UNO durch Vereinte Religionen ersetzen — Vorschlag von Shimon Peres an Papst Franziskus

Papst Franziskus und Shimon Peres
Papst Fran­zis­kus und Shi­mon Peres

(Tel Aviv/Rom) Isra­els ehe­ma­li­ger Staats­prä­si­dent Shi­mon Peres wur­de heu­te vor­mit­tag von Papst Fran­zis­kus im Vati­kan emp­fan­gen. Dabei mach­te der israe­li­sche Poli­ti­ker Papst Fran­zis­kus den Vor­schlag, die UNO durch eine Welt­or­ga­ni­sa­ti­on der Ver­ein­ten Reli­gio­nen zu erset­zen und die Füh­rung die­ser UNO der Reli­gio­nen zu übernehmen.

Am 8. Juni hat­te Peres noch als amtie­ren­des Staats­ober­haupt auf Ein­la­dung von Papst Fran­zis­kus am Gebets­tref­fen für den Frie­den mit Palä­sti­nen­ser­prä­si­dent Mah­mud Abbas ali­as Abu Mazen teil­ge­nom­men. Seit 24. Juli über­nahm Reu­ven „Ruby“ Riv­lin das Amt des Staatspräsidenten.

Vor der Begeg­nung mit Papst Fran­zis­kus sag­te der israe­li­sche Poli­ti­ker, er wer­de dem katho­li­schen Kir­chen­ober­haupt einen Vor­schlag unter­brei­ten: „Die UNO hat ihre Zeit hin­ter sich: Was es braucht, ist eine Orga­ni­sa­ti­on der Ver­ein­ten Reli­gio­nen, eine UNO der Reli­gio­nen.“ Dies sag­te Isra­els Ex-Prä­si­dent in einem Inter­view mit der katho­li­schen Wochen­zeit­schrift Famiglia Cri­stia­na.

Die Zeit der UNO sei vorbei, es brauche jetzt eine UNO der Religionen

Die Erset­zung der Ver­ein­ten Natio­nen durch die Ver­ein­ten Reli­gio­nen sei „der beste Weg, um den Ter­ro­ri­sten ent­ge­gen­zu­tre­ten, die im Namen des Glau­bens töten. Die Mehr­heit der Men­schen ist nicht wie sie, sie prak­ti­ziert die eige­ne Reli­gi­on, ohne jeman­den zu töten, ohne auch nur dar­an zu denken.“

Nach der Audi­enz mit Papst Fran­zis­kus sag­te Shi­mon Peres der staat­li­chen ita­lie­ni­schen Pres­se­agen­tur ANSA: „Ich den­ke, daß es eine Char­ta der Ver­ein­ten Reli­gio­nen geben soll­te, genau­so wie es die UNO-Char­ta gibt. Die neue Char­ta wür­de dazu die­nen, im Namen aller Glau­bens­for­men, daß das Töten von Men­schen oder Mas­sen­mor­de, wie wir sie in die­sen Wochen erle­ben, nichts mit der Reli­gi­on zu tun haben. Das habe ich dem Papst vorgeschlagen.“

Der 91jährige im damals pol­ni­schen Wisch­ne­wa (heu­te Weiß­ruß­land) gebo­re­ne Shi­mon Peres gehört zu den füh­ren­den Gestal­ten des Staa­tes Isra­el, dem er von 2007 bis 2014 als Staats­prä­si­dent vor­stand. Der ANSA sag­te er wei­ters: „Wir erle­ben einen völ­lig neu­en Krieg gegen­über jenen der Ver­gan­gen­heit, sowohl was die Tech­ni­ken, vor allem aber was die Moti­va­ti­on anbe­langt. Um uns dage­gen zu wider­set­zen, haben wir die Orga­ni­sa­ti­on der Ver­ein­ten Natio­nen. Da ist eine poli­ti­sche Orga­ni­sa­ti­on, aber sie hat weder Arme­en, die die Staa­ten haben, noch die Über­zeu­gung, die die Reli­gio­nen her­vor­brin­gen. Und man sieht es: Wenn die UNO die Peace­kee­pers in den Nahen Osten schickt, die von den Fidschi-Inseln oder den Phil­ip­pi­nen kom­men und sie wer­den von den Ter­ro­ri­sten gefan­gen­ge­nom­men, was kann dann der UNO-Gene­ral­se­kre­tär machen? Eine schö­ne Erklä­rung abge­ben, die weder die Kraft noch die Effi­zi­enz irgend­ei­ner Pre­digt des Pap­stes hat, die allein auf dem Peters­platz eine hal­be Mil­li­on Men­schen versammelt“.

Papst Franziskus soll die Führung der Weltorganisation der Religionen übernehmen

Shi­mon Peres füg­te daher gleich hin­zu, daß er auch bereits die geeig­ne­te Per­son an der Spit­ze der Ver­ein­ten Reli­gio­nen ken­ne, näm­lich Papst Fran­zis­kus. „Wenn ich mich heu­te umse­he, stel­le ich eine Sache fest: Viel­leicht zum ersten Mal in der Geschich­te, ist der Hei­li­ge Vater eine respek­tier­te Füh­rungs­ge­stalt, die als sol­che nicht nur von vie­len Men­schen geach­tet wird, son­dern auch von den ver­schie­de­nen Reli­gio­nen und ihren Ver­tre­tern. Mehr noch: Viel­leicht ist er die ein­zi­ge wirk­lich respek­tier­te Füh­rungs­ge­stalt. Des­halb kam mir die Idee, die ich Papst Fran­zis­kus vor­ge­schla­gen habe.

Text: Giu­sep­pe Nardi
Bild: Asianews

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