Bischöfe: Sezessionsbestrebungen Schottlands und Kataloniens legitim — Modell für Ukraine-Krise?

Unabhängiges Katalonien? Am 9. November findet eine Volksabstimmung statt
Unab­hän­gi­ges Kata­lo­ni­en? Am 9. Novem­ber fin­det eine Volks­ab­stim­mung statt

Gast­kom­men­tar von Andre­as Becker

(Edinburgh/Barcelona) In der Ost-Ukrai­ne lieg Krieg in der Luft. Die Grün­de sind viel­fäl­tig. Pro­pa­gan­da und Gegen­pro­pa­gan­da wer­fen dich­te Nebel­bän­ke. Ein Grund ist jeden­falls, weil Gren­zen unab­hän­gig von ihrer Berech­ti­gung als unan­tast­bar behaup­tet wer­den. Ganz anders schei­nen die Din­ge in Schott­land und Kata­lo­ni­en zu lie­gen, die ihre Unab­hän­gig­keit von Groß­bri­tan­ni­en und Spa­ni­en anstre­ben. Die katho­li­schen Bischö­fe ver­hal­ten sich zur Fra­ge neu­tral, haben jedoch da wie dort die Legi­ti­mi­tät des Unab­hän­gig­keits­stre­bens und des Selbst­be­stim­mungs­rechts der Völ­ker bestätigt.

Die Willkür von Grenzen

Die Unver­rück­bar­keit von Staats­gren­zen wird von dem Staat behaup­tet, der ein umstrit­te­nes Gebiet kon­trol­liert. Dies geschieht in der Regel gegen einen ande­ren Staat, der das Gebiet for­dert oder nicht sel­ten gegen die betrof­fe­ne Bevöl­ke­rung, die sich von einem Staat tren­nen will, in den sie häu­fig gegen ihren Wil­len hin­ein­ge­zwun­gen wur­de. Wie will­kür­lich man­che Gren­zen ent­stan­den sind, davon weiß das 20. Jahr­hun­dert ein Lied zu sin­gen. In die­ser Will­kür ist auch einer der Grün­de für die heu­ti­gen blu­ti­gen Kon­flik­te im Nahen Osten zu suchen. In Syri­en, im Irak und nicht nur dort.

Mil­lio­nen Deut­sche, die bei Kriegs­en­de und noch lan­ge danach aus ihrer Hei­mat ver­trie­ben wur­den, wis­sen eben­falls die­ses Lied zu sin­gen. Ihre Hei­mat haben sich ande­re Staa­ten und Völ­ker unter den Nagel geris­sen, indem man aus­ge­rech­net das tat, was man der NS-Regie­rung zum unent­schuld­ba­ren Vor­wurf mach­te. Ähn­li­che Erfah­run­gen muß­ten auch ande­re euro­päi­sche Völ­ker machen. Der Stär­ke­re bestimmt die Regeln. Die Lügen der Ver­lie­rer wer­den ent­larvt, wäh­rend die Lügen der Sie­ger zur offi­zi­el­len Geschichts­schrei­bung werden.

Unabhängigkeitsbestrebungen in Schottland und Katalonien

Unabhängiges Schottland? Am 18. September kann das Volk darüber entscheiden
Unab­hän­gi­ges Schott­land? Am 18. Sep­tem­ber kann das Volk dar­über entscheiden

Daß es auch anders geht, zei­gen der­zeit Schott­land und Kata­lo­ni­en. Das König­reich Schott­land und das König­reich Eng­land bil­den seit 1707 das Ver­ei­nig­te König­reich Groß­bri­tan­ni­en. Am 18. Sep­tem­ber wer­den die Schot­ten dar­über abstim­men, ob sie ihre Sou­ve­rä­ni­tät wie­der­ha­ben oder wei­ter­hin mit Eng­land in einem Staat ver­eint sein wollen.

Glei­ches geschieht am 9. Novem­ber in Kata­lo­ni­en. Das ehe­ma­li­ge Für­sten­tum Kata­lo­ni­en war 1714 in den kasti­lisch domi­nier­ten spa­ni­schen Staat ein­ge­glie­dert und sei­ne Selbst­ver­wal­tung besei­tigt wor­den. Nord­ka­ta­lo­ni­en, war bereits 1659 von Frank­reich annek­tiert worden.

Schottisch und Katalanisch, Kastilisch und Englisch

In Schott­land ist Eng­lisch Mutter‑, Ver­kehrs- und Amts­spra­che. Das Schot­ti­sche ist im Sin­ne der Euro­päi­schen Char­ta der Regio­nal- oder Min­der­hei­ten­spra­chen aner­kannt und gilt im Schot­ti­schen Par­la­ment neben Eng­lisch als gleich­be­rech­tig­te, wenn auch nicht gleich­ge­wich­te­te Amts­spra­che. Aller­dings wird Schot­tisch nur mehr von einem Drit­tel der Schot­ten flie­ßend gesprochen.

In Kata­lo­ni­en ist Kata­la­nisch neben Kasti­lisch seit 1978 völ­lig gleich­be­rech­tig­te Amts­spra­che. Kata­la­nisch ist Haupt­ver­kehrs­spra­che im täg­li­chen Leben. Fak­tisch alle Ein­woh­ner Kata­lo­ni­ens ver­ste­hen Kasti­lisch und Kata­la­nisch. 75 Pro­zent spre­chen Kata­la­nisch, 60 Pro­zent kön­nen auch flie­ßend kata­la­nisch schreiben.

Wie in den mei­sten Min­der­hei­ten­ge­bie­ten befin­den sich die Min­der­hei­ten­spra­chen, ob Schot­tisch oder Kata­la­nisch unter dem Druck der domi­nie­ren­den Staats­spra­che. Durch die Eigen­staat­lich­keit sehen die Unab­hän­gig­keits­be­für­wor­ter auch die Chan­ce, die eige­nen Spra­chen wie­der stär­ker zur Gel­tung zu bringen.

Eigene Geschichte, eigene Sprache, eigene Identität

Die Fahnen Spaniens und Kataloniens
Die Fah­nen Spa­ni­ens und Kataloniens

Schott­land und Kata­lo­ni­en kön­nen auf eine eige­ne Geschich­te, ein eige­nes histo­ri­sches Staats­we­sen, eige­ne Spra­che und Kul­tur ver­wei­sen. Bei­de Län­der wur­den von stär­ke­ren Nach­barn teils flie­ßend, teils gewalt­sam inte­griert, ihrer Eigen­staat­lich­keit beraubt, pha­sen­wei­se unter­drückt und einer Assi­mi­lie­rung unter­wor­fen. Sowohl Schot­ten als auch Kata­la­nen bewahr­ten sich jedoch eine aus­ge­präg­te Iden­ti­tät und drän­gen nun auf Wie­der­ge­win­nung ihrer Eigen­staat­lich­keit durch Tren­nung von Groß­bri­tan­ni­en und Spa­ni­en. Die Euro­päi­sche Uni­on scheint die­sen Pro­zeß mög­lich zu machen, den die jewei­li­gen Zen­tral­re­gie­run­gen in Lon­don und Madrid bis vor kur­zem noch mit Waf­fen­ge­walt nie­der­ge­schla­gen hätten.

EU-Mitgliedschaft weiterhin möglich?

Den­noch bestehen gewis­se Unsi­cher­hei­ten auf allen Sei­ten, weil in der EU bis­her Prä­ze­denz­fäl­le für sol­che Sezes­si­ons­pro­zes­se feh­len von Gebie­ten, die nach Errei­chung der Unab­hän­gig­keit in der EU blei­ben wol­len. Schott­land wäre der 29., Kata­lo­ni­en der 30. EU-Mit­glieds­staat. Bei­de Län­der wären an Flä­che, Ein­woh­nern und Wirt­schafts­kraft stär­ker als man­che der­zei­ti­ge Mitgliedsstaaten.

Die Tren­nung der Slo­wa­ken von den Tsche­chen, die nach dem Ersten Welt­krieg und erneut nach dem Zwei­ten Welt­krieg in ein tsche­chisch domi­nier­tes Staats­kon­strukt gezwun­gen wor­den waren, erfolg­te 1994 noch vor dem EU-Bei­tritt die­ser Gebiete.

Färöer und Grönland

Die Fahnen Schottlands und Großbritanniens
Die Fah­nen Schott­lands und Großbritanniens

Mit Ein­schrän­kun­gen könn­te der Aus­tritt der Färö­er aus der Euro­päi­schen Gemein­schaft (EG) genannt wer­den. Die Insel-Grup­pe in der Nord­see ist seit 1948 weit­ge­hend selbst­ver­wal­tet und genießt im däni­schen Staa­ten­bund den Sta­tus einer „gleich­be­rech­tig­ten Nati­on“. Als Däne­mark 1972 der EG bei­trat, spra­chen sich die Färin­ger 1973 in einer Volks­ab­stim­mung gegen die Mit­glied­schaft aus. Eine Ent­schei­dung, die 1974 voll­zo­gen wur­de, wes­halb die Inseln nicht Teil der EU sind.

Ähn­li­ches gilt für Grön­land, das inner­halb Däne­mark eben­falls eine eige­ne, selbst­ver­wal­te­te „Nati­on“ bil­det. Grön­land wur­de 1972 mit Däne­mark EG-Mit­glied. Dage­gen ent­stand eine grön­län­di­sche Volks­be­we­gung, die zur Durch­füh­rung einer Volks­ab­stim­mung führ­te, bei der sich die Grön­län­der 1982 für einen Aus­tritt aus der EG aus­spra­chen, der 1985 voll­zo­gen wur­de. Aus die­sem Grund ist heu­te auch Grön­land nicht Teil der Euro­päi­schen Uni­on. Ein Wie­der­auf­nah­me­an­trag wur­de bis­her weder von Färö­er noch von Grön­land gestellt.

Die bri­ti­sche, vor allem jedoch die spa­ni­sche Regie­rung droh­ten den Unab­hän­gig­keits­be­für­wor­tern in Schott­land und Kata­lo­ni­en, daß sie im Fal­le einer Mehr­heit für die Unab­hän­gig­keit aus der EU hin­aus­flie­gen wür­den. Die Euro­päi­sche Kom­mis­si­on bestä­tig­te die­sen Stand­punkt trotz anfäng­lich wider­sprüch­li­cher, aller­dings unver­bind­li­cher Aus­sa­gen ein­zel­ner Poli­ti­ker aber nicht.

Bischöfe erkennen Legitimität der Sezessionsbestrebungen an

Kata­lo­ni­ens und Schott­lands katho­li­sche Bischö­fe erkann­ten unter­des­sen die Legi­ti­mi­tät der Unab­hän­gig­keits­be­stre­bun­gen an. 16 Pro­zent der Schot­ten sind katho­lisch und über 80 Pro­zent der Kata­la­nen. Die Bischö­fe geben kei­ne Emp­feh­lung ab, wie die Bevöl­ke­rung abstim­men soll. Die schot­ti­schen Bischö­fe erklär­ten sich in der Fra­ge ob Uni­on mit Lon­don oder Unab­hän­gig­keit für neu­tral. Sie for­der­ten die Men­schen jedoch auf, von ihrem demo­kra­ti­schen Ent­schei­dungs­recht Gebrauch zu machen. Eine ein­deu­ti­ge Aner­ken­nung der Legi­ti­mi­tät der Unabhängigkeitsbewegung.

Die katho­li­schen Bischö­fe Kata­lo­ni­ens ste­hen unter stär­ke­rem Druck der Spa­ni­schen Bischofs­kon­fe­renz, zumal die spa­ni­sche Regie­rung die Ver­fas­sungs­wid­rig­keit der Unab­hän­gig­keits­be­stre­bun­gen behaup­tet. Umso deut­li­cher spra­chen sich die kata­la­ni­schen Bischö­fe für die Unab­hän­gig­keist­be­we­gung aus. Bereits im Okto­ber 2012 distan­zier­ten sie sich von einer Erklä­rung der Bischofs­kon­fe­renz, die sich für ein „unteil­ba­res Spa­ni­en“ aus­ge­spro­chen hat­te. Heu­te bekräf­tig­te dies Bischof Xavier Novell von Sola­na. Bischof Novell for­der­te sei­ne Diö­ze­se auf, sich aktiv an der Unab­hän­gig­keits­fra­ge zu betei­li­gen und an der Abstim­mung im Novem­ber teil­zu­neh­men. Seba­stià  Tal­ta­vull, Weih­bi­schof von Bar­ce­lo­na und rech­te Hand von Erz­bi­schof Lluà­s Kar­di­nal Martà­nez Sist­ach von Bar­ce­lo­na erklär­te: „Die Kir­che steht an der Sei­te des kata­la­ni­schen Vol­kes“. Wäh­rend die Bischö­fe Sym­pa­thien erken­nen las­sen, sich aber nicht offen für die Unab­hän­gig­keit aus­spre­chen, wird in Kata­lo­ni­en auf­merk­sam regi­striert, daß sie sich hin­ge­gen offen von der kate­go­ri­schen Ableh­nung der Zen­tral­re­gie­rung distan­zie­ren. Unter­halb der Bischö­fe spre­chen sich zahl­rei­che Prie­ster und Ordens­leu­te, ganz offen für die Unab­hän­gig­keit von Spa­ni­en aus.

Das Ergeb­nis sowohl der einen wie der ande­ren Volks­ab­stim­mung steht nicht fest. Ob eine Mehr­heit der Schot­ten und der Kata­la­nen letzt­lich für Sezes­si­on und Eigen­staat­lich­keit sind, wird sich erst an den Abstim­mungs­aben­den zei­gen. Die Tat­sa­che, daß Abstim­mun­gen statt­fin­den kön­nen, ist — denkt man an den Aus­bruch des Ersten und des Zwei­ten Welt­krie­ges, deren in die­sem Jahr gedacht wird — aller­dings Aus­druck eines enor­men Rei­fungs­pro­zes­ses in den bestehen­den sou­ve­rä­nen Staa­ten und des Völkerrechts.

Auch Weg zur Lösung der Ukraine-Krise?

Noch läßt sich nicht abse­hen, wie der Unab­hän­gig­keits­pro­zeß Schott­lands und Kata­lo­ni­ens sich wei­ter­ent­wickeln wird. Viel­leicht tut sich jedoch, wie immer das Ergeb­nis aus­fällt, ein neu­er fried­li­cher Weg auf, Fra­gen der staat­li­chen Zuge­hö­rig­keit, der Gren­zen und der eth­ni­schen und reli­giö­sen Min­der­hei­ten zu lösen. Das könn­te dann auch ein Weg für die Ukrai­ne sein, wie immer dann die Lösungs­wün­sche der betrof­fe­nen Bevöl­ke­rung sein werden.

Auch ande­re euro­päi­sche Regio­nen mit Min­der­hei­ten oder histo­ri­schen und kul­tu­rel­len Beson­der­hei­ten wie Flan­dern, das Bas­ken­land, Süd­ti­rol, Kor­si­ka, Vene­ti­en, Sar­di­ni­en  beob­ach­ten die Ent­wick­lung in Schott­land und Kata­lo­ni­en auf­merk­sam. Eben­so die jewei­li­gen Staats­re­gie­run­gen und die Euro­päi­sche Kom­mis­si­on in Brüs­sel, die sich gera­de konstituiert.

Bild: Wikicommons/Freedom for Scotland/Catalunya Independencia

7 Kommentare

  1. Wenn die kath. Bischö­fe das Selbst­be­stim­mungs­rechts der Völ­ker für Kata­lo­ni­en und Schott­land bestä­ti­gen, dann müs­sen sie es auch für den Osten der Ukrai­ne bestätigen!

    Wo sind da die Stim­men der Bischöfe?

    Wo ist da der Pro­test gegen die Kriegts­trei­ber in den GEZ-Medi­en und beim Spie­gel oder FAZ?

    Wo bleibt der Hir­ten­brief, der vor dem Irr­sinn „Krieg gegen Russ­land“ warnt?

    Ach, man möch­te sich den Cock­tail-Emp­fang bei der Kanz­le­rin und dem Het­zer-Pastor Gauck nicht verscherzen?

    Wen wun­dert es…

  2. Die Bischö­fe mögen ja an der Sei­te des kata­la­ni­schen Vol­kes ste­hen, aber die Kata­la­nen, die für die Unab­hän­gig­keit sind und damit auf die ERC hören, ste­hen ganz sicher nicht auf Sei­te der Kirche!

    Denn die Vor­fah­ren der ERC haben Non­nen ver­ge­wal­tigt und die toten Non­nen dann öffent­lich aus­ge­stellt, und zwar nackt.

    Und genau die­se Kata­la­nen geben jetzt den Ton an!

    Dass die Bischö­fe so unkri­tisch sind, zeigt, dass sie ent­we­der nichts kapie­ren oder oppor­tu­ni­stisch sind.

    • Dan­ke! Sie haben völ­lig Recht: die Los­lö­sung „Kata­lo­ni­ens“ von Spa­ni­en, zu dem es seit jeher gehör­te, wäre schlimm­stes Unrecht. Es ist ein „Pro­jekt“, das von den anto­mon­ar­chi­sti­schen, anti­kirch­li­chen Links­in­tell­k­tu­el­len betrie­ben wird, die lei­der wei­te Tei­le des Vol­kes ver­blen­det haben. Lei­der sind die Bischö­fe dort zu oppor­tu­ni­stisch, um dem Volk mit Mut und Wahr­heit ent­ge­gen­zu­tre­ten. Alle ande­ren spa­ni­schen Bischö­fe haben die Auto­no­mie­ge­lü­ste scharf als unka­tho­lisch verurteilt. 

      Kurz­um, es ist dort eine völ­lig ande­re Situa­ti­on als in der Ukrai­ne. Dort sind die Sezes­sio­ni­sten im Recht.

  3. Es sei mal erlaubt, das Ukrai­ne­pro­blem ver­sim­pli­fi­ziert dar­zu­le­gen:. Demo­kra­tie ist, wenn zwei Wöl­fe und ein Lamm dar­über ent­schei­den, was es am Sonn­tag als Bra­ten zu essen gibt. Nach­dem eine Pro­west­li­che Regie­rung in der Ukrai­ne an die Macht kam, scheint die­se in Ent­spre­chung zur anti­rus­si­schen pro wes­li­chen Außen­po­li­tik eine anti­rus­si­sche Innen­po­li­tik zu favo­ri­sie­ren. Die Rus­sen in der Ukrai­ne sehen nun, daß ihnen die Lam­rol­le in der Demo­kra­tie zufällt. Um dem zu ent­ge­hen, wol­len sie sich vom ukrai­ni­schen Staa­te sepa­rie­ren, um Teil des rus­si­schen Staa­tes zu wer­den. Das ist ein zutiefst legi­ti­mer Akt des Selbst­be­stim­mungs­ak­tes der Rus­sen in der Ukrai­ne. Wenn zwei Eth­ni­en in einem Staa­te nicht mehr zusam­men leben wol­len, oder das eine nur noch mit dem ande­ren Volk zusam­men leben will, wenn es das ande­re dis­kri­mi­nie­ren kann, dann ist wirk­lich die beste Lösung: man trennt sich! Der Zer­fall des mul­ti­eth­ni­schen Jugo­sla­wi­en in drei eth­ni­sche Staa­ten zeigt, daß, wenn kei­ne fried­li­che Tren­nung und Abson­de­rung gelingt, die Auf­tei­lung per Krieg geschieht Der Krieg wäre ver­meid­bar gewe­sen, hät­ten sich die drei Völ­ker, die Ser­ben, die Kroa­ten und die Alba­ner fried­lich auf eine Drei­tei­lung géeinigt, wie ja auch die Tsche­che­s­lo­wa­kei sich fried­lich in zwei Natio­nal­staa­ten auf­lö­ste. Über­haupt scheint eine eth­ni­sche Homo­ge­ni­tät für das fried­li­che Zusam­men­le­ben der Bür­ger in einem Staa­te vor­teil­haft zu sein- Mul­ti­eth­ni­zi­tät for­ciert das Kon­flikt­po­ten­ti­al, das in jeder Gesell­schaft exi­stiert. Erstaun­lich ist es doch, daß ein eth­ni­scher Kon­flikt im Urchri­sten­tum, (Apo­stel­ge­schich­te 6, 1–7), daß sich die hei­den­christ­li­chen Wit­wen von den juden­christ­li­chen Dia­ko­nen benach­tei­ligt sahen, gelöst wur­de, indem nun hei­den­christ­li­che Dia­ko­ne die Betreu­ung der Hei­den­chri­sten über­nah­men und die Juden­chri­sten die Juden­chri­sten. Es wur­de eth­nisch aus­dif­fe­ren­ziert und das schon im Anfang der Kirche!
    Uwe C. Lay

    • Hei­den­chri­sten:

      Römer, Gal­li­er, Grie­chen, Syrer, Ephe­ser. Mul­ti­eth­nisch? Sicher!

      Juden­chri­sten:

      Juden. Und nu?

  4. Legi­tim? Ach ja? Davon abge­se­hen: ist das klug, zeugt es von Intel­li­genz, von guten Absichten?
    Das darf man bezweifeln…

    Die gan­zen Jah­re tön­ten so vie­le Tra­di­tio­na­li­sten mon­ar­chi­stisch, idea­li­sie­ren das Hei­li­ge Römi­sche Reich des Mit­tel­al­ters, obwohl die Kaiser/Könige nicht nur ein­mal mit allen fie­sen Tricks ver­sucht haben, dem Papst das Was­ser abzu­gra­ben, auf jeden Fall wird die Demo­kra­tie ver­teu­felt — aber plötz­lich, wenn es nur irgend­wie gegen den Westen geht, ist man ultrar­evo­lu­tio­när und ultrademokratisch?!

    Aber mal abge­se­hen von die­sen kurz­sich­ti­gen Res­sen­ti­ments, mit denen ich nichts zu tun haben will, fällt mir dazu eine Vor­her­sa­ge Jesu Chri­sti ein:

    „Er ant­wor­te­te: Gebt Acht, dass man euch nicht irre­führt! Denn vie­le wer­den unter mei­nem Namen auf­tre­ten und sagen: Ich bin es!, und: Die Zeit ist da. — Lauft ihnen nicht nach!
    Und wenn ihr von Krie­gen und Unru­hen hört, lasst euch dadurch nicht erschrecken! Denn das muss als erstes gesche­hen; aber das Ende kommt noch nicht sofort.
    Dann sag­te er zu ihnen: Ein Volk wird sich gegen das ande­re erhe­ben und ein Reich gegen das ande­re.“ (Lukas 21, 8)

    EIN VOLK WIRD SICH GEGEN DAS ANDERE ERHEBEN UND EIN REICH GEGEN DAS ANDERE.

    Ja, das ist unse­re Situa­ti­on, und allen Russ­land-Hypern aus dem Tra­di­la­ger sei mah­nend in Erin­ne­rung geru­fen, dass wir in die­ser Zeit, von der ER spricht, nie­man­dem fol­gen sol­len oder dem Wahn erlie­gen soll­ten, dass Er da oder dort ist. Der Westen ist sicher deka­dent, aber nicht nur und nicht in jeder Hin­sicht, Nüch­tern­heit ist gefragt und Sach­lich­keit, es gibt kei­nen Ort, wo ER ist, außer im Him­mel und in den weni­gen noch gül­tig gewan­del­ten aller­hei­lig­sten Altarsakramenten.

    Fällt es wirk­lich nie­man­dem auf, dass die­ses Absplit­tern klein­ster und schwa­cher Län­der­chen Zei­chen des tief­sten Zer­falls sind? Wol­len Sie wirk­lich eine Land­kar­te von Kleinst­staa­ten, die alle­samt in schlimm­ste Abhän­gig­kei­ten gera­ten wer­den, sobald eine Gefahr von außen oder von innen droht? Und vor allem sind wir dann end­gül­tig leich­te Beu­te für den Islam.

    Der gan­ze Rest ist Illu­si­on, Ver­füh­rung. Ich appe­lie­re an die gesun­de Distanz nicht nur zum eige­nen west­li­chen „Zuhau­se“, son­dern auch zu Russland!

  5. In der Ost­ukrai­ne liegt kein Krieg in der Luft weil die ukrai­ni­schen Regie­rungs­ver­bän­de ver­nich­tend geschla­gen wor­den sind in den letz­ten 10 Tagen

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