­tung vor der Geschich­te aus defi­nie­ren,
    heisst die Umris­se des Men­schen unse­rer Zeit bestim­men,
    des Men­schen, den wir in uns und um uns her­an bil­den müs­sen,
    damit er zur Wür­de eines Lebens in pla­ne­ta­ri­schen Dimen­sio­nen gelangt.
    Einen Huma­nis­mus der Ver­ant­wort­lich­keit ent­wickeln ,
    ist letz­ten Endes die gro­sse Auf­ga­be unse­res Jahr­hun­derts,
    eine gei­sti­ge und ethi­sche Aufgabe,und nie­mand hat das Recht sich ihr zu ent­zie­hen;
    am aller­we­nig­sten die Kir­che“
    -

  10. Was regen wir uns denn noch auf ? Wun­dert es jeman­den ? Ber­go­glio geht kon­se­quent sei­nen Weg und nie­mand hält ihn auf. Und wer nur den klein­sten Ver­such macht, der wird abge­sä­belt. Die Bei­spie­le sind Legi­on. Ehr­furcht habe ich vor die­sem Men­schen ohne­hin schon lan­ge kei­ne mehr und Papst ist für mich Papst Bene­dikt XVI. Jemand, der kon­se­quent die Kir­che zer­stört ( sei­ne Jub­ler spre­chen da immer von „refor­miert“), kann nicht Papst sein. Irgend­et­was muss im Kon­kla­ve falsch gelau­fen sein. Oder ist es das Wir­ken des Hei­li­gen Gei­stes, wenn man unbarm­her­zig jeden Anders­den­ken­den bru­tal abser­viert? Ber­go­glio und sein Wüten muß beim Namen genannt wer­den- irgend­wel­che Rück­sicht­nah­men sind weder diplo­ma­tisch, noch christ­lich, son­dern ein­fach unend­lich fei­ge!

    • Wenn Sie nicht nach­wei­sen, dass das letz­te Kon­kla­ve kano­nisch ungül­tig war (und das kön­nen Sie offen­kun­dig nicht nach­ei­sen), dann ist Fran­zis­kus Petrus, der die unver­brüch­li­che Ver­hei­ßung des Herrn hat und somit vom Hl. Geist gelei­tet wird. Ob es einem gefällt oder nicht. Unge­ho­ram ver­bie­tet sich damit für uns alle.

      • ja so ist es wohl, wer­te Hil­de­gard.
        Wobei der Hei­li­ge Geist die Kir­che nicht so lei­tet, dass alles was der Papst macht rich­tig ist, son­dern eher so, dass egal wie sehr der Papst den Kar­ren Kir­che in den Dreck fährt, der Kar­ren nicht kaputt geht und auch wie­der her­aus­ge­zo­gen wer­den kann.
        Im übri­gen fra­ge man mal Dr. Goog­le nach Papst Urban VI !
        Sei­ne Geg­ner fol­tern las­sen, so dass man ihre Schreie hört,. also soweit wird es wohl nicht kom­men und kei­ner hat bis­lang den Urban VI zum Gegen­papst erklärt.

      • Urban VI. hat kei­ne Häre­si­en ver­kün­det, kei­ne Ima­me in die vati­ka­ni­schen Gär­ten zum gemein­sa­men Gebet geholt, son­dern „nur“ per­sön­lich gesün­digt.
        Das ist nun mal eine ande­re Kate­go­rie.

        Auch wenn Ber­go­glio gül­tig gewählt ist, ist er den­noch nicht der Papst, denn er sün­digt nicht bloß per­sön­lich (wie Urban VI.), son­dern er ver­kün­det eine Irr­leh­re nach der ande­ren in der Grey-Zone.
        Wie­so soll­te man ihm gehor­chen?

      • ALso bis­lang hat auch Papst Fran­zis­kus offi­zi­ell kei­ne Irr­leh­re ver­kün­det.
        Sie haben wei­ter oben das Dile­ma doch recht gut beschrie­ben.
        ER ist kein Lin­ker, er ist kein Rech­ter, er ist kein Katho­lik, er ist kein Pro­te­stant er nimmt ein­fach Wort­fol­gen, die gut klin­gen und prä­sen­tiert sie.
        Das ist schlimm und selbst eines „Dorf­prie­sters“ unwür­dig, weil auch ein Dorf­prie­ster stu­diert haben muss und Papst Fran­zis­kus schließ­lich Jesu­it ist, und des­halb ja eigent­lich was von Unter­schei­dung = Dif­fe­ren­zie­rung ver­ste­hen müss­te.
        Gehor­chen kann man ihm gar nicht, weil er ja sich sel­ber bestän­dig wider­spricht, auch in dem, was er als Lebens­wei­se für Chri­sten so anweist.
        Sie haben Evan­ge­li­um Gau­dii erwähnt, ja das ist auch so ein Werk, rin in die Kar­tof­feln raus aus den Kar­tof­feln und ohne roten Faden gestrickt mit diver­sen roten Fäden, die man aber erah­nen muss und wenn man das tut, also rote Fäden suchen, dann muss man kon­sta­tie­ren, das Werk ist kein Socken mit Strick­feh­lern, nein das ist ein unent­wirr­ba­res Knäu­el.
        Wir sind uns da schon einig, den­ke ich.
        Aber wie gesagt bis­lang hat der sein Amt nicht aus­ge­übt, und ja wenn ich ihn als Papst ableh­ne, dann müsst ich aber Bewei­se brin­gen, das sei­ne Wahl ungül­tig war.
        Dass er ein Idi­ot ist, reicht nicht, das betraf auch z.B Urban, gei­stes­krank sei er gewe­sen, sagt Wiki.
        AUch z.B war es in frü­he­ren Zei­ten so, wenn ein Papst z.B senil wur­de und anfing dum­mes Zeug zu reden, so blieb er immer noch der Papst.
        ER wur­de dann abge­schirmt, was heut­zu­ta­ge lei­der fehlt.…… aber das ist ein ande­rer Punkt.
        Anson­sten wie Hil­de­gard aus­führ­te, wenn ich den Papst ableh­ne dann geht das nur, wenn ich sage die Wahl war kano­nisch ungül­tig, und dafür gibt es kei­ner­lei HIn­wei­se

      • Puh — nach sovie­len häre­ti­schen Päp­sten im Soft­be­reich fal­len selbst die här­te­ren Häre­si­en heu­te nicht mehr auf als das, was sie sind…

        Ein Papst ist nicht nur dann kein Papst, wenn sei­ne Wahl ungül­tig war.
        Wie soll einer, der sich wegen sei­nes öffent­lich beharr­lich bekann­ten Unglau­bens selbst aus der Com­mu­nio exkom­mu­ni­ziert hat, eigent­lich das Lehr­amt dar­stel­len?
        Und das Papst­sein ist ja kein Abstrak­tum, son­dern das kon­kre­te ordent­li­che und außer­or­dent­li­che Lehr­amt.

        Was hat das mit Päp­sten zu tun, die krank wer­den? Ein Gei­stes­kran­ker ver­kün­det doch NIE eine Häre­sie — er ist nicht Herr sei­nes Gei­stes…

  11. Ver­ehr­ter Zeit­schnur,
    lei­der haben Sie recht.
    Papst Fran­zis­kus bedient alles und jeden, „ob Katho­lik oder Hei­de“.
    Er ist weder Fisch noch Fleisch. Und genau dafür wird er — post­mo­dern — beju­belt.

Kommentare sind deaktiviert.