Gericht: Homeschooling weiter eine Gefahr für Kinder

Wunderlich_10-2-2012_1Vor rund einem Jahr beraub­te der deut­sche Staat das Ehe­paar Dirk und Petra Wun­der­lich ihrer vier Kin­der, da die Darm­städ­ter Fami­lie ihren Nach­wuchs nicht durch den Staat erzie­hen las­sen, son­dern statt­des­sen selbst den Unter­richt über­neh­men woll­te. Damals schrieb Katho­li­sches: „Am ver­gan­ge­nen Don­ners­tag, 29. August 2013, stürm­ten um acht Uhr vor­mit­tags 20 Poli­zi­sten und Mit­ar­bei­ter des Jugend­am­tes das Haus von Fami­lie Wun­der­lich in Darm­stadt, um alle vier Kin­der der Obhut ihrer Eltern zu ent­rei­ßen. Über den Ver­bleib der sie­ben bis 14 Jah­re alten Kin­der weiß man der­zeit noch nichts. Der Öffent­lich­keit wur­de die­ser mas­si­ve Ein­griff in die natür­li­chen Rech­te der Fami­lie durch einen Bei­trag der Home School Legal Defen­se Asso­cia­ti­on (HSLDA) bekannt, der größ­ten und wich­tig­sten inter­na­tio­na­len Orga­ni­sa­ti­on zur Ver­tei­dung des Rech­tes auf Home­schoo­ling. In der deut­schen Medi­en­land­schaft ist kei­ne Reak­ti­on auf die Poli­zei­ak­ti­on zu ver­neh­men, wäh­rend inner­halb von zwei Tagen bereits meh­re­re eng­lisch­spra­chi­ge Nach­rich­ten­sei­ten von dem Fall berich­ten.“

Auch jetzt ist es wie­der der HSLDA zu ver­dan­ken, dass eine brei­te­re Öffent­lich­keit von einer kürz­lich gefäll­ten Gerichts­ent­schei­dung erfährt, wonach der Fami­li­en­rich­ter im Spät­som­mer 2013 falsch gehan­delt habe, indem er den Eltern das Sor­ge­recht ver­sag­te. Gleich­zei­tig hieß es in dem Gerichts­ur­teil jedoch, dass Home­schoo­ling wei­ter­hin eine Gefahr dar­stel­le und Kin­der in die Schu­le gehen soll­ten. Wie sicher staat­lich regu­lier­te Schu­len sind, zei­gen anschau­lich die Amok­läu­fe von Ems­det­ten, Win­nen­den und Ans­bach in den letz­ten zehn Jah­ren. Dar­über hin­aus stel­len staat­li­che Schu­len bekann­ter­ma­ßen eine gro­ße Gefahr für Geist und Ver­stand der Schü­ler dar, sei es etwa durch die soge­nann­te „Sexu­al­erzie­hung“, den Reli­gi­ons­un­ter­richt oder die end­lo­se Pro­pa­gan­da in der Poli­tik­stun­de.

Dirk Wun­der­lich zeig­te sich ver­ständ­li­cher­wei­se erfreut, mit sei­ner Frau nun wie­der das Sor­ge­recht für die eige­nen Kin­der zu haben: „Das Gericht sag­te, dass die Weg­nah­me unse­rer Kin­der nicht ver­hält­nis­mä­ßig war – nur weil die Behör­den sehr hohe Geld­bu­ßen und Straf­ver­fol­gung anwen­den soll­ten. Aber die­se Ent­schei­dung hält die absur­de Idee auf­recht, dass Home­schoo­ling eine Gefahr für das Kind ist und ein Miss­brauch der elter­li­chen Auto­ri­tät.“ Fami­lie Wun­der­lich muss sich nun auf Geld­stra­fen im mitt­le­ren fünf­stel­li­gen Bereich und Gefäng­nis­auf­ent­hal­te gefasst machen. „Das soll­te in einem zivi­li­sier­ten Land nicht tole­riert wer­den.“

Petra Wun­der­lich äußer­te der HSLDA gegen­über ihren Dank: „Wir hät­ten das nicht ohne die Hil­fe der HSLDA tun kön­nen. Kei­ne Fami­lie kann gegen den mäch­ti­gen deut­schen Staat kämp­fen – es ist zu viel, zu teu­er.“ Dies gilt natür­lich, und das sei nur am Ran­de bemerkt, nicht nur für Ange­le­gen­hei­ten wie Home­schoo­ling, son­dern auch für alles ande­re, was die jewei­li­ge Herrscher­klas­se nicht gern sieht.

Micha­el Don­nel­ly von der HSLDA ver­lieh sei­ner Empö­rung über das Ver­hal­ten des deut­schen Staa­tes Aus­druck: „Gefäng­nis- und Geld­stra­fen für Home­schoo­ling sind außer­halb des­sen, was freie Gesell­schaf­ten, wel­che fun­da­men­ta­le Men­schen­rech­te respek­tie­ren, tole­rie­ren soll­ten. Die Geset­ze des deut­schen Staa­tes und der Län­der, die das Ver­bot von Haus­un­ter­richt erlau­ben, müs­sen geän­dert wer­den. Sol­che Geset­ze einer füh­ren­den euro­päi­schen Demo­kra­tie bedro­hen nicht nur die Rech­te zehn­tau­sen­der deut­scher Fami­li­en, son­dern eta­blie­ren ein gefähr­li­ches Bei­spiel, das zu kopie­ren ande­re Län­der ver­sucht sein könn­ten.“

Text: M. Bene­dikt Bue­r­ger
Bild: Pri­vat

15 Kommentare

  1. Der deut­sche Staat zeigt gegen ein­hei­mi­sche Eltern, die sich auf das gött­li­che Recht des Vaters beru­fen, aber gegen unmo­ra­li­sche Geset­ze ver­sto­ßen, null Tole­ranz.

    Zeit­gleich bege­hen Lin­ke „Akti­vi­sten“ und Ori­en­ta­le in Ham­burg schwer­ste Straf­ta­ten und es wird gar nicht oder mit viel „Kul­tur­sen­si­bi­li­tät“ geur­teilt.

    Unser poli­ti­sches System ist ein­fach nur noch grau­en­haft und ver­ach­tens­wert.

    • Der Schul­un­ter­richt ist nun nicht allein Pri­vat­sa­che der Eltern. Die Argu­men­ta­ti­ons­kli­nie ver­läuft ver­kehrt. Der staat hat kei­ne Ideo­lo­gie unchrist­li­cher Art den Kin­dern auf­zu­zwin­gen. Das ist der Punkt.

      • So sehe ich das auch. Wenn man Gesetz­te nicht befolgt hat man damit zu rech­nen. Dass die Kin­der auf die Art von den Eltern weg­ge­ris­sen wur­den haben die Eltern doch selbst zu ver­ant­wor­ten. Ich den­ke auch, dass die Schul­pflicht u.a. den Vor­teil hat, dass sich die Kin­der der Ein­wan­de­rer dadurch eher inte­grie­ren als wenn sie nur in ihren Krei­sen blei­ben wür­den.

  2. Wäh­rend die Natio­nal­so­zia­li­sten jüdi­sche Kin­der aus den Schu­len ver­trie­ben, haben sie per Gesetz den Haus­un­ter­richt abge­schafft. Wer sich der Kin­der bemäch­tigt, mög­lichst direkt nach der Geburt bis zum Abschluß der Aus­bil­dung, der hat die Macht über die durch­zu­set­zen­de Ideo­lo­gie des Staa­tes. So wird inzwi­schen auch die Sexual„erziehung“ ab Kin­der­gar­ten erzwun­gen und das Eltern­recht sowie das Recht der Kin­der auf ihre Kind­heit abge­schafft. Sig­mund Freud stell­te bereits fest, daß mit dem Ver­lust der Scham der Wahn­sinn beginnt, und nur dort, wo Sexua­li­tät sub­li­miert wird, Kul­tur ent­steht.

    • Wir wol­len doch das Kind nicht mit dem sprich­wört­li­chen Bade aus­schüt­ten. der schul­un­ter­richt kann von der Fami­lie schlecht­hin nicht gelei­stet wer­den. Das ergibt sich schon bei schlich­tem Nach­den­ken. Aller­dings hat sich der Staat der Zurück­hal­tung zu beflei­ßi­gen und kei­ne Ideo­lo­gien wie Gen­der etc. zu indok­tri­nie­ren.

  3. Wenn hier schon wie­der einer von „gött­li­chen Rech­ten“ faselt im Forum, soll­te er nicht ver­ges­sen, dass nicht der Vater allei­ne gött­li­che Rech­te inne­hat nach der katho­li­schen Leh­re, son­dern neben der eben­so „berech­tig­ten“ Mut­ter, vor allem auch die staat­li­che Gewalt.

    Aus­drück­lich ist jede staat­li­che Gewalt von Gott: „Jeder lei­ste den Trä­gern der staat­li­chen Gewalt den schul­di­gen Gehor­sam. Denn es gibt kei­ne staat­li­che Gewalt, die nicht von Gott stammt; jede ist von Gott ein­ge­setzt. Wer sich daher der staat­li­chen Gewalt wider­setzt, stellt sich gegen die Ord­nung Got­tes, und wer sich ihm ent­ge­gen­stellt, wird dem Gericht ver­fal­len. (…) (Röm 13, 1 ff)

    Das Natur­recht — da wäre erst ein­mal zu klä­ren, was das eigent­lich genau meint! — sah im Abend­land nicht das Recht des Vaters als „höch­stes“ Recht über die Kin­der. Als „gött­lich“ galt, dass zunächst Vater und Mut­ter das Sor­ge­recht und die Pflicht haben. Im Fall der Ent­zwei­ung der Eltern hat man im christ­li­chen Abend­lad eher der Mut­ter das Haupt­recht über­las­sen, was der Natur tat­säch­lich auch ent­spricht. Aber das war aus der Not gebo­ren. In jedem Fall schreibt die Hei­li­ge Schrift und mit ihr die Kir­che den Kin­dern eine gleich­ran­gi­ge Ach­tung vor bei­den Eltern ab, was das gött­li­che Recht bei­der ein­deu­tig defi­niert.

    Nun stellt sich aber die Fra­ge, wie das „gött­li­che“ Recht von Vater und Mut­ter und das des Staa­tes zuein­an­der ver­hal­ten. Und bevor wir das im vor­lie­gen­den Fall ncht sau­ber geklärt haben, ist jede Empö­rung nicht zweck­dien­lich. Man müss­te den Fall genau dar­stel­len — geht das nicht?

    In die­sem Staat ist vie­les nicht ide­al. Des­we­gen kann haben wir aber kei­ner­lei Legi­ti­ma­ti­on, uns in ten­den­zi­ell anar­chi­scher Art zu ent­zie­hen.
    Die Fra­ge, ob und inwie­weit sich ein Christ der Tyran­nei ent­zie­hen oder gegen sie auf­be­geh­ren darf, ist eine alte abend­län­di­sche Streit­fra­ge.
    Tho­mas von Aquin hat kei­nes­wegs — wie man­che mei­nen — die Grund­la­gen für das Auf­be­geh­ren gegen das Recht des Regie­ren­den gelegt:

    In „De reg­no“ schreibt er:
    „Es ist wohl bes­ser, gegen die grau­sa­me Bedrückung der Tyran­nen nicht nach dem per­sön­li­chen Dafür­hal­ten eini­ger weni­ger, son­dern nach dem all­ge­mei­nen Beschluss vor­zu­ge­hen. (…) Wenn man aber über­haupt gegen einen Tyran­nen kei­ne mensch­li­che Hil­fe haben kann, muss man sich an Gott wen­den.“ (De reg­no ad regem Cypri I, 6)

    Und noch ein­deu­ti­ger äußert sich der hl. Petrus:
    „Unter­werft euch um des Herrn wil­len jeder mensch­li­che Ord­nung (…) Ihr Skla­ven, ord­net euch in aller Ehr­furcht euren Her­ren unter, nicht nur den guten und freund­li­chen (…) Wenn ihr recht han­delt und trotz­dem Lei­den erdul­det, das ist eine Gna­de in den Augen Got­tes.“ (1. Petrus 2, 13+18)

    Wel­che Pro­ble­me sich aus dem Unge­hor­sam gegen die staat­li­che Gewalt erge­ben kön­nen, listet Tho­mas auf. Sie dre­hen sich alle dar­um, dass der nicht von Gott auto­ri­sier­te „Kri­ti­ker“ dazu neigt, selbst schwe­rem Irr­tum zu erlie­gen, weil er zu kurz denkt und nicht unbe­dingt nur gute Moti­ve hat und selbst macht­geil getrie­ben ist.

    • So sehr ich die Beden­ken heu­ti­ger Eltern ver­ste­hen kann — ich bin selbst betrof­fen! — kann ich die unter Tra­di­tio­na­li­sten inzwi­schen übli­che Selbst­le­gi­ti­ma­ti­on zum offe­nen Unge­hor­sam bei vor­ge­scho­be­ner Aner­ken­nung der Auto­ri­tä­ten in Situa­tio­nen, die noch nicht ein­mal den Zustand der Tyran­nis erreicht haben (!), nicht nach­voll­zie­hen.
      Es ist ver­gleichs­wei­se ein­fach, sei­ne Kin­der hin­sicht­lich der Sexua­li­tät anders zu instru­ie­ren, vor­aus­ge­setzt man haut ihnen nicht einen bloß ver­ord­nen­den Prü­gel über, son­dern erklärt ihnen, dass die Sexua­li­tät hei­lig ist und ein Anteil an der Schöp­fer­kraft Got­tes.
      Auf der ande­ren Sei­te muss man hin­neh­men, dass das Kind sich trotz aller „gesun­den“ Erzie­hung doch zunächst nicht dem zuwen­det, was man selbst für das beste hält.
      Mit der Brech­stan­ge geht hier gar nichts.
      Jeder schaue hier auf die hl. Moni­ka.
      Wie gesagt, ich spre­che hier nicht theo­re­tisch, son­dern aus der per­sön­li­chen Pra­xis. Bei wie vie­lem müs­sen wir Eltern hof­fen und beten!

      Es ist ande­rer­seits fahr­läs­sig, in die­ser Wei­se gegen das immer noch außer­ge­wöhn­li­che Pri­vi­leg einer staat­lich finan­zier­ten Bil­dung wegen eini­ger Streit­punk­te einen Rund­um­schlag zu voll­füh­ren.
      Hier ist Maß und Klug­heit gefragt.
      Es hat sich noch nie als gut erwie­sen, die Kin­der aus Über­für­sorg­lich­keit zu iso­lie­ren oder ihnen einen Lebens­stil auf­zu­zwin­gen, der sie zu tota­len Out­laws macht, bevor sie selbst die Rei­fe dazu haben kön­nen, einen sol­chen Sta­tus, den man ja nur selbst wäh­len kann, über­haupt durch­zu­ste­hen.
      Das Ergeb­nis sind dann Jugend­li­che, die heu­cheln: in ihrer Pius­schu­le oder meist ja eher evan­ge­li­ka­len Bio­to­pen tra­gen sie alt­be­acke­ne Klei­der und tun schön bie­der. Und kaum sind sie außer Sicht­wei­te, zie­hen sie sich erst mal um und ver­su­chen, im Hier und Jetzt anzu­kom­men…

      Es spre­chen als theo­re­ti­sche wie prag­ma­ti­sche Grün­de dafür, dass das hier eine sehr schwie­ri­ge Fra­ge ist!

      • Kann ich nur voll unter­strei­chen. Wie Sie selbst aus­füh­ren, ist die „Fra­ge“ doch klar und somit am Ende nicht schwie­rig.

      • Man hat sei­ne Steu­ern zu bezah­len und die Ord­nung zu respek­tie­ren.

        Das bedeu­tet indes kei­nes­wegs, sei­ne Kin­der dem Staat mit einer Erzie­hung durch „Sex-Kof­fer“ und Rol­len­ver­wir­run­gen in den Rachen zu wer­fen. Nee, nee, so ver­ste­he ich Ver­ant­wor­tung nicht. Oder soll man spä­ter mal sagen, „ach, gebe­tet habe ich ja, aber der Staat hat’s nun mal so gewollt“? Womög­lich ist dann auch noch Gott schuld. Da ist es das eine und ande­re Opfer wert, die Kin­der an eine angeb­lich die Heu­che­lei begün­sti­gen­de Pius- oder Evan­ge­len­schu­le zu sen­den, statt den staat­li­chen „full-ser­vice“ zu bean­spru­chen; es geht nicht nur um „eini­ge Streit­punk­te“, son­dern ums kur­ze! Leben in Vor­be­rei­tung auf die ewi­ge Selig­keit.

        Hal­ten Sie übri­gens den Chri­sten in Irak und Syri­en eben­falls
        1. Petrus 2, 13+18 ent­ge­gen?

      • Das sehe ich ähn­lich wie Car­lo.

        Katho­li­ken der Tra­di­ti­on wür­den sich nie einem Staats­we­sen ver­wei­gern, das im Ein­klang mit dem Natur­recht steht. Wenn aber Frei­mau­rer und ähn­lich dunk­le Gesel­len sich eines Staats­we­sens bemäch­ti­gen und Abtrei­bung zum „Men­schen­recht“ erklä­ren, Sexua­li­tät im öffent­li­chen Raum zur Schau stel­len, Homo­se­xua­li­tät gut­hei­ßen etc. pp., dann muß das intak­te Gewis­sen eines jeden Katho­li­ken auf stur schal­ten. Der ech­te Katho­lik geht nicht wie der sozia­li­sti­sche oder anar­chi­sti­sche Mensch in die Rebel­li­on um der Rebel­li­on wil­len, son­dern weiß, daß eine Ord­nung gemäß des Natur­rechts her muß.

        Zur „alt­backe­nen“ Klei­dung in christ­li­chen Schu­len: Klei­dung hat in erster Linie zweck­dien­lich zu sein. In zwei­ter Linie kann sie die Per­sön­lich­keit ihres Trä­gers unter­strei­chen. Heut­zu­ta­ge wird aber oft­mals unter „modisch“ ver­stan­den, auf­fäl­lig wie ein Para­dies­vo­gel durch die Welt zu wan­deln. Eine sol­che Form von Mode för­dert sehr schnell Nar­ziß­mus und Eitel­keit, was ganz sicher nicht im christ­li­chen Sin­ne ist.

      • @ Car­lo

        War­um immer gleich das Kind mit dem Bade aus­schüt­ten? Sie machen eine anar­chi­sche Unter­schei­dung, wel­chen staat­li­chen Geset­zen Sie wann fol­gen wol­len — das geht so nicht, und Sie wis­sen es.

        Ich bin abso­lut kein obrig­keits­hö­ri­ger Mensch! Und will dem auch kei­nes­wegs das Wort reden.
        Aber es will mir nicht in den Kopf, dass man gleich die kom­plet­te Teil­ha­be am Schul­sy­stem auf­kün­di­gen muss, nur weil irgend­ei­ner mit einem Sex­kof­fer kommt.
        Ich fin­de das über­zo­gen — bei aller Kri­tik und allem Unmut, den ich ver­ste­he.

        Car­lo — Sie dür­fen mir glau­ben, dass ich an unse­rer Grund­schu­le damals als Que­ru­lan­ten­mut­ter ver­schrien war. Ich scheue kei­nes­wegs den Kon­flikt. Das mit dem Sex fand ich ehr­lich gesagt mar­gi­nal. Es waren ganz ande­re Din­ge, die ich viel schlim­mer fand, ange­fan­gen von die­sem geführ­ten Mob­bing im Rah­men des „Klas­sen­ra­tes“ über den Ein­satz von Klas­sen­spre­chern als ver­län­ger­ten Arm des Leh­rers mit allen Schi­ka­nen, die dar­aus erwuch­sen, die rudi­men­tä­re bis voll­idio­ti­sche Päd­ago­gik mit ihren Bau­stein­sy­ste­men, selbst­bets­imm­ten Ler­nen, Selbst­kon­trol­le der Klei­nen bei Haus­auf­ga­ben, Recht­schrei­bung erst mal nach Gusto — wie kriegst du das je wie­der raus aus dem Kind?! etc. etc. Zum Glück ist im Gym­na­si­um eine gewis­se didak­ti­sche Nor­ma­li­tät eige­kehrt…

        Auch wenn sich alle Kon­ser­va­ti­ven hyste­risch auf das Sex-The­ma stür­zen, als wäre das das wich­tig­ste und gra­vie­rend­ste — ich sehe das nicht so. Es ist gra­vie­rend, aber auch am leich­te­sten abzu­schmet­tern. Ich kann das auch begrün­den — wür­de hier aber zu viel.

        Die unsach­li­che Fra­ge, was ich wohl den ira­ki­schen Chri­sten raten wür­de: Car­lo, Sie ent­täu­schen mich, das haben Sie nicht nötig: das Kali­fat ist kei­ne legi­ti­me staat­li­che Macht!

        Im Fall der Fami­lie weiß ich ein­fach zu wenig, kann mich dazu also nicht sicher äußern, aber es gibt kei­nen Grund, die Kin­der total aus­zu­glie­dern aus dem Schul­sy­stem. Auch ich habe schon einen Schul­wech­sel voll­zo­gen (!!!) — das ist schon mal die erste Mög­lich­keit. Dann gibt es wei­te­re Mög­lich­kei­ten, die man recht­lich oder durch Aus­wei­chen oder Gegen­steu­ern ergrei­fen kann.
        Es ist doch Wahn­sinn, wegen des „Sex­kof­fers“ (den ich übri­gens nie erlebt habe!) gleich die gan­ze Teil­ha­be auf­zu­kün­di­gen — wo steht denn geschrie­ben, dass so etwas legi­tim ist?

        Wer in einem Staat zu Unrecht ver­folgt und ermor­det wird (und das ist eine ganz ande­re Fra­ge !!!), hat, nach­dem er alle mensch­li­chen Mög­lich­kei­ten aus­ge­schöpft hat, objek­tiv nur eine Chan­ce: auf Gott zu hof­fen. Die Kir­che hat nie­mals ein Recht ein­ge­räumt, nun sei­ner­seits einen Umsturz oder der­glei­chen anzu­stre­ben. Ich weiß, dass im 19.Jh katho­li­sche „Reak­tio­nä­re“ ver­sucht haben, so etwas ein­zu­füh­ren — es steht aber der Leh­re ent­ge­gen. Die Leh­re erlaubt die bewaff­ne­te Ver­tei­di­gung, deren Gren­zen aber bereits in den Kreuz­zü­gen mas­siv über­schrit­ten wur­den — eine bis heu­te nicht wirk­lich geklär­te Dis­kus­si­on…

      • @ Chlod­wig

        Sie spre­chen ja genau das aus, was durch die hl. Schrift, aber auch die Kir­chen­vä­ter nicht gedeckt ist: wir sind nicht nur ver­pflich­tet, der staat­li­chen Gewalt zu gehor­chen, die uns passt, son­dern jeder (vgl. das NT-Zitat oben).

        Sie spre­chen vom „Natur­recht“ — wenn Sie so freund­lich wären, mal zu erklä­ren, wo das kodi­fi­ziert ist und wie das genau anwend­bar ist? das ist näm­lich eine Debat­te für sich, was das über­haupt genau ist.

        Inzwi­schen hat sich jeder noch so unbe­darf­te Tra­di ange­wöhnt, vom Natur­recht zu tönen, ohne zu wis­sen, was das über­haupt ist. Auf jeden Fall gab es noch nie ein ein­sei­ti­ges und abso­lu­tes Recht der Eltern, solan­ge die­se Fami­lie in einem Gemein­we­sen lebt, dem sie eben­falls etwas schul­det. Was sie aber dann genau schul­det — das ist hier die Fra­ge.

  4. Ich möch­te noch etwas nach­tra­gen:

    Aus mei­ner Sicht ist v.a. in der Grund­schu­le das Pro­blem vor­han­den, dass die Kin­der total ver­bil­det wer­den. Mit­tels idio­ti­scher Metho­den üben sie weder Schreiben/Rechtschreiben, Lesen, Rech­nen aus­rei­chend. Ich könn­te dar­über gan­ze Bal­la­den vor­tra­gen.

    Wir haben die Erfah­rung gemacht, dass wir, selbst hart mit dem öko­no­mi­schen Über­le­ben beschäf­tigt, nicht in der Lage sind, das zu Hau­se „auf­zu­ho­len“ oder gar sel­ber lei­sten könn­ten. Außer­dem hören vie­le Kin­der nicht auf ihre Eltern, wenn die die Leh­rer­rol­le ein­neh­men — auch das ist eine uralte Erfah­rung! Mama und Papa blei­ben eben doch Mama und Papa.

    Die evan­ge­li­ka­le Schu­le um die Ecke mag ja ein biss­chen fromm tun und kei­nen Sex­kof­fer in die Schu­le brin­gen, aber den rest­li­chen päd­ago­gi­schen Müll betreibt auch sie…

    Hin­zu­kommt, dass wir schlicht kein Geld hät­ten, eine Pri­vat­schu­le zu finan­zie­ren. Die mei­sten Eltern müs­sen sich also doch wohl oder übel mit der staat­li­chen Schu­le abfin­den.
    Ich hat­te selbst vor Jah­ren Prak­ti­kan­ten von sol­chen christ­li­chen Schu­len — und bin bedient! Behü­te­te, unrei­fe Babies…
    Und man merkt, wenn man wach ist und selbst Vater/Mutter ist, dass auch die christ­li­che Sze­ne voll­ge­so­gen ist mit ideo­lo­gi­schem Unsinn und auch nicht hält, was sie groß­ar­tig ver­spricht.

    Es ist übri­gens wirk­lich per­fi­de @ Car­lo, wenn Sie so leicht­hin unter­stel­len, man wür­de das See­len­heil sei­ner Kin­der aufs Spiel set­zen! Haben Sie selbst Kin­der? Wenn ja, dann müss­ten Sie doch wis­sen, dass Sie kei­ner­lei Zugriff auf das Herz eines ande­ren haben.
    Das ist eine Sache zwi­schen Gott und dem ein­zel­nen. Ich kann hier ver­su­chen, das Rech­te zu leh­ren, aber das See­len­heil mache nicht ich. Ich mach­te die Andeu­tung dar­auf, dass jeder, der Kin­der hat, die schon etwas älter sind, erle­ben muss, dass sie anders wol­len, als man das für rich­tig hält — und dann lernt man Demut und muss aner­ken­nen, dass man hier gar nichts ver­mag — außer Beten! Das mein­te ich. Bit­te dre­hen Sie mir das nicht um…

  5. Eine Gefahr für Kin­der sind heu­te die staat­li­chen Schu­len!

    Erst, wenn die links­grü­nen Unter­wan­de­rer wie­der drau­ßen sind, kann man sei­ne Kin­der wie­der dort hin­schicken!

  6. 20m von mir ist eine Gesamt­schu­le. Aus­län­der­an­teil >50%. Die Spra­che, die selbst ver­blie­ben­de ein­hei­mi­sche Kin­der spre­chen, hat einen Get­to­dia­lekt. Das Beneh­men die­ser Kin­der ist die rein­ste Kata­stro­phe. Ja es gibt Aus­nah­men, viel­leicht 10%.

    Und was ler­nen die Kin­der in den heu­ti­gen Schu­len? Wenig. Schu­le ist dazu da, aus den Kin­dern Skla­ven für den Arbeits­markt zu machen. Ja, das Mahl­werk der Indu­strie braucht Skla­ven, die sich dem Takt der Maschi­nen anglei­chen.

    Lei­der ist es mir bis­her ver­gönnt, Kin­der zu haben. Wenn sich eines Tages die­ses Glück erge­ben soll­te, wür­de ich gern mei­ne Kin­der selbst unter­rich­ten. Lesen, Schrei­ben, Rech­nen, Reli­gi­ons­un­ter­richt, Geo­gra­phie, Gar­ten­ar­beit und Kampf­kunst bekom­me ich gut hin. Musik und Kunst macht die Frau. Für Latein wird sich schon was fin­den.

    Ich emp­feh­le die Schrift „Die Gan­zen“ von Prä­lat Robert Mäder. Er posi­tio­niert sich sehr deut­lich gegen die kon­fes­si­ons­lo­se Schu­le.

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